Aida von Giuseppe Verdi- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes
- peterlutz66
- vor 2 Tagen
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Mit der «Aida» erschuf Verdi einer der absoluten Höhepunkte der Operngeschichte und bietet dem Musikfreund alles was Oper leisten kann. Die Popularität des Werks ist ungebrochen: Massenszenen wie der Triumphmarsch begeistern das breite Publikum, innige Szenen wie der Abschied von Aida und Radames berühren den Liebhaber und Opernfan.
Aida von Giuseppe Verdi
URAUFFÜHRUNG: Kairo, 1872 LIBRETTO: Antonio Ghislanzoni, basierend auf Vorarbeiten von Camille du Locle und Edouard Mariette (möglicherweise basierend auf Metastasios «Nitteti», siehe Kommentar weiter unten «Ein ungewöhnliches Libretto»).
DIE HAUPT PERSONEN: Aida, Sklavin am ägyptischen Hof und Tochter des Amonasro (Sopran) Amonasro, König von Äthiopien (Bariton) - Pharao, König von Ägypten (Bass) - Amneris, Tochter des Pharaos (Mezzosopran) - Radames, Ägyptischer Krieger (Tenor) - Ramphis, Oberhaupt der Priester (Bass).
AUFNAHME EMPFEHLUNG: DECCA mit Leontyne Price, Jon Vickers und Robert Merrill unter der Leitung von Georg Solti und dem Chor und Orchester der Römischen Oper.
Handlung
1. AKT: (Sinfonia) Aida, die Tochter des äthiopischen Königs Amonasro lebt als Sklavin am ägyptischen Hof. Die äthiopischen Krieger überfallen Ägypten, um Aida zu befreien. Der ägyptische Offizier Radames träumt davon, lorbeerbekränzt vom Abwehrkampf zu seiner heimlichen Liebe Aida zurückzukehren. (Se quel guerriero io fossi … Celeste Aida) Der Priester ruft die Ägypter zum Widerstand gegen die Eindringlinge auf. In einer großartigen Massenszene peitschen der Priester und der König die Massen auf. (Su! del Nilo al sacro lido) Aida ist die Sklavin von Amneris, der Tochter des Pharaos, welche ebenfalls Radames liebt. Sie ist hin- und hergerissen zwischen der Liebe zum Vaterland und zu Radames. (Ritorna vincitor … Numi-o pietà)
Vor Radames‘ Ernennung zum Heerführer der Ägypter findet ein Ritual der Priesterinnen statt. (Possente ftha) Anschließend wird Radames feierlich vom Pharao zum Feldherrn der Ägypter ernannt. (Mortal diletto ai numi ... Nume custode e vindice)
2. AKT: Amneris will herausfinden, wie ihre Sklavin Aida zu Radames steht. Sie schwindelt Aida vor, Radames sei gefallen. Aida, von Trauer befallen, gesteht Amneris ihre Liebe zu Radames. So bestätigen sich Amneris Befürchtungen. Sie ist zerfressen vor Eifersucht, während Aida um Radames trauert. Gleichzeitig rufen die Priester das Volk auf, gegen die Eindringlinge zu kämpfen. Mit Erfolg: die Ägypter können die Angreifer abwehren und Amneris befiehlt Aida, sie zum Siegesfest zu begleiten, welches zu Ehren von Radames stattfindet. (Triumphmarsch)
Der Pharao hat auf Wunsch von Radames entschieden, dass die gefangenen Angreifer in ihre Heimat zurückkehren dürfen. Nur Aida und Amonasro (der König der Äthiopier hatte sich als Offizier verkleidet und amtierte als Sprecher der Gefangenen) werden als Geiseln zurückbehalten. Der Pharao gibt Radames als Belohnung seine Tochter Amneris als Frau.
3. AKT: Am Ufer des Nils. Amneris geht am Vorabend der Hochzeit zum Nil, um zu beten. Dort wartet Aida heimlich auf Radames. Sie sehnt sich nach ihrem Vaterland. (O patria mia) Während Aida auf Radames wartet, taucht ihr Vater überraschend auf und bedrängt sie, Radames den Ort eines unbewachten Wegs der ägyptischen Verteidigungslinie zu entlocken. Er besingt die Schönheiten Äthiopiens und appelliert an die Pflichterfüllung der Aida. Aida, hin- und hergerissen zwischen Loyalität zum Vaterland und Verrat an Radames, lehnt das Ansinnen ihres Vaters ab. (Ciel … mio Padre)
Als Radames erscheint, versteckt sich Amonasro. Aida bittet ihn mit ihr nach Äthiopien zu fliehen. (Fuggiam gli ardori inospiti) Aida fragt nach einem unbewachten Weg. Ihr Vater hört, wie Radames ihr den Weg nennt. Amonasro tritt hervor und Radames erkennt, dass er ungewollt sein Vaterland verraten hat. So muss Radames fliehen. In diesem Moment tritt Amneris hervor und beschuldigt ihn des Verrats. Amonasro will sie töten, aber Radames verhindert dies, lässt sich aber gefangen nehmen. Aida und ihr Vater entkommen.
4. AKT: Amneris bietet dem gefangenen Radames Thron und Heirat an, aber Radames verzichtet. (Gia i sacerdoti adunansi) Er wird zum Tode durch Einmauerung in das Pyramidengewölbe verurteilt. Amneris versucht vergeblich, die Priester zu bewegen, das Todesurteil abzuwenden. Sie will aus Verzweiflung sterben, weil sie es war, die Radames dem Gericht ausgeliefert hat. Sie verflucht die Priester leidenschaftlich. (E in poter di costor io lo gettai)
Radames ist in das Gemäuer der Pyramide eingeschlossen worden. Er hört einen Seufzer und bemerkt Aida, die sich in das Gewölbe eingeschlichen hatte und die beiden erleben gemeinsam ihren Abschied von der Welt. (O terra addio)
Kommentar
Die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte: Verdi war fast sechzig Jahre alt, als er die Aida schrieb. Er wollte sich zurückziehen, wurde aber vom Vizekönig von Ägypten angefragt, eine Oper für die Eröffnung des Kairoer Opernhaus zu schreiben. Verdi nannte dann, um die Anfrage abzuwimmeln, eine unverschämt hohe Summe, die zu seiner Überraschung angenommen wurde. Je länger er daran arbeitete, umso mehr begeisterte er sich, bis die «Aida» schließlich zusammen mit dem «Otello» vielleicht sein größtes Werk wurde. Verdi blieb nur wenig Zeit für die Komposition der Oper, als Lieferdatum war der Oktober 1871 vereinbart worden. Gleichzeitig wurden authentische Bühnenmaterialien und Kostüme unter der Aufsicht von Mariette produziert. Doch der deutsch-französische Krieg machte dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung, denn die in Paris produzierte Ausstattung war blockiert, und die Aufführung musste um ein Jahr verschoben werden.
Ein ungewöhnliches Libretto: Natürlich war Verdi nicht durch das viele Geld motiviert, sondern es waren die Hinweise von Camille du Locle, dem Theaterdirektor der Opéra comique und Librettisten, der Verdi textliche und bildliche Skizzen schickte. Er fand dabei die Unterstützung des Archäologen Edouard Mariette, der die Authentizität sicherstellte und die Idee der Handlung entwickelt hatte. Verdi fühlte sich sehr angesprochen und beschloss das Werk zu vertonen, was sehr ungewöhnlich war, da er sich in der Vergangenheit bei seinen Libretti auf eine solide Basisliteratur abstützte (Byron, Schiller, Voltaire, Dumas, Scribe…). Nun, in späteren Jahren stellte sich heraus, dass Mariette die Idee möglicherweise einem eher wenig bekannten Libretto des verstorbenen Opera seria Altmeisters Metastasio entnommen hatte, das dem Orientalisten Mariette durchaus hätte bekannt sein können. Wie auch immer, der bewährte Librettist Antonio Ghislanzoni schrieb in der Folge das Libretto mit der tatkräftigen Einflussnahme Verdis und Giuseppina Strepponis.
Die «Tinta» der Aida: Wie immer zu Beginn des Kompositionsprozesses begann Verdi mit der Festlegung der sogenannten «Tinta musicale», ein paar Grundprinzipien der Vertonung. Ein wichtiges Grundprinzip der Tinta der «Aida» war die «Varietà», die Kontrastierung der Gegensätze. Auf der einen Seite steht die Liebesbeziehung, verkörpert durch Aida und Radames, auf der anderen Seite die der Staatsraison- respektive -macht, verkörpert durch die Priester. Ergänzt wird dieses Spannungsfeld durch das Drama der Amneris. Verdi hat dazu Erinnerungsmotive entwickelt, die wiederholt zitiert werden. Sie finden im Abschnitt zur Ouvertüre das Liebesmotiv und das Priestermotiv. Daneben gibt es noch zwei Motive der Amneris. Ein weiterer Aspekt der «Tinta» der «Aida» sind die Massenszenen. Verdi ließ dafür eigens ein Instrument entwickeln, die sogenannte Aida-Trompete, die wir beispielsweise im Triumphmarsch hören. Verdi setzte die Massenszenen bewusst ein, um einen Kontrast zu den vielen lyrischen Szenen zu gestalten, die wir beispielsweise in den ergreifenden Duetten zwischen Radames und Aida hören. Ein weiterer Aspekt der Tinta sind die vielen Duette. Während wir insgesamt nur drei klassische Arien zählen («Celeste Aida», «Ritorna vincitor» und «O patria»), schrieb Verdi sechs Duette, deren berühmtestes das Schlussduett «O terra addio» wurde.
Der Schluss von «Celeste Aida»: Um den Schluss von «Celeste Aida» rankt sich ein interessanter Konflikt. Wie Rossini war Verdi kein Anhänger des schmetternden hohen C’s, im Gegenteil, mit einer Ausnahme hat er nie eines für den Tenor komponiert (in «La forza del destino» hat er es dem Uraufführungstenors zu Liebe geschrieben, hat es später aber wieder zurückgezogen). Am Schluss der Arie «Celeste Aida» hat er ein «eingestrichenes B in piano geschrieben», es hatte sich aber im Laufe der Jahrzehnte bei den Tenören eingebürgert, es als «hohes B in forte» zu singen, um den Zuschauern den Applaus in Radames‘ Auftrittsarie abzunötigen. Mit der Zeit wurde daraus eine Erwartungshaltung, wie wir der folgenden Anekdote entnehmen können: «Der berühmte Tenor Carlo Bergonzi war nicht nur ein exzellenter Tenor (Radames war eine seiner Paraderolle), sondern auch ein exzellenter Musiker. So war es für ihn eine Selbstverständlichkeit am Schluss ein B in piano zu singen, was aber nicht immer nach des Publikums Geschmack war. So musste er im Teatro Regio in Parma erleben, dass das Publikum protestierte, als er in einer Aida-Vorstellung das Schluss-B von Celeste Aida im schwierigen Piano sang. Er hat dieses Opernhaus nie mehr betreten». (Fischer, «Große Stimmen»). Eine interessante Geschichte rankt sich um das Zusammentreffen des Dirigenten Arturo Toscanini mit dem Tenor Richard Tucker. Toscanini (1867-1957) hat Verdi persönlich gekannt. «Als er in jungen Jahren schon ein respektierter Kapellmeister war, kehrte er temporär auf seinen Stuhl in der Cello-Sektion der Scala zurück und nahm als Cellist an der Uraufführung von Verdis «Otello» (La Scala, Mailand, 1887) unter der Leitung des Komponisten teil. Verdi, der sich gewöhnlich beschwerte, dass Dirigenten nie daran interessiert zu sein schienen, seine Partituren so zu dirigieren, wie er sie geschrieben hatte, war beeindruckt aus Berichten von Arrigo Boito über Toscaninis Fähigkeit, seine Partituren zu interpretieren» (Quelle: Wikipedia). Als Toscanini eine Aufführung mit Tucker dirigierte «… bestand Toscanini darauf, dass das hohe B am Schluss piano gesungen würde, wie es Verdi seiner Meinung nach auch vorgehsehen hatte. Tucker hatte damit Schwierigkeiten, und so führte Toscanini eine Kompromisslösung ein: Er ließ den Tenor das B forte singen, dann eine Oktave hinuntergehen und das mittlere B im Piano wiederholen.»
Wer war die beste Aida?: Diese Frage hat die Gemüter lange bewegt. War es die Callas, Leontyne Price oder doch die Tebaldi? Die Rolle der Aida ist schwer zu singen. Aida hat während der ganzen Oper eine hohe Bühnenpräsenz mit langen Einsätzen, was sehr viel Stehvermögen verlangt, um die vielen schwierigen Stellen zu bewältigen, wie zum Beispiel das exponierte hohe C in der wunderschönen Arie «O patria». Wer war die beste Aida? In den 50er Jahren wurde die Oper dreimal grandios aufgenommen mit diesen drei großen Sopranistinnen. Viele geben Leontyne Price ihre Stimme, die vom bekannten Kritiker John Steane als «der beste Verdi-Sopran des Jahrhunderts» bezeichnet wurde.
Der antiklerikale Verdi: Was Verdi musikalisch wie dramatisch deutlich ausgedrückt hat, ist, dass hinter dem Unglück der Liebenden und hinter dem Thron als treibende Kräfte die Priester stehen. Nicht der König ist der wahre Machtträger, sondern der Oberpriester. An allen wichtigen Wendepunkten trifft der Oberpriester Ramphis die Entscheidungen. Das letzte Gespräch zwischen Amneris und Radames und die anschließende Gerichtsszene des vierten Aktes, die mit einem feierlichen Triumphgesang der Priester und gleichzeitig mit deren Verfluchung durch Amneris endet, sind an emotionaler Dramatik kaum zu übertreffen. Von Verdi wird gesagt, er habe die Kleriker gehasst und dies kommt hier zum Vorschein.
Die Uraufführung: Verdi befand sich an der Kairoer Uraufführung des Weihnachtsabends 1872 nicht unter den Anwesenden. Der Dirigent der Aufführung berichtete ihm brieflich über die positive Resonanz des Publikums. Die italienische Erstaufführung ein Monat später in Mailand war ein überwältigender Erfolg und das Werk wurde rasch auf den Bühnen der ganzen Welt gespielt und bleibt bis heute eines der populärsten Werke der Operngeschichte.
Die schönsten Stellen
Sinfonia: Verdi exponiert in der Ouvertüre die zwei inhaltlichen Grundthemen der Oper. Er beginnt mit dem Glückstraum der Aida und assoziiert mit ihm das sogenannte Liebesmotiv:
• Liebesmotiv
Doch diesem Traum stellt sich die Staatsraison entgegen. Nach ca. 1 1/2 Minuten erklingt das Motiv der Priester, zuerst leise und dann in einem langen Crescendo immer drängender:
• Priestermotiv
Se quel guerriero io fossi…Celeste Aida: Verdi stellt die Rolle von Radames vor erhebliche Schwierigkeiten. Die Rolle ist für einen «lirico spinto», einen «jugendlichen Heldentenor», geschrieben. Radames muss nicht nur in der Lage sein, die großen heroischen Arien zu singen, sondern auch in lyrischen Piano-Passagen überzeugen. Die Tenorstimme muss über scharfen Trompetenklängen hörbar sein und mit der Wärme der Holzbläser mithalten können. Auch in den hohen Tönen muss der Tenor souverän sein. Gleich zu Beginn muss Radames, ohne eigesungen zu sein, die große Arie «Celeste Aida» singen. Manche Tenöre betrachten Celeste Aida als die schwierigste Tenorarie von Verdi.
Su! del Nilo al sacro lido: Diese Passage zeigt eine große Chorszene mit der unwiderstehlichen Hymne der kriegerischen Ägypter.
Ritorna vincitor…Numi-o pietà: Die aufgeregte rezitativischen Einleitung, die Aidas Loyalität zu ihrer Heimat bezeugt, führt ihre Stimme bis aufs hohe Des. Doch kurz darauf ertönt das Liebesthema «E l'amor mio» und die Arie wird zu einer ergreifenden Anflehung der Götter um Erbarmen. Doch, die Zukunft vorausahnend, nicht um die Liebe von Radames, sondern um die Erlösung durch den Tod.
Triumphmarsch: Für diese Oper aus dem Ägypten der Pharaonen erfand Verdi die Aida-Trompete. Sie besitzt - in der ägyptischen Geschichte historisch völlig unhaltbar - ein modernes Ventil. Verdis meinte dazu: «Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser.»
O patria mia: «O patria mia» ist eine melancholische Arie, die in der Stimmung einer Vollmondnacht am Nil gesungen wird. Zu Beginn ist die Stimmung düster, denn Aida fürchtet, nie mehr ihr Vaterland zu sehen. Sie erwacht langsam aus dieser Niedergeschlagenheit. Eine nostalgische Oboen-Kantilene führt in das Thema der Heimat ein. Bilder ihres Vaterlandes werden evoziert. Die Verzweiflung manifestiert sich beim mehrmaligen Wiederholen des «mai più». Bei «che un di promesso» wird die Stimme intensiver und das nächste «O patria» wird von einem intensiven Orchesterklang begleitet. Zum Schluss wird wieder mit «non ti vedrò» die Stimmung des Anfangs aufgenommen, diesmal mit wunderbaren hohen Tönen und begleitet von der Oboe. Die Arie endet mit einem schönen hohen C in pianissimo.
Ciel…mio Padre: Dieses Vater-Tochter-Duett gehört zu den dramatischen Höhepunkten dieser Oper.
Fuggiam gli ardori inospiti: Mit lockenden Tönen, von Holzbläsern begleitet, versucht Aida Radames für ihren Plan zu gewinnen. Daraus entwickelt sich ein zart-leidenschaftliches Duett zwischen den beiden Liebenden, das mit dem Entschweben der Stimme Aidas endet.
Già i sacerdoti adunansi: Diese emotionale Auseinandersetzung Amneris‘ und Radames‘ endet mit einer großen Cabaletta und dramatischen Orchesterschlägen, die die äußere Dramatik dieser schicksalhaften Begegnung dokumentiert.
E in poter di costor io lo gettai: Diese Szene ist eine der antiklerikalen Anklagen Verdis. Mit großer Geste schildert sie das Drama der ungeliebten Amneris, musikalisch überlagert von der Gerichts-Szene, die sich im Innern des Tempels abspielt.
O terra addio: Verdi war sich über die Bedeutung dieser Szene bewusst, die einerseits den lyrischen Schlusspunkt nach der expressiven vorangegangenen Szene bildet, aber auch Verdis künstlerischer Schwanengesang hätte sein können, wenn nicht ungewollt die Shakespeare’schen Dramen Othello und Falstaff zwanzig Jahre später auf wundersame Weise seinen Weg gekreuzt hätten. Er verwendet für diese grandiose Szene vornehmlich gedämpfte Streicher und Harfen, die die exquisite Melodie der Singstimmen zärtlich begleiten.
Große Aufnahmen in YouTube
Se quel guerriero io fossi … Celeste Aida – Jussi Björling: Hören Sie die Arie in einer Aufnahme von Jussi Björling, von vielen Experten als der beste Verdi Tenor des 20. Jahrhunderts bezeichnet.
Possente Ftha – Theresa Stich-Randall: Ein Leckerbissen, den Sie sich nicht entgehen lassen sollten, ist die exotische Arie der Priesterin «Possente fhta» von Theresa Stich-Randall, Wunderschön begleitet mit Harfe und einem himmlischen Chor unter der Leitung von Arturo Toscanini.
Gloria all’Egitto – Maria Callas: Maria Callas war eine der großen Sängerinnen des 20. Jahrhunderts. Leider sang sie insgesamt «nur» ca. 500 Aufführungen. Mit ihren kompromisslosen Einsätzen «verbrannte» sie ihre Stimme förmlich. Zur Illustration finden Sie die Schilderung der folgenden Begebenheit (zitiert aus Jürgen Kestings Buch, «Große Sänger des 20. Jahrhunderts»): «Auf einer (Mexiko) Tournee … bestritt sie eine Aufführung von Verdis Aida. Ihr Tenorpartner Kurt Baum verärgerte die anderen Protagonisten dadurch, dass er ungeniert auf seinen hohen Noten saß. Sie beschwerten sich beim Dirigenten. Callas erinnerte sich, dass der Manager des Theaters ihr eine alte Partitur mit einem Es’’’ für das Finale des zweiten Aktes gezeigt hatte. Sie ließ sich vom Dirigenten und von den Kollegen Carte blanche geben und erteilte Baum die fällige Lektion mit einem Fanal-artigen, lodernden Spitzenton, der den Tenor förmlich schockierte.». Diese Szene ist in einer Live-Aufnahme dokumentiert und Sie finden sie in YouTube zum Nachhören.
Nume custode e vindice – Jussi Björling / Boris Christoff: Genießen Sie eine wunderbare Stelle mit Jussi Björling, einem Duett mit dem überragend singenden Boris Christoff, wo der Schwede Björling den Chor mit «unglaublicher Energie überstrahlt» (Kesting).
O patria mia – Leontyne Price: Fischer («Große Stimmen») beschreibt ihre Stimme wie folgt: «Als Darstellerin auf der Bühne blieb Leontyne Price klischeehaften Gesten aus alten Operntagen verhaftet, das Pfund, mit dem sie wucherte, war ihr phänomenales Stimmmaterial und dessen kunstreiche Benutzung. Der oft beschriebene gutturale Beiklang farbiger Sänger war bei ihr nicht festzustellen, dafür besaß sie etwas, was die englische Sprache ‚smoky‘ nennt, das deutsche Wort ‚rauchig‘ klingt schon etwas zu stark nach Bardame. Sie sang mit zwei deutlich getrennten Stimmfarben: Die außerordentlich üppige Mittellage und Tiefe, die an einen Alt gemahnte, hatte jenen rauchigen Charakter, die leicht ansprechende Höhe klang hell und klar und blieb bis in höchste Regionen unangestrengt.»
Fuggiam gli ardori inospiti – Jussi Björling / Zinka Milanov: Kesting («Große Stimmen»): «Diese Szene gehört zu den erregendsten Momenten des Verdi Gesangs. Björling singt nicht nur mit vibrierender Intensität, sondern bildet die Phrase «il ciel de nostri amori» - ein hohes B - mit duftigem pianodolce. »
E in poter di costor io lo gettai – Shirley Verrett: Hören und sehen Sie Shirley Verrett in dieser großartigen Szene der Amneris in einer TV-Aufzeichnung von 1971. Es ist eine musikalisch und dramatisch großartige Interpretation. Verrett hat regelmäßig sowohl Sopran als auch Mezzo gesungen. So kann sie die hohen Passagen dieser Szene beeindruckend singen.
O terra addio – Jussi Björling / Zinka Milanov: Hören Sie den Schluss mit der erregenden Interpretation von Jussi Björling und Zinka Milanov.
3 Fun Facts
1. Während seiner Ehe mit Giuseppina Strepponi hatte Verdi eine Beziehung zu der Sopranistin Teresa Stolz, der Sängerin der italienischen Premiere der Aida. Dies führte zu einer tiefen Ehekrise. Schließlich akzeptierte Giuseppina die Situation und die drei verbrachten sogar einen gemeinsamen Urlaub in Neapel.
2. Die Uraufführung der Aida fand 1872 im Khedive Opernhaus in Kairo statt. 100 Jahre später wurde es durch einen Brand vollständig zerstört. Ironie der Geschichte: Die Feuerwehr war im selben Gebäude einquartiert.
3. In vielen Inszenierungen der Aida treten Tiere auf. Berühmt wurde das Bühnenpferd Anna, das in der Metropolitan Opera New York den Triumphwagen des Radames auf die Bühne zog. Es zog den Zorn des Radames auf sich, als es bei einem falschen Ton des Tenors zu wiehern begann.

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