top of page

Die Geschichte der Klaviermusik. 1580 – 1940 (Doku)

  • peterlutz66
  • vor 12 Stunden
  • 16 Min. Lesezeit
Biografie Johann Sebastian Bach

Wie wurde aus dem höfischen Cembalo Bachs das Instrument von Beethoven, Chopin und Gershwin? In diesem Video reisen wir durch mehr als 300 Jahre Musikgeschichte.


Lange Zeit  stand die Klaviermusik  im Schatten der Vokalmusik, doch Ende des 16. Jahrhunderts begann ihr Aufstieg.


Der Manierismus bereitete den Weg für die große Blütezeit des Cembalos im Barock

Mit der Erfindung des Hammerklaviers eröffnete sich eine neue Welt musikalischer Ausdrucksmöglichkeiten. Mozart erkannte das Potenzial des neuen Instruments, Beethoven sprengte seine Grenzen und erschloss dem Klavier eine bis dahin ungeahnte Ausdruckstiefe.

Im 19. Jahrhundert begann die große Epoche der Klaviermusik. Schubert, Schumann, Chopin und Liszt verwandelten das Instrument in den Mittelpunkt des musikalischen Lebens Europas.

Mitte des 19. Jahrhunderts verlor das Klavier seine Vorrangstellung an Oper, Sinfonie und Musikdrama.


Die Klangmagier Debussy und Ravel entdeckten neue Klangwelten und das östliche Europa erfandesn das Klavier neu als Perkussionsinstrument


Zuletzt begegnete das Klavier in der neuen Welt dem Jazz.


 


Die Geschichte der Klaviermusik


Der Aufstieg des Cembalos im 17. Jahrhundert


Die Geschichte der Klaviermusik beginnt erst so richtig im Barockzeitalter. Denn vorher existierte kaum eine eigenständige Literatur für Tasteninstrumente. Vor dem 17. Jahrhundert entstanden viele Cembalostücke durch die Übertragung von Motetten und Madrigalen auf Tasteninstrumente – ein Verfahren, das man Intabulierung nennt.


Doch um 1650 änderte sich die Situation schlagartig. Das Cembalo rückte ins Zentrum des musikalischen Geschehens. Was war geschehen?


Die dominierende Musikform des 15 und 16. Jahrhunderts war die frankoflämische Musikstil. Im Mittelpunkt stand die mehrstimmige Vokalmusik.


Doch gegen Ende des 17. Jahrhunderts setzte ein Wandel ein. Einer der wichtigsten Motoren war die zunehmende Chromatisierung der weltlichen Musik.

Hören Sie zur Illustration den Beginn eines Madrigals di Rores an:

calumni sonum ferentes


Selbst heute wirken diese Chromatiken noch irritierend auf unsere Ohren. Die Komponisten wollten ihre Zuhörer mit Dissonanzen, kühnen Chromatiken und extremen Tonsprüngen wollten die cas emotional überwältigen. Als radikalster Vertreter dieser Entwicklung galt der Italiener Carlo Gesualdo.


Dieser Hang zur Übersteigerung wurde später als Manierismus bezeichnet. Jedoch war es für die menschliche Stimme eine grosse Herausforderung, diese extremen Klänge zu reproduzieren.

Nun war die Stunde der Tasteninstrumente gekommen, denn sie waren wie geschaffen die Kompositionen perfekt zu intonieren.


Besonders fruchtbar erwies sich der Manierismus in England. Anders als in Italien stand hier weniger die Chromatik als vielmehr Virtuosität und klangliche Brillanz im Vordergrund.

Das Virginal, ein Verwandter des Cembalos wurde in England zum Instrument einer ganze Generation von Komponisten. Diese Generation bekam von der Musikgeschichte den Titel der „Virginalisten“.


Der bekannteste Vertreter war William Byrd. Die Werk-Sammlung “My Ladye Nevells Booke“ aus 1580 enthält unter anderem ein 42 sätziges Schlachtengemälde „The Battell“. Wir hören daraus einen Ausschnitt mit dem Titel „The Souldiers Sommons“


Der Manierismus hatte in vielen Europäischen Ländern lokale Ausprägungen. Eine besondere Bedeutung kam dabei dem Holländer Jan Pieterszoon Sweelinck zu. Er war 40 Jahre lang Organist der Oude Kerk in Amsterdam.

Sein Ruf als „Orpheus von Amsterdam“, zog eine große Zahl von Schülern an, Viele der bedeutendsten Organisten Norddeutschlands gingen durch seine Schule und so wurde er einer der musikalischen Vorfahren Johann Sebastian Bachs



Das Rezept des Barocks: Die Suite und das Cembalo


Die grösste Schwäche des Cembalos war, dass die Musiker aufgrund der Zupfmechanik keine dynamischen Abstufungen des Tons erzeugen konnten.

Ende des 17. Jahrhunderts suchten zahlreiche Instrumentenbauer nach einer Lösung für dieses Problem. Der erste, dem dies gelang, war der Italiener Bartolomeo Cristofori.

Doch zunächst konnte sich diese Erfindung nicht durchsetzen. Der Grund lag einerseits in den vergleichsweise hohen Fertigungskosten und andererseits in der schwachen Klangfülle des Instruments.

Noch dreissig Jahre später versuchte der deutsche Klavierbauer Silbermann Johann Sebastian Bach vom Fortepiano zu überzeugen, doch der Komponist winkte ab, da insbesondere die hohen Töne zu schwach waren und es daher nicht möglich war, eine genügende dynamische Artikulation zu erzeugen.



Übergang zum Barock


Die meisten Komponisten waren entweder Angestellte von Kirchen oder von Fürsten. Die weltliche Musik war daher sehr höfisch orientiert. An den europäischen Höfen erfreute sich besonders die Suite großer Beliebtheit. Sie vereinte die beliebtesten Tänze aus verschiedenen Ländern zu einem harmonischen Ganzen und war ein musikalisches Spiegelbild des barocken Kosmopolitismus.


Der deutsche Komponist Froberger war der erste der die Abfolge der Sätze systematisch gruppierte. Seine bevorzugte Suitenfolge war: die deutsche Allemande , die englische Gigue, die französische Courante und zum Schluss die Spanische Sarabande.

Froberger war ein weitergereister Komponist und konnte französische Tanzformen, italienische Satzkunst, und deutsche Kontrapunktik verbinden, was die Verbreitung seiner Musik förderte.


Im führenden Musikland Italien nahm das Cembalo nur einen untergeordneten Rang ein. Bezeichnenderweise verbrachte der wichtigste italienische Cembalo Komponist Scarlatti sein Erwachsenenleben als Musiklehrer der Königin am portugiesischen und madrilenischen Hof.

Er schrieb über 500 Sonaten, welche durchwegs einsätzig komponiert und formal sehr einfach gehalten waren. Doch innerhalb dieser einfachen Form entfaltete Scarlatti eine erstaunliche Fülle an Virtuosität und klanglichen Überraschungen.



Bach: der deutsche, virtuose Barock-Weg


Die deutsche Klavierkunst des 18. Jahrhunderts wurde entscheidend durch Johann Sebastian Bach geprägt. In seinen frühen Jahren galt er vor allem als Organist.

Das änderte sich mit seiner Anstellung in Köthen, wo der calvinistische Fürst keine aufwändige Kirchenmusik mehr wünschte.

In Köthen rückte das Cembalo ins Zentrum seines Schaffens und er schrieb mit dem Wohltemperierten Klavier ein Werk, das auf die spätere musikgeschichtliche Entwicklung einen grossen Einfluss haben sollte.


Um auf den Tasteninstrumenten verschiedene Tonarten spielen zu können, wurde das Instrument bis anhin so gestimmt, dass Tonarten umso verstimmter erklangen, je weiter sie von der C-Dur Tonart entfernt waren, so dass die Komponisten entfernten Tonarten mieden.

Bach komponierte nun das Wohltemperierte Klavier in einer Stimmung, wie es der Musiktheoretiker Werckmeister 20 Jahre zuvor vorgeschlagen hatte in der alle Tonarten gleichberechtigt erklingen konnten. Um die Möglichkeiten dieser neuen Stimmung zu demonstrieren, schrieb Bach Stücke in sämtlichen Tonarten. Jede Tonart bekam dabei ihr eigenes Präludium und ihre eigene Fuge. Hören wir das c-moll Präludium.


Im Orchesterverband hatte das Cembalo hauptsächlich die Aufgabe den Generalbass akkordisch zu unterstützen. Als konzertierende Instrumente waren Violine, Trompete und Flöte die bevorzugten Instrumente. Bach führte das Cembalo mit seinem d-moll Konzert als Solist ein, allerdings war es noch eine Bearbeitung eines seiner Violinkonzerte.


Für viele gelten die Goldberg-Variationen als der Höhepunkt von Bachs Tastenmusik. Mit ihren 30 Variationen konnte der späte Bach die ganze Bandbreite seines Ausdrucks präsentieren.

Goldberg Variationen



Couperin und Rameau: der französische, galante Barock-Weg


Die französische Cembalomusik ging einen völlig anderen Weg als Johann Sebastian Bach.

Während Bach sich mehr an der Dramatik und Virtuosität der italienischen Musik orientierte, erzeugte er Spannung durch dichte Polyphonie, harmonische Entwicklungen und raffinierte Artikulation.

Frankreich hingegen definierte seinen Stil bewusst als Gegenmodell zu Italien.

Die französischen Komponisten bevorzugten einen eleganten, natürlichen Stil, geprägt von der Kultur des Hofes von Versailles.


Das ästhetische Ideal dieser Zeit war der sogenannte style galant. Musik sollte nicht beeindrucken, sondern gefallen. Nicht Gelehrsamkeit stand im Mittelpunkt, sondern Charme, Eleganz und der überraschende, geistreiche Einfall.


Francois Couperin verband daher viele seiner Suiten Sätze mit einem aussermusikalischen Gedanken. Seine Werke tragen Titel z.B. die kleinen Windmühlen, les petite moulins a vents oder die verliebte Nachtigall le rossignol en amour. Damit entstanden frühe Charakterstücke – musikalische Miniaturen, die bereits auf die romantischen Klavierstücke eines Chopin oder Liszt vorausweisen.


Rameaus Bedeutung beruht jedoch nicht allein auf seinen Kompositionen, sondern auch aus seinen Musikwissenschaftliche Arbeiten, die er unter dem Titel „Traité de l'harmonie“ veröffentlichte. Rameaus Traktat wirkte bahnbrechend und brachte ihm den Ruf ein, der gelehrteste Musiker seiner Zeit zu sein. Rameau führte für uns heute alltägliche Begriffe wie Tonika und Dominante ein und schuf so das Fundament für das Verständnis der funktionalen Harmonik.

Diese theoretischen Überlegungen veränderten auch seine eigene Musik. Und zwar löste er sich vom barocken Kontrapunkt und begann sich auf harmonische Entwicklungen zu fokussieren. Er wurde so zu einem Wegbereiter der Klassischen Periode.



Klassik: vom Cembalo zum Hammerklavier


Zwischen Barock und Klassik steht eine Generation von Komponisten, die heute oft unterschätzt wird. Ihr bedeutendster Vertreter war Carl Philipp Emanuel Bach. Heute begegnet man seiner Musik nur selten im Konzertsaal. Zu seiner Zeit jedoch galt er als einer der einflussreichsten Komponisten Europas. Mozart, Beethoven und Haydn haben seine Musik aufmerksam studiert.

Seine Musik zeichnet sich durch ihren hochexpressiven Tonfall und häufigen überraschenden Wendungen aus.



Haydn 50 Klaviersonaten entstanden in einem Zeitraum von über 3 Jahrzehnten. An ihnen lässt sich der Wandel vom Cembalo zum Hammerklavier nahezu exemplarisch verfolgen. Die letzten 3 Sonaten schrieb er für das Hammerklavier auf einem Flügel von Broadwood, den er in seinem England Aufenthalte kennenlernte.


In Mozarts Klavierschaffen stehen seine Sonaten im Schatten seiner Klavierkonzerte. Eine Ausnahme bildet die Sonate in A-Dur mit ihrem berühmten „Alla Turca“ und dem liebreizenden Andante grazioso, welches zu den populärsten Einfällen Mozarts gehört.



Einen wichtigen Schritt in der Entwicklung des Klaviers machte 1777 der Augsburger Instrumentenbauer Johann Andreas Stein. Er erfand die sogenannte Prellzungenmechanik, die eine schnellere Tonwiederholung und eine verfeinerte Spieldynamik erlaubte. Zudem führte er den Kniehebel ein, mit dem der Dämpfer abgehoben wurde. Mozart war begeistert und schrieb mit seiner Klavier Sonate Nummer 14 zum ersten Mal eine Sonate exklusiv für das Piano Forte.

Die neuen Möglichkeiten des Hammerklaviers veränderten Mozarts Kompositionsstil nachhaltig. Als Beispiel dazu hören wir den Anfang der Sonate, Mozart beginnt mit einem aufsteigenden Motiv in forte, welches mit einem Motiv in piano beantwortet wird.



Als Mozart 1781 nach Wien zog, schrieb er begeistert an seinen Vater: "Hier ist doch gewiss das Clavierland!« Mozart begann, sich in Wien eine Existenz als freischaffender Musiker aufzubauen.

Seine wichtigste Einnahmequelle waren neben den Opern die auf eigene Rechnung veranstalteten Klavierkonzerte.

Waren die Klavierkonzerte bis anhin Angelegenheiten für Komponisten Virtuose Kunststücke zu produzieren, wurde Mozart der Schöpfer des modernen Klavierkonzerts.

Das Orchester wurde zum gleichberechtigten Partner des Solisten. Zwischen Klavier und Orchester entstand ein musikalischer Dialog voller Spannung und Dramatik.

Mozart komponierte in Wien in weniger als 3 Jahren 12 Klavierkonzerte, die er in Akademien, also Konzerten auf eigene Rechnung, präsentieren konnte.



Von der wiener Mechanik zur englischen Mechanik


Um 1800 konkurrierten zwei unterschiedliche Bauweisen des Klaviers miteinander: die Wiener und die englische Mechanik.

Die Wiener Mechanik, die auf der Prellzungen Mechanik basiert, baut auf einem direkten Anschlag auf. Die Hämmer sind leicht und treffen auf eine 2-seitige Bespannung. Das Ergebnis war ein leichter, transparenter Klang, der das typische Mozartsche „jeu perle“ ermöglichte:



Aufgrund des 7-jährigen Krieges waren viele deutsche Klavierbauer nach England emigriert. So wurde London Ende des 18 Jahrhunderts zu einem Zentrum des Klavierbaus. Im Fokus stand die Verbesserung des Klanges.

Mehr Klang erforderte größere und schwerere Hämmer. Dies war konstruktionsbedingt mit der englischen Stoßzungenmechanik besser zu realisieren. In der sogenannten Stosszungen Mechanik erfolgt ein indirekter Anschlag: der Tasten-Anschlag wirkt zuerst auf eine Stosszunge und diese wiederum auf den Hammer.

Zwar wurde die Mechanik dadurch komplizierter und anfälliger, aber der Ton wurde nicht nur kräftiger, sondern die Mechanik erlaubte dem Interpreten einen differenzierteren Anschlag.

Weitere wichtige Verbesserungen gelangen dem Engländer John Broadwood. Zum einen ermittelte die optimale Position, an der der Hammer die Saite anschlagen sollte. Seither werden Klaviersaiten ca. bei einem Siebtel bis Neuntel ihrer klingenden Länge angeschlagen, um Oberschwingungen und eine Klanganreicherung zu erzielen. Zum anderen baute er im Flügel innere Verstrebungen um die verstärkte Zugkräfte der Saiten auszugleichen.



Ausdrucksmusik - Beethoven, Schubert, Weber


Mit den verbesserten Ausdrucksmöglichkeiten des Hammerklaviers veränderte sich die Musik.

Während Haydns und Mozarts Sonaten stark von Konventionen geprägt waren, gab Beethoven jedem Werk eine Individualität, getrieben von einem unbändigen Willen zum Ausdruck.


Während Mozart noch einen umständlichen Kniehebel bedienen musste um die Dämpfer zu heben, verfügte Beethovens Flügel über ein Fusspedal, mit dem er atmosphärische Effekte und extreme Dynamik erzeugen konnte. Er fing als einer der ersten Komponisten an, exakte Pedalanweisungen aufzuschreiben.


Der Pianist Hans von Bülow brachte die Bedeutung von Beethovens Klaviersonaten später auf eine berühmte Formel:: "Beethovens Klaviersonaten sind das Neue Testament des Klavierspiels - nach dem Alten Testament des Wohltemperierten Klavier Bachs"

Mit seinem fünften Klavierkonzert schuf Beethoven den Prototyp des monumentalen Klavierkonzerts und brach mit der Tradition, dass Solisten Kadenzen improvisieren dürften.


1818 erhielt Beethoven von der Londoner Firma Broadwood einen neuen Konzertflügel. Er arbeitete zu dieser Zeit an seiner Hammerklaviersonate. In den letzten beiden Sätzen nutzte er den erweiterten Tonumfang des Instruments konsequent aus.


Mit seinen drei letzten Sonaten stiess Beethoven neue Türen auf. Kaum zu glauben, dass Haydn zu diesem Zeitpunkt erst etwas mehr als zehn Jahre tot war. Besonders berührend ist die grandiose Arietta, die eine wunderbare Melancholie in sich trägt, und schon 5 Jahre vor seinem Tod eine verklärte Abschiedstimmung in sich trägt.

Der Virtuose Interpret wird zum Philosophen - der Weg war für Schuberts und Schumanns Werke war geebnet.


Schuberts Klaviersonaten standen immer im Schatten seiner Lieder. Einzig die drei letzten Sonaten ragen aus seinen 24 teilweise unvollendeten Sonaten heraus.


Robert Schumann konnte diesen Werken zunächst wenig abgewinnen. Zu sehr vermisste er beim Melodiker Schubert die thematische Entwicklungsarbeit im Beethovens Stil.

Vielleicht war das auch nur konsequent, denn von Schubert stammte zum Thema Klaviermusik die resignierende Aeusserung: "Was kann man noch machen nach Beethoven".

Schuberts Zugriff war auch am Klavier liedhaft und er wurde zum Meister der kleinen Form.


Schuberts Seelenschmerz war ein wichtiger Impuls für seine künstlerische Arbeit, in einem seiner Briefe lesen wir : "Meine Erzeugnisse sind durch den Verstand für Musik und den Schmerz vorhanden". Kaum ein Komponist führt uns so schonungslos in seelische Abgründe wie Schubert.

Dazu gehört seine Wandererphantasie. Es ist ein Werk, das sich praktisch gänzlich aus einem Motiv entwickelt und durch seine Unerbittlichkeit erschüttert.

Wandererphantasie

Franz Liszt verehrte die Wandererfantasie und griff ihre monothematische Anlage später in seiner h-Moll-Sonate wieder auf.


Carl Maria von Weber war nicht nur Komponist und Dirigent, sondern auch einer der großen Klaviervirtuosen seiner Zeit. Seine Werke sind unter anderem sehr anspruchsvoll, da er mit seinen Händen mühelos Dezimen greifen konnte.

Sein bekanntestes Werk für das Klavier ist die Aufforderung zum Tanz, ein brillantes Rondo. Das Zentrum seines Klavierschaffens bilden jedoch die vier Sonaten. Chopin schätze die Nummer 2 hoch ein und gab es vielen Klavierschülern zum Studium.



Blüte der romantischen Klaviermusik: Chopin, Liszt, Schumann und Mendelssohn


Kein Komponist der frühen Romantik löste sich so radikal von den klassischen Formen wie Robert Schumann. Seine Werke tragen Namen wie Papillons, Carnaval, Kreisleriana, oder Arabeske. Dabei handelt es sich nicht um Programmmusik im späteren Sinn Liszts, Vielmehr spiegeln sie die Fantasiewelt eines Komponisten wider, der ebenso von Literatur wie von Musik geprägt war.



Schumann wurde mit seinem Leben und seiner Musik zum Inbegriff des romantischen Künstlers. Kein Werk ist heute stärker mit seinem Namen verbunden als die Träumerei aus den Kinderszenen.


Einer seiner größten Erfolge wurde das Klavierkonzert in a-Moll und es gilt heute als der Prototyp des romantischen Klavierkonzerts.



Felix Mendelssohn war ein pianistisches Wunderkind Als die Mutter ihrem 15-jährigen Sohn Klavierunterricht beim berühmten Ignaz Moscheles vermittelte, erklärte dieser bereits nach kurzer Zeit, er könne seinem Schüler kaum noch etwas beibringen.

Mendelssohn wurde ein vielbeschäftigter Interpret, Dirigent und Musikdirektor und komponierte meist Orchester und Chorwerke. Die Werke für Klaviersolo blieben Gelegenheitswerker´. Mendelssohns berühmte "Lieder ohne Worte" standen so stets unter dem biederemeierschen Generalverdacht der Gefälligkeit. Für manche Stücke mag dieser Vorwurf gelten, doch die besten dieser Lieder gehören zum Schönsten, was Mendelssohn geschrieben hat. Clara Schumann spielte das "Frühlingslied" auf ihren Konzerttourneen oft und mit grossem Erfolg.


Franz Liszt war Komponist, Lehrer und Virtuose. Jede einzelne dieser Rolle hätte ihn bereits bedeutsam gemacht. Zusammen machten sie ihn zu einem Giganten der Musik, der wie kaum ein anderer das musikalische 19. Jahrhundert mitgeprägt und miterlebt hat.


Als der fünfzehnjährige Liszt nach Paris kam hatte der französische Klavierbauer Erard soeben seine epochenmachende Erfindung des „double echappement“ gemacht, eine Repetitionsmechanik, die schnelle Ton-Wiederholungen ermöglichte.


Liszt wurde Markenbotschafter der Firma Erard und schrieb unter anderem erste Etüden, die er später in der Sammlung der Transzendentalen Etuden publizierte. Darunter die „Feux Follets“, die Irrlichter, die mit ihren leggierissimo Passagen extrem schwierig zu spielen sind.



Zum einem seiner künstlerischen Leitsterne wurde Niccolò Paganini. Als Liszt in Paris ein Paganini Konzert besuchte, war Liszt erschüttert.


Der Teufelsgeiger entfachte bei Liszt die Leidenschaft für das Klavier neu. Von diesem Moment an wollte Liszt für das Klavier erreichen, was Paganini für die Violine erreicht hatte.



Unermüdlich bereiste Liszt in beschwerlichster Reisetätigkeit während 5 Jahren Europa von der Türkei bis Schottland und von Portugal bis St. Petersburg. Er besuchte in dieser Zeit 275 Städte, viele davon mehrfach.

Den Taumel, den er in jeder Stadt erzeugte bekam bald einen eigenen Namen: „Lisztomanie“



Liszts Kompositionen strebte stets nach Überwältigung des Publikums. Dieser Effekt hatte seinen Preis und weil es ihm auch nicht an Eitelkeit fehlte stand seine Musik stets unter dem Generalverdacht persönlicher Eitelkeit und Oberflächlichkeit.

Liszt war sich dessen bewusst und er schrieb als Beweis seiner Ernsthaftigkeit als Künstler die h-moll Sonate, die heute zu den meistaufgeführten Werke der Klavierliteratur gilt.



Mit dem Umzug nach Weimar wurden Liszt und die Altenburg zum Wallfahrort der Klaviervirtuosen. Die Liste der Schüler, die in Genuss seines Unterrichts kamen war lang.

Als sein Lieblingsschüler von Bülow 1860 die monumentale h-Moll Sonate von Liszt in Leipzig aufführte, schrieb er danach begeistert in einem Brief an Liszt, dass ihm dafür ein „ultrasublimer Bechstein“ zur Verfügung gestanden habe. Von nun an schwörte Liszt auf seinen Bechstein. Das restaurierte Instrument steht heute noch in der Weimarer Hofgärtnerei.


Liszt unterrichtete im Laufe seines Lebens eine dreistellige Zahl von Klavierschülern von denen 20-30 wiederum zu einflussreichen Pianisten und Lehrern wurden. Viele bedeutende Klavierspieler des 20. Jahrhunderts wie beispielsweise Claudio Arrau, Josef Hofmann, Wilhelm Backhaus, Jorge Bolet, Sergei Rachmaninoff, Vladimir Horowitz können so Franz Liszt als pianistischen Ahnen benennen.


Als Chopin als 20 jähriger nach Paris kam, trat er in eine geschäftliche Beziehung zu Pleyel. Dieser Klavierfabrikant stellte Instrumente ohne die von Erard patentierte Doppelrepetitionsmechanik her und mit leichteren Hämmer. Chopin bevorzugt seine Instrumenten, da er deren leichten Anschlag sehr schätzte. Sie entsprachen seinem poetischen und nuancenreichen Stil.


Sein erstes Klavierkonzert schrieb Chopin bereits mit neunzehn Jahren in Warschau. Er war als Komponist weitgehend Autodidakt und er orientierte sich an bestehenden Virtuosenkonzerten. So sind die Solopassagen brillant. Zum grossartigen Kunstwerk aber wurde das e-moll Konzert durch das reiche thematische Material.


Keine andere Werk-Gattung ist so mit dem Namen Chopins und seinem Stil verbunden wie die Nocturnes. Und in keiner anderen Gattung kam sein Klavierspiel der menschlichen Stimme näher. Immer wieder betonte Chopin, dass sein Klavierspiel stets die menschlichen Stimme zur Vorbild hatte. Während die linke Hand regelmässig arpeggiert singt die rechte Hand sich frei entfaltende Rubati.


Einer von Chopins großen Verdienste bestand darin, die Etüde von einer bloßen Fingerübung in eine eigenständige Kunstform verwandelt zu haben. Jede seiner 25 Etuden besticht sowohl durch einen einzigartigen Charakter wie auch durch seine technische Herausforderung, wie zum Beispiel die funkelnde Schwarze-Tasten Etüde.

Black key


Chopin schrieb fast ausschliesslich für das Klavier. Seine Bedeutung ist für die Klaviermusik so enorm, dass die großen Pianisten der klassischen Musik des 20. und 21. Jahrhunderts in erster Linie an ihrer Interpretation der Chopin Werken gemessen werden.



Das Klavier verliert seine Krone


Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war die große Generation der romantischen Klavierkomponisten verschwunden. Das musikalische Interesse verlagerte sich zunehmend auf Sinfonie, Oper und Programmmusik. Das Klavier verlor seine dominierende Stellung – auch wenn weiterhin bedeutende Werke entstanden.

Selbst Brahms schrieb mit 21 Jahren seine letzte Sonate. Möglicherweise waren sie zu streng geschrieben; um Popularität zu erlangen. Anders verhält es sich mit seinen beiden Klavierkonzerten, die zu den bedeutendsten Werken ihrer Gattung zählen.


Im Alter kehrte Brahms zum Klavier zurück. Seine späten Klavierstücke verzichten auf jede Virtuosität um ihrer selbst willen. Die Musik wirkt konzentriert, nachdenklich und oft von einer herben Melancholie geprägt..


In Frankreich hatte sich sich die Situation anders entwickelt. Hier wurde die Orgel zum bevorzugten Instrument vieler Komponisten. Viele französische Komponisten der zweiten Hälfte 19. Jahrhunderts waren begnadete Orgelspieler. Einen entscheidenden Anteil daran hatte der Orgelbauer Aristide Cavaillé-Coll. Er konnte verschiedene technische Neuerungen einbringen und das Klangspektrum der Orgel entscheidend erweitern. So restaurierte respektive baute er in ganz Paris und Europa Kirchenorgeln und wurde zum Inspirator einer ganzen Generation von Orgel-Musikern.


Camille Saint-Saëns war fast zwanzig Jahre Organist an der Pariser Madeleine.

Bemerkenswerterweise schrieb er keine einzige Klaviersonate. Auf die Frage nach dem Grund soll er geantwortet haben: "was denn, nach Beethoven"?

Saint-Saens war ein begnadeter Pianist und sein bedeutendster Beitrag zur Klavierliteratur blieb das zweite Klavierkonzert.



Russland besaß lange keine eigenständige Tradition der Kunstmusik westlicher Prägung. Sie war jahrhundertelang tief in der vokalen Kirchenmusik und der bäuerlichen Volksmusik verwurzelt.

Erst die Gründung der Konservatorien in St. Petersburg und Moskau durch die Rubinstein Brüder schuf die Grundlage für eine professionelle musikalische Ausbildung.

Das berühmteste russische Klavierwerk des 19. Jahrhunderts ist zweifellos Mussorgskis Zyklus Bilder einer Ausstellung. Das Werk ist einer der bedeutensten programmatischen Zyklen überhaupt.

Das wiederkehrende Thema der „Promenade“ zeigt Bezüge zur russischen Volksmusik, zum einen die ungewöhnlichen und wechselnden Taktarten, sowie das Changieren zwischen Stimme und Chor.


Auch Borodin, Mussorgskys Kollege aus dem mächtigen Häuflein, komponierte nur gelegentlich fürs Klavier, Zu seinen schönsten Klavierwerken zählt die Petite Suite, ein Zyklus von sieben poetischen Miniaturen.


Balakirews Miniature Islamej ist eine weitere Perle eines Komponisten des mächtigen Häufleins.

Aus einem wehmütigen Volkslied der Krimtataren entwickelt er eine der brillantesten und technisch anspruchsvollsten Kompositionen des 19. Jahrhunderts.


Tschaikowskys Klavierschaffen steht in Umfang und Bedeutung hinter seinen Opern, Sinfonien und Balleten klar zurück. Sein erstes Klavierkonzert jedoch zählt bis heute zu den populärsten Werken des gesamten Konzertrepertoires.



Spätromantik: Debussy und Ravel Klangmagie


In der Spätromantik – etwa zwischen 1870 und 1910 – verlagerte sich der musikalische Schwerpunkt vieler Komponisten wie Strauss, Mahler, Puccini oder Stravinsky zunehmend auf monumentale Orchester- und Bühnenwerke. Noch nie zuvor hatte man solche Klangmassen und Klangfarben gehört.

Auch das Klavier blieb von dieser Entwicklung nicht unberührt. Claude Debussy wurde zum Erfinder einer völlig neuen Klangwelt.

Die neuen Farben seiner Klänge waren unerhört. Seine Musik war wie seine Persönlichkeit, nämlich geboren zum Anderssein.

Als Katalysator wirkte die Weltausstellung 89, wo den Besuchern Musik aus aller Welt präsentiert wurde. Debussy fand dort Inspiration von einer exotischen Musik aus Indonesien, der sogenannte Gamelan Musik.


Die Pentatonik der Gamelan inspirierte Debussy zu seinem ersten Meisterwerk den Arabesques, welcher mit seiner Pentatonik eine reizvolle Exotik ausstrahlt.


Zum zweiten ikonischen Produkt dieser frühen Schaffensperiode Debussys wurde sein vielleicht berühmtestes Stück, Claire de lune, aus der Suite bergamasque, mit ihrer einer schimmernde Klangfläche aus Arpeggien und Lichtwirkungen.


Debussys Musik war eine wichtiger Ausgangspunkt für Ravel. Er war ein Perfektionist und vielleicht hat kein anderer Komponist die Klangmöglichkeiten des Instruments ausgeschöpft wie Ravel, und er bekam das Attribut der Klangmagiers.

Wie Debussy war er fasziniert von den Gedichten der Symbolisten und vertonte in seinem berühmten Klavierzyklus „Le Gaspard de la nuit“ verschiedene Gedichte von Aloysius Bertrand. Exemplarisch für den Symbolismus entführt Ravel uns im Stück „Le gibet“ in eine hypnotische, träumerische Klangwelt.



Der Beginn von Ravels Klavierkonzert in G-Dur wirkt wie eine Explosion von Klangfarben. Nach einem Peitschenknall beginnt das Klavier in leuchtenden Farben zu flirren, die Flöte spielt eine baskische Melodie und jazzig gefärbte Bläser begleiten den Klangreigen.



Ein Höhepunkt zum Schluss: Die russische Schule - Der Weg zum Perkussiven Instrument

Die Konservatorien Russland zeigten Wirkung mit den neunziger Jahre begann eine goldene Generation Russland zu einer musikalischen Grossmacht zu machen

Den Beginn machte Rachmaninov. Seine Grossmutter hatte den kleinen Sergei oft zur Kirche in Nowgorod.

Wie viele russische Komponisten war Rachmaninov fasziniert von den Glocken der russischen Kirche in Nowgorod.


Sein erstes Erfolgswerk kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Mit neunzehn Jahren schrieb er das meistgespielte Werk seiner Lebenszeit: das cis-Moll Prélude. Haben Sie die die Glocken von Nowgorod vor ihrem inneren Ohr? Sie hören sie hier mit schweren Akkorden im Bassregister leuchten – zusammen mit der choralartigen Melodie im Diskant.


Zur Legende wurde Rachmaninov mit seinem berühmten zweites Klavierkonzert, das er selbst unzählige Male als Solist spielte. Es rettete Rachmaninov aus einer schweren Krise, verursacht durch das Fiasko der Uraufführung seiner ersten Sinfonie. Hören Sie die schweren Glockenklängen in den Bässen des Klaviers in den einführenden Takten des Konzerts.


Neben seinen Klavierkonzerten wurden seine Préludes zu seinen wichtigsten Konzertstücken. Wir hören seine berühmte g-moll Prélude gespielt mit großen Farbreichtum durch den Komponisten selbst.


Skriabins Person und Musik ist Rätselhaft und eine Ausführung würde den Rahmen sprengen. Sein am meisten gespieltes Stück ist die dis-moll etüde.


Prokoffiev schrieb seine ersten Klaviersonaten in seiner Konservatoriumszeit. Seine hochgestellten konservativen Lehrer wie Glasunow oder Rimski-Korsakow waren unbestritten musikalisch brillant. Prokoview schätzte Rimski als Komponist sehr, doch er empfand seinen Lehrstoff als konservativ, langweilig und wenig inspirierend. So begann Prokofiew während seiner Studienzeit, in zwei musikalischen Sprachen zu schreiben: konventionell – für die Prüfungen und den Unterricht – und modern, gewagt, experimentell – für sich selbst. Er begann den perkussiven Stil seiner Klaviermusik zu entwickeln. Er war ein brillanter Klavierspieler und konnte diese Werke mit erstaunlicher Kraft und brillantem metallischen Klang darbieten.


Prokoffiev schrieb ein Drittel seiner Werke für Klavier und war als ausführender Interpret seiner Werke stets an Wirkung interessiert. Sein meistgespieltes Klavierkonzert ist sein Nummer 3



Für den Ungaren Bela Bartoks war das Klavier Experimentierstätte, in seinem Allegro barbaro wollte er den Kult der erhabenen Gefühle des Romantizismus überwinden hin zu einem expressiven Expressionismus. Der perkussive Ton wird einem Gestaltungsprinzip, Bartoks Anweisung lautet martellato, von Martello "hammer". Der Titel des Stücks, barbaro, ist eine Anspielung auf Kritiker Bartóks, die ihn einen Barbaren nannten.



Mit seinem ersten Klavierkonzert ging Bartok noch einen Schritt weiter. Die Komposition wird zur dröhnenden Maschinenmusik, und wird zur hässlichen Karikatur der modernen Grosstadtwelt



Schostakowitschs frühe Sonaten waren zweifellos beeinflusst von der Musik Prokoffievs.


Schostakowitsch war ein extrem fruchtbarer Komponist und schrieb Musik für alle Genres, sein wichtigstes Werk für Klavier in seiner späteren Phase war das 2. Klavierkonzert



Einflüsse des Jazz


Mit den zwanziger Jahren begannen Komponisten Elemente des Jazz aufzunehmen.

Die schönste Integration des Jazz in die klassische Musik gelang einem Amerikaner. George Gehrshwin gelang mit Concerto in F eine unsterbliche Synthese der Musikstile der Vergangenheit und der Zukunft.


Kommentare


Menü

© 2035 Die Pop Show. Erstellt mit Wix.com

bottom of page