GIANNI SCHICCHI von Giacomo Puccini- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes
- peter
- vor 5 Tagen
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Aktualisiert: vor 4 Tagen

«Gianni Schicchi» ist Musiktheater pur. Puccini zeigt sich als vollendeter Komödiant und die Oper beglückt den Zuschauer mit einer perfekten Symbiose von inspirierter Musik und glänzendem Theater, die sich gegenseitig in die Hand spielen.
Eine Video-Dokus der Oper "GIANNI SCHICCHI"
Steckbrief GIANNI SCHICCHI von Giacomo Puccini
URAUFFÜHRUNG: New York 1918 LIBRETTO: Giovacchino Forzano, basierend auf Dante Alighieris «Divina commedia».
DIE HAUPT PERSONEN: Gianni Schicchi, Zugereister Bauer - Lauretta, seine Tochter - Rinuccio, Geliebter von Lauretta, Neffe des Buoso Donati - Zita, Tante von Rinuccio, Cousine des Buoso Donati - Ser Amantio, Notar des Buoso Donati
AUFNAHME EMPFEHLUNG: CBS mit Tito Gobbi, Placido Domingo und Ileana Cotrubas unter der Leitung von Lorin Maazel und dem London Symphony Orchestra.

Handlung
a) Kurzhandlung:
Als sich herausstellt, dass der verstorbene Buoso Donati sein Vermögen der Kirche vermacht hat, bittet die enttäuschte Verwandtschaft den listigen Gianni Schicchi um Hilfe.
Verkleidet als der Tote, diktiert er ein neues Testament, das alle Erben bedenkt, sich selbst aber die besten Güter zuschreibt, und ermöglicht damit auch die Heirat seiner Tochter Lauretta mit Rinuccio.
b) Detail Handlung
1. AKT:
1299 in Florenz. Im Schlaf-Zimmer des Buoso Donati haben sich seine Verwandten versammelt, die in geheuchelter Anteilnahme um den verstorbenen Buoso trauern, der tot in seinem Bett liegt. Jeder hat ein Auge auf den anderen und bald schon geht das Gerücht um, Buoso habe sein ganzes Vermögen dem Kloster vermacht.
Alle schauen fragend Simone an, der einmal Bürgermeister gewesen ist. Der meint, dass wenn das Testament in den Händen eines Notars sei, dann sei nichts zu machen. Aber … wenn es noch im Hause ist, dann gäbe es vielleicht einen Ausweg.
Alle beginnen fieberhaft nach dem Dokument zu suchen. Rinuccio findet es schließlich. Er hofft, dass der Onkel ihm etwas vermacht hat, denn nur mit der Hinterlassenschaft könnte er seine Geliebte Lauretta heiraten, die Tochter des Gianni Schicchi.
Alle wollen Rinuccio das Testament aus der Hand reißen. Er gibt das Dokument schließlich seiner Tante Zita, die es öffnet. Als sie feststellen, dass Buoso die wertvollen Güter dem Kloster vermacht hat, ist die Bestürzung groß. Nun sind die Tränen aufrichtig. Alle sind ratlos was zu tun ist. Rinuccio schlägt vor, Rat bei Gianni Schicchi zu suchen, nur er könne sie retten. Alle sind empört und wollen mit dem zugezogenen Bauern nichts zu tun haben. Rinuccio schickt heimlich Gherardino zu Gianni Schicchi, um ihn zu holen.
Rinuccio hält eine flammende Rede für Gianni Schicchi. Ja, er ist ein Auswärtiger und er ist verschlagen, aber lediglich er mit seiner Schlauheit könne sie retten. (Avete torto … Firenze è come un albero fiorito) Gianni Schicchi tritt in Begleitung seiner Tochter Lauretta ins Haus. Rasch erkennt er die Situation.
Zita will ihn zusammen mit seiner Tochter verjagen. Schicchi hat nur Verachtung für diese Gesellschaft übrig und will zutiefst beleidigt das Haus wieder verlassen. Lauretta und Rinuccio sind verzweifelt und sehen die Aussicht auf ihre Hochzeit zerrinnen. Rinuccio appelliert an seine Verwandten auf Schicchi zu vertrauen, und Lauretta bittet ihren Vater zu bleiben, sonst müsse sie sich im Fluss Arno aus Liebeskummer das Leben nehmen. (O mio babbino caro)
Schicchis Vaterherz erweicht und er prüft das Testament. Alle schauen gebannt auf ihn. «Nichts zu machen» meint er. Nichts. Als er weiterliest kommt ihm eine Idee. Er schickt seine Tochter weg, sie soll nichts von den folgenden Machenschaften mitbekommen. Er fragt, ob niemand sonst vom Tode Buosos etwas wisse. Alle verneinen.
Er gibt die Anweisung, alles wiederherzurichten und den Leichnam zu verstecken. Plötzlich klopft es. Der Arzt Spinelloccio steht vor der Türe. Schnell gibt Schicchi die Order, den Arzt abzuweisen mit der Begründung, Buoso gehe es besser und er wolle ruhen. Der Arzt will den Patienten aber sehen, und Schicchi ruft aus dem Nebenzimmer ihm gehe es bereits besser und er sei am Einschlafen, der Arzt solle doch am Abend wiederkommen. Spinelloccio preist den Fortschritt der Wissenschaften und geht ab. Schicchi triumphiert.
Die Stimm-Imitation war perfekt. Niemand begreift. Schicchi erklärt den Plan: er selbst werde sich ins Bett legen und Buoso spielen. Und dann lasse er den Notar kommen und das Testament anpassen. Alle preisen die Verschlagenheit von Schicchi. Nun stellt sich die Frage nach der Erbteilung. Um die Mühlen von Signa entfacht ein großer Streit. Man einigt sich darauf, dass Schicchi das Erbe beim Besuch des Notars gerecht aufteilen soll.
Drei Frauen kleiden Schicchi fürs Bett um, und jeder der Verwandten versucht ihn mit ein paar Zechinen zu bestechen, damit er ihnen einen schönen Erbteil zuschanzt. Bevor der Notar kommt, spricht Gianni Schicchi noch ein warnendes Wort an alle. Im Gesetz stehe als Strafe für Testament-Fälschung der Verlust der rechten Hand und die Verbannung aus Florenz.
Als der Notar mit Zeugen erscheint, legt sich Schicchi schnell ins Bett und das Licht wird gedämpft. Er ruft dem Notar zu, seine Hand sei gelähmt er könne nicht schreiben, deshalb habe er nach dem Notar rufen lassen. Nach einleitenden Worten des Notars diktiert er das Testament.
Das Kloster bekommt 5 Lire. Als der Notar meint, dass sei aber sehr wenig meint Schicchi nur, dass es sonst so aussähe man habe das Geld gestohlen und ein schlechtes Gewissen. Alle billigen dies scheinheilig. Er fährt fort. Das Bargeld und die die kleineren Güter verteilt er gleichmäßig unter die Verwandten. Alle bedanken sich artig. Als es um die 3 großen Güter geht, vermacht er sie … seinem guten und treuen Freund Gianni Schicchi.
Der Aufruhr ist groß. Schicchi verabschiedet den Notar und jagt die Verwandten aus dem Haus. Rinuccio und Lauretta liegen sich in den Armen und Schicchi schaut zufrieden auf das glückliche Liebespaar. Er bittet den Zuschauer für seine Schelmerei um mildernde Umstände.
Kommentar
Ein Teil eines Tryptichons:
Zusammen mit den Einaktern «Suor Angelica» und «Il Tabarro» hat Puccini mit «Gianni Schicchi» einen sogenannten Tryptichon geschaffen, drei Opern die je als Einakter zusammen ein abendfüllendes Programm bilden. Gianni Schicchi war von Anfang an das populärste der drei Werke. Während dieses Stück Eingang ins Repertoire der Opernhäuser gefunden hat, lässt sich dies von den anderen beiden nicht behaupten, mit dem Ergebnis, dass der Tryptichon als Ganzes recht selten aufgeführt wird.
Das Libretto:
Der Kern der Geschichte des Gianni Schicchi stammt aus der berühmten «Divina Commedia» von Dante Alighieri. Die Geschichte Gianni Schicchis hat einen wahren Kern. Dantes Gattin Gemma soll angeblich eine geborene Donati gewesen sein und ihrem Mann ihr Erlebnis geschildert haben.
Und der hat in wenigen Versen diese Geschichte in seiner Divina Commedia zitiert. Seine Frau war eine Geschädigte, was der Grund war, dass Dante Gianni Schicchi in seiner Divina Commedia nach dessen Ableben der Hölle zugewiesen hat (zitiert im 30. Gesang des Infernos).
Puccini wählte Forzano als Librettist des Gianni Schicchi, sein Drehbuch wurde meisterhaft und Puccini konnte das Libretto beinahe eins zu eins vertonen. «Was Puccini vorlegte, war eine musikalische Komödie, die in ihrem makabren Zynismus in der Opern Literatur ihresgleichen sucht. Die Szenen drehen sich in einem szenischen Wirbel, der sich am Ende zu einem wahren Komödien-Tornado steigert.» (Uecker, Puccinis Opern).
Im «Gianni Schicchi» steckt auch ein Stück Zeitgeschichte: Forzano hatte eine revolutionäre Ader. Neben seiner Begeisterung für die Französische Revolution ließ sich der Schriftsteller und Sänger auch mit dem Faschismus ein und wurde eine der künstlerischen Aushängeschilder dieser Bewegung und war persönlich befreundet mit dem «Duce» Benito Mussolini.
In Forzanos Gianni Schicchi steckt ein Revolutionär, der als Teil der «gente nuova» (des neuen Menschen), gegen die etablierten Institutionen (Staat, Kirche, Familien) antritt.
Eine wahre musikalische Komödie:
Jeder Schauspieler weiß, dass Komödien schwieriger zu spielen sind als Tragödien. In diesem Stück muss jede Rolle schauspielerisch vollendet gestaltet sein, eine echte Ensembleleistung ist gefragt.
Jede Situation muss dem Zuschauer ein Lächeln entlocken. Die nun folgende Handlung ist auf sechzig Minuten konzentriert, und spielt sich in einem atemraubenden Tempo ab, was dem Einakter den Ruf einbrachte «wie ein Presto Satz einer Sinfonie zu sein».
Einzig Laurettas «O mio babbino caro» in der Mitte der Oper ist ein lyrischer Ruhepunkt des Werks. Musikalisch arbeitet Puccini mit wiederkehrenden Kurz-Motiven, die immer wieder zitiert werden. Daneben spielt Puccini bewusst mit Dur und Moll, die von den «Outsider» (Schicchi, Lauretta, Rinuccio) gesungenen Stellen sind weitgehend in Dur geschrieben, während die Familienmitglieder überwiegend in Moll singen, womit Puccini deren Heuchelei demaskieren wollte.
Die Uraufführung:
Die Uraufführung fand 1918 in New York statt. Aufgrund der großen Distanz weilte Puccini der Aufführung nicht bei, sondern konzentrierte sich auf die europäischen Erstaufführungen des Tryptichons in Rom im Folgemonat und der ersten Aufführung in London. In allen Aufführungen wurde «Gianni Schicchi» bejubelt, während «Il Tabarro» und «Suor Angelica» reserviert aufgenommen wurden. In der Folge setzte sich Puccini aus künstlerischen Gründen mit Nachdruck dafür ein, dass der Tryptichon nur als Ganzes in den Theatern inszeniert werden sollte, doch er konnte nicht verhindern, dass «Gianni Schicchi» bald schon ein Eigenleben zu führen begann.
Die schönsten Stellen
Avete torto … Firenze è come un albero fiorito:
Das Stück im Stile eines toskanischen Volksliedes ist recht anspruchsvoll. Vor allem der zweite Teil ist in einer hohen Stimmlage geschrieben und führt zweimal zum hohen B.
O mio babbino caro:
Diese Arie ist das einzige geschlossene Stück dieser Oper. Es ist ein Wendepunkt - ab jetzt beginnt der Betrug zu laufen. Das Stück ist zwar sehr einfach aber es verdient es trotzdem berühmt zu sein. Die Vortragsbezeichnung für die Arie (oder ist es nicht eher ein Lied?) ist «ingenuo», was so viel heißt wie naiv, gutgläubig. Die Arie muss von Herzen kommend gesungen werden, ohne gekünsteltes Pathos. Natürlich steckt dahinter auch eine Portion Schlauheit, denn die junge Frau weiß, wie sie das Herz ihres Vaters erweichen muss.
Große Aufnahmen in YouTube
Avete torto … Firenze e come un albero fiorito – Plácido Domingo: Domingo spielt wunderbar mit den Worten, seine Stimme hat eine jugendliche Dynamik und doch auch die Wärme des Liebenden.
O mio babbino caro – Montserrat Caballé: Es gibt Dutzende von Interpretationen dieser Arie. Eine Auswahl ist schwierig. Caballés Interpretation ist berühmt und vielleicht die schönste. Die hohen Töne fließen atemberaubend, die Stimmung ist beinahe ätherisch.
3 Fun Facts
1. Schon bald nach der Uraufführung sollte Gianni Schicchi und die beiden andern Einakter unter der Leitung von Arturo Toscanini in London zu sehen sein. Als Toscanini den ersten Teil («Tabarro») in der Oper von Rom sah, lief er wutentbrannt aus der Oper, angewidert vom Verismo-Stil des Stücks. Puccini war darüber so erbost, dass er «diesem Gott» verbat die Londoner Aufführung zu dirigieren.
2. In den achtziger Jahren sorgte der Einakter in einem deutschen Theater selbst bei den Sängern für Erheiterung. Der Statist, der den toten Buoso Donati im Bett spielte, war eingeschlafen und statt Musik war das Schnarchen des angetrunkenen Darstellers zu hören.
3. Woody Allen inszenierte 2015 «Gianni Schicchi» in Los Angeles. Besonders sympathisch sei ihm die Kürze der Oper gewesen. Denn er müsse in der Regel die Oper immer nach dem zweiten Akt verlassen, da die Drehtage in der Regel bereits frühmorgens begännen. Sein Traum sei es, dass es irgendwann einen Opernabend gäbe, der nur aus dritten Akten besteht, die er über die Jahre verpasst habe.
Gianni Schicchi von Giacomo Puccini
Häufig gestellte Fragen Gianni Schicchi (FAQ)
Welches sind die bekanntesten Stücke aus Gianni Schicchi ?
Firenze è un albero fiorito, O mio babbino caro
Wie lautet die Kurzhandlung von Gianni Schicchi?
Als sich herausstellt, dass der verstorbene Buoso Donati sein Vermögen der Kirche vermacht hat, bittet die enttäuschte Verwandtschaft den listigen Gianni Schicchi um Hilfe.
Verkleidet als der Tote, diktiert er ein neues Testament, das alle Erben bedenkt, sich selbst aber die besten Güter zuschreibt, und ermöglicht damit auch die Heirat seiner Tochter Lauretta mit Rinuccio.




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