La Boheme von Giacomo Puccini- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes
- peter
- vor 5 Tagen
- 13 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 4 Tagen

Diese Oper bietet Puccini vom Feinsten. Jedes Detail dieses Werks ist meisterhaft auskomponiert und die Melodien sind leidenschaftlich und zartfühlend. Die Oper gehört zu den meistgespielten des gesamten Opernrepertoires.
Eine Video-Dokus der Oper "La Boheme"
Steckbrief La Boheme von Giacomo Puccini
URAUFFÜHRUNG: Turin, 1896
LIBRETTO: Luigi Illica, Giuseppe Giacosa basierend auf dem Roman «Scènes de la vie de bohème» von Henri Murger.
DIE HAUPT PERSONEN: Mimi, eine Näherin (Sopran)- Rodolfo, ein Dichter (Tenor) - Marcello, ein Maler (Bariton) - Colline, ein Philosoph (Bass) - Schaunard, ein Musiker (Bariton) - Musette, Kokotte (Sopran).
AUFNAHME EMPFEHLUNG: DECCA, Luciano Pavarotti, Mirella Freni und Rolando Panerai unter der Leitung von Herbert von Karajan und den Berliner Philharmoniker.

Handlung
a) Kurzhandlung:
Der Dichter Rodolfo und die kranke Näherin Mimì verlieben sich an einem Pariser Weihnachtsabend.
Wegen Rodolfos übertriebener Eifersucht und Mimìs sich verschlimmernder Krankheit trennen sich die Liebenden zunächst, kommen aber Monate später wieder zusammen, als die sterbenskranke Mimì zu Rodolfo zurückkehrt. Trotz aller Bemühungen der Freunde, ihr zu helfen, stirbt Mimì in Rodolfos Armen.
b) Detail Handlung
1. AKT:
Es ist Weihnachtsabend in einer Mansarde in Paris. Der Schriftsteller Rodolfo und der Kunstmaler Marcello sitzen hungrig vor dem kalten Ofen. Es ist kalt in der Wohnung und Rodolfo verfeuert sogar eines seiner Manuskripte. (Questo mar rosso)
Der Philosoph Colline kommt nach Hause. Er ist schlecht gelaunt, denn er konnte im Pfandhaus nichts versetzen, da es am Weihnachtsabend geschlossen war. Einzig der Musiker Schaunard konnte etwas verdienen und bringt Wein, Brennholz und etwas Geld mit. So beschließen sie den Weihnachtsabend im Café Momus zu verbringen. Sie werden von ihrem Vermieter Benoît unterbrochen, der die längst fällige Miete anmahnt. Sie wimmeln ihn ab und gehen ins Café.
Einzig Rodolfo bleibt zurück, da er noch einen Artikel fertigstellen muss. Es klopft an der Tür. Es ist Mimi, die Näherin aus der Nachbarswohnung. Sie bittet um Feuer für die erloschene Kerze. Er gibt ihr Feuer für ihre Kerze und ihre Hände berühren sich … Mimi fühlt sich schwach und Rodolfo nimmt sich ihrer an.
Die beiden erzählen von ihren Leben und ihren Träumen. Rodolfo beginnt und erzählt von sich, dem Poeten, dem Millionär der Träume. (Che gelida manina) Auch Mimi stellt sich vor. Sie ist eine Näherin und führt ein anspruchsloses Leben, ihr Herz wird von kleinen Dingen erwärmt. (Mi chiamano Mimi) Im Zauber des Mondlichts, das in die Dachwohnung schimmert, gestehen sich die beiden ihre Liebe und sie machen sich auf den Weg ins Café Momus. (O soave fanciulla)
2. AKT:
Vor dem Café Momus ist viel los. Rodolfo kauft beim Spielzeugverkäufer ein Häubchen für Mimi und er stellt sie seinen Freunden vor, die bereits ausgelassen feiern. (Aranci, Datteri) Musetta, eine alte Freundin Marcellos, ist im Momus eingetroffen, begleitet von ihrem reichen Liebhaber. Als sie Marcello erblickt, ist sie von neuem entflammt und bezirzt ihn.

Um die Aufmerksamkeit ihres ehemaligen Liebhabers zu gewinnen, zieht sie alle Register. Sie hat einen Teller zerbrochen, den Kellner angeschnauzt und sich wie ein zänkisches Weib verhalten. Jetzt hat sie Marcellos Aufmerksamkeit und sie gibt die elegante, charmante Dame. (Quando m'en vo) Musetta schickt ihren reichen Liebhaber weg. Bei dessen Rückkehr im Restaurant ist die fröhliche Gesellschaft bereits weg, und er muss die Rechnung bezahlen.
3. AKT:
Es ist ein kalter Februarmorgen. Musetta und Marcello leben am Pariser Stadtrand, nahe der Barrière d’enfer. (Ohè, là, le guardie) Sie schlagen sich gemeinsam durchs Leben, streiten sich aber öfters. Rodolfo und Mimi haben sich diese Nacht getrennt. Rodolfo ist ständig eifersüchtig.
Mimi ist unglücklich und unheilbar erkrankt. An diesem kalten Februartag besucht Mimi Marcello bei der Arbeit und will ihn nach Rat fragen. Auch Marcello hat sich auf den Weg zu Marcello gemacht. Als Mimi ihn sieht, versteckt sie sich. Aus ihrem Versteck hört sie Rodolfo zu Marcello sprechen. Er erzählt von seiner Eifersucht.
Doch er muss sich gestehen, er liebe sie noch immer, doch es gibt etwas was ihm Sorge macht. (Mimi è una Civetta) Denn Mimi ist unheilbar krank und das ungeheizte Zimmer verschlimmert ihren Zustand. Sie muss unbedingt einen reichen Freund finden, der sie unterstützen kann. (Mimi è tanto malata) Ein Husten verrät Mimi und sie kommt hervor. Auch sie sieht keinen Ausweg und gibt sich ihrem Schicksal hin. Sie will wieder in die Einsamkeit zurückkehren und bittet Rodolfo, sich um ihre Habseligkeiten zu kümmern.
(Donde lieta usci) Wehmütig erinnern sich die beiden an die gemeinsamen Zeiten, ohne Bitternis nur mit Traurigkeit und Melancholie. Daneben zanken sich Musetta und Marcello. (Dunque: è proprio finita! ... Addio, dolce svegliare)
4. AKT:
Monate später gehen Marcello und Rodolfo in der Mansarde ihrer Arbeit nach. Sie haben schon lange nichts mehr von Musetta respektive Mimi gehört und hängen nostalgisch ihren Gedanken nach. (O, Mimi tu più non torni!)
Colline und Schaunard treten ein und bringen etwas Einfaches zu essen. Wenig später platzt Musetta ins Zimmer und hat die todkranke Mimi in den Armen. Mimi wollte Rodolfo ein letztes Mal sehen, hat aber die Treppe allein nicht mehr geschafft.
Alle verlassen die Wohnung, um ihre wertvollsten Habseligkeiten zu verhökern, um Medikamente zu kaufen. Colline ist sogar bereit, seinen Mantel beim Pfandleiher zu verhökern. (Vecchia zimarra) Alle verlassen die Wohnung, einzig Rodolfo und Mimi bleiben in der Wohnung zurück. Mimi singt ein letztes Mal von ihrer Liebe zu Rodolfo. Als die Freunde zurückkehren, kann sich Mimi noch über die Geschenke freuen. Wenig später ist sie tot. (Finale)
Kommentar
Die Rivalität mit Leoncavallo:
Möglicherweise ist Puccini von seinem Komponistenkollegen Ruggiero Leoncavallo zum ersten Mal 1893 auf Murgers «Scènes de la vie de bohème» aufmerksam gemacht worden. Als Puccini ihm ein paar Monate später beiläufig erzählte, dass er an der Vertonung der «Bohème» sei, erboste dieser sich heftig über die Konkurrenz, die ihm erwuchs.
Bald darauf konnte man in den Zeitungen über die Rivalität der beiden Komponisten lesen, hinter der die zwei konkurrierenden Verleger Ricordi und Sonzogno steckten. Am Schluss gewann Puccini 2:0 gegen seinen Kollegen, weil er erstens das erfolgreichere Werk schrieb und zweitens es ein Jahr früher herausbrachte.
Die schwierige Entstehung des Librettos:
Auf der einen Seite lag Puccini die Zusammenarbeit mit seinen Librettisten immer sehr am Herzen, auf der anderen Seite wusste er seinen Willen immer durchzusetzen. Das führte dazu, dass die Arbeit am Libretto der «Bohème» alle Beteiligten an den Rand des Nervenzusammenbruchs brachte.
Die «Bohème» war die erste Zusammenarbeit des Trios Puccini-Illica-Giacosa. Während der jüngere Luigi Illica für die Handlung und Dramatik zuständig war, schrieb der ältere Giuseppe Giacosa die Verse. Sie benötigten für das Libretto nahezu zwei Jahre und trafen sich unentwegt zu dritt in langwierigen Besprechungen und nicht selten musste der Verleger Sonzogno beschwichtigend eingreifen. Immer wieder wurden Szenen umgestellt, sogar ein ganzer, bereits fertiggestellter Akt wurde auf Anordnung Puccinis wieder fallengelassen.
Giacosa konnte zuletzt nicht mehr hinter der Lyrik stehen und verlangte von Ricordi, dass parallel zum Libretto eine ungekürzte Versfassung publiziert werden sollte, was dieser aber rundweg ablehnte. 1895 schrieb Giacosa in einem Brief an Ricordi, dass er nie mehr mit Puccini zusammenarbeiten werde, was glücklicherweise nicht eintraf, da er für Tosca und Butterfly wieder für die Verse verantwortlich zeichnete.
Der Stoff der «Bohème» basierte auf einem Fortsetzungsroman der 1843 in einer Pariser Zeitschrift erschien. Henri Murger beschrieb das Leben der Künstler in den Künstlerquartieren auf Montmartre und im Quartier latin. Die Personen, die er im Roman schilderte, waren zum großen Teil real. Illica und Giacosa nahmen Anpassungen für die Oper vor, wie zum Beispiel die Ergänzung um die Person der Mimi, die so in der Vorlage nicht vorkam. Auch hießen die Protagonisten in der Vorlage Murgers anders, wahrscheinlich, weil Namen wie beispielsweise «Jacques» schlicht ungeeignet für die Vertonung waren.
Die Musik der «Bohème»:
Vergleicht man die «Bohème» mit Puccinis Folgewerk «Tosca», so erstaunt die zeitliche Nachbarschaft. Währenddem Puccinis Musik nie veristischer war wie in «Tosca», war er nie so spätromantisch wie in «La Bohème». Dies rührt daher, dass Puccini jeder seiner Oper ihr eigenes, charakteristische Klangbild gab, genauso wie es Verdi mit seiner «Tinta musicale» machte. Was ist die Tinta der «Bohème»?
Zum einen ist sie bestimmt durch den Konversationston einer durchkomponierten Oper, gestützt durch eine große Anzahl von Erinnerungsmotiven, die in diesen Szenen eingewoben sind. Sie finden im Kommentarteil zu den einzelnen Szenen verschiedene Notenbeispiele. Die Motive haben eine wichtige Rolle und werden immer wieder zitiert. Puccini war dabei ein genauer Beobachter und er gab selbst Dingen wie dem Häubchen oder dem Muff ein eigenes Motiv.
Das zweite Element der spezifischen Tinta ist die «atmosphärische» Musik, welche die Schauplätze der Handlung charakteristisch beschreibt und die teilweise sogar im Rang von «Tondichtungen» stehen. Als besonders gelungene Beispiele dürfen dafür die beiden Aktanfänge des zweiten Aktes (Straßen-Szene) und des dritten Aktes (Barrière d’enfer) angeführt werden. Puccinis orchestrale Sprache ist meisterhaft, und Verdi sprach anerkennend von der orchestralen Sprachkraft Puccinis. Das Zeichnen von Szenen und Details brachte Puccini das (ungerechte) Urteil Tucholskys ein, «der Verdi des kleinen Mannes» zu sein.
Die Uraufführung:
Die Uraufführung fand am 1. Februar 1896 im Teatro Regio in Turin statt und wurde vom 28-jährigen Arturo Toscanini dirigiert. Dem Werk war nur mäßiger Erfolg beschert. «Zu gewöhnlich» war das szenische Urteil, «zu ungewöhnlich» das musikalische Urteil. Bereits sechs Monate später drehte der Wind und die Oper begann seinen Siegeszug.
Die schönsten Stellen
Questo mar rosso:
Die Oper beginnt ohne «Ouvertüre» mit dem Motiv der Bohèmiens, durch seine Prägnanz und Erkennbarkeit eignet es sich hervorragend immer wieder in die Handlung verwoben zu werden.

Ein zweites wichtiges Thema hören wir beim Auftritt Rodolfos. Die Melodie von «Nei cieli bigi» charakterisiert Rodolfo als leidenschaftlichen und mit der Begleitung durch die Flöten auch zarten Menschen:

Che gelida manina:
Als Rodolfo Mimis Kerze entzündet, spürt er ihre kalten Hände. Die Arie beginnt pianissimo und dolcissimo und der erste Teil endet mit einem schönen Rallentando, wenn Rodolfo auf den leuchtenden Mond zeigt, der romantisch ins Zimmer schimmert («e qui la luna»).
Im zweiten Teil beschreibt sich Rodolfo als Dichter und armer Künstler, im dritten Teil singt er von den beiden schönen Augen Mimis, die zu seiner Freude erschienen sind. An dieser Stelle hören wir zum ersten Mal das Liebesmotiv:

Unendlich romantisch ertönt die berühmte Schluss-Sequenz mit dem hohen C («Ma il furto non m’accora, poiché, poichè v’ha preso stanza, la speranza»).
Mehr zur Arie CHE GELIDA MANINA (Analyse, Grosse Aufnahmen)
Mi chiamano Mimi:
In dieser Arie porträtiert Puccini Mimi zu Beginn mit sehr einfachen Mitteln, so bleibt ihr Text bei ihrem ersten Auftritt zunächst überraschend unpoetisch («ich heiße Mimi…einst hieß ich Lucia; Fleißig bin ich, und koche selbst mein Essen») und der erste Teil ist in einfachen Harmonien komponiert. Dann passiert das Wunder: Mimi erkennt ihre Gefühle für Rodolfo. Plötzlich wird der Text poetisch («Ma quando vien lo sgelo …» – «Doch fängt es an zu tauen …») und die Musik öffnet sich zu Mimis Motiv, welches wir noch öfters hören werden, eine von Puccinis großen musikalischen Inspirationen:

Dieses Stück ist das, was Puccini ein «Pezzo forte» nannte – eine Nummer, von der er wusste, dass sie Wirkung erzielen würde.
Mehr zur Arie MI CHIAMANO MIMI (Analyse, Grosse Aufnahmen)
Aranci, Datteri:
Modell für diese kunterbunte Straßen Szene soll der Beginn des vierten Akts von Carmen gestanden haben. Es ist eine Alltagsszene, die ungemein farbig instrumentiert und mit vielen liebevollen Details komponiert worden ist.
Quando m'en vo:
Diese Arie wurde unter dem Namen «Musettas Walzer» berühmt. Puccini hatte eine klare Vorstellung von der Interpretation dieses Stücks. Mehr als 20 Vortrags-Anmerkungen sind in der Partitur für die Sängerin notiert, die immer wieder neue Farben und Tempi erschaffen muss.
Ohè, là, le guardie:
Eine exquisite Stelle dieser Oper bildet Puccinis tonmalerische Beschreibung der Atmosphäre dieses Wintermorgens. Während 144 Takten beschreibt Puccini diese Szene mit klangmalerischen Effekten wie Xylophon und Harfe oder mit «Col dorso del arco» Effekten (mit dem Holz des Geigenbogens geschlagene Töne).
Diese Szene wirkt beinahe impressionistisch und war für seine Zeitgenossen sehr ungewöhnlich, was teilweise zu gehässigen Kommentaren führte. Sie beginnt mit den hohlen Quinten der Violinen und Harfen, die den leichten Schneefall und die Trostlosigkeit dieses Wintermorgens beschreiben. In der Ferne erklingt die Melodie von Musettas Walzer, die die letzten Nachtschwärmer nach Hause begleitet.
Mimi è una civetta:
Wir hören leidenschaftliche Motive des ersten Aktes, aber die fröhliche Stimmung ist einem nostalgischen Moll gewichen.
Mimi è tanto malata:
Diese Stelle kann man als eine typische Puccini-Szene bezeichnen. Ausgehend von einem Sprechgesang auf nur zwei Tönen entspinnt sich eine leidenschaftliche Kantilene, die anschließend in ein Trio übergeht.
Donde lieta usci:
Diese Arie überwältigt den Zuhörer mit den vielen Reminiszenzen, die an den ersten Akt anklingen. Die zitierten Themen der Vergangenheit zeigen uns, wie Mimì bereits in der Erinnerung lebt. Flöte und Geige umspielen ihre Stimme und geben der Szene einen unerhörten Glanz. Selbst für Kleinigkeiten wie «wickle all diese Dinge in eine Schürze und übergib sie dem Portier» komponierte Puccini eine gefühlvolle Musik. Erst im letzten Abschnitt dieser Arie erhebt sich die Stimme in einem leidenschaftlichen Aufbegehren. Sie erinnert sich an das Häubchen, welches Marcello ihr vor dem Café Momus gekauft hatte und die Melodie entwickelt sich zu ihrem Abschieds-Motiv:

Dunque: è proprio finita! ... Addio, dolce svegliare:
Das zärtliche Duett wird vom Orchester kammermusikalisch begleitet und lässt noch einmal die Leidenschaften aufleben. Das Ganze spielt sich ab, vor dem Hintergrund des zänkischen Gesangs von Musetta und Marcello. Zum Schluss werden die Sänger von einer schmerzlich-schönen Solo-Violine und Glockenspiel begleitet und die Musik entschwindet ins Nichts.
O Mimi tu più non torni!:
Puccini komponierte ein rührendes Duett der zwei Männerstimmen. Mit der Liebe ist beiden auch die Unbeschwertheit verloren gegangen. Nostalgisch hält Rodolfo die Haube in der Hand, als wäre es Mimi.
Vecchia zimarra:
«La Bohème» ist die Oper der Kleinigkeiten, die winzige Gegenstände und Phänomene liebevoll porträtiert. (z.B. der Muff, der Herd, die Mütze oder der Mantel von Colline). Jedes dieser Gegenstände wird mit einem eigenen musikalischen Motiv verknüpft. Hören Sie eine dieser Kleinigkeiten nämlich die Arie über den zerschlissenen Mantel, von dem Colline Abschied nimmt. Er hat keine Liebesgeschichte, so schenkt er seine Gefühle einer zerschlissenen Jacke.
Finale:
Als Mimi den Muff in den Händen hält, hören wir zum letzten Mal die Liebesmelodie. Die Töne der Posaunen lassen den nahen Tod erahnen. Nach dem Gebet der Musetta realisiert Rodolfo ich Ableben. Posaunenklänge und der berühmten letzten Schrei des Rodolfo beendet die Oper: «Mimi! Mimi!».
Große Aufnahmen in YouTube
Che gelida manina - Luciano Pavarotti: Viele Experten halten ihn als den besten Rodolfo der Aufnahmegeschichte. Mit den Worten von Kesting («Große Stimmen»): «Schlechthin überragend, auch und gerade darstellerisch setzt sich Pavarotti als Rodolfo unter Karajan in Szene. Es ist eines der raren vokalen Porträts, das die Figur sichtbar macht. In keiner anderen Aufnahme – von «La fille du Régiment» abgesehen – hat er freier und gelöster gesungen, in keiner mit einer reicheren Farbpalette.»
Mi chiamano Mimi - Renata Tebaldi: Tebaldi war keine große Schauspielerin. Dies war teilweise einer Kinderlähmung im Alter von drei Jahren geschuldet, die eine gewisse Unbeweglichkeit mit sich zog. Umso mehr musste sie sich auf ihre stimmlichen Fähigkeiten verlassen. Und die waren hervorragend. «In der reichen Entfaltung der Höhe hat sie nach dem Krieg nicht ihresgleichen.» (Kesting, «Große Stimmen»). Toscanini soll Ihre Stimme (die Richtigkeit der Aussage ist umstritten) sogar «Engelsstimme» genannt haben.
O soave fanciulla – Jussi Björling / Renata Tebaldi: Hören Sie das wunderschöne Liebesduett in der verfilmten Version mit Renata Tebaldi und Jussi Björling, gefühlvoller kann Oper nicht mehr sein.
O, Mimi tu più non torni! – Jussi Björling / Robert Merrill: Merrill und Björling bildeten eine Traumkonstellation, die als eines der berühmtesten Tenor-Bariton-Duos in die Geschichte einging. Auch privat Freunde, haben sie in vielen Opernaufnahmen zusammen gesungen. Robert Merrills Stimme ist «ein Bariton von großer Klangfülle, das Timbre ist reich und schimmert in vielen Farben» (Kesting). Sie ergänzt in idealer Weise die strahlend-schmerzliche Tenorstimme von Jussi Björling.
3 Fun Facts
1. Puccini war ein Bewunderer von Bizets Carmen und hat für die Pariser Straßenszene des zweiten Aktes, die Stierkampfarenaszene in Sevilla aus Carmens vierten Akt als Vorbild genommen. Beide hatten den beiden Städten ein musikalisches Denkmal gesetzt und genauso, wie Bizet Spanien nie bereist hatte, kannte Puccini Paris auch nur von den Postkarten.
2. Nach der Enttäuschung der Uraufführung musste die «Bohème» in den folgenden Produktionen unbedingt reüssieren, um nicht in der Versenkung zu verschwinden. Für die Produktion in Livorno, nahe Puccinis Wohnort Lucca, wurde ein unbekannter Tenor namens Enrico Caruso engagiert. Der Verleger Ricordi verlangte, dass dieser sicherheitshalber zuerst bei Puccini zu Hause vorsang. Caruso ging zu Puccini und sang in seinem Salon «Che gelina manina» begleitet vom Komponisten. Nach der Arie fragte Puccini Caruso: «Wer hat Dich geschickt? Gott?»
3. Die Arbeit an «La Bohème» weckten Puccinis Erinnerungen an seine ärmlichen Studentenjahre. Besonders gut konnte er sich in Colline hineinversetzen, der sich von seinem Mantel trennte, um Medikamente für Mimi zu kaufen. In den Monaten als Puccini sich mit Pietro Mascagni ein Studentenzimmer teilte, verpfändete er mitten im kalten Mailänder Winter seinen Mantel, um eine Tänzerin zum Diner auszuführen.
La Boheme von Giacomo Puccini
Häufig gestellte Fragen zu La Boheme (FAQ)
Welches sind die bekanntesten Stücke aus La Boheme?
Che gelida manina, Mi chiamano Mimi, O soave fanciulla (Liebes Duett), Aranci Datteri, Quando m’em vo, Ohè, là, le guardie! (Barrière d’enfer), Mimi è tanto malata, Donde lieta usci, Dunque: è proprio finita!… Addio, dolce svegliare, O, Mimi tu piu non torni!, Vecchia zimarra, Finale
Wie lautet die Kurzhandlung von La Boheme?
Der Dichter Rodolfo und die kranke Näherin Mimì verlieben sich an einem Pariser Weihnachtsabend.
Wegen Rodolfos übertriebener Eifersucht und Mimìs sich verschlimmernder Krankheit trennen sich die Liebenden zunächst, kommen aber Monate später wieder zusammen, als die sterbenskranke Mimì zu Rodolfo zurückkehrt. Trotz aller Bemühungen der Freunde, ihr zu helfen, stirbt Mimì in Rodolfos Armen.
Wieso führte die Entstehung von "La Boheme" zu einer Rivalität mit Leoncavallo?
Möglicherweise ist Puccini von seinem Komponistenkollegen Ruggiero Leoncavallo zum ersten Mal 1893 auf Murgers «Scènes de la vie de bohème» aufmerksam gemacht worden. Als Puccini ihm ein paar Monate später beiläufig erzählte, dass er an der Vertonung der «Bohème» sei, erboste dieser sich heftig über die Konkurrenz, die ihm erwuchs.
Bald darauf konnte man in den Zeitungen über die Rivalität der beiden Komponisten lesen, hinter der die zwei konkurrierenden Verleger Ricordi und Sonzogno steckten. Am Schluss gewann Puccini 2:0 gegen seinen Kollegen, weil er erstens das erfolgreichere Werk schrieb und zweitens es ein Jahr früher herausbrachte.
Wieso lagen die Librettisten von "La Boheme" im Streit mit Puccini?
Auf der einen Seite lag Puccini die Zusammenarbeit mit seinen Librettisten immer sehr am Herzen, auf der anderen Seite wusste er seinen Willen immer durchzusetzen. Das führte dazu, dass die Arbeit am Libretto der «Bohème» alle Beteiligten an den Rand des Nervenzusammenbruchs brachte.
Die «Bohème» war die erste Zusammenarbeit des Trios Puccini-Illica-Giacosa. Während der jüngere Luigi Illica für die Handlung und Dramatik zuständig war, schrieb der ältere Giuseppe Giacosa die Verse. Sie benötigten für das Libretto nahezu zwei Jahre und trafen sich unentwegt zu dritt in langwierigen Besprechungen und nicht selten musste der Verleger Sonzogno beschwichtigend eingreifen. Immer wieder wurden Szenen umgestellt, sogar ein ganzer, bereits fertiggestellter Akt wurde auf Anordnung Puccinis wieder fallengelassen.
Giacosa konnte zuletzt nicht mehr hinter der Lyrik stehen und verlangte von Ricordi, dass parallel zum Libretto eine ungekürzte Versfassung publiziert werden sollte, was dieser aber rundweg ablehnte. 1895 schrieb Giacosa in einem Brief an Ricordi, dass er nie mehr mit Puccini zusammenarbeiten werde, was glücklicherweise nicht eintraf, da er für Tosca und Butterfly wieder für die Verse verantwortlich zeichnete.
Wieso nennt man «La Bohème» die Oper der Kleinigkeiten?
«La Bohème» ist die Oper der Kleinigkeiten, die winzige Gegenstände und Phänomene liebevoll porträtiert. (z.B. der Muff, der Herd, die Mütze oder der Mantel von Colline). Jedes dieser Gegenstände wird mit einem eigenen musikalischen Motiv verknüpft. Hören Sie eine dieser Kleinigkeiten nämlich die Arie über den zerschlissenen Mantel, von dem Colline Abschied nimmt. Er hat keine Liebesgeschichte, so schenkt er seine Gefühle einer zerschlissenen Jacke.




Kommentare