MADAMA BUTTERFLY von Giacomo Puccini- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes
- peter
- vor 4 Tagen
- 12 Min. Lesezeit

Für Puccini war die «Madama Butterfly» die seelenvollste, ausdrucksreichste Oper, die er geschrieben habe. Keine der Heroinen der Puccini Opern kann mit Butterfly mithalten. Kein Wunder gehört Butterfly zu den begehrtesten Rollen der Soprane der gesamten Opernliteratur.
Eine Video-Doku der Oper "MADAMA BUTTERFLY" (Handlung, Wissenswertes, Musik etc.)
Steckbrief MADAMA BUTTERFLY von Giacomo Puccini
URAUFFÜHRUNG: Mailand, 1904
LIBRETTO: Luigi Illica und Giuseppe Giacosa, basierend auf dem Roman und späteren Theaterstück «Madame Butterfly» von John Luther Long respektive David Belasco und auf Pierre Lotis Novelle «Madame Chrysanthème».
DIE HAUPT PERSONEN: Pinkerton, amerikanischer Marineoffizier (Tenor) - Sharpless, amerikanischer Konsul in Nagasaki (Bariton) - Butterfly, Geisha, mit richtigem Namen Cio-cio-san (Sopran) - Suzuki, Dienerin der Butterfly (Mezzosopran) - Goro, Heiratsvermittler (Tenor).
AUFNAHME EMPFEHLUNG: EMI mit Victoria de los Angeles, Jussi Björling, Miriam Pirazzini und Mario Sereni unter der Leitung von Gabriele Santini und dem Coro e Orchestra della Opera di Roma.

Handlung
a) Kurzhandlung:
Die junge Geisha Cho-Cho-San, genannt Butterfly, wird von dem amerikanischen Leutnant Pinkerton zum Schein geheiratet und für ihn zur Christin, wartet aber nach seiner Abreise drei Jahre lang treu und in Armut mit ihrem gemeinsamen Sohn auf seine Rückkehr.
Als Pinkerton schliesslich mit seiner amerikanischen Ehefrau erscheint, um das Kind zu holen, überlässt ihm Butterfly den Jungen und nimmt sich, da sie ihre Ehre verloren glaubt, mit einem Dolch das Leben.
b) Detail Handlung
1. AKT:
Pinkerton, ein amerikanischer Marineoffizier, ist in Nagasaki stationiert und lässt sich vom Heiratsvermittler Goro ein Landhaus zeigen, das er erworben hat. Goro hat ihm dazu auch die fünfzehnjährige Cio-cio-san als Gattin vermittelt. (E soffito e pareti) Goro stellt ihm seine Bediensteten vor, darunter Butterflys Dienerin Suzuki.
Der Konsul Sharpless erscheint. Im Gespräch mit Pinkerton erfährt er, dass für Pinkerton das Haus und die Ehefrau nur eine Zwischenstation sei, die man auch wieder los werden kann. Sharpless ist schockiert über diese Einstellung, die zwar ein heiteres Leben mit sich bringt, aber zu großem Leid führen kann. Pinkerton sieht Japan als Zwischenstation, wo er sich für eine gewisse Zeit häuslich niederlassen will. (Dovunque al mondo)
Auf Sharpless‘ Frage, ob Pinkerton in Cio-cio-san verliebt sei, gibt Pinkerton offen zu, dass es eine Laune sei. Sie habe ihn verzaubert. Sie sei wie ein anmutiger Schmetterling («Butterfly»), den man packen muss, selbst wenn die Flügel zerbrechen. Sharpless ist entsetzt über Pinkertons Leichtsinnigkeit. Er hat Cio-cio-san im Konsulat kennengelernt und ist von Ihrer Aufrichtigkeit und Gutgläubigkeit überzeugt. (Amore o grillo dir non saprei)
Goro kündigt die Ankunft von Butterfly an. Sie erscheint mit ihren Freundinnen. (Ancora un passo e via) Butterfly erzählt von sich. Sie ist fünfzehn Jahre alt und in eine reiche Familie geboren worden, die ihr Vermögen verloren hat.
Danach hat der Vater Selbstmord begangen und Butterfly muss sich seither als Geisha verdingen. Bald schon erscheinen die Verwandten und die Behördenvertreter. Als sie vor den beiden Amerikanern vorbeidefilieren mokiert sich Pinkerton über die pittoreske Verwandtschaft. Beim anschließenden Geschnatter behauptet eine der Freundinnen, Pinkerton sei ihr auch angeboten worden.
Eine der Verwandten interessiert sich nur für den Wein und andere prophezeien eine rasche Scheidung. Butterfly zeigt Pinkerton persönliche Gegenstände, die sie mitgenommen hat. Darunter befindet sich der Dolch, mit dem ihr Vater Selbstmord begangen hat. Sie erzählt ihm, dass sie heimlich die Religion von Pinkerton angenommen habe. (Ieri son salita) Die Trauung wird im Haus durchgeführt.
Die anschließende Feier wird jäh unterbrochen, als der Bonze, Butterflys Onkel, erscheint. Er wirft Cio-cio-San den Religionswechsel vor und verstößt sie aus der Familie. Alle Verwandten verlassen das Haus. Nun sind die Beiden zum ersten Mal allein. Butterfly wird für die Hochzeitsnacht zurechtgemacht und die beiden genießen den gemeinsamen Moment im Garten. (Bimba dagli occhi)
2. AKT:
Seit drei Jahren lebt Butterfly mit ihrer Dienerin Suzuki und ihrem Kind in äußerster Armut, ohne von Pinkerton gehört zu haben. Sie betet zu Gott für die Rückkehr Pinkertons, der nichts vom Kind weiß. Pinkerton hat ihr versprochen zurückzukehren, wenn die Rosen blühen. Sie verscheucht Suzukis Zweifel, sie ist sicher, dass eines Tages das Schiff mit Pinkerton erscheinen wird. (Un bel dí vedremo)
Sharpless erscheint in Begleitung von Goro. Er wurde von Pinkerton gebeten, ihr die Wahrheit schonend beizubringen und Sharpless will ihr den Brief zeigen. Butterfly empfängt ihn mit feinsten westlichen Manieren, und lenkt immer wieder ab. Yamadori, ein reicher Fürst, erscheint. Goro hat ihn vermittelt und Yamadori versucht sie vergeblich zu überzeugen ihn zu heiraten. Als sie wieder mit Sharpless allein ist, liest er ihr den Brief vor.
Bewegt muss er in der Mitte abbrechen. Auf die Frage, was sie tun würde, wenn Pinkerton nicht zurückkäme, antwortet sie «morir». Er empfiehlt Butterfly das Angebot von Yamadori anzunehmen. Tief getroffen bittet Butterfly Sharpless, das Haus zu verlassen. Als dieser aufbricht, zeigt Butterfly ihm das Kind. Es ist Butterflys letzter Strohhalm und sie bittet Sharpless, Pinkerton von ihrem wunderbaren Sohn zu schreiben, dann komme er zurück. (Che tua madre)
Plötzlich ertönen Kanonenschüsse. Es ist die Abraham Lincoln. Butterfly ist sicher, Pinkerton kehrt zurück! Sie geht in den Garten und beginnt zusammen mit Suzuki alle Blüten zu pflücken und das Haus zu schmücken. Das Haus und die Braut sollen geschmückt sein, wie damals am Tage der Hochzeit. Butterfly zieht ihr Hochzeitskleid an und wartet auf Pinkerton. (Scuoti quella fronde di ciliegio) Butterfly und Ihr Sohn warten auf die Ankunft Pinkertons. (Coro a bocca chiusa)
3. AKT:
Es ist frühmorgens. Pinkerton ist nicht erschienen. Butterfly glaubt immer noch an seine Rückkehr und ist schlafen gegangen. Es klopft und Suzuki öffnet die Türe. Pinkerton und Sharpless erscheinen – aber nicht allein. Suzuki sieht Pinkertons Frau und realisiert, dass für Butterfly das Sonnenlicht erlöschen wird. Mit Entsetzen erkennt Pinkerton, dass Butterfly die Stunden gezählt hat und die Situation mit einer Tragödie enden muss.
Pinkerton bricht zusammen, denn er weiß, sein Leben lang werden ihn die Gedanken daran quälen. (Addio fiorito asil)
Pinkerton fehlt der Mut, Butterfly persönlich die Wahrheit zu sagen. Sharpless bittet Suzuki ihr die Nachricht mitzuteilen. Pinkertons Frau Kate verspricht für den Knaben gut zu sorgen. Suzuki geht ins Haus zurück. Butterfly erscheint und sie spürt, dass Pinkerton gekommen ist. Doch sie sieht nur Sharpless und eine fremde Frau.
Der letzte Funken Hoffnung verfliegt - es ist seine Frau. Butterfly versteht – die unbekannte Frau ist gekommen, um ihren Sohn zu holen. Butterfly verlangt, dass Pinkerton seinen Sohn selbst holen muss. Sie geht ins Zimmer und verbindet ihrem Sohn die Augen. Sie setzt den Dolch ihres Vaters im Nebenraum an ihre Kehle. Sharpless und Pinkerton rennen herbei und sehen die sterbende Butterfly. Entsetzt sinkt Pinkerton auf die Knie, während Sharpless das Kind auf die Arme nimmt. (Tu tu, piccolo Iddio)
Kommentar
Der historische Hintergrund und das Libretto:
Am Ursprung der Geschichte dieses Werkes stand ein autobiografischer Roman eines französischen Marineoffiziers, der in Nagasaki stationiert war. Seine Erinnerungen wurden von John L. Long in einem Roman aufgenommen und in ein Beziehungsdrama gepackt. Und schließlich ergänzte David Belasco in seinem Theaterstück die Geschichte mit dem Selbstmord der Protagonistin («Madame Butterfly. A Tragedy of Japan»).
Als Puccini sich wegen einer Tosca Aufführung in London aufhielt, sah er Belascos Aufführung dieses Stücks. Zwar verstand Puccini kein Englisch, doch er war bewegt und spürte, dass dieser Stoff für eine Oper geeignet sein würde und der Verleger Ricordi beauftragte Illica und Giacosa ein Libretto zu schreiben. Die Arbeiten an der Oper begannen Ende 1901.
Kulturelle Aspekte:
Der Geschichte entnimmt man, dass Butterfly eine Geisha ist. Darunter ist aber keine Prostituierte zu verstehen, sondern eine Frau oder Mädchen, welches in einem Teehaus arbeitet und gehobener Konversation, Tanz und Musik ausgebildet ist. Zu dieser Zeit war für Geishas eine Ehe auf Zeit nichts Ungewöhnliches, doch das Textbuch lässt diesen Aspekt zugunsten des Dramas außen vor.
Der Stoff der Oper spricht moralische Verwerfungen der Zeit an, welche durch den Kolonialismus verursacht wurden. Dies manifestierte sich nicht nur mit dem Recht des Amerikaners auf eine Ehe auf Zeit (Goro: «Butterfly kostete nur 100 Yen»), sondern auch die einseitigen Vertragsgestaltung (Pinkerton kauft das Haus auf 99 Jahre, kann es aber monatlich kündigen) und schlussendlich, dass Pinkerton am Ende Butterfly ihren Sohn mit einer erschütternden Selbstverständlichkeit entreißt. Puccinis Kritik ist offensichtlich, denn während der ganzen Oper gehört die Sympathie des Zuhörers der Japanerin.
Japanische Musik:
Der Gesang der Cio-cio-san ist praktisch immer westlich. Doch in vielen Passagen dieser Oper wollte Puccini ein authentisches japanisches Kolorit erzeugen, welche er hauptsächlich mit den Techniken Pentatonik und übermäßigen Akkorden zeichnete. Puccini war selbst nie in Japan, bemühte aber sich um Authentizität, die japanische Botschafterin in Rom half ihm bei der Beschaffung von Noten populärer japanischer Melodien, und sie spielte ihm persönlich auf ihrem Koto (einem Saiteninstrument) japanische Musik vor, die Puccini nach Gehör notierte.
So zitiert Puccini immer wieder Themen und Motive im exotischen Stil. Analysen zeigten, dass er circa ein Dutzend traditioneller japanischer Melodien als Motive oder Motivteile verwendete und sie, wie zum Beispiel das Dolchmotiv, leitmotivisch einsetzte.
Butterfly:
Butterfly macht in dieser Oper eine gewaltige Entwicklung durch. Von der Geisha zur Verstoßenen und Geliebten, dann zur Mutter und einsamen Frau bis zur Selbstmörderin. Keine der Heroinen der Puccini Opern kann mit Butterfly mithalten. Kein Wunder gehört Butterfly zu den begehrtesten Rollen der Soprane der gesamten Opernliteratur.
Trotzdem wurde die Premiere der Butterfly 1904 an der Mailänder Scala ein Fiasko. Der Misserfolg war beschämend. Puccini, der einen sicheren Erfolg erwartete, stand unter Schock und hatte diesen Misserfolg nie überwunden. Bald wurde das Werk ein Welterfolg, doch Puccini führte die Butterfly zu seinen Lebzeiten nie mehr an der Scala auf.
Die schönsten Stellen
E soffito e pareti:
Ein knappes, geschäftiges Motiv bestimmt die kurze Eröffnung. Es ist ein fugiertes Stück mit einem unheilvollen Motiv, dass das Drama des Werks bereits erahnen lässt.
Dovunque al mondo:
Die großartige Arie «Dovunque al mondo» wird überraschenderweise mit der amerikanischen Nationalhymne eingeführt (das unverkennbare Zeichen des Dominators) und stellt Pinkerton als nicht unsympathischen, aber gedankenlosen Yankee vor.
Amore o grillo dir non saprei:
Puccini schenkt Pinkerton mit dieser Arie eine schöne Melodie mit einer warmen Flötenbegleitung. Doch das Bild, das er von Pinkerton zeichnet, ist verheerend: Der Text ist prosaisch und egoistisch und Pinkerton unterbricht die schwärmerische Melodie, die in ein Duett übergeht, mit belanglosen Whisky-Toasts.
Ancora un passo e via:
Die Ankunft der Butterfly ist eine der schönsten Szenen, die Puccini geschrieben hat. Cio-cio-sans Auftritt ist effektvoll geschrieben und gleichzeitig berührend. Sie ist glücklich («Ich bin das glücklichste Mädchen in Japan») und singt eine wunderschöne Arie begleitet vom Chor ihrer Freundinnen.
Die Musik des Orchesters ist umwerfend, Puccini lässt drei Solostreicher (je eine Bratsche, Violine und Cello) die unendliche Melodie parallel zu Cio-cio-sans Stimme singen. Diese Szene ruft manchem Hörer Gedanken an Bohème wach. Puccini zitiert in der Oper immer wieder musikalische Themen und Motive aus der japanischen Kultur.
Ein wunderschönes Beispiel finden wir am Schluss dieser Passage, in der Puccini die Arie der Cio-cio-san mit einem beinahe himmlischen Motiv beendet. Sie besteht aus einer pentatonischen Melodie, die von Harfe, Flöten und Glockenspiel gespielt wird, einer Instrumentationskombination, die Puccini der japanischen Musik entlehnt hat.
Ieri son salita: In einer berührenden Szene, mit hohen Streichern und Harfe begleitet, erzählt Butterfly, dass sie aus Liebe zum Glauben des Pinkerton übergetreten sei, um mit ihm zum gleichen Gott beten zu können.
Bimba dagli occhi:
Ein unendlich langes Liebesduett entspannt sich, das längste, das Puccini geschrieben hat. Viele musikalische Themen tauchen auf, und Puccini lässt das Orchester in den prächtigsten Farben erblühen. In einer besonders schönen Stelle («Or son contenta») hören wir ein schönes, mehrmals wiederholte Violin-Solo und Butterfly gibt sich Pinkerton hin mit den Worten «Vogliatemi bene, un bene da bambino» («Seien Sie lieb zu mir, lieb wie zu einem Kind»).
An dieser Stelle findet Pinkerton mit einer intensiven und zärtlichen Passage die richtigen Worte und verspricht ihr, sie nie mehr loszulassen und lässt Butterfly im falschen Glauben einer ewigen Verbindung. Der Schluss ist das ekstatische Duett zweier Liebenden, wie wir es auch von Puccini nur in den größten Momenten zu hören bekommen.
Un bel dí vedremo:
Diese Arie gehört zu den berühmtesten und schönsten der Opernliteratur für Soprane. Der Traum der Butterfly hat Puccini zu einer großen Arie inspiriert, vielleicht sogar seine beliebteste. Die Arie beginnt im pianissimo, in Puccinis Anweisung steht «di lontano» (wie aus der Ferne).
Eine Solo Violine umspielt die Stimme der Butterfly und nach wenigen Takten ist der Hörer bereits verzaubert in die Welt der Cio-cio-san eingetaucht. Im ersten Teil der Arie zeigt die Sängerin die Bescheidenheit und die Geduld der Butterfly, die bereit ist auf ihren Liebsten zu warten. Mit «me ne starò nascosta un po' per celia» beginnt aus dem piano ein großes Crescendo zum ekstatischen «E un po' per non morire». Es ist eine Eruption der unter der Oberfläche gehaltenen Emotionen.
Mit ruhigen, aber bewegenden Worten erzählt sie anschließend den Traum, wie Pinkerton den Hügel zu ihrem Haus hinaufeilt und seine Rückkehr Wirklichkeit wird. Noch einmal komponiert Puccini einen ekstatischen Höhepunkt, der nach einem großen Crescendo mit der höchsten Note, einem hohen B im fff endet.
Che tua madre:
Mit dramatischer Musik erscheint Butterfly mit ihrem Sohn. Sie platziert ihn auf einem Kissen und singt ein trauriges Lied für ihn. Das Orchester begleitet Butterfly mit expressiven Tönen.
Scuoti quella fronde di ciliegio:
Dieses Duett wird auch Blumen-Duett genannt. Die Atmosphäre wechselt mit einer schnellen, walzerähnlichen Melodie in eine beschwingte, fröhliche Stimmung.
Coro a bocca chiusa:
Den Abschluss des zweiten Aktes macht der sogenannte Summ Chor, ein wunderschöner und ungewöhnlicher Abschluss. Ein Chor aus Sopranen und Tenören summt im Oktavenabstand hinter der Bühne eine nostalgische Melodie, begleitet von einer Solo-Bratsche, Pizzicato- Streichern, Bläser und dem Rest des Orchesters.
Addio fiorito asil:
Mit dem «Addio fiorito asil» des Pinkerton schenkt uns Puccini eine seiner unendlichen Melodien.
Tu tu, piccolo Iddio:
Das Dolchmotiv ist hörbar als sie den Doch ergreift. Dort steht eingraviert: «Ehrenvoll sterbe, wer nicht länger leben kann in Ehren». Wir hören keine Erinnerungsmotive an die Zeiten der glücklichen Liebe, wie es noch in der Todes-Szene der «Bohème» der Fall war. Einzig der Schmerz der Hauptdarstellerin wird dem Hörer präsentiert. Mit einem der ungewöhnlichsten und effektvollsten Schlussakkorde der Geschichte beendet Puccini das Stück. Das westliche G-Dur prallt auf den übermäßigen japanischen Akkord und beendet dieses großartige Werk mit einer überwältigenden Schlussnote.
Große Aufnahmen in YouTube
Ancora un passo e via – Mirella Freni: Hören Sie diese inspirierte und berührende Szene mit Mirella Freni. Magisch wie sie das berühmte hohe D hinzaubert.
Bimba dagli occhi – Jussi Björling / Victoria de los Angeles: Madama Butterfly war Björlings letzte Gesamtaufnahme in seiner Karriere. Der 48-jährige war zu diesem Zeitpunkt bereits schwer erkrankt und hatte bei der Aufnahme dieses Duetts mit Victoria de los Angeles einen schweren Zusammenbruch.
Erstaunlicherweise war Björlings Stimme in erstaunlich gutem Zustand und die Aufnahme konnte wenige Wochen später fertig gestellt werden. Seine Aufnahme ist etwas langsamer als die anderen Versionen und gibt den beiden Sänger den Raum zu einer großartigen Interpretation. Schon seine Eröffnung «Bimba dagli occhi» ist wunderschön und verführerisch und die beiden Sänger musizieren auf die schönstmögliche Art.
Un bel dí vedremo – Renata Tebaldi: Renata Tebaldis hohe, flutende Töne machten sie berühmt. Die Schönheit und der Reichtum ihrer Stimme selbst in den hohen Registern war Legende und Butterfly war eine ihrer berühmtesten Rollen. Hören Sie sie in der Aufnahme aus 1959 auf dem stimmlichen Zenit ihrer Karriere.
Tu tu, piccolo Iddio – Maria Callas: Hören Sie ein Schluss von Maria Callas, der in Mark und Bein geht.
3 Fun Facts
1. Herbert von Karajan verfilmte 1974 die Oper. Bei der Wahl des Pinkerton griff er nicht auf Luciano Pavarotti zurück, mit dem er die Oper kurz zuvor inszeniert hatte, sondern auf Plácido Domingo, der für fürs Kino geeigneter war, da er ein paar Kilo weniger auf die Waage brachte.
2. Puccini liebte schnelle Autos. Im Jahre 1903 hatte er, während den Arbeiten zu Madama Butterfly einen Autounfall, dessen Folgen ihn während mehreren Monaten behinderten. Das Auto fuhr beim Unfall mit einer Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern.
3. Die Uraufführung der Butterfly war ein Fiasko, verhöhnt vom Mailänder Publikum. Puccini stand unter Schock, und hatte diesen Misserfolg nie überwunden. Zwar wurde die Oper rasch weltweit zu einem großen Erfolg, doch Puccini führte «Madama Butterfly» zu seinen Lebzeiten nie mehr an der Scala auf.
Madama Butterfly von Giacomo Puccini
Häufig gestellte Fragen zu MADAMA BUTTERFLY (FAQ)
Welches sind die bekanntesten Stücke aus La Boheme?
Dovunque al mondo, Bimba dagli occhi (Liebesduett), Un bel di vedremo, Scuoti quella fronde di ciliegio (Blumenduett), Coro a bocca chiusa (Summchor), Addio fiorito asil, Tu, tu piccolo addio (Finale)
Wie ist die Handlung in wenigen Sätzen?
Die junge Geisha Cho-Cho-San, genannt Butterfly, wird von dem amerikanischen Leutnant Pinkerton zum Schein geheiratet und für ihn zur Christin, wartet aber nach seiner Abreise drei Jahre lang treu und in Armut mit ihrem gemeinsamen Sohn auf seine Rückkehr.
Als Pinkerton schliesslich mit seiner amerikanischen Ehefrau erscheint, um das Kind zu holen, überlässt ihm Butterfly den Jungen und nimmt sich, da sie ihre Ehre verloren glaubt, mit einem Dolch das Leben.
Ist Butterfly / Cio-cio-San eine Prostituierte?
Der Geschichte entnimmt man, dass Butterfly eine Geisha ist. Darunter ist aber keine Prostituierte zu verstehen, sondern eine Frau oder Mädchen, welches in einem Teehaus arbeitet und gehobener Konversation, Tanz und Musik ausgebildet ist. Zu dieser Zeit war für Geishas eine Ehe auf Zeit nichts Ungewöhnliches, doch das Textbuch lässt diesen Aspekt zugunsten des Dramas außen vor.
Gibt es japanische Musik in Madama Butterfly?
Der Gesang der Cio-cio-san ist praktisch immer westlich. Doch in vielen Passagen dieser Oper wollte Puccini ein authentisches japanisches Kolorit erzeugen, welche er hauptsächlich mit den Techniken Pentatonik und übermäßigen Akkorden zeichnete. Puccini war selbst nie in Japan, bemühte aber sich um Authentizität, die japanische Botschafterin in Rom half ihm bei der Beschaffung von Noten populärer japanischer Melodien, und sie spielte ihm persönlich auf ihrem Koto (einem Saiteninstrument) japanische Musik vor, die Puccini nach Gehör notierte.
So zitiert Puccini immer wieder Themen und Motive im exotischen Stil. Analysen zeigten, dass er circa ein Dutzend traditioneller japanischer Melodien als Motive oder Motivteile verwendete und sie, wie zum Beispiel das Dolchmotiv, leitmotivisch einsetzte.




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