top of page

Tschechei und Prag – Reiseführer für Oper und Klassik

  • peter
  • 16. Juli
  • 7 Min. Lesezeit
Tschechei und Prag – Reiseführer für Oper und Klassik
Tschechei und Prag – Reiseführer für Oper und Klassik


Tschechei und Prag – Reiseführer für Oper und Klassik


Besuchsziele mit Bezug zur klassischen Musik und Opernkunst. Lernen Sie spannende Ideen und Hintergrund-Informationen kennen.



Orte auf Google Maps: Zoomen Sie auf Prag ein







KONZERTSÄLE UND OPERNHÄUSER


Nationaltheater (narodni-divadlo) Prag


Der Bau des tschechischen Nationaltheaters war ein nationaler Akt, welcher mit Spendengeldern aus dem ganzen Land finanziert wurde. An der Grundsteinlegung nahmen 100’000 Personen teil, doch es dauerte quälende 13 Jahre, bis es eröffnet wurde, kurz vor der Fertigstellung wütete noch ein Brand. Es ist das bedeutendste Musiktheater der Tschechoslowakei.


Nationaltheater (narodni-divadlo) Prag
Nationaltheater (narodni-divadlo) Prag

Die Uraufführung der Oper «Rusalka» (neben der «verkauften Braut» die bekannteste tschechische Oper) war vielleicht der glanzvollste Moment dieses Hauses, die 1901 umjubelt in diesem Theater das Licht der Welt erblickte.


In diesem Theater war 11 Jahre zuvor die Uraufführung seiner 8. Sinfonie erfolgt.



Rudolfinum Prag


In diesem Konzerthaus dirigierte Dvořák die erste Aufführung der neu gegründeten Tschechischen Philharmonie, das ursprünglich aus den Musikern des Nationaltheaters bestand. Das Gebäude diente ein paar Jahre als Parlamentsgebäude und beherbergt auch ein Kunstmuseum. Der grosse Saal ist nach Dvořák benannt. Im Rudolfinum wird hochstehende Klassische Musik gezeigt.


Dvořák Saal:


Rudolfinum Prag
Rudolfinum Prag




Prager Staatsoper


Das Theater wurde 1888 als «Neues Deutsches Theater» eröffnet, finanziert durch deutsche Industrielle (nicht zu verwechseln mit dem Ständetheater). Künstlerisch wurde es von Angelo Neumann betrieben, ein grosser Wagner Anhänger, die Eröffnung erfolgte mit den «Meistersingern». Heute gehört sie als Staatsoper zu den öffentlichen Theatern. Das Gebäude wurde saniert und 2020 glanzvoll wiedereröffnet. Touren sind möglich.


Prager Staatsoper
Prager Staatsoper



Prager Ständetheater (Stavovské divadlo)


Wo Mozart seine Triumphe feierte: Im Ständetheater feierte Mozart 1887 mit der Uraufführung des Don Giovannis einer der grössten Triumphe seiner Karriere. Der Jubel kannte keine Grenzen als der Vorhang fiel. Wie schon bei den Nozze di figaro liebte ihn das Prager Publikum. Auch die im Ständetheater uraufgeführte «Clemenza di Tito» fand Anklang, die Kaiserin soll das Werk aber als «deutsche Schweinerei» abgetan haben.


Das Theater ist beinahe im ursprünglichen Zustand erhalten geblieben und kann mit Aufführungen und Besichtigungen erlebt werden. Es ist mittlerweile ein Teil des Komplexes des Nationaltheaters.




Ständetheater ca. 1830:
Ständetheater ca. 1830:

Ständetheater heute:
Ständetheater heute:

Mahen Theater (früher Nationaltheater)


Der Uraufführungsort von Janaceks Opern: Dieses wunderschöne, 1878 eröffnete Theater war Schauplatz der Uraufführungen von Janaceks Opern und hiess damals Nationaltheater. Besonders schön ist die Inneneinrichtung des Theaters und die Marmortreppe.


Mahen Theater (früher Nationaltheater)
Mahen Theater (früher Nationaltheater)

Das Theater wurde das erste voll elektrisch beleuchtete Theater auf dem europäischen Kontinent. Eine Edison-Glühbirne aus dem Jahr 1882 wurde daher in ein dekoratives Kupfergehäuse gelegt, das in den letzten Stein eingelegt war. (Heute wird es in einer Vitrine neben der Haupttreppe ausgestellt.) Edison selbst besuchte Brünn 1911. (Quelle: Theater Website).


Das Theater bietet ein hochstehendes Opernprogramm an.




MUSEEN


Smetana Museum


Für Smetana Fans wurde ein Museum zu seinen Ehren eingerichtet. Am Ende der Novotného lávka, vor dem Museum von Bedřich Smetana, wurde 1984 ein Denkmal für den Komponisten enthüllt.


Smetana Museum, Prag
Smetana Museum, Prag

Bekanntschaft mit Liszt: Smetana wurde 1824 in der böhmischen Provinz als Friedrich Smetana geboren. In damaliger Tradition in deutscher Sprache erzogen, erlernte er die tschechische Spräche erst als Erwachsener. Sein musikalisches Erweckungserlebnis hatte er allerdings als Jugendlicher in Prag, als er Franz Liszt hörte, mit dem er sich später anfreundete. In seinen jungen Erwachsenenjahre schrieb er kleinere Werke und er verdiente seinen Lebensunterhalt als Musiklehrer, teilweise als Angestellter des Hofs. 1856 ging er mit seiner Frau und Kindern nach Göteborg, da er unglücklich über die autokratische Regierung in seinem Heimatland war. Innerhalb weniger Jahren starben 2 Kinder und auf der Rückreise von Göteborg 1859 seine Frau an Tuberkulose.


Ein konfliktbeladenes Leben: 1860 wurde die «verkaufte Braut» mit gutem Erfolg am Prager Interimstheater, dem Vorläufer des Nationaltheaters, aufgeführt, wo Smetana den Kapellmeisterposten innehatte. Eigentlich wollte er Leiter des Theaters werden, aber weil er Anhänger der Neudeutschen um Liszt und Wagner war, wurde ihm das verwehrt. Diese Fehde zog sich während seiner Amtszeit mit vielen Intrigen und Streitigkeiten hin, was Smetanas Gesundheit ruinierte. Ein Tinnitus (nach seiner Aussage ein As-Dur-Sextakkord) machte sich bemerkbar und 1873 war Smetana völlig ertaubt und er zog sich von seinem Amt zurück. Trotzdem komponierte er in den folgenden Jahren sein bekanntestes Werk «Ma Vlast» (Mein Vaterland»). Er schrieb es auf dem Land, wo er mit seiner zweiten Frau und Kindern zu seiner Schwester hinausgezogen war. Das erste Stück dieses 6-teiligen Zyklus heisst Vyšehrad, es handelt sich um die Burg an der Moldau, an deren Fuss er 10 Jahre später begraben wurde..


Bedrich Smetana
Bedrich Smetana



Dvořák Museum


Dieses kleine Museum, etwas ausserhalb des Zentrums Prags ist in einer wunderschönen Villa untergebracht und bringt das Leben und Wirken des Komponisten näher.


Dvořák Museum, Prag
Dvořák Museum, Prag



Späte Entdeckung durch Brahms: Geboren 1841 im ländlichen Böhmen wurde Prag ab Beginn seines Musik-Studiums 1857 zum Lebensmittelpunkt. 20 Jahre lang lebt er als mausarmer Student und Orchestermusiker in der tschechischen Hauptstadt. Daneben komponiert er kleinere Werke, aber erst mit einem Stipendium von 1874 war es ihm möglich, genügend Zeit für größere Werke aufzubringen. 1877 erfolgte der Durchbruch mit den lobenden Erwähnungen zuerst durch den berühmten Kritiker Hanslick und dann vor allem durch den Zuspruch Johannes Brahms’. In dieser Zeit erfolgten aber auch die Tragödien der zwei Kindstode, die ihn während der Arbeit zum Stabat Mater erschütterten.


Triumph in den USA: In dieser Zeit erfolgten aber auch die Tragödien der zwei Kindstode, die ihn während der Arbeit zum Stabat Mater erschütterten. In den 80er Jahren verhalfen ihm Konzertreisen nach England zu Wohlstand und anfangs der 90er Jahre erfolgte der 2-jährige Aufenthalt in den USA mit der umjubelten Uraufführung seiner 9. Sinfonie in New York, welches ihm zu Berühmtheit verhalf. 1904 starb Dvořák in Prag.


Antonin Dvořák
Antonin Dvořák



Reiseziel Janáček Gedenkstätte


Janáčeks Haus (ab 1910) und die angeschlossene Musikschule bilden die Gedenkstätte des mährischen Komponisten. Das Haus ist im Originalzustand, das Arbeitszimmer und sein Klavier wo er seine wichtigsten Werke nach 1910 schrieb, sind Bestandteil der Besichtigung.


Janáčeks Arbeitszimmer:


Reiseziel Janáček Gedenkstätte
Reiseziel Janáček Gedenkstätte

Lebenschwerpunkt in Brünn: Janáček kam als Jugendlicher ins mährische Brünn. Nach einem kurzen Musik-Studium in Prag liess er sich im Brünn nieder. Er heiratete eine ehemalige Klavierschülerin und wurde Leiter einer Musikschule. Er komponierte neben seinem Beruf, sein erstes Meisterwerk, die Oper «Jenufa», begann er 1894, beendete es aber erst 1904 mit einer Uraufführung im Nationaltheater Brünn. Es blieb aber weitgehend unbeachtet, erst eine 1916er Fassung machte das Werk (zusammen mit einem Aufsatz Max Brods in Deutschland) bekannt und der mittlerweile 62-jährige bekam zum ersten Mal breitere Aufmerksamkeit.


Später Durchbruch als 62-jähriger in Prag: Janáček verbrachte sein künstlerisch aktives Leben in Brünn. Trotzdem war Prag für sein Werdegang 1916 schicksalshaft. Endlich, nach quälend langen 12 Jahren entschloss sich Prag die «Jenufa» aufzuführen, die in Brünn bereits 1904 uraufgeführt wurde. Zwar wurden am Werk einige Änderungen gemacht, aber dank der Aufführung und einem in Deutschland publizierten Artikel Max Brods wurde das Werk berühmt und Janáček 62-jährig erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.


Leos Janáček
Leos Janáček



Mozart Gedenkstätte Betramka (evt. noch geschlossen)


Auf Einladung eines Prager Anhängers namens Dusek und seiner Frau verbrachte Mozart auf diesem Lustschlösschen ein paar Monate in diesem ehemals ländlichen Anwesen, welches heutzutage im Prager fünften Bezirk liegt. Er komponierte hier seinen «Don Giovanni» zu Ende. 1791 kam er nochmals hierhin zurück um seine «Clemenza di Tito» fertigzustellen. Dieses ehemals schöne Anwesen und bedeutendes Mozart-Denkmal wurde zeitweise durch eine Mozart Gesellschaft in Schuss gebracht, benötigt aber mittlerweile einige Investitionen. Es wurde 2013 geschlossen und wurde 2019 vom Staat in den Rang eines Nationaldenkmals erhoben. Wann die Wiedereröffnung geplant ist, ist unklar.



Mozart Gedenkstätte Betramka (evt. noch geschlossen)
Mozart Gedenkstätte Betramka

DENKMÄLER



Smetana Denkmal Prag


Am Ende der Novotného lávka, vor dem Museum von Bedřich Smetana, wurde 1984 ein Denkmal für den Komponisten enthüllt.


Smetana Denkmal Prag
Smetana Denkmal Prag

Dvořák Statue


Die Bronze-Statue Dvořáks steht imposant vor dem schönen Rudolfinum-Konzerthaus.


Dvořák Statue vor dem Rudolfinum:
Dvořák Statue vor dem Rudolfinum:



GRÄBER UND GRABSTÄTTEN VON BERÜHMTEN MUSIKERN



Friedhof Vyšehrad: Bedrich Smetana


Smetana wurde auf diesem Friedhof auf dem Gelände der Burg begraben. Seine physische und psychische Gesundheit verschlechterte sich in den letzten Lebensjahren und er musste in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden, wo er verstarb.


Smetanas Grab:


Friedhof Vyšehrad: Grab von Smetana
Friedhof Vyšehrad: Grab von Smetana

Vyšehrad ist eine Burg mit Burgwall an der Donau bei Budapest. Smetana hat in seinem Zyklus “Ma vlast” nicht nur der Donau ein Denkmal gesetzt sondern auch diesem Ort. Dort befindet sich auch der Ehrenfriedhof Prags, wo sich auch Smetanas letzte Ruhestätte befindet





Antonin Dvořák: Friedhof Vyšehrad


Dvorak wurde auf diesem Friedhof auf dem Gelände der Burg begraben, tausende von Personen begleiteten den Leichnam auf dem Weg zum Friedhof.


Antonin Dvořák: Grab auf dem Friedhof Vyšehrad
Antonin Dvořák: Grab auf dem Friedhof Vyšehrad



HOTELS UND DIVERSES


Hotel & Café Imperial


Ein wunderschönes Hotel: Hier in diesem wunderschönen, 1914 gebauten Jugendstil-Hotel stieg Janáček in seinen Prag Besuchen ab. Auch Franz Kafka war ein regelmässiger Besucher des wunderschönen Café Imperials (Na Poříčí 15, Prag 1).



Hotel & Café Imperial Prag, Restaurant
Hotel & Café Imperial




Palais Pachta (Smetana Hotel)


Im Alter von dreizehn Jahren besuchte Wagner Prag und verliebte sich unglücklich in die Tochter eines musikbegeisterten Adligen und Bekannten der Familie, bei der er wohnen durfte. Ein Jahr später kam er noch einmal zu Fuß aus Dresden, weil er kein Geld für den Transport hatte. Zwei weitere Male besuchte er später die Pachtas, jedes Mal in Begleitung seiner Frau. Dieses Schloss existiert noch immer und der schöne romantische Innenhof bezaubert auch heute noch. In dem Gebäude befindet sich das schöne Boutique-Hotel Smetana.


Palais Pachta (historisch):
Palais Pachta (historisch):

Smetana Hotel:


Smetana Hotel Prag


Smetana Hotel Prag
Smetana Hotel Prag



Janáček Spaziergang


Im Internet ist eine Webseite (zurzeit nur auf Tschechisch und deutsch) verfügbar mit einem Pfad durch Brünn auf den Spuren Janaceks:



Historisches Brünn:
Historisches Brünn:



Burg Schreckenstein / Strekow


Eine malerische Burg: Diese Burg thront malerisch auf einem Felsen über der Elbe. Viele Maler wie beispielsweise Caspar David Friedrich weilten auf der Burg.


Inspiration für Richard Wagner: Als Wagner die Burg sah, arbeitete er gerade am Tannhäuser und er war begeistert. In seinen Memoiren berichtete er später:

«Hierzu reizte es mich auf dem so romantisch gelegenen Schreckenstein, wo ich für mehrere Tage in dem kleinen Gastzimmer, in welchem des Nachts mir eine Streu aufgemacht wurde, mein Quartier nahm. Tägliche Besteigung der Wostrai, der höchsten höchsten Bergspitze der Umgegend, erfrischten mich, und die phantastische Einsamkeit regte meinen Jugendmut in der Art wieder auf, daß ich eine volle Mondnacht, in das bloße Bettuch gewickelt, auf den Ruinen des Schreckensteins herumkletterte, um mir so selbst zur fehlenden Gespenstererscheinung zu werden, wobei mich der Gedanke ergötzte, von irgend jemand mit Grausen wahrgenommen zu werden. Hier setzte ich denn nun in mein Taschenbuch den ausführlichen Plan zu einer dreiaktigen Oper “Der Venusberg” auf, welchem vollkommen getreu ich später die Dichtung ausführte.»

An diesen denkwürdigen Aufenthalt erinnert heute eine Gedenktafel am Burgeingang.


Toller Ausblick vom Restaurant über die Elbe. In der Wintersaison ist die ganze Anlage geschlossen.


Schreckenstein:


Burg Schreckenstein / Strekow
Burg Schreckenstein / Strekow



Tschechei und Prag – Reiseführer für Oper und Klassik

Kommentare


bottom of page