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Turandot von Giacomo Puccini- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes

  • peter
  • vor 6 Tagen
  • 13 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Turandot von Giacomo Puccini- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes
Turandot von Giacomo Puccini- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes

Viele Kenner erachten Turandot als das letzte grosse Werk das für die Gattung Oper die geschrieben worden ist. Falls dies der Fall ist, dann endete diese Gattung mit einem wahrhaften Meisterwerk.


Eine Video-Dokus der Oper "Turandot"


Turandot von Giacomo Puccini- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes

 


Steckbrief Turandot von Giacomo Puccini


URAUFFÜHRUNG: Mailand, 1926 LIBRETTO: Giuseppe Adami und Renato Simoni, basierend auf persischen und chinesischen Sagen und auf Schillers «Turandot».


DIE HAUPT PERSONEN: Turandot, Prinzessin (Sopran) - Altoum, Kaiser von China, Vater Turandots (Tenor) - Timur, Entthronter König der Tartaren (Bass) - Calaf, Prinz und Sohn des Timurs (Tenor) - Liù, Sklavin des Timurs (Sopran) - Ping, Pang, Pong, drei chinesische Minister (Bariton, Tenor, Tenor)


AUFNAHME EMPFEHLUNG: DECCA, Luciano Pavarotti, Joan Sutherland, Montserrat Caballé und Nicolai Ghiaurov unter der Leitung von Zubin Metha und dem London Philharmonic Orchestra und dem John Aldis Choir.


AUFNAHME EMPFEHLUNG: DECCA, Luciano Pavarotti, Joan Sutherland, Montserrat Caballé und Nicolai Ghiaurov unter der Leitung von Zubin Metha und dem London Philharmonic Orchestra und dem John Aldis Choir
AUFNAHME EMPFEHLUNG: DECCA, Luciano Pavarotti, Joan Sutherland, Montserrat Caballé und Nicolai Ghiaurov unter der Leitung von Zubin Metha und dem London Philharmonic Orchestra und dem John Aldis Choir


Handlung


a) Kurzhandlung:


Die grausame Prinzessin Turandot lässt jeden Freier hinrichten, der ihre drei Rätsel nicht lösen kann, doch der fremde Prinz Kalaf besteht die Prüfung und stellt ihr im Gegenzug eine eigene Bedingung: Erfahre sie bis zum Morgen seinen Namen, dürfe sie ihn töten lassen.


Nachdem sich die treue Sklavin Liu aus Liebe zu Kalaf selbst getötet hat, statt ihn zu verraten, schmilzt Turandots Herz durch Kalafs Kuss, und sie erklärt seinen Namen schliesslich öffentlich mit dem Wort »Gemahl«.



b) Detail Handlung


1. AKT:


In der Kaiserstadt Chinas. Ein Mandarin verkündet dem Volk, dass die Prinzessin denjenigen Adligen heirate, der die drei Rätsel lösen kann. Gelingt ihm dies nicht, muss er sterben. In wenigen Augenblicken wird der bisher letzte Bewerber auf dem Platz hingerichtet. (Popolo di Pechino)


Der greise Tartaren König Timur ist mit seiner Dienerin Liù auf der Flucht und befindet sich unter dem versammelten Volk auf dem Platz. Er wird von der Meute umgestoßen und von einem jungen Mann gerettet. Es ist Prinz Calaf, der in Timur seinen totgeglaubten Vater erkennt.


Das Volk erwartet gespannt die angekündigte Hinrichtung. (Gira la cote) Der Mond geht über dem Platz auf. (Perche tarda la luna) Knaben verkünden die Ankunft der Verurteilten auf dem Platz. (Là sui monti dell’ Est)


Beim Anblick des Verurteilten verspürt das Volk Mitleid. Calaf ist angewidert von der Grausamkeit der Prinzessin. (O giovinetto) Die Prinzessin erscheint und ist taub für die Gnadengesuche des Volkes. Bei ihrem Anblick ist Calaf plötzlich wie verwandelt. (La grazia, principessa … O divina bellezza)


Timur erkennt die Situation und versucht Calaf wegzubringen. Doch zu spät. Auch die Warnungen der drei Minister Ping, Pong, Pang können Calaf nicht abhalten, sich um die Hand von Turandot zu bewerben. Liù hat sich heimlich in Calaf verliebt und versucht ihn von seinem Plan abzubringen. (Signore ascolta)


Calafs Entschluss steht fest. Er bittet Liù für seinen Vater zu sorgen, falls er am nächsten Tag sterben muss. (Non piangere Liù) Noch einmal versuchen alle, Calaf von seinem Plan abzubringen. Doch vergeblich. Mit drei Gongschlägen kündigt er seine Bewerbung an.


2. AKT:


Seit dem unheilvollen Entschluss der Prinzessin sind unruhige Jahre in China vergangen und viele Prinzen wurden hingerichtet. Der neueste Bewerber bringt den Palast in hektische Vorbereitungen. Die Minister träumen von den schönen Zeiten, als sie in Ruhe ihr Haus in Honan genießen konnten. (Ho una casa nell’Honan)


Die Minister denken an die vielen Bewerber, die sterben mussten. Doch nun geht es an die Arbeit. Nicht zuletzt muss nach der kommenden Schicksalsnacht am folgenden Tag eine Trauer oder Hochzeitsfeier vorbereitet werden.


Ein Trompetenklang verkündet den Beginn der Rätsel-Zeremonie. Gelehrte treten auf. Sie tragen die Seidenrollen mit den Rätseln. (Gravi, enormi ed impotenti) Calaf tritt vor den Kaiser. Dieser versucht Calaf zu überzeugen, dass schon genug Blut geflossen sei und er die Stadt verlassen soll. Doch Calafs Entschluss ist gefasst. Turandot tritt auf und erklärt den Grund für das blutige Edikt. Einst hatte ein fremder König eine Vorfahrin Turandots getötet. Und nun liegt es an ihr Rache zu nehmen.


Die Rätsel sind beinahe unlösbar. Denn kein Prinz soll Turandot je haben. Sie spricht zu Calaf: Drei sind die Rätsel, einer ist der Tod. Leidenschaftlich erwidert Calaf, nein, drei sind die Rätsel, eines ist das Leben! (O principi)


Turandot stellt das erste Rätsel: «In der düsteren Nacht schwebt ein schillerndes Phantom. Jeder sehnt sich nach ihm. Doch es entschwindet mit der Morgenröte und entsteht jede Nacht neu». Calaf zögert nicht und Ruft «die Hoffnung». Die Gelehrten nicken. (Straniero ascolta… si rinasce!)


Turandot stellt das zweite Rätsel: «Lodernd gleich der Flamme, doch eine Flamme ist es nicht. Manchmal rasend und ungestüm. Bei Untätigkeit erstirbt es, doch träumst Du von Siegen lebt es auf. Seine Farbe ist der des Sonnenuntergangs». Calaf zögert nicht und Ruft «das Blut». Die Gelehrten nicken.


Turandot stellt das dritte Rätsel: «Es ist Eis, das durch Feuer noch mehr zu Eis wird. Wenn es dich frei will, knechtet es dich. Nimmt es dich zum Knechte, so macht es zum König Dich«. Calaf zögert nicht und ruft «Turandot». Die Gelehrten nicken. Die Menge feiert den Sieger und freut sich über das Ende des grausamen Spiels.


Turandot ist geschockt und fleht ihren Vater an, sie nicht in die Arme des Fremden zu lassen. Doch dieser erinnert sie an den heiligen Schwur. Zur Überraschung aller erklärt Calaf, dass er die Heirat nicht erzwingen werde. Er selbst wolle ihr ein Rätsel aufgeben. Sollte sie bis zum Tagesanbruch seinen Namen nennen können, könne sie über sein Schicksal entscheiden. (Ai tuoi piedi)


3. AKT:


Die Herolde verkünden im kaiserlichen Palast, dass niemand schlafen dürfe. Alle haben die Pflicht nach dem Namen des fremden Prinzen zu forschen. Calaf erwartet im Pavillon den kommenden Morgen. (Nessun dorma) Ping, Pang und Pong versuchen Calaf zu bewegen, die Stadt vor dem Morgengrauen zu verlassen, denn er wisse nicht um die Grausamkeit der Prinzessin.


Sie werde nicht vor Folter zurückschrecken, um Calafs Namen zu erfahren. Turandot erscheint und Schergen schleppen Timur und Liù herbei. Calaf behauptet, dass die beiden seinen Namen nicht kennen. Doch um den König zu retten, behauptet Liù, sie allein kenne seinen Namen.


Triumphierend befiehlt Turandot sie zu foltern. Überrascht fragt Turandot, was sie dazu bringt, die Folter zu ertragen. Liu antwortet ihr «Liebe». Dann entreißt sie einem Soldaten den Dolch und ersticht sich. (Tanto amore segreto… Tu che di gel sei cinta) Timur beklagt den Tod seiner Sklavin. (Liù sorgi)


Calaf wirft Turandot die Grausamkeit vor. Er geht zu Turandot, entfernt ihren Schleier vom Gesicht und küsst sie. Dies verwandelt Turandot und sie gesteht, dass sie sich vor ihm fürchtete, aber auch ein Gefühl der Liebe empfand. Er solle jetzt aber die Stadt verlassen.


Da gibt Calaf ihr seinen Namen preis und gibt sein Leben in die Hände der Prinzessin. Die Stunde der Prüfung sein nun gekommen. Es ist morgen und Turandot tritt vor den Kaiser und verkündet triumphierend, dass sie den Namen des Fremden wisse. Sein Name sei … «Liebe». Calaf und Turandot umarmen sich. (Del primo pianto… So il tuo nome)



Kommentar


Libretto:


Die Geschichte der Turandot entstammt vermutlich einer alten persischen oder chinesischen Legende. Puccini hatte die Schiller’sche Version in einer Version von Reinhard in Berlin gesehen. Simoni und Adami erschufen daraus ein großartiges Libretto, welches die drei Hauptpersonen (Liù, Calaf, Turandot) glänzend zeichnet.



Schwierigkeiten:


Der Kompositionsprozess dieser Oper war nicht geradlinig. Er dauerte über drei Jahre und Puccini schwankte zwischen Depression und Euphorie. Mehr als einmal schrieb er seinem Verleger Ricordi, dass er aufhören wolle. «Wie die Wandlung von Turandot von einer eiskalten Person zur liebenden Frau zu lösen sei, belastete Puccini und führte seine schöpferischen Energien in die Dauerkrise» (Uecker, Puccinis Opern).



Die Rolle der Liù und der Turandot:


Turandot ist nicht die gefühlvolle Frau, die opferbereit stirbt wie Manon, Butterfly oder Tosca und wie weit weg ist sie von Mimi! Turandot ist gefühlskalt und überlegt, und es

kostete Puccini viel Energie sich in diese Rolle hinein zu fühlen. Gut möglich, dass dies einer der Hauptgründe war, dass es Puccini nicht gelang die Oper fertig zu schreiben.


Puccini schrieb für Turandot eine dramatische Rolle, die Stimmbänder aus Stahl erfordert, schon ihre Auftrittsarie «In questa reggia» ist ein ungeheurer Kraftakt. Puccinis Emotionen gehören Liù, der kleinen Frau, dem Underdog der Handlung.


Giacomo Puccini
Giacomo Puccini

Er schenkt ihr die schönsten Themen, nicht Turandot, drei der sechs Arien dieses Werks ertönen aus Liùs Mund. Es ist kein Zufall, dass Puccini an der Stelle gestorben ist, an der auch Liù sich von der Erde verabschiedet. Die Verse zu ihrer Arie sollen sogar von ihm stammen.



Die Tenorrolle:


Die Rolle des Calaf nimmt neben der des Rodolfo die wichtigste Stellung einer Männerrolle in Puccinis Werk ein. Calaf ist in dieser Oper die Lichtgestalt und muss deswegen die Aufgabe einer herausgestellten dramatischen Rolle annehmen, welche Puccini mit einer sehr hoch geschriebenen Tessitura einlöst. Der Tenor muss ständig in hohen Stimmlagen gegen ein bläserlastiges, großes Orchester ansingen und in Massenszenen gehört werden.



Das Orchester, der Chor und die Massenszenen:


Puccini räumte in «Turandot» dem Klang des Orchesters eine wichtige Rolle ein. Neben dem chinesischen Kolorit spielen dabei Massenszenen mit gleißendem Sound eine wichtige Rolle, Blechbläser und Perkussionsinstrumente wie Glockenspiele, Xylophone oder Celesta bringen eine neue Tonqualität in Puccinis Musik.


Puccini hat das Orchester der italienischen Oper mit diesem Werk in Richtung der Zeitgenossen wie Mahler, Berg oder Korngold geöffnet. Hören Sie beispielsweise den Aufmarsch des Kaisers «Gravi, enormi ed impotenti» aus dem zweiten Akt an. Auch die Inszenierung wurde anspruchsvoller und gigantischer . Die Massenszenen der Oper stellen kleinere Bühnen vor kaum zu lösenden Problemen mit dem Resultat, dass das Werk fast ausschließlich in größeren Opernhäusern oder Festspielorten zu sehen ist.


Zudem hat Puccini die Größe des Chors noch einmal gesteigert. In keinem anderen Werk Puccinis ist dieser Part grösser besetzt. Meisterhaft ist die Chorszene der Anbetung des Mondes («Perché tarda la luna»).



Ping, Pong und Pang:


In der Manier Shakespeare'scher Narren kommentieren die drei Minister zynisch den Wahnsinn der Handlung. Sie müssen in erster Linie ausgezeichnete Schauspieler sein. Puccini stellt ihnen mit der langen Szene des zweiten Akts und dem schönen Stück «Ho una casa nell‘Honan» auch musikalisch eine schwierige Aufgabe.



Tod und Uraufführung:


Bereits tödlich erkrankt, konnte Puccini die Oper nicht mehr vollenden. Puccini musste am 24. November 1924 nach Brüssel zu einer riskanten Operation eines Kehlkopfkrebses (Puccini war ein starker Raucher). Noch galt es das schwierige Schlussduett in Angriff nehmen und er schrieb auf die Skizzen dieses Duetts: «Poi Tristano». Fünf Tage später verstarb er.


Auf Beschluss seines Verlegers Ricordi, Puccinis Familie und Arturo Toscanini wurde der Komponist Franco Alfano mit der Fertigstellung des Werkes beauftragt. Basis waren viele vorhandene Skizzen. Es gab zwischen Alfano und Toscanini einige Streitereien, da die Musik nach Toscaninis Ansicht nicht dem Willen Puccinis entsprach («Zuviel Alfano und zu wenig Puccini»), da der Schluss zu bombastisch wurde. Die Uraufführung fand 1 1/2 Jahre nach dem Tode Puccinis in Mailand statt. Arturo Toscanini, der Dirigent der Uraufführung, brach nach Liùs Todesmusik die Uraufführung im dritten Akt ab mit den Worten «Hier endet das Wort des Meisters». Der Vorhang schloss sich. Zuerst breitete sich Stille aus, bis es in eine nicht enden wollende Ovation für den verstorbenen Meister ausbrach.






Die schönsten Stellen


Popolo di Pechino:


Die Musik eröffnet mit einer Harmonie, die weder Dur noch Moll ist und erinnert an den berühmten Tristan Akkord Wagners. Bald tauchen wir in die Musik mit fernöstlichem Kolorit ein.



Gira la cote:


Es ist eine dieser grossen Massenszenen, die Puccini so meisterhaft beherrschte.

Perché tarda la luna: Die Anbetung des Mondes ist eine der meisterhaft komponierten Chorszenen Puccinis.




Là sui monti dell’ Est:


Ein schönes Stück für einen Kinderchor, der eine traditionelle chinesische Melodie singt («Jasmin Blume»), welche in der Oper mehrmals erklingt.



O giovinetto:


Mit einem prachtvollen Trauermarsch («Andante triste») begleitet Puccini die Prozession.

La grazia, principessa … O divina bellezza: Mit glanzvoller Musik, begleitet von den Hymnen des Volkes, erscheint Prinzessin Turandot.



Signore ascolta:


Obwohl dieses Stück nach Puccini tönt, entstammt die Melodie aus der chinesischen Kultur. Die ganze Singstimme ist nur mit den fünf pentatonischen Tönen der schwarzen Klaviertasten komponiert, aber mit westlicher Harmonik begleitet.


Die Melodie ist einfach aber höchst effektiv, Puccini hat die Stimme bewusst zurückhaltend begleitet. Diese Arie ist herausfordernd, denn die Sängerin der Liù muss aufgrund der Kürze der Arie die Emotionen in einer kurzen Zeitspanne rüberbringen. Flehen, Liebe und Bescheidenheit gepaart mit Hoffnung müssen in schönstem Legato glaubwürdig ausgedrückt werden. Auch Verzweiflung und Zärtlichkeit müssen durchschimmern. Eine wahre Herkulesaufgabe!



Non piangere Liù:


Wir hören eine weitere zauberhafte Melodie. Puccinis Melodiereichtum hat auch in seiner Spätphase nicht nachgelassen. Die Bögen sind sogar noch schöner und länger geworden.



Ho una casa nell’Honan:


Puccini schreibt für die drei Minister eine nostalgisch schwärmerische Melodie. Die drei träumen von ihren Kostbarkeiten, der eine von den Wäldern nahe bei Tsiang, der zweite vom Garten in Kiu und der dritte von Häuschen in Honan. Dieses Stück ist Puccini in Reinkultur, der selbst eine höchst nostalgisch veranlagte Person war.



Gravi, enormi ed impotenti:


Eine weitere Massenszene. Aufführungen der Turandot sind immer auch ein Genuss für Augen, bei dem exotische Bühnenbilder den Zuseher erwarten. Mit feierlicher Musik treten die Gelehrten auf und tragen den Schrein mit den Rätseln auf den Platz, mit einer expressiv komponierten musikalischen Begleitung.



In questa reggia:


Die Hälfte des Werks ist vorbei, mit dem ersten Auftritt der Turandot wechselt die Klangfarbe. Selten hat Musik einen Charakter so gleißend charakterisiert wie diese Arie. Es ist eine Musik die Kälte, Strenge und doch auch Melancholie ausstrahlt, die die Frustration mit beinahe psychopathischen Zügen beschreibt. Die Musik schwingt sich in immer höhere Register und mehrfach erreicht sie das hohe H, zum ersten Mal, als sie den Schrei imitiert, den die Prinzessin Lou-Ling seinerzeit ausstieß.



O principi:


Hymnische Musik ertönt. Unter großer Anstrengung müssen die Sänger das von schwerem Blech unterstützte Orchester übertönen.



Straniero ascolta… si rinasce!:


Nur von fahlen Trommelschlägen begleitet, verkündet Turandot mit kalter Stimme das erste Rätsel.



Ai tuoi piedi:


Mit den Klängen der kaiserlichen Hymne endet der zweite Akt. Puccini hat die chinesische Harmonik eingehend studiert. Insgesamt finden wir acht originale chinesische Melodien in dieser Oper, wovon die Kaiser Hymne eine davon ist.



Nessun Dorma:


Puccini wandte sich schon früh von der «verdischen» Art der Tenor Arie ab. Auch wenn diese Arie glanzvoll ist, so ist sie bedeutend kürzer und mehr in die Handlung eingebunden als die seines Vorgängers. Für Puccini stand immer der dramatische Fluss im Vordergrund.



Sich lange wiederholende Arien standen dem im Wege. Gedämpfte Streicher begleiten den Prinzen und verströmen eine nächtliche Stimmung. Doch Calaf ist sicher, er wird die Prinzessin erobern. Und wir hören eine der großen (typischen) Puccini Arien, welche das bekannteste Stück der Turandot wurde, wenn nicht sogar der Opernmusik.


Tanto amore segreto … Tu che di gel sei cinta:


Liùs Abschied beginnt schlicht. Eingeführt und begleitet von einer Solo Violine erzählt Liù von ihrer Liebe zu Calaf. Die Arie «Tu che di gel sei cinta» beginnt piano und mit Verzweiflung in ihrer Stimme. Mit «Perché egli vinca» gewinnt sie Sicherheit und schließlich geht die Arie in ein großartiges und nostalgisches crescendo zu «Prima di quest aurora» und endet in dem verzweifelten Schrei mit der Ahnung des kommenden Todes.



Liù sorgi:


Der blinde Timur beugt sich über die Tote. Mit schönen Passagen des Chors erzeugt Puccini eine untröstliche Atmosphäre.



Del primo pianto… So il tuo nome:


Dieser Schluss ist für den Zuseher überraschend. Denn als Person hat sich Turandot in dieser Oper nur wenig entwickelt. Zudem ist die Liebe der Turandot überschattet vom Tod der Liù, den Sie mit dem Folterbefehl ausgelöst hatte. Diesem ungelösten Problem stand Puccini gegenüber und es erscheint, dass ihm keine befriedigende Lösung zur Verfügung stand.



Große Aufnahmen in YouTube



Signore ascolta – Montserrat Caballé: Hören die Interpretation von Montserrat Caballé dirigiert von Zubin Mehta: ein entrückt gesungenes Piano mit einem himmlischen Schluss. Ihre weichen Piani sind das perfekte Gegenstück zur metallischen, kalten Turandot.



Signore ascolta – Lotte Schöne: Eine zweite, großartige Aufnahme hören Sie von Lotte Schöne. Sie war die erste Liù im deutschsprachigen Raum. Unbedingt reinhören in die Aufnahme aus 1928.



Non piangere Liù – Jussi Björling: Björlings Stimme verleiht dieser Arie eine passende magische melancholische Stimmung.



In questa reggia – Birgit Nilsson: Birgit Nilsson war die Turandot ihrer Zeit. Die Kraft ihrer Stimme war Legende. Eine Anekdote dazu: während einer Aufführung von Turandot in der Arena di Verona, rief ein Anwohner die Feuerpolizei an. Er verwechselte den Ton ihres hohen Ces, mit dem eines Feuer Alarms…



Nessun dorma - Luciano Pavarotti: Sein hohes Schluss-H ging 1990 anlässlich der Fußballweltmeisterschaft um die Welt.



3 Fun Facts


1. In den letzten Jahren war Puccinis Gesundheit angegriffen und er fürchtete sich sehr vor dem Tod. Zu seinem Entsetzen druckte eine römische Zeitung irrtümlicherweise einen Nachruf auf sein Ableben. Sie verwechselte ihn mit dem verstorbenen Schriftsteller Fucini.


2. Zu Plàcido Domingo gibt es eine nette Anekdote aus einem Auftritt mit Birgit Nilsson. Als die beiden 1969 Turandot in der Arena di Verona sangen, war Domingo erkältet. Bei der Schluss-Szene küsste Domingo die Schwedin so lange, dass das Publikum schrie «Eee basta, basta» («Hallo, das genügt»). Und Nilsson hatte ein paar Tage später Tonsillitis. Nilsson meinte später aber, dass es das wert war, neben Domingo zu singen.


3. Franco Corelli war ein Tenor, der neben dem guten Aussehen, das hatte, was die Italiener Squillo nennen, nämlich ein Stimmvolumen, das scheinbar Stahl durchschneiden kann. Mit einer breiten Brust und großem Lungenvolumen ausgestattet, kannte er auf der Bühne mühelos alle aussingen. Franco Corelli wähnt sich unbesiegbar. Bis er auf Birgit Nilsson trifft. Birgit Nilsson war die größte Wagner-Röhre seit Kirsten Flagstadt und kann es mit Corelli im Punkto Stimmvolumen locker aufnehmen. Die beiden treffen in Puccinis Oper Turandot in der New Yorker Met aufeinander. Und das Schreckliche passiert. Die Nilsson hält in einer Duett-Passage einen Spitzenton etwas länger aus als der heißblütige Italiener. Dieser geht in der darauffolgenden Pause zerstört in seine Garderobe. Rudolf Bing, der Direktor der Metropolitan Opera eilt sofort dorthin. Ihn empfängt bereits das Kreischen von Corellis Frau und das Gekläffe des omnipräsenten Hundes. In seiner Wut hat Corelli mit seiner Faust auf den Schminktisch gehauen und sich einen kleinen Holzsplitter eingefangen. Ein kleiner Tropfen Blut hat sich gebildet. Ein Weitersingen sei so unmöglich ruft seine Frau und verlangt nach einer Ambulanz. Bing kommt die rettende Idee. Er schlägt Corelli vor, er solle der Nilsson im Duett des kommenden Aktes anstelle des einstudierten Kusses auf den Hals, ihr ins Ohr beißen. Dieser Gedanken bereitet dem Tenor so viel Vergnügen, dass sich sein Gesicht null Komma plötzlich aufhellt und der Holzsplitter vergessen ist. Als er der Nilsson dies erzählt, verschafft ihm dies dieselbe Befriedigung, als ob er sie tatsächlich gebissen hätte.



Turandot von Giacomo Puccini


Häufig gestellte Fragen zu Turandot (FAQ)



Welches sind die bekanntesten Stücke aus Turandot ?


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Wie lautet die Kurzhandlung von Turandot?


Die grausame Prinzessin Turandot lässt jeden Freier hinrichten, der ihre drei Rätsel nicht lösen kann, doch der fremde Prinz Kalaf besteht die Prüfung und stellt ihr im Gegenzug eine eigene Bedingung: Erfahre sie bis zum Morgen seinen Namen, dürfe sie ihn töten lassen.


Nachdem sich die treue Sklavin Liu aus Liebe zu Kalaf selbst getötet hat, statt ihn zu verraten, schmilzt Turandots Herz durch Kalafs Kuss, und sie erklärt seinen Namen schliesslich öffentlich mit dem Wort »Gemahl«.



Wieso konnte Puccini Turandot nicht vollenden?


Die Arbeit an Turandot erstreckte sich über ein Zeitraum von 3 Jahren. Im letzten dieser 3 Jahre, bereits tödlich erkrankt, konnte Puccini die Oper nicht mehr vollenden. Puccini musste am 24. November 1924 nach Brüssel zu einer riskanten Operation eines Kehlkopfkrebses (Puccini war ein starker Raucher). Noch galt es das schwierige Schlussduett in Angriff nehmen und er schrieb auf die Skizzen dieses Duetts: «Poi Tristano». Fünf Tage später verstarb er.


Auf Beschluss seines Verlegers Ricordi, Puccinis Familie und Arturo Toscanini wurde der Komponist Franco Alfano mit der Fertigstellung des Werkes beauftragt. Basis waren viele vorhandene Skizzen. Es gab zwischen Alfano und Toscanini einige Streitereien, da die Musik nach Toscaninis Ansicht nicht dem Willen Puccinis entsprach («Zuviel Alfano und zu wenig Puccini»), da der Schluss zu bombastisch wurde. Die Uraufführung fand 1 1/2 Jahre nach dem Tode Puccinis in Mailand statt. Arturo Toscanini, der Dirigent der Uraufführung, brach nach Liùs Todesmusik die Uraufführung im dritten Akt ab mit den Worten «Hier endet das Wort des Meisters». Der Vorhang schloss sich. Zuerst breitete sich Stille aus, bis es in eine nicht enden wollende Ovation für den verstorbenen Meister ausbrach.




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