Weimar und Thüringen – Reiseführer für Oper und Klassik
- peter
- 18. Juli
- 9 Min. Lesezeit

Weimar und Thüringen – Reiseführer für Oper und Klassik
Besuchsziele mit Bezug zur klassischen Musik und Opernkunst. Lernen Sie spannende Ideen und Hintergrund-Informationen kennen.
Orte auf Google Maps: Zoomen Sie auf Venedig ein
Berühmte Musiker mit speziellem Bezug zu Thüringen
Johann Sebastian Bach
Thüringen war neben Sachsen / Leipzig die zentrale Stätte seines Wirkens
Dabei hat er in verschiedensten Ortschaften gelebt und gewirkt
Erfurft Stammortschaft der Bach Familie: Johann Sebastian Bach hat zwar nie in Erfurt gewohnt, aber den Ort für Familienfeste öfters besucht.
Erfurt darf mit Fug und Recht als die Wiege der Bachfamilie bezeichnet werden. Über 150 Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen sind in der Kaufmannskirche (siehe weiter unten) registriert, in der unter anderem Luther gepredigt hatte.

In dieser Kirche heirateten auch Johann Sebastian Bachs Eltern.
Franz Liszt
Liszt fand hier Zeit fürs Komponieren: Weimar war eine der wichtigsten Lebensstationen Liszts. Von 1842 bis zu seinem Tod 1886 war Weimar sein zeitweiliger und teilweiser Lebensmittelpunkt. Die Verbindung zu Weimar begann 1841 mit einem Konzert, bei der die musikbegeisterte Fürstin Anna Pawlowa Liszt für eine ausserordentliche Kapellmeisterstelle am Hoftheater gewinnen konnte.
Die Besuche in Weimar blieben aber sporadisch, erst nachdem Liszt 1847 Carolyne zu Sayn-Wittgenstein kennengelernt hatte liess sich Liszt zusammen mit ihr nun als ordentlicher Kapellmeister in Weimar nieder und sie zogen Sie in die Altenburg, wo seine produktivste Komponistentätigkeit begann, die 12-Jahre lang in relativer Zurückgezogenheit dauerte und deren Höhepunkt seine Klavier-Sonate in h-Moll war. Hier besuchte Richard Wagner ihn 1849 auf seiner Flucht von Dresden, bei der Liszt ihm zur Weiterflucht nach Zürich verhalf. Ein Jahr später erfolgte die Uraufführung von Wagners «Lohengrin» im Hoftheater von Weimar unter der Leitung von Liszt unter Abwesenheiten des Komponisten, der im Exil in Zürich feststeckte.
Er machte Weimar zu einem künstlerischen Zentrum mit internationaler Ausstrahlung
Liszt wirkte in Weimar als Klavier Pädagoge später berühmter Musiker. Hans von Bülow, Emil von Sauer, Carl Tausig, Peter Cornelius und viele andere waren oft in Weimar bei Liszt.
Weil seine Frau reich geerbt hatte konnte Liszt auf ein Honorar verzichten und viele der Schüler wurden zu einer verschworenen Truppe, die den Kern der Neudeutschen bildeten (in späterer Rivalität zu den Traditionalisten um Brahms und Hanslick). 1859 verliess Liszt die Kapellmeisterstelle, als die Aufführung des «Barbier von Bagdad» ausgezischt wurde.
Ab 1869 kehrte er in den Sommermonaten wieder nach Weimar zurück, wo ihm der Fürst im Wohnhaus der Hofgärtnerei ein Stockwerk zur Verfügung stellte (siehe Museen weiter unten). Hier widmete Liszt seine Zeit den vielen Schülern, die ihn besuchten.
KONZERTSÄLE UND OPERNHÄUSER
Hoftheater (heute: Nationaltheater) Weimar
Liszts wichtigste Wirkungsstätte in Weimar: Goethe hatte 1791 die Leitung des Hoftheaters übernommen und führte es zusammen mit Schiller zur Blüte. Später entwickelte Maria Pawlowna, Gemahlin von Großherzog Carl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach zu einem Musiktheater und engagierte 1842 Franz Liszt als Hofkapellmeister. Das Theater wurde in der Folge ein wichtiges kulturelles Zentrum. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde am gleichen Ort ein neues Theatergebäude erstellt.

Es wurde zum Uraufführungsort von Humperdincks «Hänsel und Gretel» im Jahr 1893. Dies durch niemand Geringeren als Richard Strauss, der zeitweise Kapellmeister in Weimar war und auch einige sinfonische Dichtungen hier zum ersten Mal präsentierte.

Meininger Hoftheater (heute: Staatstheater)
Das Orchester hatte Ende des 19. Jahrhunderts den Ruf, vielleicht das beste Orchester Deutschlands zu sein. Eine illustre Reihe von musikalischen Leitern (von Bülow, Strauss, Max Reger) führten die Hofkapelle.

Die Meininger Hofkapelle hat ihren ursprünglichen Namen 2006 wieder aufgenommen, das ursprüngliche Theater war 1908 abgebrannt und durch einen Neubau ersetzt worden, bei dem durch die Sanierung 2011 die ursprüngliche Fassade wiederherstellt wurde. Hier fand die Uraufführung von Brahms 4. Sinfonie statt.
Das hochstehende Theater bietet sowohl Konzerte wie auch Musiktheater an.
Weitere Theaterorte
KIRCHEN
Kaufmannskirche Erfurt
Hier, in der Kaufmannskirche vollzogen sich alle Feierlichkeiten der Bachfamilie, darunter die Heirat von Bachs Eltern (Johann Sebastian Bach wurde in Eisenach getauft).

Kirche St. Georg in Eisenach
Hier wurde Bach getauft: Eisenach ist eine historische Lutherstadt, hier ging Luther 2 Jahre zur Schule, in der Kirche St. Georgen hat er im Erwachsenenalter auch gepredigt. Rund 200 Jahre später wurde Johann Sebastian Bach in dieser Kirche getauft. Der 8-eckige Taufstein trägt die Jahreszahl 1503 und so ist sein Taufbecken noch erhalten.
Bachs Vater musizierte oft in dieser Kirche und auch Johann Sebastian hat hier oft gesungen und erlernte hier das Orgelspiel von einem Verwandten, der Organist in dieser Kirche war. Im alten Friedhof wurden die Eltern Bachs begraben (Gräber existieren nicht mehr).

Kirche St. Georg in Ohrdruf
Hier erwarb Bach eine erste Meisterschaft auf der Orgel mit Hilfe seines älteren Bruders, dazu sang er im Kirchenchor.
Die Kirche St. Michaelis wurde 1945 bei einem Luftangriff bis auf den Turm zerstört. Der Turm wurde restauriert und erhielt eine Aussichtsplattform. Die Kirche St. Michaelis wurde 1945 bei einem Luftangriff bis auf den Turm zerstört. Der Turm wurde restauriert und erhielt eine Aussichtsplattform.

Johann Sebastian Bach Kirche Arnstadt
Es gibt heute noch viele Spuren der Familie Bach in diesem Städtchen, Häuser in denen Teile der Familie Bach gewohnt hatten. Im Stadt Museum kann man den Arbeitsvertrag Bachs sehe. Er musste lediglich an drei Tagen Dienst als Organist in der Bonifatiuskirche versehen und hatte so reichlich Zeit, um zu komponieren.
Weil die Bonifatius-Kirche (heute ist sie nach Bach benannt) nach einem Brand neu gebaut worden war, konnte Bach auf einer funkelnagelneuen Wender Orgel spielen. Diese Orgel wurde seither zwei Mal restauriert und ist heute noch im Einsatz:

Divi Blasii in Mühlhausen
Die imposante Kirche Divi Blasii ist eine von 11 Kirchen der alten Thüringischen Stadt. Interessanterweise hat diese Kirche 1959 eine neue Orgel erhalten, die nach seinen überlieferten historischen Anweisungen für die Orgel in Mühlheim gebaut worden war. Diese Kirche ist heute ein Museum, hier finden regelmässige Konzerte statt (Tickets können über gängige Ticketsanbieter gebucht werden.

Beachten Sie die eingeschränkten Öffnungszeiten!
Bartholomäus-Kirche in Dornheim
Ein Kleinod, wo Bach geheiratet hat: Hier hat Johann Sebastian Bach 1707 geheiratet. Die Hochzeitsgesellschaft kam zu Fuss aus dem nahen Arnstadt. Aus dieser Tradition wurde eine Attraktion, die Kirche ist mittlerweile eine beliebte Hochzeits-Destination geworden und manche Hochzeitsgesellschaft machen es wie die berühmten Bachs und kommen zu Fuss zu dieser romantischen Kirche.

Stadtkirche Peter und Paul Weimar
In dieser lutherischen Kirche wurden sechs Kinder der Bachs getauft (davon 2-mal Nottaufe für die Zwillinge). Der Organist der Kirche war ein Verwandter der Bachs und Johann Sebastian hat in der Kirche mehrfach die Orgel gespielt.

MUSEEN
Bachhaus Eisenach
Ein hervorragendes Bach Museum: Das Bachhaus am Frauenplan 21 ist ein hervorragendes Museum, das dem Besucher das Leben Bachs näherbringt. Es wurde 1907 an diesem Ort in einem der ältesten Gebäude der Stadt (Baujahr 1458) erstellt im (vermutlich) irrtümlichen Glauben, es sei das Geburtshaus Johann Sebastians. Mit der Unterstützung von Sammlungen und Schenkungen wurde es als Museum eingerichtet. Im zweiten Weltkrieg wurde der Dachstock ausgebrannt und rasch saniert. 2007 wurde ein neues Nachbarsgebäude erstellt und das Museum dorthin erweitert.

Im Museum erfährt man die Lebensstationen Bach und begeht historisch eingerichtete Räume:

Dazu hat es einige historische Instrumente (aus Bachs Zeit, aber aus Bachs Besitz sind keine Instrument überliefert), die in stündlich gespielten kurzen Konzerten angehört werden können. Das Gebäude war zur Zeit Bachs gemischt genutzt. Das Parterre war vermutlich ein Stall und der Garten eine Weide und/oder ein Gemüsegarten. Heutzutage ist er als barocker Gemüsegarten eingerichtet:

Vor dem Museum steht die majestätische Bachstatue:

Goethe Haus Weimar
Wo Mendelssohn Goethe traf: Mendelssohn spielte Goethe (wie auch später Clara Schumann) im Goethes Empfangs- und Musiksalon vor, dem sogenannten Juno Zimmer nach dem Abguss, der in diesem Raum steht. Noch heute kann man das Instrument des Weimaraner Flügelherstellers Streicher sehen, auf dem Mendelssohn musizierte.



Junozimmer im Goethehaus am Frauenplan, Weimar, Thüringen, Deutschland, Europa
Schloss Elisabethenburg
Das Herzogpaar befreundete sich mit Brahms und so besuchte der Künstler das Ehepaar öfters und übernachtete auch im Schloss. Dieses Barockschloss ist heute als Museum eingerichtet und hat eine reiche Kunstsammlung und bietet auch Ausstellungsobjekte der Theater- und Musikgeschichte.

Wagner Museum in Eisenach (Reuter-Wagner-Museum)
Ein leidenschaftlicher Wagner-Anhänger namens Oesterlein sammelte kleine und grosse Sachen des Meisters. Vom Theaterzettel bis zur Originalpartitur. Die Stadt Eisenach kaufte die Sammlung und richtete ein kleines Wagner-Museum ein. Es ist neben Bayreuth die bedeutendste Museumsstätte Wagners.
Blick in das Museum:

HÄUSER UND WOHNUNGEN VON KÜNSTLERN
Krämerbrücke Erfurt
Wohnort von Bachs Eltern: Johann Sebastian Bachs Vater bekam in Erfurt seine erste Anstellung als Stadtmusikant. Bei der Prüfung musste er nachweisen, dass er auf 10 Instrumenten spielen konnte. Als Dienstwohnung bezog er das Haus zum schwarzen Ross auf der Krämerbrücke Dieses einzigartige Bauwerk ist die größte bebaute Brücke Europas und ist noch heute im mittelalterlichen Stil mit Fachwerkhäusern. bebaut.
Haus zum schwarzen Ross (ganz hinten):

Altenburg Weimar
Liszt erster Wohnsitz in Weimar: Liszt machte mit seiner Frau Carolyn von Sayn-Wittgenstein die Altenburg während 12 Jahren zu einem kulturellen Treffpunkt mit europäischer Ausstrahlung.
Immer wieder fanden sich Berühmtheiten in seinem Salon ein, der zum Zentrum der Neudeutschen wurde (mit den anfänglichen Liszt und Wagner). Liszt hielt es lange im kleinen Weimar aus und folgendes Bonmot machte die Runde: «Alt-Weimar ist eine grosse Stadt, die 13.000 Einwohner hat. Neu-Weimar ist eine kleine Gemeinde, aber sie hat 13.000 Feinde».
Als Liszt Weimar verliess wurde das gesamte Interieur der Altenburg, welches unermesslich vielen Erinnerungsstücken unterbrachte, aufgelöst und das Liszt Haus wurde zum Zentrum der Erinnerung. Strauss setzte sich später für die Reaktivierung der Altenburg ein, dieses Vorhaben scheiterte aber aufgrund des aufziehenden ersten Weltkriegs. Später wurde die Altenburg zum Ableger des Konservatoriums, Mittlerweile ist es ein Sanierungsfall.

Liszt Haus Weimar (Hofgärtnerei)
Liszt zweiter Wohnsitz in Weimar: An diesem Ort befanden sich ursprünglich das Diensthaus des großherzoglichen Hofgärtners und der Sitz der Hofgärtnerei. Das obere Stockwerk des Gärtnerhauses wurde 1869 für den Bezug durch Liszt neu eingerichtet. Heute ist es ein Musik-Museum unter dem Namen «Liszt-Haus».
Das Wohn- und Arbeitszimmer als zentraler Salon sowie das Schlafzimmer blieben in der ursprünglichen Einrichtung erhalten. Das Liszt Haus kann besichtigt werden, es ist ein Dauerausstellung-Museum auf zwei Stockwerken. In den Räumlichkeiten können viele Memorabilien besichtigt werden und durch den informativen Audioguide bekommt man einen hervorragenden Einblick in Liszts Leben.


SCHLÖSSER
Weimarer Stadtschloss
Das Stadtschloss war in Weimar die wichtigste Wirkungsstätte Bachs. Die meisten kirchlichen Kompositionen wurden für Aufführungen in der sogenannten Himmelsburg komponiert. Diese Kirche ist leider im 18. Jahrhundert bis auf die Aussenmauern abgebrannt. Der auf einem Podest errichtete Altarraum war spektakulär: über dem Altar befand sich ein hoher Baldachin der pyramidenförmig bis zum Dach reichte, wo sich von einem Oberlicht beleuchtet eine Orgel befand, deren Musik von oben her in der Kirche erklang.

Das Stadtschloss ist bis 2030 in ständiger Renovation. Bitte beachten Sie die Besuchsmöglichkeiten.
Wartburg
Sehnsuchtsort Wartburg: Richard Wagner war mehrmals in Eisenach. Zum ersten Mal 1842 und zum zweiten Mal 1849 auf der Flucht nach Dresden. Stets besuchte er die Wartburg, 1872 sogar unfreiwillig, weil er auf Durchfahrt kurz ausstieg und dann der Zug ohne ihn losfuhr. Natürlich bekam die Stadt wegen der Luther-Burg Wartburg, die der Schauplatz seines Tannhäusers wurde, für Wagner eine wichtige Bedeutung und er zeigte sie 1879 Cosima und Siegfried anlässlich seines letzten Besuchs in Eisenach.

DENKMÄLER
Bachstatue Eisenach
Vor der Kirche stand einst die Statue, die jetzt vor dem Bachhaus steht (siehe weiter unten). Unter anderem hatten Liszt und Clara Schumann für sie gespendet. Auf dem Kirchenareal wurde 1900 als Ersatz eine Statue mit einem ernst dreinblickenden Bach erstellt. Es wird vermutet, dass der Künstler ein Gemälde als Vorlage nahm, das fälschlicherweise als Bild von Bach gehalten wurde.
Bachstatue:

Bachstatue Arnstadt
Bach verbrachte Jahre als junger Mann in Arnstadt, wo er nicht verpflichtet war Perücke zu tragen. Deshalb das Antlitz Bachs ohne Perücke. Die Statue ist aber nicht zeitgenössisch, so das Aussehen nicht authentisch zu nennen ist.

Brahms Denkmal Meiningen
Die Bronzebüste im Englischen Garten stammt aus dem Jahr 1898 und war das erste Denkmal, welches nach dem Tode Brahms erstellt wurde.

WERKE MIT BEZUG ZU WEIMAR UND THÜRINGEN
Tannhäuser - Der Sängerkrieg auf der Wartburg
Basierend auf historischen Dokumenten: Wagners Oper trägt den Doppeltitel «Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg», was den Umstand widerspiegelt, dass Wagner die Handlung der Oper hauptsächlich aus zwei Quellen geschöpft hat. Einerseits ist es die Gedichtsammlung des «Sängerkriegs auf der Wartburg» (an dem die beiden berühmtesten Minnesänger Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide teilgenommen haben sollen) und andererseits das Tannhäuserlied über einen Minnesänger mit unstetem Lebenswandel. Wagner kombinierte nun eine erfundene Liebesgeschichte des Tannhäusers und dessen Wallfahrt zum Papst mit dem Sängerkrieg auf dem Schloss des thüringischen Landgrafen. Aus dem Heinrich des Sängerkriegs wurde der Tannhäuser.
Wagner verabeitete Lebensthemen: Ein Außenseiter will die überkommenen Kunstregeln verändern und scheitert am Beharrungsvermögen der Gesellschaft. Tannhäuser und Stolzing sind Brüder im Geiste mit dem Unterschied, dass letzterer die Braut gewinnt und Tannhäuser nicht. Dem Tannhäuser geht es in dieser Oper dreckig, dreimal wird er verflucht, zuerst durch den Thüringer Hof, dann durch die Sängergilde und am Schluss gar durch den Papst. Heil naht immerhin durch Elisabeth, denn sie wiederum ist eine Schwester im Geiste der Senta und opfert sich für den geliebten Tannhäuser. Das Thema der Aufopferung der Frau und die Erlösung des Künstlers zieht sich wie ein roter Faden durch Wagners Lebens.
Link zum Opernportrait des Tannhäuser
Weimar und Thüringen – Reiseführer für Oper und Klassik




Kommentare