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Portrait der Arie LA FLEUR QUE TU M’AVAIS JETÉE (Blumenarie) aus der Oper Carmen von Georges Bizet

  • peter
  • vor 23 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit
Portrait der Arie LA FLEUR QUE TU M’AVAIS JETÉE (Blumenarie) aus der Oper Carmen von Georges Bizet
Portrait der Arie LA FLEUR QUE TU M’AVAIS JETÉE (Blumenarie) aus der Oper Carmen von Georges Bizet


Eine der schönsten Arien der Operngeschichte ist die sogenannte Blumenarie „La fleur que tu m’avais jetée“. Sie führt den Hörer in wenigen Minuten durch die gesammelte Gefühlswelt des Don Jose.



Wenn Sie mehr zur Oper Carmen hören möchten finden Sie hier einen Opernführer Doku:


Video Doku zur Oper Carmen (Handlung, Wissenswertes)


Die Arie LA FLEUR QUE TU M’AVAIS JETÉE - Handlung:


Carmen möchte, dass José sich den Schmugglern anschließt. Sie versucht, ihn in der Schmugglerkneipe davon zu überzeugen, doch José möchte ein ehrliches Soldatenleben führen.

Carmen ist enttäuscht über seinen mangelnden Mut und verspottet ihn. José schwört ihr seine Liebe und erinnert sie an die Blume, die sie ihm auf dem Platz der Tabakfabrik zugeworfen hatte.



Kommentar


In dieser Arie steckt viel Psychologie. Abbate/Parker: „Die Arie wird durch einen geisterhaften orchestralen Rückblick eingeleitet, wobei das wiederkehrende Thema vom Englischhorn gespielt wird, als solle dieses Instrument als gezähmte Kraft etabliert werden … Bei den Worten ‚Et j’étais une chose à toi‘, für die Bizet die Anweisung ‚pp rall e dim‘ vorgesehen hat, schwebt José zu einem hohen B und hält es lang und unglaublich leise. Es ist ein Moment, der stark an das Ende von „Celeste Aida“ erinnert. Nun klingt die Stimme, als wäre sie in eine andere Sphäre hineingezogen worden. José ist so fasziniert von Carmen, dass er in ihre musikalische Welt eintaucht.“


Es gibt einige Passagen, die in dieser Arie besonders hervorstechen. Bereits im Auftakt der Arie komponiert Bizet den Anfang „La fleur“ auf dem Offbeat. Eine interessante Erklärung dafür findet sich im Kommentar zum untenstehenden Video von Jussi Björling.


Eine weitere Passage ist das „Je m’enivrais“, in dem der Tenor die Erinnerung an die Blumenszene zart, aber ausdrucksstark darstellen muss.


Ein wichtiger Höhepunkt ist das „Te revoir, ô Carmen, oui, te revoir! Car tu n’avais eu qu’à paraître“, das mit Verzweiflung gesungen werden muss, bis hin zur völligen Hingabe an der Stelle „Et j’étais une chose à toi“, die der Tenor erschöpft und ohne Orchesterbegleitung flüstert.


Das Stück endet mit dem flehenden hohen „O Carmen je t’aime“. Eine heroische hohe Note wäre hier nicht angebracht, auch wenn sie spektakulärer wäre.






LA FLEUR QUE TU M’AVAIS JETÉE - der Text:


La fleur que tu m’avais jetée,

Dans ma prison m’était restée.

Flétrie et séche, cette fleur

Gardait toujours sa douce odeur;


Et pendant des heures entiéres,

Sur mes yeux, fermant mes paupières,

De cette odeur je m’enivrais

Et dans la nuit je te voyais!


Je me prenais à te maudire,

À te détester, à me dire :

Pourquoi faut-il que le destin

L’ait mise là sur mon chemin?


Puis je m’accusais de blasphème,

Et je ne sentais en moi-même,

Je ne sentais qu’un seul déisr,

Un seul désir, un seul espoir:


Te revoir, ô Carmen, oui,

te revoir!

Car tu n’avais eu qu’à paraître,

Qu’a jeter un regard sur moin

Pour t’emperer de tout mon être,

Ô ma Carmen!

Et j’étais une chose à toi

Carmen, je t’aime!



Gesangsfach „Spinto-Tenor“


Die Rolle des Don José ist für einen Spinto-Tenor (italienisch) bzw. einen jungen heroischen Tenor (deutsch) geschrieben. Die Stimme ist kräftig und maskulin. Sie besitzt eine metallische Brillanz in den hohen Tönen. Sie besticht durch ihre mühelose Kraft in der höheren Tessitura und verfügt dennoch über Beweglichkeit. Im hohen Register kann der Spinto-Tenor das Publikum mit seinen höchsten Tönen begeistern.




Grosse Interpreten der Arie LA FLEUR QUE TU M’AVAIS JETÉE


Jussi Björling


Wir beginnen mit Jussi Björlings Interpretation. Der Kommentar stammt aus dem Buch „The Björling Sound: A Recorded Legacy“


„Björling greift das hohe F zu Beginn ohne zu zögern an – eine Note, die unglücklich mit dem Registerwechsel des Tenors zusammenfällt. Bizet war sich dessen natürlich voll und ganz bewusst; seine Absicht war es, den Tenor von Beginn an emotional bloßgestellt klingen zu lassen. Er singt das Wort „fleur“ (in der Partitur mit „con amore“ gekennzeichnet) zu laut und versäumt es, dieses Schlüsselwort zärtlich zu betonen. Dennoch gestaltet er diese Phrase mit einer Zärtlichkeit, die einzig und allein ihm eigen war. Der bitteren Erinnerung („Je me prenais à te maudire“) fehlen die beißenden Akzente, doch der anschließende Übergang nach As-Dur wird mit ungewöhnlicher Anmut gemeistert. Der Fortissimo-Höhepunkt bei „te revoir, o Carmen“ wird mit einem schmelzenden Legato und rhythmischer Dringlichkeit meisterhaft gemeistert. Obwohl er das notierte Diminuendo beim Aufstieg zum höchsten B-Dur-Ton – einer Note, die einmal mehr Josés emotionale Verletzlichkeit offenbart – auslässt, ist seine forte gespielte hohe Note von solch konzentrierter Schönheit, dass sich die emotionale Spannung löst.“




Placido Domingo


Als nächstes Placido Domingo.



Jonas Kaufmann


Und eine vierte Fassung mit Jonas Kaufmann, einem brillanten Don José. Wie Kesting sagt: „Kaufmann ist die ideale Besetzung für gebrochene Charaktere wie beispielsweise Don José“.




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