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Anton Bruckner - Biografie: Seine Orte, seine Musik und sein Leben

  • peter
  • vor 1 Tag
  • 8 Min. Lesezeit
Biografie Johann Sebastian Bach

Anton Bruckner war Zeit seines Lebens ein Einzelgänger, der darunter litt, dass er als Sonderling verspottet und nicht ernst genommen wurde. Er war ein visionärer Künstler und unsicherer Mensch, der die meisten seiner Sinfonien aus Selbstzweifel umschrieb.


Die wenigen Triumphe kamen spät, aber waren Balsam auf seine Seele, und der gottesfürchtige Oberösterreicher durfte als Großer der Musikgeschichte seinem Schöpfer entgegentreten. Wer war Anton Bruckner und welche Orte und Menschen haben sein Leben geprägt? Eine biographische Annäherung an den Jahrhundertkünstler aus Österreich.



 


Die Biografie von Anton Bruckner




Geburt und Jugend in Ansfelden


Anton Bruckner kam am 4. September 1824 im oberösterreichischen Ansfelden zur Welt und wurde als erstes von elf Kindern in einfachen Verhältnissen geboren. Sein Vater war Dorfschullehrer mit zusätzlichen musikalischen Aufgaben in der Kirche.

Er war sehr musikalisch und besserte sein Lohn als Dorfmusikant auf. Diese bescheidene Herkunft prägte Bruckner. Er blieb zeitlebens ein einfacher, bescheidener und schüchterner Mensch. Früh wurde er auf den Beruf als Lehrer vorbereitet und führte schon mit 11 Jahren erste Schulaufsichten in Vertretung seines Vaters durch. Dieser erkannte Antons musikalische Neigungen und lehrte ihm das Orgelspiel.

Die Bruckners wohnten im alten Schulhaus in der Augustinerstraße 3, wo sich auch deren Dienstwohnung befand. Hier verbrachte Bruckner seine Kindheit bis zum 11. Lebensjahr. Heute befindet sich eine Gedenkstätte zu Ehren des berühmten Bewohners dieses Ortes. In diesem kleinen Museum kann man verschiedene Räume wie eine Wohnstube oder ein Klassenzimmer besichtigen. Zusammen mit einem Modell des Dorfes gibt es einen schönen Einblick in das Leben der 20er Jahre des 19. Jahrhunderts.



Sängerknabe in St. Florian


Um das Talent seines Sohnes zu fördern, schickte sein Vater den elfjährigen Anton zu seinem Vetter nach Hörsching, der ihn im Orgelspiel weiterbildete. Als Anton 13 Jahre alt war, verstarb der Vater plötzlich. Die vielen Nächte, in denen er in Wirtshäusern zum Tanz aufgespielt hatte, um seine vielköpfige Familie durchzubringen, hatten den Mann ausgezehrt. Er hinterließ eine mittellose Familie. Der verzweifelten Witwe gelang es, den ältesten Sohn Anton im nahen St. Florian-Stift bei Linz zu platzieren. Sie selbst verließ wenig später Ansfelden mit den jüngeren Kindern.



Beim Eintritt ins Stift war Anton 14-jährig und wurde wegen seiner schönen Sopranstimme Mitglied des Chores der Sängerknaben. Dabei erhielt er auch Instrumentalunterricht. Unter anderem wurde ihm das Improvisieren an der Orgel beigebracht.


Den nächsten Lebensabschnitt verbrachte Bruckner ebenfalls in Linz. Zuerst besuchte er ein Jahr lang als Seminarist die Ausbildung als Lehrer. Er lernte in seinem Studium und am Theater unter anderem die weltliche Musik kennen und lernte die Harmonielehre bei Dürnberger.


Lehramt in St. Florian


Danach verbrachte Bruckner zwei qualvolle Jahre als Hilfslehrer auf dem Land, wo der schüchterne Außenseiter den Kontakt zur Landbevölkerung nicht fand, bis er als Hilfslehrer nach St. Florian zurückgerufen wurde. Er hatte als 20-Jähriger die Lehrerprüfung bestanden und wurde in St. Florian als Hilfslehrer angestellt und blieb dort bis zum 31. Lebensjahr. Nun begann er ernsthafte Werke zu komponieren.


Dom Organist in Linz, Komponist und Chorleiter


1855 wechselte er nach Linz, wo er sich als Domorganist voll der Musik widmen konnte. Dort war in diesem Jahr die Stelle des Domorganisten frei geworden. Freunde drängten Bruckner, am Wettspiel zur Bewerbung teilzunehmen. Bruckner gewann den Wettbewerb spielend und wurde als 31-jähriger vom hauptamtlichen Lehrer in St. Florian zum vollamtlichen Musiker.


Linzer Jahre


Er wohnte am Pfarrplatz im sogenannten Messnerstöckel, welches mittlerweile abgerissen wurde. Sein Hauptbetätigungsfeld als Organist war der alte Dom, und hier erfolgte die Uraufführung seiner d-Moll-Messe. Mehr und mehr verlegte er seine musikalische Tätigkeit in die Ignatiuskirche. Die Orgel wurde 1867 nach seinen Klangvorstellungen adaptiert. Bruckner kehrte auch während seiner Wiener Zeit gerne in die Ignatiuskirche zurück, um an seiner geliebten Chrismann-Orgel zu spielen. Sie ist auch nach mittlerweile 150 Jahren nur leicht verändert worden, so kann man sie noch heute mit Fug und Recht als Bruckner-Orgel bezeichnen.

Neben dem Organistenamt bildete er sich bei zwei wichtigen Lehrern weiter und gewann Sicherheit in der Komposition. So dass den beginnenden 40er mit den Messen in d-Moll und f-Moll sowie der ersten Sinfonie erste Meisterwerke gelangen, die allesamt in Linz uraufgeführt wurden.

1860 übernahm er die Verantwortung für die Liedertafel Frohsinn. Bruckner erwarb sich in der Folge einen exzellenten Ruf als Männerchorleiter und komponierte verschiedene Werke für Chor. Allerdings forderte die Dreifachbelastung als Domorganist zweier Kirchen, als Männerchorleiter und als Komponist ihren Tribut, und er musste wegen eines Nervenleidens 1868 eine mehrmonatige Kur in Bad Kreuzen antreten.

1868 erlebte Linz einen wichtigen Meilenstein in Bruckners Musikkarriere: Im Redoutensaal erfolgte die Uraufführung der ersten Sinfonie, welche positiv aufgenommen wurde. Der später berühmte Kritiker Hanslick wohnte der Uraufführung bei und rezensierte sie wohlwollend.



Tristan in München


Ein großer Tag ereignete sich für Bruckner 1865 in München, als er anlässlich der Uraufführung von "Tristan und Isolde" zum ersten Mal seinem Idol Richard Wagner begegnete. Wagner erwiderte die Wertschätzung seines österreichischen Kollegen nicht. Er sprach zwar später vom "großen Sinfoniker Bruckner", behielt aber eine etwas herablassende Haltung gegenüber dem etwas tölpelhaften Bruckner.


Schlecht bezahlter Professor in Wien


Bruckner war 44 Jahre alt, als er nach Wien kam und die Arbeit an den schlecht respektive gar nicht bezahlten Anstellungen an der Universität und am Konservatorium aufnahm. In diesen ersten Jahren bestätigte er seinen Ruf als führender Kirchenmusiker und virtuoser Orgelspieler. Er zog zusammen mit seiner Schwester Anna an die Währingerstraße. Diese starb 1870, und Katharina Kachelmeier wurde die nächsten fast 20 Jahre bis zu seinem Lebensende seine Haushälterin.


Triumphales Gastspiel als Organist in Frankreich


1869 machte Bruckner einen Aufsehen erregenden Besuch zuerst in Nizza, dann in Paris. Der Grund des Besuches war die Einweihung der neu erstellten Kirche Saint-Etienne. Das Schmuckstück der Kirche war eine prunkvolle Merklin-Schütze-Orgel, die zuvor an der Pariser Weltausstellung die Goldmedaille gewonnen hatte. Weil der österreichische Kaiser aus familiären Gründen für die Kirche gespendet hatte, entsandte er den Orgelvirtuosen und Professor des Wiener Konservatoriums für die Einweihung der Orgel nach Nizza.


Als Bruckner in Nizza den Zug entstieg, waren die Herren vom Empfangskomitee etwas überrascht über den seltsam gekleideten Mittvierziger. Als Bruckner in der Kirche von Nizza jedoch in die Tasten griff, revidierten die Verantwortlichen ihre Meinung und erkannten das Genie Bruckners. Eiligst organisierten sie einen Besuch in der französischen Hauptstadt.

Freudig überrascht begab sich der Österreicher auf einen dreitägigen Besuch nach Paris, wo er an verschiedenen Orten spielte.

Höhepunkt war das Konzert in der Kirche Notre-Dame, wo die ganze Musikwelt Paris auf den Kirchenbänken saß. Die großen Orgelspezialisten Camille Saint-Saëns und César Franck waren überwältigt vom Spiel Bruckners. Auch die anwesenden Daniel Auber und Charles Gounod priesen die Künste des virtuosen Genies. Bruckner genoss die Anerkennung und gab augenzwinkernd zu Protokoll: "Und die Damen, die mir zugehört haben, haben alleweile 'très, très' gesagt, und die waren sauber!"



Die St. Anna Affäre - Bruckner und die Frauen


Doch in Wien wurden die Leute nie richtig warm mit der Musik und der seltsamen Person Bruckners. Seine Freunde wie die Dirigenten Hans Richter und Johann von Herbeck blieben stets in der Minderzahl. Bruckner litt sehr unter den vielen Kränkungen.


Als er gar in der St.-Anna-Affäre zu Unrecht öffentlich einer unsittlichen Annäherung an eine Schülerin verdächtigt wurde, brach es ihm beinahe das Herz – er, der nie einer Frau nahekam.

Dieses Erlebnis hinderte ihn aber nicht daran, in seinem Leben neun briefliche Heiratsanträge zu verfassen. Empfängerinnen waren allesamt junge Damen, die seiner Meinung nach noch keusch waren, was er in seiner Sprache "sauber" nannte.

Sein letzter Antrag als 70-jähriger wurde gar berühmt: Er verliebte sich in Ida Buhz, ein Stubenmädchen seines Hotels während eines Aufenthalts in Berlin. Eine Verlobung war bereits ausgemacht, doch im letzten Moment erfuhr der gläubige Katholik, dass die Braut in spe Protestantin war. Als sich Ida weigerte, zum Katholizismus überzutreten, machte Bruckner einen Rückzieher.



Der Wagnerist - schwierige Jahre in Wien


Er galt zu Beginn seiner Wiener Zeit als geachteter Kirchenmusiker und Organist. Das Unwetter zog in Wien auf, als er seine dritte Sinfonie seinem Musikgott Richard Wagner widmete. Fortan zog er, als Wagnerianer gegeißelt, die beißende Kritik des einflussreichen Kritikers Eduard Hanslick auf sich und geriet mitten in den größten kulturhistorischen Konflikt des 19. Jahrhunderts: den erbitterten Streit zwischen den Traditionalisten um Brahms und Hanslick und den Neudeutschen um Liszt und Wagner.

Im Einklang mit Hanslick hatte sich auch Brahms öfters negativ über die Musik Bruckners geäußert. Doch dieser blieb stets höflich. Eines Tages saßen Bruckner und Brahms sogar in ihrem Lieblingsbeisel, dem Roten Igel, zusammen. Doch eine Annäherung fand nicht statt. Lediglich beim Bestellen des Essens bemerkten sie, dass sie dasselbe Leibgericht hatten – Geselchtes mit Knödel.



Wiederholte Besuche in St. Florian


Bruckner kam, auch nachdem er das Stift verlassen hatte, oft für Besuche zurück und übernachtete immer im Zimmer Nummer 4, das auch heute noch "Bruckner-Zimmer" genannt wird und als Gästezimmer zur Verfügung steht.

Die große Orgel der Stiftskirche wurde 1874 zum ersten Mal erweitert und überholt. Selbstverständlich spielte Bruckner am Einweihungsanlass dieser Orgel. Der Spieltisch ist heute im Bruckner-Museum in Ansfelden zu besichtigen. Weitere Anpassungen und Überholungen wurden seither an der Orgel in St. Florian gemacht, doch noch immer ist ein Teil der Orgel originalgetreu vorhanden und trägt den Namen Bruckner-Orgel.



Besuch in Bayreuth


Bruckner besuchte Bayreuth rund ein Dutzend Mal. Zum ersten Mal 1876 zur Eröffnung des Festspielhauses. Zum letzten Mal sah Bruckner den verehrten Meister in der Villa Wahnfried nach der Erstaufführung des "Parsifal", und der fragte ihn: "Na, Bruckner, was sagen Sie zum Parsifal?" Bruckner kniete sich vor ihm nieder und stammelte: "Meister, ich bete Sie an!"



Triumphale Aufnahme der Siebten in München


Anton Bruckner besuchte München acht Mal.

In dieser Stadt erlebte er 1885 einen der großen Momente seines Lebens, als die Münchner nach der lauwarmen Rezeption in Leipzig als zweite Stadt seine siebte Sinfonie aufführten und sie vom Publikum triumphal aufgenommen wurde. Der Dirigent Hermann Levi nannte sie an der Feier des darauffolgenden Tages "die bedeutendste Sinfonie nach Beethoven", was für den oft gekränkten und übergangenen Bruckner nach eigenen Worten "eine der größten Gnaden seines Lebens" war.

Während dieses Münchner Aufenthaltes saß Bruckner bei dem Maler von Kaulbach für das Portrait, das Bruckner als nicht sehr gelungen betrachtete.



Hart erkämpfter Erfolg der Achten in Wien


Der Wiener Musikvereinssaal war der Ort der Uraufführung von fünf seiner Sinfonien und auch seines Te Deums. Der Reigen der Uraufführungen begann mit der dritten Sinfonie 1873 denkbar schlecht, denn die Wiener Philharmoniker weigerten sich, das Stück uraufzuführen. Bruckner war geschockt und schrieb das Werk um. Bei der Uraufführung mit der zweiten Fassung im Jahr 1877 verließen die Zuschauer während der Aufführung scharenweise den Saal. Lediglich 12 Zuhörer blieben bis zum Schluss.

Diese bittere Erfahrung konnte er erst 15 Jahre später hinter sich lassen. Nach dem Triumph der siebten Sinfonie in der Fremde wurde 1892 die Uraufführung der achten im Musikvereinssaal zum größten Moment Bruckners in Wien. Im Beisein Hanslicks und Brahms', die im Saal keine Miene verzogen, nahm Bruckner die Ovationen des Publikums entgegen. Doch vorher musste er noch durch die Hölle, als der Dirigent Hermann Levi die erste Fassung ablehnte. Wieder schrieb Bruckner eine weitere Fassung, wie bei vielen seiner Sinfonien. Hans Richter führte das Werk schließlich auf.



Altersjahre - Ehrungen und Beschwerden


In seinem letzten Lebensjahrzehnt begannen die Ehrungen auf Bruckner niederzuprasseln. Besonders Kaiser Franz Josef ehrte ihn, zuerst mit Audienzen und Orden, dann auch mit einer Lebensrente und zuletzt stellte Franz Josef dem Komponisten lebenslang eine kostenlose Alterswohnung im Oberen Belvedere zur Verfügung.

Auch die Universität erfüllte mit der Ehrendoktorwürde einen sehnlichen Wunsch Bruckners. Für ihn war das letztendlich ein schwacher Trost für die vielen Kränkungen, die er besonders in seiner Wiener Zeit erlitten hatte. Zudem hatte er in seinen letzten 10 Jahren schwere gesundheitliche Probleme, welche ihn daran hinderten, die Erfolge auszukosten.



 Tod in Wien und Bestattung in St. Florian


Sein letztes Werk wollte er dem lieben Gott widmen, aber es war ihm nicht mehr vergönnt, die neunte Sinfonie zu beenden. Bruckner starb 1896 im Alter von 72 Jahren in seinem Kustodenstöckel an Herzbeschwerden. Zuvor hatte er sich wiederholt dagegen ausgesprochen, in Wien begraben zu werden. Auf seinen eigenen Wunsch wurde Bruckner am 11. Oktober 1896 in der Gruft der Stiftsbasilika St. Florian, direkt unter der großen Orgel, bestattet.

Auf dem Sockel des Sarkophags steht die Aufschrift "Non confundar in aeternum" – "In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden." Es ist die Schlusszeile seines Te Deums. Nach eigener Aussage war das Te Deum der Stolz seines Lebens. Es war ihm wichtig, das Talent, das er von Gott bekommen hatte, nicht zu verschwenden. Er hoffte mit dem Te Deum, dass er in Gott einen gnädigen Richter finden würde.

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