Johann Strauss - Biografie: Seine Orte, seine Musik und sein Leben
- peter
- vor 2 Tagen
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Johann Strauss erreichte in seinem künstlerischen Leben, was nur wenigen vergönnt war: Seine Musik wurde zum Lebensgefühl einer ganzen Epoche. Gemeinsam mit seinem Vater und seinen Brüdern prägte er die Musik Wiens fast ein Jahrhundert lang. Als Sympathisant der Märzrevolution wurde er zur bürgerlichen Ikone des 19. Jahrhunderts, und mit der atemberaubenden Entwicklung der „Familienfirma Strauss“ revolutionierte er das Geschäftsmodell der klassischen Musik.
Sein Weg an die Spitze war von familiären Spannungen begleitet. Während er im dauerhaften Zwist mit Vater und Brüdern stand, wäre sein Aufstieg ohne drei prägende Frauen seines Lebens nicht vorstellbar.
Hinter der Fassade des glänzenden Orchesterdirigenten und Komponisten verbarg sich eine facettenreiche Persönlichkeit.
Wer war Johann Strauss und welche Orte und Menschen haben ihn geprägt. Eine biografische Annäherung an den Jahrhundertkünstler aus Oesterreich
Doku Johann Strauss (Video):
Johann Strauss - Biografie
Vater Johann
Johann Strauss Biografie beginnt vor seiner Geburt, mit der Geschichte seines Vaters.
Wien sehnte sich nach den langen, schweren napoleonischen Kriegsjahren nach Vergnügen und Leichtigkeit.
,Die Menschen wollten die drückende Repression der Metternich Monarchie verdrängen und mit der allmählichen Verbesserung der finanziellen Lage in den achtzehnzwanziger Jahren strömten sie in die beliebten Kaffeehäuser, die fast immer auch Ballokale hatten. Dreihundertzwanzig Tausend Menschen lebten damals in Wien und man sagte, dass an manchen Abenden ein Viertel von ihnen in den Tanzlokalen unterwegs war.
Damals waren Johann Strauss Vater und Josef Lanner die bekanntesten Musiker die aufspielten, uns die beiden spielten in derselben Kapelle.
Das wichtigste Tanzlokal Wiens war das Sperl und es gelang Strauss dort Musikleiter zu werden. Er gründete nun auf eigene Rechnung eine eigene Kapelle und begann das Sperl als Basis zu nutzen und wurde zum Walzerkönig Wiens.
Strauss Vater hat den Walzer nicht erfunden, aber er machte ihn mit seinen Kompositionen und seinen Kapellen zu einer rauschenden, extatischen Tanzmusik.
Seine Auftritte wurden begleitet von atemberaubenden Inszenierungen, die sein kongenialer Partner Hirsch erdachte. 1846 soll er in einer Ballnacht den Ballgarten mit fünfzigtausend Kerzen beleuchtet haben.
Während des der Faschings Wochen ließ Strauss seine Musiker in verschiedenen Lokalen gleichzeitig auftreten und fuhr abends mit dem Fiaker von Lokal zu Lokal.
Strauss war nicht nur ein musikalisches Genie, sondern auch ein knallharter Geschäftsmann: er drohte vielen Kaffeehaus-Inhaber, dass sie nicht mehr in ihren Lokalen auftreten würden, wenn sie zwischendurch andere Kapellen spielen liessen.
Er komponierte laufend neue Werke für die vielen Bälle und bald ging er mit seinem Orchester auch auf Tournee, um lukrative Engagements anzunehmen.
So konnte sein Sohn Johann Aufgrund der vielen Abwesenheiten des Vaters nie eine enge Bindung zu ihm aufbauen. Doch Johann bewunderte seinen Vater und er wurde zu seinem grossen Vorbild.
Kindheit in einer Musikerfamilie
Doch gehen wir zurück ins Jahr 1825.
Johann Strauss Vater hatte die Wirtstochter Maria Streim kennen gelernt Ihr erstgeborener Sohn Johann war das Produkt einer vermutlich ungeplanten Schwangerschaft und wurde das älteste von fünf Kindern. Nach jeder weiteren Geburt zog die Familie um, bis sie schließlich im „Hirschenhaus“ nahe dem Sperl ein festes Zuhause fand.
Der Vater wollte nicht, dass seine Kinder in seine Fußstapfen treten würden, denn der Beruf des Musikers war schlecht angesehen und noch schlechter bezahlt. Doch da zu Hause ständig komponiert, geübt und geprobt wurde, infizierten sich die Kinder schnell mit dem „Musikvirus“. Alle drei Söhne sollten später Musiker werden.
Johann, im Familienkreis „Schani“ genannt, lernte Klavier spielen und konnte mit Unterstützung der Mutter heimlich Violin Unterricht nehmen und er komponierte bereits im Alter von sechs Jahren im Landhäuschen seiner Grosseltern seinen ersten Walzer.
Der grosse Bruch mit dem Vater
Mit vierzehn Jahren wechselte Johann aufs Gymnasium und begann anschliessend ein Studium am Polytechnischen Institut. Doch sein Leben nahm eine plötzliche Wendung: sein Vater zog 1835 zu seiner Geliebten Emilie Trampusch, die soeben das erste Kind von ihm geboren hatte und es sollten sieben weitere folgen.
Johanns Mutter hatte soeben ihr sechstes Kind geboren und schäumte vor Wut, als sie von Johanns ausserehelichen Affaire erfuhr als er sie verlassen hatte. Anna war eine selbstbewusste und intelligente Person und sie beschloss, sich auf ihre Weise zu rächen: Sie förderte nun ihren ältesten Sohn Johann musikalisch, um ihn zu einem direkten Konkurrenten seines Vaters aufzubauen.
Johann machte beim Unterricht grosse Fortschritte und war begeistert vom Plan seiner Mutter. Als 1843 der große Konkurrent seines Vaters, Josef Lanner, starb, witterten die beiden ihre Chance. Gemeinsam beantragten sie eine offizielle Genehmigung für öffentliche Auftritte. Der Vater versuchte die Bewilligung zuverhindern, doch er war erfolglos.
Ein Lokal hatten die beiden schon gefunden. Dommayer, der Taufpate von Johanns Bruder Eduard, stellte sein Lokal in Hitzing zur Verfügung.
Im gleichen Jahr wurde schon der Erste Auftritt des 20-jährigen Strauss´ ein grosser Erfolg. Auf dem Programm waren bereits viele Eigenkompositionen.
Sinngedichte, op. 1
Zweikampf mit dem Vater und die 48er Revolution
Nach dem euphorischen Start folgte die harte Realität. Zum einen musste er als Kompositeur und Kapellmeister viel lernen und die Mutter stellte ihm erfahrene Orchestermusiker zur Seite. Auch die ersten schlechten Kritiken blieben nicht aus. Gleichzeitig zeigten die Drohungen seines Vaters Wirkung: Viele Tanzlokale wagten es nicht, den Sohn zu engagieren, und Johann hatte zunehmend Mühe, Auftritte zu bekommen.
In dieser schwierigen Phase arbeitete Johann wie ein Bessessener. Während der folgenden Faschingszeit spielte er in 7 Wochen an 76 Bällen auf, fast jeden Tag bis 6 Uhr morgens.
Da die gesetzten, wohlhabenderen Wiener dem älteren Strauss die Treue hielten, suchte der jüngere Strauss gezielt die mittleren und unteren Schichten anzusprechen, darunter viele slawischstämmige Wiener.
Zu allem Unglück schlitterte Wien im Folgejahr in eine Wirtschaftskrise. Die Lokale kündigten die geplanten Faschingsengagements und innert kürzester Zeit stand die Kapelle fast ohne Auftritte da.
Um sich durch die Durststrecke zu retten, organisierte Johann hastig eine Tournee durch die östlichen Länder der Donaumonarchie, die sie sogar in eisiger Winterkälte durch die Karpaten führte.
Dieser Hungerwinter 47/48 brachte das politische Fass zum Überlaufen und 1848 brach in Wien die Revolution aus. Strauss erfuhr davon während seines Tourneeaufenthalts in Budapest und voller revolutionärem Eifer drangen er und 14 weitere Männer mit Schwertern bewaffnet ins österreichische Konsulat und forderten die Abdankung des Konsuls. Diese operettenhafte Aktion scheiterte natürlich – zeigte aber, dass Johanns Herz für die Revolutionäre schlug und er schrieb den Revolutionsmarsch, die zur Hymne der Revolutionäre wurde:
"Revolutions-Marsch" op. 54,
Sein Vater blieb dagegen kaisertreu und komponierte mit dem Radetzky‑Marsch sein berühmtestes Werk, spöttisch nannten die Wiener den Radetzky-Marsch „der bessere Marsch für die schlechtere Sache".
Radetzkymarsch (Johann Strauss Vater)
Als die kaiserlichen Truppen im Laufe des Jahres die Aufstände niedergeschlagen hatten, hatte Johann die Gunst des Kaisers verloren. Den Versuch, sie wiederzugewinnen, sollte seine Heimsuchung für die nächsten 50 Jahren werden.
Tod des Vaters – Die Strauss-Kapelle wird zur Familienfirma
1849 starb Johann Strauss Vater im Alter von nur 45 Jahren. Zehntausende säumten die Straßen, als der Trauerzug durch Wien zog.
In der Folge versuchte Johann, mit verschiedenen Huldigungskompositionen die Gunst des Kaisers zu erlangen. Doch der Kaiser war nicht bereit zu verzeihen. Trotzdem ging die Karriere rasch voran. Mutig übernahm der Sohn die verwaiste Kapelle seines Vater und erweiterte so so die „Firma Strauss“, die er gemeinsam mit der Mutter führte.
Und mit der Annen Polka gelang im 1852 der erste grosse Hit.
Doch der enorme Arbeitsdruck forderte bald seinen Tribut. Die Konzertbesucher erwarteten an jedem Ball neue Kompositionen, stets wurde erwartet, dass Johann das Orchester dirigiert und die Management Aufgabe mehrere Kappellen zu führen hing wie ein Klotz am Bein. Nach wenigen Jahren war Johann ausgebrannt.
Johann musste nun wiederholt pausieren und die Kuraufenthalte mehrten sich. Die Familie beschloss nun, dass Bruder Josef ins Unternehmen einsteigen sollte. Josef war ein begabter Ingenieur und hatte sich nebenberuflich musikalisch weitergebildet und er gab 1853 sein erfolgreiches Debut im Sperl. Es war für die Familie ein Glücksfall, dass Josef ein begabter und produktiver Komponist wurde.
1855 trat auch der jüngste Bruder Eduard in die Familienfirma ein, zunächst als Orchestermusiker.
Zu dritt – unterstützt von der geschäftstüchtigen Mutter – dominierten die Brüder bald die Wiener Tanzlokale. Sie scheuten weder vor Einschüchterung von Veranstaltern noch vor Bestechung von Journalisten zurück und wurden zu einer regelrechten Walzer-Mafia.
Pawlowsk
Mit den fünfziger Jahren begann das Bild von Alt-Wien zu verschwinden. Mit dem Abbruch der Wehrmauern und dem Umbau zur Ringstraße wurde Wien zur 10-jährigen Baustelle, und es begann das Eisenbahnzeitalter. Die Strauss schrieben den „Bahn frei!- Walzer“ den Soundtrack dazu:
Bahn frei! (Eduard Strauss)
In den nächsten 10 Jahren gehörten die Sommermonate dem russischen Pawlowsk, einem Vergnügungs Palast, den die Russische Eisenbahngesellschaft errichtet hatte. Als Attraktion engagierte sie die Strauss Kapelle, um zahlungskräftige Gäste zu der 30 km von St. Petersburg entfernten Station anzulocken.
Die Strategie ging auf und Strauss wurde die Attraktion, wie es die Eisenbahn Gesellschaft erhofft hatte.
Auch die Klatschspalten kamen auf Ihre Rechnung. Der fesche Strauss wurde zur Attraktion der Damenwelt und man sagt, dass er jeden Sommer einen schwarzen Pudel nach Russland brachte, damit er die Nachfrage nach Locken befriedigen konnte.
Im Sommer 1858 machte er die Bekanntschaft der Russin Olga Smirnitskaja. Das blieb in Wien nicht verborgen und in der Zeitschrift „Tritsch-Tratsch“ kam das Gerücht auf, dass Strauss sich verheiratet hatte. Strauss reagierte souverän und konterte mit der Tritsch-Tratsch-Polka
Tritsch-Tratsch Polka
Strauss konnte in Pawlowsk wichtige Kontakte knüpfen, unter anderem durfte er oft für das Zarenpaar musizieren und er lernte Tschaikowski kennen, der sicherlich in Strauss Musik Inspiration für seine wunderbaren Balett-Walzer fand.
Heirat mit Jetty
1862 war es soweit: Strauss beendete sein Jungesellenstatus und heiratete Henriette Treffz, genannt „Jetty“. Für die Wiener Gesellschaft kam das einem mittleren Skandal gleich. Denn Jetty war eine Frau mit Vergangenheit, die bereits 7 uneheliche Kinder mit drei verschiedenen Männern gehabt hatte, und so fand die Trauung im Stephansdom nicht in Weiß, sondern in schlichter Straßenkleidung statt.
Wichtiger für Strauss war, dass Jetty neben Charme musikalischen Sachverstand hatte. Sie war eine ausgebildete Opernsängerin und hatte einst sogar mit der berühmten Schröder-Devrient auf der Bühne gestanden.
Sie war 44 Jahre alt, er 37 und sie nannte ihn liebevoll „Bub“. Das schien Johann nicht gestört zu haben, denn in Jetty suchte er vermutlich auch ein Muttertypus, der für ihn sorgen sollte. So wurde die intelligente Jetty bald zu seiner Managerin. Johann schätze ihren Rat, sie verhandelte Engagements und pflegte viele internationale Kontakte.
Aufstieg zum Walzerkönig
Jetty richtete das neue Heim, das sich nur wenige Schritte vom Dommayer in Hietzing befand, geschmackvoll ein. Dort fand Strauss Inspiration und Ruhe zur Komposition. Jetty ermöglichte Ihrem Mann den Spielraum, der ihm seine nächste Phase seiner Karriere ermöglichte: dem Aufstieg zum Walzerkönig.
Der offizielle Beginn dieses Aufstiegs war die Ernennung zum k.k. Hofballmusikdirektor durch Kaiser Franz Joseph. Jenen Titel hatte der Kaiser 1846 eigens für Strauss Vater geschaffen – nun durfte der Sohn ihn stolz übernehmen. Zwar waren damit keinerlei Privilegien verbunden, dennoch war der Titel symbolisch Gold wert.
Seine wohl berühmteste Komposition aus dem Walzer-Jahrzehnt ist wohl der Walzer an der schönen blauen Donau. Ursprünglich für Chor geschrieben, wurde der Donau Walzer bald zu einer musikalischen Visitenkarte Wiens – auch wenn die Donauauen damals ein sumpfiges Gewässer ausserhalb Wiens waren, welche alle Farben spiegelte, aber niemals blau.
1866 erlitt das kaiserliche Heer die Verheerende Niederlage von Königgrätz. Wien verfiel in Schockstarre und viele Lokale blieben geschlossen. Strauss folgte nun einer Einladung der Frau des österreichischen Botschafters in Paris, Pauline Metternich. Diese wollte der Welt ein starkes österreich präsentieren und organisierte im Botschaftsgarten ein rauschendes Fest.
Sie engagierte Strauss als Attraktion und das Ereignis sorgte für großes Aufsehen. Als Strauss in einem Zelt in der darauffolgenden Pariser Weltausstellung die Pariser und darauf an dem Proms die Londoner in einen Walzertaumel versetzte, wurde Strauss endgültig zur österreichischen Ikone im Ausland und begann nun seinen Bart staatstragend zurechtzustutzen.
Vom Ballsaal in den Konzertsaal
Der Tanzwalzer des Vaters hatte sich so zum Kunstwalzer des Sohnes entwickelt, absolute Musik, die auch getanzt werden konnten. Stücke, bei denen er als Dirigent erwartete, dass die Zuhörer weder assen, noch tanzten. Zuhörer beschrieben Strauss als einen Dirigenten mit einem formidablen Tempogefühl, in dem jeder Takt sein eigenes Tempo bekam.
Mit der Qualität seiner Kompositionen stieg auch die Anerkennung durch die Kollegen. Besonders der Wahlwiener Brahms schätzte ihn sehr, und man traf sich in der Sommerfrische Ischls gerne zum gemeinsamen Kartenspiel.
Misstöne zwischen den Brüdern – Todesfälle in der Familie
Es war ein offenes Geheimnis, dass zwischen den drei Brüdern Strauss keine Harmonie herrschte. Eduard litt darunter, dass Josef und Johann die besseren Komponisten waren und er sein Leben lang der zweite Strauss war. Besonders ausserhalb Wiens verwechselte man ihn oft mit Johann, was ihn sehr kränkte.
Johann wiederum war eifersüchtig auf das gute Aussehen des „feschen Edi“ und gönnte ihm selten eigene Erfolge. Als Eduard später die Kapelle in Eigenverantwortung übernahm, genoss er es, wenn ihn Johann anbetteln musste, dass Eduard gelegentlich Stücke aus seinen Operetten spielte.
Josef litt darunter, dass Johann der bessere Dirigent war und der Publikumsliebling blieb. Öfters passierte es, dass Veranstalter Konzerte nicht zusagten, wenn „nur“ Josef am Pult stehen würde.
Trotzdem rauften sich Johann und Josef zusammen und schrieben in Pawlowsk gemeinsam die heitere Pizzicato Polka.
1870 starb Mutter Anna. Sie hatte einen grossen Anteil am finanziellen Erfolg der Familie und mit ihr starb das inoffizielle Familienoberhaupt. Für Johann wurde die Unterstützung Jettys nun umso wertvoller.
Ein paar Monate zuvor hatte Josef versucht, in Warschau auf eigene Rechnung Fuß zu fassen – auch, um Distanz zu Johann zu gewinnen. Doch das Unternehmen geriet zum organisatorischen Albtraum.
Josef war Kettenraucher und trank literweise Kaffee. Seine Gesundheit war bereits angeschlagen und der Tod seiner Mutter hatte ihn mitgenommen. Als während eines Konzerts in Warschau wegen eines Partiturfehlers Chaos im Orchester ausbrach, erlitt er einen schweren Herzinfarkt, dem er wenig später erlag.
Hinwendung zur Operette
Mittlerweile hatte Jetty eine Auge aufs Musiktheater geworfen. Seit Beginn der sechziger Jahre erfolgte der Aufstieg Offenbachs auch in Wien und er wurde zur Offenbach Raserei als Marie Geistinger als schöne Helena auftrat und einen Skandal auslöste.
Sie war zwar nicht schön, aber bereit Bein zu zeigen und der ausgeschnittene Rock wurde zum Tagesgespräch Wiens. Der Theaterdirektor brachte sein Konzept auf den Punkt: „Viel auf der Bühne und wenig auf dem Körper“.
Um Johann Strauss für die Operette zu gewinnen, schmiedeten Jetty und der Direktor des Theaters an der Wien, Franz Steiner, eine List: Jetty kopierte heimlich ein paar Werke ihres Mannes und der Theaterleiter Steiner liess passende Texte dazu schreiben. Gemeinsam präsentierten die beiden Strauss das Ergebnis im leeren Theater an der Wien. Johann Strauss war begeistert und willigte ein.
Doch der Einstieg fiel ihm schwer. Ihm fehlte jede Theatererfahrung, und sein Wissen über Literatur und Librettos war bescheiden – Strauss war kein Mann der Bücher, sondern einer von Billardkugeln und Spielkarten.
Daher stellte man ihm den erfahrenen Theaterkapellmeister Richard Genée zur Seite, der die ersten Operettenwerke maßgeblich mitgestaltete. Häufig lieferte Strauss die Themen und Melodien, während Genée sie zu fertigen Partituren ausarbeitete.
Gespannt wartete die Wiener Öffentlichkeit 1871 auf die Aufführung. Strauss hatte bereits einzelne Stücke von seiner Kapelle vortragen lassen. Und noch wichtiger: die Geistinger wurde die weibliche Hauptrolle übertragen.
„Indigo und die vierzig Räuber“ schlug ein und wurde 70 mal gegeben. Von nun an wandte sich Strauss hauptsächlich der Operette zu.
Auch die nächste Operette „Carneval in Rom“ wurde zum Erfolg, aber das Werk, das das ganze Operettenwerk von Strauss überstrahlen sollte, kommt 1874 auf die Bühne: die Fledermaus.
Wieder komponierte Strauss die Melodien, und Genée orchestrierte sie. Innert kürzester Zeit zauberte Strauss ein halbes Dutzend unsterblicher Melodien aus dem Hut und die Fledermaus machte Strauss als Operettenkomponist unsterblich.
Allerdings hatte wenige Monate vor Erstaufführung ein Börsenkrach statt gefunden, und die Stimmung war gedrückt als Strauss höchstpersönlich am Dirigentenpult stand und wieder die Geistinger die weibliche Hauptrolle sang.
Der große Durchbruch der „Fledermaus“ kam erst mit der Folgeinszenierung in Paris. Damit übernahm Strauss in der französischen Hauptstadt endgültig die Krone des Operettenkönigs von Jacques Offenbach, der nach dem Deutsch-Französischen Krieg als Deutscher in Frankreich in Ungnade gefallen war.
Private Turbulenzen
Drei Jahre nach der Fledermaus starb seine Frau Jetty. Die Beziehung der beiden hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits etwas abgekühlt, und Johann hatte sich von der inzwischen matronenhaften Jetty entfremdet. Dennoch blieb sie bis zuletzt sein unermüdliches Faktotum und Managerin.
Doch Strauss blieb nicht lange alleine, bereits 2 Monate später stand er mit Lilly Dittrich vor dem Traualtar. Strauss hoffte, dass Lilly wie schon seine Mutter und seine erste Frau die Geschäfte weiterführen würde. Doch Lilly hatte nicht Jettys Format. Die Wiener spotteten später, der folgende Misserfolg seiner Operette „Die blinde Kuh“ wäre Jetty sicher nicht passiert.
Lilly war an gesellschaftlichem Glanz interessiert und enttäuscht, dass Johann lieber in Ruhe komponierte, statt am mondänen Wiener Leben teilzunehmen. Sie begann eine Affäre mit dem Direktor des Theaters an der Wien.
Als Johann Strauss von der Affaire mit Theaterdirektor Steiner erfuhr, wollte er durchsetzen, dass sein neues Werk „Eine Nacht in Venedig“ nicht im Theater an der Wien gezeigt werden sollte.
Das gelang ihm nicht, aber er erreichte zumindest, dass die Premiere in Berlin stattfand.
Beim Komponieren musste Strauss zu seiner Enttäuschung wie schon bei den vorgehenden Werken feststellen, dass das Textbuch schwach war. Wieder waren Genee und Zell die Librettisten, beide Literaten im Nebenberuf.
Genees Hauptberuf war Kapellmeister, und Zell war Donauschiffkapitän. Das rächte sich nun an der Premiere als sich die Zuschauer über den Text „Nachts sind die Katzen ja grau, da tönt es zärtlich Miau“ lustig machten:
Adele Strauss übernimmt das Zepter
Mittlerweile war eine neue Frau in Strauss Leben getreten. Strauss kannte Adele Strauss, geborene Deutsch, von früher und sie füllte nun die Lücke aus, die der Tod von Jetty in Strauss Leben gerissen hatte und sie wurde zur Lebenspartnerin und Managerin Johanns.
Strauss wollte sich nun in das nächste Projekt stürzen. Er träumte davon ein Werk für die Oper zu schreiben, bisher war ihm der Zugang zur Hofoper nicht gelungen. Adele setzte als erstes durch, dass Genee und Zell ihre Rolle als Texter verloren.
Sie machte Strauss mit einem ungarischen Literaten bekannt, und es entstand der Zigeunerbaron. Es war das erste Theaterprojekt, das er ohne Genees Hilfe schrieb und wurde so der Triumph des Komponisten. Allerdings blieb der Zugang zur Hofoper auch mit diesem Werk verwehrt, denn Strauss erkannte bald selbst, dass das Werk nur zur Operette taugte.
Die Rolle des Schweinehändlers Szupan war eine Traumrolle für den neuen Star der Strauss-Operette, Alexander Girardi. Alexander Girardi wurde durch den Zigeunerbaron zu einem Liebling der Wiener und zu einer festen Grösse der kommenden Strauss Operetten.
Strauss und Adele harmonierten nicht nur privat, sondern auch beruflich und Strauss ersuchte den Kaiser um Einwilligung zur Scheidung, damit er Adele heiraten konnte.
Als der Kaiser ihm den Wunsch verweigerte beschloss Strauss, die Sächsiche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Er heiratete im Beisein des Herzogs von Sachsen-Coburg Adele und schockierte mit diesem Schritt seine Wiener Heimat.
Die Person Strauss und die letzten Jahre
Zeitgenossen beschrieben Strauss als eigenartigen Menschen mit vielen Marotten. Er war zwar der Walzerkönig, aber er tanzte nie. Er komponierte jahrelang für Cafes und Konzerte, ging privat aber nie dorthin. Seine Phobie vor Sonnenlicht war notorisch, er komponierte am liebsten nachts, oder wenn es regnete.
Anfang der neunziger Jahre begann sich sein gesundheitlicher Zustand zu verschlechtern. Mit 70 Jahren konnte er seine Operetten nicht mehr selbst dirigieren: seine Augen waren zu schwach und wiederkehrende Rheuma-Attacken setzten ihm schwer zu.
Nach dem Zigeunerbaron schrieb er rund ein halbes Dutzend Operetten. Doch er konnte nicht mehr an die Erfolge des Zigeunerbarons oder gar der Fledermaus anknüpfen und sie fanden ihr Publikum vor allem dank der Beliebtheit von Alexander Girardi.
Kurz vor seinem Tod startete die geschäftstüchtige Adele das letzte Operettenprojekt. Unter dem Titel „Wiener Blut“ arrangierte Adolf Müller eine Operette aus bereits bestehenden Werken von Strauss. Beliebte Instrumentalstücke erhielten teils neue Texte, und Strauss war nur noch beratend beteiligt. Wiener Blut wurde zu einer schönen Retrospektive des Schaffens von Johann Strauss.
Johann Strauss starb 1899 im Alter von 73 Jahren an einer Lungenentzündung. Er fand unter grosser Anteilnahme der Wiener Bevölkerung im Wiener Zentralfriedhof seine letzte Ruhestätte.
Johann Strauss - Biografie




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