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Richard Wagner - Biografie: Seine Orte, seine Musik und sein Leben

  • peter
  • vor 1 Stunde
  • 16 Min. Lesezeit
Biografie Johann Sebastian Bach

Richard Wagner war einer der grössten Künstler, den Europa je hatte, doch seine Person ist bis in die heutige Zeit umstritten.


Zweifellos hatte sein Werk einen ungeheuren Einfluss auf die Musik des 19. Und 20. Jahrhunderts. Seine Werke sind noch heute von grösster Aktualität und seine  künstlerische Grösse ist trotz eklatanter Charaktermängel unbestritten.


Wer war Richard Wagner und welche Orte und Menschen haben sein Leben geprägt ?

Eine biografische Annäherung an den Jahrhundert Künstler aus Deutschland.



Doku Richard Wagner (Video):

 


Richard Wagner - Biografie



GEBURT IN LEIPZIG


Richard Wagner kam als neuntes Kind in Leipzig zur Welt. Wenig zeugt heute noch von seiner kurzen Leipziger Zeit.


Die durch Bach und Luther historisch bedeutsame Thomaskirche ist der einzige «Wagner-Ort» Leipzigs, der erhalten geblieben ist. Hier wurde er 1813 getauft und später erhielt er vom damaligen Thomaskantor während seines Studiums Unterricht an Klavier und Orgel.


Sein Vater starb bereits Wenige Monate nach seiner Geburt an Typhus, welches nach den napoleonischen Kriege und der Völkerschlacht in Ostdeutschland grassierte.


Die Mutter heiratete wenig später den Dichter und Schauspieler Ludwig Geyer.

Richard fühlte sich sehr zu seinem Stiefvater hingezogen.

Lange wurde gerätselt, ob Ludwig sogar dessen leiblicher Vater war, was wegen seinen jüdischen Wurzeln sehr pikant gewesen wäre. Heute geht man davon aus, dass es nicht der Fall war.


Nach 2 Jahren siedelte die 9 köpfige, kinderreiche Familie nach Dresden um.

Doch auch sein Stiefvater verstarb früh. Richard war zu diesem Zeitpunkt 8 Jahre alt. Aufgrund der finanziellen Probleme lebe er in verschiedenen Familien auch ausserhalb Dresdens.

Die Wagnersche Geschwister waren sehr musikalisch und aufgrund des Theaterwirkens des Stiefvaters kamen Richard und seine Geschwister früh in Kontakt mit der Bühne. Die älteste Schwester Rosalie war sehr begabt und unterstützte die Familie mit ihren Gagen als Schauspielerin.



VERLIEBT ALS 13-JÄHRIGER IN PRAG


Richard war ein neugieriger Mensch und reiste bereits als Jugendlicher viel.

Mit dreizehn Jahren besuchte Wagner den musikbegeisterten Adligen und Bekannten der Familie Pachta Prag und verliebte sich unglücklich in die Tochter des musikbegeisterten Familienfreund, wo er auch wohnen durfte.


Ein Jahr danach wiederholte er seinen Besuch und später kam er noch einmal zu Fuss von Dresden, weil er kein Geld für ein Transportmittel hatte. Noch viele Jahre später besuchte er die Pachtas, jeweils in Begleitung seiner Frau.


Dieser Palais der Familie Pachta existiert noch und der schöne, romantische Innenhof bezaubert noch heute. Das Gebäude wird heute durch das schöne Boutique Hotel Smetana belegt.


STUDIUM IN LEIPZIG


Mit sechzehn verliess Richard Dresden, um in Leipzig zu studieren.


Dort hörte er Beethovens “Fidelio” mit der Schröder-Devrient.

was nach seiner Aussage den Ausschlag gegeben hatte Berufsmusiker zu werden.

Zwei Jahre später begann er sein Musikstudium an der Universität Leipzig, komponierte erste Werke und begann sich politisch zu interessieren. 1833 verliess er Leipzig als zwanzig jähriger, um erste Berufserfahrungen zu sammeln.



ERSTE THEATERERFAHRUNGEN UND HOCHZEIT MIT MINNA PLANNER


Nach einem Jahr als Chorleiter in Würzburg, zu dem ihm sein Bruder und Theaterleiter Albert verholfen hatte, wurde der 21-jährige Wagner Musikdirektor in Magdeburg.


Gleich zu Beginn seines Aufenthaltes lernte er Minna Planner kennen, die am Theater ein Engagement als «erste Liebhaberin» hatte. Sie begannen eine stürmische Affäre mit späterer Verlobung und Heirat in Königsberg.


Wagners Debut als Kapellmeister erfolgte mit Mozarts Don Giovanni im Goethe-Theater des Kurorts Bad Lauchstädt, wo die Theatertruppe im Sommer gastierte. Wagner wurde gelobt, doch die wirtschaftliche Situation des Theaters war desolat und nach der ersten Saison ging es bankrott.


Als Wagner 1834 dort debütierte, war das Holztheater morsch, das Dach hatte sich einen Meter gesenkt und musste notdürftig mit Steinsäulen gestützt werden.

In diesem schmucken Häuschen an der Goethestrasse 14 war Richard Wagner beim Aufenthalt im Goethetheater einquartiert. Im selben Haus gastierte auch Minna Planner. Schon am ersten Tag soll Wagner am Fenster Minna umgarnt haben.


Bereits in den jungen Jahren in Magdeburg zeigte sich Wagners Verschwendungssucht und schon bald war er hoffnungslos überschuldet.

Er schrieb in einem Brief: «Meine kleine Wohnung auf dem ›Breiten Weg‹ war mir, da ich bei jeder Heimkehr an der Türe eine gerichtliche Vorladung angenagelt fand, höchst widerwärtig geworden; ich vermied sie von nun an gänzlich.»


Im nächsten Jahr studierte er seine Oper «das Liebesverbot» ein.



Schon in der zweiten Aufführung vor kleinem Publikum, zwang eine wilde Prügelei unter dem Theater-Personal Wagner die Aufführung abzubrechen.


Nach diesem Misserfolg seiner ersten Oper erhielt Minna ein Engagement nach Königsberg und Wagner folgte ihr 1836 nach. Sein Aufenthalt in Königsberg und später in Riga als Kapellmeister war stürmisch und endete mit einer Flucht wegen seinen astronomischen Schulden, die er in dort innert kürzester Zeit angehäuft hatte.


1839 verliess er Riga in grosser Eile aus Angst vor seinen Gläubigern. Sein Ziel war Paris, das Mekka der Opernwelt, wo er an der Grand Opéra sein neuestes Werk «Rienzi» inszenieren wollte.

Wagner und Minna beschlossen mit Ihrem Hund auf dem Seeweg nach Paris zu fliehen und wurden in Königsberg an Bord der «Thetis» geschmuggelt.


In der Meerenge zwischen Dänemark und Schweden geriet das Schiff in schwere Stürme. Dieses dramatische Erlebnis verewigte Wagner im Vorspiel des fliegenden Holländers.


Der Kapitän war gezwungen, in Sandwike, an der Südküste Norwegens, vor dem starken Westwind Zuflucht zu suchen. Aber nach ein paar ruhigen Tagen an der Nordsee brach ein noch schlimmerer Sturm aus, der zwei Tage lang mit turmhohen Wellen und schrecklichen Gewittern tobte. Und wie genau Wagner das Libretto nach eigenen Erfahrungen gestaltet hat, zeigt der erste Auftritt von Daland, der während eines Sturms in einer sicheren Bucht ankert und ruft: «Sandwike ist es! Ich kenne die Bucht genau.»



FLUCHT NACH PARIS UND AUSBLEIBENDER ERFOLG


Es war Wagners Lebenstraum in Paris Erfolg zu haben. Es war geradezu obsessiv, wie er die Anerkennung in der europäischen Hauptstadt der Oper suchte.

Nicht weniger als zehn Mal hielt er sich im Laufe seines Lebens längere Zeit in Paris auf.

Dort wollte er bei seinem ersten längeren Besuch von fast zwei Jahren, seinen “Rienzi” inszenieren.


Meyerbeer, der in Paris ungemein erfolgreich war, unterstützte ihn tatkräftig, doch Wagners Werk wurde an der Opéra nicht akzeptiert. Wagner zeigte sich gegenüber Meyerbeer nicht dankbar, sein Leben lang warf er dem “Juden” Meyerbeer Missgunst vor.



EXKURS ANTISEMITISMUS


Mit dem Frust seines Pariser Misserfolgs und dem Hass auf Meyerbeer erwachte der Antisemitismus in Wagner. Immer wenn es ihm im Leben schlecht ergehen sollte, wälzte er die Schuld, wenn immer möglich auf Juden, auch Mendelssohn bekam dies später zu spüren.


Wagner schrieb über das Judentum ganze Abhandlungen, z.B. das Judentum in der Musik im Jahr 1848) und notierte in seinem Tagebuch über den Juden: «In der Natur ist es so beschaffen, dass überall, wo es etwas zu schmarotzen gibt, der Parasit sich einstellt».


Diese Worte fanden später bei Cosima fruchtbaren Boden und legten den Grundstein für die nazifreundlichen Bayreuther 20er und 30er Jahre, die sich über Cosima bis zu Winifred weiterpflanzten.


In Paris schrieb er das Libretto zum Holländer. Weil aus der Rienzi-Inszenierung nichts wurde, musste er das Libretto zum Holländer verkaufen, um sich finanziell über Wasser zu halten, was ihn später nicht daran hinderte, das Libretto für seine eigenen Zwecke weiterzuverwenden.


1842 verließ er Paris in Richtung Dresden, wo er die Zusage bekommen hatte, seinen Rienzi uraufzuführen zu dürfen.

Die Aufführung im Dresdener Hoftheater wurde zu einem glanzvollen Erfolg und brachte den 29 jährigen zum ersten Mal ins Rampenlicht.



Wartburg und die Geburt des Tannhäuser


Von Dresden aus besuchte Richard Wagner mehrmals die Wartburg in Eisenach.

Wagner war fasziniert von den Sagen des Mittelalters und von den Rittern und Burgen Deutschlands. Seine nächste Oper bekam den Doppeltitel «Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg».


Wagner kombinierte nun eine erfundene Liebesgeschichte des Tannhäuser und dessen Wallfahrt zum Papst mit dem Sängerkrieg auf dem Schloss des thüringischen Landgrafen.


Wie die meisten seinen Opern ist das Thema des Tannhäusers autobiografisch aufgeladen und im Hauptdarsteller erkennen wir viele Parallelen zu Wagners Gedankenwelt.

Ein Außenseiter will die überkommenen Kunstregeln verändern und scheitert am Beharrungsvermögen der Gesellschaft.


Dem Tannhäuser geht es in dieser Oper dreckig, dreimal wird er verflucht, zuerst durch den Thüringer Hof, dann durch die Sängergilde und am Schluss gar durch den Papst. Heil naht immerhin durch Elisabeth. Sie opfert sich für den geliebten Tannhäuser.

Wie schon im fliegenden Holländer ist das Thema der Aufopferung der Frau und die Erlösung des Künstlers ein Schlüssel Aspekt und es zieht sich wie ein roter Faden durch Wagners Werk.


Der Tannhäuser bildet einen wichtigen Meilenstein auf Wagners Weg zum Musikdrama. Zum ersten Mal sind keine Nummern in der Partitur mehr ersichtlich. Ganze Szenen, wie z.B. der Sängerwettstreit sind durchkomponiert.


Tannhäuser gilt als die kräfteraubendste Tenorrolle der Opernliteratur. Wagner nannte sie «die allerschwierigste meiner dramatischen Sängeraufgaben».



Uraufführung des Holländers


Während seiner Arbeit am Tannhäuser galt es auch sich um den Holländer zu kümmern.

Dessen Uraufführung fand am 2. Januar 1843 im Königlichen Hoftheater in Dresden statt.

Wagner selbst stand auf dem Dirigentenpult.

Nach der triumphalen Premiere von Rienzi am selben Ort drei Monate zuvor, hoffte Wagner auf einen erneuten Erfolg. Er war jedoch enttäuscht, und das Publikum empfing seine Musik extrem lauwarm und die Produktion wurde nach vier Aufführungen beendet.


Wilhelmine Schröder-Devrient soll eine beeindruckende Senta gewesen sein, aber die Inszenierung und die anderen Sänger/innen entsprachen nicht Wagners Erwartungen. Der Erfolg des Holländers sollte erst mit der adaptierten Version der Zürcher Inszenierung von 1852 richtig Fahrt aufnehmen.


Zwei Jahre später dann folgte in Dresden auch die Premiere des „Tannhäuser“. Auch da war der Erfolg mäßig, aber schon die zweite Inszenierung durch Liszt in Weimar

brachte den Durchbruch. Der Tannhäuser wurde für lange Zeit Wagners populärste Oper. Schon 1859 wurde er zum ersten Mal in den Vereinigten Staaten aufgeführt.



INSPIRATION AUF DEN BURGEN DEUTSCHLAND


1846 führte ein dreimonatiger Sommerurlaub den Dresdener Kapellmeister Richard Wagner in das nahegelegene sächsische Graupa / Pirna in der sächsischen Schweiz.

Lange Spaziergänge führten ihn zum Liebethaler und Grund und zur berühmten Felsformation der Bastei.

Wagner erkundete mit seinem Spaniel Peps begeistert die Umgebung und wanderte mehrmals zum Liebethaler Grund. Der Wanderweg führt am wildromantischen Flusslauf der Wesenitz entlang.

Die Erlebnisse in der Natur und die Burgen Deutschlands beeindruckte den 33-jährigen Komponisten zutiefst und bestärkten ihn, noch tiefer in die Sagenwelt der nordischen Kultur einzutauchen und spornten seine romantische Kreativität zur Schöpfung seines “Lohengrins” an.



Kapellmeister und Revolutionär in Dresden


Der Hofkapellmeister Wagner engagierte sich in Dresden in der Revolutionären Bewegung und lernte den Anarchisten Bakunin kennen. Nach dreitägigen Strassenkämpfen, an denen sich Wagner beteiligte wurde er steckbrieflich gesucht.



WAGNER FLÜCHTET AUS DRESDEN UND TRIFFT LISZT IN WEIMAR


Wagner flüchtete 1849 zu Liszt nach Weimar. Liszt half ihm grosszügig mit Unterschlupf und Geld und versprach ihm seinen für Dresden geplanten Lohengrin aufzuführen und so wurde das Weimarer Hoftheater 1850 der Uraufführungsort dieser romantischen Oper vom steckbrieflich gesuchten Wagner.



EXIL IN ZÜRICH


Wagners Flucht mit seiner Frau Minna führte ihn nun in die schützende Schweiz.

Seine Zürcher Exilzeit dauerte von 10 Jahre von 1849 bis 1859.

Dort freundete er sich mit dem deutschen Industriellenpaar Wesendonck an, die zu seinen Mäzenen wurden.



Mathilde Wesendonk - Tristan und Isolde


Die stürmische Liebe zur Mäzenen-Gattin Mathilde inspirierte ihn dabei zu seiner grossen Liebesoper «Tristan und Isolde»


Seine außereheliche Beziehung zu Mathilde diente ihm als Inspiration für den Tristan. Die 24-jährige verzauberte den verheirateten Richard und die darauffolgende Geschichte ist wohlbekannt.

Die Handlung von «Tristan und Isolde» ist bezeichnend: Tristan alias Wagner und Isolde alias Mathilde können auf Erden nicht zusammenkommen wegen Isoldes Ehe mit König Marke alias Otto.


Die Beziehung mit Mathilde blieb geheim und Wagner behauptete in späteren Jahren stets, sie sei platonisch geblieben. 1854 schrieb der 41-jährige Wagner an Liszt, «er habe bisher nie das eigentliche Glück der Liebe genossen und er wolle ihr nun ein Denkmal setzen».


Wagner beginnt die Oper mit einem Vorspiel, welches durch den Tristan Akkord zu grosser musikgeschichtlicher Bedeutung kam.


Es ist ein Akkord mit einer seltsam schwebenden Dissonanz, der weder Schmerz noch Freude ausdrückt, sondern eine Art „unbestimmte Suche nach Auflösung“:


Aber die Auflösung kommt nicht, denn mit dem Erreichen des Zieltons ist eine weitere Dissonanz entstanden, und so weiter.


Im zweiten Akt führt Tristan Isolde zu einer Bank unter einem Sternenhimmel, und sie beschwören Nacht und Tod als Symbole ihrer Liebe (O sink hernieder)


Das Musikdrama endet mit dem sogenannten „Liebestod“, der kein Tod, sondern, wie Wagner die Szene nannte, eine „Verklärung“ sei, oder wie Isolde es ausdrückt: „Ertrinken – versinken – unbewusst höchste Lust!“ (Liebestod)


Die Wirkung des «Tristan» war ungeheuer. Die Uraufführung hatte am im Beisein des Königs stattgefunden und Wagner wurde eine der größten Ovationen seines Lebens zuteil als er den Applaus in der Loge des Königs entgegennehmen durfte.

Dabei verletzte er die Hof-Etikette als er dort vortrat und sich verbeugte, was einzig dem König vorbehalten war. Doch der stand glückselig zwei Schritte hinter ihm, und schrieb noch in den Morgenstunden einen Huldigungsbrief an den Meister.


Das Werk selbst fand ein riesiges Echo und begann auf den ganzen Kontinent auszustrahlen, obwohl die nächste Inszenierung erst 9 Jahre später in Bayreuth erfolgen sollte.



Beginn des Rings


Wagner zog 1857 in ein Nebenhaus der Villa Wesendonck, dem sogenannten «Asyl»,

Das Hauptgebäude ist heute ein Museum für aussereuropäische Kultur und kann besichtigt werden, das Asyl steht nicht mehr.


Richard Wagner las 1857 zum ersten Mal seinen Schweizer Freunden aus dem Epos «Der Ring des Nibelungen vor».

Er las den ganzen Ring an vier Abenden im Festsaal «Le petit palais» des Nobelhotels Baur au lac vor. Später führte er auch noch den ersten Akt der Walküre konzertant vor.

Noch sollte die Uraufführung über 10 Jahre auf sich warten lassen.



DAS TANNHÄUSER FIASKO IN PARIS


1860 nahm Wagner nochmals einen Anlauf an der Pariser Grand Opéra, doch sein künstlerisches Schicksal in Paris sollte sich in der Folge nie mehr vom kommenden Ereignis in der Grand Opéra erholen.


Was passierte in diesem schicksalhaften Jahr?

Um die Bekanntschaft seiner Werke zu fördern, hatte Wagner zu Beginn des Jahres drei Konzerte mit Ausschnitten verschiedener seiner Opern dirigiert.

Unter den Zuhörern war die ganze damalige musikalische Prominenz von Paris wie Berlioz, Rossini, Meyerbeer, Auber und Gounod. Das Echo war außerordentlich und Wagner erreichte mit der Hilfe der Gattin des österreichischen Botschafters, dass Napoleon III die Aufführung des «Tannhäuser» im Folgejahr anordnete.


Was im Jahr 1861 passierte, ging in die Annalen der Operngeschichte ein. Wagner passte das Werk auf die Gepflogenheiten der Grand Opéra an, unter anderem wurde das Bachanale des ersten Satzes mit einem Ballett ausgebaut, und ein französischsprachiges Libretto wurde erstellt.

Er inszenierte die Oper persönlich und nahm 164 Proben in Anspruch, um das teilweise überforderte musikalische Personal vorzubereiten. Doch die Vorstellungen wurden zum Fiasko.


Der Jockey Club, eine größere Gruppe von Dandys, sabotierten die Vorstellungen, weil sie gewohnt waren, erst im zweiten Akt zu erscheinen, wenn ihre Mätressen im üblichen Ballett mittanzten.

Wagner hatte jedoch das Ballett aus szenischen Gründen in den ersten Akt gelegt.

Aus Protest packten die Jockeys während der Aufführung Trillerpfeifen aus und unterbrachen das Schauspiel mit Lärm und Zwischenrufen. Tief verletzt und hoch verschuldet, beendete Wagner das Pariser Abenteuer nach drei Vorstellungen.


TRISTAN FIASKO IN WIEN UND LEBENSKRISE


Wagner versuchte nun sein Glück in Wien. Schon mit 19 Jahren hatte eine erste grosse Reise ihn in die Donaustadt gebracht. Dort durfte er zwar mit Lohengrin und Tannhäuser grosse Triumphe feiern, in Wien wurde ihm aber auch eine seiner grössten Schmach seines Lebens zuteil.

Wagner hatte gehofft nach dem Fiasko in Paris seine Geldprobleme mit den Aufführungen des soeben fertiggestellten «Tristan» zu lösen. Doch ein um die andere Stadt hatte eine Aufführung abgelehnt. Die letzte Hoffnung des hoch verschuldeten Wagners war Wien.


Er wohnte in dieser Zeit während mehreren Monaten an der Hadikgasse in sehr luxuriösen Verhältnissen, die er sich wie üblich nicht leisten konnte.

Wie immer staffierte er seine Wohnung mit sündhaft teuren Einrichtungsgegenständen aus und arbeitete dort an den «Meistersingern von Nürnberg».



Exkurs: Wagners Lesung der «Meistersinger»


Die Geschichte dieser Oper ist der Wettstreit der Meistersinger, die um die Hand der schöne Tochter eines der Meistersinger buhlen. Der biedere, in die Jahre gekommene Sixtus Beckmesser bewirbt sich, macht sich aber in der Folge zum Gespött.

Ursprünglich nannte Wagner die Figur des Merkers «Hans Lick» und bezog sich auf den gefürchteten Wiener Musikkritiker Hanslick.


Dieser war in frühen Jahren Wagner zugetan und einer der ersten, der 1845 eine wohlwollende Rezension über den frisch erschienenen «Tannhäuser» geschrieben hatte. Er gewann in der Folge das Vertrauen des Komponisten und hatte im selben Jahr Einsicht in die ersten Skizzen der «Meistersinger».

Später wendete er sich von Wagners Musik ab und schrieb bitterböse Worte über den «Lohengrin» («Armseligkeit des musikalischen Gedankens») oder den «Tristan» («die systemisierte Nichtmusik»).


Maliziös lud Wagner den Kritiker während diese Wiener Aufenthalts 1862 ein, als er zum ersten Mal die vollständige Dichtung der «Meistersinger» in kleinem Kreis vorlas.

Hanslick verstand die Anspielung (die Figur hieß dort noch Hans Lick) und er wurde im Nachgang zu diesen Geschehnissen und als Rache ein erbitterter Wortführer der Konservativen rund um Brahms zum mächtigen Widersacher gegen die Neudeutschen rund um Wagner.



DAS TRISTAN FIASKO


Zurück zum Tristan. Die Arbeit an der Aufführung des Tristans begann, doch nach vielen Monaten, 77 Proben und weiteren Wechselschulden kam das Ende: «Das Werk sei unaufführbar, die Sänger seien hoffnungslos überfordert», lautete das Urteil der Beteiligten.



Ohne die Einnahmen einer Aufführung drohte aufgrund seiner Schulden das Gefängnis. Bevor er in den Wiener Schuldturm geworfen wurde, um Zahlungen an seine Gläubiger zu erzwingen, flüchtete er angeblich in Frauenkleidern aus der Stadt, was so zu einer der grösste Lebens-Schmach wurde und zu seiner grössten Lebenskrise führte. Er schrieb nach seiner Abreise an einen Wiener Freund: «Ein gutes, wahrhaft hilfreiches Wunder muss mir jetzt begegnen, sonst ist’s aus».



Das Wunder von München, Ludwig II


Richard Wagner war nun völlig mittellos. Was er nicht wusste war, dass der bayrische König Ludwig der Zweite 1861 das Münchner Theater nach einer Lohengrin Aufführung tiefbewegt und tränenüberströmt verlassen hatte.



Als Ludwig in diesem Schicksalsjahr 1864 Wagner zu sich nach München rief, rettete er den Komponisten aus seiner grössten Lebenskrise.


Mit seiner Schatulle ermöglichte er die Uraufführung des «Tristan» in München und dieses Ereignis bedeutete der glanzvollste Moment von Wagners Wirken in München.

Ludwig hatte die Macht und die Mittel eine Aufführung in München anzuordnen, die in Wien gescheitert war. Dies gelang mit der Hilfe des Dirigenten Hans von Bülow und des begnadeten Sängerehepaars von Caroldsfeld.


Das Münchner Nationaltheater ist heutzutage Heimat der Bayerischen Staatsoper. Es wurde nicht nur zum Uraufführungsort der Oper «Tristan und Isolde» sondern auch der Meistersinger, der Walküre und des Rheingold.


Ludwig wurde so zu seinem Mäzenen. Doch die masslosen Forderungen Wagners belasteten die Staatskasse des Bayrischen Königs über Gebühr und Wagner musste 1865 nach nur einem Jahr München auf Druck der königlichen Regierung gegen den Willen des Königs verlassen.


Doch Wagners Opern waren und wurden die grösste Erfahrung in Ludwigs Leben. Er tauchte in die Sagenwelt Wagners ein und liess Neuschwanstein bauen, genauso wie Wotan im Rheingold Fafner und Fasolt eine Burg für die Götter bauen lassen sollte.


Der König blieb Wagner über die vielen Jahre treu, trotz der vielen Ungeheuerlichkeiten Wagners, der ihn über viele Jahre hin belog und betrog.



COSIMA TRITT IN SEIN LEBEN EIN


Kommen wir noch einmal zurück auf die Münchner Uraufführung des Tristan. Sie hatte ihre pikanten Seiten.


Der Dirigent von Bülow probte in enger Zusammenarbeit mit Wagner. Allerdings war seine Beziehung zum Komponisten mehr als angespannt, denn Wagner hatte ihm Jahre zuvor seine Ehefrau Cosima ausgespannt.


Von Bülow litt sehr darunter, was seiner künstlerischen Hochachtung vor Wagner aber keinen Abbruch tat.

Cosima hatte zur Zeit der Proben zur Uraufführung des Tristan von beiden Männern bereits je zwei Kinder, war aber offiziell immer noch mit Bülow zusammen.


Weil aber Wagner in München nicht ohne Cosima sein wollte und der Schein der Ehe gewahrt werden musste, lebten die drei während Monaten unter einem Dach.



WAGNERS FRAUEN


Wagner war ein Frauenheld, Frauen fühlten sich von dem romantischen, verständigen Menschen angezogen. Seine Liebschaften wurden zu seinen Musen und die Musen zu den Figuren seiner Opern: Minna wurde zu Senta, Mathilde wurde zu Isolde und die strenge Cosima wurde zur zickigen Fricka.


Wie Wotan war Wagner dem Fremdgehen nicht abgeneigt, im Gegenteil es war seine lebenslange Gewohnheit und sein Elixier. Neben Ehebruch schreckte er auch nicht davor zurück sich die Frauen seiner Mäzene und Freunde zu nehmen, Hans von Bülow und Otto von Wesendonck mussten es erfahren.


Auch Cosima wurde wiederholt ein Opfer von Richards romantischen Eskapaden.


Vreneli Weidmann war in seinen Schweizer Jahren 10 Jahre lang Bedienstete von Wagner. Die Unverheiratete Vreneli nannte ihr erstes Kind Wilhelm Richard.

Es glich Wagner stark und Richard pflegte eine herzliche Beziehung zu ihm. Auch die nächsten beiden Kinder, die Vreneli gebar, waren Richard wie aus dem Gesicht geschnitten.


Auch die Beziehung zu Carrie Pringle, die letzte Liebschaft seines Lebens, hatte es in sich.

Wagner entdeckte sie 1881 als Blumenmädchen in Parsifal. Wie immer schaute Cosima weg, als er mit ihr anbandelte.

Als der sterbenskranke Wagner sie unter dem Vorwand eines Vorsingens in den Urlaub nach Venedig kommen liess, platzte selbst Cosima der Kragen und ein fürchterlicher Streit entspann sich zwischen den beiden. Wenige Stunden später starb Wagner an einem Herzinfarkt.




EXIL IN LUZERN


Von der Münchner Regierung vertrieben, finanzierte Ludwig II Wagner sein Asyl am südlichen Rand von Luzern. Wagner lebte dort mit seiner Frau Cosima von 1866 bis 1872.


Cosima schenkte Richard 3 gemeinsame Kinder. Der älteste war Siegfried, später kamen Eva und Daniela hinzu. Auch lebten die zwei Kinder Isolde und Blandine bei den Wagners, die aus Cosimas Ehe mit von Bülow stammten.


Wagner empfing in Luzern viele Gäste. Der junge Friedrich Nietzsche, damals Professor an der Uni Basel, besuchte die Wagners häufig, auch Ludwig II machte dem Meister inkognito seine Aufwartung.

Er war es auch, der Wagners fürstliches Asyl in Tribschen finanzierte. Das herrschaftliche Haus liegt majestätisch am Vierwaldstättersee. Es wurde 1931 von der Stadt Luzern erworben und zu einem sehenswerten Richard-Wagner-Museum.


Insbesondere der Érard Flügel, der ihn überallhin begleitete, fand mit der Museumseröffnung den Weg zurück an diesen Wagner Ort.

In diesem Haus erfolgte 1870 die Uraufführung des Siegfried-Idylls, welches er seiner Frau am Geburtstagsmorgen mit 15 Musikern im Treppenhaus der Villa gab.



BAYREUTHER JAHRE


Wagners Lebenstraum war es ein eigenes Festspielhaus zu errichten, wo er das Gesamtkunswerk – die Zusammenführung der Künste der Musik, Architektur, Theater und Bühnenbildgestaltung – verwirklichen konnte.


Wagner wählte dieses Provinz Städtchen Bayreuth, um während der Festspiele den Aufführungen die maximale Aufmerksamkeit zu ermöglichen ohne die Ablenkungen einer Grosstadt. Wagner war es von Beginn weg klar, dass die Aufführung eines solchen Werkes in der bestehenden Theaterlandschaft kaum möglich war.


Die Idee eines eigenen Festspielhauses war früh geboren. Doch es sollten noch 25 Jahre bis zu dessen Vollendung verstreichen. Die Finanzierung dieses enormen Unterfangens sicherzustellen kostete Wagner viel Arbeit.


1872 zog er mit seiner Frau Cosima nach Bayreuth um, und die Bauarbeiten begannen.

Es gelang ihm zusammen mit vielen Gönnern, Geld für die Grundsteinlegung des Festspielhauses und für den Kauf der Villa Wahnfried zu sammeln.

Das Auftreiben des Kapitals zur Finanzierung des Festspielhauses ging schleppend voran und er musste viele Reisen mit Vorträgen und Dirigaten bestreiten. Dies belastete ihn sehr und sein Herz wurde arg in Mitleidenschaft gezogen.


Noch einmal half ihm Ludwig mit einem erklecklichen Geldbetrag aus der Patsche.

Mittlerweile hatte Wagner er eine Schar von jungen Künstlern um sich geschart , die ihm bei verschiedensten Arbeiten zur Hand gingen, die Gruppe bekam den Übernamen «Nibelungenkanzlei».


Eines der prominentent Mitglieder was Engelbert Humperndinck, der spätere Schöpfer der Oper «Hänsel und Gretel»


Vier Jahre später wurde das Festspielhaus mit dem Rheingold eröffnet.

Mit der ersten Aufführung des Ring Zyklus und dem Bau des Festspielhauses vollendete Wagner seine Vision des Gesamtkunstwerks.


Das Festspielhaus besticht noch heute mit seiner hervorragenden Akkustik, der exzellenten Sicht auf die Bühne und dem verdeckten Orchestergraben.


Zu wichtigen Heldinnen des Rings wurden die Rollen der sogenannenten Hochdramatischen.


Die ersten Festspiele erfolgten 1876 in Anwesenheit Wilhelms und der ganzen europäischen Kulturprominenz und wurden zu Wagners grösstem Triumph.


Diese erste Festspiele wurden jedoch ein zu einem finanziellen Fiasko. Danach dauerte es sechs Jahre bis zu den nächsten Festspielen im 1882, wo Wagner mit dem Parsifal sein letzte Werk uraufführte.



Die letzten Jahre - Italien Reisen und Parsifal


Die Winter in Bayreuth waren sehr kalt und neblig. Wagner entging ihnen durch regelmäßige Reisen in den Süden.


Der Besuch in Ravello an der Amalfiküste im Garten des Palazzo Rufolo inspirierte ihn zu Klingsors Garten für seine letzte Oper, den «Parsifal».



TOD IN VENEDIG


Wagner besuchte Venedig ein halbes Dutzend Mal. Oft stieg er kurz im Danieli ab und bezog dann an einem weiteren Ort Quartier.

Im Winter 1882/83 verlebte die Familie Wagner mehrere Monate in der Lagunenstadt.


Wagner war bei schlechter Gesundheit und verstarb im Palazzo Vendramin am 13. Februar 1883 an einem Herzinfarkt.


Seine Leiche wurde mit einer Trauergondel aus Venedig transportiert. Die Bestattung fand im Garten der Villa Wahnfried statt.



EPILOG


Cosima Wagner übernahm die Leitung der Festspiele. Mit eiserner Hand führte sie den Clan und es gelang ihr die Festspiele international zu institutionalisieren. Dabei sympathisierte offen sie mit rechts-extremen Gedankengut.


Siegfried übernahm ab 1908 von Cosima die Verantwortung für die Festspiele. Er konnte die Festspiele trotz schweren finanziellen Probleme nach dem ersten Weltkrieg wieder eröffnen und heiratet trotz seiner Homosexualität die Engländerin Winifred Williams, die ein enges Verhältnis mit Hitler aufbaute und nach dem Tod Siegfrieds die Festspiele während den Nazi-Jahren führte.


Siegfried verstarb nur vier Monate nach Cosima an einem Herzinfarkt, den er sich an Proben des Tannhäusers zugezogen hatte.


Winifred und Siegfried bekamen vier Kinder, darunter waren Wieland und Wolfgang, die nach dem Krieg die Leitung der Festspiele übernahmen.


Eva wurde die Vertraute Cosimas. Sie heiratete Houston Chamberlain, der die antisemitische Gesinnung der Familie Wagner konsequent weiterführte.

Die Bayreuther Festspiele sind noch immer eine Pilgerstätte für Freunde der Musik von Richard Wagner.



Richard Wagner - Biografie

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