Giuseppe Verdi - Biografie: Seine Orte, seine Musik und sein Leben
- peter
- vor 2 Stunden
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Es ist nicht möglich über Verdi zu sprechen, ohne zu den höchsten Superlativen zu greifen.
Doch die Krone der Opernkunst war ihm nicht in die Wiege gelegt. Seine ersten zehn Künstlerjahre waren von Verzweiflung, Trauer und Erfolgslosigkeit geprägt.
Wer war Giuseppe Verdi, welche Menschen und Orte haben ihn geprägt. Eine biographische Annäherung an den Jahrhundert Künstler aus Italien.
Doku Giuseppe Verdi (Video):
Giuseppe Verdi - Biografie
Geburt und Jugend in Le Roncole / Busseto
Giuseppe wuchs auf dem kleinen Weiler Le Roncole vor Busseto auf.
Dieses Dorf befindet sich circa 20 Kilometer von Parma entfernt in der landwirtschaftlich geprägten Po Ebene.
Seine Eltern waren Wirte und hatten dort einen Gasthof, wo die Familie auch wohnte.
Wenn man das elterliche Haus Verdis besucht, fällt einem die stattliche Größe des Hauses auf, keineswegs macht es den Eindruck einer mausarmen Familie. Verdis Vater war Schankwirt und das Wirtshaus befand sich im Erdgeschoss.
Das Haus wurde sorgfältig renoviert und in etwas in Originalzustand belassen und kann besichtigt werden.
Giuseppe zeigt früh musikalische Begabung. In seinem kleinen Geburtsort gab es aber keine Unterstützung für talentierte Musiker.
Doch er hatte Glück und wurde schon von klein auf gefördert, zu Beginn von einem Kirchenmusiker. Hier sehen Sie ein Foto der Kirche, wo der kleine Giuseppe oft die Orgel spielte.
Danach, als Jugendlicher wurde er von seinem späteren Schwiegervater Antonio Barezzi, einem vermögenden Spirituosenhändler und Musikliebhaber gefördert.
Verdi hatte während der Schulzeit in Busseto dessen Tochter Margherita kennen- und lieben gelernt.
Nach dem Besuch des Lyceum in Busseto schickte Barezzi Verdi nach Mailand.
Er auferlegte ihm das Absolvieren eines Musik-Studiums als Bedingung für die Heirat mit seiner Tochter.
Desaster am Konservatorium
Doch Verdi ereilte das für uns Unglaubliche, ihm wurde die Aufnahme ins Konservatorium verweigert. Zu alt sei er und überhaupt, sein Klavierspiel sei nicht gut genug.
Verdi war erschüttert, sein Traum von Karriere und Familie schien geplatzt.
Er schlug sich in Mailand ein paar Jahre mit Gelegenheitsarbeiten durch und kehrte drei Jahre später nach Busseto zurück und konnte endlich die Tochter seines Förderers Antonio Barezzi heiraten. In kurzer Folge brachte Margherita zwei Kinder zur Welt und Giuseppe fand in Busseto sein privates Glück.
Private Tragödie
Doch schon 2 Jahre später ereilte ihn die Katastrophe: Krankheiten und Geburten rafften seine Frau und seine zwei kleinen Kinder dahin.
In dieser Krise schrieb er als 26-jähriger mit dem Oberto seine erste Oper, die aber kein Aufsehen erregte.
Mit Nabucco aus der Krise
Drei Jahre später war es aber so weit, und Verdi durfte mit seiner dritten Oper, dem Nabucco, seinen ersten Triumph feiern.
Die Existenz der Oper wäre nicht denkbar gewesen, ohne den damaligen Direktor der Scala, Bartolomeo Merelli. Er schenkte Verdi nach dem Misserfolg auch seiner zweiten Oper sein Vertrauen und stellte ihm das Libretto zu Nabucco zur Verfügung.
Einerseits glaubte er an den jungen, 26-jährigen Italiener und andererseits war er als Impresario der Scala auf der Suche nach neuen Komponisten, der Oper fehlte das frische Blut.
Denn Bellini war vor einigen Jahren gestorben, Donizetti hatte sich nach Paris abgesetzt und Rossini hatte aufgehört Opern zu schreiben.
Doch Verdi war vor Nabucco weit davon weg der neue Star der mailändischen Scala zu werden. Er war am Boden. Frau und Kinder waren tot und seine ersten beiden Opern waren Misserfolge. Er trug sich mit dem Gedanken, den Beruf als Komponist aufzugeben.
Was dann folgte, beschrieb Verdi später selbst: Merelli hatte ihm das Libretto in die Manteltasche gestopft, und als er in seinem Zimmer ankam warf er es auf den Tisch. Das Heftchen fiel auf den Boden und es öffnete sich just an der Stelle des
«Va, pensiero sull’ali dorate». Verdis Augen fielen auf diese Stelle und er war elektrisiert. Noch in derselben Nacht las er das Libretto durch und beschloss eine neue Oper zu schreiben.
Dieser berühmten Erzählung Verdis wird von manchem Historiker keinen Glauben geschenkt, trotzdem sei sie hier erwähnt, weil Verdi verschiedene solche Mythen aus Imagegründen bewusst pflegte.
Die Erfindung der "tinta musicale"
Nabucco wurde ein Sensationserfolg und machte Verdi schlagartig bekannt. Noch mehr, dieses Werk katapultierte die zeitgenössische Oper in ein neues Zeitalter. Formal gesehen war Nabucco zwar ein konservatives Werk im Geiste von Rossini, und war noch immer dem schablonenhaften Aufbau der Scena ed aria verhaftet. Doch musikalisch war sie eine bedeutenden Innovation.
Ab Nabucco sollte jede Oper Verdis eine eigene, charakteristische Farbgebung bekommen, einen individuellen Fingerabdruck, der sogenannten Tinta musicale. Worin besteht die Tinta musicale des Nabucco?
Noch nie hatte man die beinahe brutal und elementar anmutende Kraft der Musik so wie in Nabucco erlebt. Dies manifestiert sich in der ungewöhnlich hitzigen Rolle der Abigaille, im lauten, blechbetonten Orchester und mit dem ungemein präsenten Chor.
Während Wagner später die Leitmotive als Klammer des Werks wählte, nutzte Verdi dieses Stilmittel. Von nun an definierte Verdi vor dem Kompositionsprozess jeder Oper detailliert dessen tinta musicale und verlieh so jeder seiner Opern einen unverwechselbaren Charakter.
Verdi und die Scala
Angesichts des Sensationserfolgs des Nabucco, bot der Impresario Merelli Verdi einen Vertrag für ein Folgewerk für die Scala an.
Der Vertrag war vollständig ausgearbeitet, lediglich bei der Entschädigungssumme klaffte eine Leerstelle. Merelli forderte den Komponisten auf, die ihm genehme Summe selbst einzufügen. Verdi war der neue Star der Scala.
Diese Mailänder Institution blieb während seines ganzen Lebens sein wichtigster künstlerische Bezugspunkt. Hier war 1839 die Uraufführung seiner ersten Oper, Oberto, erfolgt und hier wurde auch 54 Jahre später seine letzte Oper, der Falstaff uraufgeführt.
Sieben Opern Verdis erblickten an der Scala das Licht der Welt, aber zwischen der Uraufführung der «Giovanna d’Arco» und dem «Otello» lag eine Lücke von 42 Jahren in denen Verdi in Venedig, Rom, Neapel, Kairo, Florenz, Triest und Paris uraufführen liess. Oft konnte Verdi an anderen Opernhäusern bessere Preise erzielen, doch immer wieder fanden die neuen Werke rasch den Weg an die Scala. Für Verdi blieb das Urteil des gebildeten, anspruchsvollen Mailänder Publikums stets ein wichtiger Gradmesser. Der Komponist maß dem Publikumserfolg immer einen hohen Stellenwert bei.
Neben der Scala befand sich eine für Verdi weitere wichtige Institution in Mailand: Hier befanden sich die Büros seines lebenslangen Verlegers Ricordi.
Gemischte Gefühle in der Heimat
Verdi hatte während seiner Arbeit an Nabucco die Sängerin Giuseppina Strepponi kennen- und lieben gelernt und die beiden wurden bald ein Paar.
Mit dem Erlös des Nabucco konnte er sich als 32-jähriger eine schöne Residenz in Busseto kaufen, den Palazzo Orlando und er zog mit Giuseppina dort ein.
Allerdings goutierten die Leute von Busseto die uneheliche Beziehung gar nicht und vertrieben so den Maestro.
Verdi war tiefgetroffen und wollte mit seinem neuen Werk diese Ereignisse verarbeiten.
Er verlegte nun sein Augenmerk auf Venedig. Die Lagunenstadt hatte die Ehre im Teatro alla Fenice zwei der drei grossen verdianischen Opern der Triologia popolare uraufzuführen, und zwar die «Traviata» und den «Rigoletto». Die eine wurde zum angekündigten Fiasko und die andere zu einem überraschenden Triumph. Dazwischen lagen nur zwei Jahre.
Dass die Uraufführung der Traviata in einem Fiasko enden würde, ahnte Verdi bereits im Vorfeld. Die Wahl eines zeitgenössischen Stoffes war eine ungeheure Sensation, denn die italienische Oper kannte bis dato nur historische Sujets. Mit der zeitgenössischen «Traviata», die Vorlage bildete Alexandre Dumas‘ Kameliendame, war sie zum ersten Mal in der Gegenwart angekommen.
Waren bisher irgendwelche Könige oder Ritter die Bösewichte, ging Verdi das Wagnis ein, eine Kurtisane zur Heldin zu machen und der italienischen Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten.
Wieso wählte Verdi diese Geschichte? Dumas selbst hatte als junger Mann mit der stadtbekannten Lebedame Marie Duplessis zusammengelebt. Diese starb bereits mit 25 Jahren an Schwindsucht und Dumas nahm sie als Vorbild für die Protagonistin des Romans.
Als Verdi zum ersten Mal mit Dumas’ Roman in Berührung kam, war er tief bewegt. Er erinnerte ihn an seine eigene Situation mit seiner Lebensgefährten Giuseppina Strepponi.
Als er mit Giuseppina zusammenzog, war Giuseppina bereits 32 Jahre alt und eine Frau mit Vergangenheit. Sie war keine Kurtisane, aber hatte neben ihrem beruflichen Leben als Opernsängerin drei Schwangerschaften mit verschiedenen Männern.
Selbst in Paris wurden Verdi und Strepponi von der vornehmen Gesellschaft schikaniert und in Busseto begegnete das Paar dem offenen Widerstand der Kleinstadt-Bevölkerung.
Besonders schmerzhaft war für Verdi, dass sein früherer Gönner und Förderer Barezzi sich offen gegen ihn stellte. Es ist gut möglich, dass Verdi mit der Rolle des Germonts (die er gegenüber der Vorlage von Dumas aufgewertet hatte) ein Portrait Barezzis schuf.
Doch auch die Venezianer reagierten gereizt. Das noblen Venezianische Publikum schätzte es nicht, dass ihm Verlogenheit vorgeworfen wurde. Das «Teatro La Fenice» hatte diese Reaktion vorausgesehen und versuchte die Anklage zu entschärfen, indem sie die Handlung ausstattungsmässig 150 Jahre in die Barockzeit zurückversetzte und so Verdis Walzermusik ad absurdum führte.
Hinzu kamen noch Besetzungsschwierigkeiten, weil die Oper kurzfristig angesetzt wurde. Bitter musste Verdi bei der Uraufführung zur Kenntnis nehmen, dass sie nicht nur durchfiel, sondern die Leute auch über sie lachten.
Einer der Gründe für das Fiasko der Uraufführung der «Traviata» könnte die Leibesfülle der Hauptdarstellerin gewesen sein. Sie machte in der Sterbeszene des dritten Akts nicht den Eindruck einer ausgezehrten Frau und provozierte so das Gelächter des Publikums. Ein Zeitungskritiker schrieb boshaft, sie sei «fett wie eine Mortadella aus Bologna».
Welterfolg mit der "Triologia popolare"
Dem Rigoletto erging es in Venedig besser und wurde zu einem überraschenden Triumph, den Verdi mit seiner nächsten Oper sogar noch übertroffen konnte.
Der Erfolg der dritten Oper der Triologia, des Trovatore, war immens.
Bereits die Uraufführung vom 19. Januar 1853 in Rom war umjubelt. Nach jeder Arie brach Beifall aus und das Ende des dritten Aktes und der ganze vierte Akt musste wiederholt werden. Auch wurde die Oper trotz der eher traditionellen formellen Anlage als neuartig empfunden.
In den folgenden Jahren war der Trovatore in ganz Europa und in Amerika zu sehen. 1862 schrieb Verdi in einem Brief, den Trovatore könne man selbst in Afrika und in Indien hören.
Auch heute noch gehört er zu den beliebtesten Opern, allerdings ist aufgrund der Besetzungsschwierigkeiten die Nachfrage grösser als das Angebot.
Sant'Agata
Wenige Kilometer außerhalb von Busseto liegt das herrschaftliche Gut Sant’Agata. Ursprünglich war es ein Bauernhof, von Verdi wurde es zum herrschaftlichen Sitz ausgebaut.
Er kaufte das Land 1848 und baute es sukzessive aus, mit dem Ziel sich dort mit 60 Jahren zur Ruhe setzen zu können. Er lebte dort ab 1851 bis zu seinem Lebensende mit seiner Frau Giuseppina und komponierte dort viele seiner Werke. Er war dort geschützt vor den Anfeindungen seiner Landsleute und schätze das Leben als «Bauer», wie er sich nannte.
Die Villa Verdi ist heute ein herausragendes Besuchsziel, welches zwar ein Museum ist, aber so belassen wurde, wie es von Verdi testamentarisch verfügt worden war.
Es wird von seinen Nachfahren gehegt und gepflegt und besticht durch verschiedenste Exponate, die vom Hammerklavier bis zum Kutschenstall und der Totenmaske reicht. Ein schöner Park lädt zu einem Spaziergang ein.
Wenige Kilometer entfernt, in Busseto, befindet sich ein schmuckes, kleines Theater mit 300 Sitzplätzen. Es wurde während den Lebzeiten des Komponisten erbaut. Verdi spendete aus Höflichkeit 10.000 Lire, betrat es aus Groll gegen die Leute aus Busseto aber nie.
AUF DEM WEG ZUM MUSIKDRAMA
Mit dem «Simon Boccanegra» machte Verdi einen großen Schritt in seiner musikdramatischen Konzeption. In seiner Auffassung des Musikdramas verzichtete er auf Nummern und behandelt jede Szene als dramatische und musikalische Einheit.
Das Orchester gewann an Bedeutung, Verdi steigerte dessen Ausdruckskraft und räumte ihm mehr Präsenz ein, zulasten von sängerischen Bravourstücken, die manch ein Theaterbesucher in «Simon Boccanegra» vermisst.
Verdi ging den Weg zum Musikdrama konsequent weiter, den er 10 Jahre zuvor mit «Macbeth» begonnen hatte.
Der Misserfolg von Simon Boccanegra schmerzte ihn sehr. So folgte mit dem «Ballo in maschera» wieder eine klassische Nummernoper.
Risorgimento
Mittlerweile hatte die Italienische Revolution, das Risorgimento, Besitz von Italien ergriffen. und Verdi ließ sich zur Kandidatur für die Abgeordnetenkammer überreden.
Seine Insignien wurden so zum Symbol der italienischen Einheit. Doch diese Phase blieb lediglich ein Zwischenspiel. Verdi war mit seinen Opernprojekten viel zu beschäftigt, und er trat bald vom Amt als Abgeordneter zurück.
Paris
Paris bedeutete für Verdi einen wichtigen Abschnitt seines Lebens. Er war oft für seine Opernprojekte in Paris. Die «Vêpres siciliennes» und «Don Carlos» schrieb er für die Französische Hauptstadt und weitere Werke erfuhren französische Fassungen.
Verdi war zeitweise besessen, Paris zu erobern und Meyerbeer als Operngott in Paris abzulösen.
Sein erster Versuch war «Vêpres siciliennes», bei dem sich Verdi persönlich und diktatorisch um die Inszenierung kümmerte und dabei seinen Ruf als Theatertyrann festigte. Bald schon wurde er in der Oper hinter vorgehaltener Hand von den unpünktlichen Musikern nur noch «Merdi» genannt.
Nach dem Tod Meyerbeers bekam er den Auftrag während der Weltausstellung von 1867 ein Werk für die Grand Opéra zu schreiben.
Er wählte den Don Carlo und schrieb eine Fünf Akt Oper. Der Aufwand für die Inszenierung war gigantisch. Allein schon der Umstand, dass das Theater für die Uraufführung sagenhafte 355 Kostüme nähen musste, ist Beweis genug.
Inspiration für das spanische Drama hatte er Jahre zuvor bei einer Reise zum Escorial geholt.
Er erinnerte sich an die spartanische Kammer des Königs und nahm sie als Kulisse für die großartige Monologszene Philipps II.
Das Verhältnis Verdis zu den Parisern war gespalten. Schon früh wurde er mit der Medaille der Ehrenlegion ausgezeichnet. Er lehnte aber die Teilnahme an der Prozedur ab und nannte sie einen Dreck, was ihm von den Parisern verübelt wurde.
Der Erfolg stellte sich in Paris eher spät ein und Verdi nahm als über 70-jähriger die Auszeichnung als Kommandeur der Ehrenlegion entgegen und speiste sogar mit Napoléon III. und Eugénie in deren Schloss Compiègne.
Neapel, Romanze mit Teresa Stolz
Verdi verband mit Neapel eine Art Hassliebe.
Liebe verband ihn mit dem neapolitanischen Lebensgefühl und den lokal ansässigen Freunden wie dem Librettisten Cammarano. Verachtung hatte Verdi für die Vertreter des Königreichs übrig, die sein Leben mit ihrer Politik und der Zensur seiner Opern schwer machten.
Paradoxerweise schrieb der Republikaner Verdi noch 1848 eine Hymne für den neapolitanischen Bourbonenkönig. Niemand weiß, welcher Teufel ihn da geritten hatte, vielleicht einfach der Mammon.
Später kam er mehrmals im Winter nach Neapel, um Giuseppina die Winter von Busseto zu ersparen.
Als Verdi ein Verhältnis mit der Sopranistin Teresa Stolz begann, führte dies zu einer tiefen Ehekrise. Schließlich akzeptierte Giuseppina die Situation und die drei verbrachten sogar einen gemeinsamen Winterurlaub in Neapel.
Aida und zwei Alterswerke
Verdi war fast sechzig Jahre alt, als er die Aida schrieb. Er wollte sich zurückziehen, wurde aber vom Vizekönig von Ägypten angefragt, eine Oper für die Eröffnung des Kairoer Opernhaus zu schreiben.
Verdi nannte dann, um die Anfrage abzuwimmeln, eine unverschämt hohe Summe, die zu seiner Überraschung angenommen wurde.
Je länger er an ihr arbeitete, umso mehr begeisterte er sich, bis die «Aida» schließlich zusammen mit dem «Otello» vielleicht sein größtes Werk wurde.
Verdi überraschte die Musikwelt zweimal mit Alterswerken. Das erste Mal im Alter von 74 Jahren, mit dem Othello und mit 80 Jahren, mit dem Falstaff. Beide Uraufführungen wurden zu Triumphen in der Scala.
Die einzigartige Stellung des Otello im Werk des großen italienischen Meisters ist verbunden mit seinem konsequenten Schritt zum Musikdrama einer durchkomponierten Oper. Und mit Falstaff konnte er endlich die Komödie schreiben und konnte so Rossinis Fluch ablegen, der behauptete Verdi könne keine Komödien schreiben.
Stiftung und Bau des Casa di riposo und Tod
In seinen letzten Lebensjahren initiierte Verdi eine großzügige Tat.
Er kaufte an der Mailänder Piazza Buonarroti ein großes Areal und ließ dort ein Altersheim für verarmte, alte Musiker bauen.
Bewusst wollte er nicht ein spitalähnliches Pflegeheim bauen, sondern ein Heim für Gäste, die statt in Schlafsälen, in Zweier-Zimmer wohnen sollten. Seither sind über tausend Personen in den Genuss dieses geschmacksvoll eingerichteten Pensionats gekommen, welches auf Wunsch Verdis erst nach seinem Tod eröffnet wurde.
Dieser Ort wurde auch zur letzten Ruhestätte Verdis und seiner zweiten Frau Giuseppina die wenige Jahre vor ihm gestorben war.
Nach dem Tod seiner Frau Giuseppina hatte sich der 84-jährige längere Zeit im Albergo Milano (dem heutigen Gran Hotel) einquartiert, wo er 1901 verstarb.
Noch heute kann diese Suite als “Giuseppe Verdi Suite” gebucht werden, sie wurde weiterhin möglichst nahe an der Originalausstattung gehalten.
Berühmtheit erlangt hat das Hotelzimmer auch durch den Balkon, der zum Zimmer gehört. Hier nahm Verdi mehrmals Ovationen von Menschenmengen entgegen. Am glanzvollsten nach der Uraufführung des Otello, als der Tenor der Uraufführung, Francesco Tamagno, ihn begleitete und vom Balkon aus zur Freude der Menschenmenge Arien aus dem Otello sang.
Giuseppe Verdi - Biografie




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