Claude Debussy - Biografie: Seine Orte, seine Musik und sein Leben
- peter
- vor 1 Tag
- 10 Min. Lesezeit

Claude Debussy war der Erfinder einer neuen Klangwelt. Die neuen Farben seiner Klänge waren unerhört. Seine Musik war wie seine Persönlichkeit, nämlich geboren zum Anderssein.
Von Debussys erstem bis zu seinem letzten Meisterwerk vergingen nur 25 Jahre. Die Werke der ersten Hälfte werden von der ganzen Musikwelt geliebt und mit den Werken der letzten Jahre verließ er endgültig die Basis der klassisch-romantischen Musik.
In dem Masse wie er sich von der klassisch-romantischen Musik entfernte wurde er selbst immer mehr zum Einzelgänger und starb nach langjähriger, schmerzhafter Erkrankung im dunklen Zeitalter des ersten Weltkriegs.
Wer war Claude Debussy und welche Menschen und Orte haben ihn geprägt. Eine biografische Annäherung an den Jahrhundertkünstler aus Frankreich.
Die Biografie von Claude Debussy
Kindheit in bescheidenen Verhältnissen
Als Debussy 1862 in kleinen Städtchen Saint-Germain-en-Laye geboren wurde, deutete nichts darauf, dass er 56 Jahre später als ein Großer der Musikgeschichte sterben würde.
Seine Eltern führten ein Porzellangeschäft im wenige Kilometer von Paris gelegenen Städtchen.
Das Geburtshaus von Debussy in der Altstadt des historischen Städtchens steht noch. Es ist ein Haus aus dem 17. Jahrhundert mit einem sehr malerischen Innenhof. Es wurde später als Debussy-Museum eingerichtet, in dem persönliche Gegenstände und Dokumente des Komponisten ausgestellt werden.
In den folgenden Jahren vergrößerte sich die Familie Debussy um weitere 4 Kinder. Die Eltern mussten aus finanziellen Gründen das Geschäft aufgeben und zogen nach Paris, wo der Vater eine Anstellung als Buchhalter annahm.
Claudes Eltern hatten absolut keine Beziehung zur Musik, es war eine Tante, die mit einem kunstsinnigen Bankier liiert war, die das Talent Debussy erkannte.
Als die Kriegswirren des deutsch-französischen Kriegs Paris erfassten wurde der Vater Soldat und musste als Mitglied der Kommunarde zeitweise sogar ein Jahr ins Gefängnis.
Unorthodoxe Förderung
Claude kam zu seiner Tante nach Cannes, wo er gefördert wurde und zeitweise sogar Lektionen erhielt von einer Musikerin, die behauptete als Schülerin von Chopin Lektionen vom Meister persönlich erhalten zu haben.
Debussy erzählte später, dass sie ihn viel Musik von Bach spielen ließ, möglicherweise um den eher undisziplinierten Knaben Claude zu formen.
Debussy fand in Cannes nicht nur zum Klavierspiel, sondern auch die Liebe zum Meer, welche er später mit seiner berühmten Komposition „La Mer“ verewigte.
Von seiner Mutter erbte er vielleicht das nonkonformistische seiner Persönlichkeit. Sie verweigerte die traditionelle Erziehung und Claude genoss keinen formalen Schulunterricht, er konnte einzig vom häuslichen Unterricht seiner Mutter zehren, was zeit seines Lebens in seiner Rechtschreibung sichtbar blieb.
So blieb Claude viel Zeit für die Musik am Klavier und die Förderung durch seine Tante ermöglichte Debussy schließlich im Alter von 11 Jahren den Besuch des Pariser Konservatoriums, als die Debussys in der Zwischenzeit wieder nach Paris gezogen waren.
13 Jahre im Pariser Konservatorium
Er hatte den Zugang zum Konservatorium durch einen Wettbewerb gefunden. Claude bestand und die Verantwortlichen gestanden dem jungen Studenten erhebliches Talent zu.
Doch die Lehrer mussten bald von der Unzähmbarkeit des jungen Schülers Kenntnis nehmen. Einer seiner Professoren meinte, dass Debussy sich dafür auszeichnete, gerade das nicht zu machen, was der Lehrer von ihm wollte. Schon in frühen Jahren zeigte sich Debussys nonkonformistische Züge, die aus ihm später den musikalischen Revolutionär machen sollten.
Glücklicherweise fand er in Antoine Marmontel, seine wichtigsten Bezugspersonen am Konservatorium. Marmontel war ein erfahrener Konservatoriums Professor, der in seiner Karriere schon viele namhafte Schüler ausgebildet hatte.
Doch Claudes mangelnde Disziplin verhinderte den Weg zum Klaviervirtuosen. Zwar war sein Klavierspiel sehr gut, aber er gehörte nicht zu den allerbesten. Er verfehlte mehrere Male erste Preise und beschloss von einer Klaviervirtuosen Karriere Abstand zu nehmen. Sein Ziel wurde Komponist zu werden.
Horizonterweiterung bei Nadeshda von Meck
Als Debussy zum jungen Erwachsenen wurde, war es war sein alter Lehrer Marmontel der Debussy wichtige Erfahrungen ermöglichte. Und zwar vermittelte er seinen talentierten Schüler an vermögende Familien, wo er mehrere Sommer hintereinander als Pianist angestellt war.
Eine dieser Anstellungen war bei Nadezda von Meck, der berühmten Brieffreundin und Mäzenin Tschaikowskys. Sie suchte für ihre vielen Reisen regelmäßig musikalische Begleiter und Klavierlehrer für ihre Kinder. So begleitete Debussy die Dame unter anderem nach Arcachon. Dort wohnten sie in dem extravaganten Quartier Ville d'hiver in der Villa Marguerite. Das mondäne und luxuriöse Leben machte auf den 18-jährigen, der aus kleinen Verhältnissen stammte, einen enormen Eindruck.
Die Anstellung bei Meck führte ihn sogar bis nach Russland und der Kontakt zur Familie Meck blieb auch in der Folgezeit bestehen und sie half ihm mehrmals sich finanziell über Wasser zu halten.
Prix de Rome & Bayreuth
Aufgrund seiner Mittellosigkeit verblieb Debussy vergleichsweise lange im Konservatorium, erst die zweite Hälfte seiner zwanziger Jahre führte Debussy zu zwei wichtigen Meilensteinen, die seine musikalische Ausbildung beschließen sollten. Zuerst der Rom Aufenthalt, dann die Besuche in Bayreuth.
Zum Abschluss seiner Studien zielte Debussy auf den Prix de Rome ab. Die Académie führte jährlich Wettbewerbe durch, deren Haupt-Preis in einem mehrjähriger Künstler-Aufenthalt im Rom bestand. Unter den früheren Preisträgern befanden sich so namhafte Namen wie Georges Bizet, Hector Berlioz, Charles Gounod und Jules Massenet.
Debussy qualifizierte sich dafür erst im dritten Anlauf und siedelte in das römische Domizil, der Villa Medici um.
Doch er fühlte sich im Exil dieser herrschaftlichen Villa nicht wohl und brach den Aufenthalt nach zwei Jahren frühzeitig ab. Er vermisste das Pariser Leben als Boheme und schuf in diesen zwei römischen Jahren kein bedeutendes Werk.
Zwar musste er der Jury regelmäßig Kompositionen schicken. Diese war über den Inhalt der Post gar nicht erbaut und kritisierten Debussy teilweise heftig. So schrieben Sie unter anderem zu einem Werk:
"Monsieur Debussy scheint gegenwärtig von dem Wunsch besessen, etwas Bizarres, Unverständliches, Unaufführbares zu schaffen. Wenn auch einige Stellen einen gewissen persönlichen Charakter aufweisen, so bietet doch die Vokalpartie nichts Interessantes, weder in melodischer noch in deklamatorischer Hinsicht."
Möglicherweise waren diese mediokren Schöpfungen sogar eine Trotzreaktion des eigenwilligen Debussy auf die konservative Jury.
So war der künstlerische Ertrag der Römer Jahre mager, Immerhin lernte er in der ewigen Stadt Franz Liszt kennen, der als Abbe Liszt Rom mit Budapest als Wohnort teilte. Debussy freundete sich mit Liszt an und schätze das Klavierspiel von Liszt sehr.
Danach führt ihn der Weg zweimal nach Bayreuth, denn mittlerweile hat Richard Wagners Musik Debussy in den Bann gezogen. Besondere Anziehungskraft hatte der Tristan und die Beziehung zu Wagner sollte für Debussys Musik einen wichtigen Einfluss haben. Mehr darüber später.
Der neue Stil I: Deux Arabesques
1889 war es schließlich so weit und Debussy schreib sein erstes Meisterwerk. Es kann gut sein, dass man in den Deux Arabesques noch etwas Liszt in den wogenden Arpeggien des ersten Stücks hören kann. Der Musik mag denn auch noch etwas salonhaftes innewohnen, doch - es ist bereits vollendeter Debussy.
Musik Arabesque
Was ist neu an den Arabesques?
Zum einen wird die Figur der Arabeske wird zu einem eigenständigen Kompositionsprinzip. Alles dreht sich um die Arabesque, doch sie ist nicht mehr ein Thema, sondern mehr Ornament. Mit ihr geht Debussy den Weg zur athematischen Komposition und bricht mit einer 150 Jahre alten Musiktradition.
Darüber hinaus empfindet der Hörer eine gewisse Exotik im Werk, gefördert von vielen pentatonischen Passagen. Dies geschah nicht zufällig, den Debussy hatte kurz zuvor in der 89er Weltausstellung in Paris Inspiration durch eine exotische Musik aus Indonesien gefunden:
Musik Gamelan
Debussy wurde fasziniert von der Akustik der indonesischen Schlagzeug Musik und ließ seine Faszination in seine Kompositionen einfließen. Kein Stück war indes so stark von der Gamelan Musik inspiriert, wie das Stück mit dem Namen Pagodes aus der der Sammlung Estampes.
Zum zweiten ikonischen Produkt dieser ersten, ernsthaften Schaffensperiode Debussys wurde sein vielleicht berühmtestes Stück, Claire de lune, aus der Suite bergamasque. Noch einmal ließ Debussy die Arpeggien leuchten, wie es nur Debussy konnte.
Musik Claire de lune
Französiche Revolution in der Musik: Prélude à l’après-midi d’un faune
Trotz diesen großartigen Kompositionen für Klavier solo war es ein Orchesterwerk, mit dem Debussy den ersehnten Durchbruch erzielen konnte.
1894 schrieb der 32-jährige sein „Prélude à l’après-midi d’un faune“. Und das Motiv des Fauns, mit dem Ganzton- und den vier Halbtonschritte gilt in der Musikgeschichte als das erste Werk der Moderne:
Thema Faun
Bei diesem Prélude handelt es sich um die Vertonung eines Handlungsgedichts, doch Debussy betonte in einem von ihm verfassten Kommentar zum Stück: „Es möchte das Gedicht kaum zusammenfassen, sondern die verschiedenen Stimmungen andeuten“
Und so entsteht die Musik quasi aus dem Nichts. Metrum und Tonalität werden verschleiert und es bleibt ein seltsames, noch nie gehörtes Schweben zurück, gewissermaßen ein Flirren der mediterranen Hitze und der Lüsternheit des Fauns.
Debussy und die Frauen
Die berühmte Sängerin Mary Garden schrieb 1908 über Debussy: « Honnêtement, je ne sais pas si Debussy a vraiment aimé quelqu’un. Il aimait sa musique – et peut-être lui-même. Je pense qu’il était enveloppé dans son génie… C’était un homme très, très étrange »
"Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob Debussy wirklich jemanden geliebt hat. Er liebte seine Musik - und vielleicht sich selbst. Ich denke, er war von seinem Genie umhüllt ... Er war ein sehr, sehr seltsamer Mensch".
Debussy hatte durchaus eine gesellige Seite und verbrachte viele Abende in dem beliebten Künstlerlokal Le chat noir, wo sich die Pariser Boheme allabendlich traf.
Debussy war kein einfacher Mensch. Auf der einen Seite war er kultiviert und intelligent, er konnte aber gegenüber seinen Freunden auch störrisch mürrisch sein, ein Zug, der sich mit zunehmendem Alter verstärkte.
So ist es nicht wirklich überraschend, dass er zwei langjährige, toxische Beziehungen in seinen dreißiger Jahre hatte:
Zu einem betraf es Gabrielle Dupont. Ihre Beziehung war belastet durch die schwierige finanzielle Situation. Er hatte sie in einem Lokal kennengelernt, wo sie als Tänzerin auftrat und sie war es die im schäbigen Appartement der Rue Londres die Brötchen verdiente. Debussy dankte es Ihr mit Affairen. Das Fass lief über als er eine Geliebte mit dem Namen Rosalie Texier kennenlernte. Nach einem furchtbaren Streit verletzte Gaby sich bei einem Selbstmordversuch mit einem Revolver.
Die neue Flamme Rosalie, genannt Lily war Näherin und Mannequin mit blonden Haaren. Er ging 1899 sogar eine Ehe mit ihr ein. Doch die Geschichte wiederholte sich.
Als er eine andere kennenlernte, schrieb er Lily einen Brief und kündigte aus der Ferne die Ehe auf. Rosalinde Texier schoss sich aus lauter Verzweiflung zwei Kugeln in die Brust, überlebte aber. Der kaltherzige Debussy besuchte sie nicht einmal in der Klinik, geschweige kam er für die Krankenhauskosten auf, was ihm viele Freunde nicht verziehen.
Der neue Debussy Stil II: Die mittlere Schaffensphase
Mit dem Einzug des neuen Jahrhunderts wurde Debussys Musik introvertierter und farbenreicher. Man vermutet, dass Debussy Synästhesist war, und so ist es nicht verwunderlich, dass er oft visuelle Impressionen wie zum Beispiel Gemälde als Inspirationen für seine Musik nahm, wie beispielsweise in seinen Images.
Debussys Klaviermusik orientierte sich an der Cembalomusik des Barock, an die Cembalomusik. Debussy führte aus, dass man in seiner Musik die Hämmer des Klaviers nicht bemerken sollte. Konsequenterweise schrieb er auch nie ein klassisches, effektvolles Klavierkonzert.
Debussy ging sogar so weit zu behaupten, dass er in seiner Lebenszeit nur zwei wirklich gute Pianisten gehört habe, nämlich seine „kleine dicke Klavierlehrerin“ [Mauté de Fleurville] und Franz Liszt, den er einmal in Rom gehört hatte. Dass Franz Liszt die Inkarnation des romantischen und frei interpretierenden Künstlers war, schien ihn hier ausnahmsweise nicht zu stören, vermutlich, weil Liszt ohnehin meist seine eigenen Werke spielte.
In Debussys Klangmalerei scheinen sich scharfe Umrisse auflösen. Das wird von vielen Hörern als impressionistisch wahrgenommen, wenn auch dieser Begriff für Debussys Werk als missverständlich gilt, und Debussy selbst den Begriff für seine Musik verwarf.
Hören wir die Schlusstakte seiner „Cathedrale engloutie“ aus den Préludes, wo sich die versunkene Kirche in den Klängen des Klaviers auflöst.
1912 spielte Debussy dieses Stück für eine Rolle für einen mechanischen Welte-Mignon Flügel ein. Mit diesem einzigartigen Dokument können wir an der seidenen und geschmeidigen Klaviertechnik Debussys teilhaben.
Wagner und Pelléas
Nach der Klavier- und Orchestermusik wandte sich Debussy der Bühne zu. Nun betrat er das Feld seines Übervaters Richard Wagner.
Mittlerweile waren über zehn Jahre seit seinen Pilgerreisen nach Bayreuth vergangen und Debussys Schwärmerei für Wagners Musik hatte sich in eine Hassliebe verwandelt.
Vieles wissen wir, da er unter dem Pseudonym Monsieur Croche zu aktuellen musikalischen Themen in einer Zeitschrift schrieb. Beinahe klaustrophobisch arbeitete er sich am Thema Wagner ab.
Seine einzige Oper Pelléas et Melisande zeugt von seiner Fixierung auf Wagner, sie
wurde sowohl zu einer Ablehnung von Wagners Musik wie auch dessen Bejahung.
Auf der einen Seite war der Pelléas Debussys Tristan. Davon zeugen beispielsweise die Verwendung der Leitmotiv-Technik und die vorherrschende transzendentale, melancholischen Tristan Stimmung.
Auf der anderen Seite entrümpelte Debussy die Musik der Oper vom Pathos Wagners. Die Musik des Werks löst sich in Klangmalerei auf, wie wir es in seiner Klaviermusik erlebten, das Geschehen verschwindet zugunsten der Empfindung und die athematische Kompositionsweise wird zum Prinzip.
Der Pelléas entzweit seit einer Uraufführung die Opernliebhaber. Viele empfinden den Pelléas als langweilig, für andere ist er ein Heiligtum.
Selbst der Dichter des Pelléas, Maeterlinck, soll eingeschlafen sein, als Debussy ihm den Pelléas zum ersten Mal am Klavier vorgespielt hatte. In der Folge verkrachten sich die beiden Künstler aus verschiedenen Gründen aufs heftigste, was sogar in einer Duell-Aufforderung Maeterlincks, während der Proben gipfelte.
Die tumultuöse Geschichte machte Debussy endgültig zu einer Berühmtheit und er trat aus dem Halbschatten der Boheme in das Rampenlicht der Bedeutsamkeit.
Heirat und Familienleben
Debussys Affairen, die mit Selbstmorden geendet hatten, seine mürrische Persönlichkeit und die mäßig geliebte Neuartigkeit seiner Musik machten ihn zu einem einsamen Menschen, verlassen von fast allen Freunden.
Es war die Beziehung zu Emilie Bardac, die ihn in dieser Zeit rettete. Um der Einsamkeit in Paris zu entgehen, reisten er und die vermögende Emilie öfters ins Ausland.
Er hatte sie 1904 kennengelernt und bereits ein Jahr später kam die gemeinsame Tochter Emma-Claude zur Welt.
Debussy vergötterte seine Tochter, die er zärtlich Chouchou nannte. Sie inspirierte ihn zu der Schöpfung seiner berühmten Sammlung von Klavierstücken „Children´s Corner“.
Noch einmal arbeitet er sich im letzten Stück dieses Werks an Richard Wagner ab. Im berühmten Golliwog´s Cakewalk zitiert er nicht weniger als vier Mal den Tristan Akkord. Spöttisch notiert er die Spielanweisung „avec une grande émotion“ und während Wagner in Tristan und Isolde weitere 3 Stunden für die Dur-Auflösung des schwebenden Akkords brauchte, reichte es im Cakewalk die Sekunden zu zählen bis Debussy dem Zuhörer die Auflösung des Akkords schenkte.
Gesundheitliche Probleme und finanzieller Niedergang.
1909 wurde beim 47-jährigen eine Krebserkrankung des Darmes festgestellt. Dies war nicht der einzige Schicksalsschlag. Der zweite Tiefschlag war finanzieller Natur: Emmas vermögender Onkel hatte sie aufgrund der nach seiner Meinung skandalösen Heirat mit Debussy enterbt.
Aufgrund dieser finanziellen Kalamitäten musste Debussy wieder mehr produzieren und auf Tourneen gehen, was seiner angeschlagenen Gesundheit abträglich war.
Als Diaghilev und Nijninsky mit ihren Ballet russes sein „Prélude à l’après-midi d’un faune“ zu einem Ballett gestalteten, war Debussy gar nicht begeistert, und als er bei der Generalprobe die Inszenierung zum ersten Mal sah, spendete er keinen Applaus. Trotzdem schrieb er mit Jeux ein Werk für die Ballet russes.
Diaghilew hatte die Handlung eines Tennis Match entworfen, das durch einen Flugzeugabsturz unterbrochen wurde. Debussy fand das Thema absurd, Diaghilew verdoppelte sein Honorar auf 10.000 Goldfrancs und nun stimmte Debussy, aber nur unter der Bedingung, wenn die Idee des Absturzes gestrichen würde.
Trotz dieser schwierigen Ausgangslage schrieb Debussy vielleicht seine kühnste Komposition. Im Werk findet sich keine Struktur, keine Wiederholungen und die stetigen Tempoänderungen lassen das Werk als die Zelebration des Moments erscheinen selbst der Orchesterklang zerfällt in seine Einzelteile.
Das Werk und die Inszenierung Nijnskis fand jedoch keinen Anklang und ging ob der kurz darauf erscheinenden Sacre du printemps rasch vergessen.
Abgesang und Tod
1913 reiste Debussy ein letztes Mal nach Russland. Zwar zollte ihm die Moskauer Elite Respekt und er wurde gefeiert, er konnte aber den Erfolg nicht mehr auskosten, die Proben und Reisen hatten den gesundheitlich angeschlagenen Debussy erschöpft.
Der beginnende Weltkrieg isolierten Debussy zusätzlich und die letzten 3 Jahre wurden zur Qual.
Claude Debussy starb am 25. März 1918 im Square du Bois-de-Boulogne, In diesen Tagen stand Paris unter Beschuss der Deutschen Armee und nur ein kleiner Trauerzug konnte ihn zum Friedhof begleiten.
Debussys Grab befindet sich im Cimetierre de Passy in der Nähe des Trocadero. Er hinterließ vier Kinder. Nur vier Jahre später folgte seine geliebte Tochter Chouchou, sie wurde neben ihrem Vater begraben.




Kommentare