Così fan tutte von Mozart - ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes
- peter
- 28. Juni
- 13 Min. Lesezeit

Die Oper basiert auf dem teuflischen Textbuch von Lorenzo da Ponte. Vordergründig ist es eine Komödie über ein niederträchtiges Spiel. Und Mozart schüttete seine zärtlichsten Melodien darüber aus. Als Mozart 1790 «Cosi fan tutte» schrieb, war er wirtschaftlich am Boden. Er schrieb diese Oper in unglaublichen 2 Monaten in seinem letzten Lebensjahr. Mozart bietet uns wieder eine Fülle von Melodien. Viele Ensembleszenen wie die Liebesduette «Soave sia il vento» oder «Il mio cor vi dono» bleiben unsterblich.
Così fan tutte von Mozart
KOMPONIST: Wolfgang Amadeus Mozart
URAUFFÜHRUNG: Wien, 1786 LIBRETTO: Lorenzo Da Ponte
DIE HAUPT PERSONEN: Don Alfonso, Alter Philosoph (Bass) - Guglielmo, Offizier und Verlobter der Fiordiligi (Bariton) - Ferrando , Offizier und Verlobter der Dorabella (Bass) - Fiordiligi, Dame aus Ferrara (Sopran) - Dorabella, Dame aus Ferrara, Schwester der Fiordiligi (Mezzosopran) - Despina, Kammerzofe der Damen (Mezzosopran)
AUFNAHME EMPFEHLUNG: Warner Classics mit Elisabeth Schwarzkopf, Nan Merriman, Lisa Otto, Léopold Simoneau, Ronaldo Panerai und Sesto Bruscantini unter der Leitung von Herbert von Karajan und dem Philharmonia Orchestra und Chorus.

Handlung
1. AKT: (Ouvertüre) Guglielmo und Ferrando, zwei Offiziere des Neapolitanischen Heeres, sitzen im Kaffeehaus. Zu ihnen hat sich der alte Philosoph Don Alfonso gesellt. Die beiden jungen Männer schwärmen von ihren Verlobten und besingen deren Tugenden und Treue zu Ihnen.
Don Alfonso, der durch das Leben zynisch geworden ist, behauptet, kein Mädchen sei ewig treu. Entrüstet weisen die beiden Offiziere dies bei ihren Geliebten von sich. Doch Alfonso bleibt bei seinem Urteil: bei der Treue der Frauen sei es wie beim Phoenix, alle reden davon, doch niemand habe ihn je gesehen. (La mia Dorabella, capace non è)
Die beiden jungen Männer sind entrüstet und fordern ein Duell. Worauf Alfonso ihnen eine Wette anbietet, sie müssen ihm nur einen Tag gewähren lassen. (È la fede delle femmine)
Guglielmo und Ferrando gehen darauf ein. Die drei haben eine Wettsumme von 300 Zechinen festgelegt. Die beiden Männer malen sich schon aus, was sie mit dem gewonnen Geld machen werden. (Una bella serenata)
Die beiden Schwestern Dorabella und Fiordiligi, sind im Garten. Sie schwärmen von Ihren Verlobten und malen sich ihre Hochzeit aus. (Ah guarda sorella) Da tritt Don Alfonso zu den Damen und teilt Ihnen noch unter Schock die schreckliche Nachricht mit, dass Ihre Verlobten in den Krieg ziehen müssen. Ferrando und Guglielmo treten zu den erschütterten Frauen hinzu und bestätigen den Einberufungsbefehl. (Sento o Dio)
Die beiden Frauen sind untröstlich und wollen sterben. Die beiden Männer können sie trösten, und sie verabschieden sich zärtlich voneinander, Don Alonso steht daneben und schmunzelt. Er hat sogar Dorfbewohner als Soldaten verkleiden lassen, die sie zu ihrem Schiff begleiten. (Di scrivermi ogni giorno) Wehmütig schauen Alfonso und die beiden Frauen dem Schiff nach, das sich langsam von ihnen entfernt (Soave sia il vento)
Dorabella ist aufgewühlt. In ihrem Herzen wüten unerbittliche Stürme. (Ah scostati … smanie implacabile) Die Haushälterin Despina gesellt sich zu den beiden. Sie kann die Trauer der beiden nicht verstehen. Fallen Ihre Verlobten im Krieg, so lässt sich schnell ein Ersatz finden. Und überhaupt, von Männern im Allgemeinen und von Soldaten im Speziellen dürfe man keine Treue erwarten. (In uomini in soldati) Don Alfonso besticht die Haushälterin Despina, damit sie beim Spiel mitmacht.
Schon treten Ferrando und Guglielmo als Albaner verkleidet ein und schwärmen von den beiden schönen Damen. Fiordiligi und Dorabella sind entrüstet und wollen die beiden Fremden aus dem Haus werfen lassen. (Alla bella despinetta) Da kommt Alfonso die Idee, die beiden als alte Bekannte zu begrüßen. Doch Fiordiligi erklärt ihr Herz sei fest, wie ein Felsen.
Guglielmo versucht es bei Dorabella, hat aber mit seinen Avancen bei ihr keinen Erfolg.
Die beiden Männer triumphieren ob der Standfestigkeit ihrer Verlobten. Ferrando meint, dass ein Herz, das von Liebe genährt wird, keiner anderen Speise benötige und sie deshalb keine Angst haben müssen, dass ihre Verlobten schwach werden. (Un aura amorosa) Fiordiligi und Dorabella sitzen im Garten und sind bekümmert. So schnell geben Don Alfonso und Despina geben nicht und Don Alfonso kommt eine Idee: die beiden Albaner geben vor, aus Verzweiflung ob der unerwiderten Liebe Gift zu nehmen.
Vor den Augen der Frauen schlucken sie Arsen. Die herbeigerufene, als Arzt verkleidete Despina rettet die beiden. Dieser Selbstmordversuch rührt die beiden Frauen, doch sie sind (noch) nicht bereit, den Dankeskuss der geretteten Männer entgegenzunehmen. (Eccovi il medico)
2. AKT: Despina ist bei den beiden Frauen und erklärt, wie man Männer um den Finger wickelt. (Una donna da quindici anni) Dorabella, bereits wankelmütig, sieht keinen Treuebruch, wenn man sich lediglich etwas amüsiert, statt aus Langeweile zu sterben.
Schnell zeigt sich, dass beide ihren Favoriten haben. (Prendero quel brunettino) Im Garten geben die beiden Männer ihren Angebeteten eine Serenade. (Secondate, aurette amiche) Don Alfonso fordert die Damen auf, ihre Wahl zu treffen. Getrennt gehen die Paare auf einen Spaziergang. Dorabella erwischt es als erste. Guglielmos Werben zeitigt Wirkung, und still bedauert er Ferrando. Es gelingt ihm sogar, das Medaillon Ferrandos, das Dorabella um den Hals trägt, mit seinem Medaillon auszutauschen. (Il cor vi dono) Auch Ferrando versucht sein Glück. Doch Fiordiligi bleibt standhaft. (A lo veggio)
Insgeheim muss Fiordiligi sich eingestehen, dass ihr Herz für diesen romantischen Verehrer schlägt, und in Gedanken bittet sie ihren abwesenden Verlobten um Verzeihung. (Per pietà ben mio) Guglielmo zeigt dem geschockten Ferrando das Amulett und ist hocherfreut über die Standfestigkeit seiner Fiordiligi.
Ferrando ist am Boden zerstört. Eifersucht und Rachsucht zerfressen ihn. Im Zimmer glückwünscht Despina Dorabella zu ihrem Fang. Dorabella nimmt die Schuld nicht auf sich, sondern weist sie elegant dem Liebesgott Amor zu.
Fiordiligi gesteht Dorabella, dass sie sich verliebt hat. Sie will aber standhaft bleiben. Sie befiehlt Despina die Uniformen ihrer Männer zu holen. Sie will sich mit Dorabella zu ihren Verlobten durchkämpfen und, falls notwendig, in der Schlacht sterben. Doch beim nächsten Zusammentreffen mit Ferrando wird auch sie schwach, als dieser vorgibt, sich aus Liebeskummer mit dem Dolch umzubringen.
Sie gibt sich schließlich dem werbenden Albaner hin. (Fra gli amplessi) Nun ist es an Ferrando sich über seine Verlobte zu ärgern. Für Alfonso war der Umfaller der Fiordiligi keine Überraschung, denn «Cosi fan tutte». (Tutti accusan le donne)
Einer Heirat steht nun nichts mehr im Wege und hektische Vorbereitungen des Hochzeitsfests stehen an. In siebtem Himmel erwarten die vier die Vermählung. (E nel tuo, nel mio bicchiero) Don Alfonso arrangiert eine Doppeltrauung mit Despina verkleidet als Notar.
Kaum ist die Tinte unter dem Ehevertrag trocken, kündigt sich die überraschende Ankunft der Offiziere an. Die beiden Herren fliehen und die beiden Frauen müssen den beiden Rückkehrer beschämt alles gestehen.
Doch die Komödie ist noch nicht fertig. Guglielmo und Ferrando lösen die Maskerade auf und geben sich als die vormaligen Albaner zu erkennen. Die Frauen verlieren beinahe den Verstand. Don Alfonso streicht das Geld ein und versöhnt die klüger gewordenen Ehepaare. (Sani e salvi)
Kommentar
Ein Libretto ohne literarische Vorlage:
Da Ponte hat diese Oper ohne literarische Vorlage geschrieben. Eine Anekdote besagt, dass der Kaiser persönlich da Ponte eine Geschichte erzählt haben soll, bei der zwei Männer ihre Verlobten auf die Probe gestellt haben sollen, nachdem sie mit einem Dritten eine Wette abgeschlossen hatten.
Möglicherweise gab es auch in der Literatur Inspirationen, aber wie auch immer, das Libretto muss als eigenständig angesehen werden. Im Laufe der Geschichte gab es viele Kunstverständige und Künstler, die es als zu frivol ansahen (darunter Wagner und Beethoven), worunter der Erfolg der Oper litt. «Cosi fan tutte» wurde im Grunde genommen erst im 20. Jahrhundert populär und gilt seither als ein wichtiger Teil des so hell leuchtenden Dreigestirns der Mozart - Da Ponte Opern.
Die Kompositionsgeschichte von «Cosi fan tutte»:
Als Mozart Ende 1789 «Cosi fan tutte» zu schreiben begann, war er wirtschaftlich am Boden.
Seinen Finanzen ging es schon seit bald vier Jahren schlecht, ohne dass er über längere Zeit seinen Lebensstil eingeschränkt hatte.
Die verzweifelten Reisen nach Frankfurt der Jahre 1789 und 1790 halfen nicht weiter, sodass er die Oper in kürzester Zeit schreiben wollte, um rasch Geld in seine leere Kasse zu bekommen.
Er begann die Arbeiten an der Partitur im November 1789 und zeigte am Silvesterabend verschiedenen Freunden (darunter auch Joseph Haydn, dessen Meinung Mozart hoch schätzte) Ausschnitte aus der Oper und am 26. Januar, nach nur 2 Monaten Kompositionszeit, erfolgte die Uraufführung.
Die Aufnahme des Wiener Publikums war freundlich aber lauwarm. Mozart blieb vom Pech verfolgt, denn kurz danach verstarb sein Förderer Kaiser Joseph II und nach der fünften Vorstellung war aufgrund der verordneten Staatstrauer Schluss mit den Aufführungen.

Musik:
Keine andere Oper Mozarts bietet so viele Ensemble-Stücke wie «Cosi fan tutte», es sind 13 Stück an der Zahl.
Die Handlung der Oper schreit förmlich nach Duetten, Trios etc. Mozart konnte aus dem Vollen schöpfen, denn seine Meisterschaft der kammermusikalischen Formen wie beispielsweise der Streichquartette mit ihren mehrstimmigen Formen bildete die ideale Grundlage.
Wie bei allen späteren Opern Mozarts ist die Orchesterbehandlung virtuos, besonders die Bläser werden ungemein vielfältig eingesetzt und erzeugen großartige Farben. Mozart verwendet bei einem Stück sogar ein reines Bläserensemble («Secondate, aurette amiche»).
Rollengestaltung:
Besonders auffällig ist, wie Mozart die Sängerrollen differenzierte. Fiordiligis Rolle verlangt nach einem dramatischen Koloratursopran, Dorabella entspricht dem genauen Gegenteil, nämlich eines lyrischen Mezzosoprans. Bei den männlichen Pendants ist es ähnlich: wir treffen einen lyrischen Tenor (Ferrando) und einen Buffo-Bariton an (Guglielmo). Dazu kommt der Buffo-Bass (Alfonso) und ein lyrischer Koloratur-Sopran (Despina).
Für Mozart war die Einteilung der Rollen in seria (F, F), mezza-buffa (D, G) und buffa (D,A) äußerst wichtig, um musikalisch einen große Variantenreichtum zu haben und für Abwechslung zu sorgen.
Er konnte darauf vertrauen, dass die Zuschauer die Codes der Rolleneinteilung verstanden und imstande waren die Zweideutigkeiten die Text und Musik bei Mozart oft ausmachen, richtig zu deuten.
Die schönsten Stellen
Ouvertüre:
Kurz vor dem Beginn der Arbeiten an «Cosi fan tutte» hatte Mozart seine drei grandiosen letzten Symphonien komponiert und war auf dem symphonischen Gebiet auf dem Höhepunkt seines Schaffens. So überrascht es nicht, dass die Ouvertüre zu den absoluten Glanzpunkten dieser Oper gehört. Ein angesehener Musikwissenschafter betrachtete diese Ouvertüre sogar als das «schönste Orchester-Werk des ganzen 18. Jahrhunderts.»
La mia Dorabella capace non è:
Mozart führt uns mit dem aufbrausenden Motiv der Violinen gleich mitten in die Handlung. Der erfahrene Don Alfonso (ein pensionierter Don Giovanni?) sieht sich zwei impulsiven jungen Männern gegenüber.
Una bella serenata:
Mit feuriger militärischer Musik setzt die Musik ein. Mozart differenziert nun die Charaktere der Offiziere, dem leidenschaftlichen Ferrando schenkt er eine Kantilene und der vergnügungssüchtige Guglielmo singt eine allzu weltliche Melodie.
Ah guarda sorella:
Es ist schlicht großartig, wie Mozart diese Szenerie der beiden Frauen im Garten zum Meer zeichnet.
Ein besänftigender Rhythmus und zarte Motive der Streicher und Bläser evozieren ein Gemälde arkadischer Ruhe und mildem Wellengang des Meeres. Das Duett der beiden Frauen ist exquisit, speziell die Koloraturen im Terz-Abstand des zweiten Teils sind wunderschön komponiert.
Sento o Dio:
Die Komödie beginnt. Mozart wechselt in diesem quirligen Quintett kontrapunktische und gleichlaufende Passagen ab, die fünf Sänger treffen sich stimmlich vier Mal auf dem komödiantischen «Chi?».
Di scrivermi ogni giorno:
Diese Abschiedsszene ist so ergreifend geschrieben, dass Don Alfonso zu Beginn innig zuhört, dann aber sich nicht mehr halten kann vor Lachen.
Soave sia il vento: Dieses Trio gehört zu den absolut größten Vokalstücken Mozarts, er entrückt uns in eine überirdische Welt. Mozart begleitet die drei Stimmen mit gedämpften Violinen, die sanfte Wellen imitieren. Dazu begleiten die leisen Pizzicati der tiefen Streicher und eine lang geschwungene Linie der Bratschein die schöne Melodie, die die Ruhe der Landschaft zeichnet.
Ah scostati … smanie implacabile:
In ihrer Arie „Smanie implacabile“ gibt die romantisch veranlagte Dorabella ihrer Seelenpein Ausdruck, deren Schmerz sie in den Tod führen werde. Mozart vertont diese Arie dramatisch, Dorabella wiederholt den Schluss „col suono orribile dei miei sospir“ (der schreckliche Klang meiner Seufzer) mehrmals, bis sie erschöpft zusammensinkt.
Allerdings scheinen die Töne etwas gar dramatisch und pathetisch, so dass diese Szene als übertrieben komödiantisch interpretiert werden sollte.
In uomini in soldati:
Mozart bietet uns ein herrliches Portrait der Despina. Sie hat im Leben gelernt, dass man in der Liebe keine Treue erwarten darf und diese Arie ist die ungeschminkte Liste männlicher Fehler.
So spielt sie in ihrer Arie mit dem Wort „fedeltà“, wiederholt es dreimal mit immer mehr Koloratur, sodass sich jeder der daran glaubt, als naiver Mensch vorkommen muss.
Im zweiten Teil beklagt sie, mit gespielter Entrüstung, dass die Männer die Frauen mit scheinheiligen Zärtlichkeiten für Ihre Vergnügen einnehmen wollen und schlussendlich fordert sie die Frauen auf, es den Männern mit gleicher Münze heimzuzahlen.
Alla bella despinetta:
Als die verkleideten Albaner vor Despina treten ertönt ein Motiv des Anfangstrios in den Holzbläsern und verraten dem Zuhörer so Ferrando und Guglielmo hinter der Verkleidung.
Nachdem Fiordiligi und Dorabella erscheinen und die beiden zurückweisen, beginnt das Sextett, dass musikalisch in drei Duett Stimmen unterteilt ist.
Come scoglio:
Dieses Stück der Fiordiligi ist eine der schwersten Arien Mozarts überhaupt. Der tonale Umfang der Arie ist mit beinahe zwei Oktaven groß, oft fallen mehrere Sprünge in die gleiche Phrase.
Beispielsweise im ersten Teil gleich zu Beginn in der zweiten Zeile in «Contro venti e tempesta», um die Dramatik Fiordiligis Aussage «wie ein Felsen unerschütterlich» («Come scoglio») zu unterstreichen.
Im zweiten Teil («Cosi ognor») hören wir die romantische, schwärmerische Fiordiligi. Im dritten Teil singt sie mit größerer Bestimmtheit die «Come scoglio»-passage (allein der Tod vermag die Empfindung zu wenden). Die Arie endet mit einer wunderschönen, aber anspruchsvollen Passage mit vielen Koloraturen, welche in schnellem Tempo und mit viel Intensität und teilweise in sehr hoher Lage gesungen werden müssen.
Un aura amorosa:
Zum exklusiven Kreis der Höhepunkte der Oper gehört Ferrandos Arie «Un’aura amorosa». Sie ist ein lyrischer Ruhepunkt. Von gedämpften Violinen und warmen Bassklängen begleitet, singt Ferrando eine romantische Arie.
Ah, che tutta in un momento:
Mit einem schmerzlich-süßen Motiv der Violinen und einem eleganten Flötenmotiv eingeleitet, beginnt das bezaubernde Duett der beiden Frauen, das an das arkadische Duett ihres ersten Auftritts erinnert.
Ein Hauch von Melancholie liegt jedoch über der Szene, den die beiden Frauen in schönstem Gesang in Terzabstand nostalgisch evozieren.
Eccovi il medico:
Mit einem schwungvolle Sextett, begleitet von einem grobschlächtigen Menuett und mit einer komödiantischen Despina (man höre den großen Triller der Despina), die einen zu Mozarts Zeiten bekannten Quacksalber auf die Schippe nimmt, endet der erste Akt.
Una donna da quindici anni:
In dieser Arie Despinas hören wir immer wieder den etwas linkisch wirkenden Einsatz der Hörner, die die zukünftige Handlung und damit die «Hörnung» der Verlobten prophezeit.
Prendero quel brunettino:
Die Stimmung der beiden Schwestern hat sich gedreht. Bei diesem Stück handelt es sich um ein leichtfüßiges, aber anspruchsvolles Duett mit vielen Koloraturen, die teilweise parallel geführt sind.
Secondate, aurette amiche:
Die beiden Männer wechseln ihre Strategie und nutzen die Waffe einer Serenade. Mozart begleitet den sehnsüchtigen Gesang nur mit Bläsern und lässt ihn von einem entfernten Chor leise ausklingen.
Es ist ein Moment des Friedens, ein kurzes, verzaubertes Innehalten, in dem lyrische Ruhe herrscht, und uns die Täuschungen und Bösartigkeiten vergessen lassen, die wir erlebt haben.
Il cor vi dono:
Dieses verführerische Duett ist von Da Ponte mit doppelbödigen Versen gedichtet worden, doch dem scheint sich Mozart zu entziehen. Er schreibt ein weiteres wunderschönes Liebesduett mit klopfenden Herzen.
Per pietà ben mio:
Wahrscheinlich hatte Da Ponte beiden Schwestern je zwei Arien zugewiesen, von denen eine ernsthaft, und die andere komödiantisch sein sollte. Bei Dorabella können wir das so beobachten. Doch Fiordiligis zweite Arie (nach der ernsthaften «Come scoglio») bleibt nachdenklich.
War «Come scoglio» eher dramatisch und mit Koloraturen gestaltet, so muss die Sängerin in «Per pietà ben mio» die Spannung der Kantilenen über die vergleichsweise lange Dauer der Arie halten können. Große, dramatische Tonsprünge prägen den ersten, rezitativischen Teil. Das nachfolgende Allegro besticht durch den schönen Dialog der Stimme mit den lieblichen Klängen der Hörner.
A lo veggio:
Diese Arie verlangt nach einem stimmlich agilen Tenor, der die Koloraturen dieser Arie beherrscht und sicher in der Höhe ist: die Melodie wird drei Mal wiederholt und dabei immer mehr in die Höhe geschraubt.
Fra gli amplessi:
Diese Stelle hat in der Oper eine herausgehobene Stellung. Mozart und Da Ponte haben sie ungewöhnlich konzipiert. Wir treffen Fiordiligi zuerst in Gedanken an. Sie ist in Vorfreuden auf das baldige Wiedersehen mit ihrem Verlobten.
Ihre Arie wird plötzlich durch Ferrando unterbrochen, der ihre Melodie aufnimmt und dann ihr eine langsame, romantische Liebeserklärung macht («Volgi a me»).
Begleitet von einer romantischen Oboen Kantilene ist es um Fiordiligi geschehen, dreimal wiederholt sie «Giusto ciel!», mit einem Crescendo des Orchesters ruft sie «Crudel!», und nach einer schmachtenden Oboen Passage ruft sie «Fa’ di me quel che ti par» («Mach mit mir, was Du willst»).
Anschließend beenden die beiden das Stück mit einem wunderbaren, harmonischen Duett (die Metapher des vollzogenen Akts). Erstaunt reiben wir uns die Augen. War das nicht ein ernsthaftes Liebesduett?
Mozart schreibt für die «falschen» Paare solch himmlische Musik. Erinnern wir uns an das Liebesduett von Guglielmo und Dorabella mit dem klopfenden Herzen («Il mio cor vi dono»), war das nicht ebenfalls himmlisch? Ist das etwa die Komödie?
Tutti accusan le donne:
Jetzt verstehen wir die Ouvertüre besser und erkennen das musikalische Motiv aus der Ouvertüre
E nel tuo, nel mio bicchiero:
Vor den Verwicklungen des Finales schrieb Mozart einen entrückten, dreistimmigen Kanon. Lediglich Guglielmo entzieht sich dem Gesang, zu enttäuscht ist er über seine Fiordiligi.
Sani e salvi:
Die Demaskierung erfolgt komödiantisch, begleitet mit musikalischen Zitaten wie beispielsweise Ferrandos Liebesmotivs oder Despinas langer Triller des «Medico». Mit einem Schluss-Concertato endet diese großartige Komödie.
Große Aufnahmen in YouTube
Ah guarda sorella - Renée Fleming / Joyce di Donato: Hören Sie das Duo der beiden Yankee Diven (der Begriff stammt von Di Donato) Renée Fleming und Joyce di Donato in einem wunderbaren Konzertausschnitt.
Sento o Dio - Ludwig / della Casa / Dermota / Kunz / Schöffler: Hören Sie die Aufnahme mit Protagonisten des Wiener Ensembles, welches berühmt für seine Mozart Einspielungen der fünfziger Jahre war. Welche Philosophie steckt dahinter? «Der Dirigent Josef Krips hat es auf die akzeptierte Formel gebracht, dass nur eine instrumental geführt Stimme eine Mozart-Stimme sei.
Dass Genauigkeit und Flexibilität, Eleganz und Noblesse Grundlagen des Mozart-Gesangs seien» (Kesting). Hören Sie einige der Protagonisten dieses festen Ensembles der Wiener Staatsoper.
Es singen Christa Ludwig, Lisa della Casa, Anton Dermota, Erich Kunz und Paul Schöffler.
Soave sia il vento – Christa Ludwig / Elisabeth Schwarzkopf / Walter Berry: Hören Sie dieses Terzett einer Interpretation mit den Stimmen zweier großen Künstlerinnen. Diese Aufnahme stammt aus der legendären «Cosi fan tutte Aufnahme» produziert von Walter Legge.
In uomini in soldati – Cecilia Bartoli: Dieses Stück gibt einer Despina, die auf der Höhe ihrer Aufgabe ist, die Gelegenheit in kurzer Zeit die vielen komödiantischen und sängerischen Aspekte dieser kurzen Arie zu zeigen.
Cecilia Bartoli löst diese Aufgabe mit einer wunderbaren Mischung von Charme, Eleganz und Gerissenheit. Achten Sie auf ihre gespielte Entrüstung bei «Non vi fate sentir per carità» oder auf ihr verschmitztes Mienenspiel bei «Chieder pietà».
Come scoglio - Elisabeth Schwarzkopf: Die Fiordiligi war eine der fünf zentralen Rollen, die Elisabeth Schwarzkopf in ihrem Leben gespielt hat (neben der Marschallin, der Donna Elvira und den beiden Gräfinnen in «Le nozze di Figaro» und «Capriccio»).
Ihr Gesangstil und ihre Stimme passten hervorragend zu diesen Rollen. Vielleicht gab es keine größere Fiordiligi als Elisabeth Schwarzkopf.
Un aura amorosa - Léopold Simoneau: Hören Sie die Arie interpretiert von Léopold Simoneau aus der Karajan-Aufnahme. Kesting («Grosse Stimmen»): «Die Karajan Aufnahme ist eine der großen Mozart-Aufnahmen des Jahrhunderts.
Sie ist mehr als technisch perfekt, nämlich mirakulös in ihrer Lebendigkeit und Subtilität. Simoneau singt seinen Part mit unbeschreiblicher tonlicher Süße.»
Per pietà ben mio - Irmgard Seefried: «Singen mit Seele» war ein Attribut, mit dem man Irmgard Seefried immer wieder in Verbindung brachte. Sie selbst hat sich und ihre Stimme nie geschont.
Elisabeth Schwarzkopf, die oft mit ihr zusammen sang, meinte «bei ihr könne man hören, wie weit man im Ausdruck gehen kann.» Hören Sie diese Arie in der Interpretation von Irmgard Seefried.
3 Fun Facts
1. Mozart konnte sich gut in die Handlung der beiden feurigen Liebhaber und den Liebestausch mit den beiden Schwestern einfühlen. Er selbst war der Verehrer der Aloysia Weber und heiratete später deren Schwester Konstanze.
2. Es gibt eine nette Anekdote zur Arie «Come scoglio». So soll Mozarts die erste Sängerin der Fiordiligi gar nicht gemocht haben. Ihre Art, ihr Kinn bei tiefen Töne zu senken und ihren Kopf auf hohen Tönen noch oben zu werfen nervte ihn, und er soll die vielen Sprünge der Arie komponiert haben, damit sie auf der Bühne wie ein gackerndes wildgewordenes Huhn aussehen sollte, mit einem heftig schüttelnden Kopf.
3. Lange Zeit wurde die Handlung von «Cosi fan tutte» als skandalös verschrien, sogar «amoralisch» wurde sie früher oft genannt. In den Vereinigten Staaten war die Ablehnung so groß, dass es 130 Jahre dauerte, bis das Werk 1922 erstmals aufgeführt wurde.
Biografie von Mozart (Video Doku):
Così fan tutte von Mozart




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