top of page

Macbeth von Giuseppe Verdi- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes

peter
vor 2 Tagen
14 Min. Lesezeit
Rigoletto von Giuseppe Verdi- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes
Macbeth von Giuseppe Verdi- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes

Wenn sich der Erfolg einer Oper sich nach ihrer Größe richten würde, stünde Macbeth weit vorne in der Gunst der Opernbesucher. Vielleicht ist es die fehlende Liebeshandlung (Italiener nennen Verdis Macbeth «l’opera senza amore»), die der Popularität dieses Werks im Wege steht. An der Musik kann es nicht liegen. Das Werk hat keine schwache Minute und fesselt den Zuhörer von Anfang bis zum Schluss. Es steht musikalisch und künstlerisch auf gleicher Höhe mit Verdis beiden andern Shakespeare-Werken Otello und Falstaff.




Das Opernportrait von Macbeth als Video (Handlung, Musik, Wissenswertes)


Die Handlung von Rigoletto als Video

 


Macbeth von Giuseppe Verdi


KOMPONIST: Giuseppe Verdi


URAUFFÜHRUNG: Venedig, 1851


URAUFFÜHRUNG: 1847, Florenz


LIBRETTO: Francesco Maria Piave und Andrea Maffei basierend auf dem gleichnamigen Drama von William Shakespeare.


DIE HAUPT PERSONEN: Macbeth, Feldherr des schottischen Königs (Bariton) - Lady Macbeth, seine Frau (Sopran oder Mezzosopran) - Banco, Feldherr des schottischen Königs (Bass) - Macduff, schottischer Adliger (Tenor) - Malcolm, König Duncans Sohn (Tenor).


AUFNAHME EMPFEHLUNG: DG mit Shirley Verrett, Piero Cappuccilli und Placido Domingo unter der Leitung von Claudio Abbado und dem Chor und Orchester der Mailänder Scala.


Besonders wegen Maria Callas ist auch die folgende Aufnahme besonders empfehlenswert: EMI, Maria Callas, Gino Penno und Enzo Mascherini unter der Leitung von Victor de Sabata und dem Chor und Orchester der Mailänder Scala.


AUFNAHME EMPFEHLUNG:   DECCA, Sherill Milnes, Luciano Pavarotti und Joan Sutherland unter der Leitung von Richard Bonynge
 DG mit Shirley Verrett, Piero Cappuccilli und Placido Domingo unter der Leitung von Claudio Abbado und dem Chor und Orchester der Mailänder Scala.

Handlung kurz


Angestachelt von den Weissagungen dreier Hexen und dem Drängen seiner Gattin ermordet Macbeth König Duncan und lässt später auch Banquo und Macduffs Familie töten, um seine Herrschaft zu sichern. Lady Macbeth stirbt wahnsinnig an ihrem Gewissen, und Macbeth selbst fällt schliesslich im Kampf gegen Macduff, der nicht auf natürliche Weise geboren wurde, worauf Malcolm zum neuen König ausgerufen wird.



Handlung - lang


1. AKT:


In einem Wald haben sich Hexen sich versammelt. Macbeth und Banco sind auf dem Heimweg von einer siegreichen Schlacht und treffen auf sie. Die Hexen prophezeien Macbeth, dass er zum Herrscher von Caudor werde und später zum König von Schottland gekrönt werde.


Banco frägt nach seinem Schicksal. Die Hexen prophezeien, dass er nicht König werde, aber von Königen der Vater. Da erscheint ein Bote und verkündet, dass der Herrscher von Caudor hingerichtet wurde und Macbeth an seine Stelle trete. Der erste Teil der Prophezeiung ist eingetreten, und Macbeth ist nur noch einen Schritt von der Krone entfernt. Macbeth erbleicht und Mordgedanken tauchen auf. Banco spürt, dass Macbeth sich verändert hat.


Im Schloss liest Lady Macbeth einen Brief ihres Gatten, aus dem sie vom Orakelspruch der Hexen erfährt. Macbeth will von ihr wissen, ob sie bereit sei über Leichen zu gehen, und den Königsthron anzustreben. Ihr Ehrgeiz ist maßlos, sie will alles daran setzen ihren Mann zur Königskrone zu verhelfen.


Ein Diener erscheint und kündigt an, dass der König ihnen im Schloss seine Aufwartung machen werde. Ein Mordplan nimmt Gestalt an (Vieni! t'affretta accendere… Or tutti sorgete). Zurück im Schloss zögert Macbeth noch, den verhängnisvollen Schritt zu machen, doch er kann seiner Frau nichts entgegensetzen.


Schließlich willigt er, vom eigenen Ehrgeiz getrieben, in die Tat ein. Der König erscheint mit seinem Gefolge und in der Nacht ersticht Macbeth ihn in seinem Bett. Von nun an quälen ihn die Erinnerungen an diese Tat, und er weiß, dass er nie mehr einen ruhigen Schlaf finden wird. Seine Frau hat kein Verständnis für seine Gewissensqualen (Fatal mia donna). Macduff findet den König tot im Bett. Die Nachricht verbreitet sich im Schloss und das Entsetzen erfasst alle.



2. AKT:


Der Verdacht fällt auf den Thronfolger Malcolm. Als dieser nach England flieht, wird der Weg frei für Macbeth. Er erhält die Königswürde, fühlt sich aber aufgrund der Prophezeiung der Hexen bedroht. Gemeinsam beschließt er mit seiner Frau, weiteres Blut fließen zu lassen (La luce langue, il faro spegnesi). In einem Wald.


Im Auftrag von Macbeth haben sich Mörder versammelt um Banco und seinem Sohn aufzulauern. Die beiden sind auf dem Weg zu Macbeths Schloss. Banco findet den Tod, doch sein Sohn kann entkommen. Derweil findet im Schloss ein Bankett statt. Lady Macbeth begrüßt die Gäste (Si colmi il calice). Scheinheilig verkündet Macbeth der Gesellschaft, dass Banco noch vermisst wird. Ihm wird heimlich der Mord am Banco und die Flucht des Sohnes mitgeteilt. Plötzlich erfasst ihn eine Vision.


Er sieht die Gestalt Bancos auf dem Stuhl neben ihn und er beginnt auf ihn einzureden. Mit Entsetzen realisieren die Gäste, dass ein umnachteter König mit einem Geist spricht. Seine Frau versucht die Situation mit einem Trinklied zu retten, doch Macbeth verliert gänzlich die Fassung (Va’ spirto d’abisso).



3. AKT:


Macbeth beschließt am nächsten Tag die Hexen aufzusuchen, um ihre Weissagungen in Erfahrung zu bringen. Bei den Hexen sind drei Erscheinungen, welche die Prophezeiungen verkünden. Die erste warnt, dass er sich vor Macduff hüten solle.


Die Zweite, dass kein von einem Weib geborener Mensch ihm schaden könne. Die Dritte, dass er unbesiegbar sei, bis ein Wald wie ein Heer zum Angriff vorrücke. Zuletzt erscheinen acht Könige, die an ihm vorbeiziehen, deren letzter Banco ist. Macbeth sieht seine Befürchtungen bestätigt und bricht zusammen. Als er aufwacht ist seine Frau bei ihm. Er erzählt ihr die Prophezeiung und sie beschließen, die einflussreichen Fürsten Macduff und Malcolm sowie deren Familien aus dem Weg zu räumen.



4. AKT:


Macduff lagert mit seinen Truppen an der Grenze. Sie beklagen ihr Exil und das Schicksal ihres Landes das von Macbeth terrorisiert wird (Patria oppressa). Macduff konnte sich retten, doch seine Familie wurde zerstört.


Seine Armee hat sich mit Malcolms Truppen vereinigt. Sie tarnen sich mit Astzweigen des Waldes von Birnam und rücken auf das Schloss von Macbeth vor. Im Schloss wird Lady Macbeth gepeinigt von Visionen. In geistiger Umnachtung versucht sie eingebildete Blutflecken von ihren Händen zu wischen (Una macchia è qui tuttora). Macbeth erkennt, dass die Prophezeiungen sich nach und nach erfüllen und ahnt, dass er bald sterben wird (Pietà, rispetto, amore, conforte ai di cadenti).


Apathisch nimmt er zur Kenntnis, dass seine Frau gestorben ist. Als ihm verkündet wird, dass der Wald von Birnam sich auf Schloss bewegt, will er seinen letzten Kampf führen. Als er im Duell mit Macduff erfährt, dass dieser mit Kaiserschnitt auf die Welt kam wird die letzte Prophezeiung Wirklichkeit und er fällt im Duell. Die Truppen feiern den Sieg und Malcolm wird zum neuen König gekürt.




Kommentar


Die Überwindung einer persönlichen Krise:


Verdi war 33 Jahre alt, als er den Macbeth zu schreiben begann. Er steckte psychisch und physisch in einer tiefen Krise. Der Tod von Frau und Kindern und mangelnde berufliche Anerkennung zeigten Spuren. Diese Krise eruptierte zu einer immensen künstlerische Produktivität in der Gestalt von Macbeth.

Zeitlich gehört der Macbeth zwar zu den Frühwerken Verdis, doch musikalisch und musikdramatisch hat Verdi mit dieser Oper einen gewaltigen Sprung gemacht. Faszinierend ist, dass dieses Werk aus dem Nichts kommt, es gibt keinen vergleichbaren Vorläufer, weder in Verdis Werk oder aus der Feder eines andern Komponisten.



Pavesis Libretto und Shakespeares Vorlage:


Verdi war schon früh ein glühender Verehrer des englischen Dramatikers. Doch eine Eins zu Eins Übernahme der Handlung war unmöglich. Um Macbeth «operntauglich» zu machen, mussten Verdi und Piave das Werk Shakespeares drastisch kürzen und auf einzelne Szenen konzentrieren. Zudem fügten Sie mehrere neue Szenen hinzu, um geeignete musikdramatische Vorlagen zu bekommen. Zum Teil griffen Sie so in die Handlung ein. Beispielsweise weisen Sie alle Verbrechens-Entscheidungen der Person der Lady Macbeth zu (was nicht Shakespeares Vorlage entspricht), um mit dieser Rolle einen maximalen Bühneneffekt zu erzielen. So ist in Verdis Werk eindeutig die Lady Macbeth die Hauptperson, während in der literarischen Vorlage diese Rolle dem Macbeth gebührt.

Macbeth war Piaves drittes Libretto für Verdi. Verdi schätzte seine Zuverlässigkeit, traute ihm aber nicht zu, wirklich innovative Texte zu schreiben. Er wies Pavesi wiederholt an, eine kurze und schlagwortartige Sprache zu verwenden. Verdi ging sogar soweit, Teile von dessen Texten von einem andern Texter überarbeiten zu lassen. Letztendlich lieferte Piave eine grossartige Inspirationsquelle für Verdi und es ist den beiden gelungen, die Dämonie der Shakespeare’schen Vorlage mit Text und Musik zu erfassen.



Verdis Musikdrama:


Verdi war immer ein Komponist der dem Text höchste Wichtigkeit zumaß. 1847 schrieb er in einem Brief, er wolle Musik machen, „die an das Wort und die Situation gebunden ist; und ich wünsche, dass die Künstler diese meine Ideen genau verstehen. Ich wünsche also, dass die Künstler mehr dem Dichter als dem Komponisten dienen.“Eine interessante Bemerkung Verdis wurde von Marcello Conati festgehalten: «Als wir auf Wagner zu sprechen kamen, bemerkte Verdi, dieses große Genie habe der Oper einen unschätzbaren Dienst erwiesen, da er den Mut gehabt habe, sich aus der Tradition der Arienoper zu befreien. Auch er habe in seinem Macbeth Musik und Drama zu verschmelzen versucht, aber im Gegensatz zu Wagner sei er nicht dazu imstande, seine Libretti selbst zu schreiben.»



Die Tinta musicale des Macbeth:


Verdi schrieb den Macbeth für den Impresario Lanari. Dieser war empfänglich für Experimente und gab Verdi den Raum Ungewöhnliches zu erschaffen. Verdis geniale Strategie jeder Oper eine eigene Musikfarbe zu geben (er nannte sie «tinta musicale»), zahlte sich in Macbeth in höchstem Masse aus. Worin besteht die Tinta des Macbeth? Zum einen sind es die düsteren Szenen des Wahnsinns und der Hexen. Zum andern hat er die Hauptrollen nicht klassisch mit Tenor und Sopran besetzt, sondern durch einen Bariton mit einer tiefer Tessitura und dunklem Klang und einem Mezzo dessen Stimme die düstersten Farben produzieren kann.



Der Chor macht das Werk zur Dreiecksgeschichte:


Rossini betonte immer wieder, wie stark Verdis Musik in düsteren Werken wirke. Hexenszenen, Visionen und Wahnsinnsszenen lassen beim Hörer Schaudern erzeugen. Verdi setzte den Chor in Macbeth sehr effektiv ein, und es lässt sich postulieren, dass er dem Hexen-Chor die dritte Hauptrolle dieses Werks zugewiesen hat, womit wir (ohne Liebesgeschichte zum Gegenstand zu haben) zu einer Dreiecksgeschichte kommen, des Mannes, der zwei weiblichen Mächten ausgeliefert ist.



Der politische Hintergrund:


Macbeth passt in das politische Weltbild von Verdi. Es ist die Geschichte eines Tyrannen (Macbeth), der dem Weg zu einer konstitutiven Demokratie mit einen «aufgeklärten» König (Duncan) im Wege steht. So hat Verdi auch dieser Oper einen Freiheitschor geschenkt (Patria oppressa).



Die Uraufführung:


Verdi nannte die Uraufführung später «kein Fiasko». In Tat und Wahrheit musste er 38 mal vor den Vorhang treten. Das Werk fand von Anfang an Verbreitung, wenn auch nicht so schnell wie die bald darauf folgende «Trilogia popolare» (Traviata, Rigoletto, Trovatore), die den Macbeth in der Hintergrund drängten und das Werk schließlich beinahe von den Bühnen verbannten.



Verdis geliebtes Kind:


Verdi litt unter der zurückhaltenden Wertschätzung des Publikums für ein Werk, welches ihm zeitlebens so sehr am Herzen lag. Seine Affektion für den Macbeth zeigt sich auch, dass er es seinem geliebten Förderer Antonio Barezzi widmete. Auch eine Revision 20 Jahre nach der Uraufführung konnte nichts an der Zurückhaltung ändern. Diese Fassung für Paris konnte sich nicht durchsetzen und die erste (Florentiner) Fassung blieb in der Folge die meistgespielte.



Die schönsten Stellen


Preludio / Coro di streghe:


Der Auftritt der Hexen überrascht durch überraschende Wechsel von Dur nach Moll und sich rasch verändernde Tempi und Rhythmen.


Verdi setzte den Chor der Hexen mit voller Absicht an den Anfang. Er wollte gleich zu Beginn die musikalische Farbe des Werks etablieren (siehe den Abschnitt in der Einleitung zur «Tinta musicale» dieses Werks).




Vieni! t'affretta accendere … Or tutti sorgete:


Verdi verlangte, dass die Sängerin der Uraufführung diese Briefszene der Lady Macbeth deklamieren und nicht singen sollte. Dass der Komponist die Primadonna bei ihrem ersten Auftritt einen Brief vorlesen lässt, statt sie mit einer Bravour-Arie glänzen zu lassen, war zu dieser Zeit unerhört. Darüber hinaus verlangte Verdi von Marianna Barbieri-Nini, der Lady Macbeth der Uraufführung, ihre Auffassung der Rolle konsequent hässlich zu gestalten (was brieflich dokumentiert ist).


Das Jahr 1952 war das sängerisch vielleicht glanzvollste Jahr von Maria Callas. In diesem Jahr etablierte sie sich endgültig als «Assoluta» im dramatischen und verzierten Fach. Am 7. November 1952 sang sie eine der wichtigsten Aufführungen ihrer Laufbahn. Als Saisoneröffnung der Scala war «Macbeth» vorgesehen. Ihre Lady Macbeth war sensationell und der Rummel um sie geriet zu einer Callas-Manie. Karl Böhm nannte die Griechin einmal «die größte Tragödin der Welt». Die Interpretation der folgenden Arie lässt den Hörer die Richtigkeit seiner Aussage erleben. Keine andere Sängerin hatte die Möglichkeiten, die Callas zur Verfügung stand die Lady Macbeth dramatisch und musikalisch in jeder Einzelheit grandios zu zeichnen. Ihr ist es zu verdanken, dass diese Oper wieder in das Repertoire zurückgekommen ist.




Fatal mia donna:


Für Verdi war dieses Duett einer der Schlüsselszenen der Oper. Er schrieb in einem Brief: «Das Duett zwischen der Lady und Macbeth sowie die Nachtwandelszene sind die beiden wichtigsten Stellen der Oper. Sie dürfen absolut nicht gesungen werden. Man muss sie in Handlung umsetzen und mit hohler, verschleierter Stimme deklamieren, sonst ergibt sich überhaupt keine Wirkung. »

Der Mord ist auf der Bühne nicht sichtbar. Lediglich ein kurzes dramatisches Motiv bei «tutto è finito» deutet das Verbrechen an. Das unruhige Motiv in den Violinen untermalt das Duett «fatal mia donna» von Macbeth und seiner Frau.

In ihrem Buch «eine Geschichte der Oper» beschreiben Abbate/Parker diese Szene als einen «musikalischen Ehekrach»: «Beide Figuren artikulieren sich überwiegend in abgehackten Phrasen. In den ersten beiden Sätzen unternimmt Macbeth sporadische Versuche, traditionellere Ausdruckselemente einzubringen, doch beide Male fährt Lady Macbeth ihm in die Parade, ja bringt ihn zum Schweigen.

Dass ihre überdrehten Koloraturen wiederkehren, ist ungewöhnlich und trägt zu dem Eindruck bei, das ganze Duett sein ein einziger musikalischer Ehekrach. Was traditionell eine dekorative Funktion gehabt hatte, steht hier für Hysterie».



La luce langue, il faro spegnesi:


Die Arie «la luce langue» ist eine der Passagen, die Verdi für die zweite (Pariser) Fassung schrieb, und die Eingang in die späteren Inszenierungen fand. Die Arie mit ihren Chromatismen half das dämonische der Lady Macbeth zu unterstreichen.


In den Worten von Kesting («Maria Callas»): «Wie sie ‘nuovo delitto’ und ‘è neccessario’ singt, geht über den dynamischen Kontrast weit hinaus: Es ist der in eine Klangfigur umgesetzte Wahnwitz des politischen Ehrgeizes».





Si colmi il calice:


Mit diesem großartigen Trinklied (eine Erfindung Verdis und Piaves) zeichnet Verdi das Bild einer skrupellosen Frau, die ein heiteres Lied anklingen lässt, während im Wald das grausame Verbrechen geschieht.


Mit der Rolle der Lady Macbeth wechselte Verrett in den siebziger Jahren vom Mezzo ins Sopran Fach. Dies sorgte für Aufsehen, da der stimmliche Weg in aller Regel umgekehrt läuft, da die Stimme mit zunehmendem Alter tiefer wird und die Elastizität der Höhe verliert. Verrett hatte eine dunkle, schöne Stimme, welche schlanker, dafür beweglicher war als die von anderen dramatischen Sopranen, was den Koloraturen dieser Arie zugute kam.




Va’ spirto d’abisso / Fuggi regal fantasma:


Der erste Macbeth war Felice Varesi. Verdi schätze ihn ungemein und er wurde später auch der erste Rigoletto und Germont-Père. Verdi ging in einem Brief soweit, die Komposition des Macbeth’ davon abhängen zu lassen, ob Varesi für die Rolle verfügbar sei. Was Verdi besonders an ihm schätzte, war seine Schauspielkunst und Intelligenz. Darüber hinaus, «dass er klein und hässlich sei. Dass er nicht jeden Ton treffe mache nichts, da ein Großteil der Partie Deklamation sei.»


Piero Cappuccilli war einer der großen Verdi Baritone der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert und der Macbeth unter Abbado war eine seiner besten Aufnahmen überhaupt. Seine Gesangskunst wie das legato und das stimmige Rollenportrait sind überzeugend.




Patria oppressa:


Im klassischen Stil komponierte Verdi mit «Patria oppressa» ein Stück, dass nicht zuletzt aus politischen Gründen als nostalgische Heimat-Hymne berühmt wurde.



Una macchia è qui tuttora:


Die große Schlafwandelszene. Verdi verlangte von der Lady Macbeth der Uraufführung explizit «hässlich» zu singen. Eine ursprünglich für diese Rolle vorgesehene Sängerin lehnte Verdi explizit ab, da sie «zu schön sänge und wenn die Schlafwandelszene nicht funktioniere, sei die ganze Oper ruiniert.» Erstaunliche Worte in einer Zeit, in der Donizetti noch lebte und Bellini noch nicht lange tot war! Die Arie endet mit einer wunderschönen «fil di voce», einem in der Höhe ersterbender Klang, der die Stimme bis ins hohe Des führt.


Die Kritik ist sich einig, dass die Interpretation der Schlafwandel-Szene von Maria Callas zum Größten gehört, was die Aufnahmegeschichte der Opernmusik hergibt. Ardoin sprach «von einem der aussagekräftigsten Momente des Gesangs, der je auf einer Platte festgehalten wurde» und Kesting, dass «selbst beim wiederholten Hören des Staunens keine Ende sei über die Fülle von klanglichen, gestischen Details. So könne sich das sich nur einer, Verdi selber, erträumt haben».



Leonies Rysaneks Rollenportrait der Lady Macbeth war das einer furiosen und energetischen Frau. Die Schlafwandelszene ist ekstatisch und endet in einer spektakulären Schlussnote.




Pietà, rispetto, amore, conforte ai di cadenti:


Verdi versäumte die Gelegenheit nicht, dem Macbeth eine wirksame Schlussarie zu gewähren. Nach wenigen rezitativischen Einleitungstakten beginnt eine langsame Kantilene.




3 Fun Facts


1. Shakespeare war Verdi Lieblingsdichter und Macbeth war seine erste Oper basierend auf einem Werk des englischen Dichters. Bei den Proben zur Uraufführung arbeitete Verdi wie ein Besessener. Die Sängerin Barbieri-Nini erzählte später, dass er das Duett des ersten Aktes 150-mal mit ihr geprobt hatte. Mit dieser Oper begann Verdis Ruf als Theater Tyrann.


2. 1988 wurde bei einer landesweiten Ausstrahlung der Oper «Macbeth» in der Metropolitan Opera New York der Tod zur Wirklichkeit. Ein Zuschauer beging Selbstmord, indem er sich von einer Balkonloge in den Orchestergraben stürzte.


3. War dieser Tod eines Zuschauers ein unglücklicher Zufall? Abergläubische Menschen meinen nein, denn «wenn ein ‚Macbeth‘ auf dem Plan steht, gilt die höchste Sicherheitsstufe. Darin sind sich Theaterschaffende einig … das Stück gilt als Unglücksbote schlechthin und allein das Aussprechen des Titels ‚Macbeth‘ soll die Aufführung zum Scheitern bringen.


Respektvoll zitternd spricht man daher hinter den Kulissen nur vom ‚schottischen Stück‘ oder ‚schottischen König‘. Noch schlimmer wäre es aber, direkt aus der Hexenszene zu zitieren. Die Aufführungsgeschichte liest sich wie ein Krimi. Während der Uraufführung starb der Knabe, der Lady Macbeth spielte, hinter der Bühne und Shakespeare musste die Rolle selbst übernehmen. In Amsterdam wurde der Requisitendolch mit einem echten verwechselt und bescherte dem Publikum eine schockierend realistische Sterbeszene.

Diana Wynyard schlafwandelte als Lady Macbeth über die Bühnenkante und 4,5m in die Tiefe. In New York löste das Stück Krawalle aus, die als Astor Place Riot in die Geschichte eingingen. Grund waren zwei konkurrierende Schauspieler, die zeitgleich in der Titelrolle an unterschiedlichen Theatern zu sehen waren. Ein aufgebrachter Mob protestierte gegen den britischen Kollegen vor dem Astor Place Opera House und demolierte solange das Theater, bis die Nationalgarde einschritt, fast 30 Menschen starben.


Am Old Vic wurde Macbeth-Darsteller Laurence Olivier beinahe von einem herabfallenden Gewicht erschlagen und die Theaterleiterin Lilian Baylis verschied einen Tag vor der Premiere. Noch schlimmer erging es der Inszenierung von John Gielgud, bei der drei Schauspieler ums Leben kamen und der Kostümbildner nach der Premiere Selbstmord beging (über die Gründe kann nur spekuliert werden). Nur wenig später erlitt Schauspieler Harold Norman in Manchester eine tödliche Stichwunde auf der Bühne, laut Eigenaussage gab er nichts auf den Aberglauben.


Glimpflicher kam Regisseur und Zweifler Peter Hall davon, er bekam lediglich eine Gürtelrose und musste die Premiere verschieben … Ja, furchtbar ist er, der Fluch von «Macbeth». Angeblich soll Shakespeare seinen Hexenfiguren «echte» Beschwörungsformeln in den Mund gelegt haben, die durch das Rezitieren auf der Bühne ihre dunkle Magie entfalten.


Einige glauben auch, dass Englands Hexen höchstpersönlich das Stück verfluchten, aus Rache über ihre geklauten Zaubersprüche … Das einzig probate Gegenmittel bei einem versehentlichen Aussprechen von «Macbeth» ist übrigens, vor die Tür zu gehen, sich dreimal im Kreis zu drehen und die schlimmsten Flüche auszustoßen, die einem gerade so einfallen. (Quelle: der-theaterverlag.de, «das schottische stück» von Sina Katharina Flubacher)



MACBETH von Giuseppe Verdi



Zur Biografie von Verdi


Häufig gestellte Fragen zu MACBETH (FAQ)


Welches sind die bekanntesten Stücke aus RIGOLETTO?


Coro di streghe (Hexenszene Akt I), Vieni! t’affretta accendere… Or tutti sorgete, Fatal mia donna (Duett 1. Akt), Si colmi il calice (Trinklied), La luce langue, Patria oppressa, Una macchia è qui tuttora (Schlafwandel-Szene), Pietà, rispetto amore conforte ai di cadenti


Wie ist die Handlung in wenigen Sätzen?


Angestachelt von den Weissagungen dreier Hexen und dem Drängen seiner Gattin ermordet Macbeth König Duncan und lässt später auch Banquo und Macduffs Familie töten, um seine Herrschaft zu sichern. Lady Macbeth stirbt wahnsinnig an ihrem Gewissen, und Macbeth selbst fällt schliesslich im Kampf gegen Macduff, der nicht auf natürliche Weise geboren wurde, worauf Malcolm zum neuen König ausgerufen wird.


Welches war die Tinta musicale des Macbeth?


Verdi schrieb den Macbeth für den Impresario Lanari. Dieser war empfänglich für Experimente und gab Verdi den Raum Ungewöhnliches zu erschaffen. Verdis geniale Strategie jeder Oper eine eigene Musikfarbe zu geben (er nannte sie «tinta musicale»), zahlte sich in Macbeth in höchstem Masse aus. Worin besteht die Tinta des Macbeth? Zum einen sind es die düsteren Szenen des Wahnsinns und der Hexen. Zum andern hat er die Hauptrollen nicht klassisch mit Tenor und Sopran besetzt, sondern durch einen Bariton mit einer tiefer Tessitura und dunklem Klang und einem Mezzo dessen Stimme die düstersten Farben produzieren kann.


Wer war die beste Lady Macbeth der Operngeschichte / Aufnahmegeschichte?


Die Kritik ist sich einig: Maria Callas. Vielleicht gehört die Mailänder Aufnahme zu den grössten der Aufnahmegeschichte überhaupt.


Das Jahr 1952 war das sängerisch vielleicht glanzvollste Jahr von Maria Callas. In diesem Jahr etablierte sie sich endgültig als «Assoluta» im dramatischen und verzierten Fach. Am 7. November 1952 sang sie eine der wichtigsten Aufführungen ihrer Laufbahn. Als Saisoneröffnung der Scala war «Macbeth» vorgesehen. Ihre Lady Macbeth war sensationell und der Rummel um sie geriet zu einer Callas-Manie. Karl Böhm nannte die Griechin einmal «die größte Tragödin der Welt». Die Interpretation der folgenden Arie lässt den Hörer die Richtigkeit seiner Aussage erleben. Keine andere Sängerin hatte die Möglichkeiten, die Callas zur Verfügung stand die Lady Macbeth dramatisch und musikalisch in jeder Einzelheit grandios zu zeichnen. Ihr ist es zu verdanken, dass diese Oper wieder in das Repertoire zurückgekommen ist.


Kommentare


bottom of page