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SAMSON ET DALILA von Camille Saint-Saens – ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes

peter
25. Okt.
12 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Tagen

Rigoletto von Giuseppe Verdi- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes
Macbeth von Giuseppe Verdi- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes

Samson et Dalila gehört zu den 5 größten Werken der französischen Opernliteratur. Drei unsterbliche Arien für Mezzosopran, das überwältigende Bacchanale, eine attraktive Tenorrolle und die großen Chöre hinterlassen bleibende Eindrücke. Der zweite Akt zeigt größte Emotionen und Leidenschaften.



Der Opernführer (Handlung, Wissenswertes) in Youtube


SAMSON ET DALILA – ein Opernführer


SAMSON ET DALILA von Camille Saint-Saens


KURAUFFÜHRUNG: Weimar, 1877


LIBRETTO: Ferdinand Lemaire basierend auf der biblischen Geschichte von Samson und Dalila aus dem Buch der Richter


DIE HAUPT PERSONEN:

Dalila, Hohepriesterin der Philister - Abimelech, Satrap von Gaza (Bass) - Oberpriester, Priester der Philister (Bass) - Samson, Richter der Hebräer (Tenor)s)


AUFNAHME EMPFEHLUNG

DG, Placido Domingo, Waltraud Meier, Alain Fondary unter der Leitung von Myung-Whun Chung und dem Orchester und Chor der Opéra-Bastille, Paris.


AUFNAHME EMPFEHLUNG: DG, Placido Domingo, Waltraud Meier, Alain Fondary unter der Leitung von Myung-Whun Chung und dem Orchester und Chor der Opéra-Bastille, Paris.
AUFNAHME EMPFEHLUNG: DG, Placido Domingo, Waltraud Meier, Alain Fondary unter der Leitung von Myung-Whun Chung und dem Orchester und Chor der Opéra-Bastille, Paris.

Handlung kurz


Der von Gott mit übernatürlicher Kraft gesegnete Samson führt die unterjochten Hebräer gegen die Philister, verfällt aber der Liebe zu Dalila, die im Auftrag des Oberpriesters sein Geheimnis erforscht. Nachdem sie ihm die Haare abgeschnitten hat, verliert er seine Kraft und wird geblendet ins Gefängnis geworfen. Im Tempel des Dagon erfleht er von Gott seine Stärke zurück und bringt die Säulen zum Einsturz, wobei er mit allen anwesenden Philistern umkommt.



Handlung - lang


1. AKT:


In einem Wald haben sich Hexen sich versammelt. Macbeth und Banco sind auf dem Heimweg von einer siegreichen Schlacht und treffen auf sie. Die Hexen prophezeien Macbeth, dass er zum Herrscher von Caudor werde und später zum König von Schottland gekrönt werde.


Banco frägt nach seinem Schicksal. Die Hexen prophezeien, dass er nicht König werde, aber von Königen der Vater. Da erscheint ein Bote und verkündet, dass der Herrscher von Caudor hingerichtet wurde und Macbeth an seine Stelle trete. Der erste Teil der Prophezeiung ist eingetreten, und Macbeth ist nur noch einen Schritt von der Krone entfernt. Macbeth erbleicht und Mordgedanken tauchen auf. Banco spürt, dass Macbeth sich verändert hat.


Im Schloss liest Lady Macbeth einen Brief ihres Gatten, aus dem sie vom Orakelspruch der Hexen erfährt. Macbeth will von ihr wissen, ob sie bereit sei über Leichen zu gehen, und den Königsthron anzustreben. Ihr Ehrgeiz ist maßlos, sie will alles daran setzen ihren Mann zur Königskrone zu verhelfen.


Ein Diener erscheint und kündigt an, dass der König ihnen im Schloss seine Aufwartung machen werde. Ein Mordplan nimmt Gestalt an (Vieni! t'affretta accendere… Or tutti sorgete). Zurück im Schloss zögert Macbeth noch, den verhängnisvollen Schritt zu machen, doch er kann seiner Frau nichts entgegensetzen.


Schließlich willigt er, vom eigenen Ehrgeiz getrieben, in die Tat ein. Der König erscheint mit seinem Gefolge und in der Nacht ersticht Macbeth ihn in seinem Bett. Von nun an quälen ihn die Erinnerungen an diese Tat, und er weiß, dass er nie mehr einen ruhigen Schlaf finden wird. Seine Frau hat kein Verständnis für seine Gewissensqualen (Fatal mia donna). Macduff findet den König tot im Bett. Die Nachricht verbreitet sich im Schloss und das Entsetzen erfasst alle.



2. AKT:


Der Verdacht fällt auf den Thronfolger Malcolm. Als dieser nach England flieht, wird der Weg frei für Macbeth. Er erhält die Königswürde, fühlt sich aber aufgrund der Prophezeiung der Hexen bedroht. Gemeinsam beschließt er mit seiner Frau, weiteres Blut fließen zu lassen (La luce langue, il faro spegnesi). In einem Wald.


Im Auftrag von Macbeth haben sich Mörder versammelt um Banco und seinem Sohn aufzulauern. Die beiden sind auf dem Weg zu Macbeths Schloss. Banco findet den Tod, doch sein Sohn kann entkommen. Derweil findet im Schloss ein Bankett statt. Lady Macbeth begrüßt die Gäste (Si colmi il calice). Scheinheilig verkündet Macbeth der Gesellschaft, dass Banco noch vermisst wird. Ihm wird heimlich der Mord am Banco und die Flucht des Sohnes mitgeteilt. Plötzlich erfasst ihn eine Vision.


Er sieht die Gestalt Bancos auf dem Stuhl neben ihn und er beginnt auf ihn einzureden. Mit Entsetzen realisieren die Gäste, dass ein umnachteter König mit einem Geist spricht. Seine Frau versucht die Situation mit einem Trinklied zu retten, doch Macbeth verliert gänzlich die Fassung (Va’ spirto d’abisso).



3. AKT:


Macbeth beschließt am nächsten Tag die Hexen aufzusuchen, um ihre Weissagungen in Erfahrung zu bringen. Bei den Hexen sind drei Erscheinungen, welche die Prophezeiungen verkünden. Die erste warnt, dass er sich vor Macduff hüten solle.


Die Zweite, dass kein von einem Weib geborener Mensch ihm schaden könne. Die Dritte, dass er unbesiegbar sei, bis ein Wald wie ein Heer zum Angriff vorrücke. Zuletzt erscheinen acht Könige, die an ihm vorbeiziehen, deren letzter Banco ist. Macbeth sieht seine Befürchtungen bestätigt und bricht zusammen. Als er aufwacht ist seine Frau bei ihm. Er erzählt ihr die Prophezeiung und sie beschließen, die einflussreichen Fürsten Macduff und Malcolm sowie deren Familien aus dem Weg zu räumen.



4. AKT:


Macduff lagert mit seinen Truppen an der Grenze. Sie beklagen ihr Exil und das Schicksal ihres Landes das von Macbeth terrorisiert wird (Patria oppressa). Macduff konnte sich retten, doch seine Familie wurde zerstört.


Seine Armee hat sich mit Malcolms Truppen vereinigt. Sie tarnen sich mit Astzweigen des Waldes von Birnam und rücken auf das Schloss von Macbeth vor. Im Schloss wird Lady Macbeth gepeinigt von Visionen. In geistiger Umnachtung versucht sie eingebildete Blutflecken von ihren Händen zu wischen (Una macchia è qui tuttora). Macbeth erkennt, dass die Prophezeiungen sich nach und nach erfüllen und ahnt, dass er bald sterben wird (Pietà, rispetto, amore, conforte ai di cadenti).


Apathisch nimmt er zur Kenntnis, dass seine Frau gestorben ist. Als ihm verkündet wird, dass der Wald von Birnam sich auf Schloss bewegt, will er seinen letzten Kampf führen. Als er im Duell mit Macduff erfährt, dass dieser mit Kaiserschnitt auf die Welt kam wird die letzte Prophezeiung Wirklichkeit und er fällt im Duell. Die Truppen feiern den Sieg und Malcolm wird zum neuen König gekürt.




Kommentar


Die schwierige Entstehungsgeschichte


Saint-Saens plante mit dem Dichter Ferdinand Lemaire die biblische Geschichte von Samson und Dalila als Oratorium zu vertonen. Lemaire schlug in der Folge vor, aus dem spannenden Stoff eine Oper zu machen.


Nach anfänglichen Zögern begann der 24 Jahre alte Saint-Saens im Jahr 1859 das erste Stück zu schreiben. Er kam mit der Vertonung nur sehr schleppend voran. Erst acht Jahre später zeigte er einigen Freunden im privaten Kreis die ersten komponierten Szenen. Diese reagierten äußerst reserviert, was im Nachhinein nicht erstaunt, denn das biblische Thema kontrastierte stark mit der damals dominierenden Meyerbeerschen Grand Opéra und der Offenbach’schen Opéra Comique. Saint-Saens beschloss trotzdem weiterzuarbeiteten, konnte aber keine französische Bühne dazu gewinnen, das fertig gestellte Werk des mittlerweile als «Wagnérien» diskreditierten Komponisten aufzuführen.


Weitere drei Jahre später versprach sein Freund und Mentor Franz Liszt das Werk an seiner Wirkungsstätte, der Hofoper in Weimar, aufzuführen. Der Ausbruch des deutsch-französischen Kriegs machte dem Plan einen Strich durch die Rechnung. Saint-Saens schaffte es in der Folge eine konzertante Aufführung des ersten Aktes an ein französisches Theater zu bringen, doch die Kritik an Melodie und Harmonik war vernichtend.


1877 und volle achtzehn Jahre nach der Komposition der ersten Takte konnte Liszt sein Versprechen einlösen, als er wagte, die Oper in deutscher Übersetzung in Weimar uraufzuführen. Die Aufführung wurde für den mittlerweile 42-jährigen zum Triumph, der auch in Paris mit stolz geschwellter Patrioten Brust zur Kenntnis genommen wurde. Doch zu einer französischen Erstaufführung in Rouen sollte es noch einmal 13 Jahre dauern.



Der biblische und historische Hintergrund


Interessierte finden in diesem Abschnitt eine kurze Beschreibung des inhaltlichen Hintergunds des biblischen Buchs, dessen Kenntnis aber zum Verständnis der Oper nicht notwendig ist.


Die Geschichte des Samson und der Dalila stammt aus der hebräischen Bibel, dem sogenannten Tanach. Der Tanach stimmt zum großen Teil (39 von 46 Büchern) mit dem christlichen Alten Testament überein.


Die Schriften sind in 3 Teile gruppiert, deren ersten beide Teile chronologisch angeordnet sind. Das erste Buch (die sogenannte Tora) beschreibt die Geschichte des Propheten Moses, der zweite Teil (die sogenannte Nevi’im) die Geschichte von weiteren Propheten und des jüdischen Volks der Zeit nach Mose.

Aus diesem Teil stammt die Geschichte von Samson und Dalila, genauer gesagt aus dem Buch der Richter. Die damaligen Richter hatten nicht nur eine Rechtssprechungsfunktion, sondern waren politische und militärische Anführer.


Verschiedenste Richter tauchten im Laufe der Zeit auf und hinter allen Richtergeschichten dieses Buchs stand immer dieselbe dramaturgische Abfolge: zuerst der Abfall der Juden vom Gott Jahwe, dann die Unterdrückung durch Fremdvölker (zumeist Philister), gefolgt vom Hilfeschrei an Jahwe und schlussendlich die Rettung durch den Richter. Samson war einer der bedeutendsten Richter und seine Kräfte waren außergewöhnlich.


Die Hauptgegner der Juden, die Philister, waren vermutlich eingewanderte Seefahrervölker aus dem nördlichen Mittelmeer (möglicherweise Kreta) und sie wurden heimisch in Palästina und gaben der Region seinen Namen. Die Juden versuchten die Gebiete des heutigen Israels zu erobern, doch das Gebiet um Gaza konnte lange Zeit von den Philistern gehalten werden.




Die Musik von «Samson et Dalila»


«Samson et Dalila» ist die einzige der 16 Opern Saint-Saens’, die es ins Repertoire geschafft hat. Saint-Saens war ein ungemein gebildeter und bewanderter Musiker, schon früh wurde er als Wunderkind von der Güte Mozarts erkannt, seine technischen und kompositorischen Ressourcen gab ihm die Möglichkeit allen seinen Opern einen eigenen Stil zu geben. Diese Strategie zahlte sich letztlich nicht aus, denn fast alle seine Opern sind vergessen worden, Berlioz meinte spöttisch «er weiß alles, aber ihm fehlt die Unerfahrenheit».


Was macht die Musik von «Samson et Dalila» aus?


Auffallend ist die Verwendung von wiederkehrenden Motiven. «Leitmotiv» wäre das falsche Wort, da es eher Melodien sind und «lediglich» eine Erinnerungsfunktion haben, also nicht im Wagnerschen Sinne weiterentwickelt werden. Trotzdem wurde Saint-Saens in Frankreich als «Wagnérien» verschrien, was in der aufgewühlten Zeiten der französisch-deutschen Kriege einem künstlerischen Todesurteil nahe kam.


Ein weiteres Charakteristikum des Werkes ist, dass der erste und dritte Akt einen starken Oratoriums Charakter mit statischen religiösen Szenen und Chören hat und sich vieler «altertümlichen» Formen wie Fugen und gregorianischen Chören bedient. Der Chor bekam durch die ursprüngliche Planung des Werks als Oratorium eine sehr wichtige Rolle. Im ersten und dritten Akt spielt er sogar eine Hauptrolle, bei der sich solistische und Chor-Stellen abwechseln.


Zu guter Letzt bilden auch die vielen Orientalismen ein Charakteristikum dieser Oper. Man darf Saint-Saens zu Gute halten, dass er diesen Aspekt mit großer Meisterschaft behandelte. Saint-Saens verbrachte jedes Jahre viele Monate in seinem Zweitwohnsitz Algier, wo er auch für «Samson et Dalila» Studien betrieb. Einen schönen Einblick darüber finden sie weiter unten im Kommentar zum Bacchanale des dritten Aktes.


Eine der grossen Mezzosopran Rollen


Nicht weniger als drei Große, unsterbliche Arien hat Saint-Saens für die Rolle der Dalila geschrieben (“Amour!, Viens aider ma faiblesse”; “Mon coeur ouvre à ta voix”; “Printemps qui commence”). Als Saint-Saens 1859 mit der Komposition begann, wollte er die Rolle der Dalila der berühmten, knapp vierzig jährigen Pauline Viardot-García auf den Leib schreiben, einer der großen Sängerinnen des 19. Jahrhundert. Sie war ein Mezzosopran mit opulenter Tiefe. Als er 1877 das Werk beendet hatte, kam die Rolle aber zu spät für sie.




Die schönsten Stellen


Dieu d’Israël ! Ecoute la prière


Der Chor wird eingeleitet durch ein kurzes Vorspiel. Dessen Beginn ist sehr ungewöhnlich, man hört hintereinander drei Bläsertöne, sie sollten wohl den Ton eines historischen Instruments imitieren. Nach wogenden Violinklängen, die manchen Hörer an das Vorspiel zum Rheingold erinnern, setzt der Chor mit kirchlichen Klängen ein. Nach ca. 7 Minuten setzt die große Fuge «Nous avons vu nos cités reversées» ein. Der Zuhörer wähnt sich in einem Oratorium.



L’as-tu donc oublié … Malheureux, taisez-vous!


Mit großer Geste überzeugt Samson sein Volk. Die begeisterte Menge antwortet in einen wunderschönen Chorstück, welches zweistimmig geführt ist und orchestral vielschichtig begleitet wird.


Wir hören in der Rolle des Samson Placido Domingo. Er ist vielleicht der bemerkenswerteste Samson der Aufnahmegeschichte. Die Rolle ist wie auf seine Stimme zugeschnitten, sie ist in der Mittellage komponiert und erfordert große Ausdauer. Seine reiche und opulente Stimme und seine Ausdauer lassen die Kraft und Schönheit Samsons aufblühen.



C’est toi que sa bouche invective


Mit einer großen Hymne «Israel, rompe ta chaine» («Israel zerbreche deine Ketten») begeistert Samson die Masse und sie stimmt in die Hymne ein.



Seigneur ! la troupe furieuse … Maudite à jamais soit a race


Saint-Saens zeichnet einen dramatischen Auftritt des Hohepriesters. Die tiefen Streicher spielen ein militärisches Motiv, das zu einem der wichtigen Leitmotive der Oper wird.



Hymne de joie, hymne de délivrance


Eine schöne Musik beschreibt im ersten Teil den Sonnenaufgang. Danach hören wir den frommen Gesang der alten Hebräer im Stil eines Gregorianischen Gesangs oder eines Psalmengesang einer Synagoge.


Hymne de joie, hymne de délivrance - Davis / Cura


Voici le printemps nous portant des fleurs


Der Chor der Philisterinnen beschreibt die Schönheit und Reinheit der Natur. Die Musik ist süß und unschuldig und kontrastiert zum archaischen Chor der Hebräer, der in der vorhergehenden Szene ertönte. Er beschreibt die Schönheit und Reinheit der Natur.

Voici le printemps nous portant des fleurs


Je viens célébrer la victoire


Samson reagiert auf die Erscheinung Dalilas mit chromatischen Schritten, was seine Unsicherheit zeigt. Mehr und mehr stimmt er in Dalilas Singstimme ein und gerät in ihren Sog. Davon unabhängig komplettiert der Bass dieses schöne polyphonische Terzett, das in einem wunderschönen Wohlklang endet.



Je viens célébrer la victoire


Das Terzett wurde in den zwanziger Jahren berühmt mit einer legendären Einspielung von Enrico Caruso.

Je viens célébrer la victoire – Caruso / Homer /Journet

Danse des Prêtresses de Dagon


Die Musik betört mit sinnlichen Orientalismen.



Printemps qui commence


Wir hören in dieser Auftrittsarie nicht die böse von der Rache zerfressene Dalila, sondern die junge ehrliche Frau, die die Schönheit der Natur besingt.


Saint-Saens schreibt eine schöne Begleitung mit langen Akkorden, die den Orgelkomponisten erkennen lässt.


Wir hören Maria Callas, die die schönen Farben dieser Arie erklingen lässt.

Printemps qui commence - Callas


Samson, recherchant ma présence … Amour! viens aider ma faiblesse!


Eine unruhige Einleitung zeigt die Aufgewühltheit von Dalila, Rache ist ihr Ziel. Die Herausforderung dieser Arie ist, trotz des rachetriefenden Textes (er ist mein Sklave; schütte das Gift in seine Adern) und den tiefen Passagen das schöne Gebet zum Gott der Liebe feminin zu halten.


Niemand konnte das Flehen so eindringlich gestalten wie Maria Callas.

Samson, recherchant ma présence … Amour! viens aider ma faiblesse! - Callas


J’ai gravi la montagne!! … Notre sort t’est connu


Von seinem Leitmotiv begleitet, erscheint der Hohepriester.



Il faut, pour assouvir ma haine


Ein großes, klassisches Hass Duett das mit Leidenschaft und Feuer erfüllt ist und mit einem Rachegelübde endet.



En ces lieux, malgré moi, m’ont ramené mes pas


Der Auftritt Samsons zeigt seine Unsicherheit. Bei ihrem Auftritt wechselt die Musik in Dur und bald schon versucht sie Samson mit langen dolce gesungenen Linien zu gewinnen (Samson, ô toi! Mon bien aimé, pourquoi) und das Stück entwickelt sich zu einem leidenschaftlichen Duett.




Mon coeur s’ouvre à ta voix


Saint-Saens hat nicht weniger als drei große, unsterbliche Arien für die Rolle der Dalila geschrieben. Diese Arie ist eine der schönsten und verführerischsten Arien aus dem gesamten Opernrepertoire.


Dalila will Samson aus Staatsraison verführen, aber man spürt dass hinter ihren verführerischen Versprechungen mehr steckt. Sie mag zwar nicht in Samson verliebt sein, aber doch hegt sie Gefühle für ihn. Sie versucht Samson mit ihrer warmen, erotischen Stimme zu verführen. Die Begleitung des Orchesters ist zart, bisweilen verspielt und verzichtet gänzlich auf Blechbläser und Perkussionsinstrumente.


Saint-Saens’ Vortragsbezeichnung ist «dolcissimo e cantabile». Die Stimme und das Orchester glänzen in leuchtendem Dur. Das Orchester spielt anschwellende und abschwellende Akkorde, die eine sanfte, wogende Brise imitieren, eine Allegorie für Schönheit und Verführung.


Doch Dalila hat ihr finales Ziel noch nicht erreicht. Sie muss hinter Samsons Geheimnis kommen. Süßlich, fasst schon flehentlich bittet sie Samson zu ihr zu sprechen, um ihre Tränen zu trocknen. Der Ton wird drängender und sie wiederholt das ekstatische «versez moi l’ivresse» («Erfülle mich mit Beglückung») mit dem sie Samson gewinnen will. Eine schöne Passage der Klarinette nimmt das Thema schmerzvoll süßlich auf.


Der zweite Teil nimmt noch einmal die Themen des ersten Teils auf. Der Klang des Orchesters verändert sich mit verführerischen orientalischen Figuren immer stärker, bis im letzten Teil wieder die westlichen Harmonien zu hören sind. Am Schluss ergibt sich Samson, das Stück wird zum Duett und er schmachtet mehrmals «Dalila, je t’aime».

Mon coeur s’ouvre à ta voix

Vois Ma Misère, Hélas ! Vois Ma Détresse !


Hoffnungslosigkeit und Tragik bestimmen die Szene, in dem Samson im Kerker den Mühlstein dreht.

Vois Ma Misère, Hélas ! Vois Ma Détresse ! - Domingo

L’aube Qui Blanchit Déjà Les Coteaux


Wieder ein himmlischer Frauenchor der die unberührte Natur besingt.



Bacchanale


Saint-Saens schrieb mit dem Bacchanale ein Ballett als entfesseltes erotisches Gemälde. Angefeuert von der energiegeladenen Musik beginnen die Gäste ihren ekstatischen Tanz.


Das Ballett beginnt mit einer Einleitung der Oboe. Die Musik ist in Phrygisch Dur (dem Jihaz) geschrieben, einer Tonleiter die in der orientalischen Musik gebräuchlich ist.


Saint-Saens imitierte in der Bacchanale (und in der ganzen Oper) ein halbes Dutzend alte arabische Instrumente. Die Oboen Einleitung erinnert an den Ton einer Schalmei, die Harfe imitiert ein Qunan und die pizzicato gespielten Streicher imitieren ein Oude, ein heute noch gebräuchliche, lautenähnliche Gitarre mit geknicktem Hals, das mit einem Plektrum gezupft wird.


In einem zweiten Teil wird die Musik europäisch, walzerhaft um dann wieder in die Welt des ersten Teils zurückkehren.


Die Bacchanale erinnert entfernt an die Venusbergszene aus Tannhäuser und war sicher auch eine Inspiration für Strauss’ «Tanz der sieben Schleier» aus der Salome.


Hören und sehen Sie ein großartiges Bacchanale in einer Inszenierung der Met.

Bacchanale






3 Fun Facts


1. Zwei Jahre vor der Uraufführung des Samson heiratete der mittlerweile 42-jährige Saint-Saens eine 19-jährige Industriellentochter. Die Ehe war unglücklich. Querelen der jungen Ehefrau mit seiner Mutter und der frühe Tod ihrer beiden Kinder zermürbten den Komponisten und er verließ die junge Frau. Er hinterließ einen Zettel «ich bin weg» und zog zurück zu seiner Mutter.


2. Saint-Saens reiste Zeit seines Lebens viel. Sein Vater starb an Lungentuberkulose und seine Ärzte rieten ihm, das ungünstige Klima des Paris der Wintermonate zu meiden. Ziel vieler seiner Winterreisen war Algier, wo er in seinem ersten Winter auch einen Teil seines Samson schrieb.


3. 1875 hat sich Saint-Saens sich in einem Moskau Besuch mit Tschaikowsky angefreundet. Sie entdeckten ihre gemeinsame Liebe zum Ballett. Als sie gemeinsam das Conservatoire besuchten, sollen sie gemeinsam Szenen aus dem Ballett Pygmalion und Galatea gesungen haben. Leider gab es außer dem begleitenden Pianisten Nicolai Rubinstein, dem Direktor des Conservatoires, keine Augenzeugen. (aus: Lebrecht, Buch der Musikalischen Anekdoten).



SAMSON ET DALILA von Camille Saint-Saens





Häufig gestellte Fragen zu MACBETH (FAQ)


Welches sind die bekanntesten Stücke aus Samson et Dalila?


L’as-tu donc oublié … Malheureux; taisez-vous!; C’est toi que sa bouche invective; Maudite à jamais soit a race; Hymne de joie, hymne de délivrance, Je viens célébrer la victoire (Terzetto), Danse des Prêtresses de Dagon (Ballett), Printemps qui commence, Amour! viens aider ma faiblesse, Il faut, pour assouvir ma haine (Hass Duett), Mon coeur s’ouvre à ta voix; Vois Ma Misère, Hélas ! Vois Ma Détresse ! (Mühlstein Arie), Bacchanale (Ballett)



Wie ist die Handlung in wenigen Sätzen?


Der von Gott mit übernatürlicher Kraft gesegnete Samson führt die unterjochten Hebräer gegen die Philister, verfällt aber der Liebe zu Dalila, die im Auftrag des Oberpriesters sein Geheimnis erforscht. Nachdem sie ihm die Haare abgeschnitten hat, verliert er seine Kraft und wird geblendet ins Gefängnis geworfen. Im Tempel des Dagon erfleht er von Gott seine Stärke zurück und bringt die Säulen zum Einsturz, wobei er mit allen anwesenden Philistern umkommt.



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