Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes
- peter
- vor 19 Stunden
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Mozart beendete seine «Zauberflöte» im September seines Todesjahres 1791. Im November war er bereits krank im Bett, und er starb am 5. Dezember. Unfassbar, dass diese großartige Oper im Schatten seines Todes geschrieben wurde. Die «Zauberflöte» wurde im 20. Jahrhundert zur meistgespielten Oper des gesamten Repertoires und ihre Popularität ist ungebrochen.
Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart
URAUFFÜHRUNG: Wien, 1791 LIBRETTO: Emanuel Schikaneder, basierend auf einer Märchensammlung von Christoph Martin Wieland (u.a. mit Märchen von August Jacob Liebeskind).
DIE HAUPT PERSONEN: Tamino, Prinz - Sarastro, Ordensoberhaupt - Königin der Nacht, Königin und Mutter der Pamina - Pamina, Prinzessin - Papageno, Vogelhändler - Monostatos, Aufpasser im Tempel des Sarastro.
AUFNAHME EMPFEHLUNG: EMI, Gundula Janowitz, Nicolai Gedda, Walter Berry, Lucia Popp und Gottlob Frick unter der Leitung von Otto Klemperer und dem Philharmonia Orchestra und Chorus.
Handlung
1. AKT: (Ouvertüre) Prinz Tamino hat sich in einem felsigen Tal verirrt. Eine Schlange verfolgt ihn seit einiger Zeit und er bricht aus Erschöpfung zusammen. Drei Damen töten die Schlange und retten Tamino so vor dem Tod, sie wurden von der Königin zum Schutz des Tamino ausgesandt. Nun streiten sie sich, wer beim bewusstlosen Hübschen bleiben darf. Schließlich entfernen sie sich gemeinsam, um der Königin Bericht zu erstatten. (Zu Hilfe) Tamino wacht auf und sieht erstaunt die tote Schlange neben sich. Da taucht der Vogelfänger Papageno auf. Er ist auf dem Weg, der Königin der Nacht die bestellten Vögel zu liefern. (Der Vogelfänger bin ich ja)
Tamino möchte die mysteriöse Königin kennenlernen. Papageno klärt ihn auf, dass noch nie ein Mensch sie gesehen habe. Er behauptet auch, dass er es war, der die Schlange getötet habe. In diesem Moment kommen die Damen zurück und versiegeln dem lügnerischen Papageno mit einem Schloss den Mund. Sie zeigen Tamino ein Bild der Pamina, der Tochter der Königin, worauf Tamino sich gleich in sie verliebt. (Dies Bildnis ist wunderschön) Die drei Damen erzählen ihm, dass der böse Priester Sarastro Pamina gefangen halte. Tamino ist darüber erzürnt, und die drei Damen beauftragen Tamino die Prinzessin zu retten. Dieser sagt begeistert zu, und die Königin der Nacht erscheint. Sie beklagt ihre Situation und verspricht dem Prinzen die Hand ihrer Tochter, wenn er ihre Tochter befreie. (O zittre nicht)
Als die Königin verschwindet taucht Papageno wieder auf und er will, dass die drei Damen ihm das Schloss abnehmen. Die Damen befreien ihn vom Verschluss und bestimmen ihn als Diener des Tamino, damit er ihm hilft Pamina zu befreien. Sie überreichen Tamino eine Zauberflöte und Papageno ein Glockenspiel. Beide Instrumente dienen dazu, bei Gefahr das Gemüt von Mensch und Tier auf der Stelle umzustimmen.
Pamina befindet sich als Gefangene in Sarastros Palast. Der Mohr und Aufpasser Monostatos hat soeben ihren Fluchtversuch vereitelt und nähert sich der gefesselten Prinzessin lüstern. In dem Moment taucht Papageno auf. Beide, Mohr und Vogelmensch, erschrecken voreinander und rennen davon. (Du feines Täubchen) Doch bald schon sagt sich Papageno, dass es ja auch schwarze Vögel gibt, wieso sollte es nicht schwarze Menschen geben? So kehrt Papageno zurück. Er erzählt Pamina vom Prinzen Tamino, der sie liebe und auf dem Weg zu ihrer Befreiung sei. (Bei Männern, welche Liebe fühlen)
Mittlerweile ist auch Tamino im Bezirk der drei Tempel angelangt. Drei Knaben, die ihn während seines Abenteuers mit Rat beistehen, mahnen ihn zu Standhaftigkeit, Geduld und Verschwiegenheit. (Zum Ziele führt) Tamino will in den Tempel eindringen, wird aber von unsichtbaren Stimmen zurückgeschreckt. Ein alter Priester taucht auf und Tamino spricht ihn an. Dieser bestätigt ihm, dass Pamina von Sarastro entführt wurde. Er erklärt aber auch, dass Tamino irregeführt wurde. Tamino geht weiter und erfährt von unsichtbaren Stimmen, dass Pamina noch lebt. Da hört er das Glockenspiel und er eilt zu Papageno. Dieser ist mit Pamina auf der Flucht, und sie laufen Monostatos und seinen Gehilfen in die Hände. Geistesgegenwärtig spielt Papageno das Glockenspiel und ihre Verfolger werden willenlos. (Schnelle Füsse, rascher Mut … Nur geschwinde) Plötzlich ertönen Posaunen und Sarastro erscheint. Pamina wirft sich ihm zu Füssen und erklärt ihren Fluchtversuch damit, dass sie sich vor den Nachstellungen des Monostatos retten wollte. (Es lebe Sarastro … Herr ich bin zwar Verbrecherin) Sarastro lässt Gnade walten, verzeiht Pamina und bestraft Monostatos. Er trennt aber Pamina von Tamino und Papageno, da sich diese zuerst bei Prüfungen bewähren müssen, um als Eingeweihte in ihrem Orden aufgenommen zu werden. Alle preisen die Weisheit Sarastros.
2. AKT: In der Tempelhalle erwarten die versammelten Priester Tamino. (Marsch der Priester) Sarastro verkündet, dass Tamino nach bestandener Prüfung Pamina heiraten soll. Der alte Mann warnt auch, dass die harten Prüfungen das Leben Taminos kosten könnten, und alle erbitten den Beistand der Götter für die Prüfung. (O Isis und Osiris) Die erste Prüfung steht an. Da Papageno sich fürchtet, machen die Priester ihm Mut, in dem Sie ihm bei bestandener Prüfung eine Papagena versprechen. Tamino und Papageno treten nun in den Tempel. Da tauchen die drei Damen auf und warnen die beiden, dass sie bei Sarastro der Tod erwarte. (Wie? wie? wie?) Tamino lässt sich nicht beirren, und die Priester verscheuchen die drei Damen. Die erste Prüfung ist bestanden.
Derweil nähert sich Monostatos im Garten der schlafenden Pamina. (Alles fühlt der Liebe Freuden) Als er sie küssen will, erscheint die Königin der Nacht. Monostatos versteckt sich und belauscht das Gespräch. Die Königin der Nacht erfährt, dass Tamino sich um die Aufnahme in Sarastros Bund bemüht, statt ihre Tochter Pamina aus seinen Händen zu befreien. Sie ist außer sich. Sie erzählt, dass ihr verstorbener Mann den Sonnenkreis und damit die Macht einst an Sarastro übergab und fordert ihre Tochter auf, Sarastro umzubringen und ihm den Sonnenkreis zu entwenden. (Der Hölle Rache) Pamina will nichts vom Plan ihrer Mutter wissen und spricht Sarastro darauf an. Sarastro verspricht ihr, sich nicht an ihrer Mutter zu rächen. (In diesen heil’gen Hallen)
Tamino und Papageno werden zur nächsten Prüfung geführt. Eine hässliche, alte Frau erscheint und will ihnen den Weg nach draußen zeigen. Als Papageno sie anspricht, wird sie von den Priestern verscheucht. Weiterhin müssen sie Stillschweigen bewahren. Die drei Knaben erscheinen und bringen den beiden ihre Instrumente. Erfreut spielt Tamino die Flöte und Pamina erscheint, angelockt vom Klang. Als sie ihn anspricht, schweigt Tamino und Pamina glaubt seine Liebe verloren zu haben. Sie weiß nicht, das Taminos Schweigen Teil der Prüfung ist. (Ach, ich fühls)
Nach bestandener zweiter Prüfung versucht Pamina, Tamino vor den Gefahren der dritten Prüfung zurückzuhalten. Doch Tamino ist bereit, sich der letzten Prüfung zu stellen. Papageno wurde wegen seiner Geschwätzigkeit in eine Höhle verbannt. Dass er nicht zur Initiation zugelassen wird, kümmert ihn nicht. Lieber wäre ihm etwas zu trinken, zu essen und … ein Weibchen. (Ein Mädchen oder Weibchen) Noch immer ist Pamina verzweifelt und will sich töten. Die drei Knaben erklären ihr aber, dass Tamino sie noch immer liebt. Zwei Geharnischte haben mittlerweile Tamino zur letzten Prüfung gebracht. Da erscheint Pamina, die die Prüfung zusammen mit dem Prinzen bestehen will. (Tamino mein, o welch ein Glück!) Die beiden müssen durch die Feuer- und Wasserhölle. Mithilfe des Flötenspiels bestehen sie mühelos die Gefahren und werden durch Stimmen begrüßt. Papageno sucht seine Papagena. Ohne sie will er nicht mehr leben. Die drei Knaben erinnern ihn an sein Glockenspiel und tatsächlich erscheint Papagena. Sie fallen sich in die Arme. (Pa-Pa-Pa-Papagena) Monostatos hat sich mit der Königin der Nacht verbündet, um Pamina zu befreien. Doch Sarastro vertreibt sie mit Donner und Blitz in die ewige Finsternis. Bei Sonnenaufgang werden Pamina und Tamino im Sonnentempel in den Kreis der Eingeweihten aufgenommen. (Nur Stille … Die Strahlen der Sonne)
Kommentar
Libretto: Die Geschichte der Zauberflöte basiert auf einer Märchensammlung eines Dichters namens Wieland. Diese Geschichten waren zur Zeit Mozarts beliebt und Wieland gehörte zu den Lieblings Autoren von Mozarts Vater. Emanuel Schikaneder, Theaterunternehmer und ein Freund Mozarts, erstellte daraus ein Libretto, verwob aber noch weitere Geschichten und eigene Ideen in die Handlung der Zauberflöte. Die Interpretation des Werkes ist seit langer Zeit Gegenstand von Diskussionen. Von Schikaneder und Mozart gibt es nur wenige Kommentare zu diesem Libretto mit seinen vielen anspielungsreichen Handlungen. Die verschiedensten Quellen des Librettos und fehlende Kommentare der Autoren Mozart und Schikaneder machen eine Deutung der Dichtung Zauberflöte schwierig und so streiten sich Experten noch immer um die korrekte Auslegung.
Das Rätsel der Interpretation der Zauberflöte: Die ursprüngliche Fabel beschrieb die Königin als gute Fee und Sarastro als bösen Dämonen. Die größte Fragestellung der Interpretation liegt im Bruch der Handlung vom ersten zum zweiten Akt, wo die Königin plötzlich zur Unperson und Sarastro zur Lichtgestalt wird. Sie war es, die im ersten Akt die drei Knaben aussandte, um Tamino den Weg zu Pamina zu weisen. Im zweiten Akt gehorchen die drei Knaben aber ihrem Erzfeind Sarastro und führen Tamino zum Initiationsritual. Wieso veränderten Mozart und Schikaneder die Handlung? Wahrscheinlich war der Grund im Thema der Freimaurerei zu suchen. Für diesen Gedankengang muss man wissen, dass der verstorbene Ehemann der Königin die Macht (versinnbildlicht durch den Sonnenkreis) Sarastro übergeben hatte und nicht seiner Frau. Wieso? Weil er ihr nicht traute? Dieser Aspekt ließe sich auf die politische Situation der Kompositionszeit der Zauberflöte umdeuten. Fakt ist, dass ein Jahr vor dem Beginn der Arbeiten an der Zauberflöte Kaiser Joseph II, ein aufgeklärter, kunstsinniger Monarch und Förderer Mozarts, gestorben war. Das Zepter ging an Leopold über, der einige Reformen Josephs II rückgängig machte und den Künsten gegenüber gleichgültig war. So kann man die Zauberflöte dahin deuten, dass die Kaiserkrone nicht dem natürlichen Erben der Macht (Leopold respektive Königin der Nacht) übergeben werden sollte, sondern dem Fähigsten (Sarastro). Diese Interpretation erhält noch eine zusätzliche Note, da Leopold ein Jahr nach der Uraufführung der Zauberflöte gestorben ist. Die Todesursache ist unklar. Vielfach wurde eine Vergiftung durch Freimaurer vermutet. Interessanterweise finden sich in den Presse-Besprechungen der Zauberflöte in den Wochen der Uraufführung keine Kommentare zum Freimaurertum.
Das Thema der Freimaurer: Mozart war 1784 einer Wiener Loge beigetreten und wurde so Logenbruder von Emanuel Schikaneder. Mozart war ein aktiver Logenbruder und kannte deren Rituale. Er identifizierte sich mit der von der Aufklärung geprägten Botschaft der Freimaurer, wo der Mensch einen Läuterungsprozess durchzugehen hat, bei dem das Licht (Sarastro) das Dunkle besiegt (Königin der Nacht). Die Moral des Schlusschors «Es siegte die Stärke und krönet zum Lohn, die Schönheit und Weisheit mit ewiger Kron» entspricht fast wörtlich einem Moraltext der Freimaurer. Um die Bedeutung dieses Thema zu unterstreichen hören wir gleich zu Beginn als Eröffnungsfanfare die drei berühmten Akkorde. Die Zahl "Drei" spielt in dieser Oper eine wichtige Rolle und wir werden des Öfteren auf diese im Freimaurertum bedeutsame Zahl zu sprechen kommen.
Das Genre: Formal ist die Zauberflöte dem deutschen Singspiel zuzuordnen. Hauptattribute dieses Genres waren die gesprochenen Dialoge (gegenüber den musizierten Rezitativen in der Oper) und die Wahl von Themen aus der Märchenwelt (versus historische Themen der Oper). Das Singspiel war während Jahrzehnten die vorherrschende Gattung im deutschsprachigen Raum. Die Zauberflöte überschreitet aber die Grenzen des Genres. Mozart schrieb in dieser Oper ernste Szenen neben komischen, Volkstümliches neben schwersten Koloraturarien und Belcanto Musik neben singspielartigen Liedern. Eine Besonderheit bildet der Schluss des ersten Aktes. Mozart hat die Musik dieses Finales durchkomponiert. Von vielen Experten wird dies als der visionärste Teil der Oper angesehen, da es die Form der Musikdramen Puccinis und Wagners antizipieren soll. Er schrieb dazu das längste von ihm komponierte Rezitativ, welches einen entscheidenden Teil der Handlung trägt.
Geschichte und Uraufführung: Mozart begann die Arbeiten zur Zauberflöte im Frühjahr 1791. Er unterbrach sie im Juli und schrieb in kurzer Zeit «la clemenza di Tito» und beendete dann innert wenigen Wochen im September 1791 die Zauberflöte. Die Uraufführung erfolgte am 30. September in Schikaneders Theater auf der Wieden. Seine Schwägerin Josepha Hofer sang die Königin, Mozart dirigierte und Schikaneder spielte den Papageno. Die Zauberflöte war ein großer Erfolg und wurde noch in derselben Spielzeit zwanzigmal gegeben. Mozart besuchte im Oktober viele Vorführungen und freute sich, dass er nach langer Zeit wieder mit einem Werk einen Publikumserfolg feiern konnte. Im November lag er bereits krank im Bett und starb am 5. Dezember.
Die schönsten Stellen
Ouvertüre: Gleich zu Beginn hören wir als Eröffnungsfanfare die drei berühmten (auf das Freimaurertum gemünzten) Anfangs-Akkorde. Ein positiver und gewollter Nebeneffekt dieses fanfarenartigen Beginns war, die Aufmerksamkeit der schnatternden Zuhörer auf die Musik zu lenken. Die Ouvertüre zur Zauberflöte ist kein typisches Opern-Vorspiel der damaligen Zeit. Eigentlich wäre die leichte Kost eines Singspiels-Vorspiels zu erwarten, doch Mozart lässt uns mit der Ouvertüre wissen, dass den Hörer eine «große Oper» erwartet, in der es zwar turbulent zu und her geht, aber in der ernsthafte Themen angesprochen werden.
Zu Hilfe: Tamino ist ein junger, suchender Mann. In der Zauberflöte geht es um seine Reifung. Die Schlange kann man symbolisch als die Versuchung auffassen. Ursprünglich war ein Löwe vorgesehen, doch aufgrund der Nähe zum Namen des regierenden König Leopolds fürchtete man die Zensur. Tritt die Schlange im C-Moll, dem Bösen ein, treten die drei Frauen im strahlenden Es-Dur auf, doch die drei Damen (schon wieder die «3») machen nach der Rettung keine gute Figur, bald schon zanken sie sich, wer bei Tamino bleiben darf. Das Gezänke wird gelegentlich von schnatternden Holzbläsern hämisch kommentiert. Bei aller Gefährlichkeit der Tiere macht auch Tamino als Held keine gute Figur. Zuerst schreit er um Hilfe, dann fällt er in Ohnmacht und gerettet wird er von Frauen…
Der Vogelfänger bin ich ja: Papageno ist eine Märchenfigur, die halb Vogel halb Mensch ist. Er steht für den einfachen Mann aus dem Volk. Alles an ihm ist volkstümlich, seine Musik wird stets in der «einfachen» Tonart G-Dur ertönen und ist mit kleinen Intervallsprüngen geschrieben. Seine Verse sind in einfacher Strophenform geschrieben und Worte wie «heißa hopsasa» betonen die Volkstümlichkeit. Für viele ist Papageno der eigentliche Star der Oper, der sich mit einer Portion Witz von dem bierernsten Tamino unterscheidet.
Dies Bildnis ist wunderschön: Mozart hat aus dieser großen (und einzigen) Arie des Tamino kein Showstück gemacht. Es verlangt eine lyrische, zärtliche Stimme, die eine noble Liebe verkörpert, zurückhaltend begleitet vom Orchester. Mozart und Schikaneder porträtieren einen unsicheren jungen Mann, der Liebesgefühle zum ersten Mal erlebt. So fragt Tamino zweimal «Soll die Empfindung Liebe sein?» und bevor er die Worte mit Emphase ausspricht, geben ihm Klarinette und Fagott bereits die Antwort. Im gleichen Rhythmus singt dann Tamino «Ja, ja». Trotz der ernsthaften formalen Anlage der Arie fehlt der Humor in dieser Arie nicht. Mozart und Schikaneder lassen den mit Frauen unerfahren Tamino fragen, was er denn mit dem Mädchen anfangen solle. Verlegen stammelt er zwei Mal «Was würde ich». Nach einer langen Pause, in dem Sänger und Orchester scheinbar fieberhaft rätseln, kommt ihm die erlösende Idee: Eine Umarmung wäre jetzt wohl die passende Aktivität.
O zittre nicht: Mozart schreibt beim Erscheinen der Königin der Nacht: «Die Berge teilen sich auseinander, und das Theater verwandelt sich in ein prächtiges Gemach. Die Königin sitzt auf einem Thron, welcher mit transparenten Sternen geziert ist». Im Allegro maestoso des Rezitativs macht Mozarts Musik sofort klar, dass die Königin der Nacht eine mächtige Frau ist. Mit einer einstudierten, majestätischen Langsamkeit setzt sie ein. Mit chromatischer Abwärtsbewegung («ihr ängstlich Beben, ihr schüchternes Streben») legt sie Tamino ihr Unglück dar. In der darauffolgenden Arie, die sich nach dem Moll-Rezitativ ins Dur wandelt, befiehlt sie Tamino ihre Tochter zu befreien. Sie verspricht mit langanhaltenden, über fünf Takte gehende Sechzehntel-Koloraturen dem Prinzen das darauffolgende Liebes-Glück. Dabei singt sie sich selbst in Ekstase: nacheinander erfolgen Staccatofiguren, Koloraturketten (mit einem hohen f als letzte Note) und ein Triller, um Tamino zu überzeugen, die gefährliche Rettungsaktion anzugehen. Donnergeräusche beenden dieses beeindruckende Stück.
Hm! Hm! Hm! Hm!: Für diese Szene hat Mozart ein schönes Quintett mit Papageno, Tamino und den Damen komponiert. Papageno fleht die Damen mit «Hm!» an, ihm das Schloss abzunehmen. Mozart macht sich einen Spaß daraus dieses «Hm!» mit dem Fagott unisono zu begleiten.
Du feines Täubchen: Dieses Aufeinandertreffen von Pamina, Monostatos und Papageno ist in zwei Duette geteilt. Interessanterweise entspricht der Auftritt der Pamina spiegelgleich demjenigen Taminos im ersten Akt. Sie wird zuerst vom Bösen gejagt (Schlange respektive Monostatos), dann wird sie ohnmächtig und in schließlich in höchster Not gerettet (von den drei Damen respektive von Papageno).
Bei Männern, welche Liebe fühlen: In der ganzen Oper hört man kein Liebesduett zwischen Pamina und Tamino. Möglicherweise erlaubte die Dramaturgie dies nicht. Mozart hat dafür ein wunderschönes Duett von Pamina und Papageno für diese Szene geschrieben, und es tönt überraschenderweise wie ein Liebesduett, in dessen Musik man den Puls zweier Herzen hört. Selbst Papageno verwandelt sich für einen Moment in einen ernsthaften Charakter, und er vertritt sozusagen seinen Abenteuergefährten. Beethoven, der die Zauberflöte sehr geschätzt hat, war so begeistert, dass er Variationen über dieses schöne Stück geschrieben hat.
Zum Ziele führt: Für diesen Auftritt der drei Knaben komponierte Mozart eine heitere, aber würdige Musik, die den Hörer in eine neue Welt führt. Leider werden die drei Knaben im Opernhaus oft von Frauen gesungen, obwohl Mozart diese ätherische Musik explizit für die Stimme von Knaben geschrieben hat.
Schnelle Füsse, rascher Mut … Nur geschwinde: Ein schönes Duett von Papageno und Pamina in Terzenparallelen gesungen.
Es lebe Sarastro … Herr ich bin zwar Verbrecherin: Als Pamina die Ankunft Sarastros bemerkt, zischt sie Papageno zu, er solle immer die Wahrheit sagen. Doch das erste was Pamina zu Sarastro sagt, ist eine glatte Lüge (sie sei nur wegen Monostatos Zudringlichkeiten geflohen). Das Duett der beiden geht unharmonisch weiter: Sarastro fällt der Dame mehrmals ins Wort und Pamina versucht den älteren Herrn einzuseifen («Mir klingt der Muttername süße»). Dieser reagiert darauf unwirsch und spricht den berühmten frauenfeindlichen Satz aus: «Und ein stolzes Weib! Ein Mann muss Eure Herzen leiten, denn ohne ihn pflegt jedes Weib aus ihrem Wirkungskreis zu schreiten». Sarastro ist in dieser Oper zwar die Lichtgestalt, doch auch er hat schwierige Züge. Diese Vielschichtigkeit der Personen macht diese Oper inhaltlich spannend und reizt bei der Inszenierung immer wieder zu neuen Interpretationen.
Marsch der Priester: Ein choralartiges Vorspiel eröffnet den zweiten Akt. Wieder beginnt Mozart diese Ouvertüre mit drei Akkorden.
Wie? wie? wie?: Damit schüchtern die drei Damen den Papageno gehörig ein. Tamino kanzelt das als «Geschwätz von Weibern» ab, womit er sich in diesem Quintett als gelehriger Schüler des Männerbundes zeigt.
O Isis und Osiris: Diese Kirchenszene wird charakterisiert durch Wechsel von Vorsänger und Chor. Die Musik erhält durch die Instrumentation und die tiefen Noten einen dunklen, aber doch warmen Ton.
Alles fühlt der Liebe Freuden: In diesem kurzen Stück des Monostatos spricht der Text von der Verzweiflung des Mohren: «Ist mir denn kein Herz gegeben, bin ich nicht aus Fleisch und Blut?»; doch die Musik mokiert sich köstlich über die grotesken Figur.
Der Hölle Rache: Diese Arie wird oft als «Rache Arie» bezeichnet. Sie ist mit mörderischen Schwierigkeiten gespickt und führt die Stimme in die äußersten Regionen des Stimmbereichs. Bei dem hohen Ton F handelt es sich um den höchsten Ton, der im Opern Repertoire gesetzt wurde. Die Königin setzt im aufgeregten Sprechgesang ein und kommt gleich auf den Punkt: ihre Tochter soll Sarastro umbringen. Bald schon verliert sie vor Aufregung ihre Sprache und eine erste Staccato-Kette wiederholt ein hohes C und steigert dies mit einem hohen F. Den Abschluss macht wieder der von Hass geprägte Sprechgesang. Die Sängerin der Uraufführung war Mozarts Schwägerin Josepha Hofer. Es heißt, dass Hofer eine besonders bewegliche Stimme mit einem ausgeprägten hohen Register hatte. So schrieb Mozart ihr diese Arie in die Kehle.
In diesen heil’gen Hallen: Diese berühmte Arie ist in einfachen Strophen geschrieben, in einem langsamen, würdevollen Tempo gesetzt und mit einfachen Akkorden der Streicher komponiert. Das E-Dur ist leuchtend und warm und wird begleitet von Arabesken in den Holzbläsern. Schikaneder hat dazu einen seiner edelsten Texte geschrieben und Mozart eine wunderschöne Melodie.
Ach, ich fühls: Diese Arie ist in einem tieftraurigen g-Moll geschrieben. Die Melodie hat lange Linien im piano. Die Phrasen sollten schön gestaltet werden, und jeder Vokal muss ausgesungen werden. Das Orchester beginnt in einem langsamen Andante mit einem Trauermarsch-ähnlichen Motiv. Die Vorhalte auf «fühls» und «hin» der ersten Verses geben dem Stück einen unendlich schmerzlichen Charakter, der mit dem warmen hohen B auf «Liebe» im zweiten Vers kontrastiert. Darauf folgt ein herrlich nostalgisches «Nimmer kommet ihr, Wonnestunden». In der nächsten Passage fragt Tamina ungläubig den Tamino «Fühlst Du nicht der Liebe sehnen?» und beim Wort «Liebe» tönt das hohe B nur noch traurig und resigniert. Bei der Passage «so wird Ruh im Tode sein» wird die Musik gespenstisch und fahl. Die ätherischen Pianissimo-Tonsprünge scheinen bereits aus dem Jenseits zu ertönen.
Ein Mädchen oder Weibchen: Papageno kennt keine höheren Ideale als Essen, Trinken und ein Weibchen. Macht ihn das nicht sympathisch?
Tamino mein, o welch ein Glück!: Pamina scheint wie verwandelt zu sein, und es entspannt sich ein nobles Ensemble in Form eines Concertato, gemeinsam mit den beiden Geharnischten. Aus dramatischen Gründen findet kein Liebesduett statt, denn die nächste Prüfung naht.
Pa-Pa-Pa-Papagena: Nachdem die drei Knaben den zweiten Selbstmord verhindern konnten, bekam Schikaneder alias Papageno für seinen letzten Auftritt von Mozart eine umwerfende Arie. Wie zwei Hühner singen Papageno und seine Papagena dieses kurze, aber unheimlich wirkungsvolle Stück. Das Wortspiel mit den rasch wiederholten Silben scheint schon Rossini vorzuahnen.
Nur Stille … Die Strahlen der Sonne: Mit dem trippelnden Rhythmus der Verschwörer erscheint die Königin der Nacht in Begleitung von Monostatos. Bald schon versinken sie im Boden und die Szene verwandelt sich in einen Sonnentempel. Mit einem strahlenden Choral in Es-Dur endet diese Oper.
Große Aufnahmen in YouTube
Der Vogelfänger bin ich ja - Walter Berry: Berry war zusammen mit Erich Kunz der berühmteste Papageno nach dem Krieg. Beides waren Wiener Originale. Wir hören Walter Berry in der Böhm-Aufnahme.
Dies Bildnis ist wunderschön - Fritz Wunderlich: Für viele Menschen ist der Name Wunderlich gleichbedeutend mit einer Rolle: Tamino. Viel ist geschrieben worden über den frühzeitigen tragischen Tod dieses begnadeten Sängers. Seine Leistung in der Gesamtaufnahme von Böhm gilt zu Recht als unerreicht. Hören Sie aus dieser Gesamtaufnahme diese Arie. Sein lyrischer Tenor ist warm und reich und fließt wunderbar. Der zweite Teil ist expressiv und die Stimme geht mühelos in die hohen Lagen.
Der Hölle Rache – Edda Moser: Bei der vielleicht besten Aufnahme dieses Kabinettstücks handelt es sich um die Interpretation von Edda Moser aus der Aufnahme von Sawallisch. Hier kocht die Königin vor Wut. Die Staccati flammen dramatisch auf, wie in keiner anderen Interpretation.
3 Fun Facts
1. Zu den allerersten Aufführungen der Zauberflöte gibt es eine nette Anekdote. Schikaneder, der Librettist, hat den Part des Papageno selber gespielt. Mozart war bereits sehr krank, aber er ließ sich die Freude nicht nehmen, so oft er konnte, ins Theater zu gehen, ja selbst mitzuwirken. So berichtet er in einem Brief, er habe einmal das Glockenspiel im Orchester bedient und dabei den als Papageno gerade sein Lied «ein Mädchen oder Weibchen» singenden Schikaneder in Schrecken versetzt; er habe einen Akkord gespielt, der nicht vorgesehen war, und so verdeutlicht, dass Schikaneder gar nicht selbst das Glockenspiel bediene, wie er glauben machte. Schikaneder aber, ein gewiefter Stegreif Schauspieler, schlug mit der Hand auf die Glöckchen und rief ihnen zu "Halts Maul!", worüber das Publikum und Mozart sehr lachen mussten» (Quelle: Pahlen, Opernlexikon).
2. Eine der berühmtesten Aufnahmen der Arie der Königin der Nacht stammt von Florence Foster Jenkins. Jenkins hatte reich geerbt und sang trotz fehlendem Talent mit großem Ehrgeiz. Man nannte sie Königin der Dissonanzen und sie wurde ein Geheimtipp für schräge Vorstellungen. Ihr Auftritt an der Carnegie Hall mit 76 Jahren wurde zur tragischen Lachnummer und sie starb an gebrochenem Herzen. Ihre Story wurde mit Meryl Streep verfilmt, die die Arie selbst sang.
3. In einer Produktion eines englischen Opernhauses sollte ein Wagen mit der Zauberflöte vom Himmel kommen. Doch es geschah nichts, die Seile hatten sich verheddert. Schauspieler und Publikum wurden unruhig. Der Tenor bewies Humor und sang, «kein Wunder kommt er zu spät, er wird von British Rail betrieben». Schließlich gaben die Bühnenarbeiter auf und ließen lediglich die notwendige Requisite vom Himmel regnen. Die Flöte fiel hinunter – direkt auf den Kopf des Tenors.




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