Nabucco von Giuseppe Verdi- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes
- peter
- vor 10 Stunden
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Nabucco war Verdis erstes Werk für den Olymp. Nach den bitteren, von Krisen überschatteten Jahren 1838-40 war es Verdis Rückkehr ins Licht. Verdi zeigte in Nabucco einen gigantischen Ideenreichtum und das Werk wurde zu einem Sensationserfolg. Der einsetzende siebzehnjährige Schaffensrausch nannte er später «seine Galeerenjahre».
Nabucco von Giuseppe Verdi
URAUFFÜHRUNG: Mailand, 1842 LIBRETTO: Temistocle Solera, basierend auf biblischen Psalmen, und «Nabuchodonosor» von Auguste Anicet-Bourgeois und Francis Cornu
DIE HAUPT PERSONEN: Nabucco, König von Babylon - Abigaille, vermeintliche Tochter von Nabucco - Zaccaria, Hohepriester der Hebräer - Fenena, Tochter von Nabucco - Ismael, Krieger der Hebräer
AUFNAHME EMPFEHLUNG: DG, Ghena Dimitrova, Evgeny Nesterenko, Piero Cappuccilli, Placido Domingo, Lucia Valentini Terrani unter der Leitung von Giuseppe Sinopoli und dem Chor & Orchester der Deutschen Oper Berlin.
Handlung
1. AKT: Die Hebräer beten zu ihrem Gott, er möge sie vor den Truppen Nabuccos
beschützen, welche vor den Toren der Stadt stehen. (Gli arredi festivi) Zaccaria ermahnt siegesgewiss das Volk, an die göttliche Hilfe zu glauben denn sie besitzen Fenena als Geisel, die Tochter des feindlichen Königs Nabucco. (Sperate o figli da egitto la sui lidi) Ismael erscheint und berichtet vom Durchbruch Nabuccos.
Zaccaria fordert das Volk der Hebräer auf ihr Land zu verteidigen. Das Volk der Hebräer stimmt begeistert ein. (Come notte al sol fugente) Ismael und Fenena, die sich heimlich lieben, bleiben zurück. Zärtlich erinnert sich Ismael, als Fenena ihn in Babylon aus dem Kerker befreite, in den er als hebräischer Gesandter geworfen worden war. Nun ist die gefangene Fenena der Obhut von Ismael anvertraut.
Einige babylonische Soldaten sind in den Tempel eingedrungen unter der Führung von Abigaille. Sie tritt Ismael, den sie aus Babylon kennt, höhnisch entgegen aber bekennt ihm dann in «Io t’amava» seine Liebe. Doch Ismael weist Abigaille ab, widersetzt sich dem Priester und Anführer Zaccaria und verhilft Fenena, dem wertvollen Pfand der Juden, zur Flucht. (Io t’amava)
Nun trifft Nabucco mit seinen Truppen vor dem Tempel ein. Zaccaria stellt sich ihm entgegen und droht Fenena umzubringen, wenn er es wagt den Tempel zu betreten. (Tremin gl’insani del mio furore) Zaccaria bedroht Fenena mit dem Messer, aber Ismail rettet sie. Nabucco, der nun Fenena in sicheren Händen sieht, befiehlt den Truppen, den Tempel zu plündern und ordnet die Bestrafung der Hebräer an. (Mi furor no fui costretto)
2. AKT: Im Palast von Babylon. Abigaille erfährt aus einem geheimen Papier ihre wahre Herkunft als Sklavin. Da Nabucco den Krieg gegen die Hebräer weiterführt, wurde Fenena als Herrscherin in Babylon eingesetzt. (Ben io t'invenni…Anch'io dischiuso)
Abigaille ist eifersüchtig auf ihre Schwester und will sich an Fenena rächen. Als der babylonische Oberpriester berichtet, dass Fenena die jüdischen Gefangenen freigelassen habe, fordert er, dass Abigaille die Macht übernehmen soll und selbst den Thron besteigt. Zu diesem Zweck habe er bereits die Falschmeldung verkündet, Nabucco sei in der Schlacht gestorben. Abigaille triumphiert. (Salgo già)
Zaccaria betet, Gotte möge ihn erleuchten, dass er Fenena zum jüdischen Glauben zu bekehren vermag. (Tu sul labbro) Ismael kommt hinzu, doch die Hebräer beschimpfen ihn als Verräter und verlangen eine strenge Strafe für ihn. (Il maledetto non ha fratelli)
Abigaille ist mit ihren Anhängern in den Saal eingedrungen, um Fenena die Krone zu entreißen. Da erscheint der zurückgekehrte, totgeglaubte Nabucco und fordert die Krone für sich. (S'appressan gl'instanti) Nabucco will die totale Macht und maßt sich an, Gott des Volkes zu sein. Da flammt über seinem Haupt ein Blitz auf und reißt ihm die Krone vom Kopf. Abigaille nimmt sie und setzt sie sich auf. (Chi mi toglie)
3. AKT: Das babylonische Volk feiert die neue Königin. Der Oberpriester überbringt ihr das Todesurteil Fenenas.
Der geistig verwirrte Nabucco tritt in zerschlissenen Kleidern vor seine Tochter. Abigaille zeigt das Todesurteil ihrem Vater und drängt ihn es zu unterschreiben. Nabucco unterschreibt und er erkennt nicht, dass er auch Fenena ausgeliefert hat. (Donna chi sei) Nabucco erkennt seinen Fehler und will Abigaille als Sklavin entlarven, um ihre Legitimation als Königin abzustreiten. Sie zeigt ihm höhnisch das Dokument und zerreisst es vor seinen Augen.
Sie macht ihren Vater zu ihrem Gefangenen - auch wenn das das Todesurteil für ihn bedeutet. (Di qual onta aggravarsi) Nabucco beschwört sie, Fenena zu verschonen. (Deh perdona)
Die versklavten Hebräer entsinnen sich ihrer Heimat und erbitten Gottes Hilfe. (Va pensiero) Zaccaria macht seinem Volk Mut und prophezeit das Ende der Sklaverei und die Zerstörung Babylons. (O chi piange)
4. AKT: Nabucco ist wieder bei klarem Verstand und ist in der Gefangenschaft einen Läuterungsprozess durchgegangen. Er betet zum Gott der Hebräer und verspricht den Tempel in Jerusalem wiederaufzubauen. (Dio di giuda)
Königstreue Krieger befreien Nabucco aus seinem Gefängnis. Er macht sich mit dieser Gruppe auf dem Weg zum Tempel, um sich die Krone von Abigaille zurück zu holen. (Cadran, cadranno)
Derweil warten Fenena und die gefangenen Hebräer auf ihre Hinrichtung. Fenena verabschiedet sich vom Leben. (Oh, dischiuse e il firmamento) Nabucco und seine Soldaten überwältigen die Truppen von Abigaille.
Diese erkennt ihre Niederlage und nimmt ein Gift. Mit ergreifenden Worten bittet sie geläutert ihre Schwester um Vergebung. (Su me ... morente ... esanime)
Kommentar
Verdis Krise und Chance: Die Existenz der Oper Nabucco ist nicht denkbar ohne den damaligen Direktor der Scala, Bartolomeo Merelli. Er schenkte Verdi nach dem Misserfolg seiner zweiten Oper sein Vertrauen und stellte ihm das Libretto zu «Nabucco» zur Verfügung. Einerseits glaubte er an den jungen, 26-jährigen Italiener und andererseits war er auf der Suche nach neuen Komponisten, da Bellini vor einigen Jahren gestorben war, Rossini aufgehört hatte Opern zu schreiben und Donizetti sich nach Paris abgesetzt hatte. Verdi war zu dieser Zeit in einer tiefen persönlichen Krise.
Innert kurzer Zeit war seine Familie weggestorben. Seine Frau Margherita starb im Alter von erst 26-Jahren und die beiden Kinder wurden durch eine Epidemie hingerafft. Dazu kam der Misserfolg seiner zweiten Oper. Verdi trug sich mit dem Gedanken, das Musikschreiben aufzugeben. Was dann folgte, beschrieb Verdi später selbst: Merelli hatte ihm das Libretto in die Manteltasche gestopft, und als er in seinem Zimmer ankam warf er es auf den Tisch. Das Heftchen fiel auf den Boden und es öffnete sich just an der Stelle des «Va, pensiero sull’ali dorate».
Verdis Augen fielen auf diese Stelle und er war elektrisiert. Noch in derselben Nacht las er das Libretto durch. (Dieser Erzählung Verdis wird von manchem Historiker keinen Glauben geschenkt, trotzdem sei sie hier abgedruckt nach dem Motto: «Se non è vero, è ben trovato.»)
Das Libretto: Temistocle Solera wurde durch Merelli zur Ausarbeitung eines Librettos zu Nebukadnezar beauftragt. Solera nahm verschiedene biblische Psalmen sowie die historische Figur des Nebukadnezar (605-662 v.Chr.) als Grundlage und erfand eine Serie von weiteren Geschehnissen hinzu.
Soleras Fantasie führte zu einer verwirrenden Anzahl von Einzelszenen, Aufmärschen, Klageliedern, Wahnsinnsszenen, Gebeten etc. und dem Hörer fällt es nicht einfach, der Handlung zu folgen. Das Libretto besticht mehr durch farbige Tableaus als durch Dramatik, denn die Handlung bleibt recht statisch und folgt starr dem klassischen Schema der «Scena ed aria».
Eine Besonderheit der Geschichte ist, dass die Liebesgeschichte völlig in den Hintergrund gerät, Tenor und Sopran haben nur wenig Präsenz und nicht einmal ein Liebesduett. Der erste Empfänger des Librettos war Otto Nicolai, der es aufgrund der Rohheit der Handlung aber ablehnte. Verdi akzeptierte das Libretto, hatte aber wie gewohnt viele Änderungswünsche.
Der neue Verdi – die «Tinta musicale» des «Nabucco»: Trotz des formalen Konservatismus wurde Nabucco musikalisch zu einer bedeutenden Innovation. Noch nie hatte man die beinahe brutal und elementar anmutende Kraft der Musik so wie in Nabucco erlebt, die sich anhört «wie ein Sansculotte, der in ein Wohnzimmer eindringt» (Gori, Guida al Teatro d’opera).
Dies manifestiert sich in der Rolle der Abigaille, der Rolle des Baritons, dem des Orchesters und des Chors. Diese vier Elemente bilden den wichtigsten Teil der «Tinta musicale» von «Nabucco».
«Tinta musicale 1»: der Lärm: Das Orchester fällt schon zu Beginn durch seine Lautstärke und den metallischen, harten Klang auf. Verdi hat für Nabucco eine lärmige Musik geschrieben. Er liebte die scharfen Akzente, welche er in diesem Werk ungebändigt und in dramatischer Weise dem Hörer präsentiert.
«Tinta musicale 2»: die Rolle der Abigaille: Abigailles Musik besticht durch ihre Besessenheit, die Verdi mit wilden Tonsprüngen dokumentiert. Verdi ist ein romantischer Komponist und steht nicht mit klassizistischer Zurückhaltung über seiner Kunst wie Rossini, sondern ist Beteiligter; ein Betroffener der Geschichten, die er vertont.
«Tinta musicale 3»: die Rolle des Chors: Die Chor- und Massenszenen verfehlen Ihre Wirkung auf den Zuhörer nicht. Die zeitgenössischen Hörer waren sich gewohnt, dass in der belcantistischen Oper der Chor eine untergeordnete, begleitende Rolle spielte.
Und nun komponiert Verdi eine Oper, in der der Chor die Präsenz eines Hauptdarstellers hat, zu einem bedeutenden Träger der dramatischen Handlung wird und mit «Va pensiero» sogar die berühmteste Stelle der ganzen Oper, ja der ganzen Operngeschichte singt. Vieles ist geschrieben worden über Verdis politische und geistige Rolle im italienischen Freiheitsstreben des neunzehnten Jahrhunderts, wie er mit diesem Stück später zum inspirierenden Komponisten des Risorgimento (der italienischen Freiheitsbewegung) wurde.
Verdi betonte später, dass schon an der Uraufführung von Nabucco die Zuhörer diese Hymne der Hebräer mit ihrem Widerstand gegen die österreichische Obrigkeit assoziierten. Letztere Aussage ist jedoch historisch umstritten. Verdi hat in seinen späteren Jahren diesen Mythos eingehend gepflegt.
«Tinta musicale 4»: Der Verdi Bariton: Ein weiteres charakteristisches Element des Nabucco ist das Fehlen eines Tenorprotagonisten, dessen Rolle durch Nabucco, einem Bariton, ausgefüllt wird. Zum ersten Mal taucht der «Verdi Bariton» auf, eine Rolle die große dramatische Darstellungskraft entfalten muss und sich durch hohe stimmliche Flexibilität für Passagen in höheren Lagen auszeichnet.
Nabucco muss nicht einen verliebten Tenor spielen, sondern einen Vater ohne Ehefrau, Heeresführer, Widerpart des Zaccaria und er muss gegen sich selbst kämpfen. Für diesen Bariton Typ wird Verdi noch öfters komponieren.
Verdi und die Kirche: Zaccaria, der Hohepriester der Hebräer, nimmt in Nabucco eine gewichtige Rolle ein. Grund genug das Thema Religion in Verdis Leben und Opern zu thematisieren: «Giuseppe Verdi und die Religion – das ist ein schwieriges Kapitel.
Der große Opernkomponist hatte für die Kirche nicht viel übrig. ‘Halte Dich fern von Priestern’, riet er einmal seinem Cousin.
Für sein Begräbnis verbat er sich die Gegenwart von Geistlichen. Seine langjährige Lebensgefährtin und spätere Ehefrau Giuseppina Strepponi beschrieb seine Haltung mit den Worten: „Ich würde nicht gerade sagen: ,Atheist‘, aber sicherlich kein überzeugter Gläubiger. Dennoch praktizierte Verdi das, was Christinnen und Christen Nächstenliebe nennen. Der Komponist machte sich auch als Wohltäter mehr als verdient.
Er unterstützte notleidende Arbeiter und Bauern, er finanzierte Kinder aus armen Familien eine Ausbildung. Er stiftete die „Casa di Riposo“, ein noch heute existierendes Altenheim für Sänger und Musiker in Mailand; in dem Haus befindet sich auch seine Grabstätte. Verdi betrieb auch ein auf seine Kosten eingerichtetes Krankenhaus – in dem Priestern nur aus triftigen Gründen Zugang gestattet war.» (Michael Krassnitzer, orf.at).
Die Uraufführung: Dem Scala-Direktor Merelli standen für die Uraufführung des Werks nicht viele Mittel zur Verfügung, und die Ausstattung musste mühevoll aus anderen Produktionen zusammengetragen werden. Trotzdem war Nabucco schon bei der ersten Aufführung ein voller Erfolg, was Balsam auf die Seele Verdis war.
Die Rolle der Abigaille wurde dabei von seiner baldigen Lebenspartnerin und späteren Ehefrau Giuseppina Strepponi gesungen. Nabucco begründete die Karriere Verdis und wurde die erste Oper Verdis, die im Ausland gespielt wurde und sie blieb auf der ganzen Welt seither im Repertoire der Operntheater.
Die schönsten Stellen
Ouvertüre: Die Ouvertüre ist ein Potpourri-Stück, in dem uns Verdi drei Themen aus der Oper präsentiert. Er scheint sie erst im letzten Moment, auf Anraten seines Mentors und Schwiegervaters Barezzi komponiert zu haben.
Gli arredi festivi: Nabucco wurde in einer Zeit geschrieben, in der die Opernbesucher die Werke von Rossini, Donizetti und Bellini im Ohr hatten. Viele der «rossinischen» Konventionen waren tägliche Praxis im Opernhaus. Beispielsweise die Form «Scena ed aria», welche eine schematische Szene von einzelnen Personen beschreibt. Der Ablauf der «Scena ed aria» ist: Rezitativ (Tempo d’attacco), langsame Arie (Cavatina), Rezitativ (Tempo di mezzo), schnelle Arie (Cabaletta) und eventuell eine Stretta am Schluss.
Begleitet wurde die Scena durch verschiedene Auftritte von Stichwortgebern. Die erste Szene «Gli arredi festivi» folgt dem Muster. Die Gesamt-Chor beginnt, geht dann über in den Männer-chor und dann in einer reizenden, mit Harfe begleiteten Stelle des Frauenchors. Zum Abschluss hören wir wieder glanzvoll den Gesamtchor.
Sperate o figli da egitto la sui lidi: Verdi stand für die Uraufführung der große französische Bass Prosper Dérivis zur Verfügung. Diese Tatsache motivierte ihn für den Zaccaria eine Partie zu schreiben, die über die damals gewohnten Anforderungen hinausgehen. Auch der Auftritt des Zaccaria folgt dem Schema mit der (langsamen) Cavatina «Sperate o figli da egitto la sui lidi».
Come notte al sol fugente: Und nun die (schnelle) Cabaletta «Come notte al sol fugente”, die im Zwiegespräch zwischen Zaccaria und Chor geschrieben ist.
Io t’amava: Verdi zeigt sich im folgenden Terzett von Ismael, Abigaille und Fenena schon in jungen Jahren als raffinierter Psychologe: Mit dem kurzen Rezitativ präsentiert er Abigaille als machtgebietente Potentatin.
Zu Beginn des darauffolgenden Terzetts dokumentiert sie ihren Machtanspruch auf Ismael mit großen Tonsprüngen und einem einprägsamen Thema. Eingeschüchtert nimmt Ismael ihr Thema auf. Als Fenena mit einem wunderschönen, lockenden Thema einsetzt, ist es um Ismael geschehen und er schwenkt ein in Fenenas Melodie. Dazu ist Abigaille nicht bereit und sie singt ihre Melodie kontrapunktisch zum Unisono-Duett von Ismael und Fenena.
Tremin gl’insani del mio furore: An dieser Stelle steht ein klassisches, große Concertato. Zuerst angepeitscht von Nabucco, und dann, ihrem Vater in nichts nachstehend, von Abigaille.
Mi furor no fui costretto: An dieser Stelle steht ein klassisches, große Concertato. Zuerst angepeitscht von Nabucco, und dann, ihrem Vater in nichts nachstehend, von Abigaille. Verdi beendet den Akt mit einer dramatischen und mitreißenden Stretta des Quintetts Fenena, Zaccaria, Nabucco, Abigaille und Ismael.
Ben io t'invenni…Anch'io dischiuso: Wie eine Königin mit drei Schlägen im Orchester angekündigt, erscheint Abigaille. Wieder dokumentieren mächtige Tonsprüngen (z.B. einen zweifachen Oktavsprung am Ende des Rezitativs) den Charakter und den emotionalen Zustand der Abigaille. Das anschließende Cantabile zeigt überraschenderweise eine fast zärtliche Abigaille, und Verdi schenkt ihr die sehnsüchtige Melodie «Anch’io dischiuso un giorno».
Salgo già: Mit einem frenetischen Auftritt zeigt Abigaille in dieser Cabaletta «Salgo già» ihren wahren Charakter, musikalisch am besten dokumentiert durch den irrwitzigen Fall über zwei Oktaven des «Supplicar» vor dem Einsatz des Chors.
Tu sul labbro: Zaccaria ist in der gesamten Oper sehr präsent und er ist die erste und letzte Figur, die wir hören. Verdi vertraut ihm einige sehr schöne Melodien an, vor allem das folgende «Tu sul labbro del veggenti», das wunderschön innig von sechs Celli begleitet wird.
Il maledetto non ha fratelli: Die Anklage Ismaels durch die Hebräer besitzt eine eindrückliche musikalische und theatralische Expressivität.
S'appressan gl'instanti: In gewohnter Manier entsteht aus dieser «Colpa di scena» ein Concertato. Wie gewohnt sind die Concertati bei Verdi ungemein wirkungsvoll, ein mächtiger Chor begleitet die Solisten.
Donna chi sei: Ein Vater/Tochter Duett mit einer brillanten Orchesterbegleitung, welches die Abwechslung ihrer Konversation zwischen Droh- und Überzeugungsversuchen brillant kommentiert.
Di qual onta aggravarsi: Ein weitere großartige Duett-Sequenz, während Nabucco seine klagende Melodie singt, hören wir die unruhige Melodie der Abigaille, deren Stimme entlang des ganzen Registers auf- und absteigt.
Va pensiero: Dieser Chor wird aus politischen Gründen als Freiheitshymne oder als Gefangenchor aufgefasst. Diese Realität ist aber so nicht ganz vollständig, denn es ist auch deren Abschied vom Leben, denn die Juden sind von Abigailles Todesurteil betroffen und nehmen Abschied.
O chi piange: Als das Volk begeistert in Zaccarias Melodie einfällt gerät die Stimmung in eine ekstatische Atmosphäre über.
Dio di giuda: Diesmal zeigt uns Verdi einen gewandelten Nabucco mit einem Cantabile, das menschliche Züge zeigt.
Oh, dischiuse e il firmamento: Zum Schluss bekommt auch Fenena eine kurze Arie.
Su me ... morente ... esanime: Mit einer Arie der Abigaille beendet Verdi diese Oper. Begleitet von Solo-Instrumenten stirbt das geläuterte Kind von Sklaven.
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Deh perdona – Maria Callas: An dieser Stelle hören wir Maria Callas in einer der berühmtesten Stellen der Aufnahmegeschichte der Oper. Lassen wir Kesting («Große Stimmen») über dieses Duo mit Gino Bechi sprechen: «Noch wilder geht sie im Duett im dritten Akt aus sich heraus. Sie agiert dort in der Tat gleich einer Wildkatze. Zunächst singt der Bariton eine klagende Melodie in f-Moll, auf die Abigaille mit einer Replik in Des-Dur antwortet.
Dann verbinden sich die Stimmen und enden mit einer vehementen Stretta. Warum auch immer: Bechi und Callas singen nicht miteinander, sondern gegeneinander – kein Duett, sondern ein Duell. Obwohl der Bariton von Natur aus eine gewaltige Raumstimme besaß und ein hohes As mit schmetternder Wucht anschlagen kann, wird er von Callas ausgesungen: ihr hohe Es sticht wie eine Leuchtspur in den Raum und es ist die brennende Intensität des Tons, mit der sie sich über die Naturgewalt Bechis hinwegsetzt. Abigaille ist auf dem Höhepunkt ihrer Macht und Nabucco ist ihr Gefangener.»
3 Fun Facts
1. Als Verdi 1842 für die Uraufführung in der Mailänder Scala probte, waren Renovationsarbeiten im Theater im Gang, und der Baulärm nervte den Komponisten. Als er den Chor «Va pensiero» probte, hörte der Lärm nach den ersten Takten auf, und die Bauarbeiter klatschten dem Meister am Schluss spontan zu. Da wusste der junge Verdi, dass dieses Werk ein Erfolg werden würde.
2. Wie es seine Gewohnheit war, tyrannisierte Verdi seinen Librettisten Solera, den er auch mal einsperrte, damit er ihm die Verse rechtzeitig lieferte.
3. Nach dem Sensationserfolg des Nabucco bot der Impresario Merelli Verdi einen Vertrag für ein Folgewerk an. Der Vertrag war vollständig ausgearbeitet, lediglich bei der Entschädigungssumme klaffte eine Leerstelle. Merelli forderte den Komponisten auf, die ihm genehme Summe selbst einzufügen.




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