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Dmitri Schostakowitsch - Biografie: Seine Orte, seine Musik und sein Leben

  • peter
  • vor 22 Stunden
  • 11 Min. Lesezeit
Biografie Johann Sebastian Bach



Anders als die Weltenbürger Strawinsky, Rachmaninoff und Prokoffiew blieb Schostakowitsch ein zutiefst russischer Komponist, nichtsdestotrotz eroberte seine Musik schon früh die Konzertsäle der Welt.


Über den Menschen Schostakowitsch war sich die Musikwelt nie ganz einig. Für die einen war er der willfährige Staatskünstler, für andere der subversive Widerstandskämpfer gegen die sowjetische Diktatur.


Einig ist sich die Musikwelt darüber, dass Schostakowitsch zu den grössten Musiker gezählt werden muss, mit einer Inspirationskraft, die im 20. Jahrhundert ohne gleichen war.

Sein Leben ist untrennbar mit den tragischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts verbunden und die Person Schostakowitsch ist so widersprüchlich wie die Ereignisse dieser Zeit.


Wer war Dmitri Schostakowitsch und welche Menschen und Orte haben ihn geprägt. Eine biografische Annäherung an den Jahrhundert Künstler aus Russland.


 



Doku Dmitri Schostakowitsch (Video):

 


Dmitri Schostakowitsch - Biografie



Unbeschwerte Kindheit


Dmitri Schostakowitsch kam 1906 in St. Petersburg als zweites von drei Kindern zur Welt. Mutter und Vater stammten beide aus gebildeten bürgerlichen Familien und waren sehr musikalisch. Seine Mutter Sonja war eine ausgebildete Pianistin und Lehrerin, der Vater Dmitri war Chemieingenieur und hatte eine schöne Stimme, Sonja begleitete ihn oft am Klavier.

Die Familie genoss einen bescheidenen Wohlstand und Dmitris Kindheit war unbeschwert.

Der kleine Dmitri, liebevoll Mita genannt, begann erst mit neun Jahren Klavierunterricht bei seiner Mutter zu nehmen. Doch innerhalb weniger Monate zeigte sich sein außergewöhnliches Talent: Er besaß absolutes Gehör und ein phänomenales Gedächtnis, bereits nach weniger als einem Jahr schrieb er seine erste kleine Komposition.



Kriegs- und Revolutionsjahre


Mit dem Krieg und der Revolution brach die Familien-Idylle innert kürzester Zeit zusammen. Wie alle Bewohner St. Petersburgs musste die Familie große Entbehrungen ertragen. Die Mutter war während des Tages selten zu Hause, da sie entweder arbeitete oder für Lebensmittel Schlange stehen musste. So blieb Dmitri meist unbeaufsichtigt zu Hause und verbrachte unzählige Stunden am Klavier.


Seine Eltern standen den Bolschewiki anfangs aufgeschlossen gegenüber und der neugierig gewordene Knabe besuchte mit Freunden eine Kundgebung. Dort sah der Elfjährige Lenin sprechen. Auf dem Heimweg wurde er Zeuge, wie ein Demonstrant von Polizisten zu Tode geprügelt wurde, ein Erlebnis das ihn tief erschütterte.



Aermliche Jahre am Konservatorium


In der Zwischenzeit hatte seine Mutter Dmitri einen Platz in einer Ganztagsschule für Klavier verschafft, doch schon nach einem Jahr war klar: Mit 13 Jahren war er reif für das Konservatorium.


Als er Tschakowskis Oper „Eugen Onegin“ sah, war er überwältigt. Er beschaffte sich einen Klavierauszug und wenig später konnte er das Werk auswendig am Klavier spielen.

Voller Tatendrang bewarb sich der 13-jährige um einen Platz am Konservatorium. Er durfte dem renommierten Alexander Siloti vorspielen, der mit wachsender Aufregung zuhörte. Er beschied Dmitri zwar Talent aber er prophezeite ihm, dass sein Können nicht für eine Karriere als Musiker ausreichen würde.


Dmitri war wie betäubt und fassungslos. Er weinte eine Nacht durch und seine Mutter wandte sich an den Konservatoriumsleiter Glasunow. Dieser erkannte die außergewöhnliche Begabung und nahm den Jungen nach bestandener Prüfung auf.

Doch die Studienbedingungen am Konservatorium waren kläglich. Der Schule fehlte das Geld für Kohle und so war das Gebäude auch im Winter unbeheizt. Die Garküchen hatten kaum Lebensmittel und streckten die erbärmlichen Suppen mitunter mit Rattenfleisch. Nach kurzer Zeit erkrankte Dmitri an Anämie.


Trotz allem machte Dmitri grosse Fortschritte. Glasunow verschaffte ihm ein Stipendium, das die Not etwas linderte.

1922 erfolgte die Katastrophe des Todes seines Vaters. Nun rutschte die Familie in die Armut. Dmitri erkrankte an Tuberkulose und die Mutter musste sogar ihren Flügel versetzen, um die Familie durchzubringen.


Dmitri zeigte schon in frühen Jahren grosses Interesse an Kunst und deshalb war in diesen Jahren die Bekanntschaft mit dem bekannten Maler Kustodiev ein kleiner Lichtblick. Dieser war der Vater einer Mitschülerin und er freundete sich mit Dmitri an, den er in zeitlichen Abstand zwei Mal portraitierte.

1923 schloss er das Klavierstudium ab. Aus unerfindlichen Gründen durfte er das Kompopsitions-Studium nicht zu Ende zu führen. Von nun an musste er auf eigenen Beinen stehen.



Berühmtheit aus dem Nichts – der Triumph seiner ersten Sinfonie


Um Geld zu verdienen, arbeitete der 17-jährige nun im Kino als Klavierbegleiter von Stummfilmen. Da er die Musik zum Film improvisieren musste, entwickelte er dabei eine enorme Routine – eine Erfahrung, die ihm später bei der Arbeit an Filmmusik zugutekam. Im Verlaufe seiner Karriere sollte er die Musik zu mehr als 2 Dutzend Filme machen.


Schostakowitsch meinte später aber auch, dass Kälte und schlechte Luft in den Kinos seine Gesundheit stark angriff. Er beklagte, dass der ständige, jahrelange Produktion-Druck ihn nervlich sehr belastet hatte und ihn zu einer nervösen fahrigen Person werden liess.

Glücklicherweise durfte er sein Kompositionsstudium doch noch beenden und als Abschlussarbeit schrieb er seine erste Sinfonie.

Sein Professor war begeistert vom Werk und empfahl ein öffentliches Konzert. Schostakowitsch hatte Glück und die renommierten Leningrader Philharmoniker erklärten sich dazu bereit.


Auf das, was dann passierte war der 18-jährige Schostakowitsch nicht vorbereitet. Schon in den Proben wurden ihm Ovationen des Orchesters zuteil und die Uraufführung geriet zum Triumph. Noch und noch musste der überglückliche Komponist, der noch wie ein Junge aussah aufs Podium steigen und den Applaus entgegennehmen.


Bereits im Folgejahr zeigt Bruno Walter die Sinfonie in Berlin und Alban Berg schrieb dem jungen Kollegen einen langen Gratulationsbrief.


Ein seltenes Wunder in der Musikgeschichte: der Komponist hatte den Durchbruch mit seiner allerersten Sinfonie erreicht.



Erste Jahre als Musiker

Trotz des Erfolgs mit ersten Sinfonie liebäugelte Schostakowisch auch mit einer Karriere als Pianist. Er nahm am ersten Chopin-Wettbewerb in Warschau teil, doch blieb ohne Medaille. Ernüchtert erkannte er, dass er zwar ein hervorragender Pianist war, jedoch nicht zu den Allerbesten zählen würde.

1926 schrieb er seine erste Sonate, ein Werk mit einer extrem energiegeladenen, perkussiven Musik und die Einflüsse der Musik Prokoffiews sind unüberhörbar.



Zwei Jahre nach der ersten Sinfonie erhielt Schostakowitsch den Auftrag, ein Werk für den Jahrestag der Revolution zu komponieren. Die einsätzige Sinfonie, wurde freundlich, aber ohne großen Enthusiasmus aufgenommen.


In diesen Jahren lernte er den vielleicht engsten Freund seines Lebens kennen. Iwan Sollertinsky war ein gleichaltriger Literaturwissenschaftler. Er arbeitete an der Petersburger Philharmonie und war ungemein bewandert in allen kulturellen Themen.

Er war es der Schostakowitsch mit Mahlers Musik in Berührung brachte und so Schostakowitsch´ lebenslange Liebe für die Musik Mahlers entfachte.

Er war auch die Person, die Schostakowitsch zu seinen nächsten Schritt als Komponist inspirierte: Werke für das Musik-Theater zu schreiben.



Frenetische Jahre als Komponist fürs Theater


Schostakowitsch hatte eine Gabe, die er mit Schubert und Mozart teilte: seine Inspiration versiegte nie. Er komponierte mit einer Leichtigkeit, die nur wenigen Komponisten gegeben waren. Dazu kam sein unglaublich gutes Gedächtnis. Mit diesen Eigenschaften ausgestattet prägte er eine beispiellose Laufbahn: zwei Dutzend Sinfonien und Konzerte, dazu unzählige Werke für Kammermusik, Oper, Ballett und Film.


Neben Sollertinsky begeisterte auch der avantgardistische Theaterregisseur Meyerhold Schostakowtisch für die Bühne, und er begann in den folgenden fünf Jahre in einer zeitlichen Kadenz alle Formate auszuprobieren, die sprachlos macht.


Zuerst war die Oper an der Reihe. Er komponierte „die Nase“, ein Stück von Gogol über einen Mann, der eines Morgens seine Nase verliert und sie verzweifelt in St. Petersburg sucht. Schostakowitsch schrieb eine experimentelle Musik und man hört deutliche Anklänge an Alban Bergs Wozzeck, den Schostakowitsch in Leningrad gesehen hatte.



Die Nase


Als nächstes wagte er sich an das Ballett. Erstaunt hören wir in „Das goldene Zeitalter“ einen verwandelten Schostakowitsch. Der experimenteller Stil „der Nase“ weicht den Klängen von Foxtrott, Charleston und Cancan.

Damit zog er den Ärger der Kultur-Funktionäre auf sich, denn dabei handelte es sich um Tanzmusik der verhassten westlichen Kapitalisten und das Werk verschwand nach wenigen Aufführungen in der Versenkung.

Das goldene Zeitalter


Mit seinem nächsten Projekt, der Filmmusik für „der Gegenplan“ landete Schostakowitsch den ersten Ohrwurm seiner Karriere: das Lied „Entgegen dem kühlenden Morgen“ wurde zu einem der berühmtesten Melodien der Sowiet-Union.



Dunkle Wolken am Horizont – Heirat mit Nina


Anfang der neunzehndreissiger Jahre geriet Schostakowitsch in eine persönliche Krise. Trotz seiner unbestreitbaren Erfolge mit der ersten Sinfonie und dem Film „Gegenplan“, konnten sich die andern Bühnenwerke nicht lange auf den Spielplänen halten. Sie wurden aus kommerziellen oder politischen Gründen rasch abgesetzt und Schostakowitsch bekam den Ruf, er könne keine Theaterwerke schreiben, was am Selbstbewusstsein des 26-jährigen nagte.

Privat hatte er sich in der Zwischenzeit mit Nina Warsar verlobt. Als der Tag der Hochzeit kam, erschien der Bräutigam nicht. Karriere-Probleme und Zukunftsangst hatten aus Dmitri einen reizbaren, mürrischen Menschen gemacht.


Ein Jahr später hatte sich Schostakowitschs Verfassung mit der Arbeit an „der Nase“ wieder etwas verbessert und die Trauung fand im kleinsten Kreise statt, nur sein Freund Sollertinsky war zugegen.

Vier Jahre nach der Hochzeit brachte Nina die Tochter Gallina und weitere 2 Jahre später den Sohn Maxim zur Welt.



Lady Macbeth von Mzensk – und der Eklat mit Stalin


Ende 1932 hatte Schostakowitsch seine neueste Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ vollendet.

Schostakowitsch verwendete eine literarische Vorlage, welches die Zensurbehörde als ein „derb-erotisches und kriminalistisches Schauerstück“ bezeichnete. Es bessas mit Morden und Kopulationen auf offener Bühne alle Ingredienzien eines Schockers.


Das Interesse war so gross, dass zwei grosse Theater das Stück auf die Bühne bringen wollten und so ergab es sich, dass 1934 innerhalb von 2 Tagen je eine Uraufführung in Moskau und Leningrad stattfand.


Der Erfolg beider Produktionen war ungeheuer und Schostakowitsch konnte sich endlich im Erfolg eines Bühnenwerkes sonnen. Seine Euphorie dauerte bis zum 26. Januar 1936. An diesem Tag erfuhrer, dass Stalin persönlich die Aufführung des Werks besuchen wollte, welches seit 18 Monaten am Moskauer Bolschoi Theater Furore machte.


Stalin war zu diesem Zeitpunkt schon bald 10 Jahre an der Macht. Erste Säuberungen des Großen Terrors jagten bereits Schockwellen durch die Sowjetunion – und Schostakowitsch hatte allen Grund, sich zu fürchten.

Stalin hatte früh erkannt, dass er die Kultur einspannen konnte, um die Menschen für seine Sache zu gewinnen, besonders die Musik spielte dabei eine Schlüsselrolle.


Schostakowitsch sass an diesem schicksalhaften Abend in seiner Loge. Sie befand sich direkt gegenüber derjenigen von Stalin. Schostakowitsch erwartete nervös die erste Pause, denn bei einer positiven Beurteilung würde Stalin ihn zu sich in die Loge bitten.

Doch dies geschah nicht. Nach der Pause konnte er beobachten, wie sich die Parteifunktionäre in Stalins Loge über die Oper amüsierten. Ein Begleiter Schoschtakowitschs berichtete später, dass der Komponist den Rest der Oper schweissgebadet in der Loge verfolgte.

Zwei Tage später erschien in der Prawda ein Artikel mit der Überschrift „Chaos statt Musik“. Er war von Stalin selbst veranlasst, und enthielt den berüchtigten Satz: „Dieses Spiel kann böse enden.“


Nun wurde es einsam um Schostakowitsch, Freunde und Weggefährten begannen ihn zu meiden oder äusserten sich in Publikationen gar negativ über ihn.

Befreundeten Künstler erging es schlechter. Seinem Freund Meyerhold schloss man zuerst das Theater, und dann wurde seine Frau ermordet, schließlich kam er selbst in Folterhaft und wurde erschossen.


Auch Familienangehörige waren betroffen: Schostakowitschs Schwager kam ins Gefängnis und seine Schwester wurde nach Sibirien deportiert.

Er erzählte später, dass er von nun an stets einen gepackten Koffer bereithielt und er musste lange schlaflose Nächte mit Selbstmordgedanken erdulden, erträglich nur mit Alkohol.

Zudem verlor er seine Anstellung am Konservatorium, und er musste sich und seine Familie mit Film-Kompositionen über Wasser halten.


An eine Uraufführung der 4. Sinfonie war nicht mehr zu denken. Zwar probte das Leningrader Orchester bereits, doch kurz vor der Premiere wurde sie zurückgezogen. Erst nach Stalins Tod kam die Uraufführung zustande.



Befreiuungsschlag


Schostakowitsch stand nur vor einem Dilemma. Sollte er ein integrer Künstler bleiben und sein Leben riskieren? oder der unfreie Staatskünstler eines repressiven Regimes werden? Er entschied sich für einen dritten Weg: seine Kompositionen wurden nun Werke mit doppelten Boden.

Die aufoktroyierte Fröhlichkeit karikierte er mit hohlem Pathos und die langsamen Sätze wurden zum Zeugen des Schmerzes seiner Seele. Sein Publikum verstand ihn - er schrieb Ihm

aus der Seele.


Seine 5. Sinfonie nannte er öffentlich eine „schöpferische Antwort eines Sowjetkünstlers auf gerechte Kritik“. Sein Freund Mrawinski dirigierte an der Uraufführung und wir sehen ihn im folgenden Filmabschnitt 40 Jahre später mit dem ergreifenden dritten Satz, dem Requiem der Seele des Komponisten.


Seine 5. Sinfonie nannte er öffentlich eine „schöpferische Antwort eines Sowjetkünstlers auf gerechte Kritik“. Sein Freund Mrawinski dirigierte an der Uraufführung und wir sehen ihn im

Von nun an begann das Rätseln über die Interpretation seiner Musik. Über die gestelzte Schluss-Apotheose der fünften Sinfonie meinte Schostakowitsch später: man müsse ein Dummkopf sein, um das Offensichtliche nicht zu erkennen.


Das Publikum der Uraufführung spendete Schostakowitsch eine 30 minütige Ovation und zeigten ihre Solidarität mit dem Komponisten.


1940 schrieb er das bedeutende Klavierquintett.

Die «Prawda» lobte es als Vorzeigewerk des sozialistischen Realismus. Dafür er erhielt er den Stalinpreis erster Klasse was ihm erlaubte, wieder das privilegierte Leben der Nomenklatura zu führen.


Im selben Jahr starb sein engster Freund Sollertinsky. Er widmete ihm das Klaviertrio Nummer 2, und beschrieb seinen Seelenschmerz mit einen jüdischen Totentanz im Stile Gustav Mahlers.



Kriegsjahre


Als Schostakowitsch an seiner 7. Sinfonie arbeitete, überfielen deutsche Truppen Russland und kesselten Leningrad ein. Er meldete sich freiwillig zur Armee, doch Stalin dachte nicht im Traum daran, seinen wichtigsten Musiker an die Front zu schicken. Stattdessen wurde Schostakowitschs Widerstand zu Propaganda.

Die Bilder, die Schostakowitsch als Feuermann zeigten gingen um die Welt. Das Konzert, wo seine 7. Sinfonie vom Leningrader Orchester im 12. Belagerungsmonat halb verhungert gespielt wurde geriet zur Legende.

Hören wir aus der Sinfonie das sogenannte „Invasions-Thema“, das den Überfall der deutschen Truppen darstellt, begleitet von kriegerischen Trommeln.


Ein Flugzeug brachte die Partitur in die Vereinigten Staaten und die Dirigenten der ganzen Welt rissen sich um das Werk. Schostakowitsch war endgültig zur Weltberühmtheit geworden.



Die Schdanow Dekrete und der Tod Stalins


Nach der 8. Sinfonie erwartete Stalin von Schostakowitsch eine neunte, die den Sieg der roten Armee über die deutschen Truppen verherrlichen sollte. Schostakowitsch lieferte das Gegenteil, er überraschte mit einem intimen Werk das anstelle eines Triumphmarsches mit einem grotesken Zirkusmarsch endet.


Stalin war ausser sich und der skrupellose Kulturmininister Shdanow begann eine repressive Kulturpolitik. Selbst hochgestellte Musiker wie Prokofiev, Schostakowitsch und Chatschaturjan lebten in ständiger Angst und wurden gezwungen, regelmässig Jubelchöre und patriotische Kantaten zu schreiben.


Schostakowitschs wichtigster Beitrag war die Musik zum Film „Der Fall von Berlin“


1953 starb Stalin. Shostakowisch feierte dieses Ereignis auf seine Art. Er schrieb seine 10. Sinfonie und der zweite Satz gilt als musikalisches Portrait des brutalen Diktators.

10. Sinfonie



Rehabilitation und Familiäre Turbulenzen


Anfang der fünfziger Jahre begann Schostakowitsch öffentliche Ehrenämter anzunehmen und häufiger zu internationalen Kongressen zu reisen. Künstlerisch waren diese Jahre weniger ertragreich, doch er erreichte, dass seine Werke wieder regelmäßig aufgeführt wurden.


1955 starb seine Frau Nina. Die beiden hatten kein ungetrübtes Verhältnis zu einander, da beide während ihrer Ehe Affairen hatten. Ninas Tod kam überraschend, ihr Krebs brach innerhalb Stunden aus und sie erlag der Krankheit bevor Schostakowitsch sichvon ihr verabschieden konnte.


Zwei Jahre später heiratete er aus heiterem Himmel eine Verwaltungsangestellte des Musikerverbandes. Er hatte die Frau einmal kurz gesehen und fragte die verblüffte Magarita, ob sie seine Frau werden wolle. Doch die Verbindung hielt nur drei Jahre und Schostakowitsch beendete wortlos die Ehe.


Mit diesem Schritt konnte Schostakowitsch eine lange Schaffenskrise beenden. Er widmete das zweite Klavierkonzert seinem Sohn Maxim, der das Werk als Abschlussarbeit am Konservatorium aufführte.



Parteifunktionär


1960 wurde Schostakowitsch gedrängt in die Partei einzutreten und er schrieb für den 22. Parteitag der KPdSU seine 12. Sinfonie.

Viele Kollegen und Freunde waren entsetzt über diesen Schritt. Doch Schostakowitsch hatte nicht mehr die Kraft sich zu wehren und litt unter Selbstmordgedanken.


In dieser schwierigen Phase schrieb er sein 8. Streichquartett, das nach eigenen Angaben zu seinen persönlichsten Werken gehört. Schmerzvoll erklingt darin immer wieder seine musikalische Signatur D–Es–C–H, zuletzt als resigniertes Schlussmotiv.


Zudem begannen sich körperliche Probleme bemerkbar zu machen, in einer Hand zeigten sich erste Lähmungserscheinungen.


Noch einmal suchte er Trost bei einer Frau und heiratete die 27-jährige Irina Supinskaja. Zusammen mit der langjährigen Sekretärein Sinaida Gajamova unterstützte sie ihn bis an sein Lebensende.

Das Paar konnte in eine geräumige Staatswohnung ziehen und sich eine Datscha kaufen.

Obwohl die Zahl seiner Werke abnahm, entstanden noch Meisterstücke, darunter das 2. Cellokonzert, das er Mstislaw Rostropowitsch widmete.


1966 kulminierten die Festlichkeiten um Schostakowitsch, zuerst wurde er als erster Musiker „Held der Arbeit“ und kurz darauf wurde sein 60. Geburtstag gefeiert.


Ein Jahr später widmete er sein 2. Violinkonzert seinem Freund David Oistrach, der es uraufführte. Wir sehen den Widmungsträger in einer späteren Aufnahme.

2. Violinkonzert



Krankheit und politische Wirren


Die 1960er Jahre waren von intensiven Reisen als Funktionär und Komponist geprägt. Kurz vor seinem 60. Geburtstag erlitt er einen ersten Herzinfarkt. In den bleiernen Jahre der Breschnjew Regierung nahm der politische Druck wieder zu und der geschwächte Schostakowitsch unterschrieb ein Papier gegen den Dissidenten Sacharow – ein Schritt, der ihm besonders von Alexander Solschenizyn übelgenommen wurde.


In dieser schwierigen Zeit erhielt Schostakowitsch die niederschmetternde Diagnose einer Kinderlähmung.

Die Muskelschwäche wurde spürbar und seine Uhr begann zu ticken. Er musste nun auf vieles Verzichten, er brauchte Ruhe und hörte auf zu rauchen und Alkohol zu trinken.

Dennoch schuf er weiterhin eine erstaunliche Fülle an Werken, viele sogar im Krankenhausbett.



Letzte Werke und Tod


1970 erholte sich Schostakowitsch dank einer Kur überraschend und er fand noch einmal die Kraft eine Sinfonie zu schreiben. Doch der Tod blieb allgegenwärtig und in dieser 15. Sinfonie zitiert er Wagners Todesverkündigungsmotiv aus dem Ring:

15. Sinfonie


In seinen letzten Jahren widmete sich Schostakowitsch intensiv dem Streichquartett. Sein letztes Werk in dieser Gattung, das 15. Streichquartett, gilt als Vermächtnis. Alle sechs Sätze sind im Adagio gehalten, der fünfte trägt den Titel „Trauermarsch“.

15. Streichquartett


1975 starb Dmitri Schostakowitsch an Lungenkrebs. Er wurde im Moskauer Ehrenfriedhof Nowodewitschi beigesetzt. Der Grabstein zeigt Schostakowitschs musikalische Signatur DSCH.



Epilog: Kollaborateur oder heroischer Künstler?


Im Westen haftete Schostakowitsch in seinen letzten Jahren der Ruf eines Kollaborateurs des Systems an. Erst nach seinem Tod begann sich dieses Bild zu wandeln. Immer stärker erkannte man die Doppelbödigkeit seiner Musik und Schostakowitsch inneren Widerstand.

Letztlich war Schostakowitsch wie wir alle ein Mensch voller Schwächen und Widersprüche – und zweifellos einer der größten Künstler des 20. Jahrhunderts.




Dmitri Schostakowitsch - Biografie

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