Franz Liszt - Biografie: Seine Orte, seine Musik und sein Leben
- peter
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Franz Liszts Leben war ein einziges Abenteuer. Es gehört zu seiner Tragik, dass er zu den grossen missverstandenen Künstlern des neunzehnten Jahrhunderts gehört.
„Seine Musik und seine Religiosität standen stets unter dem Generalverdacht persönlicher Eitelkeit und oberflächlicher Virtuosität.“
Gegen aussen war er der glanzvolle Virtuose und Grandseigneur. Im Innern war er ein Getriebener, eingezwängt zwischen seinen hohen moralischen Werten und eitlem Streben nach Glanz.
Er war Komponist, Lehrer und Interpret. Jede einzelne dieser Rolle hätte ihn bereits bedeutsam gemacht. Zusammen machten sie ihn zu einem Giganten der Musik, der wie kaum ein anderer das musikalische 19. Jahrhundert mitgeprägt und miterlebt hat.
Er hatte ein grosses Herz und stets eine helfende Hand. Doch sein Lohn war oft Undank, was ihn in seiner zweiten Lebenshälfte verbitterte.
Auch erhielt er als Komponist nie die Wertschätzung, die er verdient hätte. Eine Entdeckungsreise in seine Musik ist ein Vergnügen, denn
viele seiner Werke haben unsterbliche Grösse.
Wer war Franz Liszt und welche Menschen und Orte haben sein Leben geprägt. Eine biografische Annäherung an den Jahrhundertkünstler.
Doku Franz Liszt (Video):
Franz Liszt - Biografie
Herkunft
Die Familie von Franz Liszt war deutschsprachig und stammte aus dem ungarisch-österreichischen Grenzgebiet.
Sein Vater Adam hatte zwei Passionen: zum einen war er ein begabter, halb-professioneller Musiker, der 6 Instrumente spielen konnte, er hatte in seiner Jugend sogar während einem Sommer in Haydns Orchester in Esterhazy gespielt.
Und zum andern war er religiös.
Als junger Erwachsener fand er eine Anstellung beim Fürsten von Esterhazy an dessen Stammsitz. Dort arbeitete er einerseits als Verwaltungsangestellter und er spielte gelegentlich im Hof-Orchester, das dazumal von Hummel geleitet wurde.
Nach einiger Zeit belohnte der Fürst den eifrigen Adam mit einer Aufgabe als Verwaltungsbeamter in der Burgenländischen Provinz, dem heute österreichischen Raiding.
Diese Funktion verschaffte ihm die wirtschaftliche Grundlage für eine Heirat mit Anna, mit der er ein Kind hatte. 1811 kam Franz Liszt auf die Welt.
Ausbildung und Vorbereitung der Wunderkindkarriere
Der Vater erkannte beim 6-jährigen Franz das Talent für Musik und begann ihn am Klavier zu unterrichten.
Daneben besucht Franz Listz eine einfache Dorfschule, welche ihm lediglich eine rudimentäre Allgemeinbildung vermitteln konnte.
Für den Vater stand das Musikstudium an erster Stelle, denn Franz lernte in atemberaubenden Tempo. Adam erkannte die ungeheure Begabung seines Sohnes und träumte von nun an von einer Wunderkind-Karriere. Er konnte die Karriere seines 9-jährigen Sohnes mit einem ersten öffentlichen Konzert erfolgreich lancieren und bald schon durfte Franz dem Fürst Esterhazy vorspielen.
Doch für eine Wunderkind Karriere war der Umzug nach Wien unumgänglich. Adam versuchte daher von seinem adligen Herrn einen 1-jährigen bezahlten Urlaub zu bekommen. Der Fürst gewährte aber nur ein knappes Entgelt, sodass die Eltern beschlossen ein grosses Risiko einzugehen. Sie setzen ihr ganzes Vermögen ein (darunter auch die Mitgift der Mutter), um nach Wien übersiedeln zu können
Adam brachte den 9jährigen zu dem bekannten Klavierpädagogen Czerny, der 20 Jahre zuvor selbst während 3 Jahren Beethovens Schülers gewesen war.
Czerny ist bis heute noch allen Klavierschülern ein Begriff, denn er schrieb später u.a die zwei grossen Standardwerke der Klavier-Etüden Literatur: die „Schule der Geläufigkeit“ und die „Kunst der Fingerfertigkeit“.
Er erkannte ihn Franz die Anlage eines Genies und war bereit auf ein Honorar zu verzichten. Er sah ein Naturtalent vor sich, das – auch ohne tiefere Kenntnisse der Harmonik - in der Lage war über ein hingeworfenes Thema in schönster weise zu fantasieren. Auch sein Blattspiel war bereits erstaunlich, allerdings bemängelte Czerny Franz´ Klavierspiel als unregelmäßig und verworren.
Für Liszt hiess es nun üben, üben. Siebzehn Monate lang war er Schüler von Carl Czerny, bis zu seinem 13. Lebensjahr. Czernys oberste Unterrichtsziele waren die Fingerfertigkeit und ein perfektes prima vista Spiel.
Czerny forderte das junge Genie soweit, dass Liszt zum Schluss in der Lage war ganze Notenseiten mit einem Blick zu erfassen, und Klavierstücke beim ersten Spielen nicht nur fehlerfrei wiederzugeben, sondern auch hervorragend zu interpretieren. Für diese Gabe blieb Liszt seienem Lehrer ein Leben lang dankbar und sprach später stets mit Dankbarkeit und Hochachtung über Czerny.
Aus diesen Jahren stammt die erste erhaltene Komposition Liszts. Dank det Verbindungen Czernys durfte er wie Beethoven Variationen für die Sammlung von Diabelli beitragen. Liszts Beitrag war ein spielerisches, virtuoses Stück.
Parallel zu der Ausbildung begann der Vater seinen Sohn als Wunderkind zu vermarkten. Aus unserer heutigen Sicht mag das durchaus Anlass zur Kritik geben. Aus Adams Sicht muss aber zugestanden werden, dass dies aus einer wirtschaftlichen Notwendigkeit erfolgte und es ermöglichte Franz überhaupt den Weg zur hochklassigen Ausbildung bei Czerny.
Denn die Konkurrenz war gross, in einer Zeitungskritik eines Konzert des 12-jährigen Franz können wir zwar Wohlwollen lesen, aber auch die beiläufige Bemerkung dass „wieder ein junger virtuose“ konzertierte , darauf anspielend, dass 50 Jahre nach Mozarts Wunderkind Reise, die Wunderkinder-Kandidaten wie Pilze aus dem Boden schossen .
Dank Czernys Verbindung durfte Liszt schliesslich sogar Beethoven vorspielen. Diese Begebenheit scheint tatsächlich stattgefunden zu haben, da sie in Beethovens Konversationsheften vermerkt ist, aber ob der angebliche Weihekuss auf die Stirn des jungen Franz tatsächlich stattgefunden hat, muss stark bezweifelt werden, vermutlich handelt es sich um eine Vermarktungs-Idee von Vater Adam.
Auf nach Paris! – Liszt erobert die französische Hauptstadt mit einem Paukenschlag
1823 traf Adam einen weitreichenden Entscheid. Die Familie sollte nach Paris umsiedeln.
Czerny war schockiert. Aus heutiger Sicht ist nicht hundertprozentig klar, wieso dieser Wechsel erfolgte. Wollte Adam Franz den Händen Czernys entziehen oder trieb ihn die Hoffnung auf raschen finanziellen Erfolg.
Adam plante Franz als Schüler am Conservatoire zu platzieren , doch seine Träume zerplatzten jäh, Rektor Cherubini durfte den Ausländer Liszt aus Quotengründen nicht aufnehmen.
Zu Liszts Glück öffnete sich eine neue Türe. Und zwar fand er in der Person des Klavierfabrikanten Sebastien Erard einen Sponsor und Förderer.
Erard hatte zwei Jahre zuvor den sogenannten Double Echappement entwickelt, die Doppelrepetitionsmechanik, die schnellere Tonrepetitionen auf dem Pianoforte ermöglichte. Diese Neuerung gehört zu den wichtigsten Innovationen der Klavierbaugeschichte und bildet heute noch den Standard der Hammer-Mechanik.
Erard sah nun im virtuosen Wunderkind den idealen Botschafter der Marke Erard und lud 1824 eine illustre Gesellschaft zu einer Soiree ein, die Geschichte schrieb. Der unbekannte Liszt präsentierte das Klavierkonzert h-Moll von Hummel und spielte das Konzert so kraftvoll, dass nach wenigen Minuten nachgestimmt werden musste und kurz darauf erste Saiten rissen.
Am nächsten Tag konnten die Pariser einen Artikel über das „Wunder namens Liszt“ lesen und alle rissen sich nun um den „petit Liszt“ und innert wenigen Monaten trat er sagenhafte 38 mal auf.
Wunderkind Karriere und Krise
Noch im selben Jahr präsentierte Adam seinen Sohn auf einer umjubelten Konzerttournee. Mit von der Partie war auch Sebastien Erards Bruder Pierre, der in Liszts Schlepptau begann seine Klaviere im Ausland zu vermarkten.
Noch immer war das Hummel-Konzert Liszts bewährtes Schlachtross, aber er präsentierte auch sein op. 1, für das er virtuose Passagen komponierte, die die Möglichkeiten des Erard Flügels im besten Licht glänzen liessen.
Im Überschwang begann der 15-jährige die Arbeit an einer Oper, die er sensationellerweise an der Grand Opera zur Aufführung bringen durfte. Die Titelpartie wurde von niemand geringerem als Adolphe Nourrit gesungen. Das echo war schwach und nach vier Aufführungen verschwand das Werk während den Lebzeiten Liszt. Liszt sollte nie mehr eine Oper schreiben.
Für den jungen Komponisten kam diese Aufgabe wohl zur Unzeit. Liszt selbst meinte später „n’étant rien, il resta rien“, da nichts daran gewesen sei, sei auch nichts daraus geworden.
Trotz dieses Rückschlages begann Liszt als Komponist von Klavierwerken aufzublühen. Unter anderem schrieb er erste Etüden, die er später in der Sammlung der Transzendentalen Etuden publizierte. Darunter die „Feux Follets“, die Irrlichter, die mit ihren leggierissimo Passagen extrem schwierig zu spielen sind.
Schattenseiten als reisender Künstler und Krise nach dem Tod des Vaters
Liszts Tourneeleben war bei allem Glanz zweifelslos entbehrungsreich. Seine Mutter war mittlerweile nach Wien zurückgekehrt, und es sollte mehrere Jahre dauern, bis Franz sie wiedersehen sollte.
An gleichaltrige Freunde war nicht zu denken, sein einziger Gefährte war sein strenger Vater.
Als er 17 Jahre alt war, verlor er ihn. Er starb in einem Hotel an der französischen Atlantikküste an Typhus.
Von einem Tag auf den andern hatte sich Franz´ Leben grundlegend verändert. Seine Mutter kam nun zurück nach Paris. Doch Franz stand ohne Engagements da.
Er entschied sich nun fürs Unterrichten und bald schon war sein Terminkalender ausgebucht. Nach kurzer Zeit verliebte er sich in eine seiner Klavierschülerinnen, die gleichaltrige Caroline de Saint-Crique. Doch wie schon Beethoven schmerzlich erfahren musste, wollten auch in Paris adlige Väter von der Liaison ihrer Töchter mit einem Musiker nichts wissen.
Franz war schwer getroffen und vermisste schmerzlich eine stützende Seele. Er begann seinen bis dahin disziplinierten Lebenswandel zu verlieren. Er begann zu rauchen, sprach dem Alkohol zu, begann viel zu lesen und erschien dadurch zu seinen Klavierstunden oft zu spät. Am schlimmsten aber: die Kritiken seiner gelegentlichen Konzerte wurden schlechter.
Liszt wandelte auf einem gefährlichen Pfad.
Erwachende Spiritualität und Weg aus der Krise
1830 schreckte das Donnern der Kanonen Paris und den 20-jährigen Liszt auf. Die Pariser standen im Bann einer Revolution, die drei Tagen dauerte, und später als die „trois glorieuses“ verklärt wurde. Eine schlechte Ernte, ein kalter Winter und Epidemien hatte die Bürger auf die Barrikaden getrieben.
Liszt war tief erschüttert und vertiefte sich in die sozialrevolutionäre Schriften des Abbe Félicité de Lamennais. Sie weckten seine humanitäre Ader, und in ihm den vorübergehenden Wunsch, sein Leben der Religion zu widmen.
Liszt war erwachsen geworden und fand zu seinem disziplinierten Leben zurück. Er beschloss nun, die Pariser Salons zu erobern und seine Karriere in Schwung zu bringen.
Es gehört zu den Widersprüchlichkeiten seiner Persönlichkeit, dass er just in dem Moment, wo er die Spiritualität im katholischen Sozialismus entdeckte, gleichzeitig den Weg in das Pariser Salon Leben suchte und fand.
Es sollte nicht die einzige Widersprüchlichkeit in seinem Leben bleiben und Liszt stand von nun an stets im Generalverdacht eine oberflächliche und theatralischen Person zu sein.
Die Liste der Personen die List in den Salons antraf liest sich wie ein who is who des künstlerischen 19 Jahrhunderts. Heinrich Heine zählte Liszt mit seiner schlanken Statur, dem langen Haar und den eindringlichen Augen zu den auffälligsten Erscheinungen dieser Gesellschaft.
Der Schöpfer der symphonischen Dichtung
Liszt machte in diesen Pariser Jahren wichtige künstlerische Bekanntschaften. Drei davon verdienen besondere Hervorhebung. Zuallererst diejenige mit Hector Berlioz.
Liszt´ Erlebnis einer Aufführung von Berlioz Symphonie Fantastique veränderte seine Auffassung von Orchestermusik für immer.
Berlioz bezeichnete seine Sinfonie als „drame musical“, das auf einer „idee fixe“, einem musikalischen Leitmotiv basierte.
Das Werk wurde nun für Liszt zur Inspiration auf seinem Weg zur Programmmusik. Für ihn sollte nicht mehr die sonatentypische Gegensätze der musikalischen Themen die Grundlage bilden, sondern die Programmatische Idee, die Verschmelzung der Dichtkunst und der Musik, basierend auf einem oder mehreren leitmotivischen Themen.
Liszt begann in dieser Zeit seine erste Skizzen für ein Werk, das rund 20 Jahre später unter dem Namen Les Preludes bekannt wurde. Das erste Thema atmet dabei eine jugendliche Unbeschwertheit.
Die zweite herausgestellte Bezugsperson ist Frederic Chopin. Zwar war der neu nach Paris zugezogene Chopin ein potentieller Konkurrent, doch die beiden so entgegengesetzten Charaktere anerkannten gegenseitig ihr Genie. Liszt brillierte im konzertsaal mit den mächtigen Erard Pianos und Chopin glänzte als Komponist und Salonist mit den filigranen Pleyel Flügeln.
Liszt bewunderte Chopin als einen höchst innovativen Komponisten und schätzte ihn derart, dass er in seiner Weimarer Zeit sogar eine Chopin Biografie verfasste.
Zum dritten künstlerischen Leitstern wurde Niccolò Paganini. Als Liszt in Paris ein Paganini Konzert besuchte, entfachte der Teufelsgeiger bei Liszt die Leidenschaft für das Klavier neu. Liszt wollte nun für das Klavier das erschaffen, was Paganini für die Geige tat.
Marie d’Agoult
1832 lernte der 21-jährige Liszt in einem Salon eine fünf Jahre ältere, unglücklich verheiratete Gräfin kennen. Liszt war fasziniert von der klugen und belesenen Marie d’Agoult und die beiden wurden zu einem heimlichen Liebespaar. Die außereheliche Beziehung hielt auch dem Tod der einen Tochter Maries stand, und sie wurde 1835 von Franz schwanger.
Dies führte in Paris zu öffentlicher Entrüstung und die schwangere Marie flüchtete in die Schweiz, wo Liszt sie erwartete.
Der anschliessende Aufenthalt in der Schweiz verewigte Liszt in seinem wunderbaren ersten Teil seiner „Années de pèlerinage“.
Die beiden wohnten längere Zeit in Genf, wo Marie die Tochter Blandine gebar. In Paris hatten sich die Wogen mittlerweile geglättet und die beiden kehrten nach Frankreich zurück.
Marie verlegte ihren Wohnsitz nun ins ländliche Nohant, wo sie auf dem Landgut ihrer Freundin George Sand wohnen konnte. Franz besuchte sie dort regelmässig. Als Marie zum zweiten Mal von Franz schwanger wurde, beschlossen die beiden, dass Marie ihr Kind am Comer See zur Welt bringen sollte.
Auf dem Weg nach Italien besuchten sie ihre Tochter, die sie in der Schweiz zu Pflegeeltern gegeben hatten.
Das Paar verbrachte zurückgezogene Monate am Comer See in der Villa Melzi, wo Liszt - vielleicht inspiriert von der Dante-Statue im Garten - seine Dante Sonate schrieb.
Sie tauften ihre zweitgeborene Tochter auf den Namen Cosima und gaben sie in die Obhut einer Amme, derweil Franz begann, in Norditalien wieder Konzerte zu geben.
Franz Liszt Superstar
Der Anlass zur Rückkehr aufs Konzertpodium war eine schwere Überschwemmung in der ungarischen Hauptstadt. Eilig organisierte Liszt einige Benefizkonzerte in Wien. Liszt wurde umjubelt und wurde so vom Virus des Starkults erfasst.
Liszt vereinbarte nun mit Marie, dass er während 1-2 Jahren als reisender Künstler Geld verdienen sollte und eine Heirat aufgeschoben würde.
So kehrte Marie nach Paris zurück während Franz Liszt seine Tournee Tätigkeit aufnahm.
Ich möchte diesen Abschnitt wie Franz Liszt zum bekanntesten Künstler Europas wurde und wie ein Superstar gefeiert wurde kurzhalten. Heine hat es auf den Punkt gebracht: Liszt entfachte in den Hauptstädten Europas eine regelrechte Lisztomanie.
Unermüdlich bereiste Liszt in beschwerlichster Reisetätigkeit Europa von der Türkei bis Schottland und von Portugal bis St. Petersburg. Er besuchte in dieser Zeit 275 Städte, viele davon mehrfach.
Liszt war nun eine europäische Berühmtheit. Er genoss die Bewunderung der Massen und hatte zahllose Affairen.
Von Marie d´Agoult zu Carolyne zu Sayn Wittgenstein
Derweil wartete Marie in Paris und aus den vereinbarten 1-2 Jahren wurden 5 lange Jahre. Marie sah ihren Franz hauptsächlich in den Sommermonaten, wo sie in der Rheininsel Nonnenwerth Sommermonate mit ihren mittlerweile 3 Kindern verbrachten.
Marie litt unter den vielen Affairen des reisenden Liszt und das Paar trennte sich schliesslich 1843.
Es folgte ein längerer Streit um die Sorgerechte ihrer Kinder, bis Marie schliesslich nachgab. Liszt brachte die Kinder zu seiner Mutter, die sich um sie kümmerte.
Marie verarbeitete die Trennung auf ihre Weise. Die literarisch begabte Frau schrieb mit dem fiktiven aber offen autobiografischen Roman „Nelida“ ein wenig schmeichelhaftes Portrait des untreuen Virtuosen.
Liszt setzte seine Konzerttätigkeit fort. Anlässlich eines Konzertaufenthaltes in St. Petersburg lernte er die unermesslich reiche polnisch-UkrainIsche Carolyne zu Sayn Wittgenstein kennen.
Wie Marie war Carolyne charismatisch, hochgebildet, verheiratet und Mutter. Liszt besuchte sie auf ihrem Gut in der Ukraine und die beiden wurden ein Paar.
Liszt, der erschöpft war von seiner mehrjährigen rastlosen Konzerttätigkeit, erkannte, dass er in Carolyne die Person fand, die ihm helfen konnte, zu einem ernsthaften Komponisten zu werden.
Listz wird sesshaft in Weimar
Liszt beschloss nun seine Beziehung zu Weimar zu vertiefen und nahm das Angebot an, Musikalischer Leiter des Weimarer Theaters zu werden. Zusammen mit Carolyne bezog er Residenz in der geräumigen Altenburg, die nun für die nächsten Jahren zu einem Treffpunkt der intellektuellen Kunst-Elite Europas wurde und Weimar den schmerzlich vermissten Glanz zurückbrachte, den es zu Zeiten Schillers und Goethes genossen hatte.
Liszt nahm seine Aufgabe als Hofkapellmeister gewissenhaft wahr. Obwohl er keinerlei Erfahrung als Dirigent hatte, vermochte er die Qualität des Musiktheaters und der Konzerte auf ein erstaunliches Niveau zu heben.
Die Herzen der Weimarer vermochte Liszt aber nie zu gewinnen. Er setzte konsequent die Musik von fortschrittlichen Komponisten wie beispielsweise Wagner und Berlioz oder auch seine eigene Werke aufs Programm. Das Weimarer Publikum goutierte das nicht, und die anfängliche Honeymoon Periode war rasch zu Ende.
Innovativer und einflussreicher Komponist
Weimar wurde der Ort, wo Liszt die meisten seiner bedeutenden Werke schrieb. Neben seinen Klavierwerken widmete er sich verstärkt der Orchestermusik.
Es zeugt von Genie, dass er auch in diesem Genre zu einem innovativen und einflussreichen Komponisten wurde, der mit der neuen Form der Programmsinfonie respektive der symphonischen Dichtung der Urvater einer ganzen Musikgattung wurde, welche noch 50 Jahre später mit Strauss und Debussy die Musikwelt prägen sollte.
Liszt war ein Literatur Liebhaber und so überraschte er nicht, dass er als Weimarer Komponist als Basis für eine grosse Programm-Sinfonie Goethes „Faust“ wählte . Als eindrücklicher Zeuge des Erfindungsreichtums Liszts hören wir das erste Thema der Faustsinfonie. Liszt zeichnet den an sich zweifelnden Faust mit dem ersten zwölftönigen Thema der Musikgeschichte:
Liszts fand die spirituelle Ader seiner Jugend wieder, was ihn veranlasste eine Sammlung von Gedichten mit spirituellem Inhalt zu vertonen und er nannte sie „Harmonies poétiques et religieuses“.
Liszt der Klavierlehrer
Liszt und die Altenburg wurde nun zum Wallfahrort der Klaviervirtuosen. Die Liste der Schüler, die in Genuss des Unterrichts kamen war lang. Die bedeutendsten Schüler der ersten Weimarer Jahre war Hans von Bülow, der später Liszts Tochter Cosima heiraten sollte.
Liszt unterrichtete im Laufe seines Lebens eine dreistellige Zahl von Klavierschülern von denen 20-30 wiederum zu einflussreichen Pianisten und Lehrer wurden. Viele bedeutende Klavierspieler des 20. Jahrhunderts wie beispielsweise Claudio Arrau, Josef Hofmann, Wilhelm Backhaus, Jorge Bolet, Sergei Rachmaninoff, Vladimir Horowitz können so Franz Liszt als pianistischen Ahnen benennen.
Liszt bewältigte in seinen Weimarer Jahren ein enormes Pensum. Er war ein beschäftigter Hofkapellmeister, ein hoch produktiver Komponist, er schrieb viele Texte wie z.B. die erwähnte Chopin Biographie und widmete sich den Unterrichtsstunden.
Trotz dieses permanenten Drucks war Liszt immer bereit seinen Schülern Zeit zu schenken. Er selbst hatte einst von Czernys kostenlosen Unterricht profitiert und nun gab er seine kostbare Zeit grosszügig und ohne Entgelt an andere weiter.
Unter diesem enormen Arbeitsdruck suchte Liszt Linderung im Alkohol. Die Cognac Flasche war sein stetiger Begleiter und sein Künstler-Freund Berlioz meinte lakonisch: „Leider trank er ebenso gut, als er sprach“.
Wagner
Franz Liszt hatte Richard Wagner bereits in Paris kennengelernt. Als der Dresdner Hofkapellmeister Wagner sich in der Revolutionären Bewegung engagierte, und steckbrieflich gesucht wurde floh er 1849 zu Liszt nach Weimar. Liszt gewährte ihm grosszügig Unterschlupf und finanzielle Hilfe und versprach ihm seinen für Dresden geplanten Lohengrin aufzuführen. So wurde das Weimarer Hoftheater 1850 der Uraufführungsort dieser romantischen Oper vom polizeilich gesuchten Wagner.
In den folgenden 15 Jahren wurden die beiden enge künstlerische Freunde und blieben in brieflichen Kontakt, 350 Briefe sind aus dieser Zeit erhalten.
Nur gelegentlich kam es zu persönlichen Treffen, denn Wagner durfte während längerer Zeit deutschen Boden nicht betreten.
Monumentale Werke
Franz Liszt schrieb 1853 in Weimar sein vielleicht bedeutendstes Werk, die h-Moll Sonate. Liszt hatte lange Zeit gezögert, eine Klaviersonate zu erschaffen und damit in direktem Vergleich zu Beethoven zu stehen.
Das Resultat ist ein beinahe monothematische Werk, welches den Konzertbesucher von der ersten bis zur letzten Minute fesselt. Doch das Werk fand keine Gnade beim Publikum, gehört aber heutzutage zu den meistgespielten Klavierwerken.
Ein paar Jahre später richtete der gläubige Liszt seinen Blick auf die Kirchenmusik. Nach der Erneuerung der weltlichen Musik, sah er es als seine Aufgabe, auch die Kirchenmusik zu modernisieren. Eine passende Gelegenheit bot sich, als er für die Einweihung einer Kirche im ungarischen Gran den Auftrag für eine grosse Messe erhielt. Doch das Echo auf Liszt Erneuerung der Kirchenmusik war niederschmetternd: ein Kritiker nannte es gar, den Tannhäuser im Gotteshaus.
Das Schicksal schlägt zu: Spannungen und Krisen
Mit dem Fiasko der Graner Messe wendete sich Liszts Glück. Vor ihm lagen schwierige Jahre, in denen er viele schmerzlicher Erfahrungen machen musste.
Die Arbeit als Kapellmeister in Weimar kostete ihn viel Zeit und Energie. Das konservative Publikum fand kein gefallen an Liszts Programmgestaltung. Im kleinen Kreis nannte er die Gemeinschaft seiner Getreuen spaßeshalber Neu-Weimar, worauf sein Schüler Peter Cornelius das Bonmot prägte: "Weimar ist eine große Stadt, die 13.000 Einwohner hat und Neuweimar ist eine kleine Gemeinde, aber sie hat 13.000 Feinde."
Liszt war stets bereit viele moderne Komponisten zu fördern. Er arrangierte unzählige Klavierbearbeitungen ihrer Werke, er setzte sie aufs Programm der Weimarer Konzerte und studierte die Werke mit unermüdlicher Probenarbeit ein. Doch schmerzlich musste er den Undank vieler seiner Komponisten Kollegen erfahren. Es waren ihm nur wenige Künstlerkollegen vergönnt, wie Berlioz oder Saint-Saens, die ihrerseits auch seine Werke förderten.
Wagner, der so sehr von Liszt profitierte, hat nie auch nur einen Finger für Liszt gerührt, stets forderte er finanzielle Hilfe. Auch die Schumanns profitierten von Liszt Förderung, doch beide setzten sich nie für ein Werk von Liszt ein.
Privat musste Liszt zwei schwere Schicksalsschläge hinnehmen. Innerhalb weniger Jahre starben seine beiden Kinder Blandine und Daniel.
Einer der wenigen Lichtblicke war, dass seine Tochter Cosima seinen Lieblingsschüler Hans von Bülow heiratete.
Abbe Liszt – Römer Jahre
Carolyne und Liszt planten sich in Weimar zu vermählen. Doch der russische Zar verweigerte Carolyne seine Einwilligung zur Scheidung. Es war eine Retourkutsche für Liszt, der während einer früheren Polen Reise offen mit Polens Unabhängigkeit sympathisiert hatte.
Die einzige Person, die nun eine Heirat ermöglichen konnte, war der Papst. Zunächst sah es gut aus und Carolyne begab sich nach Rom, um dessen Einwilligung zu erwirken. Auch Liszt traf wenige Tage vor der geplanten Hochzeit ein.
Doch sie wurden das Opfer einer Intrige. Der einflussreiche Geistliche Prinz zu Hohenlohe lobbyierte beim Papst und vereitelte das Unterfangen aus Sorge um seinen Bruder. Dieser war verheiratet mit Carolines Tochter Marie und fürchtete, dass Marie im Scheidungsfall die riesige Erbschaft verlieren würde.
Liszt und Carolyne erfuhren am Vorabend ihrer Hochzeit vom negativen Entscheid des Papstes. Carolyne war bitter enttäuscht und begann sich mehr und mehr abzukapseln. Sie und Listz entfremdeten sich und trennten sich kurz darauf.
Gezeichnet von den vielen Schicksalsschlägen, brach Liszt mit seinem bisherigen weltlichen Leben. Er empfing in Rom die niederen Weihen und wurde zum Abbe Liszt.
Seine Umwelt reagiert mit Unverständnis. Liszt wurde mit Häme und Spott übergossen, selbst seine Mutter war fassungslos über diesen Schritt.
Doch Liszt machte Ernst, und fand eine bescheidene Bleibe in einem Kloster in Rom. Ironischerweise wurden die beiden Konspiratoren, die seine Heirat verhindern, zu guten Freunden. Papst Pius der neunte besuchte ihn sogar einmal in Kloster.
Prinz zu Hohenlohe wurde zum einflussreichen Kardinal und lud Liszt oft in sein grosses Anwesen nahe Roms ein, in die Villa d´Este in Tivoli, wo Liszt die wunderschönen „Les Jeux d'eaux de la Villa d'Este“ schrieb
Alter – „La vie trifurquee“
Nach den vielen Jahren in Rom wollte Liszt sein Wirkungskreis erweitern. Er akzeptierte nun eine Einladung in Ungarn für eine leitende Funktion am Budapester Konservatorium.
Zudem akzeptierte er auch die Offerte des Weimarer Regenten in der sogenannten Hofgärtnerei ohne Verpflichtungen kostenlos eine Villa benutzen zu dürfen. Wenn in Weimar betätigte sich Liszt an 3 Nachmittage pro Woche als Klavierlehrer.
Von nun an teilte Liszt sein Jahr zwischen Rom, Budapest und Weimar auf.
Cosima
Mittlerweile hatte Cosima sich von von Bülow getrennt und in Luzern Richard Wagner geheiratet. Liszt konnte ihr und Wagner diesen Schritt nie verzeihen. Der Kontakt mit den beiden brach während fast 10 Jahre ab.
1872 suchte Cosima den Kontakt zu ihrem Vater wieder. Der Beweggrund der berechnenden Cosima waren nicht irgendwelche Tochter-Gefühle, sondern, dass die Wagners für die Errichtung ihres Bayreuther Festspieltheaters Liszt als zugkräftigen Namen suchten.
Cosima, die ihren Vater seit längerer Zeit nicht mehr gesehen hatte, traf auf einen gealterten Liszt. Gezeichnet vom Arbeitsstress, Verbitterung und Alkohol.
Liszt liess sich nun von Cosima und Richard gutmütig einspannen. Doch die Spannungen waren stark. Richard war angewidert vom alten Liszt und seiner Musik, die immer grüblerisch und innen gerichteter wurde. Er konnte die Anwesenheit von Liszt kaum ertragen.
Auch Liszts Verhältnis zu Wagner war seit vielen Jahren zerrüttet. Einerseits weil Liszt Wagner den Ehebruch nie verzeihen konnte und andererseits weil Wagner sich offen negativ über Liszts grüblerischem, beinahe tonartenfreien Stil seiner späten Kompositionen äusserte.
1882 starb Wagner. Liszt wurde nicht einmal zu den Begräbnis-Feierlichkeiten eingeladen. Cosima brach den Kontakt mit Liszt ab.
Tod in Bayreuth
Die Bayreuther Festspiele hatten eine grosse Schuldenlast hinterlassen. Nach dem Tode Richard Wagners lag die Bürde der Festspielleitung bei Cosima. Mit aller Not schaffte es Cosima als Leiterin der Festspiele 1883 trotz grossen Geldprobleme eine weitere Festspiel-Saison auf die Beine zu stellen.
Noch einmal wandte sich Cosima an ihren Vater, und noch einmal willigte der schwer kranke Liszt ein, als Grüssaugust nach Weimar zu kommen. Doch mitten während den Festspielen starb Liszt einsam in einer Pension. Um die Festspiele nicht zu stören, hatte Cosima ihm sogar die letzte Ölung verwehrt und die Meldung über seinen Tod erst nach dem Ende der Festspiele verkündigt.
Sie beerdigte ihren Vater mit einer stillosen Zeremonie im Bayreuther Friedhof.
Franz Liszt - Biografie




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