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Georg Friedrich Händel - Biografie: Seine Orte, seine Musik und sein Leben

  • peter
  • vor 1 Tag
  • 14 Min. Lesezeit
Biografie Johann Sebastian Bach

Händel war der erste Superstar der klassischen Musik. Mit unerschütterlichem Willen und übermenschlicher Schaffenskraft drückte er einer ganzen Epoche den Stempel auf. Als Deutscher Komponist, der italienische Musik für ein englisches Publikum schrieb, wurde er von allen drei Kulturen verehrt und als Ihr musikalischer Vertreter gefeiert. Doch wer Händel wirklich war, bleibt hinter der glänzenden Oberfläche verborgen.


Wer war Georg Friedrich Händel und welche Orte und Menschen haben ihn geprägt. Eine biografische Annäherung an den Jahrhundert Künstler aus Deutschland.



 


Georg Friedrich Händel - Biografie



Kindheit und Jugend in Halle


Georg Friedrich Händel kam 1785 im deutschen Halle zur Welt. Halle war zu dieser Zeit eine vom 30-jährigen Krieg und von der Pest gebeutelte Kleinstadt mit circa 4000 Einwohnern. Händels Vater war ein praktizierender Arzt. Er gründete spät nochmals eine Familie und war bereits 62 Jahre alt, als Georg Friedrich zur Welt kam.

Georg zeigte schon früh musikalisches Interesse, doch der Vater wünschte, dass sein Sohn eine juristische Laufbahn einschlagen würde, und war gegen eine Förderung des offensichtlichen musikalischen Talents Georg Friedrichs.

Als Hof-Arzt verkehrte Georg regelmässig beim Herzog. Als der achtjährige Händel in Anwesenheit des Herzogs die Orgel spielte, überzeugte der Fürst den Vater, Georg Friedrich als Musiker ausbilden zu lassen

Händel kam nun in den Genuss einer hervorragenden, langjährigen Ausbildung beim Komponisten und Organisten Friedrich Zachow, der sein einziger Lehrer blieb. Zachow kannte die zeitgenössische Musik und konnte Händel die ganze Bandbreite der europäischen Musikkunst darlegen.


Die Jahre 1701 und 1702 brachten eine wichtige Wendung, zuerst machte der angesehene Telemann Halt in Halle, um den sechzehnjährigen zu hören und kurz darauf lernte der 17-jährige in Berlin die Komponisten Bononcino und Ariosti kennen, und die beiden entfachten in Händel den Wunsch italienische Oper zu schreiben.

Neben seiner musikalischen Förderung hatte Händel eine hervorragende humanistische Bildung im Gymnasium erhalten und er trat als 16-jähriger in die vor kurzem gegründete Universität ein.


Doch kurz darauf nahm er ein Angebot als Organist einer Kirche an, notabene mit siebzehn Jahren, was selbst für diese Zeit aufsehenerregend war.

Doch Händel sah sich mittelfristig nicht als Kirchenmusiker. Die Bewegung der Pietisten hatte den Norden Deutschland erfasst und Musik war in deren Auffassung nur in der Kirche denkbar. Der einzige Ort, wo Händel seinem Ziel in Deutschland nähern konnte war die Oper am Gänsemarkt in Hamburg.



Turbulenter Aufenthalt an der Hamburger Oper


Händel begab sich nun in das 300 km entfernte Hamburg. Die Stadt war dank seiner Befestigung vom 30-jährigen Krieg verschont geblieben und war mit seinen 70.000 Einwohnern zu einer Grossstadt geworden.

Die engen Gassen und die rauhen Bewohner des Gängeviertel mussten wohl auf den jungen Georg Friedrich einen bedrohlichen Eindruck gemacht haben. Doch Hamburg verfügte auch über ein vermögendes und kultiviertes Bürgertum, welches 20 Jahre zuvor am Gänsemarkte eine Operntheater erbauen liess, welches über beträchtliche 2.000 Plätze verfügte.

Georg Friedrich sprach nun bei der Oper vor. Zu seiner Enttäuschung wurde ihm nur eine Anstellung als Violonist bei den zweiten Geigen angeboten. Doch immerhin hatte er einen Fuss in der Tür.


Er freundete sich mit dem nur vier Jahre älteren Johann Mattheson an. Dieser hochtalentierte Musiker hatte bereits seine ersten Opernwerke geschrieben und dirigierte öfters Aufführungen vom Cembalo aus.


In der folgenden Sommerpause begleitete Händel seinen Freund Matthesson nach Lübeck zu Buxtehude, um den Meister kennenzulernen und weil ihnen zu Ohren gekommen war, dass Buxtehudes Position als Organist vakant wurde. Die beiden jungen Musiker konnten nun mit eigenen Ohren den Meister kennenlernen. Dieser konnte aber keinen der beiden für den Posten gewinnen, da mit dem Posten die Heirat mit seiner bereits über dreissig Jahre alten Tochter verknüpft war.


Händel sammelte nun als Orchestermusiker wertvolle Erfahrung in der Oper und sah sich ein Jahr später bereit, seine erste italienische Oper zu komponieren. Sein Freund Mathesson stand ihm dabei mit Rat und Tat zur Seite und schrieb 40 Jahre später maliziös in den Memoiren, dass er den unerfahrenen Händel oft ermahnen musste statt pedantische Fugen italienische Melodien zu schreiben.

So ertönte Händels erste Oper Almirea in Hamburg, sie blieb seine einzige Oper ohne Kastraten. Händel durfte zufrieden feststellen, dass das Werk beim Publikum gut ankam. Eines der schönsten Stücke aus Almira ist der sogenannte Tanz der Asiaten, eine Sarabande, welche Händel später zu seiner berühmtesten Aria „Lascia che pianga“ ausbaute:



3 Jahre in Italien


Händel lernte im Hamburg Gian Gastone de Medici kennen, ein Sohn des Florentinischen Fürsten, der aufgrund seiner Spiel- und Alkohol Exzesse ein paar Monate in Hamburg verbrachte um Abstand zu seiner Verwandschaft zu gewinnen. Gastone war homosexuell und fand möglicherweise Gefallen an dem jungen und gut aussehenden Händel. Er sollte in den kommenden Jahren nicht der letzte homosexuelle Freund Händels sein, was noch heute Fragen zu Händels eigener Einstellung aufwirft.

Wie auch immer - Gastone lud Händel als Musiker ein, ihn Florenz zu besuchen, womit Händel das ersehnte Eintrittsticket in einen Fürstenhof nach Italien erhielt. Denn es war in der Zwischenzeit klar geworden, dass er die Meisterschaft in der Kunst der italienischen Oper nur in Italien erzielen konnte.


Was Händel nun in Florenz antraf, war das Gegenteil des Italiens seiner Träume. Die Familie der Medici war heillos zerstritten, Gastones älterer Bruder Gastones war von der Syphilis gezeichnet und die Stadt befand sich im Würgegriff von Gastones Vater, dem unseligen, bigotten Fürsten Cosimo Medici.

Dem nicht genug vermuteten alle Familienmitglieder, dass Händel ein weiterer Lustknabe Gastones sei.

Das war eine kalte Dusche für Händel. Der einzige Lichtblick war, dass Ferdinando selbst ein hochtalentierter Musiker war und sich als grosszügiger Förderer der Musik engagierte.


Händel nutzte diese Chance und er erhielt für gutes Geld einen Kompositionsauftrag für seine Oper Rodrigo, welche im kleinen Kreis in Florenz uraufgeführt wurde.

Rodrigo

Von Händels 3 Italien-Jahre verbrachte er am meisten Zeit er in Rom. Schon kurz nach seiner Ankunft in der ewigen Stadt erhielt er die Gelegenheit, in der großen Kirche San Giovanni in Laterano ein Orgelkonzert zu geben. Am nächsten Tag sprach die ganze Stadt über den virtuosen Sachsen.



Orgelkonzert


Er lernte den reichen Aristokraten Ruspoli kennen. Ruspoli lud ihn nun ein in den nächsten Monaten in dessen Stadt-Palais zu wohnen und für ihn und seine Gäste zu musizieren.

Bei diesem einflussreichen Adligen konnte Händel nun Kontakte mit vielen hohen geistlichen Würdeträgern knüpfen, und der zweiundzwanzig-jährige lernte sich in dieser Gesellschaftsschicht mit grossem Selbstvertrauen zu bewegen.


Viele der Kardinäle waren sehr kunstsinnig. Sie unterstützten talentierte Künstler nicht nur finanziell, sondern wurden selbst kreativ. Beispielsweise schrieb Kardinal Ottoboni mehrere Libretti für Oratorien von Scarlatti.


Händels Glücksgriff war der Kardinal Vincenzo Grimani, der für ihn das Libretto für die Oper Agrippina schrieb. Da es in Rom in diesen Jahren verboten war Opern aufzuführen, erfolgte die Uraufführung 1709 in Venedig. Sie wurde ein grosser Erfolg und gilt als sein erstes Meisterwerk im italienischen Stil: Agrippina


Venedig war für Händel aus zweierlei Gründen wichtig. Zum einen lernte er das Zentrum der italienischen Oper kennen und zum zweiten machte er die Bekanntschaft des Barons von Kielsmannegg, den Stallmeister des hannoveranischen Fürsten Georg.



Ankunft in Hannover


Kielsmanegg war begeistert von der Agrippina und bot Händel eine Anstellung in Herzogtum Hannover an. Händel wusste zu diesem Zeitpunkt schon, dass sein Fernziel London sein würde.

So nahm er die Einladung nach Hannover ins Schloss Herrenhausen gerne an, um es dann clever als Sprungbrett für London zu nutzen.

Im Juni 1710 erreichte er Hannover, und übernahm dort den Posten des Kapellmeisters.

Händel konnte rasch das Vertrauen des Fürsten Georg Ludwig gewinnen und muszizierte gelegentlich für den Fürsten. Er hatte aber wenig Neigung zur Kompositionsarbeit, da das Fürstentum über keine Oper verfügte.

Händel hatte sich vertraglich zusichern lassen, hin und wieder für längere Zeiträume vom Hof abwesend sein zu dürfen. Diese Option nutzte er bald aus: Schon gegen Ende des Jahres reiste er nach London.

Der Fürst liess Händel aber nicht ohne Hintergedanken ziehen ...



Politik - Händel wird zum politischen Botschafter in London


Was genau waren die Hintergedanken Georg Ludwigs? Um dies zu verstehen, lohnt es sich einen kurzen historischen Exkurs zu machen.


Das englische Königshaus befand sich in einer delikaten Lage. Die Thronfolge der regierenden Dynastie der Stuarts war gefährdet und die weit enfernte hannoveranische Linie konnte sich Chancen ausrechnen, den englischen Thron zu besteigen. Wie war es dazu gekommen:


• Königin Anne hatte verzweifelt versucht, einen Erben zu bekommen – doch 17 Schwangerschaften endeten mit Totgeburten oder dem frühen Tod der Kinder. Ihre Gesundheit war ruiniert, und eine weitere Schwangerschaft als riskant.

• Nach dem Settlement Act der glorious Revolution durfte kein Regent mehr den Thron besteigen, der katholischen Glauben war. Anne war eine protestantische Stuart aber alle ihre näheren Verwandten waren katholisch.

• Damit war Georg Ludwigs Mutter von der weit entfernten Hannover Linie die nächste in der dynastischen Erbfolge


Da Sophie bereits 80 Jahre alt war, wusste Georg, dass er schon bald Anspruch auf den englischen Thron haben könnte.

Und genau hier kam Händel ins Spiel. Georgs cleverer Plan war es Händel mit dem Titel eines kurfürstlicher Hannoveraner Kapellmeister auszustatten und ihn als Kulturbotschafter in London zu platzieren. Damit könnte er den fernen Hannoveraner Hof als weltmännische Institution positionieren, Ressentiments gegenüber den Deutschen abbauen und für Georg wichtige Kontakte knüpfen, denn prominenten Musikern standen oft interessante Kontakte offen.


Händel konnte damit 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen wurde er auch in London fürstlich entschädigt und zum zweiten öffnete ihm das Hannoveraner Beziehungsnetz in London die Türen zu interessanten und finanzkräftigen Kreisen.


Allerdings gab es ein Problem: Viele Engländer – und auch Königin Anne selbst – waren gegen einen hannoverschen König. Sie versuchten, stattdessen eine französische Alternative auf den Thron zu bringen …



Rinaldo - Einstand mit einem Triumph


Als Händel in London eintraf war es aber nicht die Politik, die seine Gedanken bestimmten, sondern er wollte eine italienische Oper in London herausbringen. Damals hatte das Queen´s Theatre am Haymarket das Monopol auf Opernmusik.


Dort traf er auf das Gespann Aaron Hill und Johann Heidegger. Sie hatten von Händels venetianischem Erfolg gehört und waren begeistert von den Opern-Plänen des Deutschen.

Hill beauftragte Händel so rasch als möglich die Musik zu einer Oper zu schreiben.


Und Hill selbst skizzierte die Handlung für eine neue Oper, damit hatte er die Möglichkeit als gewiefter Dramatiker viele Special-Effects in die Handlung einzubauen. Denn er plante diese Oper mit noch nie dagewesenem Aufwand zu inszenieren, um die italienische Oper mit einem Knall in London zu etablieren.


Händel begann im Dezember mit der Arbeit. Da er innert nur 6 Wochen die Musik komponieren musste, machte er, was damals üblich war: er entnahm viele musikalische Themen von Stücken seiner früheren Werke. Man schätzt, dass er 14 Nummern so rezyklierte. Das Resultat war fantastisch, keine andere Händel Oper sollte so viele Mega-Hits haben wie Rinaldo.


Rinaldo befolgte die Konventionen der klassischen Opera seria: Die Rollenverteilung entsprach den Stereotypen, die Handlung betraf hochgestellte Personen und die Musik basierte auf dem Basso continuo und dem canto fiorito bei dem die Virtuosen ihre Fertigkeiten und Improvisationskünste in den da capo Arien zeigen konnten.


Spektakulär und unerhört war die die glänzende Bühnentechnik des Theaters. Armida erscheint auf einem in der Luft schwebenden Wagen, der von 2 feuerspeienden Drachen gezogen wird.


Mit der nächsten Szene überwältigte Aaron Hill die Zuschauer der Uraufführung: er brachte lebende Spatzen auf die Bühne. Hunderte dieser Exemplare flogen in den Bühnenhimmel und begleiteten die Sängerin mit ihrem Gesang.


Auch bei der Besetzung knauserte Hill nicht. Die ganze Theater-Crew bestand aus Italienern, darunter die damals führenden Kastraten Nicolini as Rinaldo und Valentini als Eustazio


Das Spektakel verfehlte seine Wirkung nicht und Rinaldo wurde zum Stadtgespräch und die Melodien zu Gassenhauern. Der 26-jährige Händel war glücklich.



Temporäre Rückkehr nach Deutschland


Nach Rinaldo hiess es für Händel wieder nach Hannover zurückzukehren. Er erstattete Georg Bericht und dieser schien mit seinem Botschafter zufrieden zu sein. In diesen 6 Monaten musste Händel nicht viel Arbeit verrichten und er vereinbarte mit dem Kurfürsten, seine Tätigkeit in London wieder aufzunehmen.


Händel nutzte diese Zeit um seine Familie in Halle zu besuchen. Erfreulich war, dass er von seiner Schwester zum Paten eines Kindes ernannt wurde, Betrüblich war, dass seine zweite Schwester mittlerweile verstorben war.



Rückkehr nach England – Arkadien in London


Wie schon in Rom begann Händel seine Kontakte zu hoch gestellten Kreise in London nutzbar machen. Der wichtigste Kontakt war der Earl of Burlington, selbst 10 Jahre jünger als Händel. Er hatte von seinem Vater ein immenses Vermögen geerbt. Der frühreife junge Mann war sehr kunstsinnig und scharte als 18-jähriger in seinem Haus regelmässig illustre Persönlichkeiten um sich, die allesamt aus denselben Literatenzirkel stammten.


Händel wohnte 3 Jahre in Burlingtons Palais und lernte dort Schrifsteller wie Alexander Pope, John Gay oder den später mit Gullivers Reise welt-berühmt gewordenen Jonathan Swift kennen.


Die Männerfreunde verbrachten viel gemeinsame Zeit miteinander und der Palais Burlington wurde zu einem Arkadien, bevölkert von kunstsinnigen Männern.

Wieweit die Männerfreundschaften gingen, ist dabei Gegenstand von Spekulationen, aber ohne handfeste Beweise.



Politik II – Händels Drahtseilakt


Durch die ungelöste Thronfolge, den grossen Spannungen zwischen Katholiken und Protestanten und dem langanhaltenden spanischen Erbfolgekrieg war es dem hochintelligenten Händel war klar, dass die politische Lage gewaltige Sprengkraft hatte und seine Mission ihn schnell in gefährliche Fahrtwasser bringen könnte.


Gewiss war Händels politisches und diplomatisches Geschick famos, so wie er im florentinischen und römischen Haifischbecken der Kardinäle in höchsten Kreisen brillieren konnte. Aber er musste auf der Hut sein, denn London spielte mit der 3-fachen Bevölkerungszahl gegenüber Rom in einer anderen Liga.


Händel war auch selbstbewusst genug, sein persönliches Wohl nicht hintanzustellen. Dabei konnte er auf einen interessanten Kontakt zählen. Und zwar befand sich unter dem kleinen Kreis der Arkadier in Burlingtons House der Arzt Arbuthnot.

Dieser war nicht nur Literaturliebhaber sondern auch der Leibarzt der Königin. Damit verfügte Händel über eine exklusive und explosive Quelle zu einem Staatsgeheimnis. Denn dieser wusste um den streng geheim gehaltenen Gesundheitszustand der Königin.


Händel erfuhr, dass die Gesundheit der Königin nach 17 Schwangerschaften am Boden lag und nicht mehr in der Lage war endlich einen Thronfolger zu gebären. Diese Information war für Hannover entscheidend. Vermutlich hat Händel diese geheime Information nach Hannover übermittelt und konnte so beim Kurfürst weitere Punkte sammeln.


In der Zwischenzeit hatte die englische Königin im Endlos-Krieg mit Frankreich mit der Gegenseite einen Friedensvertrag abgeschlossen. Die Verbündeten Englands, darunter Hannover waren gar nicht erbaut und verurteilten diese Akt Englands.

Durch die Kontakte zu der Königin eröffnete sich Händel die lukrative Gelegenheit ein Musikstück für die Feierlichkeiten zu schreiben.


Händel erlaubte sich nun gegenüber Georg eine Kühnheit sondergleichen und schrieb für diesen von Hannover so verhassten Anlass ein Te Deum.

Diesen Affront brachte ihm die Kündigung durch Georg ein. Aber mit diesem in Englischen Text verfassten Stück gewann er die Herzen der Engländer: Te Deum.



Politik III – Georg wird König und Händel bietet ihm die grosse Bühne


Als das TeDeum im Juni 1713 ertönte war Anne schon schwer erkrankt und sie verstarb im August. Damit war Georg der König von England und gleichzeitig Kurfürst von Hannover.

Diese Wendung kam für Händel zu einem gefährlichen Zeitpunkt. Würde der König feindselig reagieren? Doch Händel hatte Glück.

Georg konnte oder wollte sich nicht rächen, denn er brauchte Händel noch. Denn der Aufruhr und das Misstrauen in England war gross gegenüber dem fremden, deutschen Regenten. Georg plante nun sich mit einer wahrhaft königlichen Aktion zu profilieren. Er lud den höchsten Adel auf eine königliche Lustfahrt auf einem Schiff ein und das gewöhnliche Volk an die Ufer der Themse. Die Attraktion sollte dabei ein mitfahrendes Schiff sein, dass bestückt von einem Orchester festliche Musik darbot.


Georg und die Gästen war hingerissen von Händels Wassermusik, und sein Groll gegenüber dem aufmüpfigen Kapellmeister war vergessen.

Kurz später konnte Georg seine innenpolitisches Macht absichern, indem er ein schottisches Heer von Aufständischen besiegen konnte. Händel ging noch einmal zu Burlington nach Arkadien zurück. Viele seiner arkadischen Freunde waren aber auf der politischen Verliererseite, Pope verlor sein Vermögen, Swift musste zurück nach Irland und Gay und Arbuthnot verloren ihre Ämter und nach einiger Zeit löste sich der Zirkel auf.



(Galeeren) Jahre an der Royal Academy of Music


König Georg brauchte nun einen Ort, wo er standesgemäss sich der Öffentlichkeit zeigen konnte und er wählte dafür die Oper. Da er die Kosten dafür nicht allein tragen wollte initialisierte er ein Subskriptionssystem, wo reiche Adlige und Bürger Anteilsscheine kaufen konnten und bei gutem Geschäftsgang sogar eine Rendite erzielen sollten.


Für die Umsetzung und operative Leitung wurden Händel als künstlerischer und Heidegger als kaufmännischer Leiter beauftragt.

Händel war mit 34 Jahren dort wo er sein wollte, er leitete eines der führenden Opernhäuser Europas und konnte für die besten Künstler komponieren.

Zu diesem Zweck begab sich Händel 1719 auf den Kontinent, um die besten Sänger zu engagieren.


Doch das Aufsichtsgremium wollte sich nicht Händel als Komponisten ausliefern und sie beschlossen, dass neben Händel auch die italienischen Komponisten Bononcino und Ariosti regelmässig Stücke schreiben sollten. Bononcino wurde nun zum Rivalen von Händel. Der Streit wurde sogar politisch, indem die oppositionellen Tories Bononcino unterstützten und die regierenden Whigs Händel.


Händel konnte diesen Machtkampf 1722 gewinnen, das bedeutete jedoch, dass die Last auf seinen Schultern blieb. Das Publikum erwartete nun regelmässig Sensationen, Hits, Stars und Skandale. Das alles sollte Händel auch liefern, und die folgenden Jahre sollten nun seine Galeerenjahre werden.


Um das Theater immer wieder zu füllen, brauchte Händel Sängerstars. In den ersten Jahren waren dies die Kastraten und das Opernhaus musste Unsummen aufbringen um die begehrten Sänger zu acquirieren.

Von allen Kastraten schätzte Händel Senesino am meisten. Er kannte ihn bereits von Italien und er vertraute ihm die meisten seiner Uraufführungen an. Es war nicht selten, dass Händel Arien für die Sänger anpasste, und so können wir in der Musik noch immer den Glanz dieser Stimmen erahnen: Rodelinda – Dove sei



Händel engagierte in der Folge auch weibliche Stars. In den ersten Jahren war Francesca Cuzzoni seine Wahl.

Ihre Kunst kann die Sängerin in der sogenannten da Capo Arie demonstrieren, wo die Sänger im da Capo teil, also in der Wiederholungsteil, die Arie nach Gutdünken verzieren und ihre Virtuosität zeigen konnten. 1723 erreicht Händel und das Royal Theatre mit seinem Giulio Cesare den Höhepunkt.


Doch die Engagement der teuren Sänger lasteten schwer auf dem Budget. Zum einzigen Mal konnte die Opernunternehmung dank des Erfolges von Giulio Cesare in diesem Jahr eine Dividende auszahlen. Doch wenige Jahre später musste die Gesellschaft 2 Schläge einstecken, die sie in die Knie zwangen.


Der erste Schlag war der Tod König George I, dem Gründer des Theaters, das einen sofortigen Stopp des Theaterbetriebs erzwang. Der zweite war, dass John Gay, Händels Freund aus den Arkadien Tagen, mit der Beggar´s Opera einen Hit für ein Konkurrenz Theater schrieb. Und das schlimmste: es machte sich über die bombastische Opera seria lustig. Dazu kam, dass es in englisch gegeben wurde und nicht in der ungeliebten und unverständlichen italienischen Sprache.

Das Stück traf den Nerv der Zeit und wurde sagenhafte 62-mal hintereinander aufgeführt. Es zog so die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich und gab dem Unternehmen Händels den Todesstoß, seine Oper Siroe wurde vor einem praktisch leerem Haus gegeben.


Händel gibt nicht auf


Ein Lichtblick war dass der Thronfolger Georg II Händel den Auftrag gab, die Musik zu seiner Krönung zu komponieren: Zadok the Priest.


Die Royal Opera wurde nun abgewickelt. Doch Händel war fest entschlossen zusammen mit Heidegger eine neue Opern-Kompagnie zu starten. Am Schluss bekamen die beiden die gesamte Infrastruktur wie Instrumente, Kostüme, Bühnenmaschinen etc. sogar geschenkt. Und nicht nur das: die Eigentümer finanzierten den beiden ein Startkapital, mit dem Sie auf eigene Rechnung eine neue Opernunternehmung starten konnten.


Nun war Händel nicht mehr nur Angestellter sondern wurde zum Impresario. Händel begab sich wieder nach Italien, um italienische Sänger für die neue Oper zu finden. Doch die A Liga wollte nicht mehr kommen, zu viel Geschirr war in den Vergangenheit zerbrochen worden.

Gedemütigt kam Händel zurück.

Ohne Stars wurde die erste Spielzeit zur Katastrophe. Händel musste nun zu Senesino kriechen. Senesino verlangte kaltblütig eine unverschämte Summe und Händel musste zerknirscht zuzusagen. Er begann nun frenetisch und verzweifelt neue Werke zu komponieren, aber auch mit Senesino blieben die Theater halbleer.

Auf Druck von Freunden begann Händel sein Programm anzupassen, er begann jetzt Oratorien zu komponieren und hatte damit zu seiner Überraschung Erfolg.



Zusammenbruch


Doch dann machte Händel einen Fehler. Er schloss Subskribenten zu der Uraufführung des Oratorium Deborah aus und erntete einen gewaltigen Shitstorm. Dieses Erlebnis führte zu einen gesundheitlichen Zusammenbruch und Lähmunserscheinungen an der rechten Hand. Die Lage war ernst.


Der schwer übergewichtige Händel begab sich nun zu einem Kuraufenthalt ins deutsche Aachen. Er unterzog sich dort mit eisernem Willen einer Rosskur, indem er sich die dreifache Dosis der Kurtätigkeiten auferlegt und nach sechs Wochen verbesserte sich der physische und psychische Zustand Händels drastisch.


Aus Freude und Dankbarkeit überraschte der vor kurzem noch gelähmte Händel die Kirchenbesucher der Abteikirche St. Johann mit einem improvisierten Konzert. Die Nonnen der Kirche sprachen fortan von einer Wunderheilung durch Gott.



Der neue Händel – das Jahrzehnt der Oratorien


Gestärkt kam Händel nach London zurück und überraschte sein Publikum mit dem Oratorium Saulus.


Der Saulus wurde zu einem schönen Erfolg, doch bereits das nächste Oratorium musste er in einem halbleeren Saal präsentieren. Da er nicht sicher war, ob das nächste Projekt, das Oratorium Messiah, seinen Londonern gefallen würde, beschloss er, es in den Osterwochen in Dublin aufzuführen.


Händel ging davon aus, dass das Oratorium als geistliches Werk während der Osterfeiertage nicht unter das allgemeine Theaterverbot fallen würde. Er wollte „Messiah“ in den Musick Halls der Fishamble Street aufführen, er brauchte aber die Sänger der Kathedrale Dublins.

Deren Dekan war Händels alter Bekannter Jonathan Swift. Der gab aber seine Sänger erst frei, als Händel sich bereit erklärte, die Uraufführung von Messiah als Wohltätigkeitsveranstaltung zu zu geben.


So begann die Karriere dieses großen Werkes als sogenanntes Carol. Der Messias wurde zu einem grossartigen Erfolg und wurde 6 mal vor ausverkauftem Haus gegeben.


Händel konnte in London mit seinen Oratorien ein festes Publikum gewinnen. Die Oratorien hatten gegenüber den Opern einen wichtigen Vorteil: er konnte sie viel günstiger produzieren und so konnte Händel bis zu seinem Lebensende mit jedem Werk gutes Geld verdienen.

Mit den vierziger Jahren erlebte England ein unruhiges Jahrzehnt.

Es war geprägt von Bürgerkrieg und dem Krieg mit Spanien. Händel begann nun mit musikalischen Mitteln die englischen Truppen zu unterstützen und so gewann er noch einmal die Herzen der Engländer.

Er erwarb die englische Staatsbürgerschaft und erlebte 1749 einen späten Karrierehöhepunkt: er durfte zur Feier des Kriegsendes von 1749 vor 12.000 Zuschauern seine Feuerwerksmusik aufführen.



Letztes Jahrzehnt


Der wohlhabende Händel war nun im Reinen und er begann sich karitativ einzusetzen. Grösstes Zeichen war sein Engagement für ein grosses Waisenhaus.

1751 begann der 65-jährige teilweise sein Augenlicht zu verlieren. Auch verschiedene Operationen beim Quacksalber und Augenstecher Taylor waren erfolglos. Er erblindete vollständig und es wurde ruhiger um Händel. Gelegentlich komponierte er und improvisierte an Konzerten an der Orgel.


Am Morgen des 14. April 1759 starb Händel im Alter von 74 Jahren in seiner Wohnung in der Brook Street. Mit grossen Ehren wurde er in der Westminster Abbey beigesetzt.


Georg Friedrich Händel - Biografie

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