Giacomo Puccini - Biografie: Seine Orte, seine Musik und sein Leben
- peter
- vor 2 Tagen
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Puccini war der letzte Romantiker der Operngeschichte und wurde zum Schöpfer der grossen Emotionen in der Gestalt von unvergesslichen Frauengestalten wie Butterfly, Mimi oder Tosca. Er zog seine Lebensenergie und seine berufliche Kreativität in hohem Masse aus den grossen Gefühlen der Leidenschaft, die er in seinem realen Leben in den vielen Liebschaften suchte.
Schon zu seinen Lebzeiten konnte er den Ruhm ernten und er dauert bis zum heutigen Tag an.
Wer war Giacomo Puccini und welche Orte und Menschen haben sein Leben geprägt ?
Eine biografische Annäherung an den Jahrhundert Künstler aus Italien.
Doku Giacomo Puccini (Video):
Giacomo Puccini - Biografie
GEBURT UND JUGEND IN LUCCA
Puccini wurde 1858 als sechstes von neun Kindern in eine Musikerfamilie in der Toscana Lucca geboren.
Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in dem Städtchen Lucca
Sein Vater war der angesehene Leiter der Stadtkapelle und Giacomos Grossvater hatte sogar einst bei Giovanni Paisiello studiert.
Sein Vater verstarb früh, und so konnte Puccini seine Stelle als Stadtmusiker nicht übernehmen. Seine erste musikalische Ausbildung erhielt er bei seinem Onkel, der ihn einen Faulpelz ohne Talent nannte. Doch mit 12 Jahren begann sich sein Talent zu zeigen und er konnte mit
Orgelspiel in der Kirche und später mit Klavierspiel in einem Café bereits etwas zum Familien Einkommen beisteuern.
Sein Geburtshaus ist heute ein Puccini gewidmetes Museum. Dort an der Piazza Cittadella lebte er über 20 Jahre mit seinen Eltern und Schwestern. Man findet im Museum viele Gegenstände aus dem Besitz des Komponisten, unter anderem dem Steinway, auf dem er unter anderem «Turandot» komponierte.
STUDIUM IN MAILAND
Als 22 Jähriger verliess er Lucca für seine Ausbildung am Konservatorium in Mailand.
Mailand war das musikalische Zentrum des Nordens und Puccini studierte unter anderem bei Amilcare Ponchielli, dem Schöpfer der bekannten Oper La Gioconda, was dank eines Stipendiums und der Hilfe eines Onkels ermöglicht wurde.
Er verlebte seine Mailänder Jahre in sehr bescheidenen Verhältnissen, denen er mit seiner Oper «La Bohème» ein Denkmal setzte.
Er teilte während längerer Zeit ein Zimmer mit dem später berühmten Pietro Mascagni, dem Komponist der «Cavalleria rusticana» und schloss das Studium als 25 Jähriger ab.
ELVIRA
Nach abgeschlossenem Studium kam Puccini zurück nach Lucca und begann ein Verhältnis mit seiner späteren Ehefrau Elvira, dummerweise war die mit einem Lebensmittelhändler des Dorfes verheiratet. Elvira wurde von Puccini schwanger und sie setzten sich mit ihrer Tochter nach Monza ab, wo ihr Sohn Antonio geboren wurde.
Eine Heirat wurde aber erst 15 Jahre später möglich, als Elviras Ehemann von einem gehörnten Gatten umgebracht worden wurde.
ERSTER ACHTUNGSERFOLG MIT LE VILI IN MAILAND
Um seiner Karriere einen Schub zu verleihen, wollte Puccini unbedingt an dem traditionellen Ein-Akter Wettbewerb des Musik Verlegers Sonzogno teilnehmen, der junge Komponisten für seinen Verlag entdecken und fördern wollte.
Er begann in grosser Eile zu komponieren und gab den Einakter «Le vili» ein, doch sein Werk fand von der Jury keine Erwähnung, geschweige denn eine Aufführung.
Mit der Hilfe von zahlreichen Unterstützern wie Arrigo Boito und Amilchiare Ponchielli wurde Geld für eine Aufführung im Mailänder Teatro dal Verme gesammelt. So befanden sich am Uraufführungstag Musiker des Konservatoriums im Orchester, darunter Mascagni am Kontrabass.
Das Werk wurde sehr positiv aufgenommen und der Verleger Ricordi erwarb die Rechte an diesem Werk. Damit begann die lange Zusammenarbeit mit dem Verlagshaus Ricordi, welches schon Verdi ein Leben lang begleitete.
ARBEIT AN MANON LESCAUT
Puccini war fasziniert von Prévosts Drama Manon Lescaut und dessen Titelheldin
und entschloss sich das Werk zu vertonen. Der Dramatiker
Marco Praga übernahm nach anfänglichem Zögern die Rolle das Werk zu skizzieren und Domenico Oliva lieferte die Verse dazu.
Puccini begann 1890 die Vertonung des Librettos. Er wurde während des Kompositionsprozesses unzufrieden mit der Vorlage. Unter anderem entfernte er eine ganze Szene, worauf Praga seine Mitarbeit aufkündigte.
Ruggiero Leoncavallo, der das Libretto ursprünglich schreiben sollte, übernahm die Aufgabe es zu überarbeiten, gab das Vorhaben wegen Arbeitsüberlastung bald schon auf.
Puccini und Ricordi legten selbst auch noch Hand an,
bis schliesslich Luigi Illica und Giuseppe Giacosa die letzten Anpassungen vor allem in der Lever-Szene des zweiten Aktes und der Appell-Szene des Le Havre Aktes machten.
Dieser Prozess dauerte volle drei Jahre, am Schluss war Praga nicht mehr bereit seinen Namen herzugeben und man einigte sich bei der Uraufführung darauf, das Werk ohne Namensangabe eines Librettisten zu veröffentlichen.
Das kleine Tessiner Dorf Vacallo bei Chiasso hatte 1892 die Ehre zwei Grosse der Opernmusik zu beherbergen. Puccini begab sich zwischen 1886 und 1892 mehrere Male in die Sommerfrische dieses Dorfes und mietete ein Haus um an seiner Manon zu arbeiten
Schräg gegenüber, in Sichtweite befand sich Ruggiero Leoncavallo an der Arbeit im Hotel der heutigen «Osteria del Teatro». Beide hängten Plakate als Zeichen ihrer Präsenz aus dem Fenster, Leoncavallo einen Clown als Zeichen des soeben von Toscanini uraufgeführten «Pagliacci» und
Puccini eine Faust als Zeichen von Manon (Faust = italienisch «Manone»), Leoncavallo schrieb sogar ein paar Verse für «Manon Lescaut».
MANON LESCAUT KATAPULTIERT PUCCINI IN DIE ERSTE GARDE DER KOMPONISTEN
Der 1. Februar 1893 wurde im Turiner zum Triumph des Komponisten.
Im renommierten Teatro Regio der piemontesischen Kapitale dirigierte der
junge Arturo Toscanini die Uraufführung und der ersehnte Erfolg traf ein.
Puccini wurde vom Publikum und der Kritik einmütig in die erste Garde der zeitgenössischen Komponisten aufgenommen.
Interessanterweise machte Puccini mit diesem Werk bereits den Sprung zu seinem Reife-Stil.
Das Orchester ist reich an Farben und er emanzipierte dessen Rolle.
Vom 10 Jahre zuvor verstorbenen Vorbild Wagner übernahmer den Gedanken der der Leitmotive. Diese sind im Orchester hörbar und dieses tritt gleichberechtigt in den Dialog mit den Sängern.
Besonders ohrenfällig ist, dass Puccini die Instrumente oft an den Grenzen ihres Register spielen lässt und dies (wie es auch sein Zeitgenosse Mahler) als Stilmittel nutzte, um die extremen Gefühlzustände der Protagonisten zu schildern. Besonders die Melodien Des Grieux’ werden von den Instrumenten über mehrere Oktaven verdoppelt.
Und mit «Donna, non vidi» mai gelang ihm sein erstes «Pezzo forte» und Mega-Hit.
Das Turiner Teatro Regio ist mit «Manon Lescaut» und später «La Bohème» das Opernhaus mit zwei Uraufführungen von Puccinis Opern. Das auf die Barockzeit zurückgehende Opernhaus
brannte 1936 ab, Kurzschlüsse entzündeten die Kabel, welche die Holzbalken rasch in Flammen aufgehen liessen.
Es dauerte bis 1973 bis ein modernes, wunderschönes Theater erstellt wurde.
Puccini war ein glühender Bewunderer von Wagners Werk, seine Lieblingsoper war «Parsifal», zu dessen Aufführung er 20 Jahre später nach Bayreuth pilgerte.
In keiner seiner Opern war er Wagner näher als in «Manon Lescaut». Puccini machte aus den Anklängen zu Wagner keinen Hehl und zitierte den Tristan-Akkord im 2. Akt mehrmals.
Auch ging er in der Leitmotiv-Technik nie mehr so weit, wie in diesem Werk. Keines seiner späteren Themen sollte mehr so wagnerisch werden wie «Nell’occhio».
Geradezu zum Wagner-Fest wurde das grosse Liebesduett des zweiten Aktes, das dramatisch mit seinem Dreiecksverhältnis, Frau liebt jungen Mann, ist aber schon mit einem älteren Mann verheiratet, ein Pendant zum Tristan bildet.
NACHDOPPELN MIT LA BOHÈME
Möglicherweise ist Puccini von seinem Komponistenkollegen Ruggiero Leoncavallo zum ersten Mal 1893 auf Murgers «Scènes de la vie de bohème» aufmerksam gemacht worden. Als Puccini ihm ein paar Monate später beiläufig erzählte, dass er an der Vertonung der «Bohème» sei, erboste dieser sich heftig durch die Konkurrenz, die ihm erwuchs.
Bald darauf konnte man in den Zeitungen über die Rivalität der beiden Komponisten lesen, hinter der auch die zwei konkurrierenden Verleger Ricordi und Sonzogno steckten.
Am Schluss gewann Puccini mit 2:0 gegen seinen Kollegen, weil er erstens das erfolgreichere Werk schrieb und zweitens es ein Jahr früher herausbrachte.
Die «Bohème» wurde anlässlich ihrer Uraufführung in Turin nur lauwarm empfangen.
Das proletarische Milieu wurde als zu gewöhnlich empfunden und die Musik als ungewöhnlich.
Doch nach 6 Monate konnte sich das Werk bereits durchsetzen. Puccini schaffte bereits mit diesem Folgeprojekt der «Manon Lescaut» was anderen Komponisten wie Mascagni, Leoncavallo oder Cilea nie gelang: den Geniestreich der Jugend mit einer zweiten Erfolgsoper zu bestätigen. Er kopierte aber nicht sein letztes Werk, sondern Puccini erfand für jedes Werk eine neue Sprache.
Vergleicht man die «Bohème» mit den Werken vorher, also Manon Lescaut, und danach also Tosca, erstaunt die zeitliche Nachbarschaft. Während Puccinis Musik nie wagnerischer war wie in «Manon Lescaut», nie veristischer war wie in «Tosca», so war sie nie so spätromantisch wie in «La Bohème».
Puccini gab jeder seiner Oper ein eigenes, charakteristische Klangbild, genauso wie es Verdi mit seiner «Tinta musicale» machte. Die «Bohème» hat den Konversationston einer durchkomponierten Oper, gestützt durch eine große Anzahl von Erinnerungsmotiven, die in den Szenen eingewoben sind.
Puccini war dabei ein genauer Beobachter und gab selbst Dingen wie dem Häubchen oder dem Muff ein eigenes Motiv. Das zweite Element der spezifischen Tinta der «Bohème» ist die «atmosphärische» Musik, welche die Schauplätze der Handlung charakteristisch beschreibt und teilweise sogar im Rang von «Tondichtungen» stehen.
Als besonders gelungene Beispiele dürfen dafür die beiden Aktanfänge des zweiten Aktes (Straßen-Szene) und des dritten Aktes (Barrière d’enfer) angeführt werden. Puccinis orchestrale Sprache ist meisterhaft, und Verdi sprach anerkennend von der orchestralen Sprachkraft Puccinis. Das Zeichnen von Szenen und Details brachte Puccini das (ungerechte) Urteil Tucholskys ein, «der Verdi des kleinen Mannes» zu sein.
VERBUNDENHEIT MIT SEINER HEIMAT
Puccini blieb seiner Heimat Zeit seines Lebens verbunden. Er konnte das elterliche Haus mit dem Geld seiner ersten Erfolgsoper «Manon Lescaut» wieder zurückkaufen und es gehört heute noch seinen Nachfahren, die darin ein Museum einrichteten.
Dazu kaufte Puccini mit den Einkünften der Bohème am Lago di Massaciuccoli ein Grundstück in Torre di Lago. Dort konnte er seinen Leidenschaften dem Automobil und der Jagd nachgehen.
Mit den Einkünften der «Bohème» kaufte er sich den Turm, renovierte ihn und baute das Anwesen zu einer stattlichen Residenz aus.
Er komponierte in dieser Jugendstilvilla viele seiner Opern (Tosca, Il Trittico, La Rondine und Fanciulla del West).
Er pflegte den Kontakt mit einheimischen Künstlern und Fischern, die sich als «Bohème-Club» regelmässig trafen.
Er genoss Autos, Schnellboote und ging seinem Hobby, der Jagd nach Wildtieren wie Schnepfen nach.
Das heute als Museum eingerichtete Haus ist inspirierend, Musik klingt durch die Räume und es ist authentisch eingerichtet, ein lohnenswertes Besuchs-Ziel, nicht zuletzt befindet sich in der Kapelle auch das Grab des Meisters.
Jährlich findet am Lago das Puccini Festival in den Monaten Juli und August statt. Es werden mehrere Opern Puccinis auf einer grossen Freiluftbühne gegeben.
TOSCA IN ROM
Für sein neuestes Werk wählte Puccini Rom als Premieren Ort aus.
Die Uraufführung war dannzumal in Rom ein riesiges Ereignis und wurde gar von der Königin Margaretha (ja, die mit der Pizza) besucht.
Im Vorfeld war die Stimmung feindselig, Einerseits weil die Römer beleidigt waren, da Puccini mit den Künstlern der Scala eine Invasion der Mailänder unternahm und andererseits weil die päpstliche Kirche gegen den kirchenfeindlichen Grundton des Werks agierte.
Dabei hatte Puccini sich viel Mühe gegeben, die römischen Originalschauplätze (mit Hilfe der berühmten Skizzen Hohensteins) im Stile des Verismo so authentisch wie möglich zu gestalten. Darüber hinaus versuchte er die Glockentöne des nahen Petersdoms zu imitieren und beauftragte einen römischen Schriftsteller die Zeilen des Hirtenjungen in originalen römischen Dialekt zu dichten.
Die Römer liessen sich aber nicht besänftigen und eine Bombendrohung drohte die Aufführung in letzter Minute platzen zu lassen, das Stück wurde dann aber gegeben.
Unter der Prominenz befand sich unter anderem Siegfried Wagner, der das Werk lobte, was für den Wagner Anhänger Puccini ein Ritterschlag war.
Der Erfolg der Uraufführung war jedoch mäßig, zu ungewohnt war die Brutalität (Kritiker meinten «Banalität») der Musik, gar von einer «Folteroper» war die Rede.
Tatsächlich gehört die «Tosca» zu den blutrünstigsten Opern des Repertoires. Es passieren zwei Selbstmorde und eine Erschießung.
Hinzukommt, dass die Hauptdarstellerin einen Mord verübt. So bleibt am Schluss der Oper kein Hauptdarsteller am Leben. Als ob dem nicht genug wäre, präsentiert Puccini dem Zuseher im zweiten Akt auch noch eine Folterszene auf der Bühne.
Nach der lauwarmen Aufnahme fand kurz darauf die Erstaufführung in der Mailänder Scala unter der Leitung von Arturo Toscanini statt, die zu einem großen Erfolg wurde und dem Werk seinen ruhmreichen Weg ebnen sollte.
Die Zusammenarbeit mit Giacosa und Illica
Illica und Giacosa waren die wichtigsten Librettisten Puccinis. Sie schrieben die Libretti der «Bohème», der «Tosca» und der «Butterfly».
Während der jüngere Luigi Illica, links im Bild für die Handlung und Dramatik zuständig war, schrieb der ältere Giuseppe Giacosa die Verse.
Das Verhältnis der beiden zu Puccini war stets angespannt. Puccini war nie zufrieden und sie trafen sich oft zu dritt in endlosen Gesprächen. Die Entwicklung des Librettos zog sich oft über Jahre hin. Endlose Diskussionen, jahrelanges hin und her und einsame Entscheidungen Puccinis belasteten die Zusammenarbeit.
Nach der Bohème schrie Illica sogar an Ricordi, dass er nie mehr mit Puccini zusammenarbeiten werde, was glücklicherweise nicht eintraf.
SCHWERER AUTOUNFALL
Puccini liebte schnelle Autos. Im Jahr
1903 hatte er während den Arbeiten zu «Madama Butterfly» einen Autounfall,
dessen Folgen ihn während mehreren Monaten behinderten.
BITTERES FIASKO MIT MADAMA BUTTERFLY IN MAILAND
Und wieder erfindet Puccini sich mit der «Butterfly» neu. Puccini war selbst nie in Japan, bemühte sich trotzdem um Authentizität. Die japanische Botschafterin in Rom half ihm bei der Beschaffung von Noten populärer japanischer Melodien, und sie spielte ihm persönlich auf ihrem Koto (einem Saiteninstrument) japanische Musik vor, die Puccini nach Gehör notierte.
So zitiert Puccini in der «Butterfly» immer wieder Themen und Motive im exotischen Stil. Analysen zeigten, dass er circa ein Dutzend traditioneller japanischer Melodien als Motive oder Motivteile verwendete und sie leitmotivisch einsetzte.
Die Butterfly war die Figur, die ihm am meisten am Herzen lag. Die Figur der Butterfly macht in dieser Oper eine gewaltige Entwicklung durch. Von der Geisha zur Verstoßenen und Geliebten, dann zur Mutter und einsamen Frau bis zur Selbstmörderin. Keine der Heroinen der Puccini Opern kann mit Butterfly mithalten. Kein Wunder gehört Butterfly zu den begehrtesten Sopran-Rollen der gesamten Opernliteratur.
Musikalischer Exkurs: das Fiasko der Uraufführung der «Butterfly» in Mailand
Puccini nannte den dritten Akt zeitlebens «den zweiten Teil des zweiten Aktes». Der Grund lag darin, dass die Uraufführung im Februar 1904 an der Scala ein Fiasko war. Warum, ist bis heute nicht hundertprozentig klar. Als Hauptgründe werden immer wieder die ungewohnten Harmonien der Musik genannt, die (zu) große Länge des zweiten Aktes und wahrscheinlich wollte eine Claque der Neider Puccini schaden. Der Misserfolg war beschämend. Puccini, der einen sicheren Erfolg erwartete, stand unter Schock und hatte diesen Misserfolg nie überwunden.
Für Puccini war «Madama Butterfly» die «seelenvollste, ausdruckreichste Oper, die er geschrieben habe».
PUCCINIS AFFÄREN
Puccini hatte zeit seines Lebens viele Affären. Puccini brauchte sie als Lebenselixier, sie schufen für ihn «die grossen Gefühle», die er auch in der Oper auszudrücken versuchte.
Seine Frau Elvira beargwöhnte seine Liebschaften und sie waren stets Quelle des Streits zwischen den beiden.
Eine Handvoll Frauen begleiteten seinen Weg über eine längere Zeit, vermutlich ein weiteres Dutzend waren Gelegenheits-Liebschaften. Puccinis Beuterevier war breit, er bandelte mit berühmten Sängerinnen an (Maria Jeritza, Emmily Destinn), mit intellektuellen Frauen (z.B Sybil Seligmann) und einfachen Dienstmädchen.
In Torre di lago beispielsweise verguckte er sich in eine Nachbarin. Weil Elvira krankhaft eifersüchtig war, engagierte er Schüler, die für ihn nachts Klavier spielten, um Elvira in Sicherheit zu wiegen, während Puccini durchs Fenster zu der Nachbarin eilte.
Weitere Liebhaberinnen folgten.
Elvira verdächtigte ihre Haushälterin Doria und verfolgte sie mit Verleumdungen und Hasstiraden. Die verzweifelte Doria wusste sich nicht zu helfen, vergiftete sich und erlitt einen qualvollen Tod.
Doch Elvira lag falsch, Puccini hatte tatsächlich ein Verhältnis, aber mit Dorias Schwester. Erst nach Puccinis Tod ist herausgekommen, dass Puccini von dieser Frau einen weiteren Sohn hatte (der seltsamerweise ebenfalls Antonio, wie sein Erstgeborener hiess).
NEW YORKER AUFENTHALTE
1909 schüttelte die Doria-Manfredi-Affäre die Puccinis durch. Dieser Skandal wurde in der Presse breitgeschlagen und belastete Puccini zutiefst. Es war für ihn Grund genug, sein künstlerisches Glück ausserhalb Italiens zu suchen.
Ab 1907 war New York in sein Blickfeld gerückt.
Drei Italiener waren dort an der Met tätig. Giulio Gatti-Casazza hatte als Direktor der Scala an die Met gewechselt und Toscanini nach New York geholt:
Zudem sang mit Enrico Caruso ein weiterer Italiener an der Met, den er aus Italien kannte und mit dem er viel Zeit in Proben aber auch Privat verbrachte.
Nach den Inszenierung von «Manon Lescaut» und «Butterfly» erfolgte 1910 mit der «Fanciulla del West» die erste Uraufführung einer Oper in der New York Metropolitan Opera überhaupt. Die Produktion der «amerikanischen» Oper war ein publizistischer und gesellschaftlicher Anlass erster Güte der Met, die sich in der Ära ihrer goldenen Jahren befand.
Für Puccini waren die New Yorker Aufenthalte auch die Gelegenheit mit seinen Sängerinnen amouröse Abenteuer anzubandeln, mit Maria Jeritza und Emily Destinn sind sie verbürgt. Letztere war die Minnie der Uraufführung.
Der vielleicht grösste Star, Geraldine Farrar, war für ihn tabu, da sie mit Toscanini ein Verhältnis hatte.
Die «Fanciulla del West» wurde mit ungeheuren Ovationen empfangen, auch wenn die Musik danach nie die Popularität seiner Vorgänger Opern erreichen konnte.
1918 erfolgte die zweite Uraufführung einer Puccini-Oper in New York. Die Uraufführung des «Trittico» in der Met musste allerdings ohne Puccini stattfinden, da eine Überfahrt so kurz nach dem Weltkrieg wegen den Wasserminen zu riskant erschien.
DIE UNVOLLENDETE TURANDOT UND DER TOD PUCCINIS
Puccini wusste, dass Turandot sein letztes Opernprojekt war, seine Gesundheit hatte sich verschlechtert.
1921 verliess Puccini schweren Herzens Torre del lago, weil in der Nähe eine riesige Industrieanlage im Bau war. Er zog ins nahe Viareggio.
Der Kompositionsprozess der Oper «Turandot» war allerding nicht geradlinig. Er dauerte über drei Jahre und Puccini schwankte zwischen Depression und Euphorie. Mehr als einmal schrieb er seinem Verleger Ricordi, dass er aufhören wolle.
Besonders wie die Wandlung der Turandot von einer kaltherzigen Person zu einer liebenden Frau zu lösen sei, belastete Puccini und ließ ihn in wiederholte Kompositionskrisen stürzen.
Turandot ist nicht die gefühlvolle Frau, die opferbereit stirbt wie Manon, Butterfly oder Tosca. Wie weit weg ist sie gar von Mimi! Turandot ist gefühlskalt und überlegt. Es kostete Puccini viel Energie sich in diese Rolle hineinzufühlen. Gut möglich, dass dies einer der Hauptgründe war, dass es Puccini nicht gelang die Oper fertig zu schreiben.
Puccinis Emotionen gehören Liù, der kleinen Frau, dem Underdog der Handlung. Puccini schenkte ihr die schönsten Themen, nicht Turandot, drei der sechs Arien dieses Werks ertönen aus Liùs Mund. Möglicherweise hat er diese Tragödie des Selbstmord Doria Manfredi mit Liùs herzzerreissenden Opfertod in der «Oper «Turandot» verarbeitet.
Es ist kein Zufall, dass Puccini an der Stelle gestorben ist, an der auch Liù sich von der Erde verabschiedet. War es wieder der Geist der Doria Manfredi, den ihm aus dem Jenseits heimsuchte?
Das Ende
Bereits tödlich erkrankt, konnte Puccini die Oper nicht mehr vollenden. Er begab sich am 24. November 1924 nach Brüssel zu einer riskanten Operation seines Kehlkopfkrebs, den Puccini war ein starker Raucher.
Noch galt es das schwierige Schlussduett in Angriff nehmen und er schrieb auf die Skizzen dieses Duetts: «Poi Tristano». Fünf Tage später verstarb er.
Auf Beschluss seines Verlegers Ricordi, Puccinis Familie und Arturo Toscaninis wurde der Komponist Franco Alfano mit der Fertigstellung des Werkes beauftragt.
Die Basis dazu bildeten viele vorhandene Skizzen. Es gab zwischen Alfano und Toscanini aber einige Streitereien, da Alfanos Musik nach Toscaninis Ansicht nicht dem Willen Puccinis entsprach insbesondere, da der Schluss zu bombastisch wurde.
Die Uraufführung fand 1 1/2 Jahre nach dem Tode Puccinis in Mailand statt. Arturo Toscanini, der Dirigent der Uraufführung, brach nach Liùs Todesmusik die Uraufführung im dritten Akt mit den Worten ab «Hier endet das Wort des Meisters». Der Vorhang schloss sich. Zuerst breitete sich Stille aus, bis das Publikum in eine nicht enden wollende Ovation für den verstorbenen Meister ausbrach.
Giacomo Puccini - Biografie




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