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Gioacchino Rossini - Biografie: Seine Orte, seine Musik und sein Leben

  • peter
  • vor 23 Stunden
  • 11 Min. Lesezeit
Biografie Johann Sebastian Bach

Die italienische Oper stand am Ende des 18. Jahrhunderts in einer Sackgasse.

Die Opera seria hatte sich totgelaufen, die Kastraten waren aus der Mode gekommen,

und die volkstümliche Opera buffa hatte nicht die Substanz für eine Weiterentwicklung.


Es brauchte das Genie eines Mannes, die Italienische Oper wie Phönix aus der Asche auferstehen zu lassen.

Gioacchino Rossini gelang es auf dem Fundament des Belcanto, die italienische Oper zu modernisieren und zusammen mit Donizetti und Bellini den Belcanto zu seinem goldenen Zeitalter zu führen. Doch im jungen Alter von 37 schrieb er seine letzte Oper.


Wer war Gioacchino Rossini und welche Orte und Menschen prägten ihn. Eine biografische Annäherung an den Jahrhundert Künstler aus Italien.


 



Doku Gioacchino Rossini (Video):

 


Gioacchino Rossini - Biografie




GEBURT UND JUGEND IN PESARO

Rossini ist einer der wenigen Menschen, die an einem 29. Februar zur Welt gekommen sind.

Er war das einzige Kind zweier Musiker Geboren im Jahr 1792 in Pesaro, inmitten der unruhigen Zeit der französischen Revolution. Er verbrachte an diesem mittelitalienischen Ort seine ersten 8 Jahre.

1800 verliess er mit seinen Eltern seine Geburtstadt und sollte 18 Jahre später als bereits berühmter, 26-jähriger Mann für einen Besuch zurückkommen, um das Teatro einzuweihen, das seinen Namen trägt.


Sein Geburtshaus lässt sich noch besichtigen. Es ist heute ein kleines Museum auf vier Stockwerken. Noch immer lassen gewisse Dinge die Atmosphäre des späten 18. Jahrhunderts aufspüren, die kleine Küche des Hauses beispielsweise ist eindrücklich.



MIT 10 JAHREN IN LUGO – GIOACHINO KOMPONIERT ERSTE WERKE


Rossini kam dann als 10-jähriger für zwei Jahre nach Lugo, in das Geburts-Städtchen seines Vaters. Er lernte Horn und Cembalo zu spielen. Er hatte eine schöne Sopran Stimme und sein Onkel wollte ihn als Kastraten bestimmen. Gioacchino war seiner Mutter ein Leben lang dankbar, dass sie ihren Sohn vor der Operation verschonte.

Gioacchino war hoch talentiert. Er studierte in der Bibliothek eines Bekannten fleissig Mozart und Haydn und schrieb in Lugo mit 12 Jahren mit einigen Streichquartetten seine ersten Werke.



STUDIUM AM KONSERVATORIUM BOLOGNA


Rossini war 12 Jahre alt als seine Familie nach Bologna kam. Der Umzug war nicht freiwillig. Sein Vater war ein Anhänger der Revolution. Er kam hierher, um dem päpstlichen Kirchenstaat zu entgehen und ihrem einzigen Kind eine gute musikalische Ausbildung zu ermöglichen.

Gioachino begann denn auch in Bologna das Studium der Musik, in dieser Institution, das heute noch als Conservatorio einen hervorragenden Ruf besitzt.



GALEERENJAHRE


Mit 18 Jahren beschloss Rossini sein Lebensunterhalt als Musiker zu verdienen. Die nächsten 10 Jahre sollten seine Galeerenjahre werden, in denen er über 30 Werke für über ein Dutzend verschiedene Theater schrieb.

Mailand spielte dabei mit sechs Uraufführungen eine besonders wichtige Rolle. Unter anderem die „Gazza ladra“ und „il turco in Italia“. Zwar stand die Mailänder Scala noch im Schatten der prestigereichen Theater von Wien, Neapel und Paris, doch am wichtigsten war, dass er dort Domenico Barbaja kennen lernte


Dieser leitete in der Scala das “Unterhaltungszentrum”. Die Scala der Zeit Rossinis muss man sich etwas anders vorstellen, als wir es heutzutage gewohnt sind.

Zwar war die Musik gewiss wichtig, aber der gesellschaftliche Aspekt eines Besuchs war mindestens ebenso wichtig.


So gehörten zum Theatro alla Scala auch ein Café, eine Konditorei, eine Küche und Spielräume eines Casinos. Für letzteres war der findige Domenico Barbaja zuständig.


Denn mit der Machtübernahme der Franzosen in den napoleonischen Jahren war das Glücksspiel legalisiert worden und der geschäftstüchtige Barbaja machte die Scala zu einem Unterhaltungszentrum mit Musik, Gastronomie und Glückspiel.



FRÜHER KÜNSTLERISCHER DURCHBRUCH IN VENEDIG


Neben Mailand spielte auch Venedig eine wichtige Rolle. Die Lagunenstadt war für Rossini das Tor für seine Karriere. Er kam als 18-jähriger in Venedig an, und schrieb für das kleinere Theater verschiedene komödiantische Einakter .

Mit den Auftragswerken für das venezianische Teatro San Moisè entwickelte sich der noch nicht zwanzig jährige Rossini in atemberaubenden Tempo zu einem der führenden Opernkomponisten.


In diesem renommierten Theater, für das schon Vivaldi geschrieben hatte, schrieb er in kurzer Zeit mehrere Einakter.


Das Theater an zentraler Lage wurde schon 1820 umgenutzt und heute erinnert noch eine Gedenktafel im hübschen kleinen Platz an die Anfänge der Karriere von Gioachino Rossini.

Bereits das erste Auftragswerk «La cambiale di matrimonio», dessen Libretto ein Freund der Familie dem 18-jährigen vermittelt hatte, war ein Erfolg.


Anekdotische Berühmtheit erlangte die Ouvertüre des Einakters «Il signor Bruschino», bei dem die zweiten Violinen mit ihren Bögen mehrmals rhythmisch auf ihren Notenständer klopfen müssen, was einen reizenden Effekt ergibt (siehe weiter unten). Die distinguierten Herren an den Notenpulten waren sich aber zu schade für diesen Effekt des 18-jährigen Schnösels und weigerten sich die Klopfgeräusche auszuüben, was einen erheblichen Aufruhr auslöste.


Nun bekam er mit 21 Jahren einen Auftrag des grossen Teatro alla Fenice und es gelang ihm der endgültige Durchbruch mit dem “Tancredi”.


Es war aber die Oper Oper L’italiana in Algeri machte den 21-jährigen Rossinis zum führenden Opernkomponisten Italiens.

Ihre Musik war neuartig, hinreissend und der Schluss des ersten Aktes darf als Erfindung der Slapstick Komödie schlechthin gelten.


Diese Finali mit Tempoerhöhung, Lautstärke Steigerung und virtuoser Stimmenführung wurden berühmt unter dem Namen Rossini Crescendi,


Nun verliess er die Lagunenstadt Richtung Neapel.



ROSSINI FÜHRT DAS TEATRO SAN CARLO ZUSAMMEN MIT BARBAJA ZUM ERFOLG


Im Alter von 21 Jahren hatte sich Rossini in Norditalien mit “Tancredi” und “Italiana in Algeri” einen formidablen Ruf erworben.

Der legendäre Impresario Barbaja, war mittlerweile der Impresario des neapolitanischen Opernhauses San Carlo und des Teatro Fondo,


Weil in Neapel durch die blutige Restauration die Bourbonen mit dem Opernbegeisterten König Ferdinand an die Macht kamen und sie das Glückspielverbot aufhoben, nutzte der clevere Impresario Barbaja die Gelegenheit, das Teatro San Carlo zur grössten Spielhölle Neapels zu machen.


Er holte Rossini aus Venedig und machte ihn zum Hauptkomponisten und künstlerischen Leiter des Teatro San Carlo und des kleineren Teatro Fondo (dem heutigen «Mercadante»).


Unglaublich, mit nur 21-Jahren wurde Rossini die Theaterleitung des vielleicht prestigeträchtigsten Theaters in Italien angeboten!.


Während nun Rossini und die Stars mit ihren horrenden Honoraren für volle Häuser und viele reiche Besucher sorgten, verdiente sich Barbaja mit den Gästen an den Spieltischen eine goldene Nase, insbesondere das neu aus Paris importierte Roulette begeisterte tout Neapel.

So muss man sich das Teatro San Carlo des Jahres 1815 als Spielhölle und Restaurant mit angegliederte Theater mit 2’000 Plätzen vorstellen. F

ür das Publikum war die Oper nicht ein Tempel der musikalischen Andacht, sondern ein geschäftiger, sozialer Ort.


1816, ein Jahr nach der Ankunft Rossinis brannte das San Carlo ab und der geniale Barbaja schaffte es, das Theater innerhalb von 12 Monaten im schönsten Glanz wiederaufzubauen.

Für Rossini bedeutete es die Gelegenheit, regelmäßig Werke für ein Starensemble zu schreiben, dessen Superstar die “Primadonna Assoluta” Isabel Colbran war, und sie gleichzeitig Barbajas Geliebte, also seine Vorgesetzten.


Rossini nahm so das Job Angebot an und schrieb in der Folge 9 Opern für Neapel und nahm Isabel Colbran als seine Geliebte, Barbaja scheint das nicht gestört zu haben.


Seine erste Oper im San Carlo war Elisabeth, Königin von England. In den Hauptrollen die grössten Stars ihrer Zeit: Isabelle Colbran und Manuel Garcia.

Rossini arbeitete wie ein Verrückter, schrieb nebenbei für andere Theater und führt das Teatro San Carlo zu seinen ersten goldenen Jahren des 19. Jahrhunderts.


1822 verlässt er Neapel und heiratet Isabelle Colbran in Bologna.


ROSSINI WIRD IN ROM MIT DEM BARBIERE UND DER CENERENTOLA ZUM STAR KOMPONISTEN


Was nun passierte war atemberaubend. Er hatte vom römischen Teatro Argentina den Auftrag für eine Oper erhielt. Er nahm ihn an und schrieb 23-jährig innert weniger Wochen den Barbiere di Siviglia, eines der größten und wegweisendsten Opernwerken.


Die Uraufführung war chaotisch und fiel durch. Zum Misserfolg mag beigetragen haben, dass Paisiellos Vorgängerwerk sehr bekannt und respektiert war, und das Publikum mit dem neuartigen Rossini’schen Musik Hurrikan überfordert war.


Eine der größten Erfindungen Rossinis, die er zum ersten Mal in «Italiana in Algeri» und dann im «Barbiere di Siviglia» einsetzte ist das sogenannte Rossini-Crescendo. Eine dieser Stellen im «Barbiere» ist Basilios Arie «La calumnia è un venticello».

Der Text der Arie tönt wie die Definition eines Rossini-Crescendo: es beginnt mit einem Lüftchen und steigert sich nach und nach in einen musikalischen Orkan, bis es mit dem Schuss einer Kanone endet.


Dazu kamen groteske Ereignisse auf der Bühne. Unter anderem stolperte einer der Sänger über eine Falltür und fiel auf sein Gesicht. Während des Finales erschien plötzlich eine Katze auf der Bühne.

Nachdem sie hinausgejagt worden war, kam sie noch einmal und sprang einem Sänger auf die Arme. Das Publikum begann zu Miauen und spornte das Tier an.

Die Uraufführung wurde zum Fiasko, aber schon bei der dritten Aufführung wurde Rossini gefeiert und die Uraufführung des «Barbiere di Siviglia » im Teatro Argentina wurde zum Mythos verklärt.


Ein Jahr später kommt Rossini mit einem weiteren Auftrags-Werk nach Rom, diesmal ins Teatro della Valle. Es ist die «Cenerentola» und seine bisher schwierigste Oper.

Der Tenor ist nervös wegen der virtuosen Arien mit den hohen C’s, der Bariton fürchtet Rossinis Erfindung des Presto-Sillabato (des Schnell-Sprech-Gesangs) und die Hauptdarstellerin muss im Schlussstück «Non più mesta» ein Feuerwerk an Verzierungen, Tonketten und Sprüngen bewältigen, das atemberaubend ist. Dieses Stück gehört zum Anforderungsreichsten was für einen Koloratursopran geschrieben worden ist.

Und die Uraufführung? Die Geschichte wiederholt sich, die Uraufführung wurde zwar zum Misserfolg, doch schon bald liegen die Römer Rossini zu Füssen.



ROSSINI-TAUMEL IN WIEN


Rossinis Werke verbreiteten sich in Windeseile. Er besuchte 1822 Wien und löste in der Kaiserstadt einen riesigen «Rossini-Taumel» aus.


Schubert schrieb zwei Ouvertüren und selbst Beethoven komponierten einen kleinen Kanon zu Ehren des Italieners. Innert weniger Wochen wurden 8 verschiedene Opern Rossinis in rund 60 Aufführungen vornehmlich im Theater am Kärtnertor gegeben, zu dessen Leiter kurz zuvor der Italiener Barbaja nominiert wurde.


Bei diesem Besuch Rossinis in Wien kam es auch zum legendären Zusammentreffen mit Beethoven, wo der Deutsche ihm angeblich zum Barbiere gratuliert haben soll, ihm aber riet bei den Komödien zu bleiben.



HEIRAT MIT ISABELLE COLBRAN IN BOLOGNA


Kurz darauf heiratete er die berühmte Mezzosopranistin Isabel Colbran im kleinen Kreis in dieser wunderschönen Barockkirche in der Nähe Bolognas.


Rossinis Schwiegervater Colbran hatte außerhalb von Bologna in Castenaso ein Grundstück mit herrschaftlichem Haus erworben, welches lange Zeit der Zweitwohnsitz von Rossini und Colbran bildete. Er komponierte dort unter anderem Teile von Guglielmo Tell und Semiramide. Leider ist das Anwesen im zweiten Weltkrieg abgebrannt und heute erinnert nur noch ein Brunnen an diesen Ort.



BESUCH IN ENGLAND


Der mittlerweile 31-jährige Rossini wurde eingeladen nach England zu kommen und für London eine Oper zu schreiben. Seine Frau, die alternde Primadonna Isabelle Colbran sollte singen. Der Besuch der beiden im Jahr 1823 blieb aber künstlerisch unergiebig, Rossini löste seine Pflichten nicht ein und Colbran enttäuschte mit ihren Darbietungen, die Stimme war schon im Niedergang begriffen.


Rossini nutzte die Zeit zu einem Abstecher nach Brighton, wo er den König im spektakulären Pavillon traf.

Der Höhepunkt der Reise nach England war die Einladung des kunstsinnigen George IV, ihn in seinem eben erste erbauten gigantischen orientalischen Lustpavillon im Seebad Brighton zu besuchen.

Im spektakulären grossen Musiksaal mit seiner chinesischen Ausstattung sang Rossini unter anderem den Figaro und der König stimmte vor versammeltem Publikum ein.


Nichtsdestotrotz war der Adel verrückt auf Rossini. Die Damen und Herren der gehobenen englischen Gesellschaft waren bereit für Gesangsstunden, kleine Darbietungen etc. jeden erdenklichen Preis zu zahlen und das frisch gebackene Ehepaar Rossini konnte in England so richtig Kasse machen. Nach 5 Monaten war der Spuk zu Ende und Rossini kam nie mehr zurück nach England.



ROSSINI ZIEHT NACH PARIS


Der 32-jährige Rossini trat 1824 die Stelle als Leiter des Théâtre lyrique in Paris an.

Er schrieb in den nächsten 5 Jahren 3 Opern für Paris, darunter 1829 den «Guillaume Tell», welcher seine letzte Oper blieb und als eine der ersten grossen Opern der grand opéra gilt.


Wieso er nach Wilhelm Tell nicht mehr komponierte, bleibt bis zum heutigen Tag im Dunklen. Wahrscheinlich war es seine angegriffene Gesundheit, die ihn an Depressionen leiden liess, denn (er litt an fortschreitender Gonorrhöe. Oder war es kreative Erschöpfung nach Jahren exzessiver Produktivität, oder glaubte er, dass seine Musik nicht mehr in die Zeit passte?



TRENNUNG VON ISABELLE COLBRAN UND ABSCHIED VON BOLOGNA


Colbran war mit Rossini nach Paris gekommen. Nach dem Ende ihrer Sängerkarriere wurde Colbran jedoch unstet und verfiel der Spielsucht.


1829 brachte Rossini seine Frau zurück nach Bologna, wo sie fortan bei den Eltern Rossinis leben sollte. In Briefen beschwerte sich Rossinis Vater mehrmals bei seinem Sohn, der in Paris lebte, über das divenhafte Verhalten Isabelles, aber Gioachino hatte sich bereits von ihr entfremdet und trennte sich von der 7 Jahren älteren Colbran. Er sah sie nur noch sehr sporadisch. 1845 starb sie und fand in Bologna im monumentalen Friedhof Certosa ihre Ruhestätte.

Rossini verbrachte immer wieder Zeit in Bologna, da er 1836 eine ein Amt in Bologna übernommen hatte, das ihn gelegentlich zurückbrachte. Der Höhepunkt war die Aufführung seines Stabat Mater, im grossartigen Archiginnasio. Diese denkwürdige Aufführung wurde von niemanden geringeren als Gaetano Donizetti dirigiert.


Doch nach dem Tode von Colbran verließ Rossini Bologna endgültig, diesmal im Zorn. Ihm wurde von einigen Leuten vorgeworfen, das Risorgimento nicht zu unterstützen, was ihn in Rage brachte.



EIN MUSIKALISCHES ERDBEBEN IN LUCCA


Am Abend des 17. September 1831 ereignete sich am Teatro del Giglio in Lucca ein Erdbeben in der Opernkunst. Der französische Tenor Gilbert Duprez singt in Rossinis Wilhelm Tell das erste C aus der Brust, dem sogenannten «Ut en poitrine». Bisher war es die Norm, diese Spitzentöne aus dem Falsett zu singen.

Als Rossini diesen Laut zum ersten Mal hörte, soll er abgestoßen gewesen sein und meinte «es töne wie der Schrei eines Kapauns, dem die Kehle durchgeschnitten wird».


In der Karikatur erkennt man Duprez’ aufgeblähten Brustkorb und die aufgerissenen Augen beim Singen des hohen C’s.



SALONIST UND FEINSCHMECKER IN PARIS – BEZIEHUNG MIT OLYMPE PÉLISSIER


Nach dem «Tell» stand Rossini zwar mit der Grand Opéra in Verhandlung. Im Raum stand ein Vertrag über 10 Jahren, in deren Zeitspanne Rossini 4 Werke abliefern sollte und als Gegenleistung eine beträchtliche lebenslange Rente bekommen sollte. Doch aufgrund einer finanziellen Krise des Staatshaushalts, ausgelöst durch die Julirevolution, zerstoben sich diese Pläne nach einem längeren Rechtsstreit.


Rossini pendelte in der Folge zwischen Paris und Bologna, und lernte 1832 in Paris die sieben Jahre jüngere Olympe Pélissier kennen, eine altgediente Salon-Kurtisane. Sie musste schon früh auf eigenen Füssen stehen und wählte den Weg als Liebhaberin vermögender Männer.

Sie begannen 1832 eine Beziehung. Allerdings waren die folgenden Pariserjahre getrübt durch Rossinis gesundheitliche Probleme, die ihm chronische Schmerzen bereiteten. Mehr darüber später im Abschnitt über seine Kuraufenthalte.


An diesem Ort fanden die berühmten «Samedi Soires» statt, Rossinis musikalischer Salon, wo sich die ganze Musik-Prominenz zum Musizieren, zuhören und diskutieren traf.

Die von Rossinis zweiter Frau Olympia organisierten Anlässe sahen regelmässige Gäste wie beispielsweise Saint-Saens, Auber, Meyerbeer, Gounod, Bizet, Liszt usw. Rossini komponierte dafür auch kleine Gelegenheitswerke (seine sogenannten «Péchés de vieillesse», Alterssünden) mit denen er auch gelegentlich seine Gäste auf die Schippe nahm.


Im März 1860 ereignete sich an dieser Adresse ein besonderes Schauspiel. Der 47-jährige Richard Wagner besuchte den 68-jährigen Rossini. Michotte, Rossinis Adlatus, notierte den Inhalt des Gesprächs sorgfältig. Er berichtete, dass sich das Gespräch die meiste Zeit um die Reform der europäischen Oper drehte.


Daraus eine kleine Anekdote: «Richard Wagner (der kein Rossini Anhänger war) lobte Rossinis Apfelschuss-Szene aus dem ,Guillaume Tell’ aufs höchste. Dabei sprach sich Wagner für Deklamatorik als die Musik der Zukunft aus, während Rossini sich für die Melodie stark machte. Geschickt führte Wagner Rossinis ,Sois immobile’ aus seinem “Tell’ als Beispiel an. Darauf meinte Rossini schmunzelnd: ,So habe ich also Zukunftsmusik geschrieben, ohne es zu wissen?’»


Rossini hatte so den Status eines einflussreichen “elder statesman”. Legendär wurde auch seine Feinschmeckerei. Viele Gerichte, wie beispielsweise die "Tournedos Rossini" nach ihm benannt und entsprechend nahm Rossinis Leibesfülle stetig zu.


Das Restaurant Maison Dorée war ein berühmtes und teures Restaurant am Boulevard des Italiens. Rossini war ein häufiger Gast und der Küchenchef Casimir Moisson kreierte hier das Gericht «Tournedos Rossini» für den Feinschmecker Rossini auf dessen Anregung. Escoffier verewigte es später in seinem berühmten «guide culinaire».



CHRONISCHE KRANKHEITEN UND KURAUFENTHALTE


Rossinis Krankenakte am Ende seines Lebens war sehr dick. Die Grundsätzliche Ursache seiner vielen Leiden war die Gonorrhoe, welche er sich relativ früh zugezogen hatte. Ab seinem 35. Lebensjahr wurden die Leiden zunehmend chronisch und teilweise sehr schmerzhaft. Dazu zählten Unterleibs-Beschwerden, Bronchitis und Herzschwächen, die durch die Adipositas verstärkt wurden.


Rossini hatte vermutlich ausgelöst durch die Schmerzen teilweise schwere Depressionen und Selbstmordgedanken. Um Linderung von seinen Schmerzen zu finden befand sich Rossini öfters in Kuren.



TOD IN PARIS


Rossini bewohnte ab 1857 in den Sommermonaten eine Villa am Rande des Parks von Passy im 16. Arrondissement. Er verstarb1868 in seinem Haus in Plassy an den Folgen einer Operation eines Mastdarmkrebses.

Er bekam ein Ehrengrab im Friedhof Père Lachaise.



Friedhof Père Lachaise


Rossinis Leiche wurde nach einem feierlichen Begräbnis auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris beigesetzt. Sein Ehrengrab befindet sich in Division 4.


Im Mai 1887 wurden seine sterblichen Überreste nach Florenz überführt.Der junge italienische Staat wollte aber aus propagandistischen Gründen 20 Jahre nach seinem Tod, den berühmten Sohn nach Hause holen und der Leichnam wurde aus dem Pariser Friedhof Père Lachaise überführt. Er ruht seither in der der Kirche «Santa Croce», dem italienischen Parthenon, wo auch die berühmten Machiavelli, Michelangelo, Galileo u.v.m. liegen. Francesco von Assisi soll den Grundstein dieser Kirche gelegt haben.


Das Grabdenkmal ist aus Marmorstein erschaffen und mit Gold verziert. Es zeigt das trauernde Italien, verkörpert durch eine Frau.




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