Idomeneo von Mozart - ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes
- peter
- 28. Juni
- 12 Min. Lesezeit

Mozart schätzte den Idomeneo als sein größtes Werk der Gattung Oper ein. Inspiriert von den Werken Glucks, die er in seinen Pariser Zeit gesehen hatte, schrieb er die vielleicht beste Barock-Oper der Geschichte.
Idomeneo von Mozart
KOMPONIST: Wolfgang Amadeus Mozart
URAUFFÜHRUNG: München, 1781 LIBRETTO: Von Giambattista Varesco, basierend auf «Idoménée» von Antoine Danchet und der griechischen Tragödie.
DIE HAUPT PERSONEN: Idomeneo, König von Kreta (Tenor) - Idamante, sein Sohn (Sopran, Tenor, Kastrat) - Elektra, Prinzessin von Argos (Sopran) - Ilia, trojanische Prinzessin (Sopran) - Arbace, Berater des Idomeneo (Tenor)
AUFNAHME EMPFEHLUNG: EMI, Richard Lewis, Léopold Simoneau, Sena Jurinac, Lucille Udovick unter der Leitung von John Pritchard und dem Glyndebourne Festival Orchestra and Chorus.

Handlung
1. AKT: (Sinfonia) Die trojanische Prinzessin Ilia beklagt ihr Schicksal. Sie wurde während des Kriegs um Troja von den Griechen gefangengenommen. Bei der Überfahrt nach Kreta geriet ihr Schiff in einen Sturm und sie wurde von Idamante, dem Sohn des griechischen Königs Idomeneo gerettet.
Sie hat sich in ihn verliebt, doch er ist bestimmt, Elettra, die Prinzessin von Argos zu heiraten. Gewissensbisse plagen sie wegen ihrer Liebe zu einem Feind ihres Volkes. (Padre, germani, addio) Idamante verspricht ihr, die gefangenen Trojaner freizulassen, um die beiden Völker zu versöhnen und ihre Liebe zu gewinnen.
Das Schiff mit den Trojanern erreicht den Hafen und den Gefangenen werden die Ketten gelöst, dankbar wenden sie sich an den großherzigen Idamante. Elettra tritt aufgebracht zu Idamante und wirft ihm vor, den Feind zu beschützen.
Da tritt Arbace hinzu und verkündet die schreckliche Nachricht, dass Idomeneo im Sturm vor der griechischen Küste ums Leben gekommen sei. Elettra erkennt, dass Idamante als neuer König seinem Herzen folgen kann und der Weg für Ilia frei ist. Hasserfüllt schwört sie, Rache an der Trojanerin zu nehmen. (Estinto è Idomeneo … Tutto nel cor vi sento)
Zwar war das Schiff Idomeneos tatsächlich untergegangen, doch die Griechen konnten sich im schweren Sturm an die Küste retten. (Pietà, numi, pietà) Idomeneo konnte sich mit letzter Kraft ans Ufer retten und schwört, dass er den ersten Menschen, den er sieht, aus Dankbarkeit den Göttern opfern wird.
Idomeneo erblickt einen einsamen Menschen und Gewissensqualen übermannen ihn. Er weiß nicht, dass es Idamante ist, der an die Küste eilte, um nach den Schiffbrüchigen zu suchen. Vater und Sohn erkennen sich nicht und Idomeneo spricht den fremden Mann an.
Als der ihm vom tragischen Tod seines Vaters erzählt, realisiert Idomeneo mit Entsetzen, dass sein Opfer sein eigener Sohn ist. Nun erkennt Idamante seinen Vater und will ihn glückselig umarmen. Doch dieser stößt ihn zurück und verlangt, dass er ihm niemals wieder unter die Augen treten solle. Idamante versteht nicht und ist schockiert. (Il padre adorato) Kretische Frauen erscheinen und umarmen glücklich die Heimkehrer.
2. AKT: Zurück im Palast, berät sich Idomeneo sich mit Arbace und der Vertraute rät ihm, Idamante mit Elettra nach Argos zu schicken. Als Arbace weggeht, erscheint Ilia beim König und erklärt ihm, dass sie Kreta als neue Heimat erachte und Idomeneo als ihren Vater. (Se il padre perdei)
Idomeneo ist über Ilias Sinneswandel erfreut und überrascht. Er vermutet, dass sie in Idamante verliebt ist und ist voller Kummer über das Leid, das er über die beiden bringt.
Elettra hat vom Entschluss Idomeneos gehört und ist glücklich über die Wendung der Dinge, dass sie Idomeneo seiner Liebenden entreißen kann. Sie begibt sich zum Hafen zur Abreise. (Sidonie sponde … placido è il mar) Idamante erwartet sie dort, und sie werden von Idomeneo verabschiedet. (Pria di partir, o Dio!)
Als sie gerade das Boot besteigen, taucht ein fürchterliches Seeungeheuer auf. Idomeneo wendet sich an die Götter und bietet sich als Opfer an. Entsetzt fliehen die Kreter vor dem Ungeheuer.
3. AUFZUG: Ilia ist in den königlichen Gärten und bittet die Zephyre, Idamante von ihrer Liebe zu erzählen. (Solitudini amiche … Zeffiretti lusinghieri) Idamante ist zurück im Palast und hat beschlossen, den Kampf gegen das Ungeheuer aufzunehmen und will sich von Ilia verabschieden.
Die beiden gestehen sich ihre Liebe. Sie werden überrascht von Idomeneo und Elettra. Idomeneo verlangt von Idamante, dass er Kreta verlässt, ohne ihm den Grund dafür zu nennen. (Andrò ramingo e solo)
Das Ungeheuer wütet auf Kreta. Arbace fürchtet den Untergang des Königreichs. Er hofft, dass wenigstens Idamante gerettet werden kann. Er ruft Idomeneo auf, vor den Palast zum Volk zu sprechen.
Zusammen mit dem Hohepriester und Arbace tritt Idomeneo vors Volk. Der Hohepriester erzählt Idomeneo von den großen Leid und den vielen Toten, das das Ungeheuer den Kreter schon zugefügt hat. Er fordert, dass Idomeneo endlich das Opfer den Göttern darreicht.
Idomeneo offenbart, dass er seinen eigenen Sohn opfern müsse. Das Volk reagiert mit Entsetzen. (O voto tremendo) Idomeneo trifft mit seinem Gefolge ein. Er betet schmerzerfüllt zu den Göttern und bittet um deren Gnade. (Acogli, o re del mar) Da trifft die Neuigkeit ein, dass Idamante das Ungeheuer besiegen konnte.
Idamante wird mit einem Kranz auf dem Haupt hereingeführt. Er hat vom Opferversprechen seines Vaters gehört und versteht nun sein Handeln. Idamante ist bereit zu sterben und bittet seinen Vater ihn mit seiner eigenen Hand zu töten und für Illia zu sorgen. Nun ist Idomeneo bereit das Opfer zu vollführen, doch da wirft sich Illia dazwischen.
Als Idomeneo sie wegschieben will bewegt sich die Statue des Neptuns und ein Orakel spricht zu den Versammelten. Der Himmel verzeiht Idomeneo, aber nicht dem König. Wenn Idomeneo das Amt an Idamante abgibt und dieser Illia heiratet, herrsche wieder Frieden im Land. Alle sind glücklich. (Ha vinto amore) Nur Elettra rast.
Von Selbstmordgedanken getrieben verlässt sie zornig den Ort. (D’oreste e d’Aiace) Idomeneo verkündet dem Volk den Willen der Götter. Er ist glücklich und wieder von Lebensmut erfüllt.
Das Volk feiert den neuen König und die Königin. (Scenda amor)
Kommentar
Am Anfang stand ein Glücksfall:
Auf dem Weg nach Paris hatte Mozart in Mannheim 1775 Halt gemacht und das ansässige Residenz-Theater kennengelernt, welches der kunstsinnige Kurfürst Karl August hielt. Orchester und Sänger hatten den Ruf, die Besten Europas zu sein.
Mozart war beeindruckt und freundete sich mit den Musikern an. Umso glücklicher war er, als drei Jahre später der Auftrag aus München kam, für den nun in München herrschenden Karl Theodor eine Oper zu komponieren. Der Fürst hatte das ganze Orchester und die besten Sänger kurzerhand nach München mitgenommen, darunter auch Aloysia Weber, Mozarts erste Liebe und Schwester seiner späteren Frau Konstanze.
Libretto:
Die Wahl des «Idoménée» als Stoff der Oper traf der Fürst persönlich. Er stammte von Antoine Danchet, der die griechische Tragödie des Troja-Heimkehrers Idomeneo als Basis nahm und sie um die Liebesgeschichte Idamantes und Ilias ergänzte.
Mozart vermittelte den Salzburger Kaplan Giambattista Varesco das Libretto dazu verfassen. Der belesene Varesco war ein erfahrener Literat, hatte aber keine Theatererfahrung und schrieb in der Folge zu viel Text, den Mozart laufend kürzen musste.
Als Mozart im November 1780 Salzburg in Richtung München verließ, um die Inszenierung vorzubereiten, war das Libretto noch im Entstehen begriffen. Er instruierte brieflich seinen Vater, seine Wünsche diplomatisch bei Varesco anzubringen und so bekam die Nachwelt einen tiefen Einblick in Mozarts Arbeit.
Gluck stand Pate:
Als Mozart 1780 mit der Komposition des Idomeneo begann, hatte er noch die Opern Glucks in den Ohren, die er zwei Jahre zuvor in seinem unglücklichen Pariser Jahr gesehen hatte.
Mozart bewunderte die Werke des Deutschen, sah aber auch die Schwächen der Starrheit der klassischen Opera Seria. So komponierte er für Idomeneo einige gattungsfremde Elemente wie beispielsweise die vielen Ensembles (Quartette und Trios gehörten in die Opera buffa). Nichtsdestotrotz bleibt das Werk tief in der Opera seria verhaftet.
Kastraten, große Chorpartien, Ungeheuer, das Orakel und Ballette bilden deren ureigensten Elemente.
Die Musik - Chor und Orchester:
Mozart wusste um die Virtuosität des Orchesters und schrieb den schwierigsten Orchesterpart, der bis dato für ein Opernwerk geschrieben wurde. Bereits die Ouvertüre war eine Herausforderung für das Orchester.
Mozarts Vater warnte seinen Sohn vor der Launenhaftigkeit eines Orchesters, falls das Werk zu schwierig war, aber Mozart konnte mit der großartigen Musik punkten.
Das Sinfonische bekam durch den Umstand, dass es Mozarts große Chor Oper ist, noch mehr Gewicht. Ganze neun Chornummern prägen diese Oper entscheidend mit. Weitere sinfonische Formen wie Märsche und Ballette kommen noch hinzu.
Die Musik - Die Sängerrollen:
Mozart war verpflichtet worden, die Rolle des Idamante mit einem Kastraten zu besetzen und komponierte ihm in jedem Akt eine schöne Arie.
Sehr zu seinem Leidwesen entsprach der Kastrat dal Prato nicht Mozarts Anforderungen, er sang, so Mozart, «dass es eine Schande war». Es war das vorletzte Mal, dass er für einen Kastraten komponierte, für die Neuinszenierung in Wien fünf Jahre später schrieb er eine Fassung für Tenor.
Mozart hätte vorgezogen, die Rolle des Idomeneo für eine Bass-Stimme zu schreiben. Doch die Seria Konvention verlangte einen Tenor für diesen Rollen-Typus, und der Fürst sah dafür den mittlerweile 66-jährigen Anton Raaf vor.

Der Name versprach für das Theater noch immer viel Glanz und Prestige, war er doch während Jahrzehnten der führende Koloratursänger Europas. Im fortgeschrittenen Alter waren seine Koloraturläufe zwar noch immer passabel, darüber hinaus hatte er aber nicht mehr viel zu bieten.
So komponierte Mozart ihm viele «geschnittene Nudeln», wie er die Koloraturen nannte. Mozart verbrachte in den Münchner Monaten der Fertigstellung der Komposition und den Vorbereitungen für die Erstaufführung viel Zeit mit Raaf.
Er wurde ihm zum väterlichen Freund und Mozart scheint von seinem großen Erfahrungsschatz profitiert zu haben. Der Funken der Inspiration sprang irgendwann über, und Mozart komponierte für Raaf die revolutionäre Arie «Fuor del mar», die vielleicht so etwas wie die Geburt (oder zumindest die Ankündigung) des romantischen Heldentenors wurde.
Mozart schrieb in einem Brief zu der Zusammenarbeit mit Raaf seinen berühmten Satz: «ich liebe, dass die aria einem Sänger so accurat angemessen sey, wie ein gutgemachtes Kleid».
Frauen-Rollen:
Die Rollen der Elettra und Illia zeigen Mozart schon als den Meister der kommenden Jahre.
Die Elettra ist mit der hohen stimmlichen Virtuosität und der abgründigen psychischen Verfassung eine würdige Vorläuferin der «Königin der Nacht» und in Illia hören wir bereits die Gräfin und Pamina.
Die beiden Rollen wurden den Schwestern Wendlinger anvertraut, die zu den besten Sängerinnen gehörten und mit ihren 44 respektive 42 Jahren sichere Werte waren.
Aufführungsgeschichte:
Die Uraufführung des Idomeneo war ein Erfolg, sein Vater und seine Schwester Nannerl saßen am 29. Januar 1781 stolz im Münchener Residenztheater. Doch der Erfolg war nicht groß genug, um Mozarts Karriere in Schwung zu bringen.

Zwar war der Fürst zufrieden, doch Mozart verpasste sein Ziel, Kapellmeister in München zu werden und vom Salzburger Hof unabhängig zu werden. Zu seinem Verdruss wurde die Oper nur wenige Male gegeben und sie verbreitete sich anschließend nur schleppend.
Es dauerte volle fünf Jahre, bis die Erstaufführung in Wien erfolgte. Danach wurde es ruhiger um das Werk, und sie ereilte das Schicksal eine «Oper der Kenner» zu werden. Erst in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts erfreute sie sich mit der Arbeit Harnoncourts einer Renaissance.
Idomeneo - eine Rolle nicht nur für Mozart-Tenöre?:
Mozarts Tenorrollen sind in der Regel für Verdi Tenöre nicht sehr geeignet. Sie erfordern eine lyrisch weiche, bewegliche Stimme, die die Höhen ohne Druck fließen lassen und mit klassischer Eleganz schöne Linien legatissimo singen können, denn Tamino, Belmonte und Co. sind Sensibelchen und sind keine verschlagenen Duca di Mantovas oder heroische Manricos.
Idomeneo bildet im Mozart Repertoire eine Ausnahme. Es ist eine Rolle, die bis zu einem gewissen Punkt in der Reichweite des Verdi Tenors liegt, weswegen diese Rolle für diese Sänger einen speziellen Reiz hat. So findet man auch Namen wie Domingo und Pavarotti in der Diskografie.
Die schönsten Stellen
Sinfonia:
Die Ouvertüre ist ein beliebtes Konzertstück. Es beginnt mit einem heroischen Akkord, der wohl den heroischen Charakter der handelnden Personen beschreiben soll.
Dunklere Passagen trüben die Stimmung etwas ein, aber insgesamt schrieb Mozart ein fesselndes, virtuoses Vorspiel, das das Orchester im besten Licht zeigte und sicherlich schon zu Beginn an die Stuhlkante fesselte.
Padre, germani, addio:
Mit Seufzermotiven beginnt diese Klagearie der Ilia. Zwar in Moll geschrieben, ist die Arie im ersten Teil von einer delikaten Süße, die mit zarten Koloraturen veredelt wird.
Die Arie ist zweiteilig, der zweite Teil ist eine etwas dramatischere Wiederholung des ersten Teils. Eine Kadenz mit einem schönen Triller schließt dieses Stück ab.
Estinto è Idomeneo … Tutto nel cor vi sento:
Nach der elegischen, sanftmütigen Eröffnungsarie der Ilia präsentiert uns Mozart eine wilde Furie als ihre Gegenspielerin.
Mit einem pulsierenden Klopfen der Celli und Fagotte, flirrenden Streichern und irrlichternden Flöten eröffnet Mozart einen genialen Klangteppich, der den Wahnsinn der Elettra vorzeichnet.
Die Stimme Elettras erklingt seltsam hohl. Mit der Zeit steigert sich Ihre Verzweiflung. Die Vorstellung, dass eine Sklavin mit Idamante das Bett teilen wird, lässt ihr Blut hochkochen. Ihre Rufe nach «Vendetta» und «Crueltà» lassen sie beinahe ersticken. Ihre innere Wut überträgt sich auf das Orchester und die Musik geht nahtlos in die Sturmmusik der nächsten Szene über.
Pietà, numi, pietà:
In den Streichern hört man den Sturm toben und in den Flöten pfeift der Wind. Zu dieser Sturmszene hat Mozart einen schönen Chor-Effekt komponiert: ein größerer Chor auf der Szene und ein kleinerer Chor hinter den Kulissen antworten sich kanonartig und kreieren so einen Stereophonie-Effekt.
Il padre adorato:
Diese Szene kann durch eine autobiografische Brille betrachtet werden: Mozart hatte zur Zeit der Komposition ein enges Verhältnis zu seinem Vater. Mit dem Tode von Anna Mozart in Paris wurde Wolfgang noch mehr zum Bezugspunkt Leopolds, der rege Briefverkehr zeugt davon.
Der Sohn fühlte sich zu dieser Zeit gelegentlich von seinem Vater «überbetreut», doch ihr Verhältnis war eng. Für Mozart war diese Beziehung eine Dominante seines Lebens und sie inspirierte Mozart in der Gestaltung der Beziehung von Idomeneo und Idamante. Mozart war ein Meister des Psychodramas, er hatte ein ungeheures Verständnis für Menschen und ihre Nöte und verlagerte die Dramen meisterhaft in die Musik.
Mehrmals wechselt die Stimmung des Idamante in dieser Arie, um seinen fragilen Zustand zu zeigen. Gleich zu Beginn spüren wir die Verzweiflung in den ruhelosen Sechzehntel.
Mehrmals wechseln Stimmung und Tempo was die Verwirrung des jungen Mannes spiegelt.
Se il padre perdei:
Diese Szene mit Idomeneo und Elettra ist musikalisch voll aufgeladener Erotik.
Hören wir nicht eine Liebesarie von Elettra, ist der Schmerz in der Stimme des Idomeneo nicht mehr als der eines «Schwiegervaters»? Die beiden Personen scheinen sich nicht gleichgültig zu sein.
Von nun an schwingt eine weiteres Beziehungsdrama in dieser Oper mit. Wieder einmal spricht Mozart (wie später in den da Ponte Opern) mit der Musik Dinge aus, die wir im Text nur erahnen können.
Für viele Hörer ist diese Arie der Ilia eine der Höhepunkte der Oper. Es ist Mozarts Mischung aus Trauer und Glück, die zu den schönsten Hörerlebnissen führen. Er komponierte zur Singstimme und Orchesterbegleitung der gedämpften Streicher eine Gruppe konzertanter Bläser, die gemeinsam und mit Einzelfiguren die Arie bereichern, eine Hommage an die Mannheimer Bläsergruppe.
Fuor del mar ho un mar nel seno:
Diese Arie Idomeneos war eine Novität Mozarts. Diese von Koloraturen gespickte Arie ist zwar in Form einer klassischen barocken Da capo Form komponiert (ABA’).
Aber eine solch heroische, passionierte Arie hatte man bisher von Tenören nicht gehört. Der Tenor muss lange Koloraturketten bewältigen. Mozart komponierte die Arie in die Kehle von Anton Raaff, des ersten Idomeneo, welcher für seine Koloraturkünste berühmt war.
Mozart hat für die Wiener Aufführung noch eine zweite Version geschrieben, die weniger Koloraturen beinhaltet (und beispielsweise von Pavarotti und Domingo gewählt wurde).
Sidonie sponde … placido è il mar:
Im wogenden 6/8 Takt besingt der Chor die heitere Stille des Meeres. Verführerisch, im Stile einer Sirene hören wir die glückliche Elettra, ein wahrlich himmlisches Stück!
Pria di partir, o Dio!:
Ein elegisches Terzett beglückt den Hörer im ersten Teil. Der zweite Teil ist im Allegro geschrieben und reißt mit dem zündenden Abschluss mit und geht übergangslos in den Sturm über.
Solitudini amiche … Zeffiretti lusinghieri:
Mozart schrieb für diese Briefszene die zärtliche, verträumte Kavatine «Zeffiretti lusinghieri», die schon auf die Briefszene «Che soave Zeffiretto» aus «Le nozze di Figaro» hinzuweisen scheint.3
Andrò ramingo e solo:
Dieses Quartett gehört zu den Gipfelwerken von Mozart. Die gegenlaufenden Gefühle der vier Personen wurden in diesem Quartett virtuos zusammengeführt.
Mozart selbst sah diese Stelle als die größte Stelle dieser Oper an. Als Mozart seinem Vater Konstanze in Salzburg vorstellte, und sie gemeinsam muszierten, sangen sie dieses Quartett und Mozart soll an dieser Stelle vor Ergriffenheit in Tränen ausgebrochen sein und den Raum verlassen haben.
O voto tremendo:
Dieser Chor ist der düsterste der ganzen Oper. Er beginnt mit einem chromatischen Aufstieg und die schmerzerfüllten Aufschreie der Menschen erinnern an ein Requiem.
Acogli, o re del mar:
Wir hören eine schöne Kantilene von Idomeneo, wunderschön von Pizzicati im Orchester begleitet. Es ist reinster Mozart, der wie Balsam die Kehle hinunterrinnt, eine Arie wie er sie sonst nur den weiblichen Stimmen schenkte.
Ha vinto amore:
Mozart verwendet zum ersten Mal Posaunen, welche im 18. Jahrhundert aus der Mode gerieten. Er lässt gleich drei an der Zahl hinter den Kulissen majestätisch und gewaltig ertönen.
Sie lassen die Friedhofszene von Don Giovanni bereits erahnen, wo die drei Posaunen beim Erscheinen des steinernen Commendatore erscheinen werden.
D’oreste e d’Aiace:
In der Barock Oper waren rasende Furien zwar keine Seltenheit, doch vermutlich hatte noch keine Frau so gerast wie in Mozarts Wut-Arie der Elettra. Bis zur Heiserkeit ertönen die ungezähmten Schreie, ausgelöst durch die Qualen der Enttäuschung.
Scenda amor: Mit einem feierlichen Schlusschor endet das Stück.
Große Aufnahmen in YouTube
Padre, germani, addio - Lucia Popp: Hören Sie in dieser Szene Lucia Popp, die eine der besten (die beste?) Ilia auf Platte ist. Der erste Teil ist wunderschön ergreifend.
Fuor del mar ho un mar nel seno – Juan Diego Florez: Juan Diego Florez überraschte 2018 mit seinem Mozart Rezital. Seine Stimme hat sich mit den Jahren verdunkelt und ist tiefer geworden. Seine Koloraturen sind (wie erwartet) grandios und die Stimme hat die notwendige Durchschlagskraft. Eine mitreißende Aufnahme!
Fuor del mar ho un mar nel seno – Hermann Jadlowker: Jadlowkers Verzierungen aus der Aufnahme des Jahres 1919 sind großartig und erscheinen wie Perlen an einer Kette aufgereiht. Die Triller in der Mitte und zum Schluss sind schlicht umwerfend.
3 Fun Facts
1. Mozarts Auftraggeber, Kurfürst Karl Theodor, war sehr zufrieden mit der Komposition und soll zu Wolfgang Amadeus gesagt haben: «Man sollte nicht meinen, dass in so einem kleinen Kopf so was Großes steckt.»
2. Idomeneo litt von jeher unter den vielen unterschiedlichen Fassungen. Selbst Richard Strauss ergänzte für eine Inszenierung viele Takte aus der eigenen Feder. Wissend, dass dies Fragen aufwirft meinte er, «er würde sich im Himmel persönlich dem göttlichen Mozart gegenüber wegen meiner Pietätlosigkeit verantworten» (Quelle: Csampai/Holland: Opernführer).
3. Mozart war unglücklich über die sängerischen Leistung des ersten Idamante, dem Kastraten dal Prato. Er verstieg sich sogar zum Satz, «dass die Stimme von dal Prato nicht so schlecht wäre, wenn sie von woanders als aus seinem Mund käme».




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