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Maria Callas - Karriere eines Weltstars. Ihre Stimme und ihr Vermächtnis (Doku)

  • peter
  • vor 1 Tag
  • 5 Min. Lesezeit
Maria Callas - Karriere eines Weltstars

Maria Callas gilt auf Augenhöhe mit Enrico Caruso als die größte Opernsängerin des 20. Jahrhunderts. Ihre spektakuläre stimmliche Begabung, ihr gesellschaftliches Leben und ihre beeindruckende künstlerische Persönlichkeit machten sie während der 50er und 60er Jahre zu einer weltweit beachteten Ikone.

In diesem Video möchte ich die wichtigsten Etappen von Maria Callas’ internationaler Karriere als Sängerin beleuchten.



 


Das Porträt von Maria Callas




Anfänge


Ende der vierziger Jahre begann Maria Callas ihre internationale Karriere. Zuerst in Italien, und dann auf einer Südamerika-Tournee machte sie sich einen Namen als stimmgewaltige Sängerin.

Selbstbewusst präsentierte sie sich zur Freude südamerikanischen Publikums mit jugendlicher Stimmgewalt und brachte das Publikum mit einem gigantischen hohen Es in Aida zum Rasen – notabene einer Note, die Verdi nicht komponiert hatte.

Ihre Duette arteten bisweilen zu Duellen aus. Hier ein Ausschnitt aus dem Duett mit dem Tenor Kurt Baum während der besagten Südamerika-Tournee. Baum hatte sie zuvor genervt, indem er in Duetten mit ihr seine Stimme etwas länger hielt. Das ließ Callas nicht auf sich sitzen und revanchierte sich ihrerseits mit einem gigantischen Es.

Auch später duellierte sie sich ab und an mit ihren Bühnenpartnern, wie beispielsweise im Finale von Andrea Chénier, wo sie und Mario del Monaco scheinbar austesteten, wer lauter singen konnte.



Die Stimme


Für nach ihr geborene Opernliebhaber ist es schwer nachzuvollziehen, dass Maria Callas zu ihrer besten Zeit eine umstrittene Künstlerin war. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg war sie zweifellos die bedeutendste Sängerin der gesamten Opernwelt und überhaupt im gesamten 20. Jahrhundert in ihrer Bedeutung nur mit Enrico Caruso vergleichbar.

Ihre Stimme hatte einen gewaltigen Umfang, und ihre Technik war nach übereinstimmender Meinung aller Experten schlicht phänomenal. Darüber hinaus konnte sie ihre Stimme unterschiedlich einfärben, also sowohl hell und brillant als auch verschattet und fahl. Und damit nicht genug: Sowohl ihr Legato als auch ihre Koloraturen waren schlicht perfekt. Mit anderen Worten: Sie konnte ein enorm breites Repertoire abdecken.


Ihre optische Erscheinung entsprach zu Beginn ihrer internationalen Karriere nicht dem Schönheitsideal der frühen 50er Jahre. Mit eisernem Willen zog sie eine Abmagerungskur durch und verlor innerhalb eines halben Jahres ca. 30 Kilogramm – und legte so den Grundstein zu ihrem Status als Stilikone der 50er Jahre.

Hergé, der französische Comiczeichner, verewigte Maria Callas’ wundersame Verwandlung in seinem Tim und Struppi-Band in der Figur der Opernsängerin Bianca Castafiore.



Die Perfektionistin


Sie hören einen kurzen Ausschnitt aus der Arie Je ris de me voir. Es war Maria Callas’ Streben nach Perfektion zu verdanken, dass sie die Rolle der Margarethe aus Faust singen konnte. Diese Rolle findet vielleicht nur in der Violetta aus La Traviata ihresgleichen. Beide verlangen die Beherrschung aller Stimmfächer – Dramatik, Koloratur und Lyrik.


Callas’ Perfektionsstreben zeigte sich immer wieder, indem sie ihre Rollen bis ins kleinste Detail einstudierte und wie keine andere die Dramatik der Figur erfasste.

Als Sängerin war sie Bühnenprofi durch und durch und kannte die Bühne der Scala akustisch wie ihre Westentasche. Sie hatte gar einen Punkt auf der Bühne identifiziert, an dem ihre Stimme die beste akustische Wirkung entfalten konnte – den sogenannten „punto Callas“. Wo sich dieser Punkt befand, ist umstritten.



Die Rivalin


1950 hatte Maria Callas zum ersten Mal an der Scala gesungen und wurde in diesem Jahrzehnt zur „Prima Donna assoluta“ der Scala. Aber sie musste sich diese Position hart erkämpfen.

Denn als sie an die Scala kam, besetzte Renata Tebaldi diese Position.

Tebaldi hatte bei der Wiedereröffnung der Scala 1946 gesungen und wurde von Arturo Toscanini selbst als die „Engelsstimme“ (voce d’angelo) inthronisiert.

Toscanini war eine Autorität – er war nicht nur ein hervorragender Dirigent, sondern konnte sich auf Verdi und Puccini persönlich berufen, da er noch als Orchestermusiker unter Verdi gespielt und später zwei Uraufführungen von Puccini dirigiert hatte.

Doch Callas konnte sich gegen ihre Rivalin durchsetzen. Tebaldi bestach zwar durch ihre ätherische Stimme, aber Callas durch ihren dramatischen Ausdruck und ihre stupende Technik. Die Claqueure der beiden Sängerinnen trugen ihren Teil dazu bei, die Rivalität zu schüren. Schließlich gewann Callas die Oberhand, und Tebaldi konzentrierte sich auf die New Yorker Met. So bekamen beide Sängerinnen ihre Königinnenreiche.



Goldene Jahre


Die fünfziger Jahre waren die goldenen Jahre der Maria Callas. Sie war die Assoluta und mit dem Veroneser Industriellen Meneghini verheiratet, der ihr Manager wurde. Die beiden zogen 1951 nach Sirmione am Gardasee und lebten dort bis 1958.

Die nahe Scala wurde ihr wichtigstes künstlerisches Zentrum.

Neben ihrer großen Gesangskunst bestach Callas durch eine enorme Intensität des Ausdrucks und ihre Schauspielkunst. Damit beeinflusste sie Generationen nachfolgender Künstler und löste eine gewaltige Rossini-, Donizetti- und Bellini-Renaissance aus, die bis heute spürbar ist.

Das Jahr 1952 war sängerisch vielleicht das glanzvollste Jahr von Maria Callas. In diesem Jahr etablierte sie sich endgültig als Assoluta im dramatischen und verzierten Fach.

Am 7. November 1952 sang Maria Callas eine der wichtigsten Aufführungen ihrer Laufbahn. Als Saisoneröffnung der Scala war Macbeth vorgesehen.

Ihre Lady Macbeth war sensationell, und der Rummel um sie geriet zu einer Callas-Manie.



Der berühmte Karl Böhm nannte die Griechin einmal „die größte Tragödin der Welt“. Keine andere Sängerin hatte die Möglichkeiten, die Callas zur Verfügung standen, um die Lady Macbeth dramatisch und musikalisch in jeder Einzelheit grandios zu gestalten.

Hören wir einen Aussschnitt aus Verdis la Forza del Destino. Ihr schmerzerfülltes Maledizione aus Pace Pace mio Dio bleibt unvergessen.


Ikone


1949 hatte sie ihren 27 Jahre älteren Förderer Meneghini geheiratet. Mit 36 Jahren lernte sie den reichen Reeder Aristoteles Onassis kennen. Die entstehende Liaison führte zur Scheidung von Meneghini.

Die Beziehung mit Onassis war sehr wechselhaft, und Onassis verließ sie später in den Sechzigerjahren für Jackie Kennedy.


Callas’ gesellschaftliche Rolle und ihr Auftreten polarisierten, und so wurden viele Auftritte zur Bühne für Pro- und Contra-Lager.


Casta Diva


Die Arie mit der Maria Callas für immer am meisten verbunden wird ist Casta Diva. Bellini hatte die Arie in enger Zusammenarbeit mit Giuditta Pasta, der Sängerin der Uraufführung geschrieben. Nicht weniger als neun Entwürfe soll Bellini geschrieben haben.

Bellini hat eine Begleitung mit einem fixen Begleit-Muster geschrieben. Ein wogender 12/8 Takt erlaubt der Singstimme die Freiheit des Rubatos, die Stimme schwebt über dem Orchester und die Sängerin kann so der Arie ihre Prägung geben.


Norma war die Oper, die sie am häufigsten gesungen hat. Von ihren rund 500 Opern-Auftritten waren 89 der Norma gewidmet. Und Casta Diva war ihre Signature-Aria. In kaum einer Arie ist sich die Fachwelt so einig, wer die beste Interpretationen lieferte wie in diesem Stück.

Maria Callas schonte ihre Stimme nie, immer gab sie ihr Letztes, getrieben von ihrem hohen künstlerischen Anspruch.

Wir hören exemplarisch einen Ausschnitt aus einem Terzett aus dem Jahre 1954. Hören Sie Callas Stimme im kurzen Ausschnitt, wir hören einen Ton wie ein brennender Pfeil, einzigartig wie nur Callas es konnte. Beim Anhören des Ausschnitts kann man spüren, wie sie ihre Stimme förmlich verbrannte.



Karrieren Herbst, Tosca in London


Anfang der sechziger Jahre wurde es ruhiger um Maria Callas. Wegen stimmlicher Probleme musste sie längere Zeit pausieren.

Die Opernwelt hatte sie mittlerweile abgeschrieben.

Doch Anfang 1964 sorgte Maria Callas für eine große Überraschung: Sie kehrte auf die Opernbühne für eine Produktion in London zurück und feierte mit Tosca einen überwältigenden Erfolg. Die Aufführung im Covent Garden war so spektakulär, dass sie sogar den Medienrummel um die Beatles für einige Wochen in den Schatten stellte.

Mit der von Star-Regisseur Franco Zeffirelli inszenierten Tosca wollte Callas noch einmal beweisen, dass sie zu Recht als „Primadonna Assoluta“ galt.

Die Nachricht über ihre Rückkehr verbreitete sich schnell, und ihre treuen Fans trotzten eisiger Kälte, um tagelang vor dem Opernhaus zu campieren und eine der begehrten Karten zu ergattern.

Die Aufführung wurde ein triumphaler Erfolg und zugleich ihr bewegender Abschied. Die BBC zeichnete den zweiten Akt live auf und hielt diesen historischen Moment für die Nachwelt fest.



 Epilog


Doch Ihre Zeit als aktive Sängerin war abgelaufen, die Stimme erlaubte ein Konzertleben nicht mehr.

1969 versuchte sie sich mit einem Filmprojekt der Oper Medea aber die Resonanz war enttäuschend.

Anfang der siebziger Jahre begann sie zu unterrichteten. 1973 versuchte sie mit ihrem langjährigen musikalischen Tenor-Partner Giuseppe di Stefano ein Comeback im Konzertsaal, welches grandios scheiterte.

Maria verbrachte ihre letzten Jahre zurückgezogen in Paris und starb 1977 an einem Herzinfarkt.

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