Richard Strauss - Biografie: Seine Orte, seine Musik und sein Leben
- peter
- vor 21 Stunden
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Richard Strauss war der letzte Gewaltige der klassischen Musik. Er leistete Unsterbliches sowohl für den Konzertsaal wie auch für die Oper.
Auch seine Rolle als ausührender Künstler kann nicht überschätzt werden. Seine Zusammenarbeit mit kongenialen Künstler der Literatur und Theaterkunst ist einzigartig und heute noch spürbar.
Wer war Richard Strauss und welche Menschen haben ihn geprägt? Eine biografische Annäherung an den Jahrhundert Künstler aus Deutschland.
Doku Richard Strauss (Video):
Richard Strauss - Biografie
Wunderkind Jahre in München
Richard Strauss kam 1864 in München in den Schlussjahren der bayrischen Monarchie zur Welt.
Er wurde in eine musikalische Familie geboren. Sein Vater war ein bekannter Hornist der Münchner Hofoper und als solcher ein Angestellter Ludwigs II.
Mütterlicherseits war Richard verwandt mit der Pschorr Familie. Sie war die Besitzerin einer der grössten Brauereien Münchens und eine der reichsten Familien der Stadt. Das Unternehmen gehört heute zu der traditionsreichen Hacker-Pschorr Brauerei.
So hatte die Familie die Mittel Richard eine behütete Kindheit und eine hervorragende Ausbildung zu ermöglichen.
Strauss war ein Wunderkind und begann schon mit 6 Jahren zu komponieren. Sein Opus 1, ein Festmarsch für grosses Orchester schrieb er schon mit 12 Jahren.
1882 begann er ein Studium an der Universität München mit den Fächern Philosophie und Kunstgeschichte, brach es aber bald wieder ab, um sein berufliches Leben der Musik zu widmen. Schon mit 19 Jahren wurden erste Werke von ihm aufgeführt.
DER JUNGE STRAUSS BEGEGNET RICHARD WAGNER
Richard Strauss hatte sein Leben lang eine bewegte Beziehung zu Bayreuth und dem Meister.
Bayreuth liegt 200 km nördlich von München. Sein Vater kannte als Hornist der Münchner Hofoper Wagner persönlich.
Die Münchner waren das offizielle Orchester der Bayreuther Festspiele
und er sass bei den Uraufführungen der «Meistersinger» und «Tristan» in München im Orchester.
Der alte Strauss war ein scharfzüngiger Kritiker von Richard Wagner und focht mit dem Komponisten manche Kämpfe aus. Er organisierte sogar einmal nach einem besonders langen Probentag einen Streik. Wagner nahm es mit Humor und meinte: Der alte Strauss sei zwar ein unausstehlicher Kerl, aber wenn er Horn bläst, kann man ihm nicht böse sein.
Wie auch immer, Strauss Vater nahm seinen Sohn 1882 als Belohnung für das bestandene Abitur nach Bayreuth zu einer Parsifal-Aufführung mit, dort lernte Richard auch den Meister persönlich kennen.
Meiningen
Als 20 jähriger machte er die Bekanntschaft mit Hans von Bülow ,
der im mitteldeutschen Meiningen seine Haupttätigkeit hatte.
Von Bülow war Weggefährte und einer der Lieblingsdirigenten Wagners. Sein persönliches Verhältnis zu Wagner war jedoch getrübt, da Wagner ihm seine Frau Cosima ausgespannt hatte mit der von Bülow zwei Kinder hatte.
Das Meininger Orchester gehörte Ende des 19. Jahrhunderts zu den besten Europas. Der kunstsinnige Souverän Georg II, genannt der «Theaterherzog» förderte die Künste und Hans von Bülow führte das ab 1880 zur grössten Blüte.
Bülow befreundete sich mit Johannes Brahms und dieser dirigierte das Orchester mehrmals und liess dort seine 4. Sinfonie uraufführen. Strauss lernte so Brahms kennen. Brahms soll Strauss auch ein «Ganz hübsch, junger Mann» zu seiner f-moll Sinfonie zugestanden haben (was aus dem Munde Brahms’ ein Kompliment war).
Strauss war bis dahin Brahmsianer. In diesen entscheidenden Jahren erfolgte bei Strauss ein Gesinnungswechsel. Inmitten des grössten Kulturkampfes des 19. Jahrhunderts, dem zwischen den Neudeutschen um Wagner und den Traditionalisten um Brahms wurde Strauss in diesem Jahr unter dem Einfluss des Konzertmeisters und Wagner-Anhänger Alexander Ritter zum Wagnerianer und wechselte von der Sinfonie zur Form der sinfonischen Dichtung.
Nach einer Italienreise schrieb er mit „Aus Italien“ sein erstes Werk dieser Gattung. Bald darauf erschienen “Don Juan” und “Tod und Verklärung”.
RÜCKKEHR NACH MÜNCHEN ALS DRITTER KAPELLMEISTER
Als 22-jähriger kam er zurück an die Hofoper als dritter Kapellmeister. Allerdings musste das Theater nach dem Tod von Ludwig II. mit weniger Mittel auskommen und Strauss musste sich mit einem ungeliebten Repertoire herumschlagen.
Als ihm untersagt wurde Wagners Oper „die Feen“ einzustudieren, hatte er die Nase voll und verliess München in Richtung Weimar .
In einem Gastspiel in Leipzig hatte er die Sängerin Pauline de Ahna kennengelernt. Sie begleitete ihn dann auch an seine nächste Wirkungsstätte Weimar.
DIRIGENT UND KOMPONIST IN WEIMAR – HOCHZEIT MIT PAULINE
Im Jahr 1889 trat Strauss seine Stelle als zweiter Kapellmeister in Weimar an.
Die vielen Aufführungen von Wagner-Opern wurden bejubelt und 1894 durfte Strauss die Oper “Hänsel und Gretel” des ehemaligen Wagner-Assistenten Humperdinck erfolgreich uraufführen, bei der Strauss’ spätere Frau Pauline den Hänsel sang.
Pauline de Ahna sang auch an der Uraufführung von Strauss erster Oper “Guntram” in Weimar. Doch die in Wagnerschen Manier spielende Ritter-Oper wurde kein Erfolg. Ganz im Gegensatz zu seinen symphonischen Dichtungen, die ungemein erfolgreich waren. Strauss entwickelte nun eine stete Konzerttätigkeit in ganz Deutschland, um seine Ton-Dichtungen auf die Spielpläne zu bringen.
DIRIGENT DER TANNHÄUSER PREMIERE IN BAYREUTH
Im Jahr 1894 heirateten Pauline und Richard. Sie verliessen Weimar und gingen zurück nach München. Doch zuvor gab es noch eine ehrenvolle Aufgabe in Bayreuth zu erledigen.
Nach dem Tode Richard Wagners hatte Cosima die Verantwortung für die Bayreuther Festspiele übernommen. Cosima wurde auf den talentierten Dirigenten und glühenden Wagner Anhänger aufmerksam und die beiden freundeten sich an.
Cosima erkannte Strauss’ Potenzial und wollte ihn sogar mit ihrer Tochter Eva verkuppeln. Als Höhepunkt durfte er 1894 die Tannhäuser-Premiere in Bayreuth dirigieren, seine spätere Ehefrau Pauline sang dabei die Rolle der Eva.
ERNEUTE RÜCKKEHR NACH MÜNCHEN – KURZ DARAUF VERLÄSST STRAUSS MÜNCHEN IM ZORN
Strauss kam nun als 30-jähriger als Kapellmeister nach München zurück.
Als Komponist begann sich Strauss in München nach dem Misserfolg des “Guntram” wieder der sinfonischen Dichtung zuzuwenden und schrieb den Till Eulenspiegel. Er wurde zu seinem ersten Geniestreich und setzte sich sogleich durch. In der Folge schrieb Strauss in München jedes Jahr eine neue erfolgreiche sinfonische Dichtung.
Doch er verliess seine Heimatstadt nach vier Jahren im Zorn, als er nach dem Tod Hermann Levis, nicht als dessen Nachfolger als erster Kapellmeister berücksichtigt worden war.
Seine Wut war so gross, dass er mit „Feuersnot“ eine Oper über die Scheinmoral der Bürger einer Stadt schrieb. Es war seine Abrechnung mit München. Sein Abschied war endgültig. Seine künstlerisch wichtigsten Städte sollten nun andere werden.
20 JAHRE ALS LEITER DER KÖNIGLICHEN OPER UNTER DEN LINDEN
Berlin war als Hauptstadt des Kaiserreichs zur Kulturmetpropole Deutschlands geworden.
Und Berlin wurde für die nächsten 20 Jahre zum Wohnsitz der Familie Strauss.
Er schrieb zwar in seinen Memoiren positiv über seine Berliner Zeit, so richtig warm wurde er in der Kaiserstadt nicht, hier war er trotz 20 Jahren Aufenthalt nur zur Miete.
Einer seiner luxuriösen Wohnungen befand sich hier an der Heerstrasse, im 4. Stock.
Mittlerweile war der Sohn Franz zur Welt gekommen und die Familie begann mehr Zeit in ihrer neu erbauten Villa in Garmisch zu verbringen.
Strauss blieb zwar 20 Jahre an der Hofoper, doch sein Verhältnis zu den Berliner war nicht ungetrübt. Strauss wurde als Kapellmeister an die Oper «unter den Linden» angeheuert und wollte dort seinen «Guntram» und die «Feuersnot» inszenieren. Dies wurde ihm nicht genehmigt.
Das war ein Fehler der Berliner, denn Strauss beschloss darauf seine zukünftigen Opern nicht in Berlin aufführen zu lassen. Tatsächlich wurden Dresden und Wien für seine zukünftigen Opern die Aufführungs-Städte. Selbst bei der einzigen Uraufführung in Berlin, seiner Alpensinfonie, spielte das Dresdener Orchester im Saal.
Strauss wurde zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der klassischen Musik. Mit dem so gegensätzlichen Mahler pflegte Strauss eine langjährige Bekanntschaft und die beiden einflussreichen Komponisten-Dirigenten führten gegenseitig ihre Werke auf.
Mit dem Schiff begaben sich Pauline und Richard 1904 in die USA, wo dem Komponisten überall Ovationen bereitet worden. 35 Konzerte in 2 Monaten mit unzähligen Terminen
liessen den Strauss‘ keine freien Minuten. In der Carnegie Hall fand die Uraufführung der Sinfonia Domestica statt. Über das New Yorker Orchester war er nicht sonderlich erbaut und nannte sie Anarchistenbande, währenddem die Bostoner Musiker sein Entzücken hervorriefen.
Ein besonderes Erlebnis wurde ein Konzert des geschäftstüchtigen Strauss im Wanamaker-Kaufhaus, wo eine Etage freigeräumt wurde. In Deutschland führte das Konzert allerdings zu Nasenrümpfen.
DURCHBRUCH ALS OPERNKOMPONIST IN DRESDEN – STRAUSS WIRD AVANTGARDIST
Strauss begann sich nun ernsthaft dem Komponieren von Opern zuzuwenden.
Er wählte das nahegelegene Dresden als Ort der Uraufführungen seiner nächsten Werke. Am Anfang stand die Salome.
Richard Strauss sah das Theater-Stück «Salome» von Oscard Wilde erstmals 1902.
Der Stoff einer 16-jährigen Jungfrau, die den abgeschlagenen Kopf des Johannes des Täufers küsst, wurde 1892 als ungeheuerliche Perversion respektive als Resultat moralischer Verdorbenheit aufgenommen und sorgte für einen handfesten Skandal.
Mittlerweile waren dreizehn Jahren seit der Erstaufführung von Oscar Wildes Theaterstück vergangen und das Stück traf, nun als Oper vertont, bei Traditionalisten wiederum auf offene Feindschaft. Selbst Kaiser Wilhelm sah sich bemüssigt, sich zu Salome zu äussern.
Selbst die Salome der Uraufführung, Marie Wittich, weigerte sich zuerst die Partie zu singen mit der Begründung sie sein eine anständige Frau. Strauss mokierte sich über die Reaktion der «Tante Wittich» und drohte die Uraufführung nach Berlin zu verlegen.
Doch die Uraufführung in Dresden wurde zur Sensation und die «Salome» trat ihr Siegeszug um die Welt an.
Strauss hatte für diese Oper eine expressionistische Klangwelt erschaffen, die mit allem bisher Bekannten zu brechen schien und wurde zum führenden Avantgardisten der klassischen Musik.
BAU DER VILLA IN GARMISCH
1908 bezog Strauss das mit den Erlösen seiner Salome finanzierte neuerbaute Haus im ländlichen Garmisch-Partenkirchen.
Die Villa diente zunächst als Sommerfrische und später als Wohnhaus,
wo er das Familienleben genoss und
in dessen Arbeitszimmer die meisten Werke ab der «Elektra» entstanden.
STRAUSS DOPPELT NACH MIT ELEKTRA
Mit dem nächsten Werk überraschte Richard Strauss die Welt.
Elektra war die erste Zusammenarbeit mit Hugo von Hofmannsthal. Ihr folgte eine 20-Jährige, einflussreiche künstlerische Partnerschaft auf Augenhöhe.
Niemand würde die Verwandtschaft der «Elektra» mit der «Salome» verneinen. Zu ähnlich sind sich die beiden Werke. Die Nähe betrifft die Expressivität der Musik genauso wie die Gestalten der Oper.
Die Rolle der Elektra nimmt in der Opernliteratur eine Sonderstellung ein. Keine andere Figur, auch nicht die der Salome oder der Lady Macbeth, wurde jemals musikalisch so exzessiv in ihrer Getriebenheit und Besessenheit in Töne gesetzt. Elektra ist pausenlos auf der Bühne und stets der Mittelpunkt des Bühnengeschehens. Ihre Stimme muss pausenlos gegen ein großes Orchester singen, um die Schwelle zum Wahnsinn spüren zu lassen. Nach weniger als 2 Stunden fällt der Bühnenvorhang.
Mehr wäre der Sängerin der Elektra (und dem Zuhörer) wohl nicht zuzumuten. Die Oper wurde bei der Uraufführung mit Zurückhaltung aufgenommen. Zwar wurde sie rasch an vielen Opernhäusern gespielt, doch blieben die Reaktionen gemischt. Von den Avantgardisten wurde sie bejubelt, und von den Konservativen wurde sie kritisch aufgenommen.
Noch hatte Strauss den Rubikon der Tonalität nicht überschritten. Gespannt wartete die Musikwelt auf seinen nächsten Schritt.
VOM AVANTGARDIST ZUM NOSTALGIKER
Was nun kam war völlig unerwartet, denn nach «Elektra» und «Salome» dürstete es Strauss förmlich ein heiteres Werk zu erschaffen.
Inspiriert von Mozart, liess Hofmannsthal die Handlung des Rosenkavalier im Wien der 1740er Jahre spielen. Die beiden nannten ihn «unseren Figaro», denn die Parallelen zwischen Strauss‘ Rosenkavalier und Mozarts Figaro sind frappant.
Neben dem Rokokostil sind insbesondere die Parallelen zwischen der Gräfin und der Marschallin sowie Cherubino und Octavian augen- und ohrenfällig.
Als die lieblichen Walzerklänge des Rosenkavaliers die Bühnen erreichten, konnten viele Künstlerkollegen es nicht fassen. Wie konnte Strauss solch ein rückwärtsgewandtes Werk schreiben.
Otto Klemperer nannte es schlicht «Zuckerwasser». Nach den avantgardistischen Elektra und Salome war es für die Künstler Avantgarde ein Rückfall in eine Welt, die sie hinter sich geglaubt hatten. Für Strauss’ war es die Rückkehr in das musikalische Reich des Tonalen und fortan wurde er von der Avantgarde als «Konservativer» gebrandmarkt.
Strauss hatte sich festgelegt: er wollte den Weg Weberns, Schönbergs oder Stravinsky nicht gehen.
Das Publikum kümmerte diese Kritik wenig und die Oper wurde von Beginn an begeistert aufgenommen. Das Echo war so enorm, dass Rosenkavalier- Sonderzüge von Berlin nach Dresden eingesetzt werden mussten.
Selten wurde ein Werk der Musik mit einer dermassen geballten künstlerischen Feuerkraft aus der Taufe gehoben wie der Rosenkavalier in Dresden.
Der herausragende Bühnenbildner Alfred Roller, dessen Zusammenarbeit mit Gustav Mahler an der Wiener Hofoper als kongenial zu nennen ist, wurde schon früh engagiert, die Bühnenbilder und Figuren zu gestalten.
Herauszuheben sind vor allem seine stilbildenden Rokoko-Motive des Wiens der 1740er Jahren.
Seine Bühnenbilder sind heute noch maßstabsetzend und beeinflussen alle Inszenierungen dieser Oper.
Die Bühnenproben zur Uraufführung wurden von niemandem geringeren als Max Reinhardt überwacht, der auf Strauss‘ Wunsch engagiert wurde, dessen Name bei der Uraufführung möglicherweise aus antisemitischen Gründen aber nicht genannt wurde.
KRIEGSJAHRE
Der Ausbruch des ersten Weltkriegs brachte die einzigartige Blüte zu einem jähen Absturz. Künstlerisch waren die Kriegsjahre eher mager.
1916 sah das Werk “Ariadne auf Naxos”, eine Zusammenarbeit mit Hoffmansthal und Reinhard. Es handelt sich um ein Mittelding zwischen Oper und Schauspiel.
Finanziell war der Weltkrieg für die Familie Strauss bitter. Strauss verlor beinahe sein ganzes Vermögen. Das in London deponierte Geld wurde als Feind-Vermögen konfisziert. Einzig seine Villa konnte über den Krieg retten.
DIREKTOR AN DER WIENER STAATSOPER
Nach dem Krieg wechselte er nach Wien an die Staatsoper.
Wien wurde neben Dresden die wichtigste künstlerische Station Strauss’. Hier wurden zwei seiner Opern uraufgeführt («Ariadne» und die zweite Fassung von «Frau ohne Schatten»)
und er übte während fünf Jahren das Amt des Staats-Operndirektor aus (1919-1924).
Er liess sich von einem renommierten Architekten ein repräsentatives 3-stöckiges Haus an der Jacquigasse bauen. Das schöne Gebäude steht noch immer, kann aber nur von Außen begutachtet werden, da es Sitz der niederländischen Botschaft ist.
FREISCHAFFENDER KÜNSTLER IN GARMISCH UND GRÜNDUNG DER SALZBURGER FESTSPIELE
Mit dem Ende seiner Arbeit als Staatsoperndirektor 1924 begann Strauss seine Zeit als freischaffender Künstler.
Garmisch wurde definitiv der Hauptwohnsitz der Strauss‘. Dort genoss er das Familienleben. Er komponierte mit dem “Intermezzo” die Parodie seiner eigenen Familie und pflegte seine Leidenschaft für Skat.
1923 wird seine bürgerliche Oper Intermezzo uraufgeführt. Strauss schrieb Libretto und Musik gleich selbst, da es sich um eine autobiografische Komödie handelte, die in der Villa des Hofkapellmeisters Storch spielte.
Der Erker der Villa wurde berühmt, als er in der Skatszene der Uraufführung im Bühnenbild nachgebaut wurde. Dabei komponierte er ein Fortissimo in G-Dur für ein starkes Blatt!
Strauss engagierte sich zusammen mit Hoffmannsthal sehr für den Aufbau der Salzburger Festspiele.
Das europäische Kulturleben lag nach dem ersten Weltkrieg in Trümmern und sie wollten ihm mit glanzvollen Festspielen wieder Leben einhauchen. Strauss dirigierte die erste Opernaufführung Don Giovanni mit seinem Wiener Staatsoper-Orchester gleich selbst. Dazu präsentierte Hoffmansthal seinen Jedermann.
NS Jahre
Strauss dachte während der Nazi Zeit nie an Emigration, zu tief war er in der mitteleuropäischen Kultur verwurzelt.
Zu Beginn hatte Strauss die Hoffnung, mit den neuen Machthabern die Musikwelt neu zu organisieren. 1933 wurde er Reichsmusikdirektor in der Nazi Verwaltung.
Er nahm auch wieder Kontakt mit der Nazi Kultstätte Bayreuth auf. Das einst freundschaftliche Verhältnis zwischen Cosima Wagner hatte sich mit Strauss’ Oper “Salome” abgekühlt. Cosima war gar nicht erbaut über den Musikstil und den lnhalt der Oper. Sie nannte das Werk «eine Oper über ein Judenmädchen». Später vertrugen sich die beiden wieder und Strauss sprang in Bayreuth 1933 im «Parsifal» als Dirigent ein, als Toscanini das nazifreundliche Bayreuth wutentbrannt verlassen hatte.
Strauss hatte öfters Kontakt mit Nazigrössen, welche sich mit dem weltberühmten Künstler profilierten. Doch die Nazis trauen Strauss nicht über den Weg.
Das zeigte sich bei seiner Oper „ Die schweigsame Frau“. Der Librettist war der jüdischstämmige Stefan Zweig. Aufgrund seiner Bedeutung für die Nazis konnte Strauss diese für die Nazis toxische Personalie durchsetzen, Hitler persönlich gab die Erlaubnis. Nach der dritten Aufführung war aber Schluss. Zum einen hatte Strauss den Namen des Juden prominent aufgeführt und die Nazis fingen einen Brief Strauss‘ an den emigrierten Dichter ab, in dem er das baldige Ende der Naziherrschaft prophezeite. Strauss wurde als Reichsmusikdirektor entlassen.
Aus Sicherheitsgründen verliess er Garmisch, insbesondere fürchtete er um seine jüdische Schwiegertochter Alice.
Die Familie beschloss, die Kriegsjahre in Wien zu verbringen, wo sie unter dem Schutz von Baldur von Schirach standen.
Alterswerke wie die “Liebe zu den Danäer”, “Capriccio” und das zweite Hornkonzert entstehen.
DIE ERSTE URAUFFÜHRUNG EINER STRAUSS-OPER IN MÜNCHEN
Fast vierzig Jahre waren vergangen seit seinem Abgang in Zorn aus seiner Heimatstadt.
Erst als sein Freund Clemens Krauss (vermutlich durch Vermittlung durch Hitler) die Leitung der Münchner Oper übernahm, fanden dort zwei Uraufführungen statt, Friedenstag 1938 und Capriccio 1942.
ODYSSEE IN DER SCHWEIZ
Als der Krieg zu Ende war, fehlte es in Deutschland am nötigsten, selbst Strauss hatte keine Möglichkeiten an Kohle heranzukommen, um seine Villa in Garmisch zu heizen.
Seine Heimat lag in Schutt und Asche.
Hinzukam, dass er ein Entnazifizierungsverfahren zu gegenwärtigen hatte, dass ihm den Zugriff auf die verbliebenen Vermögensteile verunmöglichte.
Der beinahe mittellose Strauss beschloss Deutschland mit seiner Frau in Richtung Schweiz zu verlassen, ohne zu wissen, dass er eine 3-jährige Odyssee antrat. Dort wurde er von schweizerischen Freunden unterstützt, die ihm Hotelaufenthalte und einen gewissen Lebensstil ermöglichten.
Den Verenahof im Kurort Baden kannte er schon, dort war er schon früher abgestiegen. Dort logierte gleichzeitig Hermann Hesse als Kurgast, der kurz zuvor den Nobelpreis für Literatur erhalten hatte. Strauss wollte ihn kennenlernen, doch Hesse war irritiert über Strauss’ Haltung im Dritten Reich. Ob es zu einer Begegnung gekommen ist, ist nicht klar.
Strauss gelang es mit Hilfe der schweizerischen Behörden 1947 auch seinen Sohn Franz in die Schweiz zu bekommen, der ihn ermunterte wieder zu komponieren. Strauss wählte 3 Gedichte von Hesse und ein Gedicht von Eichendorff und schrieb die trandeszentalen «Vier letzte Lieder».
Strauss war ein schwieriger Hotelgast und er wechselte häufig seinen Wohnort. Gerne war er im Sommer im Engadin, wo er Musse fand zu komponieren und die ersten beiden Stücken der vier letzten Lieder schrieb.
Voll Wehmut über die untergegangene Welt und seinen und über Paulines nahen Tod begann er dort mit der Komposition des letzten Liedes der «Vier letzten Lieder», dem berühmten Abendrot.
Richard Strauss wurde im Entnazifizierungsverfahren entlastet und kam 1949 zurück nach Deutschland.
Kurz vor seinem Tod ereignete sich sein letzter Auftritt als Musiker. Als Hochbetagter stieg er im Münchner Prinzregenten Theater noch einmal das Dirigentenpult und dirigierte den zweiten Akt seines Rosenkavaliers.
RÜCKKEHR NACH GARMISCH UND TOD
Nach seiner Rückkehr im Mai 1949 nach Garmisch blieben Strauss nur noch wenige Monate. Ihm wurden in der kurzen Zeit viele Ehrungen zuteil.
Nach einem Schlaganfall im August verstarb am 8. September 1949 der letzte grosse Opernkomponist der Musik-Geschichte in seinem Bett. 8 Monate später folgt ihm Pauline.
Die Abdankung Richard Strauss’ erfolgte in München, seine Urne befindet sich im Familiengrab im Friedhof Garmisch.
Richard Strauss - Biografie




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