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Tannhäuser von Richard Wagner- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes

  • peter
  • 19. Juli
  • 11 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag

Tannhäuser von Richard Wagner- ein Opernführer
Der fliegende Holländer von Richard Wagner, Opernführer und Handlung

Vermutlich handelt es sich beim Tannhäuser unter allen von Wagner geschaffenen Figuren um den menschlichsten Helden, welcher der Fleischeslust nicht entkommen kann, obwohl er nach Spiritualität strebt. Die Musik, die Wagner dazu komponierte, ist meisterhaft.


Das Orchester blüht in allen Farben, die Partie des Tannhäusers ist fesselnd und die Ensembles haben die Grandezza der Grand Opéra. Kein Wunder war der «Tannhäuser» lange Zeit seine meistaufgeführte Oper.




Tannhäuser - Handlung als Video




Tannhäuser - Handlung

 

Tannhäuser - Handlung


URAUFFÜHRUNG:

Dresden, 1845


LIBRETTO: Richard Wagner, basierend auf der Gedichtsammlung des «Sängerkriegs auf der Wartburg und dem Tannhäuserlied.


DIE HAUPT PERSONEN: Hermann, Landgraf von Thüringen (Bass) - Elisabeth, Nichte des Landgrafen (Sopran) - Wolfram, Ritter und Minnesänger (Bariton) - Venus, Göttin der Liebe (Sopran) - Tannhäuser, Ritter und Minnesänger (Tenor)


AUFNAHME EMPFEHLUNG: DECCA, René Kollo, Helga Dernesch, Christa Ludwig, Victor Braun unter der Leitung von Georg Solti und den Wiener Philharmonikern und dem Chor der Wiener Staatsoper.


AUFNAHME EMPFEHLUNG Tannhäuser
AUFNAHME EMPFEHLUNG Tannhäuser



Tannhäuser - Handlung als Text



1. AUFZUG:


Heinrich, genannt Tannhäuser, lebt als Geliebter der Venus im Innern des Venusbergs. Er hatte einst als Minnesänger den Hof des Landgrafen von Thüringen nach einer Auseinandersetzung mit anderen Sängern verlassen. Nun ist er dem Leben der freien Liebe im Venusberg überdrüssig geworden. Venus fordert ihn auf für sie zu singen.


In seinem Gesang preist er zwar die göttliche Venus, doch trotzdem müsse er sie verlassen, es ziehe ihn zu den Menschen. (Dir töne Lob) Venus traut ihren Ohren nicht und versucht ihn zurückzuhalten. (Geliebter, Komm! Sieh dort die Grotte!) Doch Tannhäusers Entschluss ist gefasst. (Stets soll nur dir, nur dir mein Lied ertönen)


Venus spottet, dass er den Weg zu ihr schon wiederfinden werde. Mit einem furchtbaren Schlag versinkt der Venusberg. Tannhäuser steht in einem grünen Tal auf dessen Hügelzug man die Wartburg erkennen kann. Ein Hirtenknabe spielt auf einer Schalmei. (Frau Holda kam aus dem Berg hervor) Pilger ziehen auf ihrer Wallfahrt nach Rom vorbei und Tannhäuser sinkt auf die Knie.


Der Landgraf von Thüringen und seine Minnesänger kommen von der Jagd und erblicken erstaunt Tannhäuser. Erfreut begrüßen Sie den verschollenen Minnesänger. Tannhäuser will keine Auseinandersetzung und bittet sie weiterzuziehen. Doch als Wolfram den Namen von Elisabeth erwähnt und andeutet, dass sie immer noch an ihn denkt, weiß Tannhäuser was ihn aus dem Venusreich gezogen hat und beschließt sich ihnen anzuschließen. Alle heißen Tannhäuer wieder in ihrem Kreis willkommen. (Als du in kühnem Sange uns bestrittest)



2. AUFZUG:


Im Schloss Wartburg. Elisabeth, die Nichte des Landgrafen, ist glücklich über die Rückkehr Tannhäusers. Sie befindet sich in der Halle, die sie seit dem Weggang Tannhäusers nicht mehr betreten hat. (Dich teure Halle) Wolfram, der Elisabeth heimlich liebt, bringt Tannhäuser zu ihr.


Auf ihre Frage, wo er gewesen sei, antwortet Tannhäuser ausweichend, ein Wunder habe ihn hergebracht. Elisabeth preist das Wunder und gesteht, dass sie Gefühle für ihn empfindet. Tannhäuser erwidert ihr tief bewegt seine Liebe und beide preisen die Macht, die sie wieder zusammengeführt hat. (Gepriesen sei die Stunde)


Der Landgraf hat am heutigen Abend zu Tannhäusers Ehren zum Sängerwettbewerb aufgerufen, an dem Tannhäuser und andere um das Herz von Elisabeth werben können. Die Gäste treffen ein. (Schon nahen sich die Edlen meines Landes) Der Landgraf begrüßt die Gäste in der Halle und gibt «das Wesen der Liebe» als Thema des Wettstreits aus.


Der Gewinner darf von Elisabeth den Preis seiner Wahl fordern. Wolfram ist der erste Sänger. Er beschreibt die Liebe als Quelle der geistigen Wonne. Danach ist die Reihe an Tannhäuser. In einem aggressiven Ton beleidigt er Wolfram und beschreibt die Liebe als Quelle des sinnlichen Genusses.


Ein dramatischer Sängerkrieg entspinnt sich in der Folge. Biterolf schaltet sich ein und der Landgraf muss ihn abhalten, sein Schwert zu ziehen. Wolframs Lied beruhigt die Lage kurzzeitig. Doch Tannhäuser gießt weiter Öl ins Feuer. Und schlussendlich brennen Tannhäusers Emotionen durch und er singt sein Preislied auf Venus. (Dir, Göttin der Liebe soll mein Lied ertönen)


Erregung bebt durch den Saal, die Männer wollen mit den Schwertern auf Tannhäuser losgehen. Elisabeth, die am meisten von den Worten getroffen wurde, wirft sich dazwischen mit den Worten «Was ist die Wunde eures Eisens, gegen den Todesstoß, den ich von ihm empfing», sie bittet für sein Seelenheil.


Die Gäste sind tief bewegt. (Zurück von ihm) Tannhäuser erkennt seine törichte Handlung und der Landgraf befiehlt Tannhäuser sich den Pilgern anzuschließen, um in Rom Vergebung für seine Taten zu erbitten. (Mit ihnen sollst Du wallen)



3. AUFZUG:


(Vorspiel) Resigniert beobachtet Wolfram die betende Elisabeth, deren einziger Lebenssinn darin besteht, auf Tannhäusers Rückkehr zu warten und bereit ist, ihr Leben für die Sühne Tannhäusers zu geben. Plötzlich hört man den Chor der Pilger.


Doch zu Elisabeths Verzweiflung ist Tannhäuser nicht unter ihnen. Wolfram spürt Todesahnung in den Worten von Elisabeth und verabschiedet sich von ihr. (O du mein holder Abendstern)

Wolfram trifft auf den erschöpften Tannhäuser, der den Weg zum Venusberg sucht. Dieser erzählt Wolfram von seiner Romfahrt. Obwohl er alle mit Busse übertraf, fand er keine Vergebung beim Papst, dessen Worte waren: «Genauso wie der Pilgerstab keine Blätter mehr treiben könne, so sei seine Erlösung unmöglich.» (Inbrunst im Herzen)


Darum will er wieder zur Venus. Diese erscheint, doch Wolfram bannt ihren Zauber durch den Namen Elisabeths, die auf einer Bahre tot hereingetragen wird. Tannhäuser sinkt sterbend über ihr zusammen. Pilger bringen den Pilgerstab, aus dem frische Knospen sprießen. Alle preisen das Zeichen der göttlichen Gnade. (Dich ungetreuer Mann)



Kommentar


Leitmotive:


Noch sollte man die Motive Wagners nicht «Leitmotive» im formalen Sinne nennen, sie besitzen «lediglich» die Funktion von Erinnerungsmotiven. In dem Abschnitt zur Ouvertüre stellen wir Ihnen drei der wichtigsten Themen dieser Oper vor. Zwei Themen dominieren die Ouvertüre und thematisieren den dominanten Antagonismus dieser Oper: der des Glaubens und der Lust.


Richard Wagner
Richard Wagner

Geschichte und Libretto:


Wagner begann die Arbeit am Tannhäuser in seinem neunundzwanzigsten Lebensjahr. Im Folgejahr stand das Libretto und die Partitur wurde 1845 vollendet. Die Oper trägt den Doppeltitel «Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg», was den Umstand widerspiegelt, dass Wagner die Handlung der Oper hauptsächlich aus zwei Quellen geschöpft hat.


Einerseits ist es die Gedichtsammlung des «Sängerkriegs auf der Wartburg» (an dem die beiden berühmtesten Minnesänger Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide teilgenommen haben sollen) und andererseits das Tannhäuserlied über einen Minnesänger mit unstetem Lebenswandel.


Wagner kombinierte nun eine erfundene Liebesgeschichte des Tannhäusers und dessen Wallfahrt zum Papst mit dem Sängerkrieg auf dem Schloss des thüringischen Landgrafen. Aus dem Heinrich des Sängerkriegs wurde der Tannhäuser. Mit dem Tannhäuser treffen wir eine ähnliche Konstellation wie im Meistersinger an: Ein Außenseiter will die überkommenen Kunstregeln verändern und scheitert am Beharrungsvermögen der Gesellschaft. Tannhäuser und Stolzing sind Brüder im Geiste mit dem Unterschied, dass letzterer die Braut gewinnt und Tannhäuser nicht.


Dem Tannhäuser geht es in dieser Oper dreckig, dreimal wird er verflucht, zuerst durch den Thüringer Hof, dann durch die Sängergilde und am Schluss gar durch den Papst. Heil naht immerhin durch Elisabeth, denn sie wiederum ist eine Schwester im Geiste der Senta und opfert sich für den geliebten Tannhäuser. Das Thema der Aufopferung der Frau und die Erlösung des Künstlers zieht sich wie ein roter Faden durch Wagners Lebens.



Interpretation


Im Tannhäuser geht es um den Kampf zwischen dem diesseitigen und dem Jenseitigen, oder auf einer anderen Ebene ausgedrückt zwischen dem Glauben, dessen Vertreter auf Erden der Papst ist und der Lust, dessen Vertreterin Venus ist.


Diese zwei Lebensinhalte sind unvereinbar und deswegen tobt deren Kampf im Innern des Menschen. Auf Wagners Lebenswirklichkeit bezogen: Als Künstler kann er sich nicht durch die eine oder andere Welt einschränken lassen. Er braucht die geistige Spiritualität der Liebe und des Glaubens, doch er kann die Normierung der Gesellschaft durch die Kirche nicht akzeptieren Dadurch wird er als Außenseiter zum Kampf verdammt. Er wird zum Unverstandenen und an diesem Kampf geht er zu Grunde.



Auf dem Weg zum Musikdrama


Der Tannhäuser bildet einen wichtigen Meilenstein auf Wagners Weg zum Musikdrama. Zum ersten Mal sind keine Nummern in der Partitur mehr ersichtlich. Ganze Szenen, wie z.B. der Sängerwettstreit sind durchkomponiert. Doch vieles ist noch im Alten verhaftet.


Ganz verzichten auf die Arie will Wagner nicht, Elisabeths hat zwei klassische Arien und Wolfram bekommt den berühmten Abendstern. Auch die Pariser Grand Opéra lässt mit den Massenszenen und den Concertati der Aktschlüsse heftig grüßen. Und (manch einer dankt dafür) Wagner verzichtet auf ausschweifende Dialoge und Monologe.



Die schwierige Tenorrolle


Tannhäuser gilt als die kräfteraubendste Tenorrolle der Opernliteratur. Wagner nannte sie «die allerschwierigste meiner dramatischen Sängeraufgaben». Wie Bellini den Tenor Battista Rubini beim Komponieren der «Puritani» im Ohr hatte, hatte Wagner beim Tannhäuser Tichatschek im Ohr. Die Partie des Tannhäuser gilt als «Killer» unter den Tenorpartien des Repertoires.






Joseph Tichatschek
Joseph Tichatschek

In dem Abschnitt zur Stelle «Stets soll nur dir, nur dir mein Lied ertönen» des mörderischen ersten Aktes sehen wir wieso. Doch auch Wagner musste zugeben, dass die Rolle selbst dem robusten Tichatschek zusetzte. Zwanzig Jahre später hörte Wagner den Tenor Ludwig Schnorr von Caroldsfeld in dieser Rolle und er bekannte, dass erst Schnorr ihm die Augen öffnete für sein eigenes Werk. Dessen früher Tod im Zusammenhang mit einer anderen Oper Wagners («Tristan und Isolde») wurde später zur Legende.




Uraufführung und Rezension


Wagner war seit dem Jahr 1842 Hofkapellmeister in Dresden und konnte so bereits seinen «Rienzi» (mit riesigem Erfolg) und den «fliegenden Holländer» (mit mäßigem Erfolg) mit diesem renommierten und hochkarätig besetzten Theaterorchester uraufführen, womit er kompositorisch aus dem Vollen schöpfen und die herrlichen Orchestersätze dieser Opern erschaffen konnte.


Für die Uraufführung «Tannhäuser» stand auch eine hochkarätige Sängertruppe zur Verfügung. Als Tannhäuser wurde der erwähnte Tichatschek verpflichtet und als Elisabeth Wagners Nichte Johanna. Die Rolle der Venus sang die große Schröder-Devrient, deren Fidelio ein Dutzend Jahre zuvor dem sechzehnjährigen Wagner sein Opern-Erweckungserlebnis bescherte.


Richard Wagner
Richard Wagner

Devrient war zwar keine überragende Sängerin, dafür aber eine unheimlich charismatische Schauspielerin, von der sogar der fast gänzlich ertaubte Beethoven begeistert gewesen sein soll. Der Erfolg des Dresdener «Tannhäusers» von 1845 war mäßig, aber schon die zweite Inszenierung durch Liszt in Weimar brachte den Durchbruch. Sie wurde für lange Zeit Wagners populärste Oper und wurde 1859 bereits zum ersten Mal in den Vereinigten Staaten aufgeführt.



Der Theater Skandal in Paris


Wagners Lebenstraum war es in Paris Erfolg zu haben, es war geradezu obsessiv, wie er die Anerkennung in der europäischen Hauptstadt der Oper suchte. Nicht weniger als zehn Mal hielt er sich längere Zeit in Paris auf. Um die Bekanntschaft seiner Werke zu fördern dirigierte Wagner zu Beginn des Jahres 1860 drei Konzerte mit Ausschnitten verschiedener Opern, unter den Zuhörer war die ganze damalige musikalische Prominenz von Paris wie Berlioz, Rossini, Meyerbeer, Auber und Gounod.


Das Echo war außerordentlich und Wagner erreichte mit der Hilfe der Gattin des österreichischen Botschafters, dass Napoleon III die Aufführung des «Tannhäusers» im Folgejahr anordnete. Was im Jahr 1861 passierte ging in die Annalen der Operngeschichte ein. Wagner passte das Werk auf die Gepflogenheiten der Grand Opéra an. Unter anderem wurde das Bachanale des ersten Satzes mit einem Ballett ausgebaut und ein französischsprachiges Libretto wurde erstellt.


Wagner nahm 164 Proben in Anspruch, um das teilweise überforderte musikalische Personal vorzubereiten. Der Jockey Club, eine größere Gruppe von Dandys, sabotierten die Vorstellungen, weil sie gewohnt waren erst im zweiten Akt zu erscheinen, wenn ihre Mätressen das übliche Ballett aufführten. Aus Protest, dass Wagner das Ballett im ersten Akt aufführte, packten sie Trillerpfeifen aus und unterbrachen mit Lärm und Zwischenrufen. Tief verletzt und hoch verschuldet beendete Wagner das Pariser Abenteuer nach drei Vorstellungen.


Die verschiedenen Fassungen: Insgesamt gibt es vier verschiedene Fassungen des «Tannhäusers» (in der Reihenfolge der Erscheinung: Original Fassung, Fassung für Weimar, Fassung für Paris, Fassung für Bayreuth), deren Erstellung sich über dreißig Jahre zog. Der Tannhäuser blieb ein Lebenswerk und noch drei Wochen vor seinem Tod sagte Wagner zu Cosima, er sei den «Tannhäuser» der Welt noch schuldig…



Die schönsten Stellen


Ouvertüre


In der Ouvertüre treffen wir drei wichtige Erinnerungsmotive an. Das erste ertönt gleich zu Beginn und wird in den Bläsern piano eröffnet. Es widerspiegelt den Glauben und ertönt auch im berühmten Pilgerchor des dritten Aktes:


Glaubensmotiv, Tannhäuser
Glaubensmotiv

Nach ca. einer Minute ertönen leidenschaftliche Streicher, es ist Tannhäusers Reuemotiv:


Reuemotiv Tannhäuser
Reuemotiv

Das erste Motiv wird nun triumphierend wiederholt, und wird laufend durch weitere Instrumentengruppen ergänzt. Nach ca. ca. 4 ½ Minuten bricht plötzlich ein spielerisches Motiv ein. Es ist das Bachanal- oder Lustmotiv:


Lustmotiv
Lustmotiv


Dir töne Lob


Bereits die Auftrittsarie des Tannhäuser ist ein Kraftakt, Tannhäuser muss eine sehr hoch gesetzte Partie singen und stimmlich dauernd zum A und G hochsteigen.



Geliebter, Komm! Sieh dort die Grotte!:


Von einer Solovioline lockend begleitet, singt Venus ihren verführerischen Gesang.

Stets soll nur dir, nur dir mein Lied ertönen: Warum gilt die Partie des Tannhäusers als so schwierig? Diese Stelle zeigt wieso.


Die Partie liegt hoch, dies gilt nicht nur für diese Stelle, sondern für die ganze Partie. Weite Stellen sind im Übergangsbereich (Passaggio) geschrieben, was für den Tenor sehr unangenehm ist. Und die ganze Zeit muss die Stimme gegen ein lautes Orchester ankämpfen. Und weil Tannhäuser ein kämpferischer Mensch ist, muss der Singer sich ständig verausgaben, um die Emotionalität dieser Rolle herauszustreichen.



Frau Holda kam aus dem Berg hervor:


Mit der wunderbar schlichten Musik des Hirtenjungen erzeugt Wagner einen maximalen Gegensatz zu der bacchantischen Venuswelt. Ein wahrlicher Coup de Théâtre!


Als du in kühnem Sange uns bestrittest: Dieses Ensemble-Szene ist von größter Schönheit. Noch benutzte Wagner im Tannhäuser italienische Theaterkonventionen. Um einen möglichst effektiven Aktschluss zu bekommen, komponierte er ein typisches Concertato, die in eine effektvolle Stretta mündet.



Dich teure Halle


Diese Arie ist auch bekannt unter dem Namen «Hallenarie». Formal steht sie auf dem Mittelweg von der Grand Opéra zum Musikdrama. So gibt es im Tannhäuser noch verschiedene abgeschlossene, wirkungsvolle Musikstücke wie zum Beispiel die Hallenarie.


Vibrierende Hörner bauen eine elektrisierte Atmosphäre auf. Elisabeth hat allen Grund aufgeregt zu sein. Freudig erregt beginnt Elisabeth die Arie. Beim Gedanken an den Weggang von Tannhäuser wechselt die Musik in Düsternis. Eine Oboe bringt Elisabeth wieder in die jubelnde Stimmung des Anfangs. Mit einer mehrmaligen Steigerung des «sei mir gegrüßt» in Tonhöhe und Tonstärke führt Wagner Elisabeths Stimme auf ein klimaktisches D.



Gepriesen sei die Stunde


Wagner komponiert ein wunderschönes «italienisches» Duett, mit einem ekstatischen Abschluss.



Schon nahen sich die Edlen meines Landes


Der Einzug der Gäste ist ein grandioses, feierliches Stück Musik.

Dir Göttin der Liebe soll mein Lied ertönen: Tannhäuser ist ein Rebell und will sich den Zwängen und Sittenkodexe der Landleute nicht beugen. So bleibt er der heimatlose Außenseiter.



Zurück von ihm


Elisabeth rettet Tannhäuser. Ein wunderschönes Ensemble-Stück entspinnt sich, in dem sich die Gäste tief bewegt zeigen: «Ein Engel stieg aus lichtem Äther.»



Mit ihnen sollst Du wallen


Wagner komponierte ein großes Finale mit den Solisten und dem vorbeiziehenden Pilgerchor.



Vorspiel zum 3. Akt


Ein düsteres Vorspiel schildert Tannhäusers Pilgerfahrt. Wagners Orchester hat im Tannhäuser an Farbe und Ausdruckskraft gewonnen. Es übernimmt immer mehr eine dramatische Rolle.



O du mein holder Abendstern


Wolfram ist in Wagners Maßstäben eine ungewöhnliche Rolle. Der Bariton bekommt eine fast schon italienisch anmutende Melodie (Bellini lässt grüßen). Während der ganzen Oper wird dem Tenor eine so schöne Melodie wie diese verwehrt! Mit düsterem Moll der Todesahnung beginnt diese Arie.


Mit einer wunderschönen Flötenpassage leitet Wagner den ätherischen Mittelteil ein, der Vision des Abendsterns («Freundlich zeigst Du den Weg aus dem Thal»). Begleitet vom flirrenden Tremolo der Streicher hören wir ein entrücktes Singen Wolframs, das in das Hauptthema überleitet, welches in einem wiegenden 6/8 Takt eine verträumte Stimmung erzeugt. Mit der Wiederholung des Themas in den Cellos endet dieses schöne Stück.



Inbrunst im Herzen


Tannhäuser hatte während der ganzen Oper eine ungeheure Bühnenpräsenz. Zum Schluss kommt das große «Pièce de Résistance», die zehn Minuten lange Rom-Erzählung, in der der Tenor die letzten Kraftreserven mobilisieren muss.



Dich ungetreuer Mann:


Gott ist grösser als sein Stellvertreter auf Erden. Mit einem großen Finale beendet Wagner sein Meisterwerk. Noch einmal hören wir das Orchester mit dem flirrenden Klang des Venusbergs und als Kontrast dazu den Pilgerchor und den betenden Wolfram.



Große Aufnahmen in YouTube



Dich teure Halle – Elisabeth Grümmer: Hören Sie diese Arie in der Interpretation von Elisabeth Grümmer. Grümmer war eine Sängerin, die Seele in ihrer Stimme hatte. Der deutsche Musikkritiker Joachim Kaiser meinte über zu ihrer Aufnahme: «Wie Elisabeth Grümmer die Elisabeth mit herzbewegender Innigkeit, völlig unverkitscht aber so zart glühen rein singt, dass man von einer Idealbesetzung reden kann.»



Inbrunst im Herzen – Lauritz Melchior: Lauritz Melchior hat den Tannhäuser 144-mal auf der Bühne gesungen. Seine Stimme war die eines Heldentenors, der auch lyrisch und farbenreich singen konnte, was ihn zum geeigneten Wagner Tenor machte. Lauritz Melchior war möglicherweise der größte Wagner Tenor aller Zeiten. Der «große Däne», wie ihn Cosima Wagner nannte war eine Urkraft. Er behauptete von sich selbst, er könnte den Tristan locker am Abend gleich zweimal singen. Er war ein Meister des pathetischen Ausdrucks, so war seine Rom-Erzählung meisterhaft.




3 Fun Facts



1. Die Rolle des Tannhäusers gilt als die Killerpartie der Tenöre. Die Musik liegt unangenehm hoch und der Sänger muss gegen ein lautes Orchester ankämpfen. Und der größte Frust: Die schönste Arie bekommt der Bariton.


2. Richard Wagner vergötterte seine Hunde. 14 an der Zahl hatte er während seines Lebens. Wenn Wagner in Dresden am Tannhäuser komponierte, saß Peps neben dem Flügel auf seinem Kissen. Beim Vorspielen hatte Wagner seine Augen immer auf den Hund gerichtet. Bei Passagen in Es-Dur entspannte sich der Hund sichtlich. So komponierte Wagner die Szene der göttliche Liebe im in Es-Dur.


Wagner mit Hund Pohl
Wagner mit Hund Pohl

3. Jemand der Wagners Musik nicht schätzte war Gioacchino Rossini. Als einer seiner Schüler ihn hörte, wie er Stellen aus dem Tannhäuser in die Tasten seines Klaviers hämmerte, bemerkte er, dass die Noten auf dem Kopf standen. Darauf angesprochen meinte Rossini: «Ich habe es bereits andersrum ausprobiert, es klang aber nicht besser.»




Biografie von Richard Wagner (Doku)




Tannhäuser von Richard Wagner- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes

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