Mailand - Reiseführer Oper und Klassik
- peter
- 14. Juli
- 9 Min. Lesezeit

Mailand - Reiseführer Oper und Klassik
Besuchsziele mit Bezug zur klassischen Musik und Opernkunst. Lernen Sie spannende Ideen und Hintergrund-Informationen kennen.
KONZERT- UND OPERNHÄUSER IN MAILAND
Teatro alla Scala
In Rekordzeit erbaut. Das Scala wurde 1778 unter österreichischer Herrschaft in Rekordzeit von 2 Jahren erbaut, da der Vorgängerbau abgebrannt war. In den folgenden 150 Jahren wurde die Scala Ort von sehr vielen bedeutenden Premieren von Komponisten wie Gioachino Rossini, Vincenzo Bellini, Gaetano Donizetti, Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini.

1943 wurde es durch Bomben schwer beschädigt und mit einem glanzvollen Konzert dirigiert durch Toscanini eröffnet wurde. Ein Sopran Solo der noch unbekannten Renata Tebaldi wurde zur Sensation.

Ursprünglich bot das Theater 3000 Plätze davon viele in den 600 Logen. Heute gibt es noch 150 Logen und 2300 Plätze. Über den Logen befinden sich die Plätze der Logionisti, den berüchtigten, kompromisslosen Besuchern, die schon manchen arrivierten Star mit Buhrufen zur Weissglut brachten.
Rossini wurde schon früh zu einem der wichtigsten Komponisten für die Scala, sein Name reichte, um die Theater zu füllen. Die Scala ehrte Rossini mit einer grossen Statue in ihren Räumlichkeiten.

5 von Donizettis 71 Opern wurden an der Scala uraufgeführt. Darunter auch seine „Lucrezia Borgia“. Dieses Stück hatte im 19. Jahrhundert mit der Zensur zu kämpfen und wurde in den ersten 10 Jahren mit 6 unterschiedlichen Titeln aufgeführt, 1845 in Paris wurden die Italiener gar zu Türken («La rinnegata»).
Die Scala ehrte Donizetti mit einer Statue in Foyer des Theaters.

Zur Biografie von Donizetti (Video-Doku und Text)
Puccinis schwere Stunden an der Scala
Zwei Opern wurden zu Lebzeiten Puccinis in der Scala uraufgeführt, beide scheiterten sie dort. Die Uraufführung der Butterfly wurde sogar zum bittersten Moment der Karriere Puccinis, lesen Sie mehr darüber im Exkurs weiter unten. Einzig die Uraufführung der Turandot wurde zum Triumph, den Puccini aber nicht mehr erleben konnte. Viele Werke Puccinis gehören auch heute noch zu dem meistaufgeführten der Scala.
Maria Callas

Die Scala war das künstlerische Zentrum der bedeutendsten Opernsängerin des 20. Jahrhunderts. Die stark kurzsichtige Callas kannte die Scala akustisch wie ihre Westentasche und hatte einen Punkt auf der Bühne, an dem ihre Stimme die beste akustische Wirkung entfalten konnte, den sogenannten „punto Callas“. Wo sich dieser Punkt befand, ist umstritten.
das hohe C in der Scala - die Kontroverse
Das hohe C in Verdis „di quella pira“: Das Opernhaus ist auch heute noch ein zentraler kultureller Ort Mailands und lässt noch immer die Herzen und den Blutdruck der Italiener höher steigen, wie folgende Geschichte um Verdi und das hohe C beweist: Die berühmte Arie «Di quella pira» aus dem «Trovatore »wird in der Regel mit einem hohen C abgeschlossen. Interessanterweise hat Verdi an dieser Stelle kein hohes C komponiert. Enrico Tamberlinck, einer der ersten Manrico hatte bei Verdi explizit um Erlaubnis gebeten. Der Maestro hatte dies ausdrücklich erlaubt, unter der Voraussetzung, dass das C auch schön gesungen werde.
So hat sich diese Konvention durchgesetzt und die meisten Hörer kennen die Arie nur so, ein Befolgen der originalen, tiefen Note der Partitur würde beim Publikum Irritationen auslösen, wenn nicht sogar Enttäuschung. Sogar Toscanini, der jegliche Freiheiten, die sich Sänger im 19. Jahrhundert genommen hatten, untersagte, hat die Konvention akzeptiert. Im Jahr 2000 zu den Feierlichkeiten des 100. Todestages von Verdi im Mailänder Opernhaus «La Scala» ordnete Riccardo Muti, der Dirigent und künstlerische Direktor der Scala an, dass diese Arie in der Originalversion zu singen sei, also ohne das hohe C. Nach der Arie hagelte es Buhrufe der Loggionisti und das Resultat war ein regelrechter Theaterskandal, der tagelang die Presse und die Gemüter bewegte.
Teatro alla Canobbiana (heute Teatro lirico)
Uraufführungsort der „Elisir d’amore“
Dieses Theater war der Uraufführungsort seiner «Elisir d’amore». Donizetti hat die Oper in unfassbaren 13 Tagen geschrieben. Der Zeitdruck rührte daher, dass ein Komponist des Mailänder Teatro alla Canobbiana (neben der Scala das volkstümliche, zweite Theater der Stadt) sein Auftragswerk nicht rechtzeitig fertigstellen konnte und das Theater deswegen kurzfristig eine Alternative brauchte.
Hector Berlioz hat seinerzeit eine der ersten Aufführungen der Oper besucht und er äußerte sich wenig schmeichelhaft über den damaligen Theaterbetrieb. Er musste sich anstrengen über dem Lärm des Publikums die Musik zu hören. Die Leute sprachen miteinander, spielten um Geld, dinierten und übertönten erfolgreich das Orchester.
Das Canobbiana wurde 1894 in «Teatro lirico» umbenannt und hatte seither eine bewegte Geschichte, unter anderem ein Brand im Jahre 1937. Seit einigen Jahren läuft eine Renovation. Die Eröffnung ist für 2021 oder 2022 geplant.
Nach dem verheerenden Brand 1937:

KIRCHEN
Chiesa San Marco
Uraufführungsort von Verdis Requiem: Tief erschüttert durch den Tod Rossinis, wollte Verdi 1868 verschiedene Musiker dazu bewegen, gemeinsam ein Requiem für den Nationalheiligen zu schreiben. Verdi schrieb zwar einen Schlusssatz, das Werk kam aber nicht zustande. 15 Jahr später beim Tod des Künstlers und Inspirators des Risorgimentos, Alessandro Manzoni, nahm Verdi das Heft selbst in die Hand und schrieb sein berühmtes Requiem für einen Gedächtnisgottesdienst, der schliesslich ein Jahr nach dem Tode Manzonis in der Kirche San Marco stattfand. Verdi nahm an der Erstaufführung nicht teil, dirigierte aber ein Jahr später am selben Ort eine weitere Aufführung dieses gewaltigen Werks.
Campanile der Basilica San Marco:

Von Mozart besucht: In dieser Kirche spielte Mozart bei seinem ersten Besuch zum ersten Mal vor grösserem Publikum auf eine der ältesten Orgeln der Lombardei. Die Kirche ist unbedingt besuchenswert und hat u.a. sehr schöne Fresken. Sie wurde 1254 erbaut und u.a. von Martin Luther besucht worden sein. Eine weitere schöne, von Mozart gerne frequentierte Kirche ist die Chiesa di Sant’Antonio Abate.

Montag und Donnerstag ist auf dem Platz Markt
Dom von Mailand
Toscaninis Abschied von Puccini: 1924 dirigierte Arturo Toscanini die Begräbnisfeierlichkeiten für den verstorbenen Puccini im Dom von Mailand. Toscanini trug schwer daran, denn schon 23 Jahre zuvor hatte er für Verdi die Feierlichkeiten geleitet und nun war sein Freund und Gefährte Puccini an der Reihe. Die Ansprache hielt niemand anderes als Benito Mussolini, der den Tod des zum Nationalheiligen gewordenen politisch auszuschlachten versuchte.

MUSEEN
Museo teatrale alla scala
Das Museum des Opernhauses: Im interessanten Theatermuseum neben der Scala finden Sie viele Exponate wie beispielsweise Kostüme, Bilder etc. Beim Besuch kann man in der Regel auch Logen betreten und einen Blick in den Theater-Saal werfen. Im Ausstellungszimmer 4 finden Sie ein bekanntes Portrait Verdis von Scalese und den Autographen des berühmten Chors «Va pensiero» aus dem „Nabucco“.

Im Museum befindet sich auch das bekannte Portrait Bellinis von Carlo Arienti, welches 1831 in Mailand entstand.
Ölgemälde von Bellini:

Museo instrumenti musicali im Castello Sforzesco
Für Liebhaber von älteren klassischen Instrumenten findet sich ein Paradies mit über 700 ausgestellen Musikinstrumenten vom 16. Bis zum 20. Jahrhundert, darunter Zupfinstrumente, Geigen aus Cremona, Flöten und auch ein Spinett auf dem Mozart gespielt haben soll.

Museo degli instrumente musicali:
HÄUSER UND APPARTEMENTS
Apartement in Mailand von Maria Callas
Ab 1952 wohnte Maria Callas mit ihrem Mann Meneghini in ihrer Stadtwohnung obersten Stock in der Via Buonarotti 38, wenn sie in Mailand war. Ende der 50er Jahre wurde dort auch Aristoteles Onassis gesehen. Heute erinnert noch eine Gedenktafel an die berühmte Bewohnerin des Hauses.

Mozart Aufenthaltsort in Mailand
In diesem Palazzo war Mozart bei seinen Aufenthalten in Mailand häufiger Gast einer Seidenfabrikantenfamilie. Er hatte auch die Ehre den Musiksaal einzuweihen. Dieser spektakuläre Palast kann aber nur beschränkt besichtigt werden, ausschliesslich im Rahmen von Touren. Von aussen sieht der Palazzo unscheinbar aus, von innen ist er mit einem grossartigen Salon und Fresken von Tiepolo spektakulär. Zurzeit ist er Sitz der ISPI mit Büroräumlichkeiten.

Führungen frühzeitig, vor Reisebeginn abklären.
GRABSTÄTTEN BERÜHMTER MUSIKER
Casa Verdi: Giuseppe Verdi
Grabstätte im Casa di riposo: In seinen letzten Lebensjahren initiierte Verdi eine grosszügige Tat. Er kaufte an der Piazza Buonarroti ein grosses Areal und liess dort ein Erholungsheim für verarmte, alte Musiker bauen. Bewusst wollte er nicht ein spitalähnliches Pflegeheim bauen, sondern ein Heim für Gäste, die statt in Schlafsälen, in 2er Zimmer wohnen sollten.
Seither kamen über tausend Personen in den Genuss dieses geschmacksvoll eingerichteten Pensionats, welches auf Wunsch Verdis erst nach seinem Tod eröffnet wurde. Er überwachte die Arbeiten akribisch und sprach «von seinem schönsten Werk» (‘mia piu bella opera’). Der Garten mit der Krypta Verdis und seiner Frau Giuseppina ist mit Absprache bei der Rezeption zugänglich, mehr (Konzertsaal, türkisches Zimmer und viele interessante Memorabilien) hängt von den Tagesereignissen ab.
Casaverdi:


Cimitero monumentale: Arturo Toscanini & Vladimir Horowitz
Toscanini starb 1957 im Alter von 90 Jahren in New York. Er wurde nach Italien gebracht, wo eine Feierlichkeit in der Scala stattfand.
Auf diesem Carrara-Marmorblock sieht man 3 Nornen, die die Schicksalsfäden in den Händen halten.

Auf der Rückseite schließlich sieht man einen nackten Mann und eine nackte Frau: Sie umarmen sich in Schmerz. Zwischen ihnen steht die Inschrift in Erinnerung an den kleinen Giorgio Toscanini , der im Juni 1906 im Alter von knapp 5 Jahren starb, dem jüngsten Sohn von Arturo Toscanini.
Vladimir Horowitz, der berühmte Pianist, war der Schwiegersohn von Arturo Toscanini und wurde zusammen mit seiner Frau Wanda in der Familiengruft von Arturo Toscanini begraben.
Cimitero monumentale: Arigo Boito
Arigo Boito war ein Schriftsteller und Musiker. Er schrieb unter anderem Libretti für Verdi (Simon Boccanegra-Revision, Otello, Falstaff) und schrieb die bekannte Oper „Mefistofele“.


Cimitero monumentale: Franco Corelli
Corelli war ein berühmter, aber umstrittener Tenor. Seine gewaltige Stimme ertönte in den 50er und 60er Jahren. Trotzdem kann man sich dem Sog dieser Stimme nicht entziehen.

Cimitero monumentale: Amilcare Ponchielli
Ponchielli wurde durch seine Oper „la Gioconda“ unsterblich (das berühmteste Stück daraus ist der „Tanz der Stunden“). Später lehrter er am Mailänder Konservatorium, zu seinen bekanntesten Schülern gehörten Giacomo Puccini und Pietro Mascagni.

HOTELS, RESTAURANTS UND SPEZIALITÄTEN
Gran Hotel Milan (früher Albergo Milano)
Gleich zwei historisch bedeutsame Dinge spielten sich in diesem Hotel ab. Zum einen war es das Sterbehaus von Giuseppe Verdi, der hier eine Suite permanent bewohnte.
Verdi Suite: Noch heute kann diese Suite als „Giuseppe Verdi Suite“ gebucht werden, sie wurde weiterhin möglichst nahe an der Originalausstattung gehalten.

,Berühmtheit erlangt hat das Hotelzimmer auch durch den Balkon, der zum Zimmer gehört. Hier nahm Verdi mehrmals Ovationen von Menschenmengen entgegen. Am glanzvollsten nach der Uraufführung des Otello, als der Tenor der Uraufführung, Francesco Tamagno, ihn begleitete und dieser vom Balkon aus zur Freude der Menschenmenge Arien aus dem Otello sang.

Caruso Junior Suite: Zum zweiten war es der Ort, wo Enrico Caruso mit Fred Gaisberg die legendären allerersten Musikaufnahmen seiner Stimme machte. Er nahm ein halbes Dutzend Arien, vom Klavier begleitet auf und wurde zum ersten Plattenmilionär der Geschichte.

Die Suite 306, wo die Aufnahmen stattfanden kann als „Enrico Caruso – Junior Suite“ gebucht werden.
Maria Callas Suite: Auch Maria Callas war hier. Bevor sie ihre Wohnung in der Via Buonarotti bezog, war sie oft im Gran Hotel. Dort ist eine Junior Suite zu ihren Ehren gestaltet worden.
Das Savini, Lieblingsrestaurant von Maria Callas

Dieses Restaurant war einer der Lieblingsorte von Callas. Ein Ort, an dem auch Puccini, Verdi, Toscanini einst verkehrten.
Mit Visconti im Savini:

Sie saß gerne an Tisch Nummer 7, im zweiten Stock, ein intimer Tisch, an dem sie sich nach den Abendvorstellungen entspannen konnte.
Tavolo 7 im Savini:

Die Mailänder Spezialität Barbajada
Die Barbajada ist kein Ort, sondern ein Produkt. Und zwar hatte der besagte, spätere Opernimpresario Domenico Barbaja (mehr zu Barbaja in Mailand und in Neapel) als Kellner angefangen und ein Produkt entdeckt, mit dem er reich wurde und in jungen Jahren eine Kaffeehauskette in Mailand aufbaute, unbescheiden gab er seinen Nachnamen dem Produkt: die Barbajada war geboren.

Es ist ein Getränk aus Kakao, Schokolade und Rahm, ein Vorläufer des Cappuccinos. Es war bis in die dreissiger Jahre des letzten Jahrhunderts populär, verschwand dann aber aus den Kaffeehäusern. 2007 nahm die Stadtverwaltung Mailands das Produkt in die Liste der De.Co auf, der Liste der typischen Gastronomie-Produkte der Stadt und man findet es seither immer öfter. Stolz steht die Barbajada auf dieser Liste neben der Minestrone alla Milanese, dem Panettone, der Cassoeula, dem Rostin negàa, dem Mondeghili, dem Costoletta alla Milanese, der Michetta di Milano, dem Ossobuco Milanese und natürlich dem Risotto alla Milanese.
Barbajada:
Geniessen Sie das Produkt beispielsweise in den Kaffeehäusern der Mailänder Panettone Institution Vergani.
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