Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner - ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes
- peter
- 6. Juli
- 12 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Juli

«Der Ring des Nibelungen» ist ein Gesamtkunstwerk auf Augenhöhe mit Werken der Weltliteratur wie Homers «Ilias» oder Dantes «Divina Commedia».
Erstaunlich wie homogen uns dieses Werk erscheint, welches über einen Zeitraum von 25 Jahren und in einem komplexen Entwicklungsprozess erschaffen wurde.
Die Handlung von "Der Ring des Nibelungen" als Video
Die Deutung und Interrpretation von "Der Ring des Nibelungen" als Video
Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner
KOMPONIST: zur Biografie von Richard Wagner
Zu den einzelnen Opern Portraits:
URAUFFÜHRUNG:
Bayreuth, 1876 LIBRETTO: Richard Wagner, basierend auf verschiedensten Urquellen. Hauptsächlich zu nennen sind: Die griechische Mythologie, die nordische Edda Saga und Völsung Saga und das deutsche Nibelungenlied.
DIE HAUPT PERSONEN: Siehe die einzelnen Portraits der Opern Rheingold, Die Walküre, Siegfried, Götterdämmerung
AUFNAHME EMPFEHLUNG: DECCA mit Wolfgang Windgassen, Birgit Nilsson, Gottlob Frick, Christa Ludwig und Dietrich Fischer-Dieskau unter der Leitung von Georg Solti und den Wiener Philharmonikern.

Handlung
Ein Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend. Handlung: siehe die einzelnen Portraits der Opern «Rheingold», «Die Walküre», «Siegfried», «Götterdämmerung»
Kommentar
Die Entstehungsgeschichte I/III:
Wagner plante schon zur Zeit der Komposition des Lohengrins, Ende der 40er Jahre, über ein grossangelegtes Werk nach. Er zog verschiedene Stoffe in Betracht, darunter auch «Jesus von Nazareth». Am Schluss entsprach das «Nibelungenlied» am meisten seinen Vorstellungen und es wurde zur wichtigen literarischen Basis. Wie immer startete Wagner mit dem Libretto.
Dabei begann er interessanterweise mit «Siegfrieds Tod» (das später den Namen «Götterdämmerung» erhielt). Er schrieb das Drehbuch von hinten nach vorne, sodass der Text zum «Rheingold» 1853 als letzter entstand. Wagner machte sich rasch an die Komposition und er schrieb «Rheingold» 1853/54, teilweise während seines Italien Aufenthalts. Zu dieser Zeit entstand keine Aufführung, da er das Werk erst auf die Bühne bringen wollte, wenn alle vier Opern geschrieben waren und so ein «Ring»-Zyklus möglich war. Ludwig der Zweite ordnete aber die Uraufführungen der ersten Oper gegen den Willen Wagners in 1869 in München an, sieben Jahre vor der ersten Aufführung des «Ring»-Zyklus in Bayreuth.
Die Sprache – Wagners Stabreim:
Wagner bediente sich in seinen Dichtungen des Öftern des nordischen Stabreimes, was für die Hörer seiner Opern und die Leser seiner Texte gerne zu Heiterkeit führt. Zwei Beispiele aus dem Gesang der Rheintöchter im Rheingold: Wagalaweia! Wallala weialaweia! oder Weia! Waga! Woge, du Welle, walle zur Wiege!
Was war der Grund dafür? Wagner war ein hervorragender Sängerkomponist. Er war sich bewusst, dass die deutsche Sprache mit ihren vielen tonarmen Konsonanten quer zur sanglichen Lautgestaltung steht. Am störendsten waren diejenigen am Ende des Wortes.
So liegt es auf der Hand, dass der Stabreim nicht Selbstzweck war, sondern ein Mittel mit der deutschen Sprache gesangsorientiert und sängerfreundlich umzugehen, indem er die Worte mit Vokalen füllte.
Die Leitmotive als Klammer der Werke:
Der Ring wurde nicht mehr durch Arien und Duette strukturiert, die Nummernoper wich dem Musikdrama. Als wichtiges Strukturelement und musikalische Klammer hat Wagner Leitmotive verwendet, die wir in allen vier Dramen immer wieder antreffen.
Jede wichtige Einzelheit, seien es Personen oder Dinge (beispielsweise der Tarnhelm oder das Schwert), haben ihre musikalische Formel. Schon in frühen Werken hat Wagner diese Technik angewandt, im Ring wird es zum wichtigsten Kompositionsprinzip.
Hans von Wolzogen, ein Schüler Richard Wagners, erarbeitete 1876 vor der ersten Aufführung des Rings eine Übersicht der Motive und gab ihnen Namen (z.B. «Fluch Motiv» oder «Walhalla Motiv»).

Die Zahl der Leitmotive wird auf weit über einhundert geschätzt! Die Motive (teilweise nur kurze Floskeln) werden verändert, miteinander verwoben, kreieren wieder neue Motive und werden dadurch zum stilbildenden Element des Rings.
Sie dienen dem Hörer als Erinnerungsmotive, kommentieren das Bühnengeschehen und weisen auf Zusammenhänge. Es ist vergleichbar mit der Rolle des Erzählers, «der über den Köpfen der handelnden Personen hinweg sich mit dem Publikum verständigt» (Holland, Opernführer). Man spricht auch von der Semantisierung der Musik.
Wagner hat die Aussagen von Wolzogen zwar toleriert aber davor gewarnt, das Werk auf die Leitmotive zu reduzieren. In diesem Opernführer werden in den Portraits der jeweiligen Werke etwa drei Dutzend der wichtigsten Motive einzeln vorstellen. Es lohnt sich die Leitmotive zu kennen, um den Hörgenuss zu steigern.
Die Orchestrierung:
Wagners Orchester erfuhr mit dem Ring eine gewaltige Massierung von Instrumenten und er ging weit über das hinaus, was er beispielsweise für den Lohengrin vorgeschrieben hatte. Wagners zielte nicht auf Lautstärke, sondern auf eine Differenzierung der Ton-Farben, um die Aussagekraft und – Variation der Motive zu maximieren.
Die Entstehungsgeschichte II/III:
Wagner begann die Arbeit an Siegfried 1857, 3 Jahre nach Rheingold und anschliessend an die Arbeit zur Fertigstellung der Walküre. Doch bald schon begann die Arbeit zu stocken. Wagner, der permanent in Geldnöten war, musste entsetzt zur Kenntnis nehmen, dass sein Verlag die Publikation des Rings ablehnte und dass der Traum einer Aufführung somit weit weg in der Zukunft lag.
Das hiess als Konsequenz, dass in nächster Zeit kein Geld fliessen würde. Zudem war Wagner mitten in der Liaison mit Mathilde Wesendonck, was dazu führte, dass sein Kopf nicht frei für die anspruchsvolle Geschichte des Rings war. Der Arbeit zum Ring kam ins Stocken.
Mathilde Wesendonck:
Mathilde trat 1852 in Wagners Leben. Er lernte die 24-Jährige in seinem Zürcher Exil kennen. Die darauffolgende Geschichte ist wohlbekannt. Ihr Ehemann wurde sein Zürcher Mäzen und Wagner begann eine heimliche Beziehung mit der in enger Nachbarschaft lebenden Mathilde. In diesem Jahr 1857 schrieb er die berühmten Wesendonck Lieder, basierend auf Mathildes fünf Gedichten. Darauf widmete er seine Arbeitskraft nun dem Tristan, und «Siegfried» wurde auf die Seite gelegt.
Die Handlung von «Tristan und Isolde» ist bezeichnend: Tristan (Wagner) und Isolde (Mathilde) können auf Erden nicht zusammenkommen wegen Isoldes Beziehung mit König Marke (Wesendonck). Zuflucht finden die beiden im Liebestod. Das enge Verhältnis der beiden wurde durch Wagners Frau Minna gestört, als sie im Folgejahr einen Brief abfing. Die spätere Ehefrau Cosima wollte in Wagners Nachlass alle Spuren zu Mathilde verwischen und verbrannte sie. So sind nur noch Wagners Briefe an Mathilde Zeuge dieser Beziehung, von der Mathilde bis zum Schluss behauptete, sie sei rein platonisch gewesen.
Die Enstehungsgeschichte III/III:
Erst 1869 nahm Wagner die Arbeit an Siegfried wieder auf (mittlerweile waren auch die Meistersinger entstanden). Es ging darum den 3. Akt (die Szenen am Walkürefelsen) zu komponieren. 1871 war das Werk schliesslich vollendet. Dazwischen gab es noch Verzögerungen wegen eines Disputes, den Wagner mit seinem Mäzen Ludwig II hatte, der entgegen dem Willen Wagners befahl, das «Rheingold» und «Die Walküre» in München aufzuführen.
Die Götterdämmerung als Finale einer grossen Saga:
Die Götterdämmerung ist die Auflösung dieser gewaltigen Saga, die Wagner aus Dutzenden von Quellen zusammengeführt hat.
Diese epische Geschichte zusammenzubringen und eine monumentale Musik dazu zu schreiben, darf zu Recht als eine Jahrhundert Leistung genannt werden. Die Handlung des «Ring» spannt sich über mehrere Generationen, über 20 tragende Figuren spielen mit. In kaum einem anderen Werk eines einzelnen Künstlers sind so viele Bühnenfiguren mit eigenen Persönlichkeiten und eigenen Schicksalen geschaffen worden.
Ein eigenes Festspielhaus in Bayreuth:
Wagner war es von Beginn weg klar, dass die Aufführung eines solchen Werkes in der bestehenden Theaterlandschaft kaum möglich war. Die Idee eines eigenen Festspielhauses war früh geboren. Doch es sollten 25 Jahre von der Idee bis zu deren Vollendung verstreichen. Die Finanzierung dieses enormen Unterfangens sicherzustellen, kostet Wagner viel Arbeit und die Gesundheit, da er trotz fragiler Körperverfassung viel reisen und dirigieren musste.
1872 zog Wagner mit seiner Frau Cosima nach Bayreuth um, und die Bauarbeiten begannen. Es gelang ihm zusammen mit vielen Gönnern Geld für die Grundsteinlegung des Festspielhauses und für den Kauf der Villa Wahnfried zu sammeln und vier Jahre später (und nach einem weiteren gigantischen Zuschuss Ludwigs II) wird das Festspielhaus mit Rheingold eröffnet.
Die ersten Festspiele erfolgen 1876 in Anwesenheit Wilhelms und der ganzen europäischen Kulturprominenz und wurden zu Wagners grösstem Triumph, auch wenn zu seinem Leidwesen künstlerisch, finanziell und organisatorisch einiges schief ging. Mit dem Ring und dem Bau des Festspielhauses vollendete Wagner seine Vision des Gesamtkunstwerks: der Vereinigung der Künste der Musik, der Dichtung, der Architektur und der Bühnengestaltung.
Die grossen Visionen Wagners:
Wagner schöpfte aus seiner Kreativität grossartige Visionen. Als Beispiele seien genannt: die Szenen des Rheins, die Höhen von Walhalla, die Schmiedehallen von Nibelheim oder der Feuerzauber um Brünnhildes Schlafstätte oder das Finale der Götterdämmerung. Jeder dieser Bilder (und noch viele mehr) sind Momente von fantastischer Kraft, erschaffen von einem vollendeten Dramatiker.
Auch heute noch stellen die Darstellung dieser Szenen technisch und künstlerisch die Ausführenden vor grossartige Herausforderungen. Gerade die «Götterdämmerung» mit ihrem dichten Handlungsstrang und den verschiedensten Handlungsorten ist enorm anforderungsreich.
Die Herausforderung der Inszenierung:
Die Inszenierung eines ganzen «Ring»-Zyklus’ stellt ein Theater vor gewaltige Probleme. Als erstes ist die Bühnengestaltung zu nennen. Wagner stellte die Theater vor Schwierigkeiten, die auch heute noch die Techniker zur Verzweiflung bringen, insbesondere die vielen fliessenden Aktwechsel sind enorm schwierig umzusetzen.
Als zweites muss eine Unzahl von Sängern rekrutiert werden, welche zum Teil Stimmfächer betreffen, die nur wenige Sänger beherrschen. Diese Sänger sind teilweise schon Jahre im Voraus verbucht. Und drittens ist eine schlüssige Inszenierung mit einer Aussage zu erschaffen.
Die Interpretation
Der Ring als Parabel:
Der «Ring des Nibelungen» ist eine Parabel. Und weil er eine geniale Parabel ist, kann er vielfältig gedeutet werden. Da die Zeit der Komposition 25 Lebensjahre Wagners umfasst, können viele und vielfältige Aussagen und Schriften Wagners zur Deutung herbeigezogen werden. Dazu kommt, dass seine gesellschaftlichen und politischen Anschauungen sich im Laufe der Jahre weiterentwickelten.
Bezeichnenderweise wandelte er sich vom Anarchist der 48er Jahre zum Günstling eines Königs in den 60er Jahre. Vom Meister selbst existiert keine «definitive» Deutungs-Aussage der Parabel. Meiner Meinung lassen sich drei Hauptdeutungen herauskristallisieren.
Deutung / Interpretation 1 - die 1848er Revolution:
Wagner schrieb den Hauptteil des Textes in seinen «wilden Revolutionsjahren», in denen sich ganz Europa in der Restaurations- Periode nach dem Wiener Kongress befand. Wagner beklagte mehrmals, dass die Gesetze der Monarchien im Dienste der Mächtigen arbeiteten.
In der «revolutionären Deutung» repräsentieren die Götter die Monarchien der Restaurationsjahre, die sich, von Revolutionen bedroht, mit Hilfe von korrupten Gesetzen verzweifelt an die Macht klammern. Schon dass es Götter und Mächtige gibt, ist eine «Ursünde» (siehe auch weiter unten bei Deutung von Symbolen). Die Riesen und die Gibichungen repräsentieren den Adel und das Bürgertum, welche sich willenlos mit dem Monarchen arrangiert haben.
Das Bürgertum lässt sich von den Monarchen instrumentalisieren (Wotans uneheliche Kinder). Die Nibelungen repräsentieren das einfache Volk, das in der beginnenden Industrialisierung von den Ihrigen (Alberich) geknechtet wird. Wagner war in seinen Dresdener Jahren ein erklärter Anhänger des Anarchisten Bakunin. Der Revolutionär Siegfried versucht den Umsturz, er scheitert aber am Widerstand der herrschenden Klasse gegen das Neue.
Sein Tod ist der Staatsraison geschuldet, doch sein Scheitern birgt bereits die Saat für die Revolution (Walhallas Untergang). Das Gold ist das Symbol des Giers nach Besitz (siehe weiter unten bei Deutung von Symbolen).
Deutung / Interpretation 2 - die kommunistische Deutung:
Genauso wie die Gesellschaft sich nach den revolutionären 48er Jahren veränderte, wandelt sich die Deutung der Ring-Parabel: Die Politiker der konstitutionellen Monarchien lösen die Monarchen teilweise als Götter ab. Sie erschaffen neue Gesetze, welche ihre Herrschaft absichert.
Der Tarnhelm erlaubt ihnen, sich als Vertreter der Schwachen zu maskieren. Schwache Hüter der Gerechtigkeit wie die Rheintöchter (z.B. das Parlament) vermögen das Gold (die Freiheit) nicht vor dem Zugriff der Korrumpierten (Politiker und Industrielle) zu schützen. Der entstehende Mittelstand der Bourgeoisie (Riesen, Gibichungen) ist eine Ansammlung von willenlosen Geschöpfen, deren Streben nach materiellem Besitz sie determiniert.
Wagner betonte in späteren Jahren mehrmals, wie sich das Proletariat durch Ausbeutung und Arbeitsteilung entfremdete. Das Hämmern der Ambosse in Nibelheim entspricht den Fabrik-Schloten der Industriellen, die dort die arbeitende Bevölkerung (Nibelungen) zu ihrer Bereicherung beherrscht.
Deutung / Interpretation 3: die Künstler-Deutung:
Eine weitere Deutung kam im Laufe der Zeit hinzu: Wagner sah sich als revolutionärer Künstler. Seine künstlerischen Konzepte des Musikdramas und des Gesamtkunstwerks waren revolutionär und fanden glühende Anhänger aber auch offene Ablehnung.
Seine grössten und prägendsten Niederlagen seines Lebens waren wohl seine zwei Versuche sich in Paris durchzusetzen. Sein Scheitern (Siegfried) war den Eliten (Götter) und dem Publikum geschuldet, die aus kulturellen und finanziellen (Gold und Ring) Gründen noch nicht bereit waren die Musik der Zukunft zu erkennen, sondern nicht schöpferischer Musik wie zum Beispiel die von Meyerbeer nachgingen (Mime, Alberich, Hagen).
Weitere Deutungen/Interpretationen:
Der Ring ist reich an Anspielungen und Symbolik und es lassen sich weitere mögliche Themen herauskristallisieren:
Das Handeln der Protagonisten lässt sich vielfältig psychologisch deuten wie z.B. Liebe, Gier, Machtstreben, Verzicht etc. (psychologische Deutung)
Ausbeutung der Natur durch den Menschen (grüne Deutung)
Die Rolle der Frau in einer männerdominierten Gesellschaft (feministische Deutung)
Entfremdung der Arbeitstätigkeit von der Natur und vom Menschen selbst in einer arbeitsteiligen Gesellschaft
Eine Anmerkung - Wagner und Geld: Wagners Verschwendungs- und Luxussucht war gigantisch. Daraus resultierten astronomische Schuldenberge, die Wagner zeit seines Lebens vor sich herschob.
Erst mit der Bekanntschaft Ludwig II fand er eine Lösung, die aber bald schon von den finanziellen Verpflichtungen für das Festspielhaus in Bayreuth überschattet wurde. So war Geld stets ein beherrschendes Lebensthema Wagners, doch «die Sucht nach Gold fand Wagner nur bei Juden und Franzosen unmoralisch» (Gutman, «Richard Wagner»).
Deutung/Interpretation von Symbolen
Gold & Ring:
Als Quelle des Glücks erschafft das Gold Schönheit und Wahrheit. Wird es zum Ring geschmiedet und damit missbraucht (Geld / Besitz), erschafft es Herrschaft ohne Liebe. Der Ring steht für den Besitz und die Korruption von Menschen durch den Besitz. Es korrumpiert selbst den, der es gut meint.
So erhält Brünnhilde von Siegfried den Ring als Pfand und versteht ihn als Symbol für ihre Ehe, die für Wagner aber für Besitz eines andern steht und so dem Urzustand entgegensteht. Weil sie den Ring und Siegfried nicht freigibt, vergibt sie die Weltenrettung. Auch Siegfried hat in der Götterdämmerung die Möglichkeit den Ring den Rheintöchtern zurückzugeben, doch er scheitert an der erwachenden Gier, als er die Bedeutung des Rings erfährt. So werden sowohl Siegfried wie Brünnhilde durch den Besitz des Rings korrumpiert. Am eklatantesten ist es bei Fafner, der durch den Besitz des Rings gar zum Ungeheuer wird.
Götter:
Götter sind Projektionen der Menschen, die weder gut noch böse geboren werden, sondern ihrem Charakter und ihren Möglichkeiten zum Bösen oder zum Guten wenden können. Sie werden oft als die Politikerkaste gedeutet.
Liebe und Macht:
Zwei lebenszentrale Mächte, die als komplementär definiert werden. Wer Liebe ausübt, verzichtet auf Macht, wer Macht ausübt verrät die Liebe. Auf eine Formel gebracht: Der Besitz von Geld und Macht korrumpiert («Nur wer der Minne Macht entsagt, nur der Liebe Lust verjagt, nur der erzielt sich den Zauber, zum Reif zu zwingen das Gold»).
Natur und Liebe:
Natur ist die Welt in ihrem Urzustand. Liebe ist ein Urzustand, der mit Reinheit und Unschuld gleichgesetzt werden kann.
Natur und Ursünde:
Niemand darf sich das Recht anmassen, sich die Natur zum Besitz zu nehmen. Sie gehört allen. Wotans Raub an der Weltesche ist die Ursünde. Mit anderen Worten: das Streben nach Eigentum ist der Kern alles Übels.
Tarnhelm:
Das Verbrechen kann durch den Mächtigen mit List maskiert werden. Wer sich maskiert, kann Taten verüben die Legalität vorgaukeln (z.B. Siegfried maskiert sich als Gunther).
Wotans Speer: In ihm hat Wotan die Gesetze und Regeln eingraviert, die er erschuf und auf denen er seine Macht begründet.
Wotan hat den Speer aus der Weltesche geformt. Als Siegfried ihn mit seinem Wert zerschlägt, verliert Wotan die Legitimation seiner Macht. Das Gesetzt dient demjenigen, der die Macht hat und verteidigt den Besitz.
Uneheliche Kinder Wotans (Siegfried, Walküren, Siegmund, Sieglinde):
Es handelt sich um instrumentalisierte Personen der Herrschenden, damit sie unbemerkt Einfluss gewinnen. Wotan darf Fafner den Ring nicht stehlen. Er lässt ihn durch einen vermeintlich Freien anstreben (zuerst Siegmund, später Siegfried), der unterstützt wird von Brünnhilde, einem weiteren unehelichen Kind, damit der Herrschende mit reiner Weste dasteht.
Berühmte Inszenierungen
Der Ring des Nibelungen – Patrick Chéreau / Pierre Boulez:
1976 inszenierte der Filmregisseur Patrick Chéreau als erster Ausländer einen Ring in Bayreuth. Zusammen mit seinem Dirigenten-Landsmann Pierre Boulez entwickelte er eine Sozialistische Deutung des Rings (basierend auf einer Deutung von G.B. Shaw aus dem 19. Jahrhundert), in dem er die Handlung nicht in einer mythischen Landschaft ablaufen liess, sondern in der Umgebung einer Gesellschaft der industriellen Revolution.
Die Inszenierung führte zu heftigen Protesten, wurde aber 5 Jahre später unter grossem Jubel verabschiedet. Dieser sogenannte «Jahrhundert-Ring» hatte einen ungeheuren Einfluss auf die Regie Tätigkeit in den Opernhäusern und wurde zur Basis für das folgende Zeitalter der «Regie-Oper».
Der Ring des Nibelungen – Georg Solti: A
nfang der 50er Jahre war es erstmals möglich, Stereo Aufnahmen zu machen. DECCA wollte mit einem Ring-Zyklus diese neue Technik ausschöpfen und ein technisches Vorzeigestück entwickeln, die sie mit Akribie verfolgte. Für den musikalischen Part engagierten sie Georg Solti.
Solti wählte nicht den damals gängigen entschlackten Zugriff, sondern war bereit, die ekstatischen und romantischen Seiten des Rings zu zeigen. Die Resonanz war enorm und die Platten / CDs des DECCA/Solti Rings gehören zu den meistverkauften Klassik-Aufnahmen überhaupt.
3 Fun Facts
1. «Fünf Mal lebenslänglich und jede Menge weitere langjährige Haftstrafen!» lautete die Beurteilung des Juristen Ernst von Pidde, der in den sechziger Jahren die Vergehen des Nibelungen-Personals aus strafrechtlicher Warte beurteilte.
2. Die Brünnhilde ist neben der Isolde die «hochdramatische» Rolle des Wagner Repertoires schlechthin. Ständig muss sie gegen ein Riesenorchester ansingen. Das schreckte Birgit Nilsson nicht ab, denn sie war ein Stimmwunder. «Stimmbänder aus Stahl» und «Trompete» waren Attribute, die man oft hörte, wenn sie andere Sänger und das Orchester mit ihrer Stimme überstrahlte. Bei den Aufnahmen zum Ring in der berühmten Solti-Aufnahme soll es öfters aus dem Lautsprecher getönt haben «Bitte treten Sie bei hohen Tönen drei Schritte zurück, Frau Nilsson», da die Klangwellen die Mikrophone überforderten.
3. Für die Uraufführung des «Siegfried» in Bayreuth 1876 wurde der Drache in einer englischen Manufaktur gefertigt und in Teilen nach Deutschland geschickt. Ein Teil des Halses fand den Weg nicht nach Bayreuth, ein Angestellter hatte «Beyruth» als Adresse angegeben. So fehlte dann dem Drachen der Hals und sein Kopf sass direkt auf dem Körper.
Biografie von Richard Wagner (Doku)
Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner




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