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Die Walküre von Richard Wagner - ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes

  • peter
  • 5. Juli
  • 13 Min. Lesezeit
Die Walküre von Richard Wagner
Die Walküre - Opernführer

«Die Walküre» bietet eine Fülle beeindruckender Szenen, die zum größten der gesamten Opernliteratur gehören.


Allen voran Wotans Abschiedsszene und Sieglindes und Siegmunds Liebesglück.



Die Handlung von "Die Walküre" als Video



Die Handlung von Die Walküre

 


Die Walküre von Richard Wagner


LEITMOTIVE: zu den Leitmotiven von Die Walküre

KOMPONIST: zur Biografie von Richard Wagner


URAUFFÜHRUNG: München, 1870


LIBRETTO: Richard Wagner, basierend auf verschiedensten Urquellen. Hauptsächlich zu nennen sind: Die griechische Mythologie, die nordische Edda Saga und Völsung Saga und das deutsche Nibelungenlied.


DIE HAUPT PERSONEN: Siegmund, Sohn des Wotans und Bruder der Sieglinde (Tenor) - Sieglinde, Frau von Hunding und Schwester von Siegmund (Sopran) - Brünnhilde, Walküre und Tochter Wotans (Sopran) - Wotan, Gott, Herrscher der Welt, auf der Suche nach dem Ring (Bariton) - Hunding, Ehemann der Sieglinde (Bass).


AUFNAHME EMPFEHLUNG: DECCA mit Jon Vickers, Birgit Nilsson und George London unter der Leitung von Erich Leinsdorf und dem London Symphony Orchestra.


Die Walküre Aufnahmeempfehlung



Handlung



ZUSATZINFORMATION (Was zwischen "Rheingold" und "Die Walküre" geschah:


Fafner hat sich mit dem Ring in die Neidhöhle zurückgezogen. Damit niemand ihm den Ring wegnehmen kann, hat er sich mit Hilfe des Tarnhelms in einen Drachen verwandelt. Um Meer von Erda über sein Schicksal zu erfahren, steigt Wotan in den Schoss der Welt zu Erda hinab.


Erda kündigt ihm ein schmähliches Ende an. Um diesem Schicksal zu entgehen, bezwingt er Erda mit seinem Liebeszauber und sie zeugen die Walküre Brünhilde. Sie soll ihm helfen, den Angriff Allberichs auf das Götterreich abzuwehren. Wotan fürchtet, dass Allberich von Fafner den Ring erbeutet.


Ihm selbst ist es untersagt Fafner seinen gerechten Lohn zu rauben. So will er einen Helden zeugen, der, frei von Verträgen, Fafner den Ring entreisst. Mit einer Menschenfrau zeugt er das Geschwisterpaar Siegmund und Sieglinde. Er lebt mit ihnen zusammen, bis er eines Tages seine Frau tot auffindet, und Sieglinde spurlos verschwunden ist.



1. AUFZUG:


In einem dichten Wald während eines orkanartigen Gewitters. Der verwundete Siegmund ist auf der Flucht. (Vorspiel) Mit letzter Kraft erreicht er Zuflucht in einem einsamen Haus. Es ist die Stätte Hundings und dessen Frau Sieglinde. Sieglinde erbarmt sich und gibt dem Fremden zu trinken. (Wes Herd dies auch sei, hier muss ich rasten)


Hunding kommt nach Hause. Gedankenvoll erkennt er die Ähnlichkeit von Sieglinde und des Fremden und will seine Geschichte hören. Siegmund erzählt, dass er eines Tages nach Hause kam und seine Mutter tot aufgefunden hatte. Das Haus war in Asche und es war keine Spur von seiner Zwillingsschwester zu sehen.


Er erfuhr später, dass seine Schwester in eine Heirat gezwungen wurde, und er versuchte sie zu retten. In diesem Moment erkennt Hunding Siegmund als seinen Todfeind, den er diese Nacht gejagt hatte. Aus Tradition gewährt er Siegmund Gastrecht und fordert ihn für den nächsten Tag zum Duell.


Hunding und Sieglinde begeben sich in ihr Schlafzimmer. Siegmund ist waffenlos dem Feind ausgeliefert. Er entsinnt sich, dass sein Vater ihm einst ein Schwert verhieß. Sehnsüchtig denkt er an die Frau, die ihn vorhin so seltsam anzog. (Ein Schwert hieß mir der Vater) Als sich Siegmund zur Ruhe gelegt hat, erscheint Sieglinde.


Sie hat Hunding ein Schlafmittel verabreicht und erzählt nun, dass sie einst unter Zwang mit Hunding verheiratet wurde und ein Fremder ein Schwert in den Baum wuchtete und es dem Stärksten versprach, der es herausziehen könne. Niemand gelang es bis jetzt und sie zeigt Siegmund das Schwert, welches in einem Baum steckt.


Sehnlich erwartet Sieglinde seither den Helden, der ihre Schmach tilgen wird. (Der Männer Sippe) Eine magische Kraft zieht die beiden zueinander. Der Sturm hat sich verzogen und magisch glänzt der Mond am Himmel. (Winterstürme wichen dem Wonnemond)


Als Siegmund von seiner Sippe erzählt, erkennt Sieglinde in ihm ihren Bruder, den sie so lange nicht mehr gesehen hat. Ekstatisch nennt sie ihn Siegmund. Erregt begibt sich Siegmund zum Baum, packt das Schwert und mit einem gewaltigen Ruck zieht er es heraus. Es gibt keinen Zweifel mehr, Siegmund ist vom Stamme der Wälse und Sieglinde gibt sich ihm als seine Schwester zu erkennen. Leidenschaftlich küssen sich die beiden. In der Morgendämmerung fliehen sie gemeinsam aus dem Haus.



2. AUFZUG:


Im Götterreich: Wotan hat Brünhilde zu sich gerufen. Sie soll Siegmund im Zweikampf gegen Hunding beistehen, da er Siegmund für die Eroberung des Rings vorgesehen hat. (Nun zäume dein Ross, reisige Maid) Wotans Frau Fricka begibt sich zu ihrem Mann und verlangt von ihm Hunding zu unterstützen, da Wotan Siegmund mit einer anderen Frau gezeugt hatte.


Als Hüterin der Ehe kann Fricka diesen Frevel nicht akzeptieren, zudem untergrabe er mit seinem Plan seine eigenen Gesetze. Wotan ruft Brünnhilde zu sich. Nie sah sie Wotan so betrübt und niedergeschlagen. Er vertraut ihr die Geschichte des Rings und der Verträge an.


Tief betrübt befiehlt er Brünnhilde, dass Siegmund beim Duell sterben soll. (Als junger Liebe Lust mir verblich) Brünnhilde will ihm widersprechen, doch mit einer demütigenden Machtgeste bringt er seine Tochter zum Schweigen und befiehlt ihr zu gehorchen. Brünnhilde macht sich auf den Weg zu den beiden Fliehenden, die in einer felsigen Gegend erschöpft rasten.


Hunding und seine Schächer sind ihnen dicht auf den Fersen. Als Sieglinde erschöpft in den Schlaf fällt, erscheint Brünnhilde. Sie verkündet Siegmund, dass er den Kampf mit Hunding nicht überleben wird. Als Lohn verspricht sie ihm den Einzug in Walhall zu seinem Vater Wotan und seinen Schwestern den Walküren.


Als Siegmund erfährt, dass Sieglinde nicht bei ihm sein würde und weiterleben müsste, erklärt er ohne Umschweife, dass er in diesem Fall gar nicht daran denke, Brünnhilde nach Walhall zu folgen, sondern dann lieber sterbe, ja die geliebte Sieglinde sogar notfalls selbst töten wolle, als sich von ihr zu trennen.


Auch Brünnhildes Hinweis, dass Sieglinde schwanger sei, hält Siegmund nicht auf: er zieht sein Schwert und holt aus, um Sieglinde zu erschlagen. Diese Geste rührt Brünnhilde dermaßen, dass sie Mitleid empfindet und beschließt, Siegmund im Kampf gegen Hunding zu unterstützen. (Sieh auf mich)


Die Hörner kündigen die Ankunft Hundings an, und Siegmund rüstet sich zum Kampf. Brünnhilde gehorcht Wotan nicht und verspricht Siegmund im Kampf zu helfen. Als Hunding und Siegmund sich gegenüberstehen und den Kampf beginnen, greift Wotan ein und zerstört Siegmunds Schwert.


Hunding ersticht den unbewaffneten Siegmund. Als er triumphierend Siegmunds Blut trinkt, tötet Wotan Hunding. Brünnhilde nimmt die Reste des Schwerts und flieht mit Sieglinde auf dem Pferd Grane. (Zauberfest bezähmt ein Schlaf)



3. AUFZUG:


Brünnhilde und Sieglinde sind nach Walhall geflohen um Hilfe bei ihren Schwester-Walküren zu finden. (Hojotoho! Hojotoho! Heiaha! Heiaha!) Die Schwestern sind entsetzt, dass Brünnhilde sich dem Willen ihres Vaters widersetzte und verweigern die Hilfe.


Brünnhilde gibt Sieglinde die Überreste von Siegmunds Schwert und kündigt ihr an, dass sie einen Helden namens Siegfried gebären werde. Sie gibt ihr das Pferd Grane, damit sie sich nach Osten flieht und sich im Wald Fafners vor Wotan verstecken kann. Sie selbst werde Wotans Rache harren. (So fliehe denn eilig und fliehe allein!)



Wotan erscheint. Er stößt Brünnhilde aus Walhalla aus und nimmt ihr den Götter Status. Er warnt die Schwestern, wer sich ihr nähert, die werde das gleiche Los ereilen. Wotan will Brünnhilde an einem Weg in einen Schlaf versetzen, wo die wehrlose dem erstbesten Mann ausgeliefert sein wird.


Die Schwestern protestieren erregt und Wotan verjagt sie. Nun allein mit ihrem Vater appelliert Brünnhilde an ihn, zu ihrem Schutz ein Feuer, um ihre Schlafstätte zu legen, damit nur ein Held sie bekommen könne. Emotionen überwältigen Wotan über den Verlust seiner Lieblingstochter und die beiden fallen sich in die Arme.


Mit einem zärtlichen Kuss auf die Stirn versetzt Wotan Brünnhilde in den Schlaf und er beauftragt Loge einen Feuerwall um ihre Schlafstätte zu errichten. (Leb wohl du kühnes herrliches Kind)



Kommentar


Interpretation und Geschichte des Rings:


Im vorangehenden Kapitel zum Ring finden Sie die verschiedenen Ansätze zur Interpretation des Werkes vor. Außerdem finden Sie dort weitere interessante Informationen über Geschichte, Interpretationen, Theorie der Leitmotive usw.



Drei große Höhepunkte des Rings:


In der Walküre erleben wir einige der absoluten Höhepunkte des Ringes welche zum großartigsten gehören, was die Opernliteratur hervorgebracht hat:

  • Der Liebesrausch der Geschwister Siegmund und Sieglinde in der sie sich als füreinander bestimmt erkennen («Winterstürme wichen dem Wonnemond», «Du bist der Lenz»)

  • Die Schwertszene («Deines Auges Glut…Nothung »)

  • Der Beginn der "Menschwerdung" von Brünnhilde und der Abschied von Siegmund («Sieh auf mich»)

  • Wotan erschütternder Abschied von seiner Lieblingstochter Brünnhilde («Leb wohl du kühnes herrliches Kind»).



Entstehungsgeschichte und Uraufführung:


Das Textbuch hatte Wagner schon zwei Jahre zuvor fertiggestellt, als er mit der Komposition der Walküre in den Zürcher Jahren 1854 begann. Durch die Bekanntschaft mit Mathilde Wesendonck entfachte sich die Kreativität Wagners von Neuem und der erste Akt ging gut von der Hand. Beim zweiten Akt kämpfte Wagner lange Zeit mit dem großen Monolog Wotans. 1856 konnte er die Partitur beenden.


Wagner wollte die Walküre erst in seinem Theater der Zukunft in Rahmen einer integralen «Ring»-Aufführung der Menschheit präsentieren. Doch Ludwig II wollte nicht auf diesen Sankt Nimmerleinstag warten.


Er besaß die Rechte und die Noten und ordnete eine Aufführung im München an. Nach Wagners schändliche Intrige bei der Uraufführung des Rheingolds geschah die Mitwirkung der Walküre gänzlich ohne sein Mitwirken. Die Uraufführung erfolgte am 26. Juni im Münchner Nationaltheater.


Der Erfolg der Aufführung war triumphal. Ein großer Teil der Musikwelt (Brahms, Saint-Saens, Liszt etc.) war nach München gepilgert, um das Werk zu sehen. Nur Wagner und Cosima blieben in Tribschen und schmollten. Es scheint, als ob er Ludwig lieber ein Fiasko gewünscht hätte als einen Erfolg.



Die Rolle der Brünnhilde:


Ein lebenslanges Thema Wagners bildete die Suche nach geeigneten Sängern. Er träumte von einer deutschen Sänger-Akademie unter der finanziellen Schirmherrschaft seines Gönners Ludwig, die den sängerischen Nachwuchs ausbilden würde, die seine Werke aufführen würden.


Noch in Bayreuth klagte er: «Was hilft es mir, wenn ich noch so schöne Noten schreibe und keinen Sänger finde, der sie zu singen versteht?». Zu den schwierigsten Rollen Wagners gehört die Brünnhilde. In «Die Walküre» tritt sie zum ersten Mal auf und wird zur Hauptgestalt des ganzen Rings.


Sie ist eine Tochter von Wotan und Erda und eine der acht Walküren. Das Wort Walküre stammt von «Wal» (Krieg) und «Küre» (die Wahl), deren Aufgabe ist es die gefallenen Helden nach Walhalla zu bringen. Sie ist die Lieblingstochter Wotans und verliert durch ihre Ungehorsamkeit den Götterstatus, wird dadurch in «Siegfried» und «Götterdämmerung» zum freien, liebenden Menschen.


Musikalisch ist sie neben der Isolde die bedeutendste hochdramatische Rolle des Wagnerschen Repertoires. Genau betrachtet, besteht die Brünnhilde des Rings aus drei verschiedenen Rollen. Die Brünnhilde der «Walküre» ist die Mittlere aber vielseitigste Rolle, während die der «Götterdämmerung» ziemlich tief und die des «Siegfried» sehr hoch liegt.


Die Partie ist schwierig zu besetzen, die Beanspruchung der Stimme ist riesig, sie verlangt nach großem Stimmvolumen und die Sängerin benötigt eine langjährige Erfahrung. Dadurch war die Auswahl der Sängerinnen eingeschränkt und viele Sängerinnen haben sich in relativ frühen Jahren ihre Stimme ruiniert.


Berühmte Brünnhilden waren Kirsten Flagstadt, Astrid Varnay, Martha Mödl und Birgit Nilsson (im Solti-Ring), Gwyneth Jones (im Chéreau-Ring), in neueren Zeiten darf man Nina Stemme nennen.


Kirsten Flagstadt
Kirsten Flagstadt


Geschwisterliebe und die Verwandtschaft zum «Tristan»:


Natürlich war die Inzest-Szene des ersten Aktes ein Skandal. Allerdings hatte Wagner das Thema der Geschwisterliebe respektive des schwesterlichen Opfertodes bereits in verschiedenen früheren Werken aufgenommen («Die Sarazenin», «Die Feen», «Rienzi»), nie wurde der Inzest musikalisch und dramatisch aber so offen dargestellt wie in der «Walküre».


Dazu kam Sieglindes Ehebruch. Mit letzterem wurde «Die Walküre» so etwas wie die Vorgängerin von «Tristan und Isolde», des zweiten Ehebruchs der Wagnerschen Musikliteratur.


Zur Zeit der Komposition hatte Wagner bereits seine Beziehung zu Mathilde Wesendonck, der Frau seines Gönners Otto, bereits begonnen und es steht außer Zweifel, dass seine Gedanken bei der Komposition des ersten Aktes der «Walküre» im Jahr 1854 bereits bei dieser Frau waren, die zehn Jahre später seine Inspiration für die Isolde wurde.


Der mit Minna Planner verheiratete Wagner schrieb auf die Originalpartitur das ominöse «G.S.M.» – was ausgedeutscht heißt: «Gesegnet sei Mathilde»).



Die schönsten Stellen


Vorspiel:


Mit einfachen Mitteln zeichnet Wagner eine packende Eröffnung der Oper. Mit tremolierenden Streichern beschreibt er die dramatische Flucht Siegmunds und mit punktierten tiefen Streichern und grellen Einwürfen der Blechbläser malt er die Gewitterszene.



Ein Schwert hieß mir der Vater:


Nun setzt Siegmund zum großen Monolog «Ein Schwert hieß mir der Vater» an. Stolz ertönt schon bald das Schwert-Motiv in den Bläser:



Mit mächtiger Stimme beschwört Siegmund die Sippe der Wälse, ihm zum Schwert zu verhelfen. Das mächtige «Wälse» mit der Begleitung der tremolierenden Streicher wurde dabei das Markenzeichnen vieler Tenöre. Lauritz Melchior vermochte es sagenhafte 15 Sekunden zu halten.



Winterstürme wichen dem Wonnemond:


Die Musik verändert sich plötzlich. Nach dem Aufeinandertreffen mit Hunding und der dramatischen Erzählung Sieglindes erleben wir Siegmund in einer lyrischen Stelle. Wagner komponierte für dieses Liebeslied ein Cantabile, wie wir es im ganzen Ring sonst nie erleben. In «italienischer» Manier, von gedämpften Streichern und wogenden Triolen begleitet, entfaltet sich eine lyrische Arie.



Deines Auges Glut…Nothung:


Wagner hat in dieser Oper gleich zwei Tabus gebrochen: Inzest und Ehebruch. Dabei stand für ihn nicht der Akt oder eine Skandalisierung im Vordergrund. Es ging ihm darum, dass mit Siegfried ein blutreiner Held geboren wird.


Wie beim «Wälse» ist bei der Stelle «Nothung, leidliches Schwert» der tenorale stimmliche Kraftprotz gefragt.



Nun zäume dein Ross, reisige Maid:


Mit Reminiszenzen aus dem ersten Akt beginnt das kurze Vorspiel des zweiten Aktes. Zuerst hören wir das Schwertmotiv, welches in das Liebesmotiv von Sieglinde und Siegmund übergeht:


Liebesmotiv von Sieglinde und Siegmund

Darauf hören wir zum ersten Mal das Motiv des Ritts der Walküren. Nach Wotans Auftritt hören wir den berühmten Schlachtruf der Walküren «Hojotoho» gesungen von Brünnhilde.



Als junger Liebe Lust mir verblich:


Der große Monolog Wotans wird von düsteren, leeren Basstönen eingeleitet. Es ist die detaillierteste Schilderung der Vorgeschichte des Rings. Die Erzählung wird immer wieder von Leitmotiven des Orchesters kommentiert.


Dieser Abschnitt ist oft ob seiner Länge kritisiert worden. Es ist das Drama des Wotans, der zwar der absolute Herrscher, aber der «unfreieste aller» ist, weil er an seine Verträge gebunden ist und seinen Plan scheitern sieht, da Fricka genug von den außerehelichen Eskapaden ihres Göttergatten hat.



Sieh auf mich:


Dieser Abschnitt beschreibt das erste Zusammentreffen einer göttlichen und einer menschlichen Gestalt. Die Kriegsgöttin Brünnhilde empfindet zum ersten Mal Mitleid, ein ihr bislang unbekanntes Gefühl.


Um die Bedeutung des Moments zu unterstreichen setzt Wagner prominent die sogenannten «Wagner-Tuben» ein, die speziell für den Ring konstruiert wurden. In feierlichem, gemessenem Tempo erscheint Brünnhilde dem Siegmund wie ein Todesengel und die Tuben spielen Sie das ergreifende Schicksalsmotiv:



Dieses Schicksalsmotiv bildet die Basis für das zweite wichtige Motiv, welches während der ganzen Szene präsent bleibt, dem sogenannten «Todesverkündigungsmotivs»:


Todesverkündigungsmotivs


Zauberfest bezähmt ein Schlaf:


Mit zärtlichen Tönen beginnt das Finale des zweiten Aktes als Sieglinde erwacht. Doch bald schon kündigen die schallenden Hörner die Ankunft Hundings an. Als die beiden Männer sich zum Duell aufstellen, geschieht alles sehr schnell.


Zuerst wirft sich Sieglinde vergeblich zwischen die beiden und gleich darauf erscheint Brünnhilde, begleitet vom Walküren-Motiv in den Blechbläsern, um Siegfried zu unterstützen. Zuletzt erscheint Wotan, der Brünnhilde den Speer entreißt und mit ihm das Schwert Siegmunds zerstört und Hunding den waffenlosen Siegmund erstechen lässt. Von zwei grellen Akkorden begleitet stirbt Siegmund.


Die Musik beruhigt sich. Wotan trauert um Siegmund und beschließt Brünnhilde zu bestrafen. Er tötet Hunding und mit einer wilden, aufgewühlten Bläsersequenz endet dieser Akt.



Hojotoho! Hojotoho! Heiaha! Heiaha!:


Der dritte Akt beginnt mit dem sogenannten Walkürenritt. Man sieht die sieben Schwestern wie sie blutüberströmte, getötete Krieger nach Walhalla schleppen. Dabei tobt ein Gewittersturm und die Walküren rufen ihren Schlachtruf «Hojotoho».



So fliehe denn eilig und fliehe allein!:


In dieser dramatischen Szene, in der die schwangere Sieglinde verzweifelnd nach Schutz sucht, offenbart Brünnhilde ihr, dass die Frucht ihrer Liebe zu Siegmund ein Held sein wird, glanzvoll ertönt zum ersten Mal das Siegfried Motiv:



Anschließend übergibt sie Sieglinde die Überreste von Siegmunds Schwert. Brünnhilde wird ob der Selbstlosigkeit Brünnhildes nun von Emotionen übermannt und sie singt über dem farbigsten Orchester, das strahlende Liebeserlösungsmotiv:



Liebeserlösungsmotiv

Dieses Motiv werden wir erst wieder am Schluss des Rings antreffen, es wird die Götterdämmerung und damit das gesamte Werk beenden.



Leb wohl du kühnes herrliches Kind:


Der Abschied Wotans von Brünnhilde ist eine der großen Szenen des Rings. Hören Sie wie Wotan sich zärtlich ergriffen von Brünnhilde verabschiedet und sich die Musik in einem ekstatischen Schluss auflöst. Zuerst hören wir das nostalgische Ruhestättemotiv:



Anschliessend hören wir in den Hörnern das Siegfriedsmotiv («Denn einer nur freit die Braut, der freier als ich, der Gott»). Es wird gefolgt von Wotans Liebesmotiv (nach ca. 3 Minuten), das den Schmerz des Abschieds ausdrückt. Es erscheint zuerst in den Bläsern und dann, in einer überwältigenden Schmerzensgeste, in den Violinen:



Die lange lyrische Szene, in der Wotan Brünnhilde zum Schlaf bettet, endet jäh mit dem Speermotiv, mit dem Wotan zur Tat schreitet




Mit dem Feuerzaubermotiv entzündet Wotan mit Hilfe Loges das Feuer um die Schlafstätte Brünnhildes:



Mit der Kontrapunktischen Verbindung verschiedenster Motive klingt diese Szene herrlich aus.



Große Aufnahmen in YouTube


Ein Schwert hieß mir der Vater – Mario del Monaco: Hören Sie eine Aufnahme ist von Mario del Monaco (1915-1982) mit einer brillanten, metallenen Stimme - sie hören Naturgewalt pur.


Ein Schwert hieß mir der Vater – Lauritz Melchior: In der männlichen Hauptrolle des Siegmunds gibt es einen Sänger, der alle anderen Tenöre überstrahlt: Lauritz Melchior (1899-1973). Falls Sie ihn noch nie etwas von ihm gehört haben, machen Sie sich einen akustischen Eindruck von seiner Stimme mit dem Stück «Wälse», einem in der Aufnahmegeschichte berühmten Dokumenten wo er die Wälse Rufe öfter mit 15 oder mehr Sekunden Tondauer singt!


Winterstürme wichen dem Wonnemond... Du bist der Lenz – Franz Völker: Hören Sie Franz Völker (1899-1965) welcher einer der größten Lohengrin und Siegmund des vergangenen Jahrhunderts war.

Er sang in seiner Karriere regelmäßig italienische Opern und vereinte die Stimmkraft eines Heldentenors mit der lyrischen Gesanglichkeit. Seine belcantistische Stimmführung hob sich wohltuend vom sogenannten «Bell-Canto» ab, dem unnatürlichen, konsonantenspuckenden Sprechgesang der Cosima Wagner - Jahre in Bayreuth.

Seine Biografie war eng mit dem Aufstieg des dritten Reichs verknüpft. Seine Geschichte dieser Jahre war ambivalent, auf der einen Seite sah er aus wie der Prototyp des nordischen Helds, was ihn zusammen mit seiner großen Stimme zu einem Publikumsliebling machte. Er war Hitlers Lieblingstenor der Vorkriegs-Jahre 1933-1940 und genoss dessen Protektion. Die benötigte er auch, denn sein Privatleben bot erhebliche Angriffsflächen.

Er war verheiratet mit einer Frau mit jüdischen Wurzeln. Er verteidigte sie bis zum Ende der Nazizeit und sie überlebte die Kriegsjahre. Das wäre bereits genug für ein Auftrittsverbot gewesen, doch Völker wurde darüber hinaus 1938 wegen homosexuellen Handlungen gerichtlich verurteilt, was im dritten Reich einer strafbaren Handlung entsprach. Hitlers persönliche Protektion schützte ihn vor einem Auftrittsverbot.


Winterstürme wichen dem Wonnemond - Plácido Domingo: Plácido Domingos Stimme strahlt in dieser Arie aufs schönste, er war ein glänzender, herausragender Siegmund.

Winterstürme wichen dem Wonnemond – Jonas Kaufmann: Kaufmann hat das Volumen und die Kantabilität eines großen Siegmunds.


Deines Auges Glut…Nothung – Lauritz Melchior: Wir hören diese berühmte Szene in der Interpretation von Lauritz Melchior. Nach Meinung vieler Experten hat es «nie zuvor solch eine machtvolle Tenorstimme gegeben, so dunkel timbriert und zugleich so brillant, und bis heute hat er keinen Nachfolger gefunden» (Scott).


Nun zäume dein Ross, reisige Maid - Birgit Nilsson: Hören Sie diese Passage mit Birgit Nilsson in der Rolle der Brünnhilde. Birgit Nilsson war mit Ihrer Stimmkraft eine begnadete Wagnersängerin und war die führende «Hochdramatische» der Nachkriegszeit und damit die Nachfolgerin von Kirsten Flagstadt.


Hojotohe - Kirsten Flagstadt: Hören Sie Brünnhildes «Schlachtruf» (aus «Nun zäume dein Ross, reisige Maid») aus einer amerikanischen Fernseh-Aufzeichnung aus dem Jahr 1938.

Flagstadt war die größte Brünnhilde der dreißiger Jahre. Ihre Stimme war voll, kräftig und zugleich geschmeidig und glanzvoll. Ihre Auftritte an der Metropolitan Opera, zumeist mit Lauritz Melchior, wurden zur Legende «Kirsten Flagstadt errang sich und dem Wagner-Repertoire einen neuen Popularitätsstandard, so dass es Kritiker gab, die die amerikanische Wagner-Pflege in das Zeitalter ‘before and after Kirsten’ einteilten» (Fischer, «Große Stimmen»).


Leb wohl du kühnes herrliches Kind – Donald McIntyre / Gwyneth Jones: Sehen Sie die Szene in einer Interpretation aus einem eindrücklichen Ausschnitt einer Fernsehaufzeichnung der berühmten Chéreau / Boulez-Inszenierung des Bayreuther Rings der siebziger Jahre.



3 Fun Facts


1. Als Kirsten Flagstadt 1935 mit der Rolle der Sieglinde in zum ersten Mal in den Vereinigten Staaten sang, wurde ihr Debut an der Metropolitan Opera zur Sensation. Als sie zur ersten Probe erschien und die ersten Takte sang, ließ der Dirigent vor Ergriffenheit seinen Stab fallen und der Direktor der Met ließ alle Journalisten von den naheliegenden Bars holen, um an diesem Wunder teilzuhaben.


2. Die Tenor Rollen des Rings sind anspruchsvoll und kräfteraubend. Der große Wagnertenor Lauritz Melchior gönnte sich zwischen zwei Szenen ab und zu ein Kotelett. Mehrere Male soll er den folgenden Einsatz deswegen verpasst haben.


3. In ihren jungen Jahren probte Birgit Nilsson erstmals mit dem berühmten Dirigenten Hans Knappertsbusch, der für seine kernigen Sprüche bekannt war. Als er bei einem Fehler laut rief: «Was singt die Kuh da oben?», rief die nicht-mundfaule Nilsson zurück: «Was der Ochs da unten dirigiert.»


Biografie von Richard Wagner (Doku)




Die Walküre von Richard Wagner

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