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Siegfried von Richard Wagner - ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes

  • peter
  • 6. Juli
  • 14 Min. Lesezeit
Siegfried von Richard Wagner, Opernführer & Handlung
Siegfried von Richard Wagner, Opernführer & Handlung

«Siegfried» ist ein gewaltiges Heldenepos über einen Revolutionär.


Die große Waldszene und die Schmiedeszene sind von beglückender Farbigkeit, und es endet mit einer der großen Liebes-Apotheosen der Opernliteratur.



Die Handlung von "Siegfried" als Video



Die Handlung von Siegfried

 


Siegfried von Richard Wagner


LEITMOTIVE: zu den Leitmotiven von Siegfried

KOMPONIST: zur Biografie von Richard Wagner



URAUFFÜHRUNG:


Bayreuth, 1876 LIBRETTO: Richard Wagner, basierend auf verschiedensten Urquellen. Hauptsächlich zu nennen sind: Die griechische Mythologie, die nordische Edda Saga und Völsung Saga und das deutsche Nibelungenlied.


DIE HAUPT PERSONEN: Wotan / Wanderer, Gott und Herrscher der Welt (Bariton) - Siegfried, Sohn des Siegmunds und der Sieglinde (Tenor) - Brünnhilde, Walküre und Tochter des Wotans (Sopran) - Alberich, Nibelunge (Bass) - Mime, Nibelunge und Bruder des Alberichs (Tenor) - Erda, Seherin und Mutter der Nornen (Alt) – Fafner / Drache, in einen Drachen verwandelter Riese (Bass).


AUFNAHME EMPFEHLUNG: DECCA. Wolfgang Windgassen, Hans Hotter, Birgit Nilsson, Gustav Neidlinger und Joan Sutherland unter der Leitung von Georg Solti und den Wiener Philharmonikern.






Siegfried: Aufnahmeempfehlung
Siegfried: Aufnahmeempfehlung


Handlung


VORGESCHICHTE:


Handlung der «Walküre» (siehe das vorhergehende Kapitel)



ZUSATZINFORMATION (Handlung zwischen "Die Walküre" und "Siegfried":


Erschöpft trifft Sieglinde auf der Flucht auf Mime. Dieser gewährt ihr Zuflucht in seiner Höhle. Bevor sie bei der Geburt ihres Sohnes Siegfried stirbt, bittet sie Mime ihn zu erziehen und ihm im Mannesalter die Schwertstücke zu übergeben.



1. AUFZUG:


(Vorspiel) Mime ist seiner Höhle und schmiedet das Schwert für seinen Pflegesohn Siegfried. Er hat ihn vor vielen Jahren als Ziehsohn aufgenommen. Er soll ihm nun helfen, Fafner den Ring zu entreißen. Mit Hilfe des Tarnhelms hat sich der Hüter des Rings in einen Drachen verwandelt, den nur ein Held besiegen kann. Mime ist frustriert. Seine Schwerter halten der Kraft des brutalen und einfältigen Siegfrieds nicht stand. Das einzige Schwert, das seiner Kraft trotzen könnte, wäre Nothung.


Doch das liegt zertrümmert in einem Tuch. Wenn er es zusammenschmieden könnte, käme er an den Ring! Er versucht es noch einmal. Siegfried tritt ein und begutachtet das Schwert. Mit einem Streich zerstört er es und flucht Mime als Stümper. (Hoiho! Hoiho!) Siegfried verachtet den ihm sonderbar fremden Zwerg. Das einzige, was Mime noch für ihn tun könnte, ist zu erklären wer seine Mutter sei.


Als Mime behauptet, dass er Mutter und Vater zugleich sei, droht Siegfried mit Gewalt. Nun erzählt Mime die Geschichte einer Frau mit dem Namen Sieglinde, die er allein mit einem kleinen Kind im Wald auffand. Er nahm sie auf, doch sie starb kurz darauf. (Als zullendes Kind zog ich Dich auf) Den Vater kannte er nicht, erschlagen sei er worden, einzig die Trümmer seines Schwertes habe er von ihm aufbewahrt. Als Siegfried die Trümmer erblickt, zwingt er Mime daraus ein Schwert zu schmieden und verlässt die Höhle. (Aus dem Wald fort in die Weg ziehn)


Doch Mime ist ratlos, schon oft hat er versucht das Schwert wieder zusammenzuschmieden. In diesem Moment tritt ein unbekannter Wanderer ein. Es ist Wotan, der das Gedeihen von Siegfried heimlich verfolgt, da er versucht mit Hilfe Siegfrieds seine Macht zu sichern. (Heil dir weiser Schmied) Er verkündet Mime, dass derjenige das Schwert schmieden solle, der das Fürchten nie gelernt habe und auch, dass Mime durch dessen Hand sterben werde.


Auf geheimnisvolle Art entzündet sich die Glut der Feuerstelle. Nun tritt Siegfried ein, und Wotan verlässt unbemerkt die Höhle. Siegfried tobt als er Mime nicht hinter dem Amboss sieht. Mime erzählt von der Prophezeiung des Wanderers. Um seinen Kopf zu retten rät er ihm, das Fürchten beim Drachen Fafner zu lernen. Siegfried begreift, dass er das Schwert braucht, um beim Drachen zu bestehen.


Als Mime es wiederum nicht schafft, das Schwert zu schmieden, erkennt Siegfried, dass er selbst derjenige ist, der das Fürchten nie gelernt hat und das Schwert selbst schmieden muss. Er zerteilt das Schwert in Späne und schmiedet es neu. Fasziniert schaut Mime zu, wie der Unwissende das Schwert in der Glut neu erschafft. (Her mit den Stücken) Siegfried fragt Mime nach dem Namen des Schwertes.


Nothung hieß es und so soll es wieder heißen. Nun beschließt auch Mime, Siegfried für seine Zwecke zu missbrauchen. Er will den nach dem Kampf mit dem Drachen ermüdeten Siegfried mit einem Gifttrank betäuben, ihn töten und den Ring an sich nehmen. (Nothung! Nothung! Neidliches Schwert)


Während Siegfried triumphierend sein Schwert fertig schmiedet, braut Mime den giftigen Trank, der ihm den Ring und damit die Weltherrschaft sichern wird. Als das Schwert fertig ist, ist die Waffe so mächtig, dass Siegfried damit den Amboss spalten kann. (Hoho! Hohei! Hahei!)



2. AUFZUG:


(Vorspiel zum 2. Aufzug) Alberich wartet vor der Neidhöhle, in der Fafners Schlafstätte liegt. Für ihn unerreichbar liegt der Ring bei Fafner, der sich mit Hilfe des Tarnhelms als Drache verwandelt hat und sich unbesiegbar wähnt.


Schon lange wartet Alberich auf eine Gelegenheit, den Ring wieder an sich zu nehmen. Er sieht einen Schatten. Es ist der Wanderer, in dem Alberich seinen alten Widersacher Wotan erkennt.


Alberich vermutet, dass Wotan ihm den Ring zum zweiten Mal stehlen will, doch Wotan behauptet, nur als Unbeteiligter vorbeigekommen zu sein. Er warnt Alberich, dass Mime mit Siegfried auf dem Weg zu Fafner sei und sein Bruder sein einziger Rivale um den Ring sei, denn Siegfried selbst wisse nicht um den Zauber des Rings. Er rät Alberich, Fafner zu warnen um als Gegenleistung den Ring zu bekommen.


Wotan ruft den Drachen und Alberich bietet dem Drachen an, das Unheil abzuwehren. Doch Fafner ist nicht interessiert und weist die beiden ab. Enttäuscht kehrt Alberich wieder in die Höhle zurück, und mit spottenden Worten verlässt Wotan den Ort.


Nun erreichen Siegfried und Mime den Ort. Mime warnt ihn vor des Drachens giftigen Speien und des tödlichen Schlags mit dem Schwanz. Siegfried zweifelt, ob er hier das Fürchten lernen kann und plant dem Drachen das Schwert ins Herz zu stoßen. Während er auf den Drachen wartet, sinnt Siegfried, wie wohl sein Vater und seine Mutter aussahen. (Aber wie sah meine Mutter wohl aus)


Er hört die Vögel pfeifen und versucht mit einem Schilfrohr die Töne nachzumachen. (Meine Mutter ein Menschenweib! Du holdes Vöglein!) Sie wollen ihm nicht gelingen, und er versucht es auf seinem Horn. Fafner wird von den Tönen aufgeweckt. Siegfried spricht ihn an und will von ihm das Fürchten lernen. Der Drache will Siegfried verspeisen und Siegfried stößt ihm Nothung mitten ins Herz. (Haha! Da hätte mein Lied!)


Im Sterben verwandelt sich der Drache in den Riesen Fafner zurück und warnt ihn vor dem Unheil des Nibelungenschatzes. Das vom Schwert tropfende Blut hat Siegfrieds Hand versengt. Als er die Hand mit dem Mund kühlt und in Kontakt mit dem Blut des Drachens kommt, kann er plötzlich Vogelstimmen verstehen. (Zur Kunde taugt kein Toter)


[Hier verzichtet Wagner in seinem Drehbuch auf eine explizite Inszenierung einer wichtigen Begebenheit. Und zwar badet Siegfried im Drachenblut, was ihn unbesiegbar macht. Einzig ein herabfallendes Blatt eines Baumes verwehrt dem Blut den Zugang zu einem Stück Rücken, was ihm in der Götterdämmerung sein Leben kosten wird.]


Ein Vogel, der ein Sprachrohr Wotans ist, rät ihm den Ring und den Tarnhelm zu sich zu nehmen. Siegfried geht zur Höhle sie zu holen. Alberich taucht auf und stößt auf Mime. Die beiden streiten sich um die Beute.


Als Siegfried wieder auftaucht verschwindet Alberich. Mittlerweile ist Wotan angekommen und beobachtet die Szene aus einem Versteck. Siegfried hat vom Waldvogel von den bösen Absichten Mimes erfahren. Als Mime ihm seinen Trank anbietet, durchschaut Siegfried seinen Plan und tötet Mime mit dem Schwert. Nun erfasst Siegfried ein Gefühl der Einsamkeit, und er bittet den Vogel mit ihm zu sprechen.


Dieser erzählt ihm von einem herrlichen Weib, das auf einem Felsen schläft, vom Feuer geschützt. Gerettet werden könne es nur von jemandem, der die Furcht nicht kennt. Jubelnd erkennt Siegfried, dass er der Retter sein wird und folgt dem Vogel, der ihm den Weg zu Brünnhilde weist. (Da liegst auch du, dunkler Wurm!)



3. AKT:


Wotan ist Siegfried zum Walkürefelsen vorausgeeilt, um dort Erda zu befragen. Sie durchschaut ihn und verweigert ihm ihre Hilfe. (Vorspiel ... Wache, Wala!) Doch Wotan zwingt sie, sein Schicksal zu prophezeien. Erda kündigt an, dass der Götter Macht bald enden wird, und auch sie mit ihren Nornen nichts daran ändern kann. Wotan ist müde und beschließt nun, Siegfried die Macht zu überlassen und erwartet ihn am Felsen. Das Aufeinandertreffen endet für Wotan unglücklich.


iegfried, behandelt ihn, den Unbekannten, ohne Respekt und Wotan entscheidet sich, sich ihm in den Weg zu stellen. Er kündigt ihm an, mit seinem Speer noch einmal wie einst, das Schwert Nothung zu zerschlagen. Damit glaubt Siegfried in dem Wanderer den Mörder seines Vaters zu erkennen und zerschlägt mit seinem Schwert den Speer Wotans.


Damit verliert Wotan alles und muss Siegfried zu Brünnhilde ziehen lassen. (Kenntest Du mich kühner Spross). Der Weg ist frei für Siegfried, der sich furchtlos ins Feuer begibt. (Mit zerfochntner Waffe wich mir der Feig) Heil erreicht Siegfried den Walkürefelsen, wo Brünnhilde schläft. Er erkennt eine schlafende Person in voller Rüstung.


Als er die Rüstung wegschafft, erblickt er aufgewühlt zum ersten Mal in seinem Leben eine Frau. Nun hat er das Fürchten gelernt und ein übermächtiges Gefühl bemächtigt sich ihm. Er fasst Mut und küsst sie, um sie zu erwecken. Brünnhilde erwacht und begrüßt den Tag.


Sie erblickt ihren Erwecker und erkennt in ihm Siegfried, den sie einst beschützte und immer liebte. (Heil dir, Sonne! Heil dir, Licht!) Freudig erblickt Brünnhilde auch ihr Pferd Grane. Als Siegfried sie bedrängt, erkennt sie mit Schrecken, dass sie ohne Rüstung, Schwert und Helm nicht mehr göttlich und damit schutzlos ist.


Noch nie wagte ein Mann sich ihr zu nähern. Nun ist sie eine sterbliche Frau und bittet Siegfried ihre Jungfräulichkeit zu bewahren. In den Armen von Siegfried wird sie von der menschlichen Leidenschaft der Liebe überwältigt. Siegfried drängt sie zur Vereinigung und vergibt die letzte Gelegenheit wissend zu werden. (Ewig war ich, ewig bin ich)




Kommentar


Interpretation und Geschichte des Rings:


Im ersten Kapitel zum Ring finden Sie die verschiedenen Ansätze zur Interpretation des Werkes vor. Außerdem finden Sie dort weitere interessante Informationen über Geschichte, Interpretationen, Theorie der Leitmotive usw.



Die klassische Heldengeschichte mit vielen Symbolen gespickt:


Die Geschichte des zweiten Abends ist im Grunde rasch erzählt. Der Held schmiedet sich ein Schwert, tötet den Drachen und gewinnt die Braut. Alles in allem die klassische Heldengeschichte. Was die Geschichte reich macht, sind die verschiedenen Handlungen und Gegenstände auf der symbolischen Ebene und von denen gibt es viele. Es ist die Tötung seines Stiefvaters, das Drachenblut, Siegfrieds (unbewusster) Zweikampf mit seinem Schöpfer und so weiter.



Eine riesige stimmliche Herausforderung:


Stimmlich ist die Hauptrolle des Tenors eine gewaltige Herausforderung. Es waren vor allem die Tenorrollen, die Wagner am meisten Kopfschmerzen machten, schon bei der Uraufführung enttäuschte der Siegfried. Die Aufgabe ist gewaltig, schon nach wenigen Sekunden muss er das erste hohe C singen und bereits im ersten Aufzug bringt Wagner den Sänger des Siegfrieds an seine Grenzen.


Nach einem weiteren anstrengenden zweiten Aufzug trifft der Tenor auf eine stimmlich ausgeruhte Brünnhilde, die erst in diesem Aufzug auftritt, und er muss mit ihr das monströse Schlussduett singen.


Nach 4 Stunden endet diese Parforce Partie, es ist die Partie des Heldentenors schlechthin.



Die Entstehungsgeschichte:


Wagner begann die Arbeit an Siegfried zügig nach der Fertigstellung der «Walküre» 1856. Doch die Arbeit kam gegen Ende des 2. Aktes ins Stocken, sein Verlag hatte die Publikation des Textbuchs des Rings abgelehnt und eine mögliche Aufführung lag sowieso in weiter Ferne.


Wie immer plagten ihn Geldsorgen und so beschloss er, dass Werk ruhen zu lassen und begann die Arbeiten an «Tristan», von dem er sich baldige Erlöse erhoffte. Auf den «Tristan» folgten die «Meistersinger» und es wurden 12 lange Jahre, bis er die Arbeit an «Siegfried» wieder aufnahm. Als Ludwig 1869 beschloss gegen Wagners Willen «Rheingold» in München aufzuführen, verzögerte er bewusst die Fertigstellung und beendete das Werk schließlich 1871, fünfzehn Jahre nach der Komposition der ersten Takten.




Die schönsten Stellen


Vorspiel:


Gespenstische Pauken in piano und zwei fahle Akkorde, die eine verminderte Septime bilden, leiten das Vorspiel ein. Sie symbolisieren wohl Mimes Verzweiflung, ob seiner Unfähigkeit das Schwert zu schmieden. Daraus entwickelt sich das geschäftige Nibelheimmotiv, dem hämmernden Arbeitsvorgang der Schmiede, welches wir aus dem Rheingold kennen:


Dann kombiniert Wagner zwei weitere Motive mit dem Nibelheim Motiv. Einerseits das Fronarbeitsmotiv (eine fallende Sekunde) und das Schatz-Motiv.

Wagner lässt auf diese Weise drei Leitmotive kontrapunktisch miteinander ertönen und führt den Hörer auf geniale Weise in die Welt Mimes ein.



Hoiho! Hoiho!:


Mit einem dem Horn entnommenen Motiv singt Siegfried beim Eintritt in Mimes Behausung ein fröhliches «Hoiho!». Es kontrastiert durch seinen natürlichen Tonsprung mit der chromatischen, düsteren Tonwelt Mimes. Etwas später hören wir das der Natur entnommene, im Horn gespielte Motiv Siegfrieds.



Als zullendes Kind zog ich Dich auf:


Mimes Name ist sprechend, der Name heißt so viel wie «vortäuschen». Wagner sieht Mime nicht als schöpferischen Geist (als wahrer Künstler), selbst den Tarnhelm konnte er nur unter Alberichs Aufsicht erschaffen. Er hat nicht die Größe der Götter und ist ein egoistischer Mensch. In seiner Eingangs- Erzählung hören wir in den Bässen sein unsympathisches und linkisches Ostinato- Motiv.


Auch sein Sprechgesang ist unnatürlich. In Inszenierungen wird Mime oft als Judenkarikatur dargestellt. In Wagners Korrespondenz oder in seinen Äußerungen gibt es allerdings keine entsprechende Erhärtung für diese Interpretation, bis auf eine Stelle, wo Wagner auf einen jüdischen Künstler hinweist, der die Rolle des Mime gespielt hatte.


So stehen die Charakteristika von Mime wohl eher für universale menschliche Züge, denn für irgendwelche Rassenthemen. Um sich bei Siegfried einzuschmeicheln, singt Mime ein veritables Lied. Allerdings schrieb Wagner für den Zwerg die Vortragsanweisung «mit schriller und klagender Stimme».



Und diese Stücke sollst Du mir schmieden … Aus dem Wald fort in die Weg ziehn:


An dieser Stelle singt Siegfried ein fröhliches Lied («Auf dem Wald fort»), das sogenannte Fahrtlustlied.

Heil dir weiser Schmied: Mit feierlichen Akkorden tritt Wotan in Mimes Höhle. Es ist das sogenannte Wanderer-Motiv.


Wie es einem Gott geziemt sind es feierliche, gemessene Akkorde, die sich in ihrer Dur-Gestalt von der Welt Mimes abheben.



Her mit den Stücken:


Mit einem Feuerwerk von Leitmotiven und einem farbigen Orchesterklang schildert Wagner umwerfend die Schmiede-Szene. Als Siegfried selbst die Arbeit übernimmt, wird die Musik sehr geschäftig und beschreibt anschaulich die Handgriffe Siegfrieds. Immer wieder ertönt dazu Siegfrieds Motiv, gepaart mit dem geschäftigen Motiv der Schmiedekunst-


Wie schon Walther in den «Meistersinger» muss Siegfried alle Konventionen der Schmiedekunst verlassen, um das Neue zu erschaffen. Mime staunt über die Arbeit des Unwissenden und als das Werk vollbracht ist, hört man das Schwert Motiv.

Nothung! Nothung! Neidliches Schwert: In diesem Stück hören wir das Motiv des Schwert Nothung, welches schon Siegmund in der «Walküre» verwendet hat. Mit diesem Motiv feuert er das Feuer der Blasebälge an. Immer wieder ertönt das Motiv schwer in den Bläsern.



Hoho! Hohei! Hahei!:


Wie Mime hämmert Siegfried im Rhythmus des Nibelungen Motivs das Schwert. Triumphierend singen er und Mime ein Duett. Deren Stimmen vereinigen sich zum Schluss triumphierend, was für Wagners späten Stil untypisch ist.



Vorspiel zum 2. Aufzug:


Dass der Riese Fafner sich in einen Drachen verwandelt hat, ist kein Zufall. Damit will Wagner aufzeigen, dass wer im Besitz des Goldes ist, sich in ein Ungeheuer verwandelt – Reichtum korrumpiert. Das Vorspiel beginnt mit dem Thema des Drachen Fafner.


Dazu hören wir in den Pauken das punktierte Motiv der Riesen, welches wir ähnlich aus «Rheingold» kennen. Im Vergleich zum Leitmotiv der Riesen aus dem «Rheingold», ist das Drachenmotiv aber nur noch ein behäbiges, kriecherisches Motiv.



Aber wie sah meine Mutter wohl aus:


Es folgt ein Abschnitt, der uns einen neuen Siegfried zeigt. War er bisher ein ungehobelter und gedankenloser Jüngling, zeigt er beim Gedanken an seine Eltern, die er nie kennenlernen durfte, seine verwundbare Seite. Es ist unzweifelhaft, dass Wagner mit Siegfried einen Seelenverwandten erschuf. In ihm sah er den revolutionären Menschen (= Künstler), der Wagner auch war und der an einer Gesellschaft scheitert, die für das Neue noch nicht bereit war.


Und jetzt kommen wir auf das eigentliche Thema des Abschnitts: auch Wagner durfte seinen leiblichen Vater nie kennenlernen, welcher sechs Monate nach Wagners Geburt an Typhus starb. Es ist kein Zufall, dass so viele Figuren aus Wagners Opern ihren Vater nie kannten. Neben dem Siegmund aus der Walküre können wir auch Parsifal und Tristan dazu zählen. So konnte Wagner Siegfrieds Emotionen im Waldweben so wunderbar und gefühlvoll vertonen. Beim Gedanken an seine Mutter («Ach! möcht’ ich Sohn meine Mutter sehen!») ertönt zärtlich das Wälsung Motiv aus der «Walküre» und das Waldwebenmotiv kehrt zurück. In der Oboe ertönt der Gesang eines Vogels.



Meine Mutter ein Menschenweib! Du holdes Vöglein! (Waldweben):


Voller Sehnsucht nach seiner Mutter sucht Siegfried seine innere Ruhe in der Natur. Wagner erzielt mit diesem Stück einen maximalen Kontrast: war der ganze Akt bisher dominiert von schweren Tonfarben und Bässen, dominieren in diesem Abschnitt die hohen Töne und hellen Farben.


Wir hören die Töne von Vögeln in den Holzbläsern. Wagner soll für diese Szene in den Wald gegangen sein, um den Vögeln zu lauschen. Dieses Stück wurde auch als orchestrales Stück unter den Namen «Waldweben» bekannt.



Haha! Da hätte mein Lied!:


In den Hörnern hören wir zwei wichtige Leitmotive Siegfrieds. Das erste ist lyrischer Art-

Das zweite ist heldischer Art.



Zur Kunde taugt kein Toter:


In dem Moment, wo Siegfried das Blut von seiner Hand leckt, hören wir wieder das Waldweben und der Flötengesang. Plötzlich ertönt dieselbe Melodie, die zuvor von einem Instrument als Vogelstimme hörbar war, nun von einem Sopran gesungen.



Da liegst auch du, dunkler Wurm:


Als mit Mime sein einziger Bezugspunkt tot ist, fühlt sich Siegfried unendlich einsam. Bald schon verfällt er in eine nostalgische Stimmung und ein sehnsüchtiges Liebeslust-Motiv ertönt, das immer drängender wird-


Der Vogel gibt ihm wenig später die Antwort auf seine Liebeslust, er erzählt ihm von «Brünnhilde, der herrlichsten aller Frauen» und weist ihm dann den Weg zu ihr.



Vorspiel ... Wache, Wala!:


Wie schon im zweiten Akt verwebt Wagner im Vorspiel verschiedene Leitmotive zu einem herrlichen kontrapunktischen Musikstück. Es beginnt mit dem Götternot-Motiv. Als zweites gesellt sich Wotans Speer Motiv hinzu.


Zusammen mit weiteren Motiven ergibt sich ein großartiges Tongemälde. Das Vorspiel geht nahtlos in die Szene über, in der Wotan in der gewittrigen Nacht in einer mystischen Szene den Walkürefelsen betritt, um mit Erda zu sprechen. Erda hatte mit Wotan die Walküre Brünnhilde gezeugt. Damit wurde sie selbst ein Teil von Wotans Plan und verlor ihre Hellsichtigkeit. Ihre Prophezeiungen sind nur mehr vage.



Kenntest Du mich kühner Spross:


Diese Szene ist ein Wendepunkt des «Ring». Während Wotan Siegfried wegen dessen respektlosen Verhaltens den Weg versperren will, hört man im Orchester bereits das Feuerzaubermotiv, das Loges Feuerwall ankündigt. Siegfried zerstört ohne Mühe Wotans Speer, der einst seinem Vater den Tod brachte.


Der Speer, der für Regeln und Verträge steht, ist zerbrochen. Siegfried, der anarchistische Held, fürchtet auch die höchste Autorität nicht. Wotan verabschiedet sich aus dem «Ring». In der «Götterdämmerung» werden wir ihn nicht mehr antreffen, sein Zauber und seine Macht sind passé.



Mit zerfochntner Waffe wich mir der Feig:


Es ist das Fanal der Götterdämmerung. Wagner lässt diesen wichtigen Szenen-Schluss mit einer gigantischen Musik beenden. Während Siegfried durchs Feuer geht, hört man wiederholt Siegfrieds Horn Ruf inmitten der Ekstase der Musik.



Heil dir, Sonne! Heil dir, Licht!:


Diese Szene ist eine der grandiosesten Szenen des ganzen Rings! Brünnhildes Erwachens-Motiv ertönt. Dieses wunderschöne Motiv der erwachenden Brünnhilde zeigt, wie Wagner aus zwei simplen Akkorden Großartiges zu formen wusste. Er lässt den e-Moll Akkord in den Bläsern an- und abschwellen und lässt ihn in ein C-Dur Akkord übergehen, der wieder nur von den Bläsern gespielt in einem Crescendo aufblüht und von sechs Harfen umspielt wird. Unverkennbar erinnern die Harfen-Arpeggien an das Erwachen der Natur zu Beginn des Rings im Vorspiel des «Rheingold»: Brünnhildes Erwachen Motiv



Ewig war ich, ewig bin ich :


Brünnhilde bittet Siegfried ihre göttliche Jungfräulichkeit zu bewahren, dafür hat Wagner ein wunderschönes Motiv komponiert: Ewige-Liebe Motiv.


Dieses «Ewige-Liebe» Motiv baute Wagner ein Jahr später zu einer eigenständigen Komposition aus. Er schenkte es Cosima am Weihnachtstag in Tribschen 1870 zu ihrem Geburtstag mit einem Konzert im Treppenhaus ihres Landhauses. Aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse komponierte Wagner es als kammermusikalisches Werk («Siegfried-Idyll»).


Zurück zur Handlung: Siegfrieds Brünstigkeit lässt die Zurückhaltung nicht zu, und Brünnhilde wird von seiner Liebesglut mitgerissen. Mit schallenden Hörner und ekstatischer Musik entspinnt sich der Liebesakt auf offener Bühne. In C-Dur erstrahlt «Leuchtende Liebe! Lachender Tod!». Kurz vor Schluss gibt es noch einmal ein Innehalten und mit einem C-Dur Akkord endet das Werk.



Große Aufnahmen in YouTube


Nothung! Nothung! Neidliches Schwert - Lauritz Melchior: Hören Sie in dieser Szene die Interpretation von Lauritz Melchior. Er singt diesen für den Tenor so anspruchsvollen Akt mit einer großartigen Intensität und Stimmkraft. Cosima Wagner schätzte ihn hoch und nannte ihn «den großen Dänen». Er war wohl der glanzvollste Siegfried der Aufnahmegeschichte.


Heil dir, Sonne! Heil dir, Licht! - Nilsson: Die Brünnhilde ist die Rolle für eine «Hochdramatische». Nach dem Krieg wurde diese Rolle von 3 Sängerinnen während 25 Jahren dominiert: Astrid Varnay, Martha Mödl und Birgit Nilsson. Die Brünnhilde taucht in 3 der 4 Abschnitten des Rings auf. Die Brünnhilde-Rolle in Siegfried ist die mit der höchsten Tessitura und damit sehr anspruchsvoll. Dazu kommt, dass sie gegen einen Riesenorchester ansingen muss, das Dirigenten gerne laut spielen lassen, um den Effekt zu steigern. Birgit Nilsson war ein Stimmwunder. «Stimmbänder aus Stahl», «Trompete» waren Attribute, die man oft hörte, wenn sie andere Sänger und das Orchester mit ihrer Stimme überstrahlte.



Ewig war ich, ewig bin ich - Florence Easton / Lauritz Melchior: Hören Sie sich die Aufnahme mit Lauritz Melchior und Florence Easton an, erleben Sie Ekstase mit einem eruptiven Charakter. Florence Easton war mit Ihrer Stimme voll Leuchtkraft eine der großen Konkurrentinnen von Rosa Ponselle an der Met der 20er Jahre.



3 Fun Facts


1. Der italienische Tenor Giampiero Mastromei durchschritt im zweiten Akt gemessen und mutig die Flammen von Loges Feuerwall. Plötzlich fing er zu rennen an - sein angeklebter Bart hatte Feuer gefangen…


2. Der damals noch unerfahrene Leo Slezak sang schon zu Beginn seiner Karriere den Siegfried. Bei einer Probe ereignete sich ein Unglück. Slezak stieß das Schwert so ungestüm in den Drachen Fafner, dass einer der zwei Bühnenarbeiter, die unter dem Pappmaché für die Bewegungen des Drachen sorgten, schwer verletzt ins Spital eingeliefert werden musste.


3. Der glanzvollste Siegfried der Aufnahmegeschichte war Lauritz Melchior. Cosima Wagner schätzte ihn hoch und nannte ihn «den großen Dänen». Seine Stimme war mit dem schönsten und größten Volumen ausgestattet, doch das Schauspielerische interessierte ihn nicht und er bekam den Spitznamen «das wandelnde Sofa».


Biografie von Richard Wagner (Doku)




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