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Rheingold von Richard Wagner- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes

  • peter
  • 4. Juli
  • 12 Min. Lesezeit
Rheingold - Opernführer
Rheingold - Opernführer

Der «Parsifal» gehört wie Verdis Falstaff und Puccinis Turandot zu den letzten, altersweisen Worten eines Meisters. Wagner strebte mit dem «Parsifal» nach etwas Allgemeingültigem, das die Ausübung der Kunst in den Rang eines Festtages versetzen sollte, ein Bühnenweihfestspiel eben.


Daraus wurde ein einzigartiges Werk, das mit seinem mythisch-religiösen Thema und dem spirituellen und musikalischen Gehalt noch immer den Zuhörer in seinen Bann zieht.



Die Handlung von Rheingold als Video



Die Handlung von Rheingold

 


Rheingold von Richard Wagner


LEITMOTIVE: zu den Leitmotiven von Rheingold

KOMPONIST: zur Biografie von Richard Wagner



URAUFFÜHRUNG: München, 1869


LIBRETTO: Richard Wagner, basierend auf verschiedensten Urquellen. Hauptsächlich zu nennen sind: Die griechische Mythologie, die nordische Edda Saga und Völsung Saga und das deutsche Nibelungenlied.


DIE HAUPT PERSONEN: Wellgunde, Flosshilde und Woglinde, Nixen und Rheintöchter, Hüterinnen des Rheingoldes - Wotan, Gott und Herrscher der Welt - Fricka, Göttin der Ehe und Frau von Wotan - Freia, Göttin und Hüterin der Äpfel der ewigen Jugend, Schwester der Fricka - Donner und Froh, Götter und Brüder der Fricka - Erda, Seherin und Mutter der Nornen - Loge, Halbgott und Gehilfe Wotans - Fasolt und Fafner, Riesen - Alberich, Nibelunge - Mime, Nibelunge und Bruder des Alberich


AUFNAHME EMPFEHLUNG: DECCA mit George London, Kirsten Flagstadt, Set Svanholm, Eberhard Wächter und Gustav Neidlinger unter der Leitung von Georg Solti und den Wiener Philharmonikern.


Rheingold Aufnahmeempfehlung
Rheingold Aufnahmeempfehlung


Handlung


VORGESCHICHTE:


Die Welt ruhte in ihrem Urzustand. Sie war durch keine Herrschaft getrübt. Sie ruhte auf der Welt-Esche. Der Baum war deren Wurzel der heiligen Ordnung. In ihrem Schatten entsprang die Quelle der Weisheit. Sie spies die Weltesche mit ihrem ewigen Wissen. In der der Erde, in einer nebligen Gruft, schlief Erda, der weiseste Mensch. Ein kühner Gott namens Wotan suchte die Macht. Dazu trank er aus der Quelle der Weisheit und opferte dafür ein Auge.


Er wollte mit der gewonnen Weisheit durch Gesetze und Verträge eine neue Weltenordnung schaffen, die nach seinem Willen gestaltet war. Um seine Macht zu demonstrieren und zu festigen, wollte Wotan eine Burg errichten. Auf den Rat Loges beauftragte er die Riesen Fafner und Fasolt diese zu bauen. Als Lohn versprach Wotan den beiden die schöne Göttin Freia. Er brach aus der Weltesche einen Ast und formte ihn zum Schaft eines Speeres. Darin schnitzt er Runenzeichen als Symbole der Gesetze. Wotan hatte so die Herrschaft über die Welt übernommen. Die Riesen erschufen eine Götterburg. Wotan nannte sie Wallhalla. Die Esche aber verdorrte und die Quelle versiegt. Wotan liess das Holz in Scheiten rund um die Burg aufschichten. Der Feuergott Loge möge sie entzünden, wenn das Ende der Götter nahen sollte. Durch Wotans Frevel an der Esche hatte die Natur Schaden genommen. Weil Freia den Göttern ewige Jugend sicherte und damit für sie unersetzlich war, schickte Wotan Loge in die Welt hinaus, um für die Riesen eine andere Art der Bezahlung zu suchen.



1. AUFZUG:


Auf dem Grund des Rheins. Die Rheintöchter Woglinde, Wellgunde und Flosshilde bewachen das Rheingold. Es befindet sich inmitten eines Riffs im Rhein. Der Zwerg Alberich vom Volk der Nibelungen erscheint. Fasziniert schaut er den Nixen zu. Lüstern versucht er wenigstens eine von ihnen zu erobern.


Die drei Nixen schauen ihn neugierig an, und bald schon necken Sie den tapsigen Zwerg. Alberich entdeckt ein helles Licht, von dem er magisch angezogen wird. Gutgläubig erzählen die Rheintöchter, dass dort das Rheingold im Strahl der aufgehenden Sonne glänzt. Die Rheintöchter erzählen ihm dessen Geheimnis: wer es zu einem Ring schmiedet, dem schenkte es die Macht über die Welt, doch nur, wenn derjenige der Liebe entsagt. (Lugt, Schwestern! Die Weckerin lacht in den Grund).


Alberich zögert nicht. Weil ihm keine Liebe vergönnt ist, ist er bereit ihr zu entsagen und raubt unter den entsetzten Blicken der Wächterinnen das Gold. (Orchesterzwischenspiel)



2. AUFZUG:


Eine Berglandschaft. Auf der Götterburg weckt Fricka ihren Mann Wotan. Noch immer ist er überwältigt, dass seine Burg Walhalla fertiggestellt ist. Noch vom Nebel verhüllt, thront sie stolz auf einem Berg, erbaut von den Riesen Fafner und Fasolt. (Wotan, Gemahl, erwache). Doch Wotan steckt in der Klemme.


Er hat den beiden Riesen als Lohn die Hand der Göttin Freia versprochen. Fricka ermahnt ihn, ihre Schwester Freia nicht wegzugeben, denn nur sie kann den Göttern ihre ewige Jugend sichern. Wotan erinnert seine Frau, dass sie es war, die ihn um die Burg gebeten habe, denn sie wollte den notorischen Fremdgänger Wotan an sich binden.


Fricka erscheint in Begleitung ihrer Brüder Donner und Froh. Sie ist aufgelöst, denn sie hat von Wotans Handel vernommen. Nun muss Wotan versprechen, Freia nicht wegzugeben. Die beiden Riesen erscheinen. Sie verweisen auf die gebaute Burg und wollen bei Wotan ihren verdienten Lohn einfordern. Doch der erklärt ihnen, dass Freia nicht zu haben sei.


Bitter werfen Fafner und Fasolt Wotan vor, sie um ihren Lohn zu prellen. Sie wollen kein anderes Entgelt. Nun tritt Loge, der listige Halbgott des Feuers auf. Wotan hatte ihn rufen lassen, in der Hoffnung er könne eine List ersinnen, die ihn aus der der Klemme befreien kann.


Wenn er den Vertrag nicht bedienen kann, würde ihm das seine Macht kosten. Fricka warnt Wotan vor dem verschlagenen Loge, doch Wotan vertraut seiner Gerissenheit. Zu Wotans Bestürzung erklärt Loge, er habe überall gesucht, aber er konnte keinen Ersatz für Freia finden. Dabei sei er auf die Rheintöchter gestoßen, die klagten, dass Alberich ihr Gold gestohlen habe und nun von Wotan Hilfe suchen. (Immer ist Undank Loges Lohn).


Als Loge von der Magie des geschmiedeten Rings erzählt, und Wotan vorschlägt, ihn Alberich zu entreißen, um sie vor ihm zu schützen, wollen alle den Ring für sich. Fafner und Fasolt, von der Gier ergriffen, packen Freia und nehmen sie als Pfand. Sie wollen nicht, dass die Nibelungen über die Macht verfügen und verkünden Freia erst dann freizulassen, wenn Wotan ihnen den Ring übergebe. Loge verspottet die Götter, die gelähmt von der Furcht sind, ihre ewige Jugend zu verlieren, da sie nicht mehr von Freias Äpfel essen können, die Loge selbst nie genießen durfte.


Schon erfasst das Altern die Götter, und Wotan muss sich zusammen mit Loge auf den Weg zu Alberichs Unterwelt machen, um ihm den Ring zu entreißen.



3. AUFZUG:


(Orchesterzwischenspiel zum dritten Aufzug) In Alberichs Reich. In Fronarbeit muss sein Bruder Mime für Alberich einen Tarnhelm schmieden, den der Träger unsichtbar macht und die Macht über die Nibelungen verleiht.


Loge und Wotan treffen auf den erschöpften Mime und erfahren von ihm von der Zauberkraft des Tarnhelms, den Mime für Alberich schmieden musste. Mit der Kraft des Rings habe Alberich das arbeitsame Volk der Nibelungen unterworfen.


Alberich erscheint. Stolz zeigt er auf das Gold, das die Nibelungen Tag für Tag mit harter Arbeit für ihn anhäufen. Er weiß, dass Wotan und die Götter ihn verachten und er kündigt an, dass er mit seiner Macht die Welt unter seine Kontrolle bringen werde. Niemand könne ihn besiegen oder ihm den Ring stehlen, denn mit dem Tarnhelm könne er sich den Blicken entziehen oder sich verwandeln. Schmeichlerisch bittet Loge ihm zu zeigen, wie er sich verwandeln kann. Stolz verwandelt sich Alberich in einen Drachen.


Nun frägt Loge ihn listig, ob es ihm auch gelingt, sich in etwas Kleines zu verwandeln. Als Alberich sich in eine Kröte verwandelt, packt Wotan sie und Alberich ist überlistet.

4. AUFZUG: Loge und Wotan bringen Alberich auf eine Bergeshöhe und Wotan verlangt, dass Alberich das Gold herausgibt.


Sein Plan ist, das Gold gegen Freia eintauschen und Tarnhelm und Ring für sich zu behalten. Als er Alberich den Ring entreißt, wird diesem so die ganze Macht entzogen. Der Zwerg verflucht den Ring, dass er seinem Besitzer Unglück bringe (Bin ich nun frei?). Freia führt die Göttinnen und Götter, Fafner und Fasolt zur Bergeshöhe.


Stolz zeigt Wotan ihnen den erbeuteten Schatz. Um sie zu freizukaufen wird Freia mit Gold aufgewogen. Doch Fafner und Fasolt bestehen darauf, dass Wotan ihnen den Tarnhelm und den Ring übergibt.


Doch Wotan will den Ring nicht hergeben. (Fasolt und Fafner nahen von fern) Da erscheint in blauem Licht gehüllt eine geheimnisvolle, verschleierte Frau. Sie bedrängt Wotan, vom Ring zu lassen, denn auf ihm laste der Fluch Alberichs. Sie gibt sich sich als Erda zu erkennen, die allwissende Mutter der Welt. Die Götter bedrängen Wotan ihren Rat zu befolgen. Wotan weiß um die Weisheit Erdas und willigt ein. Er übergibt Fasolt den Ring und Freia wird freigelassen.


Ohne es zu wissen, ist Wotan durch das Berühren des Rings vom Gift des Fluchs infiziert worden. (Weiche Wotan Weiche). Beim Teilen der Beute zerstreiten sich Fafner und Fasolt. Jähzornig erschlägt Fafner seinen Bruder mit einem Hammer. Der Fluch hat sein erstes Opfer gezeitigt. Donner erzeugt ein reinigendes Gewitter, der Nebel lichtet sich, und zum ersten Mal sehen sie die Burg (Schwüles Gedünst schwebt in der Luft). Froh lässt einen Regenbogen entstehen, der ihnen als Weg zur Burg dient.


Von einem großen Gedanken ergriffen, reckt Wotan das Schwert gegen die Burg. Nicht er soll den Ring zurückschaffen, sondern ein von Verträgen freier Held. Ergriffen nähert sich Wotan der Burg, er nimmt Fricka bei der Hand und tauft ihr neues Zuhause Walhalla. (Abendlich strahlt der Sonne Auge).


Loge ist leer ausgegangen. Er hat nur Hohn und Spott für die Götter übrig, deren Herrschaft nur auf Raub und Gewalt beruht. Aus der Ferne hört man die Klagen der Rheintöchter um das verlorene Gold. Die Götter verhöhnen sie und betreten feierlich und verblendet ihr neues Heim. (Rheingold! Rheingold! Reines Gold)



Kommentar


Interpretation und Geschichte des Rings:


Im vorangehenden Kapitel zum Ring finden Sie die verschiedenen Ansätze zur Interpretation des Werkes vor. Außerdem finden Sie dort weitere interessante Informationen über Geschichte, Interpretationen, Theorie der Leitmotive usw.



Geschichte und Uraufführung des «Rheingold»


Fast sechs kompositorisch magere Jahre lagen hinter Richard Wagner, als er 1853 mit der Vertonung des «Rheingold» begann. Allerdings hatte er in dieser Zeit viele der Leitmotive entwickelt. Es ging ihm gesundheitlich schlecht, als er während eines Aufenthalts in La Spezia (Italien) in einen Trance-ähnlichen Zustand versank und sich fühlte als versänke er im Wasser. Dieses Erlebnis inspirierte ihn zum Vorspiel des «Rheingold».


Der Damm war gebrochen und er begann in Zürich das Werk zu komponieren. 1854, ein knappes Jahr nach dem Aufenthalt in La Spezia, war die Partitur beendet. Das Werk lag in der Folge während 15 Jahren in der Schublade, da Wagner es erst im Rahmen einer Ring-Gesamtaufführung in einem eigens dafür gebauten Theater aufführen wollte.


Ludwig II, der Besitzer der Aufführungsrechte, wollte nicht mehr warten und beschloss 1869 die Erst-Aufführung in München in Angriff zu nehmen. Wagner war entsetzt und wollte dem jungen König den Plan ausreden. Doch dieser war fest entschlossen sein Vorhaben umzusetzen.


Wagner tat aus dem fernen Tribschen alles Mögliche, um die Aufführung zu sabotieren, ohne aber des Königs grosszügige Pension, die ihm ein angenehmes Leben in Tribschen sicherte, zu gefährden.


Als die Aufführung aufgrund der Probleme mit der Bühnentechnik Gefahr lief zu scheitern, drohte er dem König den von ihm eingesetzten jungen Richter aufgrund des zu erwartenden Desasters zu entfernen.


Doch Ludwig blieb hart und mit Hilfe des genialen Bühnentechnikers Carl Brandt (der ihm später in Bayreuth zur Hand ging) konnten die technischen Probleme bewältigt werden und die Uraufführung (ohne das Beisein Wagners) vom 22. September 1869 im Münchner Nationaltheater wurde zum glänzenden Erfolg. Ludwig war aufgebracht über Wagners Intrige und erwägte gar, dem Meister seine finanzielle Unterstützung zu streichen.



Die schönsten Stellen


Das Vorspiel:


Das Vorspiel zum «Rheingold» hatte Wagner bereits 1853 geschrieben, 16 Jahre später erklang das Vorspiel zum ersten Mal in München. Es ist unfassbar, dass das Stück als es sechs Jahre später zum ersten Mal in Bayreuth erklang, 23 Jahre nach der Komposition, noch immer als visionäre Musik der Zukunft galt. Das Vorspiel entwickelt sich aus einem tiefen Es- Dur Akkord. Acht Kontrabässe, ein Fagott und später die Hörner beginnen mit einem Urlaut-ähnlichen Motiv, dem sogenannten Genesis Motiv. Es ist die Welt im Urzustand, die Schöpfung aus dem Nichts:



Nach 2 Minuten verwandelt sich das Motiv in eine wogende Melodie, die das Dahingleiten des Rheins darstellt. Es ist das Rhein-Motiv, das die Welt in seiner natürlichen Ordnung präsentiert:


Rhein Leitmotiv (Rheingold)

Wagner entspinnt aus dem Es-Dur Akkord ein einzigartiges Vorspiel. Dieser Akkord bleibt während 136 Takten liegen und bildet das Fundament für ein gigantisches Crescendo, welches den Hörer in magischer Weise in die Unterwasserwelt der Rhein Nixen führt. Es ist das Erwachen aus der Tiefe.


Um das tiefe Es spielen zu können, müssen die Bassgeigen die tiefste Saite ihres Instruments tiefer als gewohnt stimmen. Immer mehr Instrumente stimmen ein und treiben den Akkord in Wellen vor sich her, bis der Vorhang das Szenenbild des ersten Aktes enthüllt.



Lugt, Schwestern! Die Weckerin lacht in den Grund:


Die Schönheit des Goldes zeigt die Welt in ihrer natürlichen, von keiner Herrschaft getrübten Ordnung. Die Rheintöchter als deren Bewahrerinnen sind keiner Macht hörig. Sie besingen den Hort (den Schatz) mit dem sogenannten Rheingold Motiv:


Rheingold Leitmotiv

Die Rheintöchter zeigen Alberich das Geheimnis des Rheingolds, doch sie warnen ihn:

«Nur wer der Minne Macht entsagt, nur wer der Liebe Lust verjagt, nur der erzielt sich den Zauber, zum Reif zu zwingen das Gold». Wagner lässt das sogenannte Entsagungsmotiv erklingen. Das Motiv ertönt in den Posaunen und den Wagnertuben, was dem Motiv ein spezielles, dunkles Timbre gibt:


Entsagungs Leitmotiv

Orchesterzwischenspiel zum zweiten Akt: Wagner komponierte die Musik zum Ring im Sinne des Musikdramas durch. So gibt es nur wenige klassische Akt-Abschlüsse. Wagner komponierte stattdessen eine Verwandlungsmusik, wenn sich das Bühnenbild zur nächsten Szene wandelt.


Diese Überleitungen sind für die Inszenierung extrem anspruchsvoll, da sie sichtbar sind und so nahtlos ineinander übergehen müssen. Die Musik vom 1. zum 2. Aufzug ist die Verwandlung des Rheins zu den Berggipfeln, Wagner hat diese Verwandlung musikalisch sehr subtil komponiert. Sie beginnt mit dem Entsagungsmotiv und geht im zweiten Teil in ein weiteres Motiv über, dem Ringmotiv:


Ring Leitmotiv (Rheingold)


Wotan Gemahl, erwache:


Im Orchester hören wir ein Motiv, welches den Hörer durch alle vier Abende begleiten wird. Es ist das stolze Walhalla Motiv. Es ist musikalisch eng verwandt mit dem Ring-Motiv und erklingt in denselben Instrumenten.


Walhall Leitmotiv (Rheingold Wagner)

Immer ist Undank Loges Lohn:


Loge versucht den Handel «Geld gegen Macht» ins Spiel zu bringen. Loge ist ein Halbgott. Er bewegt sich zwar bei den Göttern, ist aber nur ein halber. Das lässt sich so interpretieren, dass er geduldet ist, da er ihr williger Erfüllungsgehilfe ist. Diese These lässt sich durch Wagners Musik stützen. Seine Musik ist das pure Gegenteil des reinen Dur-Themas des Rheingolds. Sein Motiv ist zutiefst unsanglich, linkisch, chromatisch und unsympathisch.



Er gehört damit musikalisch und psychologisch zur der Sorte Menschen wie Alberich, Mime und Hagen. Die Erzählung Loges ist gespickt mit Leitmotiven, die teilweise vorweggenommen werden.



Orchesterzwischenspiel zum dritten Aufzug:


Es ist wieder eine Verwandlungsmusik, die Szenerie verdunkelt sich und die Musik geht nahtlos in diejenige des Reichs der Nibelungen über. Das Volk der Nibelungen lebt in einfacher Behausung unter der Erde, wo sie in Fronarbeit die Erze des Bodens abbauen.



Als Einstimmung in die Welt von Nibelheim ertönt das Nibelheim-Motiv begleitet von den Schlägen der Hämmer auf Ambosse. Um diesen genialen Einfall zu realisieren, schrieb Wagner vor, dass das Orchester mit sechzehn gestimmten Ambossen verschiedener Größe bestückt werden muss.



Bin ich nun frei?:


Wotan wähnt sich gerettet, denn er konnte 3 Fliegen auf einen Schlag töten. Er konnte Alberichs Macht brechen, er hat das Gold bekommen, um die Riesen zu bezahlen und er ist im Besitz des Rings, der ihm die Macht verleiht. Auf dem Höhepunkt seiner Macht nimmt er den Fluch, den Alberich ausstößt nicht ernst:


«Wer ihn besitzt, den sehre die Sorge, und wer ihn nicht hat, den nage der Neid».

Im Orchester ertönt das Fluchmotiv:




Fasolt und Fafner nahen von fern:


Der Nebel lichtet sich. Wagner komponiert dies wunderschön durch den Wechsel der Orchesterstimme vom düsteren Moll zum strahlenden Dur. Dazu singt Froh ein schönes Arioso («Wie liebliche Luft»).



Weiche Wotan Weiche:


Als Erda erscheint, wechselt die Musik ihren Charakter. Ein mystisches Motiv ertönt, das sogenannte Erda-Motiv. Es ist verwandt mit dem Naturmotiv (das wir im Vorspiel hörten), ertönt aber in gemessenem Tempo und in Moll.


Als Erda verschwindet, erkennt Wotan, dass er sie später aufsuchen muss. Er ruft ihr nach: «Dich muss ich fassen, alles erfahren». Mit ihr wird er dann die Walküren zeugen, darunter die herrlichste aller Walküren: Brünnhilde.



Schwüles Gedünst schwebt in der Luft:


Wir hören das auftrumpfende Motiv Donners, welches mit gewaltiger Kraft in den Bläsern ertönt.


Zusammen mit diesem Motiv im Orchester und seinen Rufen («He! da!») hören wir, von Violinen und Bratschen grossartig lautmalerisch gestaltet, den Nebel, der vom Wind durcheinandergewirbelt wird. Wieder ertönt das Walhalla Motiv (siehe weiter oben).



Abendlich strahlt der Sonne Auge:


Stolz präsentiert Wotan den Göttern Walhalla. Wir hören im Orchester zuerst das Regenbogen-Motiv. Wagner präsentiert mit dem Regenbogen eine Natur-Erscheinung, die in reinem, arpeggierten G-Dur vom warmen Klang der Hörner, Bassklarinetten und Celli gespielt wird, darüber hören wir sechs Harfen und Violinen:


Anschliessend hören wir das Walhalla Motiv, diesmal im strahlenden Glanz. Es ist der Triumph des Wotans, den Götter ein neues Zuhause geschenkt zu haben. Mit dem Erscheinen des Ring-Motivs wird die Freude getrübt, denn die Burg wurde mit dem Vertragsbruch Wotans erkauft.


Noch einmal bekämpft Wotan diese düsteren Perspektiven. Er wird von einem grossen Gedanken ergriffen: das Schwert-Motiv ertönt zum ersten Mal und verweist auf die kommenden Geschehnisse des Rings:




Rheingold! Rheingold! Reines Gold:


Das Motiv der Rheintöchter erschallt, nun im traurigen Moll. Zögerlich hören wir das Schwert Motiv, doch dann nimmt das Orchester Fahrt auf, gemeinsam mit dem Regenbogenmotiv und dem Schwertmotiv der schmetternden Trompeten und der glanzvollen Pracht des Orchester-Tuttis schreiten die Götter über den Regenbogen und treten in Walhalla ein.




Große Aufnahmen in YouTube


Wotan, Gemahl, erwache - Kirsten Flagstadt / George London:


Hören Sie diese Szene in der Aufnahme mit George London als Wotan und Kirsten Flagstadt als Fricka des Solti-Rings. London war Wieland Wagners bevorzugter Darsteller für den Göttervater. Seine Schauspielkunst war ausdrucksstark und er war mit einer mächtigen Stimme gesegnet. Kirsten Flagstadt, die berühmteste Brünnhilde der dreißiger Jahre, sang in Soltis Ring eine überragende Fricka.



Auf wonnigen Höhn - Hans Hotter:


Hans Hotter war einer der bevorzugten Wotan der Nachkriegszeit, hören Sie ihn in einer Live Aufnahme aus Bayreuth. Er hatte eine weiche, fast belcantistische Bassstimme und setzte sich wohltuend vom provinziellen Dünkel der Wagner Deklamation der Zwischenkriegsjahre ab («Bell-Canto»).



Abendlich strahlt der Sonne Auge - George London:


1958 entschied DECCA mit Georg Solti eine Gesamt-Aufnahme des Rings zu machen. Das Echo war überwältigend und die Aufnahme wurde zu einer der meistverkauften der Plattengeschichte. Hören Sie aus dieser Aufnahme den Wotan von George London. Jubelnd ertönt sein strahlender Bass.



3 Fun Facts


1. In einer Probe der «Götterdämmerung» kam das Bühnenpferd Grane zum Einsatz. Just auf der Höhe des Souffleurkastens machte es ein Riesengeschäft. Die Augenzeugin Gwyneth Jones berichtete: «den Souffleur hatte es fast weggeschwemmt…»


2. Als Karajan in Wien die Götterdämmerung inszenierte, hatte er sehr genaue Vorstellungen von der Rolle des Lichts, die er in unzähligen Proben zu verwirklichen suchte. Als er zu einer weiteren Lichtprobe kam, fand er zu seinem Erstaunen das gesamte dienstha-bende Personal auf der Bühne samt dem Chef des Betriebsrats, der feierlich auf Ka-rajan zuging und ihm einen Lorbeerkranz mit schwarzer Schleife überreichte. Auf die-ser Schleife stand: «Anlässlich der 75. Beleuchtungsprobe zur Götterdämmerung, das gesamte Personal der Staatsoper!» (Quelle: Raderer/Wehmeier: «Immer bekommt der blöde Tenor die Dame»).


3. Birgit Nilsson war eine der grossen Brünnhilde. Viele Anekdoten ranken sich um ihre Be-ziehung zu Geld. Auf die Frage, ob die Nilsson schwierig sei, antwortete der frühere Met-Direktor Rudolf Bing einst: «Gar nicht, man tut genug Geld hinein und ein wun-derbarer Klang kommt raus.»




Biografie von Richard Wagner (Doku)




Rheingold von Richard Wagner

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