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Die Meistersinger von Nürnberg von Richard Wagner- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes

  • peter
  • 31. Juli
  • 22 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Tristan und Isolde von Richard Wagner- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes
Tristan und Isolde von Richard Wagner- ein Opernführer: Handlung, Musik, Wissenswertes

«Die Meistersinger» sind zusammen mit «Tristan & Isolde» vielleicht Wagners größter Geniestreich. Die musikalischen Themen sind umwerfend, die Orchestrierung und Satztechnik ist meisterhaft, die Synopsis ist originell entworfen und mit Hans Sachs hat Wagner ein einzigartiges Rollenportrait erschaffen.


Zu Wagners weiteren Opern:







Die Meistersinger von Nürnberg von Richard Wagner


Schnellzugriff




Steckbrief


KOMPONIST: Richard Wagner


URAUFFÜHRUNG: München, 1868 LIBRETTO: Richard Wagner, inspiriert von Deinhardsteins Lustspiel «Hans Sachs» und Wagenseils «von den Meister-Singer holdseligen Kunst»


DIE HAUPT PERSONEN: Hans Sachs, Meistersinger und Schuster (Bariton) - Veit Pogner, Meistersinger und Goldschmied (Bass) - Sixtus Beckmesser, Meistersinger und Stadtschreiber (Bariton) - Walther von Stolzing, junger Ritter aus Franken (Tenor) - David, Lehrbube von Hans Sachs (Tenor) - Eva, Tochter Pogners (Sopran) - Magdalena, Evas Betreuerin und Freundin Davids (Mezzosopran)


AUFNAHME EMPFEHLUNG: CALIG, Thomas Stewart, Sandor Konya, Gundula Janowitz, Thomas Hemsley, Brigitte Fassbaender unter der Leitung von Rafael Kubelik und dem Chor und Orchester des Bayrischen Rundfunks.






AUFNAHME EMPFEHLUNG Meistersinger:   CALIG, Thomas Stewart, Sandor Konya, Gundula Janowitz, Thomas Hemsley, Brigitte Fassbaender unter der Leitung von Rafael Kubelik und dem Chor und Orchester des Bayrischen Rundfunks.
AUFNAHME EMPFEHLUNG Meistersinger:   CALIG, Thomas Stewart, Sandor Konya, Gundula Janowitz, Thomas Hemsley, Brigitte Fassbaender unter der Leitung von Rafael Kubelik und dem Chor und Orchester des Bayrischen Rundfunks.



Handlung


a) Kurzhandlung


Der Ritter Walther von Stolzing verliebt sich in Eva Pogner und muss, um sie heiraten zu dürfen, den Meistersinger-Wettgesang gewinnen, scheitert dabei zunächst aber an starren Regeln und dem missgünstigen Beckmesser.


Der weise Schuster Hans Sachs, der Eva selbst zugetan ist, verhilft Walther heimlich zu einem regelgerechten und zugleich meisterhaften Preislied. Beim öffentlichen Wettsingen blamiert sich Beckmesser mit demselben, ihm gestohlenen Gedicht, während Walther mit seinem Lied triumphiert und Eva gewinnt.



b) Detail-Handlung



1. AUFZUG:


(Vorspiel) In der Katharinenkirche Nürnbergs wird ein Gottesdienst begangen. Während des Schlussgesangs der Gemeinde tauschen Eva und Walter sehnsüchtige Blicke aus. (Da zu Dir der Heiland kam)


Walther kam erst am Vortag nach Nürnberg und hat sich Hals über Kopf in Eva verliebt. Er fängt sie beim Herausgehen ab und will von ihr wissen, ob sie schon verlobt sei. Ihr Gespräch wird von Evas Amme Magdalena unterbrochen, die erzählt, dass ein Bräutigam demnächst bei einem Sängerwettbewerb der Meistersinger erkürt werde.


Walther kann gerade noch ein Rendez-vous für den Abend vereinbaren, als Magdalena Eva aus der Kirche zieht, mit dem Hinweis, dass David ihm mehr über den Wettbewerb erklären könne. Die Lehrbuben treten in die Kirche. Der älteste Lehrbube David erklärt Walther die strengen Regeln der Meistersinger, für die es Jahre brauche, sie zu erlernen.


Nur Meistersänger, die das Probesingen bestünden, sei es vorbehalten beim Wettbewerb mitmachen. Beim Probesingen markiere der Merker mit Kreide die Fehler im Werk, dessen Text und Musik die Anwärter aus eigenem Können erschaffen mussten. Beim achten Strich falle der Kandidat durch.


Walther fasst den Entschluss bei den Meistersingern vorzusingen und schaut zu, wie die Lehrbuben den Kirchsaal für die Sitzung der Meistersinger einrichten.


Die Lehrbuchen treten ehrfürchtig zur Seite als Pogner und Beckmesser eintreten. Der bereits in die Jahre gekommene Beckmesser ist der Merker und möchte sich selbst beim Wettbewerb um Pogners Tochter Eva bewerben.


Als Walther sich an Pogner wendet, um eine Gelegenheit für ein Probesingen zu bekommen, erkennt Beckmesser ihn als Rivalen, und versucht Pogner zu überzeugen den Antrag abzulehnen. Da treten die weiteren Meistersinger ein, und die Sitzung beginnt mit der etwas umständlichen Eröffnung durch Kothner.


Pogner ergreift das Wort. Er verkündet die Regeln für den Wettbewerb des folgenden Tags. Der Gewinner soll das Recht bekommen seine Tochter Eva zu heiraten, doch habe diese das Recht ihn zurückzuweisen. Beckmesser wirft ein, dass damit das Urteil bedeutungslos werde. (Das schöne Fest Johannistag)


Sachs schlägt vor, dass das Volk das letzte Wort haben sollte, doch die Meister sind dagegen. Beckmesser will wissen, ob Sachs sich auch bewerbe, worauf dieser maliziös bemerkt, dass er und Beckmesser wohl schon zu alt für die Braut seien. Pogner schlägt nun vor, den Junker anzuhören, er bürge selbst für ihn.


Walther stellt sich mit einem Lied als Minnesänger vor, der den Gesang von Walther von der Vogelweide und den Vögeln erlernte. Sein Vortrag wird vom heftigen Kopfschütteln der Meister begleitet. Einzig Sachs verteidigt ihn. Walther wird trotz Beckmessers wütenden Protest zum Probesingen zugelassen. Kothner liest die Regeln des Gesangs vor und Beckmesser begibt sich in den Merkerstuhl.


Walther nimmt im Sängerstuhl Platz und beginnt einen leidenschaftliches Minnegesang über den Frühling zu singen, begleitet vom Kratzen der Kreide des Merkers. Nach der ersten Strophe stürzt Beckmesser aus dem Merkerstuhl und unterbricht den Sänger, er habe sein Recht verwirkt, die Tafel sei schon voll Striche.


Die anderen Meistersinger pflichten ihm bei, nur Sachs stellt sich vor Walther und wirft Beckmesser vor, er wolle einen Konkurrenten ausschalten. Wütend entgegnet Beckmesser ihm, der Schuster solle sich gescheiter um die Schuhe kümmern, die er für den Wettstreit bestellt habe. Sachs schickt Beckmesser zurück in den Merkerstuhl und Walther beginnt die zweite Strophe.


Das Kratzen der Kreide beginnt erneut und bald schon ist vor lauter Aufruhr das Singen von Walther kaum mehr zu hören. Sogar die Lehrbuben spotten über Walther und die Meister beschließen, dass der Sänger nicht bestanden habe. (Seid ihr nun fertig?)



2. AUFZUG:


Es ist Abend in den Gassen Nürnbergs. Vor dem Haus Pogners sind die Lehrbuben versammelt. Magdalena erfährt von David, dass Walther beim Probesingen versungen hat. (Johannistag) Eva und Pogner kehren von einem Spaziergang nach Hause zurück. Beunruhigt, dass sie nichts von Walther gehört hat, will Eva tastend vom Vater wissen, ob sie wirklich den Gewinner heiraten müsse. Ihr Vater entgegnet, dass die Wahl letztlich bei ihr sei.


Als sie sich nach dem Abschneiden des Junkers erkundigt, dämmert es Pogner, dass sie in ihn verliebt sein könnte. Kurz nachdem Eva und Pogner ins Haus gegangen sind, sitzt ihr Nachbar Sachs vor sein Haus, um Beckmessers Schuhe fertig zu schustern. Er hält inne, genießt den Duft des Flieders und denkt an das Probesingen zurück.


Walthers Lied klang betörend, folgte aber nicht den Regeln, trotzdem fand Sachs keinen Fehler. (Was duftet doch der Flieder) Eva gesellt sich zu Sachs. Sie weiß, dass Beckmesser den Wettbewerb gewinnen will und lässt ihn unverhohlen wissen, dass sie Sachs dem Merker vorziehen würde.


Doch Sachs winkt ab, obwohl er Gefühle für Eva hegt, fühlt er sich zu alt. Zudem weiß er, dass Eva in den Junker verliebt ist. Als Eva auf den Junker zu sprechen kommt, meint Sachs, dass einer wie Stolzing, der zum Meister geboren sei, einen schweren Stand habe unter den Meistern.


Ob denn keiner der Meister helfen könne, will Eva wissen und er empfiehlt ihr ihn zu vergessen. Zornig verlässt Eva den Schustermeister, den nun das schlechte Gewissen peinigt. (Gut’n Abend, Meister)


Magdalena trifft auf die aufgebrachte Eva und erzählt ihr, dass Beckmesser Eva eine Serenade geben will. Eva bittet sie, sich zu verkleiden und an ihrer statt sie entgegenzunehmen und eilt zum heimlichen Treffen mit Walther, welcher über das Verdikt der Meistersinger aufgebracht und niedergeschlagen ist.


Eva schwört ihm ihre Liebe und die beiden beschließen, gemeinsam zu fliehen. Als sie ins Haus gehen, um die nötigste Habe einzupacken, erscheint der Nachtwächter, der mit dem Horn die Bürger zur Achtsamkeit ermahnt. Sachs konnte das Gespräch überhören und sieht Eva und Walther bereit zur Flucht aus dem Hause kommen.


Geistesgegenwärtig beleuchtet er mit einer Lampe die Gasse, durch die die beiden unerkannt fliehen wollten, nun müssen sie sich verstecken und werden Zeugen der folgenden Szene. Sie erkennen im Dunkeln, wie sich Beckmesser Evas Balkon nähert und seine Laute stimmt.


Absichtlich klopft Sachs auf den Schuhen, um Beckmesser zu stören. Erbost verlangt Beckmesser vom Schuster die Klopferei zu lassen, doch Sachs weist vergnügt darauf hin, dass er just Beckmessers Schuhe für das Wettsingen fertigstelle. Nun spielt Sachs dem Beckmesser einen bösen Streich.


Schmeichelnd erzählt er, er wolle von Beckmesser die Aufgabe des Merkers erlernen und werde statt Kreidestriche zu ziehen, die Nägel in den Schuh klopfen. Widerstrebend geht Beckmesser darauf ein. Nun kann Beckmesser endlich mit der Serenade für die vermeintliche Eva beginnen, doch bald schon hört er den ersten Schlag auf den Schuh. Je länger das Lied dauert, umso häufiger werden die Schläge und umso mehr gerät Beckmesser aus dem Konzept. (Den Tag seh ich erscheinen)


Um die Klopferei zu übertönen, singt Beckmesser immer lauter, dessen Lärm immer mehr Schaulustige anzieht. Als David eintrifft, sieht er Beckmesser, wie dieser seiner Geliebten Margarethe ein Ständchen gibt und stürzt sich auf den Merker. Die ganze Stadt beteiligt sich nun an einer wüsten Rauferei.


Als das Horn des Nachtwächters ertönt, gießen Frauen aus den Fenstern kaltes Wasser auf die Menge und alle flüchten sich in ihre Häuser. Sachs schiebt Eva rasch zu ihrem Vater und zieht David und Walther zu sich ins Haus. (Prügelszene)



3. AUFZUG:


Es ist frühmorgens. Sachs sitzt in seiner Schusterwerkstatt und ist in die Lektüre eines Folianten vertieft. David tritt zum Meister und entschuldigt sich für sein Benehmen in der Nacht. Sachs geht nicht darauf ein, sondern fordert ihn freundlich auf, den Spruch zum Sankt Johannis Tag zu singen.


Nach dem Lied fordert Sachs ihn auf, sich zu Hause festlich zu kleiden und als sein Herold wiederzukommen. Als David weg ist, verfällt er ins Grübeln. Er fällt den Entschluss Eva und Walther zu helfen. (Wahn! Wahn!) Da tritt Walther in seine Werkstatt. Er erzählt dem Meister, dass er nachts einen schönen Traum hatte. Sachs fordert ihn auf, den Traum zu schildern, er werde ihm helfen ein Meisterlied daraus zu formen. Walther singt ihm nun das Gedicht vor, wie er als Wanderer im Paradies einer schönen Frau begegnete sei, das Sachs mitschreibt.


Gerührt über dessen Kunstfertigkeit leitet er den jungen Mann an, bis die zweite Strophe fertig gestellt ist. Für Walther ist das Lied zu Ende. Sachs ermahnt ihn, eine dritte Strophe mit der Traumdeutung zu ergänzen, wie es die Regeln erfordern. Nur so könne er bestehen, um am Wettbewerb zu gewinnen.


Sachs und Walther verlassen die Werkstatt, um sich für das Fest herzurichten. Beckmesser tritt erregt in die Werkstatt, er will Sachs aufsuchen. Er ist herausgeputzt aber in leidendem Zustand, Davids Prügel haben seine Spuren hinterlassen. Noch mehr peinigt ihn die Furcht, dass sein Werbelied nicht genügt. Plötzlich fällt sein Blick auf Walthers Gedicht, das Sachs mitgeschrieben hatte.


Schnell packt er es ein. Sachs tritt in die Werkstatt und Beckmesser wirft ihm sogleich vor, ihn am Vorabend beim Werben um Eva absichtlich gestört zu haben, um Eva selber zu bekommen. Sachs erwidert, dass er nicht um Eva werben werde. Triumphierend winkt Beckmesser mit dem Papier. (Ein Werbelied von Sachs)


Sachs schenkt Beckmesser großzügig das Lied. Beckmesser jubelt, ein Text vom Poeten Sachs ist wie ein Sechser im Lotto. Argwöhnisch vermutet Beckmesser eine List, doch Sachs verspricht ihm, dass er niemandem erzählen würde, dass der Text von ihm stamme. Er ermahnt ihn aber auch den Text genau zu studieren, der Vortrag sei nicht leicht.


Überheblich beruhigt Beckmesser ihn, dass ihm musikalisch niemand das Wasser reichen könne. Sachs umarmend verlässt er die Werkstatt, um das Lied auswendig zu lernen. Lächelnd setzt sich Sachs in einen Stuhl, denn er weiß, dass Beckmesser mit dem Text überfordert sein wird. Nun bemerkt Sachs erfreut Eva, die festlich gekleidet in die Werkstatt eingetreten ist. Sie behauptet, dass die neuen Schuhe drücken, doch sie kam eigentlich nur um zu schauen, ob Walther zugegen sei.


Als dieser eintritt, beschäftigt sich Sachs mit dem Schuh und lässt die beiden Liebenden für sich. Beglückt hört nun Sachs, wie Walther Eva die dritte Strophe des Liedes dargibt. Eva versteht nun alles. Sie bricht in heftiges Weinen aus und sinkt aus Dankbarkeit an Sachs’ Brust.


Walther tritt zu ihnen und drückt Sachsens Hand. Sachs wird nun vom Schmerz über den eigenen Verzicht übermannt. Eva spricht ihm Trost zu, wäre Walther nicht dagewesen hätte sie ihn gewählt. Doch Sachs entgegnet, er hätte nie die Rolle von Marke in Tristan und Isoldes Stück übernehmen wollen. (O Sachs! Mein Freund! Du treuer Mann!) Nun sind auch David und Margarethe in festlichem Gewandt eingetreten. Feierlich verkündet Sachs, dass Walther eine Meisterweise erschaffen hat, zu deren Taufe es Zeugen brauche, zu diesem Zweck erhebt er David mit einer Schelle zum Gesellen. Die beiden Paare und Sachs feiern die Geburt von Walthers Preislied. (Selig wie die Sonne)


Auf Nürnbergs Festwiese. Die Lehrbuben marschieren feierlich nach Zünften geordnet ein. Die Lehrbuben führen vergnügt einen Tanz auf. (Tanz der Lehrbuben) Von Fanfaren begleitet marschieren die Meistersinger feierlich auf. (Silentium)


Vergnügt genießt das Volk den Tag und feiert ihren großen Poeten Hans Sachs, der nach vorne tritt und ergriffen auf die Menge blickt. (Wachet auf! Es nahet gen den Tag) Sachs begrüßt das Volk und kündigt den Wettstreit an. Beckmesser ist sichtlich aufgeregt, er versucht das Gedicht zu memorieren und trocknet sich verzweifelt fortwährend den Schweiß von der Stirn. Pogner fordert nun Beckmesser auf als der Ältere zu beginnen.


Empört blickt das Volk auf den älteren Herrn, der so gar nicht zur jungen Braut passt.

Beckmesser beginnt sein Lied. Doch er bringt von Anfang an den Text durcheinander. Erstaunt blicken sich die Meister an. Als die Worte immer wirrer werden, bricht das Volk in Gelächter aus. Irritiert macht Beckmesser weiter, den Text ins Absurde bringend.


Als alle in dröhnendes Gelächter ausbrechen, stürzt er auf Sachs und erklärt, dass die Worte in Tat und Wahrheit von Sachs stammten. Sachs wendet sich nun ans Volk, und erklärt, dass der Text nicht von ihm, sondern, durch Beckmesser verstümmelt, von einem echten Meister stamme. Er bittet die Meistersinger diesen Meister zum Wettbewerb zuzulassen.


Die Meister geben ihr Einverständnis und Sachs kündet Walther von Stolzing an. (Morgen ich leuchte im rosigem Schein) Walther beginnt sein Lied. Schon nach der ersten Strophe geht ein Raunen des Erstaunens durch das Publikum und die Meisterschar, welches sich nach der zweiten Strophe steigert. Nach der dritten Strophe gibt es keinen Zweifel mehr über den Sieger.


Eva krönt den Gewinner und Pogner nimmt Walther feierlich in die Gilde der Meister auf. Doch dieser weist die Weihe zurück. Geschockt bricht Eva zusammen. (Morgendlich leuchtend im rosigen Schein) Nun ergreift Sachs das Wort und bittet ihn, die alten Meister nicht zu verachten, denn Neues kann nur auf der Tradition wachsen.


Sachs streift Walther die Meisterkette über und glücklich eilt Eva zu Walther. Pogner segnet die Verbindung und Walther legt seinen Lorbeerkranz auf das Haupt Sachsens. Das Volk stimmt begeistert in Sachs Worte ein. (Verachtet mir die Meister nicht … Ehrt Eure deutschen Meister)



Kommentar


Der geschichtliche Hintergrund erstreckt sich über 32 Jahre:


Als 15-jähriger sah Wagner Deinhardsteins Lustspiel «Hans Sachs» auf einer Dresdner Bühne, das ihn augenblicklich fesselte. Es handelte vom Nürnberger Poeten und Meistersinger Sachs, der im 16. Jahrhundert für seine Dichtkunst bekannt war. Die Kunst der Meistersänger ging zurück auf die im Mittelalter nach freien Regeln musizierenden Minnesänger.


Richard Wagner
Richard Wagner

Sie begannen ihre Kunst-Regeln in festen Tabulaturen festzuhalten, als sie sich nach und nach in den Städten niederließen. Diese Kunst wurde in der Folge von den Zunftmeistern verwaltet, von denen der Schuster Sachs der berühmteste war. 17 Jahre nach dem Theatererlebnis als 15-jähriger, verspürte Wagner das Bedürfnis auf den tragischen «Tannhäuser» ein heiteres Gegenstück zu erschaffen.


Er entsann sich des Lustspiels und erschuf 1845 während eines Kuraufenthaltes in Marienbad erste Skizzen. Seine Verwicklungen in der Dresdner Revolution und die hektische Flucht in die Schweiz unterbrachen die Arbeiten und es sollten weitere 15 Jahre vergehen, bis er die Arbeiten wieder aufnahm. Dazu bewogen ihn drei Anlässe.


Der erste Anlass bildete seine Beziehung zu Mathilde Wesendonck, auf die wir im nächsten Abschnitt eingehen werden. Zum zweiten stieß Wagner auf eine Chronik von Wagenseil («von den Meister-Singer holdseligen Kunst»), die ihm einen umfassenden Einblick in das Regelwerk der Meistersinger ermöglichte. Zum dritten plagten ihn in diesem Jahr 1861 wieder einmal Geldsorgen.


Um rasch zu Geld zu kommen, erschuf einen Textentwurf der «Meistersinger» und versprach seinem Verleger Schott zügige Arbeit und die Ablieferung einer Oper innert Jahresfrist. Schott zahlte einen kräftigen Vorschuss, und Wagner zog 1861 nach Biebrich in die Nähe von Mainz, um in Ruhe die Arbeit in Angriff zu nehmen und in der Nähe seiner neuen Flamme Mathilde Maier zu sein. Nach ersten gelungenen Anfängen begann seine Schöpferkraft zu stocken, und Wagner sah sich außerstande die Oper zu beenden.


Kaltschnäuzig sandte er seinem Verleger die (schon verpfändeten) Manuskripte der Wesendonck-Lieder anstelle der Oper zu, doch der Verleger weigerte sich weitere Geldmittel in das Unternehmen einzuschießen. Erst drei Jahre später ging es mit der Oper weiter. Ludwig II von Bayern befreite ihn von seinen Geldnöten und er konnte das Werk bis 1867 fertigstellen.



Mathilde Wesendonck und Schopenhauer – die Liebe als Wahn:


Auf Einladung seiner Zürcher Gönner, dem Ehepaar Wesendonck verbrachte Wagner 1861 mit den beiden ein paar Tage in Venedig. Dort musste er feststellen, dass seine heimliche Geliebte Mathilde Wesendonck mit dem fünften Kind ihres Mannes schwanger ging. Nach dem die Beziehung bereits in einer Krise war, erkannte Wagner, dass diese Liebe, die ihn zu «Tristan & Isolde» inspirierte zu Ende war.


Nun beschloss Wagner diese indirekte «Abfuhr» philosophisch zu überhöhen und sah sich als Hans Sachs, der aus noblen Gründen der Liebe entsagte. Das philosophische Grundgerüst dazu lieferte ihm Schopenhauers Werk «Die Welt als Wille und Vorstellung», welches er ein paar Jahre zuvor kennengelernt hatte. In Schopenhauers pessimistischem Weltbild resultiert der Wille des Raubtiers «Mensch» in zerstörerischen Qualen. Dieser dem Menschen innewohnenden Wahn führt zu Krieg, Selbstzerstörung und Liebesverlust, dessen einziger Ausweg die Entsagung (des Willens) ist.



Hans Sachs:


So wurde aus dem Schusterpoet Hans Sachs eine Schopenhauersche Figur, dessen Weltphilosophie Wagner im Wahnmonologs des dritten Akts darlegt. Mit dieser philosophischen Wendung lässt sich die überragende Bedeutung der Figur von Hans Sachs in Wagners Meistersinger erklären: aus Sachs spricht der Meister selbst.


Mit keiner anderen Figur hat sich Wagner mehr identifiziert als mit dem Schuster-Poet und er lässt ihn im dritten Akt «Tristan und Isolde» zitieren: «Mein Kind, von Tristan und Isolde kenn' ich ein traurig Stück. Hans Sachs war klug und wollte nichts von Herrn Markes Glück».


Aus Isolde wurde nun Eva! Neben Sachs verblassen alle anderen Figuren, selbst der revolutionäre Held und Bilderstürmer Walther (in dem auch etwas Wagner steckt), muss hinter der Lichtgestalt Sachs zurückstehen.


Wäre der Junker Walther in einer «normalen» Oper der Held des Schlussaktes, wird nun der dritte Akt zum zweistündigen «Hans-Sachs-Festspiel», der mit seinem Wahnmonolog beginnt und seinem «Verachtet mir die Meister nicht» endet und eine der gigantischsten Parforce Touren der ganzen Opernliteratur bildet. Die Partie des Sachs verlangt die ganze Palette des Sänger-Repertoires: hohe lyrische Passagen, lange deklamatorische Strecken und natürlich die hohen Passagen des dritten Aktes und die gewaltige Schlussszene.



Sixtus Beckmesser:


Den Namen des Hagestolzes entnahm Wagner einer Überlieferung von Hans Sachs. Alles weitere hat Wagner frei erfunden. Ursprünglich nannte er die Figur des Merkers «Hans Lick» respektive «Veit Hanslich» und bezog sich auf den gefürchteten Wiener Musikkritiker Hanslick. Dieser war in frühen Jahren Wagner zugetan und war einer der ersten, der 1845 eine wohlwollende Rezension über den frisch erschienenen «Tannhäuser» schrieb. Er gewann das Vertrauen des Komponisten und hatte im selben Jahr Einsicht in die ersten Skizzen der Meistersinger.


In der Folge wendete er sich von Wagners Musik ab und schrieb bitterböse Worte über den «Lohengrin» («Armseligkeit des musikalischen Gedankens») oder den «Tristan» («die systemisierte Nichtmusik»). Maliziös lud Wagner den Kritiker 1862 ein, als er zum ersten Mal die vollständige Dichtung der Meistersinger in kleinem Kreis vorlas.


Der verstand die Anspielung (die Figur hieß dort noch Hans Lick) und wurde später als Wortführer der «Konservativen» rund um Brahms zum mächtigen Widersacher gegen «die Neudeutschen» rund um Wagner. Als Bruder im Geiste des Nibelung Mime aus dem Ring, ist die Musik Beckmessers uninspiriert und unmusikalisch, denn die Person des Kunstkritikers ist nicht schöpferisch, sondern kann nur das Vergangene verwalten. Das ist die höchstmögliche Demütigung, die Wagner aussprechen kann und attribuierte (unsäglicherweise) beide Figuren mit jüdischen Stereotypen. Wagner nahm fälschlicherweise an, Hanslick habe jüdische Wurzeln.



Musik:


In welchem Masse unterscheiden sich die zeitlich benachbarten «Meistersinger» und «Tristan»! Nach der innengerichteten, chromatischen Tragödie des Tristans schrieb Wagner das helle, komödiantische «C-Dur Stahlbad» (Hans Richter) der «Meistersinger».


Beiden Werken gemeinsam ist die Verwendung von Leitmotiven. Wagner verwendet im «Meistersinger» ungefähr 30 Leitmotive, von denen wir weiter unten im Tonbeispiel zur Ouvertüre auf fünf näher eingehen werden. Eine Besonderheit der «Meistersinger» ist die polyphonische Struktur der Komposition. Wagner wollte damit die historische Komponente des Werkes unterstreichen und nannte die formale Strenge und Kontrapunktik «angewendeten Bach». Dessen Krönung ist vielleicht die grandiose fugierte Szene der Prügelszene.



«Ehrt Eure deutschen Meister»:


Die berühmte Schlussszene mit Sachs’ Ansprache ist eine der Schlüsselszenen dieser Oper. Die Nazis nutzten die «Meistersinger» als Schaufenster und Winifred Wagner begleitete willfährig die in Nürnberg stattfindenden Reichsparteitage mit glanzvollen Aufführungen der «Meistersinger» im nahen Bayreuth, zum ersten Mal 1933.


Es ist schwierig nach den nationalsozialistischen Jahren, das Ende dieser Oper neutral zu deuten. Wagner sah die Oper als ein hochpolitisches Werk und kommentierte seine Gedanken in der Schrift «Was ist deutsch». Wagner plante als Erneuerer eine (Wagner-zentrierte) nationaldeutsche Kunst zu begründen, die sich gegen die Vereinnahmung durch die Oberflächlichkeit der italienischen und französischen Kunst wehrte (Sachs: «kein Fürst bald mehr sein Volk versteht, und welschen Dunst mit welschem Tand sie pflanzen uns in deutsches Land»).


Zu diesem Zweck schlug er Ludwig II vor, in Nürnberg ein Zentrum zur Ausbildung deutscher Sänger und Musiker zu begründen. Die Schrift «was ist deutsch» publizierte Wagner in Münchner Tageszeitungen. Er musste dafür von seinem Förderer Ludwig II schwere Vorwürfe entgegennehmen, weil der gerade in Begriff war, seine Unabhängigkeit von Preußen zu verlieren und alles Nationaldeutsche vehement bekämpfte.


Als er die Oper tränenüberströmt zum ersten Mal sah, scheint er über die Schlussansprache Sachs’ hinweggesehen zu haben, oder er war schlicht blind für die Realität. Wie immer war Wagner auch in diesem Vorhaben inkonsequent. Er präsentierte dem König und Gönner diesen Meistersinger Oper als Urprodukt deutschen Kunstsinnes, doch sie ist offensichtlich in der Form einer historisierenden französischen Grand Opéra geschrieben, deren Epigone der jüdische (Ergo: nicht schöpferische) Meyerbeer war.



Uraufführung:


Die Uraufführung fand am 21. Juni 1868 im Münchner königlichen Nationaltheater im Beisein des Königs statt. Sie war umjubelt und Wagner wurde eine der größten Ovationen seines Lebens zu Teil. Wagner nahm den Applaus in der Loge des Königs entgegen. Dabei verletzte er die Hof-Etikette als er dort vortrat und sich verbeugte, was nur dem König vorbehalten war. Doch der stand glückselig zwei Schritte hinter ihm, und schrieb noch in den Morgenstunden einen Huldigungsbrief an den Meister.




Die schönsten Stellen


Vorspiel:


Im Vorspiel lernen wir fünf der wichtigsten Leitmotive der Oper kennen. Zu Beginn ertönt das in strahlendem C-Dur Meistersinger Motiv, das die Würde und Erhabenheit der Meister zeichnet:


Meistersinger Leitmotiv: Meistersinger Motiv
Meistersinger Leitmotiv: Meistersinger Motiv

Als nächstes ertönt das drängende Liebesmotiv Walthers, mit den fallenden Quarten (die im Beckmesser-Motiv karikiert wiederauftauchen):


Meistersinger Leitmotiv: Liebes Motiv
Meistersinger Leitmotiv: Liebes Motiv

Kurz darauf taucht der Meistersinger-Marsch auf, einem fanfarenartigen Thema, welches Wagner aus einem historischen Meistersinger-Liederbuch entnommen hat:


Meistersinger Leitmotiv: Meistersinger-Marsch
Meistersinger Leitmotiv: Meistersinger-Marsch

Und gleich darauf das Zunftmotiv:


Meistersinger Leitmotiv: Zunftmotiv
Meistersinger Leitmotiv: Zunftmotiv

Nach einer längeren Überleitung hören wir das zarte und ausdrucksvolle Leidenschafts-Motiv, welches später Teil des Preislieds wird.






Meistersinger Leitmotiv:	Leidenschaftsmotiv
Meistersinger Leitmotiv: Leidenschaftsmotiv



Da zu Dir der Heiland kam:


Wagner zitiert in dieser Kirchen Szene den Lutherchoral «Eine feste Burg», möglicherweise eine Reminiszenz an Wagners Revolutionsjahre, denn der Choral war nicht nur «die Hymne der Reformation» sondern auch ein Kampflied der Revolutionäre der Juli Revolution.



Das schöne Fest Johannistag:


Wagner zeichnet Pogner musikalisch und textlich als eine sympathische aber eher joviale Person, der Sachs (Wagner) das Wasser nicht reichen kann, es fehlt ihm dessen Tiefgang.



Seid ihr nun fertig?:


Wagner komponierte ein meisterhaftes Tohuwabohu der Meistersänger-Stimmen, abgeschlossen durch den spottenden Vortrag des Meistersingers-Motiv durch ein Fagott.



Was duftet doch der Flieder:


Es herrscht nächtliche Ruhe. In der Klarinette ertönt noch das Motiv von Walthers Preislied. Das Zirpen der Geigen und die feierlich gedämpften Bläser schaffen eine schöne Stimmung. Als die Musik bewegter wird, hört man im Orchester einen geschäftigen Rhythmus, Wagners Referenz an die Zunftlieder.


Im Mittelalter hatten alle Zünfte eigene Lieder, deren Rhythmus aus ihrem Arbeitsvorgang entnommen wurde. Nach dieser (rezitativischen) Einleitung entwickelt sich eine ariose Passage. Der Fliedermonolog ist im Grunde genommen ein klassisches Nummernstück, Wagner wollte es nicht Arie nennen, zu sehr hätte das nach welscher Oper geklungen, so nannte er es «Monolog». Das Stück schließt mit der wunderschönen Coda «dem Vogel, der heut sang, dem war der Schnabel hold gewachsen».




Gut’n Abend, Meister:


Für dieses Duett, das so seltsam zwischen Vater-Tochter-Beziehung und kokettierendem Flirten changiert, hat Wagner eine Musik mit fließenden Linien und wogendem Rhythmus geschrieben. Immer wieder kommentieren Bläser die erotischen Anspielungen Evas.



Den Tag seh ich erscheinen:


Nach dem Stimmen der Laute hören wir das Beckmessermotiv:

Meistersinger Leitmotiv: Beckmessermotiv
Meistersinger Leitmotiv: Beckmessermotiv

Bemerkenswert sind die kläglichen, fallenden Quarten, die nur noch wie eine jämmerliche Karikatur der fallenden Quarten des strahlenden Liebesmotivs Walthers erscheinen (vergleiche das Leitmotiv im Abschnitt zum Vorspiel).



Prügelszene:


Die Prügelszene hat einen biografischen Hintergrund: Wagner besuchte in jungen Jahren mit seinem Schwager Nürnberg und gaukelte dort abends einem Möchtegern-Sänger ein Sing-Engagement vor. Als der auf der Straße das Probesingen begann und merkte, dass er einem Schwindel zum Opfer gefallen war, entstand eine wüste Schlägerei, an der sich Dutzende Leute beteiligten.


Wagner machte aus dieser Reminiszenz ein gigantisches Kunstwerk. Diese Szene, in Form einer Fuge komponiert, ist musikalisch komplex gestrickt. Mehr als hundert Solisten und Choristen vollführen mit weiteren einhundert Personen im Orchestergraben ein gigantisches, fugiertes Durcheinander, das sich mit einem langen und großen Crescendo zum Höhepunkt entwickelt, bis der Nachtwächter kommt und die Szene im Mondschein zauberhaft leise ausklingt.




Wahn! Wahn!:


Der Monolog beginnt mit Sachs Verzichtsmotiv in den Streichern:

Meistersinger Leitmotive: Verzichts Motiv
Meistersinger Leitmotive: Verzichts Motiv

Der Monolog ist dreiteilig und beginnt mit der resignierenden Erkenntnis, dass der Wahn des Menschen die Dinge treibt. Dann ertönt eine musikalische Reminiszenz an die Prügelszene und zum Schluss ertönt das Liebesmotiv mit dem Entschluss Sachsens den Wahn zu lenken und die Liebenden zusammenzubringen.




Ein Werbelied von Sachs:


Wagner schreibt eine großartige Begleitmusik zu diesem Auftritt Beckmessers. Es ist eine regelrechte musikalische Pantomime, die den verprügelten, linkischen Beckmesser beschreibt, wie er in der Werkstatt herumschnüffelt.



O Sachs! Mein Freund! Du treuer Mann!:


Diese Stelle ist die große Entsagung des Hans Sachs. Überwältigt von Evas Worten zitiert er die Geschichte von Tristan und Isolde, im Orchester ertönt dazu der Tristan-Akkord.



Selig wie die Sonne:


Dieses innige Quintett gehört zu den absoluten Höhepunkten dieser Oper und nimmt in Wagners ganzen Werk eine einzigartige Stellung ein. Es erinnert an Beethovens Quartett aus Fidelio und ist ein geschickter, grossartiger Ruhepunkt dieser Oper vor dem Festakt auf der Wiese. Es beginnt mit einer feierlichen Einleitung von Hans Sachs begleitet von schönsten Akkorden des Orchesters (Musikbeispiel siehe weiter unten).



Tanz der Lehrbuben:


Der Tanz der Lehrbuben ist ein bekanntes Stück, welches man oft im Konzertsaal hört.

Silentium: Der glanzvolle Aufzug der Meistersinger begleitet vom zweistimmigen Chor von Frauen- und Männerstimmen.



Wachet auf! Es nahet gen den Tag:


Für Wagner war diese Stelle die Quintessenz der Oper: die Aufforderung an das deutsche Volk für die deutsche Kunst einzustehen. Es handelt sich bei dem Stück um einen Chorsatz zu einem Gedicht des historischen Hans Sachs’ mit einer kunstvollen Polyphonie der Stimmen.



Morgen ich leuchte im rosigem Schein:


Der Text, den Wagner dem überforderten Beckmesser in den Mund legte, ist gleichermaßen grotesk und komisch: «Bleisaft und Wucht» heißt es an einer Stelle «die Augen zwinkend» an einer andern. Oder gar «der Hund blies winkend» in einem weiteren Vers.



Morgenlich leuchtend im rosigen Schein:


Walthers Preislied besteht aus drei Strophen, die in Tempo, Lautstärke und Intensität kontinuierlich gesteigert werden. Es ist eine drängende und romantische Heldentenor Arie, die in schönstem Legato gesungen werden muss und nicht zuletzt durch die prächtige Begleitung ihre Schönheit erhält.





Verachtet mir die Meister nicht … Ehrt Eure deutschen Meister:


Zum Schluss dieser extrem anspruchsvollen Partie muss Sachs für diesen Auftritt seine letzten Kraftreserven mobilisieren und die in hoher Tessitura geschriebene Schlussansprache gestalten. In einer großen Szene stimmt das Volk zum Schluss begeistert ein, begleitet vom Meistersinger Marsch:

Ehrt Eure deutschen Meister! Dann bannt ihr gute Geister



Große Aufnahmen in YouTube


Selig wie die Sonne - Lauritz Melchior / Elisabeth Schumann / Friedrich Schorr et al.: Das berühmte Quintett in einer großartigen Aufnahme mit einer absoluten Traumbesetzung aus dem Jahr 1931.


Selig wie die Sonne - Lauritz Melchior / Elisabeth Schumann / Friedrich Schorr et al.


Morgendlich leuchtend im rosigen Schein - Plácido Domingo: Hören Sie in diesem effektvollen Stück Placido Domingo in der Aufnahme unter der Leitung von Eugen Jochum. Der spanischsprachige Tenor war aus idiomatischer Sicht nicht der ideale Walther, doch mit der Schönheit und Pracht seiner Interpretation des Preisliedes konnte kein Tenor mithalten.






3 Fun Facts


1. Die Vorbereitungen zur Uraufführung am 21. Juni 1868 im Münchner königlichen Nationaltheater unter der Leitung von Bülow und der gelegentlichen Mitwirkung Wagners nahmen volle acht Monate in Anspruch. Richard Strauss’ Vater saß als erster Hornist im Orchester und organisierte sogar einmal nach einem besonders langen Probentag einen Streik. Wagner nahm es mit Humor und meinte: «Der alte Strauss ist zwar ein unausstehlicher Kerl, aber wenn er Horn bläst, kann man ihm nicht böse sein».


2. Hans von Bülow war der Dirigent der Uraufführung. Wagner hatte ihm Jahre zuvor seine Frau Cosima ausgespannt. Von Bülow litt sehr darunter, was seiner künstlerischen Hochachtung vor Wagner keinen Abbruch tat. Cosima hatte zur Zeit der Proben zur Uraufführung der Meistersinger von beiden Männern je zwei Kinder, war aber offiziell immer noch mit Bülow zusammen. Weil Wagner in München nicht ohne die Cosima sein wollte und der Schein der Ehe gewahrt werden musste, lebten die drei während Monaten unter einem Dach.


3. Richard Wagner vergötterte seine Hunde. Vierzehn an der Zahl hatte er während seines Lebens. Sie begleiteten ihn überall hin. Ihre Namen hießen Fafner (ein Neufundländer) oder Dreck & Speck (ein Pudelpaar). Als er in Biebrich an der Komposition der Meistersinger in einem Appartement arbeitete, freundete er sich mit Leo, dem Hund des Abwarts an. Der biss ihn in die rechte Hand, so dass Wagner mehrere Wochen nicht mehr komponieren konnte.



Biografie von Richard Wagner (Doku)




Die Meistersinger von Nürnberg von Richard Wagner



Häufig gestellte Fragen zu Meistersinger von Nürnberg (FAQ)



Welches sind die bekanntesten Stücke der Meistersinger von Nürnberg?


Vorspiel, Was duftet doch der Flieder (Fliedermonolog), Prügelszene,

Wahn! Wahn! (Wahnmonolog), Selig wie die Sonne (Quintet), Silentium (Tanz der Lehrbuben), Wachet auf! Es nahet gen den Tag, Morgenlich leuchtend im rosigen Schein Walthers Preislied, Verachtet mir die Meister nicht … Ehrt Eure deutschen Meister



Wie lautet die Kurzhandlung der Meistersinger von Nürnberg?


Der Ritter Walther von Stolzing verliebt sich in Eva Pogner und muss, um sie heiraten zu dürfen, den Meistersinger-Wettgesang gewinnen, scheitert dabei zunächst aber an starren Regeln und dem missgünstigen Beckmesser.


Der weise Schuster Hans Sachs, der Eva selbst zugetan ist, verhilft Walther heimlich zu einem regelgerechten und zugleich meisterhaften Preislied. Beim öffentlichen Wettsingen blamiert sich Beckmesser mit demselben, ihm gestohlenen Gedicht, während Walther mit seinem Lied triumphiert und Eva gewinnt.



Welchen Einfluss hatte die Philosophie Schopenhauers auf die Meistersinger von Nürnberg?


Auf Einladung seiner Zürcher Gönner, dem Ehepaar Wesendonck verbrachte Wagner 1861 mit den beiden ein paar Tage in Venedig. Dort musste er feststellen, dass seine heimliche Geliebte Mathilde Wesendonck mit dem fünften Kind ihres Mannes schwanger ging. Nach dem die Beziehung bereits in einer Krise war, erkannte Wagner, dass diese Liebe, die ihn zu «Tristan & Isolde» inspirierte zu Ende war.


Nun beschloss Wagner diese indirekte «Abfuhr» philosophisch zu überhöhen und sah sich als Hans Sachs, der aus noblen Gründen der Liebe entsagte. Das philosophische Grundgerüst dazu lieferte ihm Schopenhauers Werk «Die Welt als Wille und Vorstellung», welches er ein paar Jahre zuvor kennengelernt hatte. In Schopenhauers pessimistischem Weltbild resultiert der Wille des Raubtiers «Mensch» in zerstörerischen Qualen. Dieser dem Menschen innewohnenden Wahn führt zu Krieg, Selbstzerstörung und Liebesverlust, dessen einziger Ausweg die Entsagung (des Willens) ist.


So wurde aus dem Schusterpoet Hans Sachs eine Schopenhauersche Figur, dessen Weltphilosophie Wagner im Wahnmonologs des dritten Akts darlegt. Mit dieser philosophischen Wendung lässt sich die überragende Bedeutung der Figur von Hans Sachs in Wagners Meistersinger erklären: aus Sachs spricht der Meister selbst.



Was ist die "Prügelszene" in den Meistersingern?


Die Prügelszene hat einen biografischen Hintergrund: Wagner besuchte in jungen Jahren mit seinem Schwager Nürnberg und gaukelte dort abends einem Möchtegern-Sänger ein Sing-Engagement vor. Als der auf der Straße das Probesingen begann und merkte, dass er einem Schwindel zum Opfer gefallen war, entstand eine wüste Schlägerei, an der sich Dutzende Leute beteiligten.


Wagner machte aus dieser Reminiszenz ein gigantisches Kunstwerk. Diese Szene, in Form einer Fuge komponiert, ist musikalisch komplex gestrickt. Mehr als hundert Solisten und Choristen vollführen mit weiteren einhundert Personen im Orchestergraben ein gigantisches, fugiertes Durcheinander, das sich mit einem langen und großen Crescendo zum Höhepunkt entwickelt, bis der Nachtwächter kommt und die Szene im Mondschein zauberhaft leise ausklingt.



Was ist das Besondere an der Rolle "Sixtus Beckmesser"?


Den Namen des Hagestolzes entnahm Wagner einer Überlieferung von Hans Sachs. Alles weitere hat Wagner frei erfunden. Ursprünglich nannte er die Figur des Merkers «Hans Lick» respektive «Veit Hanslich» und bezog sich auf den gefürchteten Wiener Musikkritiker Hanslick. Dieser war in frühen Jahren Wagner zugetan und war einer der ersten, der 1845 eine wohlwollende Rezension über den frisch erschienenen «Tannhäuser» schrieb. Er gewann das Vertrauen des Komponisten und hatte im selben Jahr Einsicht in die ersten Skizzen der Meistersinger.


In der Folge wendete er sich von Wagners Musik ab und schrieb bitterböse Worte über den «Lohengrin» («Armseligkeit des musikalischen Gedankens») oder den «Tristan» («die systemisierte Nichtmusik»). Maliziös lud Wagner den Kritiker 1862 ein, als er zum ersten Mal die vollständige Dichtung der Meistersinger in kleinem Kreis vorlas.


Der verstand die Anspielung (die Figur hieß dort noch Hans Lick) und wurde später als Wortführer der «Konservativen» rund um Brahms zum mächtigen Widersacher gegen «die Neudeutschen» rund um Wagner. Als Bruder im Geiste des Nibelung Mime aus dem Ring, ist die Musik Beckmessers uninspiriert und unmusikalisch, denn die Person des Kunstkritikers ist nicht schöpferisch, sondern kann nur das Vergangene verwalten. Das ist die höchstmögliche Demütigung, die Wagner aussprechen kann und attribuierte (unsäglicherweise) beide Figuren mit jüdischen Stereotypen. Wagner nahm fälschlicherweise an, Hanslick habe jüdische Wurzeln.



Warum waren die "Meistersinger von Nürnberg die Lieblingsoper der Nazis?


Wagner sah die "Meistersinger" als ein hochpolitisches Werk und kommentierte seine Gedanken in der Schrift «Was ist deutsch». Wagner plante als Erneuerer eine (Wagner-zentrierte) nationaldeutsche Kunst zu begründen, die sich gegen die Vereinnahmung durch die Oberflächlichkeit der italienischen und französischen Kunst wehrte (Sachs: «kein Fürst bald mehr sein Volk versteht, und welschen Dunst mit welschem Tand sie pflanzen uns in deutsches Land»).


«Ehrt Eure deutschen Meister»: Die berühmte Schlussszene mit Sachs’ Ansprache ist eine der Schlüsselszenen dieser Oper. Die Nazis nutzten die «Meistersinger» als Schaufenster und Winifred Wagner begleitete willfährig die in Nürnberg stattfindenden Reichsparteitage mit glanzvollen Aufführungen der «Meistersinger» im nahen Bayreuth, zum ersten Mal 1933.




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