Die Geschichte der klassischen Musik. 1580 – 1940 (Doku)
- peter
- 8. Juli
- 10 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Juli

Wie entwickelten sich die mehrstimmigen Gesänge der Mönche zu Wagners Musiktheater, zum klanglichen Rausch des Verismo und zu den Extremen der Moderne?
In diesem Video begeben wir uns auf eine 300-jährige Reise durch die Musikgeschichte. Alles beginnt mit den französisch-flämischen Meistern, die die europäische Musik über Jahrhunderte hinweg prägten.
Die Geschichte der klassischen Musik
Renaissance
Während mehr als 100 Jahren hatte die Franko-Flämische Musik den Musik-Stil der Renaissance geprägt. Getragen vom Einfluss der Kirche stieg Italien nun zum bedeutendsten musikalischen Zentrum auf.
Dasselbe galt für die weltliche Musik: das Madrigal (Lied) wurde Mitte des 16. Jahrhunderts zu einer ausdrucksvollen, meist polyphonen Kunstform.
Dank des Buchdrucks erzielte der herausragendste Madrigalist ,Orlando di Lasso, bereits in jungen Jahren europäische Bekanntheit.

Die meisten Musiker standen im Dienst der Kirche und widmeten sich vor allem der Komposition von Kirchenmusik. Palestrina war neben di Lasso der herausragende Komponist.

Die kunstvolle Polyphonie wurde Zielscheibe der Kritik. Das Trienterkonzil forderte eine Reform der Kirchenmusik. da Polyphonie die Textverständlichkeit in der Liturgie hinderte. Es war dem Genie Palästinas und seiner Missa Pape Marcelli geschuldet, dass die mehrstimmige Musik für ein weiteres halbes Jahrhundert als beherrschende Kunstform überdauen sollte.
Der gebürtige Niederländer di Lasso ging zuerst zurück nach Holland und dann weiter zu Herzog Albrecht, der ihn an den Münchner Hof verpflichtete. München wurde so 30 Jahre lang (neben Italien) zu einem musikalischen Zentrum.
Englische Renaissance: Byrd, Dowland
Palestrina und di Lasso blieben die prägenden Musiker während 4 Jahrzehnten.
In England wurde William Byrd zum “englischen Palestrina” ...
.. und Dowland markierte in der europäischen Musikgeschichte einen ersten Höhepunkt der Entwicklung zu einer selbständigen Instrumentalmusik.
Seconda Pratica: Monteverdi
Carlo Gesualdo erregte in Italien mit der aufsehenden Harmonik seiner Musik und seinem skandalumwitterten Lebenswandel grosse Aufmerksamkeit.
Gegen 1600 erfolgte in Italien ein Epochenwechsel (v.a. weltliche Musik): Die Polyphonie (Mehrstimmigkeit) wich der Monodie (solistische Stimme) und dem Generalbass (Begleitstimme).
In Norditalien machte dabei ein junger Komponist von sich reden: der Mantueser Hofkomponist Claudio Monteverdi.

Monteverdi dachte die Musik neu: statt komplizierten, erstarrten Regeln blind zu folgen, sollte sie dem Text entsprechend die Gefühle darstellen: “Prima le parole, poi la musica”.
Besonders der Einsatz von expressiven Dissonanzen erregten Aufmerksamkeit. Er nannte die moderne Auffassung “Seconda pratica”.
Jahr 1600 begleitete Monteverdi seinen Fürsten an eine Hochzeit in Florenz und wohnte einem musikhistorischen Ereignis bei: der Aufführung von Giacopo Peris erster Oper, was als die Geburtsstunde der Oper gilt.
Der Mantueser Fürst verlangte für sein Hochzeitsfest von seinem Hofkomponisten Monteverdi nun auch eine Oper. Monteverdi erschuf mit L´Orfeo das erste Meisterwerk dieser Gattung.
Die Ausdruckskraft von Monteverdis Orfeo sprengte alles bisher Dagewesene: Hören wir Orfeos eindringliches Flehen an den Fährmann Charon, ihn in die Unterwelt einzulassen.
Von 1609 bis 1612 absolvierte Schütz ein dreijähriges Studium in Venedig und brachte diesen Stil nach Deutschland. Er galt im 17. Jahrhundert als “Vater der deutschen Musik“
Im Norden Europas lastete der dreissigjährige Krieg schwer und erstickte beinahe jede kulturelle Aktivität.
In Italien entdeckte Frescobaldi die Instrumental-Musik neu.
Monteverdi wurde in Venedig Kapellmeister am Markusdom. Er schrieb dort sein Meisterwerk “L´incoronazione di Poppea” für das erste öffentliche Opernhaus der Musik-Geschichte.
Und zum ersten Mal wurde spielte ein Kastrate eine Hauptrolle in einer Oper.
In Frankreich kam ein junger, tanzbegeisterter Mann auf den Königsthron.
Frankreich: Lully und Louis XIV
Der spätere Sonnenkönig Louis XIV lernte im Tanzunterricht den gleichartrigen Lully kennen.
Er ermöglichte Lully eine spezifisch französische Oper zu entwickeln. Die sogenannte Tragedie lyrique: eine aufwändige, spektakuläre Verbindung der Künste der Musik, der Dichtung und insbesondere des Tanzes.
Purcell, Corelli und Vivaldi
Henry Purcell gilt als Ahnvater der englischen klassischen Musik. Er brachte die Barockmusik in England trotz seines kurzen Lebens zu voller Blüte.
Corelli etablierte in Italien die Instrumentalmusik neu als Alternative zu den Vokalformen. Sein Ruhm als Komponist war beispiellos und verbreitete sich über ganz Europa.
In Italien vollzog sich der nächste Entwicklungsschritt. Antonio Vivaldi emanzipierte das Solo-Instrument und kreierte das Konzertformat. Seine Konzerte galten als Inbegriff italienischer Konzertkunst und wurden außerordentlich einflussreich.
Johann Sebastian Bach
In Deutschland begann Johann Sebastian Bach sein Wirken als Komponist und Interpret von geistlicher Musik. Zuerst mit kleinen Formen, später mit grossen Formen wie Oratorien und Passionen.

Am Köthen begann Bach am Hof des Fürsten sich vermehrt der weltlichen Musik zu widmen.
Händel und die Opera seria
Händel hatte das Musiker Handwerk in Deutschland und Italien gelernt. In London wurde er der bedeutendste Vertreter der barocken Oper, der sogenannten “Opera seria”.
Händel wurde in London Komponist und Impresario. Regelmässig reiste er durch Europa um Sänger für sein Londoner Theater zu rekrutieren. Die Kastraten und Primadonnen waren die Stars, die sein Theater füllen sollten.
Händels Opern dominierten während rund 15 Jahren die Londoner Musik-Szene. Nach 30 Opern begann das Publikum auszubleiben. Händel erfand sich in London neu und fand mit Oratorien und Musik zu festlichen Anlässen zu neuer Grösse.
Zeitenwende
In Frankreich führte Rameau die französische Hofmusik Lullys noch einmal zu letzter höchster Blüte.
Die Musik des Barocks erlebte Mitte des 18. Jahrhunderts einen regelrechten Schock. Die Titanen des Hochbarocks, Bach, Händel, Vivaldi, Scarlatti, Rameau verstarben und ihre Musik geriet teilweise rasch in Vergessenheit.
Beginnende Klassik
In Paris brach gar ein offener Kulturkampf aus. Als Pergolesis bürgerliche “La serva padrona” dort gegeben wurde, entfachte sich der sogenannte “Buffonistenstreit” zwischen dem aufstrebenden Bürgertum, das die volksnahe Opera buffa unterstützte, und dem Adel, der die prunkvolle höfische Oper verteidigte.
Der Übergang vom Barockzeitalter zur Klassik dauerte mehrere Jahrzehnte. Für diesen Übergang stehen beispielweise Komponisten wie die Bachsöhne. Gluck versuchte mit seinen Reform-Opern die Barock-Oper wieder zu beleben.
Der Übergang zur Klassik ereignete sich nirgends so schnell und eindrücklich wie im Habsburger Reich und ihrer Hauptstadt Wien.
Mozart und Haydn
Haydn war der einflussreiche Architekt der sogenannten Wiener Klassik und ihrem Dreigestirn Haydn-Mozart-Beethoven. Haydns Zielpublikum war nicht nur der Adel, sondern neu das gebildetete Bürgertum. Sinnbild dafür wurde die Kammermusik.
Auch Mozart komponierte sowohl für den Adel als auch für das Bürgertum. In Salzburg war er noch Bediensteter des Erzbischofs, mit dem Schritt nach Wien wurde er zum unabhängigen Künstler, der mit öffentlichen Konzerten sein Einkommen verdiente.
Die Vollkommenheit von Mozarts Musik setzt uns noch heute in Erstaunen.
Mozarts Opern gelten als der Höhepunkt seines Schaffens. Insbesondere die drei “da Ponte Opern” “Le nozze di Figaro”, “Cosi fan tutte” und “Don Giovanni” gelten als die Krönung seines Schaffens.

Beethoven: Ausdrucksmusik
Nach dem Tode Mozarts übernahm Beethoven die Rolle als führender Komponisten Wiens und Europas.
Sein Einfluss auf die kommenden Musiker Generationen ist gigantisch und das Klavier wird mit seinen Sonaten zum dominierenden Instrument der klassisschen Musik.
Beethovens schöpferischer Prozess wurde zum Vorbild aller Komponisten: die Melodie entwickelte sich zum Motiv, dass in der Folge entwickelt wird. Er wird so zum Wegbereiter der Musik der Romantik.

Die Italienische Oper
Das von den Napoleonischen Kriegen gebeutelte Europa begann wieder zu erwachen.
Nach dem Niedergang der Opera seria stieg die Oper in Italien dank des Genies Rossinis wie Phoenix aus der Asche.
Die Belcanto Opern des Dreigestirns Rossini-Donizetti-Bellini eroberten die Musik-Theater Europas und es begann das Zeitalter der Primadonna.

Deutsche Frühromantik: von Weber, Schubert, Schumann
Deutschland ging einen anderen Weg: Carl Maria von Webers Oper “Der Freischütz” von 1821 wurde zum Fanal der deutschen musikalischen Romantik.
Das Lied wurde zur emblematischen Kunstform der deutschen Frühromantik mit Ihren Hauptvertretern Schubert und Schumann.
Nicolo Paganinis Konzertreisen durch Europa machten einen tiefen Eindruck auf die Kulturwelt und sollten die Musik der nächsten fünfzig Jahre beeinflussten. Er wurde für viele Künstlerkollegen wie Chopin, Schumann, Liszt oder Mendelssohn zur Inspiration für Ihre künstlerische Entwicklung.
Wie bei vielen Früh-Romantikern lag Schumanns Schwerpunkt in den kleinen Formen. Neben dem Lied lag sein Hauptaugenmerk auf dem Klavierschaffen.
Frankreich: Listz, Chopin, Grand Opera
Gänzlich auf das Klavierschaffen fokussiert war das Werk von Frédéric Chopin. Chopins Klavierwerk gehört zum Grössten was für dieses Instrument geschaffen wurde.
Frankreich erholte sich nach den Kriegswirren rasch und Paris entwickelte sich in den 30er und 40er Jahren zum Schmelztiegel und Kulturzentrum Europas. Motor dieser Entwicklung war die Grand Opera, die mit ihren schier unerschöpflichen Ressourcen zur führenden Musik Institution Europas wurde.
In den dreissiger Jahre feiert Liszt in Paris einen kometenhaften Aufstieg. Mit seinen mehrjährigen Konzert-Tourneen durch ganz Europa wurde er zum Paganini des Klaviers.
Das Opernschaffen war in Italien mittlerweile beinahe zum Erliegen gekommen. Donizetti, Bellini und Rossini - alle hatten ihre Karriere mittlerweile in Paris weitergeführt.
Der Aufstieg von Verdi
Was die Opern Besucher 1842 in Mailand zu hören bekamen war unerhört. Das Publikum, welches den Wohllaut des Belcanto gewohnt war, empfand die Musik von Verdis Nabucco schlichtweg als puren Lärm.

Mit der triologia popolare (Rigoletto, La Traviata, Il trovatore) nahm Verdi die Rolle als führender Opernkomponist Europas ein.
In Deutschland entwickelte sich die Karriere von Verdie Rival Wagner.
Richard Wagner hatte vergeblich versucht, in Paris Fuss zu fassen. In Deutschland schaffte er den Durchbruch zuerst mit Rienzi und dann mit Tannhäuser und Lohengrin.
Operette und Walzer
Mit der Zunahme des Wohlstandes konnten sich immer mehr Menschen einen Konzertbesuch leisten. Für diese Marktlücke erfand Offenbach das Genre der Operette (Opéra bouffe) und wurde in Paris zu einem einflussreichen Komponisten und Impresario.
In Wien stieg Johann Straus zum Walzer-König Europas auf. Gemeinsam mit seinem Vater Brüdern prägte er die Musik Wiens fast ein Jahrhundert lang.
Wagners Tristan Revolution
Wagner setzte seinen Weg zum Musikdrama fort. Mit “Tristan und Isolde” komponierte er ein Werk, das mit seiner sinnlichen, mitreißenden Chromatik die Welt der klassischen Musik für die nächsten 50 Jahre enorm beeinflussen sollte. Sinnbildlich für diesen Weg steht der berühmte “Tristan-Akkord”.

Neudeutsche vs Traditionalisten: Wagner und Liszt gegen Brahms
In der Instrumentalmusik entfachte sich der Kulturkampf zwischen den Neudeutschen und den Traditionalisten. Ironischerweise beriefen sich beide Parteien auf Beethoven.
Was war passiert? 15 Jahre zuvor hatte Berlioz die Symphonie fantastique geschrieben, dessen Musik auf einer „idee fixe“, einem musikalischen Leitmotiv basierte.
Dieses Werk wurde für Liszt in Weimar zur Inspiration auf seinem Weg zur Programmmusik: Nicht mehr die sonatentypische Gegensätze der musika-lischen Themen sollten die Grundlage bilden, sondern die Programmatische Idee, die Verschmelzung der Dichtkunst und der Musik, basierend auf einem oder mehreren leitmotivischen Themen.
Die Traditionalisten um Brahms wollten die alten Formen wie Sinfonien und Konzerte weiterentwickeln. Wie sein musikalischer Ahne Beethoven rang er sich jedes Werk ab und führte die klassische Sinfonie zu einer letzten romantischen Blüte.
Russische Musik: Mussorgski, Tschaikowski
Die nationalen Bewegungen des 19. Jahrhunderts beeinflussten auch die Musik. Mitte des Jahrhunderts begannen Komponisten ausserhalb der deutsch-französisch-italienischen Musiktradtion Volksmusik in ihren Werken einzubeziehen.
Die Besinnung auf die musikalischen Quellen ihrer Länder war besonders in Russland spürbar in St. Petersburg formierte sich das sogenannte “Mächtige Häuflein” (Gruppe der Fünf).
Der genialste unter Ihnen war Modest Mussorgsky, der mit Boris Godunov das russischste alle Werke schrieb.
Die “Gruppe der Fünf” wollte die russische Musik erneuern und verunglimpfte Tschaikowski als “Westler”.
Mit der Ballettmusik zu “Dornröschen”, “Schwanensee” und “Nussknacker” wurde Tschaikowski unsterblich und er gilt heute als bedeutendster Komponist Russlands.
Wagners Festspielhaus in Bayreuth
Wagners Lebenstraum war es ein eigenes Festspielhaus zu errichten, wo er das Gesamtkunswerk – die Zusammenführung der Künste der Musik, Architektur, Theater und Bühnenbildgestaltung – verwirklichen konnte.

Wagner wählte dieses Provinz Städtchen Bayreuth, und 1876 eröffnete er das Festspielhaus mit der ersten Gesamtaufführung seines Jahrhundert-Werks, “der Ring des Nibelungen”
Wagners Erzrivale Verdi wollte sich in den siebziger Jahre eigentlich zur Ruhe setzen. Doch er schrieb trotzdem noch 3 Alterswerke (Aida, Falstaff, Otello).
Mit Otello beendete er seinen 50 Jahre langen Weg von der Nummeroper zum Musikdrama.
Französische Spätromantik
Bizet, Saint-Saens, Massenet, Debussy - Paris hatte eine reiche Musik-kultur. Praktisch alle französischen Musiker standen unter dem Eindruck von Wagners Spätwerk. Doch nach dem Deutsch-Französischen Krieg hatten die “Wagneristes” einen schweren Stand.
Claude Debussy wurde zum Erfinder einer neuen Klangwelt. Die neuen Farben seiner Klänge waren unerhört. Seine Musik war wie seine Persönlichkeit, nämlich geboren zum Anderssein.

1894 schrieb er sein „Prélude à l’après-midi d’un faune“. Und das Werk mit dem Motiv des Fauns, mit dem Ganzton- und den vier Halbtonschritten gilt als das erste Werk der Moderne.
Verismo: Mascagni, Leoncavallo, Puccini
Die italienischen Komponisten gingen einen anderen Weg, den des Verismo.Im Prolog des Pagliaccio erklärt Leoncavallo dessen Kern: “die Menschen auf der Bühne sind aus Fleisch und Blut ”
Der Verismo Stil verbindete realistisches Theater mit roher, emotionaler Musik. Begründer des Verismo war Pietro Mascagni, mit dem Eifersuchts-Drama ”Cavalleria Rusticana”.
Liebe, Tod, Gewalt: alles steckt in Puccinis Oper “Tosca”. Sie war Puccinis Oper, die am nächsten zum Verismo steht.

Puccini war der letzte Romantiker der Operngeschichte und wurde zum Schöpfer der grossen Emotionen in der Gestalt von unvergesslichen Frauengestalten wie Butterfly, Mimi oder Tosca.
Deutsche Spätromantik
Lehár begründete 1904 mit der “Lustigen Witwe” das silberne Zeitalter der Operette, das Wien und Berlin während 30 Jahren in ihren Bann zog.
Mit der spätromantischen Musik von Richard Strauss und Gustav Mahler wuchs das Orchester zu gigantischer Grösse auf, die nie gehörte Klang-farben und - Massen erzeugte.
Strauss ging noch weiter als Mahler. Für seine Oper “Salome” erschuf er eine expressionistische Klangwelt, die mit allem bisher Bekannten zu brechen schien und wurde zum führenden Avantgardisten der klassischen Musik.
Mit der “Elektra” ging Strauss noch weiter, um den Wahnsinn der Hauptperson in Töne zu setzen.

Aber: noch hatte Strauss den Rubikon der Tonalität nicht überschritten. Gespannt wartete die Musikwelt auf seinen nächsten Schritt. Was kam war für alle unerwartet: Der Rosenkavalier.
Es war der Wiener Arnold Schönberg, der mit der Zwölfton-Musik als erster konsequent den Rubikon der Tonalität überschritt.
Russland
Doch die spannendste Musik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam aus Russland.
Getrieben durch die hervorragenden Konservatorien in Moskau und St. Petersburg wuchs in Russland eine ungeheuer kreative Generation von Komponisten.
Stravinskys Ballettmusik “Le Sacré du Printemps” veränderte die Musik für immer und Arthur Honegger verglich die Wirkung dieses Werks zurecht mit der der Atombombe.

Rachmaninov war der Gegenentwurf zu Strawinsky. Verhöhnt von den Modernisten als Ewiggestriger schenkte er der Welt eine Fülle von romantischen, russischen Melodien.

Sergej Prokofiev war ein prägender Teil von drei epochalen, kulturellen Umwälzungen: des „silbernen Zeitalters der russischen Kultur“, der „Avantgarde von Paris“ und des „sozialistischen Realismus“.

Shostakowitch blieb als einziger der Vier sein Leben lang in Russland. Er erlitt die Armut während des ersten Weltkriegs, die Gefahren der Säuberungen der Stalin Zeit und die Wirren des grossen Vaterländischen Kriegs.

Jazz
In Westeuropa begannen Musiker Einflüsse des Jazz in ihre Musik aufzunehmen. Am spektakulärsten war dabei die “Dreigroschenoper”. Die Sänger werden begleitet von einer Jazz-Band.

Doch die schönste Integration des Jazz in die klassische Musik gelang einem Amerikaner. George Gehrshwin gelang gleich mit drei Werken (Rhapsody in Blue, Concerto in F, Porgy and Bess) eine unsterbliche Synthese der Musikstile der Vergangenheit und der Zukunft.

Die Geschichte der klassischen Musik


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