Johannes Brahms - Biografie: Seine Orte, seine Musik und sein Leben
- peter
- 23. Juni
- 12 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Juli

Brahms war ein Grosser der Musikgeschichte. Er trug jedoch schwer an den gutgemeinten Ankündigungen Schumanns der ihn, einem musikalischen Messias gleich, in seiner Musikalischen Zeitschrift als den neuen Propheten ankündigte. Wie sein musikalischer Ahne Beethoven rang er sich jedes Werk ab und führte die klassische Sinfonie zu einer letzten romantischen Blüte.
Wer war Johannes Brahms, welche Menschen und Orte haben ihn geprägt.
Eine biographische Annäherung an den Jahrhundert Künstler aus Deutschland.
Die Biografie von Johannes Brahms
Brahms Lebenslauf in Tabellenform:
Jahr | Ereignis |
1833 | Johannes Brahms wird am 7. Mai in Hamburg in eine Musikerfamilie geboren. |
1840er | Brahms wächst im ärmlichen Hamburger Gängeviertel auf und verbringt viel Zeit im Heimatdorf seines Vaters in Dithmarschen. |
1846 | Beginn einer intensiven musikalischen Ausbildung; Brahms tritt bereits als Jugendlicher öffentlich auf und verdient Geld für die Familie. |
1853 | Mit 20 Jahren beginnt Brahms’ Leben als Künstler; Konzertreise mit dem Geiger Reményi. |
1853 | Begegnung mit Joseph Joachim, der ihm lebenslang Freund und Berater bleibt und ihn an Robert Schumann empfiehlt. |
1853 | Besuch bei Franz Liszt in Weimar; Brahms zieht danach weiter nach Düsseldorf zu den Schumanns. |
1853 | Robert Schumann erkennt Brahms’ Talent und bezeichnet ihn in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ als Berufenen. |
1854 | Nach Schumanns Zusammenbruch unterstützt Brahms Clara Schumann und ihre Familie; enge Beziehung zu Clara entsteht. |
1854–1859 | Tätigkeit in Detmold als Chorleiter und Musiklehrer; Arbeit an Chorwerken und am 1. Klavierkonzert. |
1859 | Rückkehr nach Hamburg; Brahms erhält jedoch nicht die erhofften wichtigen Musikstellen. |
1862/63 | Erster Aufenthalt in Wien; Brahms wird als möglicher Erbe Beethovens gefeiert. |
1863 | Brahms übersiedelt nach Wien und übernimmt die Leitung des Singvereins. |
1868 | Uraufführung des „Deutschen Requiems“ im Bremer Dom unter Leitung von Brahms – großer Erfolg. |
1870–1875 | Sommeraufenthalte in Baden-Baden; intensive Beziehung zu Clara Schumann und Entstehung bedeutender Werke. |
1876 | Uraufführung der 1. Sinfonie in Karlsruhe; Brahms wird als Nachfolger Beethovens gefeiert. |
1877–1878 | Aufenthalte in Pörtschach am Wörthersee; Entstehung der 2. Sinfonie und des Violinkonzerts. |
1878 | Erste Reise nach Italien; Brahms gewinnt wichtige künstlerische Eindrücke. |
1880er | Zusammenarbeit mit dem Meininger Orchester; Uraufführung der 4. Sinfonie in Meiningen. |
1889–1896 | Regelmäßige Sommeraufenthalte in Bad Ischl; Entstehung zahlreicher Spätwerke. |
1896 | Tod Clara Schumanns und Verschlechterung von Brahms’ Gesundheitszustand. |
1897 | Letzter öffentlicher Auftritt am 7. März im Wiener Musikverein; Brahms stirbt am 3. April in Wien. |
Geburt und Jugend in ärmlichen Verhältnissen in Hamburg
Johannes Brahms wurde am 7. Mai 1833 in Hamburg in eine Musikerfamilie geboren.
Er wuchs in einem engen, ärmlichen Viertel Hamburgs auf, dem später berüchtigten Gängeviertel.
Auf diesem Bild sehen sie Brahms Geburtshaus in einer Aufnahme aus dem Jahr 1891, das Haus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Aufgrund der ärmlichen Lebensbedingungen verbrachte Johannes viel Zeit in Dithmarschen, dem Heimatdorf seines Vaters, 50 km entfernt von Hamburg. Die Familie Brahms besaß dort ein Haus und Brahms verbrachte viel Zeit bei seinem Großvater. Eine Brahms-Gesellschaft erwarb das Haus 1988 und gestaltete es zu einem Museum aus.

Sein Vater war Berufsmusiker und verdiente zu Beginn seinen Lebensunterhalt mit kleinen Auftritten in Hamburger Tanzlokalen und wurde später als Hornist ein angesehenes Mitglied der Hamburger Philharmonikern.
Beginn des Künstlerlebens
So kam es, dass Brahms' musikalische Ausbildung früh begann. Er trat im Alter von 13 Jahren erstmals öffentlich auf und konnte in der Folge etwas Geld für die Familie hinzuverdienen.
Im Alter von 20 Jahren begann Brahms‘ Leben als Künstler.
Er begab sich zusammen mit einem befreundeten Geiger auf eine Konzertreise.
Auf dieser Reise lernte er Joseph Joachim kennen. Dieser später berühmte Geiger wurde ihm ein lebenslanger Freund und Berater. Er war es, der ihm empfahl, sich an Robert Schumann zu wenden.

Brahms kehrte daraufhin nur kurz nach Hamburg zurück und verließ die Stadt in Richtung Düsseldorf, um sich den Schumanns anzuschließen.
Brahms machte Zwischenhalt in Weimar und besuchte Franz Liszt.
Was sich nun in Liszt Salon abspielte, wissen wir aus einer Anekdote, die Brahms‘ Begleiter Reményi überlieferte.
Liszt zeigte sich galant und spielte Brahms’ Scherzo op. 4 vom Blatt vor. Bei dem darauf folgenden Vortrag seiner eigenen grossen Sonate in h-Moll soll Brahms eingeschlafen sein, was Liszt (vermutlich neben anderen Dingen) verstimmte.
So zog Brahms nach kurzer Zeit weiter.
Aufenthalt bei den Schumanns in Düsseldorf
Die darauffolgende Reise nach Düsseldorf, sollte sein Leben für immer verändern.
Robert Schumann amtete dort als künstlerischer Direktor einer musikalischen Gesellschaft und Clara war eine bekannte Konzertpianistin.
Brahms wurde von den beiden herzlich empfangen.

Schumann war beeindruckt vom 20-Jährigen und rühmte sein opus 1und sein Scherzo.
Er veröffentlichte in der Neuen Zeitschrift für Musik den berühmten Artikel, der in den Worten gipfelte:
“Er trug, auch im Äußeren, alle Anzeichen an sich, die uns ankündigen: Das ist ein Berufener.”
Wenige Monate später erfolgte Schumanns Selbstmordversuch und seine Einweisung in eine Nervenheilanstalt.
Brahms beschloss in die Nähe von Clara und ihrer Familie zu ziehen, um sie zu unterstützen und liess sich in Düsseldorf nieder.
Er besuchte Schumann mehrmals in der Anstalt und vertiefte die Beziehung zu Clara.
Darüber, wieweit Ihr Verhältnis ging, wird noch heute gerätselt. Insbesondere nach dem Tod von Robert in 1856 wurde die Beziehung sehr eng. Ihr Briefwechsel, der später von seiten Brahms vernichtet wurde, gibt keinen eindeutigen Aufschluss.
Brahms nahm während mehreren Winterspielzeiten eine Anstellung als Chorleiter und Musiklehrer am Hof in Detmold an, wo er mehrere Bach-Werke aufführte.
Brahms begann von nun an regelmässig Werke für Chor und Orchester zu schreiben, wie beispielsweise das Schicksalslied.
Erste Anstellungen in Detmold, Liebschaft mit Agathe von Siebold, erstes Klavierkonzert
In Detmold arbeitete er unter anderem an seinem grossen, 1. Klavierkonzert, das er im Vorjahr 1854 begonnen hatte.
Eigentlich wollte Brahms eine Sinfonie schreiben, doch er fühlte sich dieser Aufgabe nicht gewachsen, und daraus enstand ein Klavierkonzert, oder sollte man es eine Sinfonie mit obligatem Klavier nennen?
Die Uraufführung Jahre später wurde zu einem bitteren Erlebnis und Brahms arbeitete das Werk um.
In der Zeit der Komposition lernt Brahms Agathe von Siebold kennen, die eine schöne Stimme hatte. Er verlobt sich gar mit ihr schrieb ihr aber:

“Ich liebe dich. Ich muss dich wiedersehen. Aber Fesseln tragen kann ich nicht”, und die Verlobung wurde aufgelöst.
Enttäuschung in Hamburg
1859 kehrte er als 36-jähriger nach Hamburg zurück.
Er hoffte auf eine Anstellung in seiner Heimatstadt als Direktor der Philharmonischen Konzerte oder als Chormeister der Singakademie, wurde aber bei beiden Stellen mangels Erfahrung übergangen. Dies verstimmte Brahms nachhaltig und nach einem ersten Besuch in Wien entschloss er sich 1863 Hamburg den Rücken zu kehren.
Brahms hatte Zeit seines Lebens ein gespanntes Verhältnis zu seiner Heimatstadt, was auch die Ernennung einer Ehrenbürgerschaft 1889 und später das Angebot der Stelle als Leiter des Konzerthauses nicht mehr ändern konnte.
Zu seiner Abschiedsstimmung hat vermutlich die schlechte Rezeption seines ersten grossen Werkes beigetragen, des besagten Klavierkonzertes. Sowohl in Leipzig, wie auch in Hannover wurden die Konzerte mit dem Komponisten als Solisten nicht gut aufgenommen.
Beginn des Lebens in Wien
29-jährig hatte Brahms Wien zum ersten Mal besucht.
Als er dort sein g-Moll Klavierquartett an einer Abendveranstaltung präsentierte, soll der Leiter des Konservatoriums und Musiker Joseph Hellmesberger Brahms bereits als Erbe Beethovens ausgerufen haben.
Mit diesen Vergleichen tat sich Brahms zwar sein Leben lang schwer, aber er fühlte sich in Wien wertgeschätzt.
So entschloss er sich ein Angebot als Chormeister anzunehmen und siedelte nach Wien um.
Doch Brahms hielt es nicht lange auf den Ämtern auf und wurde ab den 1870er Jahren freischaffender Künstler.
In Wien hatte Brahms 1864 Wagner kennengelernt. Wagner wohnte in dieser Zeit während mehreren Monaten an der Hadikstrasse in sehr luxuriösen Verhältnissen, die er sich wie üblich nicht leisten konnte. Wie immer staffierte er seine Wohnung mit sündhaft teuren Einrichtungsgegenständen aus. Er empfing dort den jungen Brahms. Die beiden so entgegensetzten Künstler fanden aber keinen Draht und wurden später zu Antagonisten im Kulturkampf zwischen den Traditionalisten um Brahms und den Neudeutschen um Wagner.
Sommerfrischen in Baden-Baden, bei Clara, Schwärmerei für Julie Schumann
Brahms Lebensmittelpunkt blieb bis zu seinem Tode in Wien.
Allerdings war er häufig unterwegs und pflegte ein breites Beziehungsnetz.
Jedes Jahr führten ihn 3 oder 4 Monate zum Komponieren in die Sommerfrische.
Und in den Wintermonaten war er oft als Interpret und Dirigent der eigenen Werke unterwegs.
Brahms war von 1863 bis 1875 ein regelmäßiger Gast in Baden-Baden.
Seine Attraktion war Clara Schumann, Witwe und der (frühere?) Schwarm des 14-Jahre jüngeren Brahms.
Als Clara 1862 in Baden-Baden ein Haus erwarb, wo sie die Sommermonate mit ihren Kindern verbrachte, machte sich Brahms auf die Suche nach einer Bleibe, um in ihrer Nähe zu sein.
In den ersten zwei Jahren wohnte er im Hotel Bären danach fand er ein Aufenthaltsort in Form einer Mansardenwohnung bei der Witwe Becker.

Brahms Bleibe bei der Witwe Becker, das Brahmshaus, steht auf einem Hügel, über dessen Aussicht Brahms geschwärmt hatte. Brahms bevorzugte für seine Sommerfrischen stets, abseits im Grünen gelegene, eher einfache und gemütliche Behausungen. Das Haus in Lichtental ist noch heute unverändert.
Baden-Baden wurde in diesen Jahren sommerlicher Treffpunkt von Adel, Finanz und Kunst und wurde gar «Sommerhauptstadt Europas genannt».
Brahms lernte dort Johann Strauss’ Musik lieben, die er oft vom Kurorchester gespielt und von Strauss persönlich dirigiert hörte. Er verbrachte sieben Sommer in Lichtental, der Sommer 1870 hatte es in sich. Was war passiert?
Brahms schwärmte für Claras Tochter Julie und schrieb, auf Wolke sieben schwebend, die sogenannten Liebeslieder-Walzer.

Geschockt musste er aber erfahren, dass sie sich verlobt hatte.
Seine Schmerzen verarbeitete er mit der düsteren «Alt-Rhapsodie», basierend auf Goethes Textvorlage, die mit den Worten «Aber abseits, wer ist’s?» beginnt, und das Leben eines Einzelgängers thematisiert.
War das nicht schon genug, bat Julie den verhinderten Bräutigam Trauzeuge sein, da Julie nichts von der Schwärmerei zu ihr ahnte.
Als Brahms in der Hochzeits-Zeremonie seinen Namen und Beruf angeben musste, scheint er in seinem Gram so undeutlich gesprochen zu haben, dass seine Angaben mit «Komponist Schrams» festgehalten wurden.
Durchbruch mit dem Requiem in Bremen
1868 fand die «offizielle» Uraufführung des Deutschen Requiems unter der Leitung des Komponisten statt.
Aufführungsort war der Bremer Dom. Brahms hatte schon in seinen zwanziger Jahren mit der Komposition und Zusammenstellung der Texte begonnen, das Werk ruhte dann für mehrere Jahre. Erst der Tod seiner Mutter 1865 gab den Anstoß für die Weiterarbeit.
Als drei Jahre später die Uraufführung im Bremer Dom von statten ging, sass neben Clara Schumann auch sein Vater im Publikum. Die triumphale Aufnahme des Werks in diesem monumentalen kirchlichen Bauwerk. wurde eine grosse Genugtuung für den gebürtigen Hamburger, der bisher im Norden Deutschlands nicht die Anerkennung fand und es war im Beisein seines Vaters und Clara Schumanns eine der grössten Momente seines Lebens.
Chor "Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten".
Enttäuschung mit der ersten Sinfonie
Auf seine erste musste die Welt lange warten. Der Erwartungsdruck lastete schwer auf dem Komponisten und die Komposition fiel ihm schwer. Die Entstehungsgeschichte der ersten Sinfonie ist denn auch reichlich verworren. Brahms’ erste Versuche gehen auf die frühen sechziger Jahre zurück.
Im Jahr 1868 schrieb Brahms Clara den berühmten Geburtstagsgruß mit dem Alphornthema aus dem 4. Satz:

Er hatte dieses Motiv während seines Aufenthalts in Thun von einem Alphorn gespielt gehört und hatte es geistesgegenwärtig notiert. Wann er mit der Arbeit zur seiner Ersten begonnen hatte ist unklar, auf jeden Fall arbeitete er 1876 im Rügener Sassnitz an der Sinfonie und beendete sie, mittlerweile 43-jährig, in Baden-Baden.
Die Uraufführung verlegte er bewusst ins provinzielle Karlsruhe, da er vor einer Uraufführung in Wien zurückschreckte.
Das Werk wurde geteilt aufgenommen, die einen beklagten die Düsternis des Werks, selbst Clara Schumann war irritiert als Brahms ihr die Sinfonie auf dem Klavier vortrug.
Die anderen, wie beispielsweise der berühmte Wiener Kritiker Hanslick, sahen Brahms als legitimen Nachfolger Beethovens.
Hans von Bülow sprach sogar von “Beethovens Zehnter”, nicht zuletzt, weil die Themen an Brahms Übervater erinnerte, sogar Brahms selbst meinte, dass jeder Dummkopf die Nähe des Hauptthema des vierten Satzes zum Thema des letzten Satzes von Beethovens Neunter erkennen könne.
40 jährig publizierte Brahms seine ersten Streichquartette. Wie schon bei der Sinfonie, zeigte sich Brahms Ehrfurcht vor der Gattung und er soll nach eigenen Angaben mehr als ein Dutzend Frühwerke vernichtet haben.
Sonnige Werk aus den Sommerfrischen in Pörtschach
Wenn man den Beginn des Adagios von Brahms Violinkonzert anhört, dann weiss man, wie sich Brahms in Pörtschach gefühlt haben muss.

Das Thema ist so wunderschön und romantisch, dass der berühmte Violinist Pablo de Sarate sich weigerte, das Violinkonzert zu spielen, da die Melodie von der Oboe vorgetragen wird.
Als Brahms 1877 zum ersten Mal aus dem Zug in Pörtschach ausstieg, war er augenblicklich inspiriert und er genoss während mehreren Jahren überaus produktive Monate.
Im kärntnerischen Wörthersee entstanden viele Werke, neben dem erwähnten Violinkonzert (1878), war die sonnige 2. Sinfonie (1877) das wichtigste Werk aus diesen Aufenthalten.
Wie immer stand Brahms früh auf, machte seinen Spaziergang, schwamm frühmorgens im See, Brahms war ein Nacktbader, und sass nach dem Frühstück schon um 7 Uhr am Schreibtisch und nutzte den Morgen um zu komponieren.
Daraus entstand ein Werk heiterer Naturerfahrung, die man vielleicht als Brahms Pastorale nennen könnte
Der Musikvereinsaal wird zum wichtigen Aufführungsort, Uraufführung der 2. Sinfonie
1870 wurde der Wiener Musikvereinssaal eröffnet und rasch wurde er für dessen Akustik gepriesen.
Ein Hohlraum unter dem hölzernen Boden erzeugt einen Resonanzraum und die aufgehängte Kassettendecke aus Holz sorgt für perfekte Schwingungen.
An diesem Ort werden die zweite und dritte Sinfonie uraufgeführt, beides Mal dirigiert von Hans Richter.
Brahms wagte 1877 die Uraufführung seiner zweiten in Wien. Der Plan ging auf und sie wurde sogleich umjubelt. Der Gegensatz zur eher düsteren ersten Sinfonie war gross und sie wurde seiner populärsten Sinfonie.
Brahms dirigierte in den siebziger Jahren oft im Musikvereinssaal und war mehrere Jahre für die Programme zuständig. Seine Handschrift zeigte sich, dadurch dass er Traditionalisten förderte und Neudeutsche unter den Teppich kehrte.
1878 fuhr Brams zum ersten Mal nach Italien, nach einem weiteren Aufenthalt entwickelte er die Skizzen zu seinem zweiten Klavierkonzert.
Meiningen
Das Meininger Orchester gehörte Ende des 19. Jahrhunderts zu dem besten Europas.
Der kunstsinnige Souverän Georg II, genannt der «Theaterherzog» förderte die Künste und Hans von Bülow führte es ab 1880 zur grössten Blüte.

Die beiden setzten sich leidenschaftlich für Brahms Werk ein und der Komponist dirigierte das Orchester mehrmals in Meiningen und auf Tourneen. Insgesamt hielt sich Brahms etwas 100 Tag in Meiningen auf.
Der Herzog stellte das Orchester auch für sogenannte Werkstätten zur Verfügung und so erlebte Brahms 2. Klavierkonzert hier seine nicht-öffentliche Uraufführung.
Als Höhepunkt der Verbindung der Meininger zu Brahms war das Hoftheater der Uraufführungsort seiner 4. Sinfonie, vom Komponisten selbst dirigiert.
Brahms Spätwerk blieb dem klassizistischen Stil verpflichtet, ein Werk der Reife, aber auch mit einer herbstlichen Herbheit des 52-jährigen ausgestattet.
Beginn 4. Sinfonie.
Interessanterweise war der potenzielle Nachfolger Brahms’ in Meiningen zugegen, denn Brahms lernte in diesen Jahren Richard Strauss im Meiningen kennen, der 1885 als Nachfolger von Bülows Kapellmeister in Meiningen wurde. Brahms soll Strauss auch ein «Ganz hübsch, junger Mann» zu seiner f-Moll Sinfonie zugestanden haben, was aus dem Munde Brahms’ ein Kompliment war. Strauss, der bis dahin Brahmsianer war, wurde in diesem Jahr aber unter dem Einfluss des Konzertmeisters Ritters zum Wagnerianer und wechselte von der Sinfonie zur Form der sinfonischen Dichtung.
Sommerfrischen in Bad Ischl, Tod von Clara, Beginn der Krankheit
Brahms Sommermonate waren seine produktivsten Komponier Phasen.
Dank eines schweizer Freundes entdeckte er die Schönheit des Thunersees und komponierte dort in 3 Sommer viele Werke. Die Sängerin Hermine Spiess besuchte ihn dort und er schrieb mit Ihrer Stimme vor Augen die fünf Lieder, opus 105. Möglicherweise hegte er zärtliche Gefühle für Hermine, das wunderschöne Lied „Wie Melodien zieht es mir leise durch den Sinn“ würde für diese unbewiesene These sprechen (Wie Melodien zieht es mir leise durch den Sinn)

Insgesamt hat Brahms über 200 Stücke für Solostimme hinterlassen, zusammengestellt hat er sie nicht in Form von Liedsammlungen wie beispielsweise Schubert oder Schumann, sondern in kleineren Formen.
Am berühmtesten ist wohl das Wiegenlied: Guten Abend gute Nacht.
Bad Ischl war der Ort, an dem er mit 10 Besuchen die meisten Sommer verbracht hat,
von 1889-1896 gar allsommerlich. Meist wohnte er an der
Salzburgerstrasse, die etwas ausserhalb des Ortes lag, damit er bei Sonnenaufgang gleich seine Spaziergänge in die Natur machen konnte. Dann ging er seinen musikalischen Gedanken nach, die er anschliessend im «Komponier Häusl» morgens zu notieren pflegte.

Diese Hütte befand sich etwas ausserhalb Ischls. Zwar genoss er die Geselligkeit Bad Ischls, doch er brauchte auch seine Ruhe fürs Komponieren. Die hatte er nicht immer, denn die Wirtsleute hatten viele Kinder. Um sich trotzdem etwas abzuschotten, buchte er vier Zimmer. Der wichtigste Trumpf des Refugiums war jedoch der Hinterausgang. Sobald ihn jemand besuchen wollte, der ihm nicht genehm war, konnte er Reißaus nehmen.
Hier entstand viel Kammermusik, denn von den Großen Formen hatte er sich 1887 mit dem Doppelkonzert verabschiedet.
Brahms schrieb in seinen letzten Jahren auch viel Klaviermusik. Die Musik ist nun ohne unnötig Ausschmückungen auf ihren Kern reduziert und teilweise herb-dissonantisch.
Die schmerzlich schönen Intermezzi 117 berühren den Hörer, Brahms nannte sie „Wiegenlieder meines Schmerzes“.
Den Nachmittag und den Abend pflegte er in Ischl gesellig zu verbringen, häufig hatte er Besuch von Wiener Freunden oder schaute bei anderen Kurgästen vorbei, wie beispielsweise bei seinem Freund Johann Strauss.

Der letzte Besuch im Jahr 1896 war in doppelter Hinsicht schmerzlich, denn einerseits erfuhr Brahms von Hinschied Clara Schumanns. Man sieht hier ein Aufnahme Brahms am Tage der Beerdigung.

Zum anderen manifestierte sich eine Gelbsucht deutlich, der Vorbote der Krebserkrankung, die ihn ein Jahr später das Leben kosten sollte.
Kulturkampf zwischen den Traditionalisten und den Neudeutschen
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war in der Musikwelt der Streit zwischen den Neudeutschen und den Traditionalisten die wichtigste künstlerischen Auseinandersetzung.
Während die Neudeutschen um Liszt und Wagner den romantischen Formen des Musikdramas und der sinfonischen Dichtung das Wort redeten, wollten die Traditionalisten um Brahms und Hanslick die alten Formen wie Sinfonien und Konzerte weiterentwickeln. Ironischerweise beriefen sich beide Gruppen auf Beethoven.
Zeitgleich mit Brahms lebte in Wien ein Neudeutscher, der das gar nicht sein wollte. Bruckner war zwar ein glühender Wagner Bewunderer, wollte aber seine Ruhe haben und nicht in den Kulturkampf hineingezogen werden. Brahms hatte sich mehrmals negativ über Bruckner geäußert, während Bruckner sich höflich zurückhielt.
Eines Tages saßen Bruckner und Brahms sogar in ihrem Lieblingsbeisl, dem roten Igel, zusammen, doch eine Annäherung fand nicht statt. Die einzige Gemeinsamkeit entdeckten Sie als sie beim Bestellen des Essens bemerkten, dass sie dasselbe Leibgericht hatten, nämlich «Geselchtes mit Knödel».
Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Brahms im Musikvereins-Saal am 7. März 1897. Es war ein Monat vor seinem Tod und
Brahms war bereits von der Gelbsucht gezeichnet und geschwächt, als Hans Richter seine Sinfonie Nr. 4 dirigierte; nach jedem der vier Sätze gab es eine Ovation.
Brahms starb kurz darauf am 3. April 1897 in seiner Wohnung an der Karlsgasse. Nach damaliger Diagnose an einem Leberkrebs, heute vermutet man, dass er einem Pankreas-Krebs erlag.

Er fand seine letzte Ruhe in einem Ehrengrab im Wiener Zentralfriedhof.
Johannes Brahms - Biografie




Kommentare