Franz Schubert - Biographe: Seine Orte, seine Musik und sein Leben
- peterlutz66
- vor 5 Stunden
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Nur wenige Musiker können den Zuhörer in Abgründe führen wie Fran Schubert. Doch über sein Innenleben hat Schubert nur wenig preisgegeben. Mit der Konsequenz, dass von wenigen berühmten Komponisten soviele Mythen und Klischees ranken wie von Franz Schubert.
Wer war Franz Schubert? Welche Orte und Menschen haben ihn geprägt?
Eine biografische Annäherung an den Jahrhundert Künstler aus Oesterreich.
Kindheit, Anfänge
Wien ist stolz auf seinen Schubert, ist er doch unter den grossen Komponisten Wiens neben Strauss der einzige echte Wiener.
Seine Eltern stammten jedoch aus anderen Regionen des Habsburgerreichs. Sie kamen nach Wien, um ihr wirtschaftliches Glück zu suchen. Der Vater, Theodor Schubert kam von Mähren zu seinem Bruder, um den Beruf des Lehrers zu erlernen. Seine Mutter Elisabeth war eine gebürtige Schlesierin und arbeitete als Köchin in einem Wiener Privat Haushalt als sie Theodor Schubert kennenlernte. 1783 heirateten die beiden und Elisabeth sollte die nächsten 13 Jahre jährlich ein Kind zur Welt bringen, bis Franz 1797 zur Welt kam. Die Mutter war zu dieser Zeit bereits 41 Jahre alt.
Schuberts Geburtshaus an der Nussdorferstrasse lag dazumal ausserhalb des Wiener Befestigungsrings mit den Basteien und dem Glacis. Es befand sich in einen Vorort mit dem Namen Himmelpfortgrund.
Schuberts Geburtshaus an der Nußdorfer Straße 54 macht auf den ersten Blick einen idyllischen Eindruck. Der Schein trügt aber, denn es lebten zu dieser Zeit mehr als ein Dutzend Familien in diesen Wohnungen und die hygienischen Verhältnisse waren prekär. So war es nicht ungewöhnlich, dass in einer Arbeiterfamilie wie die der Schuberts von den 14 Kindern nur 5 die Kleinkindjahre überlebten.
Die beiden Eltern scheinen fleissig und sparsam gewesen zu sein, denn als Franz 4 Jahre alt war, konnten sie an der Säulengasse ein Gebäude erwerben, das neben einer Wohnung Platz für eine Schule bot, die Theodor als Schulverwalter auf eigene Rechnung leiten sollte.
Der Vater, selbst eine passionierter Cello Spieler, brachte Franz das Violinspiel bei und erkannte, dass sein Sohn grosses musikalisches Talent hatte. Er konnte erwirken, dass Franz in der nahen Taufkirche Unterricht an der Orgel erhielt, wo er schon früh im Chor mitsang.
Dazu spielte Schubert in seinen späteren Kinderjahren im häuslichen Streichquartett mit dem Vater und den älteren Brüdern und kam so intensiv mit Musik in Berührung.
Erfüllende Jahre im Konvikt
Doch die Familie verfügte über keinerlei finanziellen Mitteln um Franz´ Talent nachhaltig weiterzufördern, so plante der Vater Franz im sogenannten Konvikt zu platzieren.
Dabei handelte es sich um die Internats-Schule der Hofburg. Sie bildete Knaben für den Chordienst aus, die im Auftrage der kaiserlichen Familie in verschiedenen Kirchen im Gottesdienst musizierten unter anderem in der Kapelle der Hofburg.
Die Internats-Plätze waren sehr begehrt, denn die Schule war kostenlos und die Ausbildung qualitativ hochwertig. Wien verfügte dannzumal noch über kein Konservatorium und das Konvikt war so der einzige Ort, wo eine mittellose Familie eine höhere Ausbildung eines Musikers für ihr Kind ergattern konnte.
Doch für die jährliche Vergabe von 10 Plätzen gab es eine lange Bewerberliste und es war der Direktor der Institution Antonio Salieri der beim Vorsingen das Talent des 11-jährigen Schubert erkannte und ihm den Platz im Internat gab. Salieri verdient viel Anerkennung, denn in den nächsten 5 Jahren wurde Salieri zum wichtigsten Förderer Schuberts und der vielbeschäftigte Hofmusiker, Komponist, Lehrer und Institutionsleiter gab seinem Zögling während fast sechs Jahren kostenlosen Privatunterricht.
In diesen Konviktjahren tauchte Schubert vollends in die Musik ein. Neben dem formalen Schulunterricht lernte Schubert als Chorist die liturgische Musik kennen und spielte bald schon im Konviktorchester. Franz begann aus freien Stücken zu komponieren, dabei orientierte er sich oft an Meisterwerken von Mozart und Haydn. Seine erste Sinfonie entstand beispielsweise in dieser Zeit und er durfte sie mit dem Konviktorchester im Alter von 16 Jahren aufführen, was eine grosse Auszeichnung bedeutete.
So nutzte er seine freie Zeit für die Komposition und er machte viele Bekanntschaften, die ihn sein Leben lang begleiten sollten. Er besuchte oft mit dem älteren Studenten und Mentor Joseph von Spaun zeitgenössische Opern, beispielsweise Beethovens Fidelio oder Glucks Iphigenie.
So waren diese Konviktjahre glückliche und künstlerisch fruchtbare Jahre für den angehenden jungen Mann, auch wenn Schubert die Internats-Zeit aufgrund der Strenge der Aufsicht einmal als „Gefängnis“ bezeichnet haben soll.
Schubert hat die Internatsschule formell nicht abgeschlossen. Zum einen, weil er das Interesse am Unterricht in den Schulfächern verloren hatte und zum andern, da sein Vater ihn nach Hause zurückrief.
Familiäre Katastrophen und Anfänge als Kompositeur
Was nun auf die Rückkehr folgte, waren drei schwierige Jahre. Der Vater verpflichtete seinen Sohn zum Dienste als Hilfslehrer, denn er hatte für ihn die Laufbahn als Lehrer ins Auge gefasst.
Für Schubert, der nur Musik im Kopf hatte, war diese Aussicht eine Katastrophe und die Schularbeit eine Qual.
Der grösste Lichtblick Schuberts in diesen Jahren war, dass seine Taufkirche die F-Dur Messe des Siebzehnjährigen aufführte. Er durfte in diesem Heimspiel an der Lichtentaler Kirche einen warmen Empfang seiner Musik erleben. Damit war sein Entscheid gefallen, er wollte Berufsmusiker werden.
Sein Vater wollte ihm diesen Weg verbieten. Und schmerzlich vermisste er den Beistand seiner geliebten Mutter, die in Franz´ letztem Konviktjahr zu Franz´ grossem Kummer verstorben war. Ihre ausgleichende Kraft hätte möglicherweise in der Beziehung zum Vater helfen können.
Der Vater wollte vom brotlosen Beruf des Komponisten nichts wissen und so schlitterten die beiden in eine familiäre Katastrophe als Schubert dem Vater eröffnete, dass er Berufsmusiker werden wollte: der Vater jagte den Jugendlichen Franz mit den Worten „Du Versager“ aus dem elterlichen Hause.
Vie de bohème mit grossem Freundeskreis und Schubertiaden
Schubert stand nun mit dem Rücken zur Wand. Die Reaktion seines Vaters soll hier nicht gerechtfertigt werden, doch war dessen Befürchtung einer völligen Mittellosigkeit seines Sohnes nicht unberechtigt.
Denn die einzige realistische Chance als Musiker finanziell über die Runden zu kommen war die, der Karriere eines hochbegabten Interpreten. Doch das war Schubert nachweislich nicht.
Nicht im Gesang, nicht an der Violine und nicht am Klavier. Auch Bewerbungen als Musikleiter blieben ohne Resonanz, geschweige denn, dass ein Verlag seine Jugendkompositionen erwerben würde. Auch eine Bewerbung für eine Stelle als Musikleiter blieb ohne Erfolg.
Franz von Schober bot seinem Freund nun an, bei von Schobers Familie an der Spiegelgasse zu wohnen. Schober fühlte sich in der Pflicht, denn er war es, der Schubert geraten hatte, den Schuldienst aufzugeben.
Von nun an sollte Schubert bis zu seinem frühen Tod nie ein eigenes Zuhause haben. Sein Weg führte ihn 14 Jahre lang von Wohnung zu Wohnung bei Freunden und er wurde so zum ruhelosen Wanderer.
Sein wachsender Freundeskreis wurde zu seiner Familie, er genoss in diesen jungen Jahren bereits den Respekt einer erstaunlichen Anzahl von Freunden und Bekannten.
Nicht zuletzt weil ihm bereits mit 17 Jahren zwei seiner ersten bedeutenden Meisterwerke im Bereich des Liedes gelangen: Der „Erlkönig“ und „Gretchen am Spinnrad“.
Diese Lieder tragen bereits die unverwechselbare Handschrift Schuberts, und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass er mit ihnen das romantische Kunstlied nahezu aus dem Nichts erschaffen hat.
Es ist schlicht genial, wie er das Summen von Gretchens Spinnrad mit einfachen aber umso effektiveren Mitteln in der Klavierstimme musikalisch darstellte:
Man kann nicht genug betonen, dass es auf dem Gebiet des Liedes keinerlei Vorläufer und Vorbilder gab und selbst Beethovens Zyklus „an die ferne Geliebte“ erst 2 Jahre später an die Oeffentlichkeit kam.
Schuberts Freundeskreis war für seine künstlerische Entwicklung ungemein wichtig. Seine Freunde kamen sowohl aus dem gebildeten Bürgertum wie auch aus Künstlerkreisen. Einige besonders wichtige Wegbegleiter seien hier genannt:
· Zuallererst der bereits erwähnte Franz von Schober. Er war vermutlich derjenige, der Schubert am nächsten stand und die beiden nannten sich zusammen spasseshalber „Schobert“. Schober war Dichter und steuerte später auch Texte für Vertonungen von Schubert bei. Er war es, der Schuberts Vertonung von Goethes Gedichten an den Dichter schickte. – allerdings blieb eine Antwort aus.
· Joseph von Spaun war 10 Jahre älter als Schubert wurde schon als Freund aus den Konvikttagen erwähnt. Spaun war Jurist im Staatsdienst und half Schubert gelegentlich finanziell aus.
· Moritz von Schwind und Leopold Kupelwieser waren beide Maler und wurden später in ihrem Fach zu wichtigen Künstlerpersönlichkeiten. Von Ihnen stammen einige der wenigen, wichtigen bildlichen Zeugnisse von Franz Schubert, die uns überliefert sind.
· Der Dichter Johann Mayrhofer steuerte den Text für rund 50 Lieder bei und teilte sein Zimmer ab 1818 während 3 Jahren mit Schubert.
Die Freunde organisierten sich teilweise in einer Burschenschaft, aber auch bei geselligen Abenden wo sie zusammen lasen, musizierten und tanzten. Der Zirkel der Freunde wurde immer grösser und Franz´ Musik wurde zum Mittelpunkt dieser Zusammenkünfte und bald gab man ihnen den Namen „Schubertiaden“.
Schubert komponierte für diese Zusammenkünfte hunderte Tänze, Märsche, Ländler und Polonaisen, zu denen die Freunde tanzten und sangen begleitet von Schubert am Klavier. Schubert improvisierte dabei häufig. Gefiel ihm ein Stück besonders gut, pflegte er die Improvisation zu wiederholen, um sie sich einzuprägen, und brachte sie am Folgetag zu Papier.
Beziehung zu Frauen und Männern
Eine der bedeutendsten offenen Fragen in Schuberts Leben ist, ob Schubert homosexuell veranlagt war. Es gibt Indizien dafür und dagegen.
Dagegen sprechen seine vermutlich unerfüllten Beziehungen zu verschiedenen Frauen. Beispielsweise zu Therese Grob, der Sängerin der Uraufführung der F-Dur Messe. Schubert wollte eine Verlobung doch Thereses Vater, ein Bäckermeister war gegen die Liaison.
Oder seine Zeit in Zseliz, wo er während zweier mehrmonatiger Aufenthalte die Töchter des Adligen Esterházy unterrichtet und sich vermutlich in Caroline verliebte. Schwärmerisch schrieb er Klaviermusik zu vier Händen und schrieb dort Passagen, in denen sich C-Dur und F-Dur innig umschlingen – was laut Experten für nichts anderes steht als für Franz und Caroline.“
Für diese These spricht, dass möglicherweise mehrere enge Freunde homosexuell waren. Beispielsweise Johann Mayrhofer, bei dem Schubert 3 Jahre in dessen 1-Zimmerwohnung an der Wipplingerstrasse wohnte. Mayrhofer schrieb den schwämerischen Gedichtzyklus „An Franz“, den Schubert vertonte. Er konnte später Schuberts Tods nicht überwinden und erlag nach wiederholten Selbstmordversuchen den Verletzungen Welche Künstler haben ihn am meisten beeinflusst und wie?
eines Sprungs aus dem Fenster seines Amtszimmers.
Schuberts Persönlichkeit
Wie war Schuberts Persönlichkeit? Beginnen wir mit einem vordergründigen, aber interessanten Thema, nämlich seinem Aussehen. Den meisten von uns ist dieses Bild von Schubert am präsentesten:
Es handelt sich um ein Acquarell aus dem Jahre 1825. Ein Gemälde, das Sie bestimmt auch kennen, ist eine rund 50 Jahre später entstandene Nachbildung.
Vieles an diesem Porträt scheint authentisch: die lockigen Haare, der nachdenkliche Ausdruck und das markante Grübchen im Kinn. Dennoch ist anzunehmen, dass der Maler Schuberts Erscheinung etwas idealisiert hat. Sein Spitzname ‚Schwammerl‘ (kleiner Pilz) deutet darauf hin, dass er eher rundlich war und vermutlich nicht die kantigen Züge besaß, die das Aquarell vermuten lässt
Vermutlich sind die Zeichnungen seiner Malerfreunde wie von Schwind und Kuppelwieser näher an der Realität:
Das zuverlässigste Zeugnis über Schuberts Aussehen liefert uns eine Lebendmaske:
Das links eingeblendete Bild ist das einzige Jugendbild von Schubert, das existiert. Es ist weder signiert noch datiert und kam erst später zum Vorschein. Da einige markante Gesichtspartien nicht konform abgebildet zu sein scheinen wurde von vielen angezweifelt, dass es sich um Schubert handelt. Eine detaillierte Untersuchung von Accessoires wie Brillentyp und Kleidung durch Experten deutete jedoch eher auf Echtheit hin. Auch dass das Haar vermutlich mit Zuckerwasser geglättet und nach hinten gekämmt wurde, war zu Schuberts Zeit nicht ungewöhnlich.
Gehen wir weiter zu Persönlichkeitsmerkmalen. Lange Zeit dominierte in der Überlieferung das Bild des gemütlichen Wieners. Vermutlich haben die verzuckerten Filme der der 30er und 50er Jahre mit dem Bilder eines feschen Künstlers zu einem romantisierten Blick auf den Menschen Schubert beigetragen.
In Wirklichkeit wurde Schubert von seinen Freunden als liebenswürdig, aber auch mürrisch und schroff beschrieben – Eigenschaften, die oft mit Genies in Verbindung gebracht werden. Diese Beschreibung war teilweise darauf zurückzuführen, dass Schubert ein verschlossener Mensch war und daher für sein Umfeld schwer zu durchschauen blieb – , ja, was uns bis heute bei vielen Aspekten im Dunkeln tappen lässt.
Denn auch schriftliche Aufzeichnungen sind nicht ergiebig, denn der introvertierte Komponist hinterliess der Nachwelt nur nur wenige schriftliche Zeugnisse. Vieles ist Überlieferung und vermutlich auch Interpretation seiner Zeitgenossen.
Was sagt uns seine Musik über seine Persönlichkeit? Wenn man sich mit Schubert befasst, fällt auf, dass kaum ein Komponist Musik geschrieben hat, die uns derart in Abgründe zieht wie seine. Und keiner kann sich der Unerbittlichkeit entziehen, die einzelne seiner Werke haben
· wie beispielsweise die Wanderphantasie oder
·
· in seiner Winterreise._________.
Der Seelenschmerz war ein wichtiger Impuls für seine künstlerische Tätigkeit, eine berühmte Aussage findet sich in einem Brief Schuberts an Kupelwieser: "Meine Erzeugnisse sind durch den Verstand für Musik und den Schmerz vorhanden".
Worin der Schmerz lag, ist nur teilweise gesichert. Die Erkrankung hat auf jeden Fall Bitterkeit in sein Leben gebracht. Der größte Kummer war vermutlich seine Heimatlosigkeit – das Fehlen eines eigenen Heims, einer Familie und einer Gefährtin –, was Schubert zum ruhelosen Wanderer machte.
Sein Lebensvergnügen fand er in der Geselligkeit und natürlich beim Komponieren und Musizieren. Es wird berichtet, dass er sogar im Schlaf seine Brille trug, um jederzeit eine musikalische Eingebung festhalten zu können.
Das Lied
Auf dem Gebiet des Kunstliedes bleibt Schubert unübertroffen. Sicher, seine Lieder besitzen nicht die monumentale Reichweite von Beethovens Sinfonien, doch kaum eine Werk der klassischen Musik hat eine derart treue und tief berührte Fangemeinde wie beispielsweise die Winterreise.
Im Lied fühlte sich der Komponist Schubert zu Hause, es passte zu seinem Komponierstil. Es war nicht das Feilen an der Form oder die thematische Arbeit, wie Haydn oder Beethoven es suchten, sondern seine Werke erwuchsen aus der Inspiration und dem Wandern durch die Tonarten.
Schubert war nach Aussage seiner Freunde in der Lage die Stimmung und die Aussage eines Gedichtes in kürzester Zeit zu erfassen und in Töne zu setzen. Es gab viele Tage an denen er bis zu 9 Lieder schrieb.
Schuberts wichtigste Neuerung bestand darin, das Klavier zum gleichberechtigten Partner zu etablieren. Als Beispiel hören Sie den Anfang der Winterreise, wie Schubert auf unvergleichliche Weise mit wenigen Takten im Klavier den Hörer in seine Welt hineinzieht:
Die Winterreise gehört zu seinen Werken der Melancholie und des Schmerzes. Selbst in volkstümlicheren Liedern wie „Der Lindenbaum“ bleibt der resignierte Grundton der Winterreise erhalten.
Zum wichtigsten Interpreten von Schuberts Musik wurde der Hofopernsänger Johann Michael Vogl. Er lernte Schubert 1817 kennen und der fünfzigjährige widmete beträchtliche Zeit dem Schubertschen Liedgesang, meist begleitet von Schubert am Klavier, sei es an Schubertiaden oder an öffentlichen Anlässen.
Schuberts Liedschaffen ist gewaltig: sein Werk umfasst 600 Lieder.
War Schubert arm?
Die Napoleonischen Kriege lasteten schwer auf dem Habsburgerreich und führten zu einer tiefen wirtschaftlichen Krise. Zwischen 1810 und 1820 rutschten selbst viele Handwerker in bittere Armut ab. Wien wurde zudem zweimal von Napoleons Truppen besetzt, und die ohnehin gebeutelte Bevölkerung musste zehntausende französische Soldaten versorgen.
Die schwierigste Zeit kam 1816 – das berüchtigte „Jahr ohne Sommer“. Ein gewaltiger Vulkanausbruch in Indonesien verdunkelte die Atmosphäre und führte dazu, dass es in Wien innerhalb von acht Monaten nur 30 regenfreie Tage gab. Die Ernten verrotteten auf den Feldern, und eine schwere Hungersnot brach über die Stadt mit ihren rund 200.000 Einwohnern herein.
Angesichts dieser wirtschaftlichen Lage war es für Schubert zu Beginn seiner Komponistenkarriere nahezu unmöglich, mit seinen Kompositionen Geld zu verdienen – die Musikverlage litten selbst unter finanziellen Engpässen. Selbst Beethovens hatte Mühe seine Werke zu verkaufen.
Erst mit der leichten wirtschaftlichen Erholung Anfang der zwanziger Jahre und dem wachsendem Ansehen konnte Schubert einige Werke gewinnbringend verkaufen. Schätzungen zufolge verdiente er im Laufe seines Lebens etwa 8.000 Gulden Wiener Währung. Zum Vergleich: Die Jahresmiete eines geräumigen, gehobenen Appartements in Wien lag zwischen 500 und 1.000 Gulden.
War Schubert also wirklich mittellos? Betrachtet man sein Lebenseinkommen, so lag es um ein Vielfaches über dem Durchschnittsverdienst der einfachen Bevölkerung. Das oft gezeichnete Bild Schuberts als armer, mittelloser Komponist mag für den ersten Abschnitt als Komponist zutreffen, ist aber für die folgenden Jahre nicht haltbar.
Persönliche und künstlerische Krise. Scheitern als Opernkomponist
1822 erhielt Schubert die schreckliche Diagnose, dass er sich mit Syphillis angesteckt hatte, vermutlich beim Besuch bei einer Prosituierten.
Heilung war zu dieser Zeit unmöglich, es bestand lediglich die Hoffnung auf einen milden Krankheitsverlauf.
Im Folgejahr musste Schubert bereits zur Behandlung ins Krankenhaus und wurde im Saal der Geschwürskranken untergebracht. Kaum vorstellbar für uns: In dieser abstoßenden Umgebung schrieb er wichtige Teile des Liederzyklus „Die schöne Müllerin.“
Durch die Behandlung verlor Schubert zeitweise die Haare und trug längere Zeit eine Perücke. Die Krankheitsschübe zerstörten die Hoffnung auf einen milden Krankheitsverlauf. Neben dieser gesundheitlichen Krise geriet auch sein kompositorisches Schaffen ins Stocken.
In diesen Jahren treffen wir viele nicht fertiggestellte Werke an. Das berühmteste Beispiel ist seine Unvollendete Sinfonie:
Was war der Auslöser für die künstlerische Krise?
Vermutlich lag es weniger an der Krankheit als am Scheitern seiner Opernpläne.
Schubert sehnte sich förmlich nach öffentlicher Anerkennung und sah sein Glück in der Oper.
In der Zwischenzeit hatte Wien eine Sensation erlebt. Gioacchino Rossinis Wiener Aufenthalt im ersten Halbjahr 1822 versetzte die Stadt in einen regelrechten „Rossini Taumel“. Die Musikfreunde erlebten in diesen 3 Monaten über 60 Vorstellungen mit Opern Rossinis.
Alles redete nur noch von der Oper und Schubert sah seine Chance.
Seine beiden ambitioniertesten Projekte – Alfonso und Estrella sowie Fierabras – scheiterten 1821–1823 jedoch an theaterpolitischen Zwängen und schwachen Libretti, die von Schober beziehungsweise von Kupelwiesers Bruder Josef stammten
Das bittere Fazit: Schubert, der Meister des Liedes, konnte mit keinem seiner elf Bühnenwerke einen nennenswerten Erfolg im Musiktheater erzielen.
Schubert war erschüttert.
Er schrieb an Kuppelwieser: „Ich fühle mich als unglücklichsten, elendsten Menschen der Welt (31. März, 1824)“
Um aus dieser Misere zu herauszukommen, fasste Schubert einen weitreichenden Entschluss.
Weg aus der Krise & Schaffensrausch
Sein Ziel war nun eine grosse Sinfonie zu schreiben. Doch er zweifelte an seinem technischen Können.
Vieles hatte sich Schubert autodidaktisch beigebracht. Er war sich selbst in seinen Zwanzigern nicht zu schade Beethovens Vierte zu Übungszwecken zu abzuschreiben. Selbst kurz vor seinen Tod hatter noch geplant, sich in Kontrapunkt bei einem Lehrer weiterzubilden.
Um zu seiner grossen Sinfonie zu kommen wollte er den Umweg über die Kammermusik nehmen. Nicht mehr für den Hausgebrauch sondern fürs Konzert. Er konnte dabei einen wichtigen Mitstreiter gewinnen. Schupanzigh, der viele Quartette Beethovens uraufgeführt hatte, nahm sich nun Schuberts Musik an.
Was nun folgte war ein künstlerischer Höhenflug. Werk für Werk entstand in den Folgejahren.
Es enstanden teilweise düstere Werke wie das d-moll Quartett mit seinen 4 Sätzen in Moll.
Nun fühlte sich Schubert bereit. Vermutlich hat er 1825 mit der Arbeit an der grossen Sinfonie begonnen. Vieles liegt im Ungewissen. Möglicherweise schloss er das Werk bereits im Folgejahr ab und sandte es an die Gesellschaft der Musikfreunde. Doch zu Schuberts Entsetzen legten sie es ins Archiv. Zu schwierig sei sie und viel zu lang. Für uns heute unvorstellbar, denn diese Sinfonie gehört zu Schuberts schönsten Werken:
1827 starb Beethoven. Schubert war erschüttert und gehörte zu den Sargträgern bei der Beerdigung des grossen Komponisten Kollegen.
Möglicherweise als Reaktion schrieb Schubert nun seine grössten Klavierwerke, die 3 grossen Klaviersonaten D 958-960. Ohne Zweifel standen Beethovens 3 letzten Klaviersonaten in Form und Anlage als Vorbild. Sah Schubert diese Werke bereits als Abschluss seines Klavierschaffens? Wir wissen es nicht.
1828, in seinem Todesjahr, durfte Schubert einen der schönsten Momente seiner Musikerkarriere erleben, er durfte ein grosses Konzert auf eigene Rechnung ausrichten, und es scheint ein grosser Erfolg gewesen zu sein. Zu einem der Höhepunkte wurde das Es-Dur-Trio, dessen langsamer Satz mit nostalgischer Musik bereits Abschiedsstimmung weckt:
Tod und Epilog
Im Herbst desselben Jahres erkrankte Schubert – vermutlich aufgrund einer Lebensmittelvergiftung. Der geschwächte Schubert wohnte bei seinem Bruder Ferdinand außerhalb der Wiener Stadtmauern, wo die hygienischen Verhältnisse schlechter waren. Dort infizierte er sich mit Typhus.
Aufgrund der Ansteckungsgefahr konnte er keine Besuche empfangen und überraschend verstarb er zum Entsetzen seiner Freunde an derselben Infektion, die schon seine Mutter dahinraffte.
Vor seinem Tod hatte Schubert den Wunsch geäußert, in der Nähe von Beethovens Grab beigesetzt zu werden. Diesem Wunsch wurde entsprochen, und man setzten ihn zwei Grabstellen neben dem großen Vorbild im Währinger Friedhof bei.
Im Jahr 1888 wurde Schuberts Leichnam gemeinsam mit Beethovens Grab auf den Wiener Zentralfriedhof überführt. Die Grabsteine blieben in Währing, eine Kopie wurde für den Zentralfriedhof angefertigt.
Nach Schuberts Tod wurde es ruhig um seine Musik. 7 Jahre später besuchte Robert Schumann Schuberts Bruder Ferdinand um den Nachlass zu sichten und entdeckte dort die unbekannte grosse C-Dur Sinfonie. Schumann erkannte die Bedeutung dieses Werks sofort und sandte es an Mendelssohn, welcher das Werk in Leipzig mit grossem Erfolg uraufführte.
„Und Wien?“ mögen Sie sich fragen. In Wien erklang die C-Dur Sinfonie zum ersten Mal 1850, also über 20 Jahre nach der Komposition und es war der Deutsche Brahms, der in Wien in den Rollen des Herausgebers und des Interpreten am meisten für Schubert getan hat.
Zu guter Letzt muss auch Liszt erwähnt werden. Franz von Schober wurde während mehrerer Jahre Privatsekretär von Liszt, welcher mit vielen Klavier-Transkriptionen Schubert Lieder populär machte, wie zum Beispiel den berühmten Schwanengesang.



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