top of page

Ludwig van Beethoven - Biografie: Seine Orte, seine Musik und sein Leben

  • peterlutz66
  • vor 4 Stunden
  • 16 Min. Lesezeit
Biografie Johann Sebastian Bach

Es gibt wohl keinen Menschen, der nicht vor Beethovens Kunst und seiner Biografie höchste Achtung verspürt. Für viele Menschen ist er der Künstler schlechthin, der ungeachtet aller Widrigkeiten zu den höchsten Idealen strebt.

Trotz seine Rufes als grimmiger, reizbarer, muss beim Blick auf den Menschen Beethoven bemerkt werden, dass er ein umgängliches Wesen hatte und dank seiner Kunst und Ausstrahlungskraft ein grosses Netzwerk von Menschen an sich binden konnte, die ihm manche Grobheit verzeihten. So ist die Mär des einsamen Künstlers nicht zutreffend, einzig der Traum von Heirat und Familie blieb ihm verwehrt.

Über den Menschen Beethoven kursieren viele Anekdoten und Halbwahrheiten.

Wer war Ludwig van Beethoven wirklich und welche Menschen und Orte haben ihn geprägt?

Eine biografische Annäherung an den Jahrhundert Künstler aus Deutschland.


 


Die Biografie von Ludwig van Beethoven


Ludwig verbrachte seine Kindheit und Jugend im rheinländischen Bonn, das damals zum Habsburger Reich gehörte.

Sein Grossvater stammt aus dem belgischen Mechelen, ihm verdankt Ludwig seinen klangvollen Namen, dessen mittleres „van“ allerdings zu seinem späteren Leidwesen kein Adelsprädikat war sondern sein Name heisst profan soviel wie „vom Rübegarten“.

Die Beethovens stammten aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, sein Grossvater war der erste Beethoven, der Künstler wurde und der Weg führte den Belgier als Sänger an den Hof des Kurfürsten in Bonn. Dort stieg er bis zum Kapellmeister auf.

Obwohl Grossvater Ludwig starb, als sein berühmter Enkel erst 3 war, verehrte dieser seinen Grossvater und er pflegte dem Portrait des Großvaters bei allen seinen vielen Umzügen in Wien stets in seiner Wohnung einen Ehrenplatz zuzuweisen.

Dessen Sohn Johann wurde ebenfalls angestellter Musiker in Bonn. Er vermählte sich mit Maria Magdalena, die aus einer Familie von bescheidenem Wohlstand stammte, ihr Vater war höfischer Kücheninspektor. Die 24-jährige war zuvor während kurzer zeit verheiratet, ihr Mann verstarb aber bereits kurz nach der Hochzeit. Sonst ist von Ludwigs Mutter bis auf die Abstammung nicht viel bekannt, geschweige denn ein Bild.

Ludwig kam in diesem Haus an der Bonngasse zur Welt. Als Taufdatum ist der 27. Dezember 1870 verzeichnet, das effektive Geburtsdatum ist unbekannt.

Ludwig war das zweitgeborene Kind von total sechs Kindern. Drei Kinder sollten das Erwachsenenalter erleben. Zu diesen zwei jüngeren Brüdern, Kaspar und Karl pflegte Ludwig zeit seines Lebens ein enges Verhältnis.

Als Ludwig 5 Jahre alt war zogen die Beethovens in das geräumigere Haus in die Rheingasse um.

Als professioneller Musiker erkannte Vater Johann das Talent seines Sohnes. In gewissen Quellen wird von gewalttätigen Übergriffen auf den kleinen Ludwig beim Musik-Unterricht berichtet, verursacht vom Alkoholkonsum des Vaters, wobei unklar ist, ob es sich dabei um regelmäßige oder einzelne Vorfälle handelt.

Auf jeden Fall war Johann weise und er gab die Ausbildung seines Sohnes in fremde, professionelle Hände. Die Massnahme zeigte Früchte und Ludwig durfte als Siebenjähriger zum ersten Mal sein Können am Klavier vor Publikum zeigen.

Ludwig durfte sich glücklich schätzen. Sowohl sein Klavierlehrer Neefe, wie auch sein späterer Violinlehrer Reicha, waren hervorragende Musiker.Insbesondere der Unterricht bei Neefe, der selbst Komponist war, regte den jungen Ludwig an

und der zwölf-jährige durfte dem Kurfürsten seine 3 Klaviersonaten ohne opusnummer widmen. Während er in Nummer 1 und 3 mozartische Themen nutzt, klingt die dramatischere zweite schon mehr nach Beethoven.


Jugend in Bonn


Beethoven verbrachte seine ersten 21 Jahre in Bonn. Viele Bekanntschaften und Verbindungen aus seinen Bonner Jahre hielten sein ganzes Leben und er konnte später viel von diesem Bonner Netzwerk profitieren.

Zuallererst ist der Kurfürst Maximilian Franz zu nennen. Er war der jüngste Sprössling des Kaiserpaars und Bruder von mehreren Habsburger Regenten während Beethovens Wiener Zeit.

Er war unheimlich musikbegeistert und verfügte über eine grosse Musikbibliothek, darunter befanden sich viele Werken Mozarts, den er persönlich aus seiner Wiener Zeit gut kannte.

Er war ein aufgeklärter und umsichtiger Regent. Als sogenannter Reform-Regent war er sogar bereit die sogenannte Bonner Lesegesellschaft zu unterstützen. Es handelte sich dabei um eine Gruppe einflussreicher Bürger, die aus einem Kreis von früheren Mitglieder der Illuminaten, einem geheimen verbotenen aufklärerischen Orden entstanden war.

Beethoven kam in seiner Jugendzeit mit vielen dieser Persönlichkeiten persönlich in Kontakt. Die bereits erwähnten Ries und Neefe waren seine wichtigsten Musiklehrer.

Nikolaus Simrock spielte im gleichen Orchester wie Ludwig Flöte und wurde mit der Beschaffung der Musikalien beauftragt. Er gründete in der Folge den Musikverlag Simrock und wurde in Beethovens Wiener Zeit zum wichtigsten Verleger der Musik Beethovens.

Der Kopf dieser Illumninaten war Eulologius Schneider, ein begabter und feuriger Redner, der an der Universität lehrte. Schneider übte grossen Einfluss auf den jungen Beethoven aus. Durch ihn und den Kreis der Illuminaten kam Beethoven mit den Idealen der französischen Revolution in Berührung und er wurde durch diese Menschen tief in seiner politischen Haltung geprägt.

Auch Adlige waren Teil der Bonner Lesegesellschaft und der Graf von Waldstein wurde zu einem seiner wichtigsten frühen Förderer.

Von seinen Bonner Freunden sind zuallererst die von Breunings zu nennen. Hier in diesem Haus lernte Beethoven die herzliche Familie als junger Klavierlehrer der Kinder kennen, und es verband ihn eine herzliche Beziehung zu Helene von Breuning, die ihm in seiner Jugend als wichtige Mentorin beiseitestand. In diesem bildungsbürgerlichen Haus wurde gelesen, diskutiert und musiziert und Beethoven, der nur eine unzureichende schulische Bildung geniessen durfte, konnte hier vieles nachholen.

Tochter Eleonore wurde zu seiner ersten Liebe und er hätte sie später gerne als Gefährten nach Wien mitgenommen. Doch trotz Zuneigung war Eleonore nicht zu einer Beziehung bereit.

Die gleichaltrigen Jugendfreunde Stephan von Breuning, Franz Wegeler und Ferdinand Ries waren auch später in Wien über längere Zeit Gefährten Beethovens und unterstützen dort den Junggesellen Beethoven tatkräftig. Ries war mehrere Jahre Beethovens Schüler und Assistent und schrieb später zusammen mit Breuning eine wichtige Beethoven Biographie, dem wir viele Anekdoten verdanken.

Zu nennen ist auch der 20Jahre ältere Johann Peter Solomon der in London ein einflussreicher Impresario wurde und Haydn mit viel Geld in die englische Hauptstadt lockte. Er war es der Beethoven später die Unterstützung Haydns arrangierte.

So zeigt sich dass Beethoven, trotz dem allseits bekannten Image als mürrischer Künstler, herzliche und tragfähige Beziehungen aufbauen konnte und Menschen als Freunde aussuchte die seine hohen Ideale teilten.

Dieses aufgeklärte Bonner Umfeld wurde zu einer prägenden Konstante in Beethovens jungen Leben, dessen Rolle für die Wiener Jahre nicht überschätzt werden kann.

Der Kurfürst förderte Beethoven wo er konnte. Bereits als 14jähriger erhielt Ludwig eine feste Anstellung als zweiter Organist, die mit stattlichen 150 Gulden besoldet war, was der Hälfte der des Gehalts seines Vaters entsprach und ein schöner Zustupf für die Familie bedeutete.

Weitere Förderung erhielt er durch den Violin-Unterricht von Anton Ries, wurde später Bratschist in der Hofkapelle und schrieb 15jährig seine erste Werke für Streichinstrumente.

Doch am meisten Aufsehen erregte er durch sein Improvisationstalent am Pianoforte, und sein Lehrer Neefe publizierte in einem Fachmagazin über den dreizehnjährigen Beethoven:

„Dieses junge Genie verdiente Unterstützung, daß er reisen könnte. Er würde gewiß ein zweyter Wolfgang Amadeus Mozart werden, wann er so fortschritte, wie er angefangen.“

Der Kurfürst Maximilian teilte seine Einschätzung und er organisierte und finanzierte 1786 eine Reise nach Wien, wo er für Beethoven ein Treffen mit Mozart einfädelte.

Ob Beethoven Mozart dort tatsächlich getroffen hat, ist nicht gesichert. Auf jeden Fall ist es nicht zu einem Unterricht gekommen. Möglicherweise stand das Zusammentreffen unter einem unguten Stern. Zum einen mag die musikalische Chemie nicht gepasst haben. Zwar bewunderte Beethoven Mozarts Musik, doch zu weit war das Rokoko-inspirierte nuancierte Spiel Mozarts vom heissblütigen Stil Beethovens entfernt. Zudem befand sich Mozart in diesem Jahr 1786 in einer hektischen Phase zwischen Le Nozze di Figaro und Don Giovanni und hatte vermutlich nicht den Kopf frei für einen wenig lukrativen Schüler aus der Provinz. So zog Beethoven ohne zählbare Resultate von Wien zurück ins heimische Bonn.

Dort zurückgekehrt sollte sein Leben nun zwei dramatische Wendungen nehmen. Die erste Wendung betraf seine Familie, denn seine Rückkehr hatte eine traurige Note bekommen: die Mutter lag im Sterben. Ihr Tod im Jahr 1787 bedeutete den Beginn eines traurigen Kapitels der Familiengeschichte. Sein Vater wurde haltlos und begann die Kontrolle über den schon erheblichen Alkoholkonsum zu verlieren. Rasch zerrann das bescheidene Vermögen der Familie und schon zwei Jahre später wurde der Vater aus dem Hofdienst suspendiert.

Wohlweislich entschied der Regent einen Teil der Rente Ludwig zur Familienfürsorge auszubezahlen, womit der 19-jährige mit einem Schlag die Verantwortung für die Familie inklusive Vater übertragen wurde. Eine enorme Zusatzbelastung für den fürstlichen Angestellten Beethoven, der noch in Ausbildung war und der auf dem Weg war eine Karriere auch als Komponist aufzubauen.

Mittlerweile war Graf Ernst von Waldstein in sein Leben getreten und er wurde in den letzten Bonner Jahren zum wichtigsten Förderer und Mäzen. Er erkannte instinktiv das Potenzial des 18-jährigen und gab ihm sein erstes Auftragswerk auf, ein Ritterballett.

Musik zu einem Ritterballett WoO 1

1792 machte Beethoven eine weitere wichtige Begegnung. Und zwar machte der erwähnte Johann Peter Solomon in Bonn Zwischenhalt von seiner Reise von London. Im Schlepptau hatte er den damals grössten Komponisten Europas, Joseph Haydn. Haydn, selbst Freimaurer, besuchte die Lesegesellschaft und Solomon organisierte ein Zusammentreffen mit Beethoven. Der 60-jährige Haydn war beeindruckt vom 22-jährigen und war bereit ihn als seinen Schüler in Wien aufzunehmen.

Nun ging es schnell, Maximilian und der Graf Waldstein erklärten sich weitsichtig bereit, Ludwig über mehrere Jahre eine Rente auszubezahlen und ihm so die Möglichkeit zu geben in Wien künstlerisch zu wachsen. Zum Abschied erstellten die Freunde ein Stammbuch worin Waldstein die berühmten Worte schrieb: Durch ununterbrochenen Fleiß erhalten Sie: Mozarts Geist aus Haydns Händen.“

Beethoven machte sich nun auf den Weg nach Wien. Wie geplant nahm er Unterricht bei Haydn und er beeindruckte die kunstsinnige Wiener Aristokratie als Klaviervirtuose. Besonders seine Fähigkeit zur Improvisation erregte in den Abendgesellschaften der Adelshäuser Aufmerksamkeit. Beethoven war sich bewusst, dass er den Adel brauchte, um sich finanziell über Wasser zu halten und er schaffte es, rasch ein Netzwerk im höchsten Adel zu erarbeiten.


Lichnowsky: der erste Förderer, Umzug nach Wien


Sein erster und bedeutenster Förderer und Mäzen seiner ersten Jahre war Lichnowsky der zum Träger der Widmung von Beethovens opus 1 wurde. Beethoven war für ihn zum richtigen Augenblick gekommen, denn kurz davor war sein Logenbruder Mozart gestorben, den Lichnowsky als Mäzen unterstützt hatte. Lichnowsky gebührt in der Musikgeschichte eine kuriose Stellung, als da er in seinem Leben gleich mit zwei Genies eine Aufsehen erregende Auseinandersetzung hatte. Mit Mozart führte er einen spektakulären Prozess, um happige Schulden einzutreiben und mit Beethoven verbindet ihn eine der berühmtesten Anekdoten, als es im Lauf der Jahre zu einer zunehmenden Entfremdung zwischen den beiden gekommen war. Die Situation eskalierte bei einem Aufenthalt Beethovens auf Schloss Grätz, dem Sitz des Fürsten. Und zwar war er im August 1811 froh für eine Zeit von den verhassten französischen Besatzern in Wien weg zu kommen. Beethoven verbrachte zunächst idyllische Wochen auf dem Schloss, doch eines Abends wünschte der Fürst, dass Beethoven für seine Besucher vorspielte. Bei den Besuchern handelte sich allerding um französische Offiziere und Beethoven weigerte sich für die verhassten Besatzer zu spielen, darauf kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den beiden. Beethoven verliess das Schloss umgehend. Am nächsten Morgen soll der Fürst einen Brief erhalten haben mit den berühmten Worten: «Fürst! Was Sie sind, sind Sie durch Zufall und Geburt. Was ich bin, bin ich durch mich. Fürsten wird es noch Tausende geben, Beethoven gibt es nur einmal». Der Fürst setzte seine Unterstützung aus und die langjährige Beziehung endete.

Kommen wir zurück zu seinem Wiener Netzwerk. Der zweite wichtige Gönner war Fürst von Lobkowitz. Als er Beethoven kennenlernte war er 20-jährig und musikverrückt. Er besass einen grossen Palais, wo er einen Saal für Konzerte eingerichtet hatte. Er gab Unsummen für Orchestermusiker aus und wurde zu einem grosszügigenen Mäzen.

In diesem Palais fand unter anderem die Uraufführung der dritten Sinfonie statt. Lobkowitz‘ Bedeutung als Gönner wird illustriert, dass er Widmungsempfänger unter anderem der dritten, fünften und sechsten Sinfonie war.

Lobkowitz war zusammen mit Kinsky und Erzherzog auch mitverantwortlich für die Rente, die Beethoven in seinen letzten 20 Lebensjahren erhielt. Mehr davon später.

Seine ersten Wiener Werke schrieb Beethoven für intime Formen wie Kammermusik oder Klavier. 1795 war es soweit, und er trat mit seinem Klavierkonzert B-Dur op. 19 erstmals als Pianist an die Wiener Öffentlichkeit.


Durchbruch mit Klaviersonaten


Der Durchbruch gelang ihm aber noch nicht, er passierte erst kurz vor seinem 30. Lebensjahr, als er zuerst mit der Pathétique und dann mit der Mondscheinsonate die ersten Ohrwürmer und Megahits der beginnenden Romantik schrieb.

Familiär hatte sich in der Zwischenzeit vieles getan. Kurz nach Beethovens Ankunft Wien war sein Vater gestorben. Wenige Jahre später siedelte seine beiden Brüder nach Wien über. Der eine, Nikolaus, studierte in Wien Pharmazie, und wurde erfolgreicher Apotheker, zuerst in Wien später in Linz.

Kaspar Karl liebäugelte zuerst mit dem Beruf als Musiker, beschloss dann aber doch eine Laufbahn als Beamter einzuschlagen. Er war im Finanzbereich tätig und begann später seinem berühmten Bruder bei der Vermarktung seiner Werke zu unterstützen. Beethoven schätzte die Unterstützung sehr, denn Karl war ein fordernder und hartnäckiger Verhandler und bald schon war er zur Freude von Bruder Ludwig bei allen Verlegern verhasst.

Ludwig hatte zu beiden Brüdern ein herzliches Verhältnis, und in beiden Fällen trübte just deren Heirat die Beziehung zu ihm. Der argwöhnische Ludwig hatte von beiden Schwägerinnen eine äusserst schlechte Meinung. Bei seinem Bruder Nikolaus versuchte er in dessen Wohnort in Linz beim Bischof gar ein Verbot der Heirat zu erwirken, was seinen Bruder nachvollziehbar nachhaltig irritierte. Im Falle seines Bruders Karl war das Verhältnis zur Schägerin noch viel zerrütteter, was noch schwerwiegende Folgen haben sollte, davon später.

Auch Bonner Freunde kam nach Wien, dank deren späteren Aufzeichnungen wissen wir viel über das Leben Beethovens. Breuning stand ihm tatkräftig zur Seite und Beethoven war oft bei ihm zu Hause. Breuning half ihm sogar bei seinem Fidelio zeitweise als Librettist aus, und er meinte später Beethoven sei "eine wirkliche Anstrengung" gewesen.


Beginnende Ertaubung: Das Heiligenstädter Testament


1802 hielt sich Beethoven zur Kur in Heiligenstadt auf. Bereits als dreissigjähriger machten sich häufige körperliche Beschwerden bemerkbar. Am meisten beschäftigte ihn aber die fortschreitenden Hörprobleme. Beethoven war sich bewusst, dass dieses Leiden ihn nicht nur in seiner künstlerischen Entwicklung beeinträchtigen würde, sondern sie auch zur gesellschaftlichen Isolation führen würde. In dieser tiefen Krise schrieb er einen testamentartigen, herzergreifenden Text über sein Leiden, seine Ängste aber auch sein Entschluss sich als Künstler allen Widrigkeiten zum Trotz zu behaupten.

Möglicherweise gab es neben den körperlichen Problemen noch einen zweiten Auslöser für die Lebenskrise, nämlich die zerbrochene Beziehung zu einer Frau.

Und zwar hatte sich Beethoven in eine Klavierschülerin verliebt. Wie später so oft machte sich Beethoven Hoffnung und schrieb in einem Brief an Wegeler über Heirat. Er widmete Giulietta Guicciardi sogar die Mondscheinsonate, doch die Angebetete sagte nicht zu. Beethoven war erschüttert.


Beethovens Frauen - die unsterbliche Geliebte


Wegeler meinte in seinen Aufzeichnungen später lakonisch, dass Beethoven „sehr häufig verliebt gewesen sei, aber meistens nur auf kurze Dauer“. Tatsächlich - in den nächsten Jahren wechselten Beethovens Schwärmereien häufig, die Liste der hier aufgeführten jungen Frauen ist denn auch nicht abschliessend. Doch aus seiner Korrespondenz ist die wachsende Verzweiflung herauszuspüren, dass er aufgrund des Standesunterschiedes, denn alle seine Schwärmereien stammten aus dem Adel, und aufgrund seiner fortschreitende Ertaubung möglicherweise den Lebenstraum von Heirat und Familie aufgeben muss. Immer wieder glaubte Beethoven sich kurz vor dem Ziel, bei der Beziehung zu seiner 22 Jahre jüngeren Klavierschülerin Therese Malfatti beispielsweise hatte Beethoven sich schon den für die Heirat notwendigen Taufschein besorgen lassen.

Den traurigen Höhepunkt dieses Jahrzehntelangen Dramas bildete der in seinem Nachlass gefundene „Brief an die unsterbliche Geliebte“. Beethoven war 42-jährig als er den berühmten, dreiteiligen Brief, in einem böhmischen Kurort verfasste. Um dieses bedeutsame Schriftstück ringen sich zwei unbeantwortete Fragen.

Die erste Frage lautet, wieso das Schriftstück in Beethovens Nachlass gefunden wurde. Hat er ihn gar nicht abgeschickt, oder wurde er ihm zurückgegeben? Die zweite Frage rankt sich um die Frage wer die Adressatin war. Beethoven hat in diesen Jahren von vielen Frauen geschwärmt und die Forschung liest sich dazu wie ein Krimi. In die engere Auswahl sind beim heutigen Wissenstand zwei Frauen gekommen. Die eine Kandidatin ist Antonia Brentano, die sich in der Zeit als Beethoven den Brief abfasste, sich ebenfalls in Böhmen aufgehalten hatte.

Die Geschichte der zweite Kandidatin hat einiges an Sprengkraft. Die gebürtige Ungarin Josephine von Deym (geborene Brunsvik) war die vielleicht bedeutsamste, langanhaltende weibliche Konstante in seinem Erwachsenenleben.

Der Verlauf der Beziehung war wie oft. Er machte seiner Klavierschülerin Avancen und sie heiratete einen anderen und gebar Kinder. Ihr Mann starb aber früh und Beethoven sah erneut seine Chance. Er war ihr Klavierlehrer geblieben und hatte so einen engen Kontakt gehalten.

Doch trotz vermutlich starker Gefühle kam für Josephine die Beziehung mit den Komponisten nicht in Frage, da sie dann ihren Adels-Stand verloren hätte und, noch schlimmer, auch das Sorgerecht für ihre Kinder.

Die Beziehung blieb bestehen und man vermutet, dass es sich über längere Zeit um mehr als nur Freundschaft gehandelt hat. Interessanterweise hatte Josephine in zwei Fällen uneheliche Kinder, beide Male von Privatlehrern, die im Hause Brunsvik unterrichteten.

Da Beethoven sie unterrichtete ist nicht auszuschliessen, dass Josephine ein Kind von Beethoven hatte. Denn eine Kandidatin gibt es. 1813, ziemlich genau 9 Monate nach der Verfassung des Briefs an die unsterbliche Geliebte brachte Josephine Theresia Cornelia zur Welt, von Josephine nur Minona genannt. Minona heisst rückwärts Anonim, und ein Bild aus Theresia Cornelias späten Jahren zeigt eine auffällige Ähnlichkeit zu einem gewissen Ludwig van Beethoven. Bewiesen ist es aber nicht.



Goldene Jahre


Kommen wir wieder zurück ins Jahr des Heiligenstädter Testaments. Was auf dieses Ereignis folgte, kann mit keinem anderen Wort als dem eines „Schaffensrausches“ beschrieben werden.

Das Jahr 1804 bedeutete einen Wendepunkt im Schaffen Beethovens. Er löste sich mit einer gewaltigen Eruption aus der Lebenskrise und schrieb die Waldsteinsonate, die mit ihrem rasenden Puls einen Wendepunkt in der Klaviermusik schuf.

Kurz darauf spielte sich im Palais des Fürsten Lobkowitz eine musikalische Revolution ab. In einem Privatkonzert, vor handverlesenem Publikum, ertönte zum ersten Mal die Eroica, seine dritte Sinfonie. Jedermann im Raum erkannte, dass Beethoven mit diesem Werk in der Musikgeschichte eine neue Tür aufgestossen hatte. Das Werk beginnt mit den zwei berühmten Forteschlägen, die buchstäblich ein Jahrhundert Musikgeschichte hinwegzufegen scheinen und zu Kühnheiten führen, die bis anhin unerhört waren.

Eroica

Mit der Eroica outete sich Beethoven auch als politischer Revolutionär. Das zeigt die Tatsache dass Beethoven das Werk ursprünglich dem Umstürzler Napoleon gewidmet hatte und er es groteskerweise von einem hohen Mitglied des Wiener Adels finanzieren liess, dem erklärten politischen Feind Napoleons.

Doch als Napoleon sich kurz darauf selber zum Kaiser krönte und so Beethoven aller Illusionen beraubte, radierte Beethoven kurzerhand in heiliger Wut die Widmung aus, wovon noch heute das berühmte Loch in der ersten Seite des Autographen zeugt.

Was folgte waren seine goldenen Jahre. Schlag auf Schlag folgte Meisterwerk auf Meisterwerk. Mit jedem dieser Werke erschuf Beethoven etwas Neues, nie blieb er stehen, stets strebte er nach höchsten Masstäben. Vielleicht waren diese 5 Jahre die glorreichste kompositorische Periode, die ein Komponist der klassischen Musik je hatte.


Die Person "Beethoven"


1812 wurde Beethoven eine Lebendmaske abgenommen. Der Prozess der Erstellung war äusserst unangenehm. Ihm wurde flüssiger, nur langsam anziehender Gips auf das Gesicht aufgetragen, währenddem ihm Federkiele aus Nase und Mund ragten, um ihm das Atmen zu ermöglichen. Beim ersten Versuch riss er die Maske panisch weg, aber der zweite Versuch klappte. Es blieb ein finsterer Gesichtsausdruck, der für immer das Beethoven Bild der nachfolgenden Generationen prägte.

Tatsächlich erkennen wir aus den Schilderungen seiner Zeitgenossen einen aufbrausenden Charakter, der aber auch liebenswert und humorvoll sein konnte.

Immer wieder Gegenstand von Berichten war der Zustand seiner Behausungen. Das Chaos in Beethovens Wohnungen muss beeindruckend gewesen sein. Ab dem vierzigsten Lebensjahr häuften sich Berichte von Besuchern, die von Wasserlachen, einem staubigen Flügel und sogar nicht geleerten Nachttöpfen berichteten. Entsprechend war der Umsatz an Hausbediensteten enorm, die jeweils nach kurzer Dienstzeit dem Chaos und der Kontrollwut Beethovens entflohen.

Beethoven war sich seines Temperamentes bewusst und wusste, dass er bisweilen seine Freunde verletzte und vor eine schwere Probe stellte, er war aber auch zur versöhnlichen Geste bereit.

Zu seiner Entschuldigung muss vorgebracht werden, dass ihn die vielen körperlichen Probleme belasteten dass ein beträchtlicher Anteil der zwischenmenschlichen Probleme seinem Gehörleiden geschuldet waren, welches ihm bisweilen verunmöglichte den richtigen Ton zu treffen.

Eines der letzten Werke seiner mittleren Phase ist das so genannte Erzherzog Trio. Das Andante cantabile ist vielleicht der nostalgische Abgesang seiner schöpferischen mittleren Phase.


Krisenjahre


Mit dem Jahr 1811 begann sich ein Gewitter über Beethoven zusammenzubrauen und es begannen 8 schwere Jahre.

Den Anfang machte der Zusammenbruch der habsburgischen Währung aufgrund der finanziellen Belastung des Kriegs gegen Napoleon. Dadurch verlor Beethovens Rente massiv an Wert. Dies wog umso mehr, als seine Hörprobleme seine Auftrittsmöglichkeiten immer mehr einschränkten. Man muss sich vor Augen halten, dass zu dieser Zeit die Komponisten ihre Werke nur ein einziges Mal verkaufen konnten und keine weiteren Verwertungs-Rechte mehr besaßen. In der Praxis waren die Komponisten somit auf die Einkünfte aus Konzerten angewiesen, doch Beethoven musste so circa ab seinem 40. Lebensjahr die Konzerttätigkeit praktisch ganz einstellen.

Die schwierigste Zeit kam im Hungerjahr 1816, dem sogenannten „Jahr ohne Sommer“, als es wegen des Vulkanausbruchs in Indonesien, während 8 Monaten nur 30 regenfreie Tage gab und die unreife Ernte auf dem Feld verfaulte und das Land in eine gigantische Krise warf.

Beethoven ging es wie allen Wienern, seine ökonomische Situation verschlechterte sich rapide und ab seinem 45. Lebensjahr musste er sich vor einem Alter in Armut fürchten.

Auch familiär lief die Situation aus dem Ruder. 1815 starb Bruder Kaspar und hinterliess eine Witwe und den Sohn Karl. In Karl fand Beethoven nun den Sohn, den er nie haben durfte und er begann mit der verhassten Schwägerin eine langjährige Auseinandersetzung um das Sorgerecht und zog wiederholt vor Gericht. Er verrannte sich in seiner heiligen Wut völlig und diffamierte sie vor Gericht sogar als Hure, nur um das Sorgerecht zu bekommen. Karl wohnte sogar einige Zeit bei Beethoven, was aber nicht funktionierte, da der chaotische Beethoven Kaspar alles vorschreiben wollte. Bald flüchtete Kaspar zur Mutter und Beethoven erwirkte, dass Kaspar in ein renommiertes Internat platziert wurde. Die Streitigkeiten zogen sich über viele Jahre hin und sie belasteten Beethoven sehr.


Gehörleiden


Aus das Gehörleiden verschlimmerte sich. Von etwa 1813 an verwendete Beethoven Hörrohre, um mit seiner Umgebung zu kommunizieren und ab 1818 konnte er sich nur noch schriftlich unterhalten. Zu diesem Zweck besass er sogenannte Konversationshefte, in die seine Gesprächspartner ihre Wortmeldungen eintragen konnten, und sie wurden zu wichtigen Quellen über den Beethoven der späten Jahre. Vieles betraf alltägliche Dinge, er verwendete sie aber auch als Erinnerungshilfen und man konnte so beispielsweise seine mediznische Behandlung detailliert nachvollziehen. Typhus, Gelbsucht und ständige Koliken vergällten Beethoven das Leben. Entsprechend groß war die Zahl der konsultierten Ärzte sowie angefangene Therapien, Medikamente und Kuren.

In neuerer Zeit wurden wiederholt Haarproben analysiert und ein bedeutender Anteil der Probleme wird mit einer Bleivergiftung in Verbindung gebracht. Blei befand sich damals in vielen Lebensmitteln, insbesondere im Wein dem Beethoven beträchtlich zusprach.

In dieser aufwühlenden Periode fand Beethoven wenig Musse fürs Komponieren. Das wichtigste Werk aus dieser Zeit ist die Missa solemnis, die Beethoven allerdings zu seinen gelungensten Kompositionen zählte.


Die letzte Schaffensperiode


Gegen 1820 konnte Beethoven wieder etwas durchatmen. Er bekam das gerichtliche Vormundschaftsrecht über seinen Neffen und dieser verbrachte den Rest seiner Jugend in einem Internat. Auch finanziell entspannte sich die Situation wieder.

Einzig die unablässigen gesundheitlichen Probleme blieben Beethoven erhalten.

Am bemerkenswertesten ist, dass die praktisch vollständige Ertaubung aber nicht verhinderte, dass Beethoven sein Alterswerk mit einer erstaunlichen Innovationskraft krönte. Mit der 9. Sinfonie erfand Beethoven die Gattung neu und von nun an wurde jeder vielversprechende Komponist, der eine Sinfonie komponieren sollte an diesem Werk gemessen.


Im Genre der Streichquartette sind in Beethovens Schaffen drei Phasen auszumachen. In der frühen standen Haydns Werk Pate in den mittleren Quartetten entwickelte er seine Musiksprache dramatisch fort und löste beim Publikum Unverständnis aus. In seinem Spätwerk kehrte Beethoven noch einmal zu den Streichquartetten zurück. Seine Sprache wurde nun geradliniger. Das Opus 131 gilt für viele Kammermusikliebhaber als der Gipfel seiner Streichquartette. Für Richard Wagner war der erste Satz das wohl Schwermütigste, was je in Tönen ausgesagt worden ist, und Schubert fragte resigniert, was nach diesem Stück für die Nachkommenden noch zu komponieren übrigbliebe.



Auch im Klavier Oeuvre stiessen die 3 letzten Sonaten neue Türen auf und man ist erstaunt das zum Zeitpunkt der Komposition Haydn erst etwas mehr als 10 Jahre zuvor gestorben war. Besonders berührend ist die grandiose Arietta der letzten dieser drei Sonaten, die eine wunderbare Melancholie in sich trägt, und schon 5 Jahre vor seinem Tod eine verklärte Abschiedstimmung in sich trägt.

In seinen letzten Jahren wurde Beethoven von Leberproblemen, Gelbsucht, Wasseransammlungen, Lungenentzündungen und so weiter geradezu gepeinigt, so dass er im Jahr 1827 nach 2-tägigem Todeskampf erlöst wurde.

20.000 Personen säumten den Transport des Sargs von seiner Wohnung im Schwarzspanierhaus zum Währinger Friedhof. 1888 wurde der Leichnam umgebettet und fand ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof neben dem Ehrengrab Mozarts.




Kommentare


© 2035 Die Pop Show. Erstellt mit Wix.com

bottom of page