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Glenn Gould - Biografie: Seine Orte, seine Musik und sein Leben

peter
vor 7 Tagen
12 Min. Lesezeit
Glenn Gould  - Biografie
Glenn Gould - Biografie

Über vier Jahrzehnte nach seinem Tod hat Goulds Bedeutung nichts eingebüßt. Bis heute prägt er unsere Vorstellung von Barockmusik – allen voran von Bachs Musik.

Doch hinter der Fassade der einsamen, scheinbar exzentrischen Persönlichkeit verbarg sich ein ungemein kreativer Künstler, der von inneren Dämonen geplagt wurde, gegen die er sein Leben lang ankämpfte.

Wer war Glenn Gould und welche Menschen und Orte haben sein Leben geprägt. Eine biografische Annäherung an den Jahrhundert Künstler aus Kanada.



Doku Glenn Gould - Biografie (Video):

Glenn Gould - Biografie

 


Glenn Gould - Biografie



Behütete Kindheit


Glenn Goulds war das einzige Kind von Bert und Florence Gould. Seine Mutter musste lange auf ihr Kind warten und war bereits 40 jährig als Glenn geboren wurde.


Sie war eine geborene Grieg und war eine entfernte Verwandte des norwegischen Komponisten und gabe möglicherweise Glenn wichtige Künstler Gene auf den Weg.

Beide Eltern waren musikalisch, Vater spielte violine und die Mutter Klavier und Orgel.

Gould mit Eltern
Gould mit Eltern

Florence erklärtes Ziel war es schon früh Glenns Weg zu einem grossen Künstler zu ebnen. Sie gab ihm schon früh Unterricht und Gould erzählte später, dass er bereits mit 3 Jahren Noten lesen konnten, noch bevor er das Alphabet kannte. Gould berichtete später, dass der Besuch eines Konzertes von Josef Hofmann, zu den glücklichsten Erlebnissen seiner Kindheit gehörte.



Die Mutter hatte vor Ihrer Ehe als Gesangslehrerin gearbeitet und sie forderte Gould auf, beim Klavierspielen zu singen. Es wurde zu einer Gewohnheit, die Glenn in seinen Erwachsenenjahren nicht mehr ablegen konnte. Dutzende Konzert-Aufnahmen mit seiner mit-summenden Stimme sind Zeugen davon.


Florence tat alles um ihrem Glenn ein behütetes Zuhause zu geben und ihn von den Widrigkeiten der Aussenwelt abzuschirmen um seine Entwicklung zum Künstler zu fördern.

Gould mit Mutter
Gould mit Mutter


Der Eintritt in die Schule mit 7 Jahren führte dann auch zu einem Bruch in der Kindheit. Es war das Klassische Los des Hochbegabten der zum Aussenseiter wird. Er führt sich unwohl im starren System, das ihn lähmte und zog sich zurück in seine innere Welt,

die er bis zu seinem Lebensende wohl nie mehr verliess.


Eintritt ins Konservatorium mit 9 Jahren – der prägende Klavierpädagoge Guerrero


Die Eltern entschieden, dass Gould mit 9 Jahren einen Teilübertritt ins Konservatorium machte. Er bestand die Eintrittsprüfung mit Leichtigkeit.


Gould als Junge am Klavier
Gould als Junge am Klavier

Das Studium an Royal Conservatory in Toronto der nächsten Jahre hatte die Schwerpunkte Klavier, Orgel und Komposition.


Sein wichtigster und prägendster Lehrer wurde Alberto Guerrero. Besonders dessen Anschlagstechnik wurde für Glenn prägend:


Von nun an wurde das Non-Legato Spiel mit wenig Pedal zu einem der Markenzeichen Goulds.


Dazu fertigte sein Vater für Glenn einen höhenverstellbaren Stuhl an, auf dem Gould sehr tiefen sitzen konnte und die Tasten nach unten ziehen konnte, anstatt sie von oben anzuschlagen – eine weitere zentrale technische Idee von Guerrero.


Er benutzte diesen Stuhl für den Rest seines Lebens und nahm ihn fast überallhin mit. Er benutzte den Stuhl auch dann noch, als dessen Sitzfläche bereits völlig abgenutzt war, und wurde so sehr mit ihm identifiziert, dass er heute in einer Vitrine in der Library and Archives Canada ausgestellt ist.


Guerrero verlangte von seinen Schülern zu verlangen, eine Partitur zuerst abseits des Klaviers wie ein Buch zu lesen. Erst wenn man Struktur verinnerlicht hat, sollte man ans Klavier sitzen. Für Glenn Gould wurde das Musizieren vor allem ein geistiger Prozess. Wenn er später neue Werke ins Repertoire aufnahm, begann er oft erst 14 Tage vor dem Konzert zu üben, um ein reines, unverfälschtes mentales Bild der Musik zu bewahren.

Gould beim Partitur Studium
Gould beim Partitur Studium

Guerrero schätzte Chopin nicht sonderlich hoch ein, zwar musste Gould während des Studiums auch ein paar Werke Chopins einstudieren, doch er teilte Guerreros ablehnende Haltung zu Chopins, aber fast auch des gesamten Repertoire der Romantik des 19. Jahrhunderts. Auch der späte Mozart wurde für ihn zu einem roten Tuch. Gould erklärte später, dass er seine Musik „hedonistisch“ empfand, also als Gegengstand einer oberflächliche Theatralik.


1945 zeigte der Gould sein Können zum ersten Mal in einem öffentlichen Konzert. Die Kritik war sich einig: „ein 12-jähriges Genie sass an der Orgel“.

Im Alter von 12 Jahren bestand Gould seine Abschlussprüfung am Konservatorium im Fach Klavier mit den besten Noten aller Kandidaten und erlangte damit den Status eines professionellen Pianisten


Karrierestart und erste Kompositionen


1947 trat Gould zum ersten Mal mit einem Berufsorchester auf. Die Kritik war begeistert und sah in 16-jährigen ein vielversprechendes Talent. Die einzigen negativen Anmerkungen waren das Herumzappeln während der Orchesterpassagen.


Nun begann sich auch ein professioneller Agent um Glenns Karriere zu kümmern, doch die Eltern gaben ihm explizit vor Glenn nicht zu verheizen um eine Wunderkindkarriere anzufeuern. Besonders seine Mutter sehr nahe zu Glenn und begleitete ihn bis zu seinem 21. Alters Jahr an fast alle Konzerte.

Der junge Glenn Gould
Der junge Glenn Gould


Goulds Repertoire beinhaltete einiges an neuer Musik. Er mochte die Musik des 19. Jahrhundert nicht und hatte für sich Berg, Hindemith und Schönberg entdeckt.


Gould begann in dieser Zeit auch erste Werke zu komponieren. Seine Musik widerspiegelte seine Neigungen für das 20. Jahrhundert und man erkennt die 5 short piano pieces Hindemiths Handschrift.


1952 veränderte Gould sein Leben dramatisch. Er zog aus dem elterlichen Haus aus und zog zusammen mit dem Hund und seinem Chickering Piano in das Cottage der Familie in die Einsamkeit des Lake Simcoe.



Über Nacht zum Weltstar


Mittlerweile war man in New York aufmerksam geworden auf den Kanadischen Wunderpianisten und er erhielt eine Einladung zu einem Recital in der Town Hall.

Glenn Gould zeigte sich unbeeindruckt und setzte die praktisch unbekannten Goldberg Variationen von Bach aufs Programm.


Das New Yorker Debut war sensationell. Am nächsten Tag bot ihm Columbia einen Platten Vertrag an. Die berühmte Aufnahme der Goldberg Variationen machte Gould über Nacht zum Weltstar.


Gould begann nun sein Leben als reisender Pianist, welche ihn 1957 bis in die Sowiet Union führte und zum Ereignis des Jahres machte. Doch auch in Moskau und St. Petersburg machte er keine Kompromisse und er spielte in seinen Programmen viele 12-Tonmusik. Dazu hielt er in 2 Hochschulen über die Musik Schönbergs und Bergs, die in der Sowjetunion während der Ära des Sozialistischen Realismus unterdrückt worden war.

Gould mit Sviatoslav Richter
Gould mit Sviatoslav Richter


Gould gibt das Komponieren auf


Schon in frühen Jahren hatte Gould sein Musiker Dasein breiter vorgestellt als nur Pianist zu sein. Mit den Arbeiten an einem Streichquartett machte er sich ans Werk sein opus 1 zu komponieren.


Im Gegensatz zu seinen ersten Kompositionen präsentierte keine 12 ton musik, sondern ein komplexes, vergeistigtes kontrapunktisches werk welches in seiner tonalität nach goulds eigener Angabe nicht über die Chromatismen Wagners ging.


Um moderne Musik zu fördern, engagierte er sich als Co- Leiter am Stratford Festival und trat dort als Komponist, Dirigent und Interpret in Erscheinung.

Dort präsentierte er auch sein opus 1, doch ein opus 2 sollte es nicht mehr geben. Gould war unzufrieden und beendete seine Karriere als Komponist. Er gab später als Grund an, es gäbe schon genug mittelmässige Musik.


Gould schätzte die kreative Energie des Festivals und gab dort auch Kammermusik mit seinen Co-Festival-Leitern. Dies blieb in seinem Schaffen aber eine Ausnahme , da Gould sehr schwerfiel sich ein- und unterzuordnen.




Krise, Krankheit und Medikamentenmissbrauch


Goulds Leben war überschattet von seinen vielen echten und eingebildeten Krankheiten.

Das offensichtlichste Beispiel dafür war Goulds Kleiderwahl. Er war extrem kälteempfindlich und trug selbst an warmen Orten dicke Kleidung, selbst in Sommermonaten sah man ihn mit Handschuhen.


Körperliche Probleme begleiteten ihn schon seit Kinderjahren. Ob er körperliche Funktionsstörungen hatte ist nachträglich nicht mehr festzustellen. Belegt ist eine Wirbelsäulenverletzung, die er sich als Kind bei einem Sturz zugezogen hatte. Als Folge davon wurde er schon früh zu einem regelmässigen Konsument von Schmerzmitteln.


Die Ängstlichkeit seiner Mutter hatte vermutlich einen schlechten Einfluss auf sein soziales Verhalten, er mied Menschenmengen und begann sich vor körperlichem Kontakt zu schützen. Die ständige Angst seiner Mutter begann sich auf ihn zu übertragen und er begann Medikamente zur Behandlung von Angststörungen einzunehmen.


Mit der zunehmenden Konzerttätigkeit geselllten sich Stress und Lampenfieber hinzu, die zu Schlaflosigkeit führte was wiederum medikamentös behandelt wurde.

Um den zunehmenden Medikamenten-Cocktail im Schach zu halten nahem Gould weitere Medikamente ein, und Gould geriet bereits in jungen Erwachsenjahren in eine veritablen Teufelskreis.


Mitte der fünfziger Jahre zog Gould in ein geräumiges Appartement in Toronto. Es entwickelte sich zu einem Ort des Durcheinanders und die wenigen Personen, die die Wohnung zu Gesicht bekamen, erhielten den Eindruck eines verwahrlosten Menschen.


Leonard Bernstein erzählte die Anekdote, dass Gould eines Abends bei den Bernsteins vorbeikam um ein gemeinsames Konzert vorzubereiten. Als er die vielen Schals Mützen und Handschuhe auszog kamen sein verdrecktes und verfilztes Haar zum Vorschein, Felicia nahm in ins Bad und wusch Gould als erstes seine Haare.

Gould mit Bernstein
Gould mit Bernstein


Abschied von der Konzertbühne


Goulds begann nun immer öfter Konzerte abzusagen und bekam den Ruf einer exzentrischen Primadonna. Die Öffentlichkeit war sich der gesundheitlichen Verfassung nicht bewusst und 1961 spielte er mittlerweile nur noch 22 Konzerte statt 50 wie im Vorjahr.


1964 gab der 32-jährige in Los Angeles sein letztes Konzert, Gould begründete dies mit den Worten „er wolle kein Gladiator mehr sein“. Für Gould war das Musizieren ein zutiefst spiritueller Zustand, und er verspürte die physische Präsenz des Publikums als störend, ja sogar als „eine Kraft des Bösen“.


Für Gould entsprach dieser Entschluss einem langgehegten Wunsch, mehr Zeit als publizierender Musiker zu verbringen und seine musikalische Tätigkeit auf Studio Aufnahmen zu fokussieren.



Bach


Der wichtigste Komponist in Gould Oeuvre ist zweifellos Johannes Sebastian Bach. Seine Interpretationen der Fugen gelten der Gipfel seiner Interpretationskunst. Kein anderer Pianist konnte die kontrapunktiische Struktur der Bachschen Musik so meisterhaft herausarbeiten wie Gould.


Der Reiz den der Bach´sche Kontrapunkt auf Gould ausübte war, dass Bach „in erster Linie und letztendlich ein Architekt, ein Konstrukteur des Klangs war, und …, dass er zweifellos der größte Architekt des Klangs war, der je gelebt hat“.


Gould setzte sich in vielen Beiträgen mit der Musik Bachs auseinander.


Ein nicht zu unterschätzender Einfluss auf sein Bach-Spiel hatte in seinen Jugendjahren die Pianistin Rosalyn Tureck. Ihre Bach Interpretationen beeindruckten Gould mit ihrem strengen Metrum dem Verzicht auf Rubati. Gould empfand Turecks Spiel als frei von eitler Selbstdarstellung und es stellte die Architektur von Bachs Musik in den Vordergrund.



Im Aufnahmestudio


Für CBS war Gould ein Glücksfall. Seine Aufnahmen verkauften sich wie warme Brötchen. Dass Gould nicht mehr konzertierte führte zu keinem Rückgang der Verkäufe, im Gegenteil die Nachfrage stieg.

CBS war sich der Bedeutung Goulds bewusst und gab ihm Carte Blanche, die Liste der Werke selber zu gestalten.


Gould leistete sich so auch gewisse Exzentritäten. Beispielsweise traktierte er die Hämmer seines Klaviers mit Nägeln und imitierte den Klang eines Cembalos. Alle teilnehmenden Musiker und Produzenten waren angewidert von der Idee, selbst Gould gab zu dass das Instrument „stank“


Goulds Aufnahme Philosophie unterschied sich diametral zu andern Künstler. Für ihn galt nicht die Produktion einer „endgültigen Version“ als Ziel der Aufnahme, sondern er war der festen Überzeugung, dass es wenig Sinn mache, jahrhundertealte Stücke neu aufzunehmen, wenn der Interpret keine neue Perspektive einbringen könne.


Ein Produzent, bemerkte, dass er beim Aufnahmen gewisse Stücke bis zu einem Dutzend Mal spielte und die meisten Versionen sich sehr unterschieden. Gould aüsserte sich einmal, dass man bei Bach oft einer ganzen Reihe von dramatischen alternativen konfrontiert sieht, die alle gleichermassen befriedigend zu sein schienen.


Goulds Auffassung von Beethovens Musik war besonders umstritten. Beethoven gehörte zu seinen meistgespielten Komponisten und sein sezierende Herangehensweise stand diametral dem gewohnt romantisierenden Blick auf den Komponisten gegenüber.


Zus seinen Lieblingskomponisten gehörte Strauss. Zu seinen meistgespielten Klavierkonzerten gehört Strauss Burleske.



Fernsehproduktionen


Parallell zu seiner Aufnahmetätigkeit begann Gould sich in Fernsehproduktionen seine musikalische Welt einer breitem Publikum näher zu bringen. Er erreichte mit seinen Beiträgen ein erstaunlich breites Publikum und hatte grosses Talent seine Gedanken verständlich und interessant rüberzubringen.


Gould bewies auch wiederholt Humor und sogar komödiantisches Talent, indem er Fiktive Personen kreierte mit denen er sich über Musik unterhielt. Beispielsweise den Dirigenten Sir Nigel Sir Nigel Twitt-Thornwaite oder den Proleten Myron Chianti alias Marlon Brando.


Gould hatte eine grosse Bandbreite von Themen, die von der Musik von Bach und Schönberg führte bis zu Filmen über Einsame Orte in Kanada.

Viele seine Ideen waren nicht frei von Groteske. Eine seiner kreativsten Visionen war es, den kontrapunktischen Ansatz von Johann Sebastian Bach auf die menschliche Stimme zu übertragen. Dafür nahm er gesprochene Stimmen auf und arrangierte sie so, dass sie kontrapunktisch miteinander verwoben waren und gleichzeitig erklangen.



Der Privatmensch


1971 beschloss Gould ein Tonstudio im Eatons Auditorium in Toronto einzurichten. Columbia erklärte sich einverstanden diesen Ort neu als Aufnahmeort zu nutzen und Gould konnte sein Leben nun freier bestimmen und er intensivierte die Aufnahmetätigkeit.


Von 1967 bis 1972 lebte Gould mit der kanadischen Malerin Cornelia Foss. Foss beschrieb Glenn Gould als einen sehr liebevollen, warmherzigen und verspielten Menschen im Umgang mit ihrer Familie, merkte jedoch auch an, dass er psychisch stark belastet und mehr als „nur

neurotisch“ war.

Gould mit Ehefrau Cornelia Foss
Gould mit Ehefrau Cornelia Foss


Sie bemerkte jedoch beunruhigende psychische Veränderungen bei ihm, die bisweilen paranoide Züge annahm.

Gould schottete sein Privatleben gegenüber Aussenstehenden konsequent ab und über sein Privatleben liegt vieles im Dunklen. Teilweise wohnte er über längere Zeit in Hotels, an mehreren Adressen gleichzeitig.




Gesundheit


Im Laufe der Jahre berichtete er zudem von einer verwirrenden Vielfalt an Symptomen, die fast jedes Körpersystem betrafen

Die zahlreichen erhaltenen privaten Notizbücher zeugen von seiner Akribie und Perfektionismus. Seine Notizbücher sind auch aus medizinischer Sicht sehr aufschlussreich: Darunter befinden sich viele Seiten, auf denen er seine Symptome, Medikamente, Blutdruckwerte, Schlafgewohnheiten, Körpertemperatur und andere Daten festhielt. Besondere Sorgen bereitete ihm sein Blutdruck, den er zu Hause selbst maß, manchmal bis zu dreißig Mal am Tag – ein deutlicher Beweis für seine enorme Sorge um seine Gesundheit.


Diese Unterlagen dokumentieren seine ständige und intensive Sorge um seine Gesundheit, seine zahlreichen Ängste und seinen Drang, seinen Gesundheitszustand zu kontrollieren. Diesen Stress versuchte er insbesondere mit dem Missbrauch von Beruhigungsmitteln, Cornelia Foss berichtete, dass er bis zu zehn Valium-Tabletten pro Tag einnahm.



Letzte Projekte und Tod


Diese gesunheitlichen Probleme belasteten seine künstlerische Arbeit. Er berichtete über taube Finger, Rückenschmerzen, Sehstörungen, etc,

Verzweifelt kämpfte Gould gegen die Krankheit an, ohne die Ursachen zu beseitigen, im Tonstudio liess er sich aber nichts anmerken.


Er begann sich mehr mit Brahms zu beschäftigen. Und das erste Intermezzo strahlen mit seiner Schlichtheit bereits Einsamkeit und Abschiedsstimmung.


1981 fasst er den Entschluss mit der neu entstandenen digitalen Aufnahmetechnik eine Neuaufnahme der Goldbergvariationen zu machen.

Gould Goldberg Variationen
Gould Goldberg Variationen

Auf die stürmische, jugendliche Aufnahme von 1955 von 38 minuten erfolgte das grüblerische nicht minder berühmte Aufnahme von 1982 mit 53 Minuten Spielzeit.

Nur 2 Monate nach dem Erscheinen der Aufnahme und neune Tage nach seinem 50. Geburtstag starb Glenn Gould an den Folgen eines Schlaganfalls.

 

GLENN GOULD - BIOGRAFIE



Weitere Komponisten- und Künstlerbiografien:


Gaetano Donizetti

Herbert von Karajan








Häufig gestellte Fragen (FAQ)


Wieso sang Gould am Klavier?


Seine Mutter hatte vor Ihrer Ehe als Gesangslehrerin gearbeitet. Sie war auch seine erste Klavierlehrerin und forderte Gould auf, beim Klavierspielen zu singen. Es wurde zu einer Gewohnheit, die Glenn in seinen Erwachsenenjahren nicht mehr ablegen konnte. Dutzende Konzert-Aufnahmen mit seiner mit-summenden Stimme sind Zeugen davon.



Wie kam Gould zu seiner Klavier-Technik?


Die Eltern entschieden, dass Gould mit 9 Jahren einen Teilübertritt ins Konservatorium machte.

Sein wichtigster und prägendster Lehrer wurde Alberto Guerrero. Besonders dessen Anschlagstechnik wurde für Glenn prägend. Mit der sogenannte "Tapping-Technik", sollten die Studenten die Taste nach dem Anschlag nicht aktiv verlassen, sondern natürlich hinaufgleiten lassen, Von nun an wurde das Non-Legato Spiel mit wenig Pedal zu einem der Markenzeichen Goulds. Dazu fertigte sein Vater für Glenn einen höhenverstellbaren Stuhl an, auf dem Gould sehr tiefen sitzen konnte und die Tasten nach unten ziehen konnte, anstatt sie von oben anzuschlagen – eine weitere zentrale technische Idee von Guerrero.



Welche "Macken" hatte Glenn Gould, und wieso?


Zuerst sollte fairerweise aus Goulds Sicht nicht von Macken gesprochen werden, sondern die sogenannten "Macken" entsprangen seinen Bedürfnissen:

  • Er war extrem kälteempfindlich und trug selbst an warmen Orten dicke Kleidung, selbst in Sommermonaten sah man ihn mit Handschuhen.

  • Vor Aufnahmen legte Gould seine Arme in heisses Wasser um sie besser aufzuwärmen

  • Sein Vater hatte für den kleinen Glenn einen höhenverstellbaren Stuhl angefertigt, auf dem Gould sehr tiefen sitzen konnte und die Tasten nach unten ziehen konnte, anstatt sie von oben anzuschlagen. Er benutzte diesen Stuhl für den Rest seines Lebens und nahm ihn fast überallhin mit. Er benutzte den Stuhl auch dann noch, als dessen Sitzfläche bereits völlig abgenutzt war, und wurde so sehr mit ihm identifiziert, dass er heute in einer Vitrine in der Library and Archives Canada ausgestellt ist.

  • Er summte am Klavier oft mit, was auf vielen Aufnahmen hörbar ist

  • Dazu kommt ein exzessiver Medikamenten Verbrauch



Wieso hat Gould Medikamentenmissbrauch getrieben?


Goulds Leben war überschattet von seinen vielen echten und eingebildeten Krankheiten.

Das offensichtlichste Beispiel dafür war Goulds Kleiderwahl. Er war extrem kälteempfindlich und trug selbst an warmen Orten dicke Kleidung, selbst in Sommermonaten sah man ihn mit Handschuhen.


Körperliche Probleme begleiteten ihn schon seit Kinderjahren. Ob er körperliche Funktionsstörungen hatte ist nachträglich nicht mehr festzustellen. Belegt ist eine Wirbelsäulenverletzung, die er sich als Kind bei einem Sturz zugezogen hatte. Als Folge davon wurde er schon früh zu einem regelmässigen Konsument von Schmerzmitteln.

Die Ängstlichkeit seiner Mutter hatte vermutlich einen schlechten Einfluss auf sein soziales Verhalten, er mied Menschenmengen und begann sich vor körperlichem Kontakt zu schützen. Die ständige Angst seiner Mutter begann sich auf ihn zu übertragen und er begann Medikamente zur Behandlung von Angststörungen einzunehmen.


Mit der zunehmenden Konzerttätigkeit geselllten sich Stress und Lampenfieber hinzu, die zu Schlaflosigkeit führte was wiederum medikamentös behandelt wurde.

Um den zunehmenden Medikamenten-Cocktail im Schach zu halten nahem Gould weitere Medikamente ein, und Gould geriet bereits in jungen Erwachsenjahren in eine veritablen Teufelskreis.


Im Laufe der Jahre berichtete er zudem von einer verwirrenden Vielfalt an Symptomen, die fast jedes Körpersystem betrafen


Die zahlreichen erhaltenen privaten Notizbücher zeugen  von seiner Akribie und Perfektionismus. Seine Notizbücher sind auch aus medizinischer Sicht sehr aufschlussreich: Darunter befinden sich viele Seiten, auf denen er seine Symptome, Medikamente, Blutdruckwerte, Schlafgewohnheiten, Körpertemperatur und andere Daten festhielt. Besondere Sorgen bereitete ihm sein Blutdruck, den er zu Hause selbst maß, manchmal bis zu dreißig Mal am Tag – ein deutlicher Beweis für seine enorme Sorge um seine Gesundheit.


Diese Unterlagen dokumentieren seine ständige und intensive Sorge um seine Gesundheit, seine zahlreichen Ängste und seinen Drang, seinen Gesundheitszustand zu kontrollieren. Diesen Stress versuchte er insbesondere mit dem Missbrauch von Beruhigungsmitteln, Cornelia Foss berichtete, dass er bis zu zehn Valium-Tabletten pro Tag einnahm.




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